Richtigstellung der jüngeren südafrikanischen Geschichte – Teil 2

Gastbeitrag von Ein Deutscher aus Südafrika (Titelbild von Osimandia), ursprünglich veröffentlicht am 6. Mai 2014 auf „As der Schwerter“. Zuvor erschienen: Teil 1

Das größere Bild aus der Vogelperspektive über die Akteure, die damals gegen Südafrika agierten

Uninteressant und langwierig für Personen, die sich bereits damit auskennen, aber eine gute Einführung für diejenigen, die diesen Hintergrund noch nicht kennen. Hier kann sich der europäische Leser ein Bild machen, wie die Südafrikaner damals die Welt betrachtet haben, und mit dem vergleichen, was im Westen veröffentlicht wurde. Hier kann man sehen, gegen welche Kräfte das kleine weiße Volk an der Südspitze Afrikas zu kämpfen hatte, und zum Teil noch kämpft.

Sollte in diesen Jahren, wo die Sowjetunion noch auf dem Höhepunkt ihrer Macht war, eine schwarze Mehrheitsregierung an die Macht gekommen sein, hätte man sehr wahrscheinlich eine kommunistische Regierung, da die Schwarzen in der Masse nicht gebildet genug waren, diese Problematik zu verstehen. Bereits in den 1980er Jahren, während des Volksbefreiungskriegs (People’s War) konnten die Schwarzen in den Townships (schwarze Siedlungen) sich nicht gegen die Kommunisten wehren, wenn nicht  die Intervention der südafrikanischen Verteidigungskräfte gewesen wäre.

Dann hätten die Sowjets den Zugriff auf die Mineralien Südafrikas, wovon etliche strategische Mineralien sind, wie zum Beispiel 57 Prozent der Weltchromproduktion (99 Prozent der Reserven der Chromerze), ohne die keine modernen Düsenflugzeuge oder Marschflugkörper gebaut werden können. Und wer die Schifffahrt um das Kap der Guten Hoffnung kontrolliert, der kontrolliert eine Schlagader des Wirtschaftslebens des Westens. Schätzungsweise ein Viertel seines Öls erhält allein Westeuropa über die Kap-Route.

Das Ziel der Sowjetunion war, die beiden großen Schatzkammern zu beherrschen, von denen die freie Welt abhängig ist:

  • das Erdöl des Persischen Golfs und
  • die Mineralstoffe des südlichen Afrikas.

Quelle: Klaus Vaque, Verrat an Südafrika, ISBN 0-620-12978-6, Varama Publisher, Pretoria, 1988

Den Suez-Kanal kann man durch das Versenken von ein paar Schiffen sofort absperren, dann muss die Schiffahrt am Kap der Guten Hoffnung vorbei segeln.

Der Afrikanische Nationalkongress ist ein Relikt des Kalten Krieges, nebst der Tatsache, dass es unabhängig davon auch ein Rassenproblem (Weiß, elf schwarze Stämme, Inder, Mischlinge) gibt. Die Buren-Regierung, seit 1948 an der Macht, wollte dieses Problem durch die Rassentrennung lösen, um das potenzielle Pulverfass zu entschärfen. Dieses Rassenproblem war das Problem eines Pulverfasses, bei der die Lunte nicht angesteckt wurde, weil es ein friedliches Nebeneinander wegen einer geschickten Politik seitens des damaligen Premierministers Dr. Verwoerd gab. Bis die Schauspieler, die unten genannt werden, sich in Südafrikas Angelegenheiten durch das Anzünden der Lunte mit dem Ziel einmischten, die Buren auszuhebeln. Es gibt noch mehr Schauspieler, die nicht im Dokument genannt werden, z.B. die damalige offizielle Regierungsopposition, die PFP (Progressive Federal Party/Progressive Föderale Partei), die auch eine Mehrheitsregierung befürwortete.

Als die Buren 1948 an die Macht kamen, hatten sie die legislative (gesetzesgebende) Macht erlangt. Aber nicht die wirtschaftliche Macht. Diese Macht lag in den Händen derer, die die Bodenschätze durch den Anglo-Burenkrieg 1899 – 1902 geraubt haben.  Diese Macht reagierte sofort mit scharfer Empörung bei der Machtübernahme der Buren, und das war der Zeitpunkt, zu dem die weltweite Hetze gegen Südafrika anfing.

Das Problem des anglo-amerikanischen Großkapitals (bekannt als die Geldmacht, auch als die „Hoggenheimers“ bekannt), hauptsächlich durch die heutige Democratic Alliance Partei (Demokratische Allianz), geführt durch Hellen Zille, damals die PFP, finanziert durch Harry Oppenheimer (er besaß 80% unserer Börse) und ihre Unterstützer aus den USA, hatten die Buren nicht erfolgreich gelöst. Diese Leute und ihre Verbindungen waren die Hauptagenten, die die Britten als willige Werkzeuge gegen die Burenrepubliken in dem Anglo-Burenkrieg 1899 – 1902 aufwiegelten, und waren auch die Ursache, dass Deutschland unter Kaiser Wilhelm damals keine aktive Militärhilfe an die Buren lieferte, weil Deutschland dadurch in den Ersten Weltkrieg gestürzt wäre, und dann dennoch durch Ungeschicktheit (Krüger-Depesche) in den Krieg stürzte. Das verstehen viele Buren nicht, wenn sie sagen, dass Deutschland sie damals in Stich gelassen hatte, weil das Wissen bei ihnen fehlt. Das wurde auch nicht in der Schule gelernt, weil wir alliierten Geschichtsunterricht hatten in Hinsicht der europäischen Geschichte.

Frei übersetzt aus dem Afrikaansen (Sprache der Buren): Ein Dokument, das während eines Kurses im Jahre 1988 an Führungskräfte im Öffentlichen Dienst verteilt wurde, im Auftrag des damaligen Staatspräsidenten P.W. Botha:

VERTRAULICH.

DIE BEDROHUNG GEGEN DIE RSA (Republik Südafrika)

  1. Einleitung

1.1 Es wird allgemein erkannt, dass die Republik Südafrika die Zielscheibe von einer großen Anzahl von Ländern und Institutionen wurde, die auf dem politischen, wirtschaftlichen, militärischen und kultur-gesellschaftlichem Gebiet Angriffe gegen das Land unternehmen. Diese Angriffe haben in den letzten Jahren in einem solchen Umfang und Intensivität zugenommen, dass man berechtigt sagen kann, dass das Land heute unter einen totalen Anschlag leidet. Dieser Anschlag ist darauf ausgerichtet, eine schwarze Regierung in Südafrika an die Macht zu bringen.

1.2 Eine Voraussetzung für die erfolgreiche Bekämpfung des Anschlags ist, dass mit der Bürgerschaft, vor allem bei den Staatsbeamten, keine Zweideutigkeit bestehen sollte über den Charakter und die Identität des Feindes, seine Motive und seine Methoden.

  1. Der Anschlag aus dem Ausland

Es ist üblich, dass die Organe, die Südafrika außerhalb seiner Grenzen bedrohen, in breiten Gruppierungen zu beschreiben, insbesondere dort, wo es möglich ist, gemeinsame Ziele in solch einer Gruppe zu identifizieren.

2.1 Der UdSSR und ihre Verbündeten

2.1.1 Die erste, aber nicht unbedingt die wichtigste Gruppe der ausländischen Aggressoren, kann als die UdSSR und ihre Satellitenstaaten identifiziert werden. Diese Gruppe von Ländern, vor allem die UdSSR, wird von kommunistischen Parteien regiert, die untrennbar mit einem Kampf um die Weltherrschaft verbunden sind.

2.1.2 In das Interesse an diesem Kampf ist, wie zu erwarten, ein besonderes Augenmerk auf die strategischen Regionen der Welt gerichtet. Das südliche Afrika und vor allem Südafrika ist aufgrund seiner Lage an der südlichen Spitze des afrikanischen Kontinents und seinem Besitz der größten Vielfalt und Vorrats von wertvollen und wichtigen Mineralien, eine solcher strategischen Regionen.

2.1.3 Über einen langen Zeitraum haben die Sowjetunion und ihre Verbündeten systematisch teilgenommen an der ideologischen Beeinflussung von wichtigen Teilen der südafrikanischen Bevölkerung, der Organisierung, Ausbildung und Bewaffnung militanter Organisationen wie der Südafrikanischen Kommunistischen Partei und des südafrikanischen Nationalkongresses, und die Ausübung von Druck auf die afrikanischen Staaten, um diese Organisationen und Surrogatmächte unterzubringen und hilfreich zu sein

2.1.4 Obwohl die Sowjetunion und ihre Verbündeten nicht zielgerichtet versuchten, ihr ultimatives Ziel, nämlich die Schaffung eines untergeordneten kommunistischen Regimes in Südafrika zu etablieren, zu verdecken, wurde dieses Ziel jedoch in den Hintergrund geschoben durch ihre erklärte und oft wiederholte Absicht, für die Gegenwart nur eine Revolution im Interesse einer Mehrheitsregierung zu verfolgen. Indem sie dieses Zwischenziel immer wieder betont, schafft es die Sowjetunion und ihre Agenten, die Zusammenarbeit von militanten schwarzen Nationalisten zu erreichen, und Uneinigkeit mit nicht-kommunistischen Elementen zu vermeiden.

2.2 Der Westen

2.2.1 Die zweite Gruppe, die als Teilnehmer an dem Angriff auf die RSA identifiziert werden kann, ist die USA und ihre westlichen Verbündeten. Wie die Sowjetunion erkannten diese westlichen Gruppen gründlich den Wert der RSA als eine strategische Region, aber vor allem geht es bei dieser Gruppe um den Schutz von erheblichen Investitionen, die bereits im Land sind. Diese Investitionen, die oft mehr als die Interessen dieser Länder im gesamten übrigen Afrika wert sind, müssen im Interesse der Länder gesichert und geschützt werden. Dies, so fühlen sie, kann nur realisiert werden, wenn sie frühzeitig Einfluss in den revolutionären schwarzen Kreisen erwerben, da sie davon überzeugt sind, dass eine Revolution in Südafrika unvermeidlich ist, sollte das Prinzip der Mehrheitsregierung nicht akzeptiert werden.

2.2.2 Der Westen und die Sowjetunion hatten darum in einem gewissen Sinn das gleiche Streben, weil ihr unmittelbares Ziel sich gleicht. Die Steyn Kommission bezeichnet dieses Phänomen als „das Paradox, dass das westliche Auftreten den Marxismus fördert, und letzterer offenbar (aber nicht wirklich) der westlichen Aktion weiterhilft“.

2.2.3 Wo sowohl der Westen als auch die Kommunisten das gleiche unmittelbare Ziel in Südafrika anstreben, ist es erwähnenswert, dass sie nicht der gleichen Methodik folgen. Abgesehen von begrenzter Hilfe, die über Umwege in den sechziger Jahren zu einer einzigen Sabotagegruppe ging, verzichtet der Westen auf offizielle Unterstützung, die direkt mit gewalttätigem Auftreten verbunden wird. Wo materielle Unterstützung doch an revolutionäre Gruppen wie den ANC (Afrikanischer Nationalkongress), PAC (Pan Africanist Congress), SWAPO (South-West Africa People’s Organisation) und Black Power Gruppen geschenkt wird, wird deutlich darauf abgezielt, diese Organisationen aus der kommunistischen Einflusssphäre zu „kapern‘, anstatt ihre Interessen zu fördern.

2.2.4 Der Westen konzentriert sich vor allem auf die Identifizierung und Gestaltung eines Kaders der schwarze Führer, die in der Zukunft eine wichtige Rolle in einer schwarzen südafrikanischen Regierung spielen können. Mit diesem Ziel vor Augen werden schwarzen Akademiker, Gewerkschaftsleute, Journalisten, Schriftstellern und Politiker hofiert, und durch Frontgruppen wie das African-American Institute (AAI) und den International University Exchange Fund (IUEF) großzügig für die Bedürfnisse von jugendlichen Flüchtlinge aus dem Land gesorgt. Die Kommunisten dagegen konzentrieren sich fast hauptsächlich auf die militärische Ausbildung der künftigen Terroristengruppen.

2.2.5 Ein anderer bemerkenswerter Unterschied in der Methodik zwischen Ost und West ist in der Herangehensweise an neue Investitionen in der RSA zu bemerken. Kommunistische Länder und Agenten befürworten insgesamt Desinvestition, während die westlichen Institutionen weitere Investitionen befürworten, aber insbesondere so vorgesehen, dass sie als Druckmittel gegen die Regierung genutzt werden müssen. Bei der Finanzierung von Terrororganisationen und ihrer Unterstützung spielen die skandinavischen Länder, vor allem durch die Vereinten Nationen, eine führende Rolle.

2.2.6 Die Sowjetunion und ihre Verbündeten streben nach der kompletten Isolierung der RSA, aber der Westen betätigt sich hier nur in bestimmten ausgewählten Bereichen, wo solche Isolation seinen eigenen Interessen nicht schadet, zum Beispiel im sportlichen und kulturellen Bereich.

2.2.7 Beide Gruppen sehen die internen Beziehungsprobleme, Gewerkschaften, Bildungswesen und die Presse als Bereiche, in denen fruchtbar gegen die Interessen des RSA organisiert werden können.

2.3 Dritte Welt

2.3.1 Eine dritte Gruppe von Ländern, die dafür zuständig sind, dass der externe Angriff auf die RSA am Leben gehalten wird, sind jene Länder, die zusammen als die Dritte Welt bezeichnet werden. Die Länder der Dritten Welt waren fast ausschließlich in der Vergangenheit Kolonien oder abhängige Gebiete der weißen imperialistischen Mächte. Der lange Kampf, den die Einwohner in diesen Ländern gegen verschiedene Formen von Rassismus oder Farbdiskriminierung durchführten, und ihre Furcht, dass dieser Imperialismus stets in den Gebieten unter weißer Herrschaft weitergeführt wird, macht sie instinktiv misstrauisch gegenüber der RSA mit ihrer weißen Regierung und ihrer Geschichte der rechtskräftigen Segregation und Herrschaft.

2.3.2 Obwohl die Länder der Dritten Welt materiell keinen wesentlichen, großen Beitrag in dem Angriff auf die RSA liefern, ist es wahr, dass eines von ihnen (Kuba) sich als Surrogatmacht der Sowjetunion benutzen lässt, in einer Rolle die bei ihrer endgültigen Verwendung gegen die RSA gerichtet ist. Es ist auch wahr, dass die Länder der Dritten Welt, insbesondere diejenigen in Afrika, die wichtigste Rolle in Weltkörperschaften wie der OAU und der Vereinten Nationen spielen.

2.3.3 Kurz gesagt, wenn man die Situation in den Konturen nehmen müsste, dann kann man sagen, dass bei dem Angriff auf die RSA die kommunistischen Staaten Waffen und Terroristenausbildung bieten, der Westen materielle Unterstützung bietet, und die Dritte Welt mit den afrikanischen Staaten an der Spitze die politischen Impulse. Diese Verteilung der Beiträge zu dem Angriff ist nicht das Ergebnis einer internationalen Verschwörung und Absprache zwischen den drei beteiligten Gruppen. Es ist vielmehr der Fall, dass jede Gruppe einen Beitrag auf diesem Gebiet liefert, für den er eine besondere Fähigkeit hat. Die Kommunisten sind in revolutionärer Methodik und Technik geschult. Der Westen hat das Geld. Die Dritte Welt weiß, dass sie als Ergebnis der großen Anzahl Menschen und Rohstoffe über große politische Macht verfügt. Jeder beteiligt sich an dem psychologischen / gesellschaftlichen Angriff, vor allem so weit es die Propaganda betrifft – der einzige Unterschied ist, dass der Propaganda-Angriff aus dem Westen subtiler ist als derjenige, der von den kommunistischen und Afrikablöcken gestartet wurde.

2.4 Die UNO

2.4.1 Es ist eine Tatsache, dass viele Südafrikaner dazu neigen, die Vereinten Nationen geringzuschätzen. In der Tat ist es wohl die Körperschaft, welche die Hauptrolle im weltweiten Kampf gegen die RSA spielt. Der Zweck der UNO im Hinblick auf Südafrika wird wie folgt zusammengefasst:

– Den Austausch der südafrikanischen Regierung durch die Nutzung aller verfügbaren Mittel, einschließlich des gewaltsamem Kampfes, durch eine Regierung, die von dem ANC und dem PAC gebildet wird.

2.4.2 In der Verfolgung dieses Ziels versucht die UNO, Südafrika auf den wirtschaftlichen, sozialen, politischen, diplomatischen, militärischen, kulturellen und sportlichen Bereichen zu isolieren. Ein verpflichtendes Waffenembargo gegen die Republik wurde bereits durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verabschiedet, und andere Bemühungen, Sanktionen zu verhängen, wurden immer nur vom westlichen Veto aus Eigeninteresse verhütet.

2.4.3 Die Tendenz, die Vereinten Nationen bloß als ein „Diskussionshaus“ zu sehen, zeugt von Unwissenheit über die wahre Natur der Körperschaft. Finanzielle Unterstützung durch die Vereinten Nationen für anti-südafrikanische Terror- und Flüchtlingsgruppen beliefen sich bisher auf 109 Millionen Dollar, und die Neigung ist, immer größere Beträge zu bewilligen. Darüber hinaus gibt es die Tendenz, Organisationen zu schaffen und Gelder bereitzustellen, mit dem alleinigen Zweck der Bekämpfung von Südafrika. Im Jahr 1960 gab es keine solchen Organisationen im UNO-System, im Jahr 1965 waren es drei, im Jahr 1970 gab es acht, im Jahr 1975 gab es zehn, und im Jahr 1978 gab es dreizehn.

2.4.4 Die Gelder, die für diese Organisationen bewilligt wurden, in Bezug auf nur drei von ihnen, von 1976 – 1977 und von 1980 – 1981, eskalierten von 2 Millionen Dollar auf zehn Millionen Dollar. Beschlüsse gegen die RSA in der Generalversammlung und anderen Organen der Vereinten Nationen stiegen von fünf im Jahr 1962 auf 38 im Jahr 1978.

2.5 Die OAU

2.5.1 Im Rahmen der UNO ist die OAU-Gruppe (Organisation für Afrikanische Einheit, Vorgängerorganisation der Afrikanischen Union) die tonangebende Gruppe, wenn es um Fragen im Zusammenhang mit dem südlichen Afrika geht. Neben der Tatsache, dass die OAU mit einer Mitgliedschaft von 50 die größte regionale Gruppierung bildet, gibt es auch eine Vereinbarung mit der Arabischen Liga, um Probleme des südlichen Afrikas und des Nahen Ostens als gemeinsame Themen für ein gemeinsames Auftreten in internationalen Foren. Die OAU-Gruppe gibt auch den Ton an in der Blockfreien Gruppe, die aus 96 der etwa 150 Mitglieder der Vereinten Nationen besteht. Initiativen gegen die RSA beginnen in der Regel in der OAU, von dort zu der Blockfreien Gruppe, dann zu der Generalversammlung der Vereinten Nationen und letztlich zum Sicherheitsrat.

2.5.2 Der Direktor des Afrika-Instituts, Professor Leistner, drückte es so aus:
–„The withholding of Western recognition from Transkei and Bophuthatswana, the long drawn-out fight against South Africa over South West Africa, the increasing isolation of the RSA in sport and over international relations – all this might not have come about the way it has without the OAU’s dogged anti-white campaigning in the UN and related bodies”.

Frei übersetzt: „Die Zurückhaltung der westlichen Anerkennung von Transkei und Bophuthatswana, der lang gezogene Kampf gegen Südafrika über Südwestafrika, die zunehmende Isolierung der RSA im Sport und in den internationalen Beziehungen – all dies wäre vielleicht nicht in dieser Art und Weise gekommen ohne die verbissenen anti-weiß-Kampagnen der OAU in der UNO und die damit verbundenen Einrichtungen“.

2.5.3 Obwohl bereits angegeben wurde, dass der Westen bisher sein Veto im Sicherheitsrat gegen externe internationale Maßnahmen gegen die RSA einlegte, die für das Eigeninteresse handeln, kann Südafrika sich nicht darauf verlassen. Es gibt auch Präzedenzfälle, wo ein Veto gegen internationale Maßnahmen im Sicherheitsrat von einer so genannten „uniting for peace“ (vereinen für den Frieden) Resolution in der Generalversammlung umgangen wurde.

  1. Die militärische Bedrohung

3.1 Im internationalen militärischen Bereich haben die Spannungen zwischen den USA und der UdSSR und ihren jeweiligen Verbündeten derzeit ein hohes Niveau erreicht. Die Sowjetunion war noch nie zuvor so parat wie gegenwärtig. Auf der anderen Seite hat die Freie Welt im vergangenen Jahrzehnt zugelassen, das sie militärisch geschwächt wurde, und ihr Aufrüstungsprogramm wird zunächst etwa fünf Jahre dauern, um in der Lage zu sein,  die Parität im konventionellen militärischen Bereich mit der Sowjetunion zu erreichen. Mit ihrem Angriff in Afghanistan zeigte die Sowjetunion, dass sie bereit war, militärische Maßnahmen zu ergreifen, um ihre Interessen zu schützen und zu erweitern.

3.2 Neben der Sowjetunion selber wird vor allem durch Kuba und Ostdeutschland weiterhin Militärhilfe an radikale Regierungen im südlichen Afrika gewährt. Es gibt anhaltende Hinweise darauf, dass Ostdeutschland bereit ist, in größerem Umfang Militärhilfe für Angola und insbesondere Mosambik zu gewähren. Kubas Fähigkeit, sich in abgelegenen Gebieten militärisch zu engagieren, wird durch wirtschaftliche Probleme und entwickelnde innere Unruhen bedroht, aber es ist zu erwarten, dass die UdSSR bereit wäre, zunehmend Unterstützung an Kuba zu gewähren, damit sie ihr Engagement in Afrika fortsetzen können.

3.3 Waffenlieferungen an die Nachbarstaaten der RSA werden weitergeführt, trotz des wirtschaftlichen Niedergangs dieser Länder, und die mangelnde Fähigkeit, selbst die hochentwickelte Rüstung zu handhaben. Der Aufbau solcher Rüstung in den Nachbarstaaten der RSA Nachbarn hält für uns diese Gefahr bereit, dass sie kurzfristig durch Surrogatmächte gegen uns mobilisiert und verwendet werden kann. Diese Situation könnte eine plötzliche Veränderung in der Machtbalance im südlichen Afrika veranlassen.

3.4 Mehrere dieser Nachbarstaaten verleihen Militäranlagen und Unterstützung an den südafrikanische ANC und die SWAPO, von wo aus sie Angriffe auf die RSA und Südwestafrika fortsetzen können. Trotz der Tatsache, dass die Fähigkeit der SWAPO derzeit einen Tiefstand durch effektive Verteidigungskräfte Aktionen erreichte, kann das Ende der Konfliktsituation in Südwestafrika derzeit nicht abgesehen werden. Der südafrikanische ANC genießt Unterstützung in Angola, Sambia, Botswana, Mosambik und Lesotho, und wenn Mugabe seine innenpolitische Situation stabilisiert und konsolidiert hat, kann aktive Unterstützung auch aus dem Ort erwartet werden.

  1. Die Bedrohung im Inland

4.1 Wie angedeutet ist das Zwischenziel von Südafrikas ausländischen Aggressoren die Einrichtung einer Mehrheitsregierung in diesem Land, die mit Berücksichtigung der Bevölkerungszusammensetzung offenbar eine schwarze Regierung sein sollte.

4.2 In diesem Licht gesehen ist es klar, dass die nichtweiße Bevölkerung Südafrikas eine Schlüsselposition bekleidet und die Zielgruppe ist, auf die die feindlich Eingestellten sich zuspitzen.

4.3 Propaganda, manchmal auf Wahrheiten aber mehr auf Unwahrheiten und Halbwahrheiten basierend, wird auf die Zielgruppe gerichtet, oft mit großem Erfolg. Da wird z.B. gesagt, dass 87% der Bevölkerung nur 13% des Landes besitzen, dass die Nichtweißen keine Stimme in der Zentralregierung haben, dass ein Ungleichgewicht zugunsten der Weißen in den Ausgaben der öffentlichen Gelder für Bildung und Ausbildung herrscht, dass institutionalisierte Unterdrückung der Nichtweißen Teil der Regierungspolitik ist, das Farbdiskriminierung sich in vielen Bereichen der Gesellschaft auf die Unterdrückung und Ausbeutung der Nichtweißen richtet und dass Initiativen der Regierung im Interesse der politischen Lösungen nur weitere Spaltung und Benachteiligung der Nichtweißen sind.

4.4 Diese Propaganda in Verbindung mit bestimmten Faktoren, die die nichtweiße Bevölkerung in einigen Fällen dafür empfänglich machen, führt dazu, dass es feindlichen Gruppen im Inland nie an neuen Mitgliedern und Anhängern fehlt. Von den Faktoren, die hier beteiligt sind, werden die folgenden aufgeführt:

4.4.1 Eine heterogene Zusammensetzung der Bevölkerung und die anschließende Spannungen zwischen Gruppen. Das Vorhandensein einer „fünften Kolonne“.

4.4.2 Unbefriedigte Bestrebungen und steigende Erwartungen bestimmter Bevölkerungsgruppen im sozialen, wirtschaftlichen und politischen Bereich.

4.4.3 Die ungleiche Verteilung der Einkommen als Folge der historischen und anderen Faktoren.

4.4.4 Die Existenz einer hoch entwickelten kapitalistischen Wirtschaft parallel zu einer Subsistenzwirtschaft.

4.4.5 Die Tatsache, dass  immer noch Zwischenfälle auftreten, die Erscheinungsformen von Rassismus sind.

4.5 Die Bekämpfung der feindlichen Gruppen wird weitgehend durch die Tatsache erschwert, dass Südafrika ein Land ist, wo es die Redefreiheit gibt, wo Anti-Regierungs-Aussprachen in den Zeitungen frei berichten, und wo Opposition gegen die Regierung ein angeborenes Recht ist.

4.6 In einem solchen Land ist es extrem schwierig, zwischen einem Feind des Staates und einem unschuldigen Kritiker der Regierung zu unterscheiden. Es bietet eine nützliche Deckung für feindlich Eingestellte, vor allem der großen Zahl der druckausübenden Gruppen, die sich aktiv mit verschiedenen Aspekten des intervölkischen Problems des Landes bemühen.

4.7 Viele dieser Druckgruppen, wie z.B. die so genannten schwarzen Bewusstseins-Organisationen wie AZAPO (Azanian People‘s Organisation), AZASO (Azanian Students Organization) und andere, zeigen eine enge Verwobenheit mit ausländischen feindlichen Organisationen wie der Anti-Apartheid-Bewegung und dem Weltkirchenrat, und es ist ein ständiges Wechselspiel zu erkennen hinsichtlich Geld, Personal-und Propagandamaterial unter den inländischen Gruppen und ihren ausländischen Versorgungsquellen. Lokale Gruppen lehnen sich stark auf die Gelder und Unterstützung, die sie aus dem Ausland erhalten, während die ausländischen Gruppen ständig von den Inlandsgruppen frisches sogenanntes „Tatsachenmaterial“ erhalten über die „Unterdrückung“, die die Nichtweißen in Südafrika befallen würde.

4.8 Es scheint, als ob die Interaktion zwischen lokalen und ausländischen Aktivisten bereits ihre eigene Dynamik entwickelt, die ungefähr wie folgt wirkt: Um ausländische Fonds zu erwerben, muss der lokale Aktivist „Beweise“ der Unterdrückung liefern. Die besten „Beweise“ sind Obrigkeitsauftritte gegen Aktivisten. Solche Maßnahmen werden dann absichtlich provoziert, was dazu führt, dass die Geldmittel erhalten werden. Provozierende Reden, Aufstachelung der Uninformierten, Missbrauch der Fragen und bewusste Störung der intervölkischen Beziehungen sind Beispiele für das, was hier gemeint ist.

  1. Der Staatsbeamte und die Bedrohung

5.1 Obwohl der Stand der Dinge wie oben skizziert, den Eindruck erwecken kann, dass die südafrikanischen Behörden machtlos sind, den Anschlag gegen das Land wirksam auszuschalten, muss der informierte Beamte erkennen, dass er oder sie einen wichtigen Beitrag liefern kann.

5.2 Es ist klar, dass ausländische Aktionen oft mit inländischen Aktionen verknüpft werden, die wiederum oft auch mit gedankenlosem Handeln der Beamten verknüpft werden. Wo das Auftreten der Beamten so ist, dass es Aktivisten nicht zu Aktionen veranlasst, sind sie dabe,i den Feind erfolgreich zu bekämpfen.

5.3 In der Praxis bedeutet dies, dass:

5.3.1 Beamte sich bemühen müssen, nicht die Würde der Bürger, unabhängig von ihrer Farbe, durch irgendeine Aktion zu beeinträchtigen.

5.3.2 Gar keine Vorzugsbehandlung ausschließlich auf der Grundlage Farbe zu geben.

5.3.3 Darauf zu achten und sensibel zu sein für Situationen, in denen Nichtweiße unter den Eindruck gebracht werden können, dass gegen sie diskriminiert wird.

5.3.4 Den Schutz, die die Staatsmaschine vor Ausbeutung und Kriminalität bietet, auch gewissenhaft im Interesse der Nichtweißen zu pflegen.

5.3.5 Soziale Fragen wie die Nutzung von Grundausstattung, Unterkunft, Transport- oder Gesundheitsdienstleistungen frühzeitig erkennen und gewissenhaft versuchen, sie zu beseitigen.

5.3.6 Provokation von Aktivisten als das, was sie ist, zu erkennen, und nicht zu undurchdachtem Auftreten gezwungen zu werden.

5.3.7 Klarheit über Begriffe wie Kommunismus und Agitation zu kriegen, und sich nicht absichtlich an Kennzeichnung von Nichtweißen schuldig zu machen.

5.4 Es bleibt eine Tatsache, dass es angesichts der Realitäten der heutigen Zeit wichtig ist, dass die RSA im Interesse von Stabilität, Fortschritt und ihrem Fortbestand als ein entwickelter Staat, gegen Überreaktion nach der einen oder der anderen Seite wachsam sein muss. Ein Geist des Defätismus, wodurch zugelassen wird, das der politische Prozess ins Schlepptau derjenigen genommen wird, die eine radikale Umkehr der herrschenden Ordnung sehen wollen, ist genauso gefährlich wie ein Geist der hartnäckigen Weigerung, aus einer Position der Macht, und im Rahmen einer sinnvollen politischen Ordnung, zu verhandeln und anzupassen.

5.5 Bedrohungsbekämpfung, Verhandlungen, Anpassungen und die Handhabung von Engpässen können nicht auf einer ad hoc Grundlage geschehen. Ein totaler Anschlag erfordert die gesamte Anwendung der politischen, wirtschaftlichen, sozialen und militärischen Elemente der nationalen Machtbasis. Zu diesem Zweck hat jeder Staatsbeamte einen Beitrag zu liefern.

Pretoria
14 Juli 1980

Fortsetzung: Teil 3

*     *     *

Neue Kommentarpolitik auf „Morgenwacht“: Wie bereits hier unter Punkt 1 angekündigt, am Schluß dieses Kommentars wiederholt als Absicht geäußert und in diesem Kommentar endgültig festgelegt, werden neue Kommentatoren nicht mehr zugelassen und sind die Kommentarspalten nur noch für die bereits bekannte Kommentatorenrunde offen.

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