Der wahre Ursprung der Sinti und Roma (Teil 2 von 3)

Von Sándor Avraham, übersetzt von Lucifex. Das Original The True Origin of Roma and Sinti erschien auf Myths, Hypotheses and Facts Concerning the Origin of Peoples. [Anm. d. Ü.: der Autor, der selbst ein Zigeuner ist, argumentiert darin, daß sein Volk aus einem verlorenen jüdischen Stamm des nördlichen Königreichs Israel hervorgegangen ist.]

Zuvor erschienen: Der wahre Ursprung der Sinti und Roma (Teil 1 von 3)

Die lange Reise nach Indien

Zurück zur Geschichte unseres Volkes: Das oben Beschriebene ist das Land, wo wir sie im Jahr 722 v. Chr. finden. Dies war der Beginn ihrer neuen Sprachevolution und der Beginn ihres Vergessens des Volkes, das sie einst waren, außer ihrem Bewußtsein, ein anderes, ein besonderes Volk zu sein, das sich nicht mit den „Goyim“ (später Gadje) vermischen darf. Sie haben bestimmte Regeln, auf die sie nicht verzichten werden, die Reinheitsgesetze und den Glauben an Einen Gott, den Einen, der versprach und erfüllte: sie werden wieder im Exil sein, vielleicht für immer… Sie werden nicht mehr „Israel“ genannt werden, nun sind sie bloß „Menschen“, die ihre Vorväter im ägyptischen Exil „Rom“ nannten.

Nach der Assyrerherrschaft deportierten die Babylonier auch ihre südlichen Brüder, aber diese behielten ihre Identität, ihre Gesellschaftsstruktur und ihren Priesterstamm, und 70 Jahre später kehrten sie nach Kanaan zurück, nachdem sie nun als „Juden“ anerkannt waren. In ihrem relativ kurzen Exil gelang es ihnen, einen Teil ihrer nördlichen Brüder zurückzuholen, aber der Großteil blieb im Exil.

Babylon fiel unter eine neue aufsteigende Macht, Medo-Persien, ein nichtsemitisches Volk, das vielmehr mit den Hurritern/Mitanni verbunden war. Sie hatten eine besondere Religion, zu der Feueranbetung und Magie gehörten; tatsächlich wurde ihre Priesterkaste Mager genannt. Das exilierte Volk, vormals Israeliten und nun einfach „Menschen“, Rom, war in solchen Künsten sehr begabt und verstand, daß es profitabel war, sie zu praktizieren, daher wurden diese Elemente in ihre eigene Kultur übernommen, aber hauptsächlich betreffend ihres Verhaltens gegenüber den anderen, den Gadje. Das persische Reich war riesig und erstreckte sich bis hinauf nach Sakastan [Sīstān], über den Sindh hinaus. Dies war ein sehr begehrenswertes Land und wird ihnen auch geholfen haben, ihr Exil in Assyrien zu vergessen; das richtige Land, um sich niederzulassen und ein neues Leben zu beginnen…

Nun hat in den letzten Jahren eine internationale jüdische Organisation namens Kulanu („Wir alle“), die hauptsächlich darauf abzielt, die verlorenen Stämme des alten Israel zu finden, Erfolg bei dieser Aufgabe, und es gibt ein besonderes Gebiet der Welt, wo viele von ihnen endlich gefunden worden sind: Indien. Es gibt Nachkommen der von den Assyrern exilierten Israeliten in jedem Teil Indiens, von Kaschmir bis Kerala, von Assam bis Afghanistan. Sie werden nicht durch ihre Sprache identifiziert, die eine indische ist, sondern durch andere kulturelle Merkmale – doch keiner davon versammelt so viele hebräische Elemente wie die Roma!

Tatsächlich zeigen hinsichtlich der Orte, wohin die allgemein so genannten verlorenen Stämme Israels migrierten, überwältigende Beweise, daß der größte Teil während der persischen und mazedonischen Herrschaft nach Indien übersiedelte, und die meisten von ihnen bevorzugten das skythisch-sarmatische Gebiet, nämlich das Industal, Kaschmir, Rajasthan und die obere Gangesregion. Natürlich waren sie keine homogene Masse mehr, da sie in separaten Gruppen in verschiedene Länder migrierten und neue eigene Ethnien schufen; dies bedeutet, daß die Roma nur einer von mehreren israelitischen Gruppen sind, die ihren Ursprung nicht mehr kennen – der Unterschied ist, daß die Roma in den Westen zurückkehrten und die Aufmerksamkeit der Europäer auf sich zogen, während die anderen im Osten blieben und immer noch ignoriert werden, und vielleicht die meisten der Merkmale verloren haben, die es ermöglichen, sie zu identifizieren, Eigenschaften, die die Roma in einem akzeptablen Maß beibehalten haben.

Was Wissenschaftler nicht berücksichtigen, wenn sie das Thema des Ursprungs der Roma studieren, ist die ethnische Komplexität Indiens in dieser Periode, und sie nehmen an, daß es ein beinahe mono-ethnisches, monolithisches arisches Volk war, eine trügerische Annahme, die in ihrer Forschungsarbeit definitiv irreführend ist. Tatsächlich lag die strikt arische Region südöstlich von Uttar Pradesh und östlich von Rajasthan-Gujarat, während die Regionen und Länder westlich von ihnen von skythisch-sarmatischen, iranischen und sogar griechischen Völkern bewohnt wurden, plus den israelitischen Exilanten. Eine allgemeine Erforschung der Völker und Stämme, die vom nordwestlichen Gebiet des indischen Subkontinents bis zur iranischen Region wohnten, enthüllt, daß fast alle von ihnen, wenn nicht alle, in ihren Traditionen den Glauben bewahren, daß sie aus dem Westen kamen, und für gewöhnlich ihre Einwanderung entweder mit den exilierten Israeliten oder den Kontingenten in Verbindung bringen, die von Alexander dem Großen in dieses Gebiet gebracht wurden. Manche paschtunische Clans sowie die meisten Stämme der Kaschmiri behaupten eine israelitische Abstammung und führen den Ursprung ihren Familie sogar auf König Shaul zurück; eine ähnliche Tradition existiert unter den Kalash von Nuristan, die in vieler Hinsicht an das Roma-Volk erinnern. Die assyrisch-hebräischen Exilanten fanden unter den skythisch-sarmatischen Völkern eine größere Toleranz als unter irgendeinem anderen, und ihre Länder wurden gegenüber jenen der viel intoleranteren Arier bevorzugt. Dasselbe geschah mit ihren jüdischen Brüdern. Es ist eine bedeutsame Tatsache, daß der Großteil von ihnen, den Juden und Roma, viele Jahrhunderte lang eine sichere Zuflucht im skythisch-sarmatischen Europa fanden; tatsächlich ist das Zentrum beider Kulturen Osteuropa gewesen, besonders Ungarn und Rußland. Die Sprache Romanes wäre buchstäblich verschwunden, wenn Roma nicht in jenen Ländern gewohnt hätten, da es eine bewiesene Tatsache ist, daß die Grammatik und ein beträchtlicher Teil des ursprünglichen Vokabulars von Romanes in Mittel- und Westeuropa aufgrund von Verfolgungen und des Verbots des offenen Ausdrucks der Roma-Kultur verlorengegangen sind, in gleicher Weise, wie den Juden verboten wurde, ihr eigenes Judentum zu praktizieren – ohne zu vergessen, was es für Roma bedeuten würde, nach der Shoah/Porhaymós als „arisch“ bezeichnet zu werden… Der Aufenthalt beider Völker in Osteuropa hat sogar einige der Merkmale hinsichtlich der Kleidung bestimmt; tatsächlich gehört die heutige typische Kombination aus Anzug und Hut, die von den meisten orthodoxen aschkenasischen Juden getragen wird, zu den polnischen und baltischen Notabeln des späten Mittelalters und der nachfolgenden Zeit und unterscheidet sich nicht so sehr von den Anzügen und Hüten, die von Männern der „orthodoxesten“ Roma-Gruppen getragen werden. Neben der Kleidung haben Roma-Männer für gewöhnlich Koteletten, ein akzeptabler Ersatz für den jüdischen „pe’ot“ [ Schläfenlocken, hebräisch: Peot, wörtl. Ecken, in aschkenasischer Aussprache Pejes, Pajes oder Pajess, auch Beikeles oder Bejkeles].

Prämissen für eine Hypothese

  • Spirituelle und kulturelle Merkmale der Roma stimmen ausschließlich mit alten hebräischen Merkmalen überein;
  • die in der Roma-Gesellschaft vorhandenen Elemente der Feueranbetung deuten darauf hin, daß die Roma sich lange genug in Persien aufhielten, um sie zu übernehmen, und zwangsläufig vor der islamischen Herrschaft, das bedeutet, bevor sie in Indien ankamen;
  • Überreste einiger früher skythisch-sarmatischer Rudimente in den Bräuchen der Roma sind die einzigen Spuren ihres Aufenthaltes in Indien (neben der Sprache) und enthüllen, daß sie in der nicht-arischen Region Indiens siedelten; solche Elemente gehören zu dieser Periode und keiner späteren, denn die skythisch-sarmatische Kultur war großteils von den slawischen und magyarischen Zivilisationen absorbiert worden, als Roma in Osteuropa ankamen;
  • Betreffend die Sprache ist es sehr wahrscheinlich, daß die Roma bereits eine indische Sprache sprachen, bevor sie den Subkontinent erreichten, und daß solch eine Sprache die hurritische war, die während ihrer ersten Jahrhunderte des Exils im Land Mitanni übernommen wurde.

Die Fakten

Es gibt unbestreitbare Tatsachen hinsichtlich des Roma-Volkes, die den Schlüssel für die Entdeckung ihres wahren Ursprungs liefern und es ermöglichen, einen plausiblen historischen Weg auszuarbeiten. Hier beabsichtige ich, einige davon darzulegen.

Der Glaube

Der Glaube der Roma weist die folgenden Charakteristika auf:

  • Strikter Monotheismus, ohne die geringste Spur irgendeiner angeblichen früheren polytheistischen oder pantheistischen Religion.
  • Der sehr persönliche Charakter Gottes, der zugänglich ist und mit dem es möglich ist, eine Diskussion zu haben (hebräische Auffassung) – nicht unnahbar wie Allah und auch nicht relativ zugänglich wie im christlichen Glauben, der für gewöhnlich einen Vermittler für einen persönlichen Kontakt mit Ihm benötigt.
  • Die Existenz einer spirituellen Welt, die aus reinen und unreinen Geistern besteht (hebräische Auffassung), die das Gute und das Böse repräsentieren, die einander bekämpfen – dies ist ebenfalls ursprünglich hebräisch, aber mit einem deutlichen zoroastrischen Einfluß, der ein typisches Ergebnis des assyrisch-babylonisch-persischen Exils ist und sich in derselben Weise entwickelte wie der kabbalistische Judaismus, was eine zeitgleiche Evolution der Roma-Spiritualität und des mystischen Judaismus innerhalb desselben Umfelds zeigt.
  • Der Glaube an den Tod als definitiven Übergang in die spirituelle Welt (hebräisch). Nicht die geringsten Spur irgeneiner Vorstellung von Wiedergeburt.
  • Die tote Person ist während ihrer Reise in das Reich der Seelen unrein (hebräisches Konzept), und alle Gegenstände, die mit ihrem Tod verbunden sind, sowie auch ihre Verwandten während der Zeit der Trauer (hebräisches Konzept). Weitere Details unter dem nächsten Thema „marimé“.
  • Das Ziel der Roma nach dem Tod ist das Paradies, während Gadje nur erlöst werden und das Paradies verdienen, wenn sie gut zu Roma gewesen sind – identisch mit dem jüdischen Konzept der „Gerechten unter den Goyim“.

Diese Glaubensmuster gehen über jede „offizielle“ Religion hinaus, zu der die Roma sich bekennen mögen. Es gibt für gewöhnlich zusätzliche Merkmale und Rituale, die zu ihrem angenommenen Glauben gehören und die sie in malerischer Weise ausdrücken und mit großem Respekt beachten, zum Beispiel das „pomana“, eine orthodoxe Praxis, oder andere Zeremonien. Es gibt auch ergänzende Elemente einer ziemlich abergläubischen Natur, die alle mit der Feueranbetung des alten Persiens verbunden sind. Manche davon werden als für ihre eigene Gesellschaft gültig betrachtet, wie dauerhaft ein Feuer im Haus entzündet zu haben, Tag und Nacht, Winter und Sommer (eine Tradition, die von den konservativsten Familien immer noch eingehalten wird, während sie sich im Allgemeinen zu einem „symbolischen“ Feuer wie das Fernsehgerät entwickelt, das immer eingeschaltet ist, auch wenn niemand wirklich zusieht). Andere Bräuche werden nur nach außen praktiziert, wie Wahrsagerei, Handlesen, Tarot etc., an deren Macht Roma nicht glauben, sondern die sie benutzen, um etwas Profit von den Gadje zu beziehen. Dies ist von den altpersischen Magern und Alchemisten gelernt worden.

Es gibt fundierte Gründe zu glauben, daß die Roma seit dem ersten nachchristlichen Jahrhundert Christen waren, das heißt, bevor sie in Indien ankamen oder während der ersten Zeit ihres Aufenthalts dort, und das ist der Grund, warum sie kein hinduistisches Konzept in ihre religiöse Auffassung übernahmen. Es scheint, daß die Roma sehr gut Bescheid wußten, woraus das Christentum bestand, als sie nach Europa kamen, obwohl sie keine Möglichkeit gehabt hatten, jemals die Bibel zu lesen. Es gibt etwas Mysteriöses in der Roma-Spiritualität, die sie in den letzten Jahrzehnten zu einer echten Annäherung an die evangelikalen Bewegungen geführt hat (die Form des Christentums, die dem Judaismus näher ist, ohne Heilige und Bilderverehrung), und neuerdings zu einem weiteren Schritt hin zum messianischen Judaismus. Es gibt kein anderes Volk auf der Welt, das solch eine massive Zahl von Konversionen in solch kurzer Zeit erlebt hat. Interessant ist, daß dieses Phänomen nicht das Ergebnis von Missionierungsarbeit ist, sondern von spontanem, autonomem Willen (tatsächlich hätten Gadje es kaum gewagt, „Zigeuner“ zu evangelisieren, sie sich laut ihren vorurteilsbehafteten Ansichten okkulten Künsten und der Hexerei widmeten). Gegen alle Wahrscheinlichkeit erfuhren Roma aus verschiedenen Ländern zu ungefähr derselben Zeit, ohne Verbindung zueinander, Konversionen und begannen die Bibel zu lesen. Nun wird die Missionierungstätigkeit unter Roma und Sinti von ihnen selbst weitergeführt. Dies könnte man erklären, indem man versteht, daß es ein atavistisches Erbe gibt, welches ein einzigartiges Merkmal der Roma-Spiritualität ist. Die meisten Roma geben nun die ererbten feueranbetenden Elemente und die von der Thora verbotenen Praktiken auf, wie Pomana, Wahrsagerei und andere damit verbundene Dinge.

Eine plausible Mutmaßung (wohlgemerkt: eine Mutmaßung) ist, daß ihre erste Annäherung an den christlichen Glauben mit den biblischen Magern verbunden sein könnten, die das Kind Yeshua von Natzaret anbeteten [Anm. d. Ü.: damit dürften die Heiligen Drei Könige gemeint sein]; offenkundig waren sie keine persischen Feueranbeter, sondern Menschen, die auf die Verheißung eines Messias für Israel hofften, also Israeliten des nördlichen Königreichs, die zu der Zeit voll in den zoroastrischen Kult eingetaucht waren und doch auf die Erlösung ihres Volkes warteten. Historische Darstellungen berichten, daß im ersten nachchristlichen Jahrhundert massive Bekehrungen in Assyrien stattfanden, wohin die Apostel gingen, um die „verlorenen Schafe“ des Hauses Israel zu retten, da viele sich immer noch in dieser Region befanden. Manche der Apostel erreichten Indien auf der Suche nach ihnen. Eine seltsame Tatsache ist, daß die jüngst entdeckten Israeliten Indiens fast alle Christen waren, keine Hindus oder etwas anderes. Das völlige Fehlen von Hindu-Elementen in der Roma-Spiritualität muß etwas bedeuten.

Die rituellen Reinheitsgesetze, „marimé“

Das Roma-Konzept des „marimé“ ist gleich der negativen Form des jüdischen Konzepts „koscher“, Ersteres zeigt rituelle Unreinheit an, während Zweiteres sich auf rituelle Reinheit bezieht. Abgesehen von diesem Unterschied des Blickpunktes ist die Essenz dasselbe (es ist wie zu sagen, ob das Glas halb voll oder halb leer ist). Was für einen Rom marimé ist, ist für einen Juden nicht koscher, daher werden sie beide die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um durch solche Dinge nicht beschmutzt zu werden, oder falls sie eine notwendige, unvermeidliche Kontaminierung sind, dann werden beide bestimmte Regeln befolgen, um gereinigt zu werden. In gleicher Weise wie die jüdische Kaschrut sind die Regeln für das marimé ein fundamentaler Wert in der Roma-Gesellschaft, der die Verhaltensgrenzen innerhalb ihres sozialen und spirituellen Bereichs festlegt und ihre Beziehung zur Außenwelt (der Gadje-Gesellschaft) konditionieren.

Roma klassifizieren alles in zwei Kategorien: „vuzhó“ (koscher, rein) oder „marimé“ (unrein). Solch eine Klassifizierung betrifft hauptsächlich den menschlichen Körper, erstreckt sich aber auch auf den spirituellen Bereich, das Haus oder Lager, Tiere und Dinge.

  • Der menschliche Körper: die Regeln betreffend die menschlichen Körperteile, die als unrein zu betrachten sind, sind genau dieselben, die wir in der mosaischen Torah finden (Leviticus, Kapitel 15). An erster Stelle die Geschlechtsorgane, nachdem sie die unreine Entladung aus dem inneren Körper befördern, und der untere Teil des Körpers, weil er unterhalb der Genitalien liegt. Der obere äußere Teil des Körpers ist rein, und vor allem der Mund. Die Hände stellen einen Übergang dar, nachdem sie sowohl reine als auch unreine Handlungen durchzuführen haben, daher müssen sie auf besondere Weise gewaschen werden, zum Beispiel wenn jemand essen muß, nachdem er sich die Schuhe angezogen hat oder aus dem Bett erwacht ist (das Bett ist unrein, nachdem es Kontakt mit dem Unterleib hat). Wenn die Hände beschmutzt worden sind, sollten sie mit einer separaten Seife gewaschen und mit einem separaten Handtuch abgetrocknet werden, um sie rein zu machen. Verschiedene Seifen und Handtücher werden immer für den oberen und den unteren Körper benutzt, und sie dürfen nicht gegeneinander ausgetauscht werden.
  • Kleider: sie sind genau unterschieden, nachdem sie getrennt gewaschen werden müssen, in separaten Gefäßen, die jeder Kategorie zugeordnet sind. Unreine Kleider müssen immer im marimé-Becken gewaschen werden, und reine Kleider sind immer noch von den Tischtüchern und Servietten getrennt, die ihr eigenes Waschgefäß haben. Kleider für den Oberkörper und Kinderkleider werden im vuzhó-Becken gewaschen, Kleider für den Unterkörper im marimé-Becken. Alle Kleider der Frau sind während ihrer Menstruation unrein und werden mit den marimé-Sachen gewaschen. Die einzigen Menschen außer den Roma, die diese Waschregeln anwenden, sind Juden.
  • Das Lager: vor der in neuerer Zeit erzwungenen Urbanisierung war das Roma-Heim das Lager statt des Hauses. Das Lager genießt den Status der territorialen Reinheit, wegen der die physiologischen „Geschäfte“ außerhalb seiner Nähe verrichtet werden (oder schließlich werden die hygienischen Dienste nach außerhalb des Lagers verlegt); dies ist ein jüdisches Gesetz (Deuteronomium 23:12). Auch sollte Müll in akzeptabler Entfernung vom Lager weggeworfen werden.
  • Geburt: Das Gebären von Kindern ist ein unreines Ereignis und sollte in einem isolierten Zelt außerhalb des Lagers stattfinden, wenn möglich. Nachdem das Kind geboren wurde, wird die Mutter vierzig Tage lang als unrein betrachtet, hauptsächlich in der ersten Woche: diese Regel ist einzigartig für die mosaische Thora – Leviticus 12:2-4. Während dieser Zeit darf die Frau nicht mit reinen Gegenständen in Berührung kommen oder irgendeine übliche Tätigkeit wie Kochen ausführen, oder überhaupt in der Öffentlichkeit erscheinen, hauptsächlich in Anwesenheit der Älteren; sie darf an keinem Gottesdienst teilnehmen. Besondere Teller, Tassen und Bestecke werden ihr zugewiesen, die weggeworfen werden, nachdem die 40 Tage ihrer Reinigung vorbei sind, die Kleider, die sie trug, und ihr Bett werden verbrannt, wie auch das Zelt oder der Wohnanhänger, wo sie während dieser 40 Tage untergebracht war. Dieses Gesetz ist jedem Volk unbekannt außer den Roma und Juden.
  • Tod: so wie im jüdischen Gesetz vermittelt der Tod von jemandem Unreinheit für jeden und alles, der oder das in diesem Moment mit dieser Person zu tun hatte. Alle im Haus des Toten vorhandenen Lebensmittel sollten weggeworfen werden, und die ganze Familie ist drei Tage lang unrein. Besondere Regeln sind während dieser drei Tage einzuhalten, wie sich nur mit Wasser zu waschen, um keinen Schaum zu erzeugen; sich zu kämmen oder zu rasieren ist verboten, genauso wie Weinen, Löcher zu machen, zu schreiben oder zu malen, Fotos aufzunehmen und viele andere Dinge. Spiegel werden verhüllt. Das Lager, wo der Tod stattfand, wird anderswohin verlegt, oder das Haus wird verkauft. Man glaubt, daß die Seele des Toten während dreier Tage der Reinigung wandert, bevor sie ihren finalen Aufenthaltsort erreicht: dies steht nicht in den hebräischen Schriften, aber es ist dennoch eine gängige Idee in manchen mystischen judaistischen Strömungen. Die Vorstellung, daß Kontakt mit einer Leiche Unreinheit bringt, findet man in keiner antiken Tradition außer in der jüdischen Bibel (Leviticus 21:1). Wie es das jüdische Gesetz festlegt, sollte auch unter den Roma der Tote begraben werden und darf nicht verbrannt werden.
  • Dinge: diese können von Natur aus oder durch Gebrauch marimé sein oder durch zufällige Umstände beschmutzt werden. Was immer vom unteren Körper berührt wird, ist unrein, wie Schuhe, Stühle etc., während Tische rein sind. Die Regeln betreffend diese Gesetze sind in Leviticus 15 und anderen hebräischen Schriften beschrieben.
  • Tiere: Roma betrachten Tiere als rein oder unrein, auch wenn die Muster, nach denen sie eingestuft werden, sich von den jüdischen unterscheiden. Zum Beispiel sind Hunde und Katzen marimé, weil sie sich ablecken, Pferde, Esel und alle Tiere, die zum Reiten benutzt werden, sind unrein, weil Menschen auf ihnen sitzen, und so weiter. Unreine Tiere dürfen nicht gegessen werden.
  • Geister: die bösen Geister sind marimé, was auch ein jüdisches Konzept ist.

Ehegesetze

Verlobung und Heirat unter Roma werden in gleicher Weise gefeiert wie im alten Israel. Die Eltern beider Partner spielen eine wesentliche Rolle beim Arrangieren der Mitgift für die Braut, und die Feier wird innerhalb der Roma-Gemeinschaft abgehalten, ohne jegliche Teilnahme von Gadje-Institutionen. In dem Fall, wo das Mädchen ohne Einwilligung ihrer Eltern mit ihrem Verlobten wegläuft, werden sie als verheiratetes Paar betrachtet, aber die Familie des Ehemannes muß den Eltern der Frau eine Entschädigung zahlen, die üblicherweise dem Doppelten der Mitgift entspricht; diese Entschädigung wird „kepara“ genannt, ein Wort, das dieselbe Bedeutung wie der hebräische Begriff „kfar“ hat (Deuteronomium 22:28-29). Die Zahlung der Mitgift durch die Familie des männlichen Partners an die Eltern der Frau ist eine biblische Regel, genau das Gegenteil zu den indischen Völkern, bei denen es die Familie der Braut ist, die an jene des Ehemannes zahlt.

Es gibt eine besondere Vorschrift, die beachtet werden muß, um die Ehe zu konsolidieren, das „Jungfräulichkeitsbeweistuch“, das der gesamten Gemeinschaft nach dem ersten Geschlechtsverkehr gezeigt werden sollte – dies ist eine Regel, die man in der Thora, Deuteronomium 22:15-17 findet. Natürlich ist diese Regel im Fall davonlaufender Paare bedeutungslos und wird folglich nicht beachtet.

Sozialverhalten

Wie Juden nehmen Roma verschiedene Verhaltensmaßstäbe für die Beziehungen mit ihren eigenen Leuten und für die Interaktion mit Außenseitern an, daher können wir mit Sicherheit sagen, daß der Gegensatz Roma/Gadje und Juden/Goyim in recht ähnlicher Weise geregelt und vielleicht in fast allen Details identisch ist.

Nachdem die Gadje die Regeln nicht kennen, die das marimé regulieren, wird vermutet oder einfach angenommen, daß sie unrein sind, folglich würden Roma nicht in Gadje-Häusern wohnen und nicht mit Gadje essen; manche Roma betreten nicht einmal ein Haus eines Gadje – denselben Brauch findet man im alten Israel, und er wird von orthodoxen Juden immer noch praktiziert. Gadje, die zu Freunden von Roma werden, werden eingelassen, sobald sie über die hauptsächlichen Regeln Bescheid wissen, die sie beachten sollten, um die Gemeinschaft nicht zu beleidigen, und nachdem sie ein paar „Zuverlässigkeitstests“ bestanden haben. Ansonsten werden Gadje-Insitutionen als „Freihandelszone“ betrachtet, wo unreine Aktivitäten sicher durchgeführt werden können – ein typisches Beispiel ist ein Krankenhaus, wo man kein besonderes Zelt für das Kindergebären aufzustellen braucht.

Höflichkeit, Respekt und Gastfreundschaft sind innerhalb der Roma Pflicht. Wenn sie einander grüßen, sollten sie einander nach der Familie fragen und allen Mitgliedern Gutes und Segen wünschen, selbst wenn sie einander zum ersten Mal begegnen und die Familie des jeweils anderen nicht kennen. Wenn man sich vorstellt, gehören dazu die Namen der Eltern, der Großeltern und so viele Generationen, wie man sich erinnert – amtlicher Name und Nachname sind irrelevant: Roma werden genannt wie im alten Israel, A, Sohn von B, Sohn von C aus der Familie der Ds. Dies ist jedoch ein häufiges Merkmal vieler östlicher Völker, aber die Art, wie Roma diese Begriffe formulieren, ist recht biblisch.

Rechtsangelegenheiten unter Roma werden der Versammlung der Ältesten vorgelegt, genau nach dem mosaischen Gesetz. Diese Ältestenversammlung der Roma wird „kris“ genannt und ist ein echter Gerichtshof, dessen Urteilen man gehorchen sollte, andernfalls die ungehorsame Partei aus der Roma-Gemeinschaft verbannt würde. Die Fälle sind für gewöhnlich nicht so schwerwiegend, daß sie nicht durch Bezahlung einer Wiedergutmachung gelöst werden können, wie es durch die Thora geregelt ist (Exodus 21:22; 22:9; Deuteronomium 22:16-19).

Es gibt viele andere Aspekte, die von zweitrangiger Bedeutung sein mögen, aber jedenfalls an die Bräuche und Regeln der alten Israeliten erinnern. Leider gehen solche Details mit neuen Generationen verloren (so wie viele auch unter Juden verlorengegangen sind), weil moderne Gesellschaftssysteme die individuelle Freiheit und jene „exotischer“ Gemeinschaften einschränken. Doch die Gefühle und Tendenzen der Roma sind zu berücksichtigen, da sie einem angestammten psychologischen Erbe entsprechen, das von Generation zu Generation weitergegeben wurde, in einer unbewußten Weise, die aber an die wahren Ursprünge erinnert. Zum Beispiel empfinden Roma überhaupt keine Hingezogenheit zur indischen Kultur oder Musik (außerdem haben Roma-Frauen eine tiefe Stimme, im Gegensatz zu den indischen Sängerinnen, ein Detail, das unbedeutend sein mag, aber vielleicht auch nicht), während sie immer nahöstliche Musik bevorzugt haben. In Osteuropa sind die meisten Volksausdrucksweisen entweder jüdisch oder zigeunerisch, und viele Male wird dasselbe Werk der einen oder anderen dieser beiden Traditionen zugeschrieben. „Klezmorim“-Bands setzten sich oft aus Roma gemeinsam mit Juden zusammen, und der europäische Jazzstil ist von Roma wie auch von Juden gepflegt worden. Flamenco enstand wahrscheinlich unter sephardischen Juden, bevor sie aus Spanien vertrieben wurden, und wurde später von Roma entwickelt, die in jenem Land verblieben. In anderer Hinsicht haben Roma ein großes kommerzielles Geschick (und wenn sie in einer Partnerschaft arbeiten müssen, werden Juden bevorzugt), und diejenigen, die sich für eine berufliche Eingliederung in die Gadje-Gesellschaft entscheiden, bevorzugen für gewöhnlich dieselben Karrieren, die von Juden gewählt werden (vielleicht in Verbindung mit den Reinheitsgesetzen, die nicht die Ausführung von jeder Art von Arbeit erlauben). Zuletzt treffen Roma eine Unterscheidung zwischen gewöhnlichen „Gadje“ und Juden, die nicht als volle Gadje betrachtet werden, sondern als eine Zwischenkategorie, die die Reinheitsgesetze beachtet und folglich nicht dem marimé-Verdacht ausgesetzt sind.

Siehe auch: Romany Law.

Konklusion:

Dieser kurze Essay beabsichtigt, die Prinzipien festzulegen, auf denen eine neue, genaue und seriöse Erforschung der Ursprünge der Sinti und Roma begründet sein sollten, statt auf dem Beharren darauf, mit einem nur linguistischen und irreführenden Trend weiterzumachen. Die vorgelegten Fakten schließen nicht aus, daß Roma wirklich in Kannauj oder irgendwo sonst in Indien gewohnt haben, obwohl das Industal das geeignetste Land für ihren Aufenthalt auf dem Subkontinent zu sein scheint, zeigen aber, daß die Roma nicht dem indischen (und überhaupt nicht dem arischen) Hintergrund angehören, sondern einem semitischen und genauer einem hebräischen Ursprung. Israelitische Gruppen waren in ganz Indien zahlreich, und es ist möglich gewesen, manche von ihnen wiederzuentdecken, indem man die linguistische Spur beiseite legte (weil sie alle indische Sprachen sprachen) und die Forschung auf einige kulturelle Hinweise konzentrierte, die den wahren Ursprung enthüllten. Solche Hinweise sind bis jetzt weniger relevant als jene, die wir jetzt in der Roma-Kultur finden können, und doch haben sie genügt, um die israelitische Abstammung festzustellen.

Siehe Map of Migrations of Peoples from Mesopotamia to India [Anm. d. Ü.: die konnte ich wegen der Copyrightsperre nicht für eine Einfügung hier kopieren.]

Weiterer Lesestoff

Eine genaue Erforschung der historischen Entwicklung der Fakten zeigt, daß die Theorie vom Ursprung in Kannauj unhaltbar ist. Die Darstellungen der ghaznavidischen Eroberung bezeugen unglaubliche Zahlen von Gefangenen und unvorstellbare Grausamkeit: sobald alle in Kannauj gefangengenommenen Soldaten getötet waren, wurden Hunderttausende von Gefangenen gefesselt, geschwächt, erniedrigt, zur Konvertierung gezwungen und auf den Sklavenmärkten verkauft. Es soll in diesem Essay keine detaillierte Beschreibung jener Terrorfeldzüge abgegeben werden. Manche Theoretiker spekulieren, daß der Ursprung der Roma in diesen Massendeportationen zu finden sein könnte: es ist ziemlich schwierig, sich vorzustellen, daß jene Gefangenen, die als Sklaven verkauft, im ganzen Reich verstreut und gezwungen wurden, Moslems zu werden, jemals die Möglichkeit gefunden haben könnten, als organisierte Gruppe von Menschen mit einer gemeinsamen Sprache und Kultur zu fliehen, ohne eine Spur von Islamisierung und mit einem wohldefinierten Ziel: die christlichen Länder im Westen zu erreichen. Solch eine Hypothese klingt recht unmöglich, wenn man die systematische Vernichtung der Persönlichkeit bedenkt, die von den ghaznavidischen Unterdrückern an den Gefangenen durchgeführt wurde.

Die korrekte Reihenfolge der ethnischen, sozialen, kulturellen und religiösen Merkmale, die über die Jahrhunderte Erfolg hatten, die in der Chronologie des Industales betrachtet werden, liefert einen Schlüssel für das Verständnis der Herkunft dieses Volkes und der Gründe ihres Exodus in den Westen. Wir haben genug Elemente zur Stützung der Hypothese, daß die Ursache für den Exodus der Roma hauptsächlich religiöser Natur waren, nicht nach den moslemischen Invasionen, sondern während des Aufstiegs der hinduistischen Hegemonie in der Rajput-Ära. Die frühen Berichte über die Ankunft der Roma in Europa sind tatsächlich mit religiöser statt ethnischer Indentität verbunden: ob behauptet oder wahr, die verschiedenen Gründe, die von den Roma für die Erlaubnis zur Überquerung der Grenzen angegeben wurden, waren Pilgerfahrt, Verfolgung oder andere ähnliche Behauptungen, und sie haben sich ganz von Anfang an immer als Christen identifiziert.

Der Nazarenerglaube kam im Industal während des 1. Jahrunderts n. Chr. an. Laut den spärlichen Dokumenten, die überlebten, wurde dieser Glaube zuerst von den exilierten Israeliten angenommen, die seit mindestens dem 4. vorchristlichen Jahrhundert in Indien anwesend waren. Obwohl manche Traditionen nicht als wahre Fakten ernstgenommen werden sollten, bis die Ereignisse, die sie behaupten, historisch bewiesen sind, verdient die Darstellung zumindest bis zu dem Grad geglaubt zu werden, in dem es die Beweise ermöglichen. Einer der antiken literarischen Texte, der als Legende betrachtet wurde, ist das apokryphe Buch der Taten des Thomas, das in Kapitel 17 verzeichnet, daß der Apostel Toma den Hof des Königs Gondapharna im Pandschab besuchte. Der Historiker Eusebius von Caesarea erwähnt in Historia Ecclesiastica, III.1 Toma als den Apostel, der in das Königreich der Parther geschickt wurde. Gondapharna ist von Historikern nur als legendäre Gestalt betrachtet worden, bis seine Existenz im Jahr 1872 verifiziert wurde, und die Periode, in der er regierte, wurde dank einer Inschrift bestimmt, die mit seinem 26. Regierungsjahr datiert war, welches das Jahr 47 n. Chr. war. Laut dieser Entdeckung und weiterer Forschungen ist es unvermeidlich anzuerkennen, daß der Autor der Taten des Thomas mit den zeitgenössischen Quellen wohlvertraut war, da Schriftsteller einer späteren Periode den Namen des Königs nicht hätten kennen können.

Nach dieser ersten Annäherung des frühen Christentums an das Industal betrieben assyrische Missionare eine ausgedehnte Evangelisierungsarbeit auf dem gesamten Kontinent durch, wie auch andere Emissäre, die die [Apostel-] Briefe weitergaben, die auf Griechisch geschriebenen waren, das zur gemeinsamen Sprache der Christen in all den Ländern wurde, die ehemals von Alexanders Ländern erreicht wurden, und die von hellenisierten Völkern weithin benutzt wurde.

An dieser Stelle können wir auf der Suche nach einem Hinweis zur Erkennung des frühen religiösen Glaubens der Roma, als sie immer noch im Exil im Industal waren, auf die Roma-Sprache zurückgreifen. Einer der Begriffe, die kein Wissenschaftler in befriedigender Weise erklären können hat, ist das Ethnonym dieses Volkes: „Rom“. Manche spekulative Theorien sind formuliert worden, um irgendeinen Sanskrit-Ursprung dieses Wortes zu finden, aber ohne überzeugendes Ergebnis. Statt einer ethnischen Bezeichnung könnte dieser Begriff eine religiöse Identität gewesen sein: Ρωμαίοι (Romaioi), nämlich Christen.

Ein zweites wichtiges Romanes-Wort, das zu derselben Schlußfolgerung führt, ist khangheri, das heute als „Kirche“ übersetzt wird. Tatsächlich zeigt dieser Begriff spezifisch entweder eine Synagoge oder einen christlichen Tempel an keine andere. Warum hat die Roma-Sprache dieses Wort für eine Gebetsstätte, und keinen Sanskrit-Begriff, der entweder „hinduistischer Tempel“ oder „buddhistische Stupa“ bedeutet. Warum gibt es nicht einmal einen Romanes-Begriff, der „Moschee“ bedeutet?

Der Schauplatz, auf dem der Roma-Exodus stattfand, ist besser verständlich, wenn wir den Beginn der brahmanischen Unterdrückung und der erzwungenen Eingliederung in das Kastensystem als den Grund für eine organisierte Menschengruppe mit eigener Kultur, Gesetzen und religiösen Mustern betrachten, in eine definierte Richtung auszuwandern: die christlichen Königreiche im Westen.

Es ist auch vernünftig, diese Migration vor die moslemischen Invasionen zu verlegen: es war beinahe unmöglich, daß Menschen, die versklavt und zum Konvertieren gezwungen wurden, es geschafft haben konnten, innerhalb eines kurzen Zeitraums zu entkommen, sodaß sie keinen arabischen oder türkischen Begriff in ihrer Sprache behielten, noch irgendeinen Brauch oder ein anderes Kulturmerkmal (der türkische Einfluß auf die Roma-Gruppen des Balkans fand statt, nachdem sie bereits in Europa waren, während der osmanischen Herrschaft, nachdem der Balkan und Anatolien römisch-byzantinische Domänen waren, als die Roma in Europa ankamen). Roma blieben in Anatolien, solange die Region unter christlicher Herrschaft war, bevor sie nach Europa kamen.

Als die Roma beschlossen, das Land zu verlassen, in dem sie jahrhundertelang gewohnt hatten, hatten sie ein definiertes Ziel: der christliche Bereich im Westen. Sie zogen hastig weg und beeilten sich, die Länder zu erreichen, zu denen sie unterwegs waren, ohne lange in den Ländern zu bleiben, die sie auf ihrem Weg fanden. Die einzigartigen Merkmale des Roma-Gesetzes liefern viele Schlüssel für die Kenntnis der Gründe solch eines Exodus. Sie waren ein separates Volk, das eine uralte semitische Tradition hatte und tief vom zoroastrischen Mystizismus und vom skythischen Lebensstil beeinflußt war – sie hatten wahrscheinlich auch ein gewisses Maß an Mischehen mit ihren skythischen Nachbarn gehabt.

Fortsetzung:

Der wahre Ursprung der Sinti und Roma (3)

*     *     *

Neue Kommentarpolitik auf „Morgenwacht“: Wie bereits hier unter Punkt 1 angekündigt, am Schluß dieses Kommentars wiederholt als Absicht geäußert und in diesem Kommentar endgültig festgelegt, werden neue Kommentatoren nicht mehr zugelassen und sind die Kommentarspalten nur noch für die bereits bekannte Kommentatorenrunde offen.

Hinterlasse einen Kommentar

Ein Kommentar

  1. Im Zusammenhang mit Indien sind auch die Parallelen zu hinduistischen Praktiken interessant, die z. B. im Buch „Länder der Erde: Indien” von der TIME-LIFE Redaktion so beschrieben werden:

    Ein Ergebnis dieser Verschmelzung von Kulturen war die äußerst komplizierte hinduistische Religion mit ihren Hunderten von Göttern und ihrer Lehre von der Seelenwanderung. Die kulturelle Verflechtung führte außerdem zur Entstehung des Kastensystems, das die hinduistische Gesellschaft bis zum heutigen Tag gliedert. Es gibt Tausende verschiedener Kasten in Indien. Die Mitglieder einer jeden Kaste richten ihr Leben so ein, daß sie möglichst wenig mit Außenstehenden in Kontakt kommen, da sie glauben, durch Speisen, Wasser oder die Berührung all jener, die in der Kastenhierarchie unter ihnen stehen, verunreinigt zu werden.

    …und etwas weiter hinten ab Seite 45:

    Im wesentlichen geht es bei allen Verhaltensmaßregeln darum, was als rein und was als unrein zu betrachten ist. Diese beiden Kategorien bilden die Grundlage des Hinduismus und wirken sich auf alle Lebensbereiche aus. Sie sind jedem Gläubigen stets gegenwärtig und dienen zur Begründung der strengen Trennung zwischen den einzelnen Kasten, so daß sich ihr Kontakt auf das absolute Mindestmaß beschränkt. Den Menschen des Westens mögen die komplizierten Regeln, die Reinheit und Unreinheit bestimmen, wunderlich und häufig auch widersprüchlich erscheinen. Dennoch hat das System seine eigene Logik. Hohe Kasten gelten als vollkommen rein, wenngleich auch bei ihnen eine vorübergehende Verunreinigung möglich ist. Niedere Kasten sind dagegen unwiderruflich befleckt, was immer sie auch tun. Aber da selbst bei ihnen die Möglichkeit einer noch stärkeren Verunreinigung besteht, ist jeder, ausgenommen Angehörige der untersten Gesellschaftsschichten, darauf bedacht, sich zu schützen.

    Verunreinigung läßt sich mit Hilfe von Riten beseitigen. Im allgemeinen ist die Läuterung mit Baden – manchmal auch mit Fasten – und dem Sprechen von Gebeten verbunden. Ein Mann, der nicht genau weiß, welches Ritual in einem relativ selten vorkommenden Fall von Verunreinigung – etwa bei Ehebruch mit einer Frau aus einer niederen Kaste – angeraten ist, bittet einen Brahmanen, ihn anzuleiten und während des Rituals zu beaufsichtigen. Mitunter kommt es vor, daß ein Hindu, der eine unreine Handlung begangen hat, die Verunreinigung einfach zu ignorieren versucht. In einem solchen Fall greifen gewöhnlich andere Mitglieder der Kaste ein und dringen darauf, daß er sich in angemessener Weise reinwäscht.

    Unreinheit kann auch über Speisen und Getränke von einer Person auf eine andere übertragen werden und ein Reinigungsritual notwendig machen. Da Feuer eine reinigende Kraft nachgesagt wird, kann ein Angehöriger einer hohen Kaste ruhig rohe Nahrungsmittel bei einem Unberührbaren kaufen, sofern sie gekocht oder gebraten werden sollen. Wichtig ist allerdings, daß der Koch seiner oder einer höheren Kaste angehört. Als Folge dieser Vorschrift gibt es sehr viele Köche aus brahmanischen Kasten – schließlich können von ihnen zubereitete Speisen von jedem akzeptiert werden. Speisen, die in geklärter Butter gebraten wurden, sind noch unbedenklicher als gekochte. Das heilige Produkt der Kuh hat auf gewöhnlich unannehmbare Lebensmittel eine reinigende Wirkung: Ein Brahmane kann daher gebackenes Konfekt essen, das bei einem Konditor aus einer niederen Kaste gekauft wurde.

    Auch direkter Körperkontakt kann zur Verunreinigung führen. Der westliche Besucher muß sich daran gewöhnen, nicht automatisch die Hand auszustrecken, wenn er einem Inder vorgestellt wird. Der Inder könnte sich aus reiner Höflichkeit genötigt sehen, dem Besucher die Hand zu reichen, und sich damit die Notwendigkeit eines rituellen Bades aufbürden. Im Süden ging die Vorstellung der Verunreinigung durch Körperkontakt früher so weit, daß schon die Nähe und der bloße Anblick eines Unberührbaren genügte, einen Hindu aus einer hohen Kaste zu besudeln. In den Großstädten ist ein solcher Kontakt allerdings nicht zu vermeiden. Die meisten hinduistischen Großstadtbewohner haben sich damit abgefunden, daß es sich im Bus oder im Kino einfach nicht vermeiden läßt, Menschen zu berühren, deren Kastenzugehörigkeit ihnen nicht bekannt ist. Sie führen sozusagen ein Doppelleben: Während sie zu Hause streng nach den Regeln der Reinlichkeit leben, setzen sie sich bei der Arbeit und auf der Straße darüber hinweg.

    Unreine Menschen sind nicht der einzige Quell der Besudelung. Einige Nahrungsmittel sind schon an sich unrein. An erster Stelle ist dabei Rindfleisch zu nennen – da die Kuh den Hindus heilig ist. Es gibt einige Kasten der Unberührbaren, die Fleisch vom Rind essen; den meisten Hindus würde jedoch schon bei dem bloßen Gedanken daran grausen. Andere Nahrungsmittel sind nur für hohe Kasten oder in bestimmten Regionen lebende Kasten tabu. So essen viele Hindus im Norden gern Hammel- oder Hühnerfleisch, während sich ihre Glaubensbrüder im Süden rein vegetarisch ernähren. Aufgrund der schon vor vielen Jahrhunderten von der buddhistischen Lehre übernommenen Ablehnung alkoholischer Getränke rühren die Angehörigen der meisten hohen Kasten weder Wein noch Spirituosen an.

    Doch selbst wenn die verzehrte Nahrung rein ist, wird der bloße Akt des Essens als verunreinigend angesehen. Gleiches gilt für die Vorgänge der menschlichen Ausscheidung, der Menstruation und des sexuellen Verkehrs sowie für den Kontakt mit Geburt und Tod. Jede Kaste hat ihre eigenen bestimmten Formen der Rituale, die nötig sind, um die Wirkung dieser verunreinigenden Einflüsse wieder aufzuheben.

    Die umständlichsten Reinigungsrituale macht der Kontakt mit dem Tod erforderlich. Denn solange der Leichnam nicht verbrannt ist, hält er nach hinduistischer Auffassung die Seele gefangen; und die erdgebundene, ruhelose Seele wird als eine große Gefahr für die Lebenden angesehen. Da die nächsten Angehörigen des Verstorbenen der Gefahr dirakt ausgesetzt sind, gelten sie bei den Brahmanen nach Eintritt des Todes 10 Tage lang als unrein; bei den Kshatriyas [Anm. v. Lu: das sind die adeligen Krieger, die Nicholas Rattenfurz Jeelvy auf Counter-Currents so idealisiert] sind es 12, bei den Vaishyas 15 und bei den Shudras sogar 30 Tage. Während dieser Zeit werden die Familienangehörigen des Toten von allen anderen wie Unberührbare behandelt.

    Wenn die Zigeuner wirklich so einen von den Indern separaten Ursprung haben, wie Sandor Avraham argumentiert, und nichts von deren Kultur übernommen haben, dann könnte man vermuten, daß diese Bräuche um die spirituelle Reinheit/Unreinheit von den dort gebliebenen anderen jüdischstämmigen Gruppen stammen, von denen die Organisation „Kulanu“ einige wiedergefunden hat, während wohl viele andere in der indischen Mehrheitsbevölkerung aufgegangen sind.

    Und dieser krankhafte Abgrenzungskult wird sich in den entstehenden fragmentierten Gesellschaften ausgebreitet haben, die infolge der Eroberungszüge arischer und moslemischer „Aristokraten” dort zustande kamen, wo schon von der Brahmanenherrschaft das Kastensystem eingeführt worden war, in dem jede Gruppe sich (langfristig vergeblich) gegen Vermischung mit anderen abzuschotten bestrebt war.

    Gewisse Parallelen zu den jüdischen, zigeunerischen und hinduistischen Vorstellungen von spiritueller Unreinheit gibt es auch bei den Moslems. Als es im Südirak einmal zu Tumulten wegen Hausdurchsuchungen durch britische Soldaten mit Hunden gab, wurde in den Medien ein Imam mit der Aufzählung der zehn Dinge zitiert, die für den gläubigen Moslem unrein sind, und dazu gehörten neben Urin und Fäkalien auch Sperma, Schweinefleisch, Hunde und Ungläubige.

    Antworten

Schreibe eine Antwort zu Lucifex Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: