NWO-Propaganda in SF-Romanen: Alan Dean Fosters „Homanx“-Reihe (2) – Mehr von Flinx

Homanx-Raumschiff mit Abstrahlscheibe für das Posigravfeld des Kurita-Kinoshita-Antriebs am vorderen Ende (Titelbild von Tim White für Orphan Star / Der Waisenstern)

Von Lucifex.

Teil 2 von 4; zuvor erschienen: NWO-Propaganda in SF-Romanen: Alan Dean Fosters „Homanx“-Reihe (1) – „Das Tar-Aiym Krang“

Das Tar-Aiym Krang war der erste von Alan Dean Feinberg, äh, Foster veröffentlichte Roman um Philip Lynx, genannt Flinx, und der erste aus seinem Homanx-Commonwealth. Elf Jahre und mehrere danach spielende Flinx-Romane später brachte er unter dem Titel For Love of Mother-Not eine Vorgeschichte dazu heraus, die 1985 auf Deutsch unter dem Titel Flinx erschien.

Dieses Buch schildert, wie Flinx als Kind von der alten Händlerin Mutter Mastiff auf dem Sklavenmarkt von Drallar, der Hauptstadt des Planeten Moth, ersteigert und danach als Ersatzsohn aufgezogen wird, bis die „Meliorare Gesellschaft“, eine geheime Eugeniker-Organisation, ihn wieder unter ihre Kontrolle zu bringen versucht.

Der rassische Propagandagehalt ist hier geringer und uneindeutiger als in Krang, aber doch vorhanden. Generell wird die (((Propaganda))) in den Homanx-Geschichten unauffälliger und milder als in Robert Silverbergs „Nach all den Jahrmilliarden“ und ohne Schüren von Schuldgefühlen und „Culture of Critique“ verabreicht, gewissermaßen als Schluckimpfung auf Zuckerwürfeln statt als pieksende Spritze, sodaß sie einem leichter runtergeht und weniger als Propaganda bewußt wird. Dennoch ist es eine Ausblendung und Herabstufung von Weißen, vor allem von weißen Männern, und dient der geistigen Gewöhnung an eine zunehmend vielfältige und nichtweiße Zukunft, während die SF-Romanwelten ansonsten bis in die 1970er-Jahre überwiegend weiße Welten waren. Darin ähneln Fosters Homanx-Bücher dem heutigen Krieg gegen die Weißen in der Werbung, bei dem ebenfalls Weiße und speziell weiße Männer „ausgephast“ und Nichtweiße als interessant und attraktiv präsentiert werden.

Gleich am Anfang von Flinx bringt Foster jedoch eine weitsichtige Kritik an heuchlerischen wirtschaftsliberalen Einstellungen an, auf denen die heute schon zunehmend erkennbaren Bestrebungen in Richtung moderner Quasi-Sklaverei beruhen und wo ich ihm zustimme, weshalb ich diesen Anfang hier zitiere:

Das ist vielleicht ein zerschundener, wertloser, kleiner Knirps, dachte Mutter Mastiff. Sie preßte den Beutel mit Schnitzereien etwas fester an sich und vergewisserte sich, daß ihr Slicker ihn vor dem Regen schützte. Der ewige für den Herbst auf Drallar so typische Nieselregen perlte von dem wasserfesten Material.

Außenweltler hatten es schwer, zwischen den Jahreszeiten der Stadt irgendwelche Unterschiede festzustellen. Im Sommer war der Regen warm, im Herbst und Winter etwas kühler, im Frühjahr wich er einem beständig lastenden Nebel. Daß die Sonne einmal durch die fast ewige Wolkendecke schielte, war eine solche Seltenheit, daß die Behörden dann gewöhnlich einen öffentlichen Feiertag verfügten.

Eigentlich konnte man das, woran Mutter Mastiff jetzt vorbeitrottete, nicht gerade einen Sklavenmarkt nennen. Das war ein archaischer Begriff, wie ihn nur Zyniker benutzten. Es war einfach der Ort, wo Arbeit und Einkommen auf formelle Art aufeinander abgestimmt wurden.

Drallar war die größte Stadt der Welt, die sich Moth nannte, die einzige echte Metropole, die sie besaß, und zwar keine besonders wohlhabende. Die Behörden hielten die Steuern niedrig und hatten es dadurch geschafft, eine ganze Anzahl Gewerbetreibender und Handelsunternehmen auf einen günstig gelegenen, aber im wesentlichen unwirtlichen Planeten zu ziehen. Den Ausgleich dafür schafften sie, indem sie kommerzielle Lästigkeiten wie Zölle oder einengende Vorschriften weitgehend abgeschafft hatten. Das führte zwar zu beträchtlichem Wohlstand für einige, brachte aber der Stadtregierung praktisch keine Einnahmen.

Zu den zahlreichen Bereichen des öffentlichen Lebens, die darunter litten, gehörte auch die Fürsorge für die Armen. In Fällen von Bedürftigkeit, wenn das betreffende Individuum noch dazu durch die Umstände isoliert war, hielt man es daher für vernünftig, es wohlhabenderen Bürgern zu überlassen, der Regierung die Verantwortung abzunehmen.

Das reduzierte die Ansprüche an den Wohlfahrtsetat und sorgte dafür, daß die Bürokratie zufrieden blieb und verschaffte gleichzeitig dem betreffenden Individuum ein höheres Maß an Fürsorge – so behaupteten die Beamten wenigstens – als er oder sie von mit zu knappen Mitteln ausgestatteten Regierungsbehörden je erwarten konnte.

Die Vereinigte Kirche, der geistliche Arm des Commonwealth, war von solch einseitiger Wirtschaftspolitik nicht gerade begeistert. Aber das Commonwealth hielt nicht viel davon, sich in die inneren Angelegenheiten einzelner Welten einzumischen, und die Beamten von Drallar beeilten sich, gelegentlich zu Besuch erscheinende Padres oder Ratsherren davon zu überzeugen, daß es genügend gesetzliche Sicherheitsvorkehrungen gab, die den Mißbrauch von auf diese Weise „adoptierten“ Individuen verhinderten.

So kam es, daß Mutter Mastiff sich auf ihren Stock stützte und ihren Beutel mit den kunstgewerblichen Gegenständen an sich drückte und etwas verschnaufte, während sie die zugedeckte Plattform musterte. Ein neugieriger Zuschauer drängte sich zu nahe an sie heran und blickte böse, als sie ihn mit dem Stock anstieß, trat aber zur Seite, da er die Auseinandersetzung mit ihr scheute.

Auf der Plattform, innerhalb des Kompensationskreises, stand ein hagerer, ernst blickender Knabe von acht oder neun Jahren. Der Regen hatte ihm das rote Haar, das in scharfem Kontrast zu seiner ziemlich dunklen Haut stand, an den Kopf geklebt. Weite, unschuldige Augen, so groß, daß sie sein ganzes Gesicht zu erfüllen schienen, starrten über die vom Regen eingeweichte Zuschauergruppe. Er hielt die Hände hinter dem Rücken verschränkt. Das einzige, was sich an ihm bewegte, waren seine Augen, und ihr Blick huschte wie ein Insekt über die nach oben gerichteten Gesichter der Menge. Die Mehrzahl der Kauflustigen schien seine Anwesenheit überhaupt nicht zur Kenntnis zu nehmen.

Rechts von dem Jungen stand die großgewachsene, schlanke Vertreterin der Regierung, die im Auftrag der Wohlfahrtsbehörde den offiziellen Verkauf – man bezeichnete ihn hier als „Zuteilung von Verantwortung“ – durchführte. Auf der anderen Seite konnte man von einem großen Bildschirm die wesentlichen Daten des Jungen ablesen, und diesen Bildschirm studierte Mutter Mastiff gerade.

Größe und Gewicht entsprachen dem, was sie sehen konnte. Haar-, Augen- und Hautfarbe hatte sie bereits wahrgenommen. Lebende Verwandte, zugeteilt oder sonst – keine Angabe. Persönliche Vorgeschichte – wieder keine Angabe. Ein Zufallskind, dachte sie, das man, wie so viele andere, der gleichgültigen Barmherzigkeit der Regierung zugeschoben hatte. Ja, so wie er aussah, würde es tatsächlich besser für ihn sein, wenn er unter die Fittiche eines privaten Individuums käme. Zumindest würde er dann vielleicht ordentlich zu essen bekommen.

Und doch war da noch etwas Besonderes an ihm, etwas, das ihn irgendwie von der teilnahmslosen Schar von Waisen abhob, die Jahr für Jahr in gleichmäßiger Prozession über die vom Regen durchnäßte Plattform zogen. Mutter Mastiff spürte etwas, das hinter jenen weiten, traurigen Augen lauerte – eine Reife, über seine Jahre hinaus, mehr Intensität in seinem Blick, als man von einem Kind in seiner Lage erwarten durfte. Und dieser Blick schweifte immer noch über die Menge, suchte, tastete. Der Junge wirkte eher wie ein Jäger als wie ein Gejagter.

Und der Regen fiel ohne Unterlaß. Die Aufmerksamkeit der Zuschauer konzentrierte sich in erster Linie auf die rechte hintere Ecke der Plattform, wo ein einigermaßen attraktives, sechzehnjähriges Mädchen als nächstes an der Reihe war. Mutter Mastiff rümpfte geringschätzig die Nase. Was auch immer die Regierungsbeamten behaupteten, ihr würde keiner weismachen, daß diese drängelnden Schnösel in der vordersten Reihe nicht noch etwas anderes im Sinn hatten, als unschuldige altruistische Sorge um die Zukunft des Mädchens. O nein!

[…]

Die Augen des Jungen schweiften immer noch über die Zuschauerschar und erreichten schließlich die ihren – und hielten an. Plötzlich empfand Mutter Mastiff eine Art Schwindelgefühl. Ihre Hand griff an ihren Leib. Zu fett gefrühstückt, dachte sie Die Augen waren bereits weitergewandert. Seit sie fünfundachtzig geworden war, mußte sie sehr aufpassen, was sie zu sich nahm. Aber dann hatte sie auch einer Freundin einmal gesagt, „lieber sterbe ich mit Verdauungsschwierigkeiten und mit vollem Bauch, als mich mit Pillen und Konzentraten dahinzuquälen.“

„Zur Seite!“ hörte sie sich plötzlich sagen, ohne selbst recht zu wissen, was sie tat oder warum. „Zur Seite!“ Sie bahnte sich einen Weg durch die Menge, stieß einem der Zuschauer mit dem Stock in die Seite, brachte das prunkvolle Arrangement von Schwanzfedern eines Ornithorpen in Unordnung und veranlaßte eine übergewichtige Matrone zu einem erregten Schnattern. Sie arbeitete sich bis zu der freien Fläche unmittelbar vor der Plattform durch. Der Junge achtete nicht auf sie; seine Augen fuhren fort, die gleichgültige Menge abzusuchen.

*     *     *

Mutter Mastiff ersteigert Flinx gegen die Gebote eines hünenhaften Mannes, der noch während der Auktion vor der Polizei flieht. Sie gibt dem stillen Jungen ein Zimmer in ihrer kleinen Laden-Wohnung, und von ihr und befreundeten Bewohnern der Altstadt von Drallar lernt er, was er für das Leben dort wissen muß. Mit der Zeit stellt sich heraus, daß Flinx ein empathischer Telepath ist, der zwar keine Gedanken lesen, aber Gefühle auffangen kann – ein erratisch funktionierendes Talent, über das er kaum Kontrolle hat und das zum Geheimnis zwischen ihm und Mutter Mastiff wird. Diese argwöhnt jedoch, daß er auch andere Menschen unbewußt beeinflussen kann und sie dazu veranlaßt hat, ihn zu ersteigern (so wie er später auf dem Flug zum Krang Malaika auf die Idee mit dem Neutronenstern bringt).

Eines Nachts empfängt Flinx intensive Einsamkeitsgefühle, und als er deren Quelle sucht, findet er in einer Seitengasse einen Minidrach – eine geflügelte Schlange vom Planeten Alaspin, die ein extrem korrosives und tödliches Gift spucken kann und wie Flinx telempathische Fähigkeiten hat, die auf seine eigenen katalytisch verstärkend wirken. Mit diesen Fähigkeiten nimmt das Wesen Verbindung zu ihm auf, adoptiert ihn als Partner und fliegt auf seine Schulter. Flinx nimmt es mit nach Hause, gibt ihm den Namen Pip und behält es gegen Mutter Mastiffs Proteste als Haustier, das er fortan immer auf seiner Schulter herumträgt.

Während all dies geschieht, erfährt eine versprengte Restgruppe der in den Untergrund getriebenen Meliorare Gesellschaft, daß eines ihrer Zuchtkinder – Flinx – in Drallar lebt und anscheinend Psi-Talente aufweist. Die Meliorares hatten ein Geheimprogramm betrieben, bei dem mittels Genchirurgie Menschen mit Psi-Fähigkeiten gezüchtet werden sollten. Die meisten Kinder aus diesem Programm hatten keine solchen gehabt, während es bei anderen zu schweren Fehlbildungen gekommen war, deren Bekanntwerden eine riesige öffentliche Empörungswelle auslöste, mit der Folge, daß die Meliorare Gesellschaft von der Commonwealth-Regierung zerschlagen wurde. Alle Kinder, deren die Behörden habhaft wurden, waren wo nötig und möglich „rückbehandelt“, normalisiert und in die Gesellschaft eingegliedert worden, und die anderen, darunter Flinx, waren von einem Versteck zum anderen verschoben und im Commonwealth-Raum verteilt worden. Nun hoffen die wenigen Meliorares, die der Tötung oder Bewußtseinslöschung entgangen sind, Flinx unter Kontrolle zu bringen, seine Talente auszubilden und ihn dann der Öffentlichkeit zu präsentieren, um sich zu rehabilitieren und ihr Programm zu rechtfertigen. Einen solchen Versuch hatten sie bereits bei einem Mädchen namens Mahnahmi unternommen, von dem man später erfährt, daß es Flinx‘ jüngere Schwester ist. Obwohl noch ein Kleinkind, hatte das Mädchen unter dem Druck dieses direkten Versuchs überraschend seine Kräfte eingesetzt und war unter Zurücklassung zweier toter Meliorares verschwunden.

Diese Wissenschaftler, die als idealistische Schurken rüberkommen, die das aus ihrer Sicht Gute wollen, sind rassisch verschieden zusammengesetzt: die Gruppe, die das Flinx-Projekt in die Wege leitet, besteht aus der Asiatin Nyassa-lee, der Negerin Haithness und einem Mann mit dem schottischen Namen Brora, der als krötengesichtig beschrieben wird. Von den anderen Meliorares erfährt man nur ihre durchgehend europäischen Nachnamen. Auch das Regierungsagentenpaar, das ihre Bestrebungen zu vereiteln versucht, aber Flinx keine menschlichen Gefühle entgegenbringt, sondern ihn einer „Renormalisierung“ zuführen will, wird nur als Rose und Feodor bezeichnet, ohne daß man etwas über ihre Rasse erfährt.

Um diesmal auf indirekte Weise Kontrolle über Flinx zu gewinnen, entführen die Meliorares Mutter Mastiff, seine engste Bezugsperson, und verschleppen sie in den Norden des Planeten Moth, um ihr in einem Geheimcamp Implantate ins Gehirn einzusetzen. Flinx nimmt mit einem Laufvogel als Reittier die Verfolgung durch die Wälder in Richtung der großen Seen auf, jenseits derer das Camp der Entführer liegt. Unterwegs stiehlt er einen Sumpfer, ein kleines Amphibienfahrzeug, mit dem er schneller nach Norden gelangt. Am Ufer eines riesigen Sees trifft er im Gastgebäude eines Freizeitparks auf die Entführer, von denen er einen mit dem Messer tötet, während die anderen mit Mutter Mastiff fliehen und dabei mehrere anwesende Gäste mit ihren Strahlern töten.

Bei der weiteren Verfolgung wird Flinx von der Geschäftsführerin des Freizeitparks unterstützt, die zwar Lauren Walder heißt, aber nach einem Muster beschrieben wird, das Parallelen zur Kirchenagentin Kitten Kai-sung in Bloodhype / Vorposten des Commonwealth hat und darauf schließen läßt, daß sie wieder einmal eine Eurasierin ist (wie auch schon Atha Moon in Krang):

Sie schien über ihm aufzuragen, obwohl sie in Wirklichkeit höchstens ein paar Zentimeter größer war. Das schwarze Haar fiel ihr in kleinen Löckchen bis zu den Schultern. Sie hatte ihre Buschjacke in den Hosenbund gestopft, und die Hosenbeine wiederum in kurze Stiefel. Sie war schlank, aber nicht dürr. Mund und Nase waren nur so groß wie bei einem Kind, und ihre Backenknochen unter den großen braunen Augen hoch. Ihre Haut war fast so dunkel wie die von Flinx. Aber diese Färbung rührte von der Strahlung vom naheliegenden See und nicht von ihren Ahnen her. Sie war die auffallendste Schönheit, die Flinx je gesehen hatte.

In der weiteren Handlung setzt Lauren Walder Fosters Muster der hochgewachsenen, schönen, selbstbewußten und taffen Eurasierin fort, wenngleich nicht so übertrieben wie Kitten Kai-sung im zehn Jahre davor verfaßten Bloodhype: Mit einem Doppelrumpf-Düsenboot und Flinx an Bord verfolgt sie die Sumpfer der Entführer über den Patra-See, bis letztere von einem Skimmer aufgenommen werden, der von Norden herbeifliegt. Auf dem Rückweg zum Freizeitpark tötet sie einen Riesenfisch, der zuvor die Sumpfer der Meliorares verschlungen hat, mit Harpunenkanonen. Dann setzt sie sich über die Bedenken ihres ängstlichen Stellvertreters wegen möglichem Ärger mit der Firmenzentrale hinweg und nimmt den firmeneigenen Skimmer, um wieder nach Norden zu fliegen. Und es ist auch Lauren, die eine Herde riesiger Demichin-Devilopen zu einer Stampede durch das Meliorare-Camp veranlaßt, um mit Flinx in dem Chaos Mutter Mastiff gerade noch rechtzeitig vor der Gehirnoperation zu befreien.

Wieder zurück in Drallar, wird Flinx von überlebenden Meliorares, die Pip gefangen haben und ihr „Subjekt“ damit direkt unter ihre Kontrolle bringen wollen, in eine Falle gelockt. Die Commonwealth-Agenten Rose und Feodor platzen bewaffnet herein, um die Anwesenden festzunehmen. Dabei nimmt Flinx in der Frau eine auf ihn gerichtete Mischung aus Furcht, Hass und Abscheu wahr. Pip, auf den niemand mehr achtet, befreit sich und greift die Frau an, und als diese den Minidrach mit ihrem Schallgewehr abschießen will, löst das bei Flinx eine Psi-Reaktion aus, die niemand erwartet hat.

Er erwacht gemeinsam mit Pip im Freien und sieht, daß Flammen aus dem Lagerhaus lodern, in dem die Konfrontation stattgefunden hat. Das Gebäude ist von einer Explosion zerstört worden, und als die überlebende Friedenshüter-Agentin mit glasigem Blick herausgeführt wird, nimmt Flinx in ihrem Geist nur Leere wahr, als ob sie bewußtseinsgelöscht worden wäre. Zu Hause spricht Flinx mit Mutter Mastiff über das Geschehene, über seine Fähigkeiten und die Leute, die deswegen hinter ihm her sind, und sie sagt zu ihm:

„Jetzt hör mir gut zu, Junge, denn das ist wichtig für dich. Ich brauche dir nicht zu sagen, daß du anders als wir bist, du bist immer anders gewesen. Du mußt das verbergen, so gut du kannst, und wir werden uns selbst verstecken müssen. Drallar ist groß. Wenn nötig, können wir den Laden verlegen. Aber du wirst lernen müssen, still zu leben, und du mußt dein Anderssein für dich behalten, sonst plagt uns wieder diese Aufmerksamkeit fremder Leute.“

Da kommen unsereinem doch gewisse (((Assoziationen))), nicht wahr? Ein unscheinbarer, schmächtiger Junge, der „anders ist als die anderen“ und ungewöhnliche Fähigkeiten hat (darunter solche zur Beeinflussung anderer Leute), und der dieses Anderssein verbergen muß, um keine Schwierigkeiten zu bekommen… das ist schon ein typisches jüdisches Motiv, eine Art von Clark-Kent-Schema. Und im Laufe der weiteren Geschichten entwickelt Flinx sich tatsächlich zum Psi-Superman und wird auch körperlich recht hochgewachsen.

Breiter gesehen ist mir beim Lesen dieser Romane bewußt geworden, daß Telepathie und damit verbundene Fähigkeiten zur Beeinflussung anderer etwas sind, das jüdische SF-Autoren fasziniert und mit dem sie ihre Identifikationsfiguren gerne ausstatten (das soll nicht heißen, daß Interesse für Telepathie an sich etwas Jüdisches ist, aber dieser spezielle jüdische Hang dazu fällt doch auf). Bei Foster ist das Flinx, bei Robert Silverberg der israelische Telepath Nachman Ben Dov und in gewissem Sinne auch die behinderte Schwester des Erzählers Tom Rice. In Star Trek haben die Vulkanier, die gewissermaßen Weltraum-Israelis sind, telepathische Fähigkeiten, und in Babylon 5 sind es zusätzlich zu den Minbari, die hier den Vulkaniern als Weltraum-Israelis entsprechen, auch die Leute des Psi-Corps und die anderen menschlichen Telepathen, die von den „Normalen“ gefürchtet und ausgegrenzt werden und ihrerseits auf diese herabschauen.

Der chronologische nächste Flinx-Roman nach Das Tar-Aiym Krang ist Der Waisenstern (Orphan Star, 1977). Diesen habe ich erst jetzt in der Originalfassung gelesen (Orphan Star, 148seitige PDF). Das untenstehende Titelbild zeigt Flinx wie auf den meisten Umschlagbildern als normalen Weißen, obwohl er in Orphan Star schon im zweiten Satz als „olive-skinned“ beschrieben wird. Als Flinx später nach Bali reisen will, das wegen des dort befindlichen Hauptquartiers der Vereinigten Kirche nur für Balinesen und deren Verwandte sowie für Kirchenpersonal und Commonwealth-Diplomaten zugänglich ist, sagt ihm ein Flughafenbeamter, daß er als Balinese durchgehen könnte, wenn sein rotes Haar nicht wäre. Und tatsächlich schleicht Flinx sich erfolgreich als Auslandsbalinese dort ein, nachdem er sich das Haar schwarz gefärbt hat. Ich weiß nicht, ob Foster sich über diese textwidrigen Bildpräsentationen seines Helden so ärgerte wie Ursula K. Le Guin über die Darstellung ihres „Erdsee“-Helden auf dem Umschlagbild der britischen Erstausgabe als Weißen (siehe Ein Schrei des jüdischen Hasses: Wie eine gehirngewaschene Weiße auf die Zerstörung der weißen Rasse hingearbeitet hat), aber im Sinne des Marketings müßte es beiden Autoren doch recht sein: Zuerst muß das vor allem damals überwiegend weiße und noch nicht so vielfaltskonditionierte Zielpublikum dazu gebracht werden, die Bücher zu kaufen, und im Text werden ihnen dann die dunkelhäutigen Protagonisten nahegebracht.

Flinx wird in Drallar vom Händler Conda Challis entführt, der ihn als mentales Medium für die Benutzung seines Janus-Juwels braucht. (Mir ist unklar geblieben, wofür diese Juwelen wirklich benutzt werden; es hat jedenfalls mit Visionen zu tun.) Challis‘ temperamentvolle, verzogene „Tochter“ ist die blonde, blauäugige Mahnahmi. Der fette, nahezu albinohaft bleiche Challis erwähnt auch, daß er Mahnahmis außergewöhnlich schöne Mutter vor Jahren in Drallar als Sklavin gekauft hat und daß sie danach Mahnahmi geboren hatte und bald darauf gestorben sei. Wegen der Umstände ihres Todes habe er sich verpflichtet gefühlt, ihr Kind zu behalten (in Wirklichkeit hat er aber pädophile Absichten, wenn sie einmal etwas älter ist). Ehe Flinx von Pip und Small Symm befreit wird, deutet Challis ihm gegenüber an, daß er einen kleinen Akt über ihn gesammelt hat und auch etwas über seine mütterliche Abstammungslinie weiß.

Flinx, der von Maxim Malaika viel Geld für seine Mitwirkung bei der Krang-Expedition bekommen hat, nutzt diesen Reichtum daraufhin, um Nachforschungen über seine Herkunft anzustellen. Zunächst reist er zu einer Geschäftsniederlassung von Challis auf der Thranx-Ursprungswelt Hivehom. Dort wird er erneut von dessen Häschern geschnappt, kann dank Pip entkommen und folgt Challis nach Australien. Er stellt ihn in seiner Villa und preßt ihm die Information ab, daß er in Allahabad in der „Provinz“ Indien von einer Lynx geboren wurde, wie hochklassige Kurtisanen genannt werden, und daß er in einem kirchlichen Waisenhaus registriert worden war, ehe man ihn in Drallar verkaufte. Näheres könne er nur aus den originalen Kirchenaufzeichnungen auf Bali erfahren. Bei dieser Konfrontation kommt Mahnahmi hinzu und beschwört ihren „Daddy“, Flinx zu töten, weil sie Angst vor ihm habe.

Im Dokumentationszentrum der Kirche erfährt Flinx, daß seine Mutter Anasage hieß und vier Jahre danach außerhalb Terras gestorben ist sowie daß seine Großeltern und sein bei der Geburt nicht anwesender Vater unbekannt sind. Weitere Informationen sind, wie sich herausstellt, zehn Monate zuvor von Unbekannt abgerufen und die Aufzeichnungen gestohlen worden, und Flinx hat sofort Challis im Verdacht. Kurz darauf deckt Pip einen AAnn auf, der als Mensch getarnt eingedrungen war und eine junge Thranx-Geistliche namens Sylzenzuzex (eine Nichte von Tru) zu töten droht. Von Pips Gift am Hinterkopf getroffen, sprengt der Eindringling sich in die Luft, und unter den letzten Gedankenbildern, die Flinx von ihm auffängt, befinden sich Conda Challis und eine Welt namens Ulru-Ujurr.

Mit Sylzenzuzex‘ Hilfe findet er heraus, wo diese Welt liegt und daß sie von der Kirche unter Edikt gestellt wurde, was bedeutet, daß niemand sich ihr auf Shuttle-Reichweite nähern darf. Flinx, der vermutet, daß Challis dort zu finden sein könnte und daß von dort auch die Janus-Juwelen stammen, die mit unerklärlichen Selbstmorden bedeutender Menschen und Thranx in Verbindung gebracht werden, beschließt, nach Ulru-Ujurr zu reisen. Unter Berufung auf die Thranx-Tradition der Verpflichtung wegen ihres von ihm geretteten Lebens nötigt er Sylzenzuzex, ihn zu begleiten und ihm zu helfen, an den Robotwachschiffen der Kirche vorbeizukommen. Mit einem kleinen, autopilotgesteuerten KK-Schiff, dessen Miete sein letztes Geld verschlingt, fliegt er los.

Auf Ulru-Ujurr sind die beiden überrascht, einen kleinen Shuttlehafen mit einem Bergbaubetrieb vorzufinden und nach der Landung dessen blonder, grünäugiger Besitzerin vorgeführt zu werden – Teleen auz Rudenuaman, die ihre Tante Rashallaila Nuaman inzwischen getötet und ihr Unternehmen übernommen hat. Der Bergbau dient der Förderung von Janus-Juwelen, und der Firmenschiffsverkehr zum Planeten findet mit Duldung korrupter Stellen in der Kirche statt, was ein Grund – aber nicht der einzige – für das Edikt ist. Während des Gesprächs mit Teleen platzt deren Komplize Challis mit Mahnahmi herein. Aus Zorn darüber, daß Challis Flinx auf die Spur nach Ulru-Ujurr gebracht hat, befiehlt Teleen, ihn und Mahnahmi zu töten. Das Kind erzeugt jedoch telekinetisch einen Wirbelsturm in dem Raum und läßt ihre Maske der Harmlosigkeit fallen:

„Du fetter Trottel!“ schrie die Quelle dieses Taschentaifuns ihn an und stampfte kindisch mit dem Fuß auf. „Du Schweinearsch, du qualliger Idiot… du hast alles verdorben! Warum konntest du dein dummes Maul nicht halten? Seit Jahren habe ich dich daran gehindert, über deine Zunge zu stolpern, seit Jahren habe ich die richtigen Entscheidungen für dich getroffen, wenn du fröhlich dachtest, es sei dein Werk! Jetzt hast du alles weggeworfen!“ Sie weinte, mädchenhafte Tränen rannen über ihre Wangen.

„Mein Kind“, ächzte Challis in den Wind, „bring uns hier raus, und –“

Mein Kind.“ Sie spuckte ihn an. „Ich kenne noch nicht die Worte, um zu beschreiben, was du in deinen Gedanken mit mir tun wolltest, oder was du getan hast – nicht daß das für dich zählen würde. Ich kann dich nicht mehr retten, Daddy Challis.“ Sie starrte im Raum herum. „Ihr könnt alle in eure jeweiligen Höllen gehen! Ich fürchte mich vor keinem von euch. Aber ich brauche Zeit, um in mich selbst hineinzuwachsen. Ich weiß noch nicht, was ich bin.“ Sie schaute verächtlich auf Challis zurück. „Du hast meine Chance vermasselt, reich und mächtig aufzuwachsen. Hol‘ dich der Teufel.“ Sie wandte sich ab und rannte in den Korridor. „Eines Tages“, erreichte Flinx ein schwächer werdender geistiger Ruf, „werde ich sogar stark genug sein, um zurückzukommen und dich zu holen.“

Kurz darauf startet Mahnahmi mit Flinx‘ Shuttle, und eine als Mensch getarnte Gestalt kommt herein, die sich als der AAnn-Baron Riidi WW herausstellt, der die AAnn-Seite der Operation auf dem Planeten leitet (die AAnn lassen ihren Anteil an den Janus-Juwelen von ihren Psychotechnikern so präparieren, daß sie ihre Benutzer zum Selbstmord veranlassen, und bringen sie im Commonwealth in Umlauf). Nach einem kurzen Gespräch nimmt Riidi mit einigen seiner Leute die Verfolgung von Mahnahmi auf. Teleen führt Flinx und Syl in der Anlage herum, und sie erfahren, daß darin außer Menschen, AAnn und Thranx auch Eingeborene des Planeten arbeiten, die man für primitiv und nur zu rudimentärer Sprache fähig hält. Sie sind gut drei Meter groß, sehr breit und ähneln entfernt Bären. Flinx kommt mit ihnen in mentalen Kontakt und stellt fest, daß sie Telepathen sind. Als er und Syl später fliehen, freunden sie sich mit den Ulru-Ujurriern an und lernen sie als unschuldige Genies kennen, die erstaunlich schnell lernen und von denen einer sogar teleportieren kann. Sie kommen zu dem Schluß, daß Angst vor den Ujurriern und ihrem unabschätzbar hohen Potential der Hauptgrund der Kirche für das Edikt war, und darin liegt wieder eine Propagandabotschaft: hier die Vertreter der Zivilisation, der auch die Menschen angehören, mit ihrer buchstäblichen „Xenophobie“, und dort die genialen Fremden, die diese Haltung mit ihrer arglosen, naiven Gutwilligkeit und ihrer Abneigung gegen das Töten als lächerlich unbegründet erscheinen lassen.

Flinx wird zum Lehrer der Ujurrier, bringt ihnen die Grundlagen einer Zivilisation bei und leitet sie bei ihrer gewaltsamen Übernahme der Bergwerksanlage an. Als er in das Quartier des toten Challis eindringt, findet er tatsächlich die restlichen Informationen über seine Herkunft: seine Mutter hieß mit vollem Namen Anasage Rud und hatte eine ältere Schwester, Rashallaila Nuaman, mit der sie sich nie gut verstand. Außerdem hatte sie schon vor Flinx eine Tochter namens Teleen geboren. Von Anasages Mann, der nicht der Vater von Flinx war, hatte Rashallaila eine Stellung in seiner Handelsfirma bekommen, und nach seinem Tod unter ungeklärten Umständen hatte sie die Firma übernommen und zu einem großen Wirtschaftsimperium ausgebaut. Flinx und Anasage wurden verkauft, während Rashallaila Teleen bei sich behielt, die zu einem Spiegelbild ihrer Tante wurde und deren Namen mit dem ihrer Mutter zu Rudenuaman verschmolz. Während Flinx diese Informationen liest, wird er von seiner Schwester Teleen überrascht, die ihn erschießen will, aber von Pip getötet wird, von dessen Gefährlichkeit sie noch nichts weiß.

Die rassische Rollenzuteilung der frühen Flinx-Romane ist also auch hier gegeben: einer der Hauptschurken ist der bleiche, fette Perversling Conda Challis, und Teleen und Mahnahmi sind – obwohl mindestens Halbschwestern von Flinx – Blondinen mit grünen bzw. blauen Augen. Diese Negativfiguren sind auch die einzigen Personen in Orphan Star, die einigermaßen Weiße zu sein scheinen. Am Strand der australischen Goldküste surfen „Menschen in vielen Hauttönungen“ sowie Thranx, und alle anderen vorkommenden Menschen, die nicht einfach nur als Männer oder Frauen beschrieben werden, sind Nichtweiße, und von diesen sind mit Ausnahme von Teleens Leibwächterin Linda, die einen dunklen Teint hat, alle Gute oder Neutrale: der balinesische Taxifahrer, der japanische Padre Shigeta Namoto, der Flinx im Kirchenarchiv bei der Suche hilft, der sehr dunkelhäutige hohe Kleriker Joshua Jiwe, der die Ermittlungen der Kirche wegen der Selbstmordserie leitet, der nach einem Selbstmordversuch im Koma liegende Ingenieur Mordecai Povalo.

Nach dem Sieg über Teleens Organisation setzt Flinx seine Unterweisung der Ujurrier fort, und zum Dank dafür bauen sie ihm das Raumschiff Teacher, das einen KK-Antrieb hat und bis auf die weniger luxuriöse Ausstattung Malaikas Gloryhole gleicht. Durch eine geniale technische Lösung der Ujurrier ist die Teacher auch das einzige Sternenschiff, das auf einem Planeten landen und von dort starten kann, ohne mit dem Posigravfeld seines Antriebs lokale Katastrophen zu verursachen. So kommt es, daß Flinx als finanziell unabhängiger Raumschiffseigner in sein nächstes Abenteuer eintritt, und dies ist

„Der Kollapsar“ (The End of the Matter, 1977)

Im Prolog beraten zwei Thranx – der Präsident des Commonwealth und der Leiter der gesamten vom Commonwealth unterstützten Forschung – und zwei Menschen – das Oberhaupt der Vereinigten Kirche und ein technischer Abteilungsleiter – sich im Forschungshauptquartier des Commonwealth außerhalb von Mexico City über eine kürzlich entdeckte Bedrohung: Jenseits eines „Samtener Damm“ genannten Dunkelnebels nähert sich ein Schwarzes Loch von vielfacher Sonnenmasse (der titelgebende Kollapsar) dem Commonwealth-Raum, das in 88 Jahren die bewohnten Zwillingswelten Camargue-Collongatta erreichen und verschlingen wird, und 27 Jahre darauf die Sonne der Koloniewelt Twosky Bright. Die vier kommen zu dem Schluß, daß eine Abwendung dieser Katastrophe nicht möglich ist und im bis dahin verbleibenden Zeitraum höchstens 5 % der Bevölkerungen der betroffenen Kolonien evakuiert werden könnten – unter ständiger Gefahr einer Panik, sollte der Grund für die Evakuierung bekannt werden.

Neben dem Hauptquartier der Vereinigten Kirche auf Bali befindet sich also mit dem Forschungshauptquartier eine weitere wichtige Zentrale des Commonwealth außerhalb der weißen Welt, und dessen Leiter ist ebenso wie der Commonwealth-Präsident ein Thranx.

Währenddessen ist Flinx nach Drallar zurückgekehrt, um sich bei dem Sklavenhändler, von dem Mutter Mastiff ihn gekauft hatte, nach dem Mann zu erkundigen, der damals um ihn mitgeboten hatte, denn er vermutet, daß dieser ihm Hinweise auf seinen Vater geben könnte oder sogar selbst sein Vater ist. Er begegnet zwei Mitgliedern des gefürchteten Assassinenclans der Qwarm und spürt, daß sie gerade einen Auftragsmord begehen wollen. Er folgt ihnen zu einer Bühne, wo ein Schausteller ein exotisches Fremdwesen vorführt, dessen Spezies ihm unbekannt ist: eineinhalb Meter hoch, birnenförmiger blauer Körper mit grünen Längsstreifen, je vier radialsymmetrisch angeordnete Beine, Arme, Augen und Höröffnungen, und ganz oben ein Rüssel. Das Geschöpf bewegt sich tapsig und plappert scheinbaren Unsinn in vielen Sprachen. Als die Qwarm dieses harmlos wirkende Wesen erschießen wollen, tötet Flinx einen davon und Pip den anderen, und der Schausteller flieht auf die Nachricht hin, daß die Qwarm hinter seinem Exoten her sind, und schenkt ihn Flinx. Mit Abalamahalamatandra (so heißt das Wesen, oder kurz Ab) im Schlepptau geht er zu dem Sklavenhändler und erfährt, daß der Mann, der um ihn mitgeboten hatte – ein gut zwei Meter großer Riese mit weißem Haar, aber von unbestimmbarem Alter, und mit einem goldenen Ohrring – einen Minidrach hatte, der Pip gewesen sein könnte.

Flinx fliegt also mit der Teacher zu Pips Heimatplaneten Alaspin, nicht wissend, daß die Qwarm nun hinter ihm her sind. In Alaspinport begegnet er zwei Prospektoren, die in den Ruinen der vor achtzigtausend Jahren ausgestorbenen Alaspinianer nach wertvollen Artefakten suchen: dem Libanesen Habib und dem mittelamerikanische Indio Pocomchi. Jeder von ihnen hat ebenfalls einen Minidrach, und so freundet Flinx sich mit ihnen an und erfährt, daß sie den Mann kennen, den er sucht. Kurz nach dem Kennenlernen fällt Habib einem Elektropfeil zum Opfer, den Qwarm auf Flinx abgeschossen hatten, während Abalamahalamatandra völlig wirkungslos von einem weiteren getroffen wird. Die drei Minidrachs töten die Qwarm, worauf ein für Fosters Universalismus typischer Dialog folgt:

Der Junge wies auf die beiden vom Gift zerfressenen Leichen. „Wenn nicht zwei Kollegen von denen reagiert hätten, ohne nachzudenken“, erklärte er, „hätte ich vielleicht überhaupt nichts mit ihnen zu tun. Dann wäre Habib noch am Leben.“ Er deutete auf die Leichen. „Und die beiden auch.“

Pocomchis Antwort war von Verachtung erfüllt. „Was interessieren dich zwei seelenlose Mörder wie diese?“

„Es sind Homanx“, antwortete Flinx leise.

Nicht „Menschen“, wie ein heutiger Gutmensch sagen würde, sondern zusammenfassend Homanx, obwohl keiner der Toten ein Thranx ist.

Anschließend fliegen Flinx und Pocomchi mit einem Skimmer in die Wildnis, um den Goldohrring-Riesen zu suchen. In einer dschungelüberwucherten Ruinenstadt werden sie von ihren Minidrachs verlassen, finden weitere tote Qwarm und werden bald darauf von Otoiden angegriffen, primitiven Eingeborenen, die vielleicht evolutionäre Verwandte der ausgestorbenen Alaspinianer sind. Der Exote Ab wird von vielen Blasrohrpfeilen getroffen, die aber kaum seine Haut durchdrungen und ihm nichts auszumachen scheinen. Während Flinx und Pocomchi sich mit ihren Strahlern gegen die Otoiden wehren, bekommen sie Hilfe von dem gesuchten Mann, der mit seinem überschweren Strahlengewehr in den Kampf eingreift. Pocomchi wird jedoch von einem Pfeil getroffen, ehe sie sich bei dem Hünen auf einer Mauerkrone in Sicherheit bringen können. Der Mann, der sich als Skua September vorstellt, wird in einer Weise beschrieben, daß man ihn sich als den ersten einigermaßen Weißen in diesem Buch vorstellen kann:

Aus der Nähe gesehen wirkte er noch riesenhafter als aus der Ferne. Sein weißes Haar flatterte in der warmen Brise. Sein Gesicht glich dem eines Hofnarren und eines irren Propheten zugleich. Obsidianfarbene Augen, gebräunte Haut, ein spitzes Kinn – und darüber ein Schnabel von einer Nase, auf die jeder Raubvogel stolz gewesen wäre. Sie ragte wie ein Rammbock aus seinem Gesicht. […] Auf seinem nackten Oberkörper, der mit einem pelzartigen Gewirr aus weißem Haar wie Stahlwolle bedeckt war, kreuzten sich die Tragriemen seines Strahlers und der mächtigen dazugehörigen Batterieanlage. Auch seine Arme waren dicht mit diesem Pelz bewachsen. Obwohl sie im Umfang Flinx‘ Schenkel bei weitem übertrafen, bewegte der Mann sich doch mit der erstaunlichen Behendigkeit eines Gorillas.

Bei einem Tempel trifft die Gruppe auf Skua Septembers Partnerin, eigentlich Arbeitgeberin: die Archäologin Isili Hasboga, die ihnen Feuerschutz gibt, während sie durch das Tempeltor laufen. Drinnen stirbt Pocomchi. Flinx schätzt die Frau wegen ihrer dunklen, olivfarbenen Haut ähnlich seiner und ihrer schwarzen Wallemähne als „terra-türkisch“ ein (und tatsächlich ist Hasboğa ein türkischer Ortsname). Es kommt zur Aussprache zwischen Flinx und September, der zugibt, zwölf Jahre zuvor tatsächlich im Auftrag einer Organisation um Flinx mitgesteigert zu haben und danach von Pip verlassen worden zu sein, als er betrunken war. Er wisse aber nicht, ob er Flinx‘ Vater ist, weil er damals nur Samenspender für die Meliorares war, ohne zu wissen, wofür sein Sperma verwendet wurde.

Am nächsten Morgen greifen die Otoiden wieder an, werden aber mit Hilfe von Bran Tse-Mallory und Truzenzuzex, die überraschend erscheinen, vertrieben. Die beiden Gelehrten haben Flinx schon länger unbemerkt begleitet und Qwarm erledigt, die ihn töten wollten – und sie sagen, daß Abalamahalamatandra viel wichtiger ist, als es den Anschein hat. Sie hatten Aufnahmen von ihm gesehen, und in einem seiner scheinbar unsinnigen Reime hatte er die Hur’rikkus erwähnt, die vor achthunderttausend Jahren einen eindringenden Kollapsar gestoppt hatten. Nun glauben sie, daß dieses Wesen ihnen Informationen über die dafür verwendete Maschine geben kann, und daß die AAnn die Qwarm beauftragt haben, Ab zu töten, bestätigt sie in dieser Vermutung. Beim Aufbruch zum Skimmer von Bran und Tru wird wieder ein Löffel Universalismus verabreicht:

Er [Skua September] nahm die gigantische Mark Twenty von der Schulter und machte sie schußbereit. „Gentlemen, wenn Sie vorangehen wollen, will ich mich bemühen die Baumstämme etwas im Auge zu behalten, für den Fall, daß sich die Notwendigkeit ergeben sollte, ein oder zwei neugierige kleine Brüder einzuäschern.“

„Wir werden uns im Dschungel selbstverständlich auf Ihre Erfahrung verlassen“, sagte Tse-Mallory, und sein Mund verzog sich angewidert. „Obwohl ich wünschte, Sie würden Ihre Absicht etwas weniger primitiv formulieren. Alle intelligenten Wesen sind schließlich Brüder, auch die Otoiden.“

Die gesamte Gruppe einschließlich des zurückgekehrten Pip fliegt nach Alaspinport und startet zur Teacher hinauf, die Flinx für die weitere Mission zur Verfügung stellt. Auch September und Hasboga bleiben an Bord; Letztere, weil sie als Entschädigung für ihre gescheiterten Forschungen auf Alaspin hofft, die erste Archäologin zu sein, die eine Welt der legendären Hur’rikkus erforscht, und September, weil er auch amourös ihr Partner ist. Während die Teacher sich von Alaspin entfernt, orten sie ein Kriegsschiff der AAnn, das gerade in den Orbit kommt. Diese werden in der folgenden Passage in einer Weise charakterisiert, die für ihre Wesensart während der gesamten Serie typisch ist, bis Sliding Scales einen Kontinuitätsbruch bringt:

Als sie ihre Informationen den Bewohnern der Station weitergegeben hatten, war ihr Auftrag erfüllt. Die Geschöpfe, die das Schiff steuerten und die angebliche Bergwerkstation betrieben, waren weder Menschen noch Thranx. Sie hatten einen langen Mund mit scharfen spitzen Zähnen und einen Gesichtsausdruck, der verriet, wie abgrundtief sie alles verachteten, was ihnen nicht glich. Sie hatten eine harte, glänzende, schuppige Haut, und unter ihrem von natürlichen Kämmen gezierten Kopf arbeitete ein aktiver und raffinierter Verstand.

Bald nach Beginn der Reise gibt Abalamahalamatandra den entscheidenden Hinweis: In einem weiteren Reim spricht er das Wort Canachanna aus, das ein alter Name für einen Stern tief im sogenannten „Brand“ (engl. „The Blight“) ist, einem Raumgebiet, in dem durch den Krieg zwischen den Hur’rikkus und den Tar-Aiym alle intelligenten und halbintelligenten Lebensformen ausgelöscht wurden. Sofort geht die Teacher auf Kurs dorthin (in der untenstehenden Karte ganz oben am Rand, rechts der roten Mittellinie).

Dort angekommen, finden sie im Orbit um einen Planeten am Rande dieses Sonnensystems die gesuchte Hur’rikku-Maschine: ein zylindrisches Objekt mit vier flügelähnlichen Gebilden, nicht sehr groß, aber von ungeheurer Massenträgheit. Da sie das Artefakt auf andere Weise nicht bewegen können, schieben sie es mit dem Kurita-Kinoshita-Antriebsfeld der Teacher quer durch den Brand vor sich her bis zu einem unbewohnten Sonnensystem, das der Kollapsar gerade erreicht hat. Während sie noch herauszufinden versuchen, wie das Artefakt nun zu aktivieren wäre, orten sie eine Formation von AAnn-Schiffen, die in das System einfliegt. Abalamahalamatandra geht durch die Luftschleuse nach draußen, schwebt auf das Artefakt zu und spaltet sich in vier gleiche Teile auf, mit je einem Bein, Arm und Auge (offenbar ist er eine uralte organische Maschine der Hur’rikkus, eine Art Aktivierungsschlüssel). Jedes Viertel bewegt sich zu einer der vier Vertiefungen am Umfang des Artefakts und verschmilzt glatt damit. Während dieses von innen heraus in einem weichen Gelb zu glühen beginnt, zieht sich die Teacher vor den AAnn zurück, die heranfliegen und das Artefakt im Laderaum ihres größten Schiffes aufnehmen. Begleitet von Wissenschaftlern schwebt der Kommandant der Flotte an das Ding heran und steckt entgegen der Bedenken der anderen eine Hand in einen der vier undurchsichtigen schwarzen Kreise, wo Abs Viertel damit verschmolzen waren – und löst damit das Gerät aus. In einem grellen Aufleuchten verschwindet die gesamte AAnn-Formation in einem anderen Universum, durch ein Loch, in das nun auch Materie aus dem Kollapsar gezogen wird, der eine Kreisbahn um das neu erschienene Weiße Loch einnimmt. Die Teacher geht auf Heimatkurs, und Flinx findet Pip in seiner Kabine vor – jedoch nicht allein: Sechs „Mikrodrachs“ schwirren dort herum, die neugeborenen Kinder von Pocomchis Minidrach Balthasar, und Flinx weiß nun, daß Pip ein Weibchen ist.

Neben Das Tar-Aiym Krang mochte ich Der Kollapsar von den Flinx-Büchern immer am liebsten, und doch ist mir früher die Propagandalinie nie bewußt geworden, daß darin Weiße nur durch den Nebencharakter Skua September vertreten sind und Außerirdische (Thranx) als hohe Autoritätspersonen im gemeinsamen Commonwealth mit den Menschen gezeigt werden (Letzteres gab es in Star Trek erst in DS-9). Praktisch völlig fehlt der antiweiße Aspekt jedoch interessanterweise im chronologisch nächsten Buch, das erst elf Jahre später erschien:

„Long Tunnel“ (Flinx in Flux, 1988)

Umschlagbild der Erstausgabe: wieder Verpackungsschwindel mit einem weißen Flinx.

Die junge Geningenieurin Clarity Held, die Flinx bewußtlos und schwer mißhandelt in der Wildnis von Alaspin auffindet, wo er Pips Nachwuchs ausgewildert hat, ist eine blonde Weiße. Auf der Reise mit der Teacher zum Forschungsstützpunkt von Coldstripe und anderen Biotech-Firmen auf Long Tunnel, von wo Clarity entführt worden war, verlieben die beiden sich ineinander, und als Flinx gegen Ende des Romans von Claritys verräterischer Chefin Alynasmolia Vandervort, einer rothaarigen Weißen, betäubt wird, um ihn an eine Konkurrenzfirma auszuliefern, hält Clarity zu ihm und versucht ihm zu helfen. (Seine Befreiung geschieht dann jedoch mit Hilfe der Ujurrier.) Von den fanatischen Ökoterroristen, die Clarity entführt haben, wird nur die Frau, die sie verhört und geschlagen hatte und auch später immer wieder bestimmend auftritt, als hochgewachsene, hartgesichtige Blondine beschrieben, alle anderen „variieren in der Hautfarbe“ und bleiben ansonsten ebenso unbestimmt wie fast alle anderen vorkommenden Personen. In dieser Hinsicht kommt Long Tunnel also wie eine Geschichte rüber, die im wesentlichen unter Weißen spielt, mit weißen Guten, Bösen und Unbeteiligten, einem „Mystery meat“-Helden und ein paar bunten Nebenfiguren auf beiden Seiten. Bei meinem Wieder-Lesen der Flinx-Romane habe ich den Eindruck gewonnen, als hätte Foster die von mir bisher beschriebene Propagandalinie der Weißenverdrängung vor allem in den frühen Büchern aus den 1970ern verfolgt, wäre dann 1983 in Flinx diesbezüglich deutlich milder geworden und hätte 1988 in Long Tunnel weitgehend davon abgelassen und hauptsächlich eine Geschichte um Flinx‘ Persönlichkeitsentwicklung und um politisches Fanatikertum allgemein schreiben wollen.

Viel ausgeprägter ist die Propaganda in einem Flinx-Buch, das nach Long Tunnel spielt, aber von Foster gleich nach Das Tar-Aiym Krang als zweites in der Serie verfaßt wurde (chronologisch ist es die Nr. 11), nämlich

„Vorposten des Commonwealth“ (Bloodhype, 1973)

Malcolm Hammurabi, Kitten Kai-sung und der Tolianer Porsupah mit Peot, dem Wächter des Vom und Letzten der Tar-Aiym

Am Beginn findet eine Raumschiffbesatzung der AAnn auf einem ansonsten toten Planeten am Rand des „Brandes“ eine fremdartige Lebensform, den Vom. Diese einzigartige Wesenheit, eine formlose schwarze Masse, ist eine hocheffiziente biochemische Maschine, die sich von organischer Materie nährt, aber auch von Energie aller Art und vorzugsweise von „Lebensenergie“, die umso hochwertiger ist, je intelligenter die verzehrten Lebensformen sind. Der Vom ist intelligent, kann jede Form annehmen und ist im Aufnehmen von Strahlungsenergie so effizient, daß er beinahe unzerstörbar ist. Früher wanderte er von einer Welt zur anderen, fraß überall alles Leben, ließ sich danach von Raumschiffen weiterbefördern und kam dabei auf diesen Planeten, dessen dominierende Lebensform er wie auf den Welten zuvor auslöschte. Danach nährte er sich von immer primitiverem Leben, bis er auch die letzten Mikroben vertilgt hatte. Eine Weile später sendete er wieder in den Raum, wie er es auch früher getan hatte, um Schiffe anderer Wesen anzulocken, die ihn anderswohin bringen sollten. Diesmal kamen jedoch die Tar-Aiym, die zu stark waren, um unter seine geistige Kontrolle gebracht zu werden. Der Vom geriet in Panik und vernichtete alle Wesen an Bord der Raumschiffe – ein verhängnisvoller Fehler, denn damit enthüllte er den Tar-Aiym seine wahre Natur. Sie schickten als nächstes Roboter-Kriegsschiffe mit einem einzigen, auf die Situation vorbereiteten Wächter. Dieser war einer ihrer größten Geister, und zusammen mit den Robotschiffen warnte er alle anderen Raumfahrer, die vom Vom angelockt wurden. Dann löschte der Krieg zwischen den Tar-Aiym und den Hur’rikkus alles intelligente Leben in einem weiten Raumbereich aus, und der Vom saß fest. In den folgenden Jahrtausenden wurde er immer schwächer, verlor Fähigkeiten und konnte seinen Lebensfunken zuletzt gerade noch mit der Sonnenenergie erhalten.

Als die AAnn ihn finden, liegt der Vom nur noch wie eine schwarze Farbschicht „viele tausend Quadrat-Cluvits“ weit ausgedehnt auf der toten Felslandschaft. Die AAnn erkennen, daß er sehr ungewöhnliche Eigenschaften hat, zum Beispiel vor mechanischem Kontakt zurückweicht und sich zu größerer Dicke zusammenzieht, sich aber passiv mit Strahlern beschießen läßt und die Energie absorbiert. Sie veranlassen, daß er mit einem ihrer größten Raumfrachter abgeholt wird, um ihn anderswo besser studieren zu können, aber weil sie Bedenken wegen eventueller gefährlicher Eigenschaften haben, bringen sie ihn nicht zu einem ihrer Nestplaneten, sondern zur Homanx-Koloniewelt Repler. Auf einer der vielen Inseln dieses Ozeanplaneten haben die AAnn eine Vertragsenklave, und dort errichten sie eine Anlage, in der sie den schwarzen Blob unterbringen.

Repler ist ein Umschlagplatz für den wiederaufgekommenen Handel mit Bloodhype, dem schlimmsten Suchtgift der bekannten Galaxis, dessen Herstellungsmöglichkeit man für endgültig vernichtet gehalten hatte. Die Droge wirkt auf jedes Lebewesen mit komplexem Nervensystem, macht auch in geringster Dosis sofort süchtig, erzeugt intensive Lustgefühle und danach zunehmend qualvolle Entzugserscheinungen, die nur im Frühstadium mit aufwendiger ärztlicher Hilfe überlebt werden können. Danach tritt mit über 98%iger Wahrscheinlichkeit ein grauenvoller Tod ein. Wer dem Bloodhype einmal verfallen ist, wird fast alles außer dem nackten Leben dafür geben, die nächste Dosis zu bekommen.

Für die Ermittlungen gegen die auf Repler vermutete Bloodhype-Händlerorganisation reist Kitten Kai-sung, eine junge Geheimdienstagentin der Vereinigten Kirche, dorthin. Bei der Ankunft begegnet sie Russ Kingsley, einem berüchtigten Playboy und Sohn eines der fünf reichsten Männer auf Repler, außerdem – was man erst später erfährt – Neffe des Drogenlords Dominic Rose, der hinter dem Bloodhype-Handel steckt. Da sonstige ethnobezogene Beschreibungen fehlen, soll man ihn sich aufgrund des Namens und der Erwähnung, daß er rotes Haar hat, offenbar als Weißen vorstellen. Er hat sich schönheitschirurgisch optimieren und auf 180 cm Größe bringen lassen, und Physiologie-Techniker haben für eindrucksvolle Muskeln gesorgt, aber keiner der teuren Experten hatte etwas an seinem miesen Charakter ändern können. Bei seinem ersten Auftritt treibt er sich in der Ankunftshalle des Raumhafens Replerport herum, um auf Aufrißkandidatinnen unter den Neuankömmlingen zu lauern. Diese Szene ist hinsichtlich der Propaganda wichtig, daher sei sie hier wiedergegeben:

Die Passagiere des ersten Schiffs waren eine Enttäuschung gewesen. Bisher hatte das zweite nichts Besseres gebracht, ausgenommen vielleicht diese blonde Stewardess. Na ja, besser als nichts. Kingsley fühlte in seiner Jackentasche nach, ob der Zettel mit der Nummer darauf noch da war.

Ein Farbfleck am Ende des Erster-Klasse-Steigs zog sein Auge an. Er reckte sich lächelnd. Ja, das war eher etwas für ihn!

Das Mädchen war an der Sperre stehengeblieben und sprach mit dem Ausschiffungsbeamten. Deshalb hatte er sie bisher noch nicht entdeckt. Offensichtlich eine Bürgerin von einem anderen Planeten. Noch besser.

Sie trug einen leuchtend gelben Jumpsuit, der an ihr klebte wie Zitroneneis. Ihr einziger Schmuck war ein Band aus silbrigem Metall am Handgelenk. Nicht etwa, daß ein Ring für Kingsley einen Unterschied ausgemacht hätte, aber er zog eine einfache Angelegenheit einer komplizierten vor. Eine dunkle Tasche war an ihrem rechten Oberschenkel befestigt. Jettschwarzes Haar, umschlungen von einem gelben Band, fiel in einem einzigen dicken Zopf bis zu ihrer Taille nieder, wo ein zweites Band ihn festhielt. Kingsley schürzte mißbilligend die Lippen. Die minoische Mode war seit Monaten passé.

Augen tiefblau, Teint sehr braun, wenig Make-up. Der Schnitt der Augen war entschieden schräg, die hohen Wangenknochen standen vor. Zumindest die Hälfte der Ahnen mußten Chinesen oder Mongolen sein, dachte Kingsley. Was er von dem Körper sehen konnte, war kurvenreich, um nicht zu sagen üppig. Die Linien wichen genau an den richtigen Stellen von der Senkrechten ab.

Nur die fünf Zentimeter, die sie größer zu sein schien als er, schufen ihm ein gewisses Unbehagen. Jetzt ging sie auf den Parkplatz der öffentlichen Verkehrsmittel zu, und Kingsley verließ den Zahltisch, um sie abzufangen.

Feinheiten waren nicht Kingsleys Stärke. Er setzte sein bestes Grinsen auf, das lauter perfekte Schneide- und Backenzähne zeigte (auch dafür hatte er Garantien), und sagte: „Hallo, Fremde!“

Der Blick, den sie ihm daraufhin schenkte, war leicht amüsiert, verriet aber sonst nichts. „Selber hallo, Eingeborener!“ Die Stimme war ein verhaltener Sopran mit gerade einer Andeutung von terranischem Akzent.

Immer besser! Wußte nicht jeder, wie terranische Mädchen sind?

„Russell Kingsley, aber Sie können mich Russ nennen. Darf ich Sie mitnehmen? Meine Preise sind bescheiden.“

„Kitten Kai-sung. Sicher. Kommen Sie in der Nähe des…“ sie dachte kurz nach, „…des Hotels zur Grünen Insel vorbei?“

„Die Grüne Insel.“ (Nicht stinkreich, aber gutbetucht – worauf es im Grunde jedoch nicht ankam.) „Ich fahre genau dorthin. Haben Sie Gepäck?“

„Es wird ins Hotel gebracht.“

„Na denn, kommen Sie!“ Er versuchte, ihr einen Arm um die Schultern zu legen. Sie schüttelte ihn ab. Hochnäsige Zicke, dachte er. Das würde er schnell ändern, wenn er sie erst einmal zum Turm gebracht hatte.

Hier haben wir wieder einmal Fosters Muster einer Eurasierin, die als besonders schön herausgestellt wird, und mit 185 cm ist Kitten Kai-sung auch noch größer als die meisten weißen Männer (auch wieder ein Foster-Muster: Nichtweiße und Mischlinge werden als physisch eindrucksvoll beschrieben, z. B. der ebenfalls ungewöhnlich hochgewachsene Bran Tse-Mallory, der kräftig gebaute Neger Maxim Malaika und der später im gegenständlichen Roman vorkommende Raumschiffkapitän Malcolm Hammurabi, der auch ein Klotz von einem Mann ist). Es ist ja nichts dagegen einzuwenden, wenn einmal eine Eurasierin in einer Geschichte als schön beschrieben wird, denn es gibt in der Realität durchaus welche, auf die das zutrifft. Bei Foster kommt das aber so rüber, daß sie eben deshalb besonders schön sind, weil sie Eurasierinnen sind, und im Fall von Kitten Kai-Sung wird das noch verschärft durch die Gegenüberstellung mit der zuvor erwähnten blonden Stewardess, die als „naja, besser als nichts“ beschrieben wird.

Anscheinend war die Vorstellung, daß Eurasierinnen besonders schön seien, damals gerade allgemein im Schwange. In dem Zusammenhang ist mir die nachfolgend zitierte Stelle auf S. 119/120 im ebenfalls 1973 erschienenen Buch „Die Weltumsegelung der Novara“ (Verlag Fritz Molden, ISBN 3-217-00543-0) eingefallen, wo der Autor Günter Treffner den Expeditionsteilnehmer Dr. Karl von Scherzer zitiert und seine eigenen Bemerkungen dazu macht:

Manchmal geht, wie man sieht, auch dem um Objektivität bedachten Dr. Scherzer sein Temperament durch. Er hat nun einmal gewisse Vorlieben – die englische Kolonialverwaltung, zum Beispiel – und ebensolche […] Abneigungen; und zu diesen zählt vor allem auch seine Einstellung zu den Völkern der Iberischen Halbinsel. Selten, daß er für Spanier, Portugiesen und deren Abkömmlinge ein gutes Wort findet. Selbst wenn er den Korso in Macao beschreibt, kann er sich nicht verkneifen, ein Pauschalurteil – natürlich ein negatives – zu fällen: „Die Portugiesen, schon im Mutterlande kein schöner Menschenschlag, verlieren noch mehr an physischen Vorzügen durch die wenig scrupulöse Weise, mit welcher sie sich in ihren Colonien mit den farbigen Völkern vermischt haben…“ Es ist also von sogenannten Eurasiern die Rede, deren Frauen heute zu den schönsten der Welt gezählt werden. Aber wie so vieles andere ist auch das Menschenbild der Mode unterworfen, und Scherzer meint es gewiß ehrlich, wenn er „einzelne anmuthvolle, blendend weiße Frauengestalten der anglo-sächsischen Race … desto auffallender aus der dunklen, häßlichen Menge hervorstechen“ sieht.

„…ist auch das Menschenbild der Mode unterworfen“… ja, eine solche Mode wurde offenbar damals bezüglich der Eurasierinnen propagiert. Kitten Kai-sung ist aber nicht nur herausragend schön, sondern auch eine athletische Kampfzicke, die den dreißig Kilo schwereren Russ Kingsley zweimal im Kampf besiegt: als er sie nach der Begegnung am Raumhafen mit seinem Schweber zu einer abgelegenen Insel fliegt, um sich über sie herzumachen, legt sie ihn aufs Kreuz und fliegt mit seinem Schweber davon, und als sie sich später beide in Gefangenschaft der AAnn befinden, schlägt sie ihn in einem waffenlosen Duell so zusammen, daß er einem der zuschauenden AAnn die Waffe zu entreißen versucht, um Kitten zu erschießen, und dabei selbst erschossen wird.

Zu Kittens weiteren Eigenschaften gehört, daß sie sehr selbstsicher ist, ein loses Mundwerk hat, mit Anzüglichkeiten um sich wirft und in ihrer Respektlosigkeit gegenüber Vorgesetzten an Negercharaktere wie Eddie Murphy in seinen Polizeifilmen erinnert. Und sie kommt damit auch noch durch. Nachdem sie sich im Hotel mit ihrem Agentenkollegen Porsupah getroffen hat (einem Tolianer, der entfernt einem zu groß geratenen, korpulenten Waschbären ähnelt), begibt sie sich mit ihm sehr verspätet zu Major Orvenalix, einem Thranx, der nicht nur der Kommandant von Replers kleiner Streitmacht ist, sondern auch einen viel eindrucksvolleren geheimen Rang im Nachrichtendienst der Vereinigten Kirche hat. Beispielhaft für Kitten Kai-sungs Auftreten zitiere ich den Anfang dieses Treffens:

Major Orvenalix saß in seinem fingerhutförmigen Sessel und sah Kitten und Porsupah böse an. Im Augenblick benutzte der Major seine mittleren Glieder als zweites Händepaar. Eine menschliche Gewohnheit imitierend, trommelte der Thranx mit allen vier mal drei Klauen auf dem Tisch vor ihm. Das gab einen beträchtlichen Lärm.

[…]

Er hörte auf zu trommeln. Die nun eintretende Stille dröhnte lauter. Orvenalix sprach mit ruhiger Stimme.

„Sieh an! Unser großartiger Leutnant Kai-sung hat sich in seiner Güte herabgelassen, den Stab mit seiner Gegenwart zu beehren!“ Der Major verbeugte sich ironisch. Das heißt, er neigte den Kopf und den B-Thorax. Kein Thranx brachte in seinen starren Panzerplatten eine richtig elegante Verbeugung zustande.

„Das können Sie sich schenken, Orvy!“

„Sie werden mich meinem Rang entsprechend anreden, Leutnant!“ brüllte er los und schlug mit einer echten Hand auf den Tisch.

„Jawohl, Sir“, erwiderte Kitten, die militärische Ausdrucksweise parodierend. „Jawohl, Major… Orvy!“

„SIE WERDEN…!“ Orvenalix seufzte und ließ sich in seinen Sessel zurücksinken. „Lassen wir das. Ich sehe schon, Sie haben sich nicht um ein Mikron geändert.“

„Sie sind heute schon der zweite, der mir das sagt. Im Ernst, Sir, wie ist die genaue Situation? …“

Orvenalix informiert die beiden über die Bloodhype-Situation und weist sie in ihren Auftrag ein, und der nächste Charakter, den man als Leser kennenlernt, ist Kapitän Malcolm Hammurabi, unabhängiger Eigner des Raumfrachters Umbra. Hammurabi, ein massig gebauter Mann von 125 Kilo mit rötlich-braunem Haar, hoher Stirn, bernsteinfarbenen Augen und einem dicken Walroß-Schnauzbart, dem Namen nach mindestens teilweise orientalischstämmig, inspiziert in einem Lagerhaus von Replerport die von ihm abgelieferte Fracht, von der ein guter Teil für Russ Kingsleys Vater Chatham Kingsley bestimmt ist. Dabei überrascht er zwei Diebe, die gerade eine aufgebrochene Frachtkiste durchwühlen. Einen davon tötet er (unabsichtlich) mit einer an den Kopf geworfenen Kiste, dem anderen überwältigt er und quetscht ihn nach Informationen aus. Die beiden hatten im Auftrag von Dominic Rose nach einem blauen Behälter gesucht, der versehentlich in die für Chatham bestimmte Ladung geraten war. Hammurabi läßt den Mann laufen und sucht nach der blauen Schachtel, und nachdem er sie gefunden hat, kommt der Dieb mit Verstärkung zurück. Aus dieser Klemme wird Hammurabi durch seinen Ersten Maat Maijib Takaharu gerettet, der mit zwei Mannschaftsmitgliedern gekommen war, um nach ihm zu sehen.

Zurück an Bord analysiert Hammurabis Schiffsärztin Dr. Japurovac (eine Thranx) den scheinbar aus Gewürzen bestehenden Inhalt der Schachtel und findet entsetzt heraus, daß darin neben verschiedenen anderen Drogen auch Bloodhype enthalten ist. Hammurabi fliegt mit Takaharu in einem Schweber zu Roses Privatinsel, um ihm einen Deal vorzutragen: Einstellung des Bloodhype-Handels, Vernichtung aller nicht ausgelieferten Vorräte, Übermittlung einer Liste aller bekannten Süchtigen an die Kirchenbehörde; im Gegenzug würde Hammurabi ihm sämtliche anderen Drogen zurückgeben und nichts den Behörden melden. Auf dem Landeplatz werden sie von einem hochgewachsenen jungen Mann mit rotem Haar und dunklem Teint abgeholt, auf dessen Schultern eine geflügelte Schlange liegt: Flinx, der bei Dominic Rose als Sanitär-Ingenieur-Lehrling arbeitet, um seine Organisation zu infiltrieren.

Im Besprechungsraum gibt „Lord“ Dominic sich unbeeindruckt und schaltet einen Bildschirm ein, auf dem zu sehen ist, wie die zuvor mit Porsupah gefangengenommene Kitten Kai-sung nackt auf einem Tisch festgebunden liegt und Russ Kingsley sich gerade daran macht, sie zu foltern. Nach zwei langen Schreien der Frau nötigt Rose Hammurabi zu einem anderen Deal: Freilassung von Kai-sung, Porsupah, Hammurabi und Takaharu gegen Übermittlung des gesamten Behälters mit allen Drogen einschließlich des Bloodhype an ihn und drei Tage Vorsprung für Rose, um sich abzusetzen. Später, als Hammurabi mit den beiden Agenten vereint ist, hilft Flinx ihnen durch die Abwasseranlage ins Meer zu fliehen und zum Schweber mit dem wartenden Takaharu zu gelangen. Als Rose von ihrer Flucht erfährt, setzt er sich allein mit kleinem Gepäck zu den AAnn ab, um bei ihnen Asyl zu erbitten. Zu diesem Gepäck gehört auch als Absicherung gegen Unfreundlichkeiten der Echsen ein kleiner Koffer mit reinem Bloodhype, der unter Druck steht und sofort aufspringen würde, sollte der Griff losgelassen werden, worauf sich der Inhalt im Lüftungssystem der Basis verteilen würde.

Währenddessen ist die von den Tar-Aiym zurückgelassene Wächtermaschine dem Vom nach Repler gefolgt, wo sie auch einen hochentwickelten Verstand (nämlich Flinx) geortet hat, der den Tar-Aiym-Wächter aus seinem Schlaf wecken könnte. Im Orbit über Repler begegnet sie einem Frachtshuttle, das Chatham Kingsley gehört, und schleust einen rechteckigen Block aus, in dem sich der Wächter befindet. Die Shuttlepiloten Edward M’wali und Myke Reinke bringen dieses Gerät zur Privatinsel Westplace ihres Chefs. Dorthin sind auch die fünf Geflohenen unterwegs, weil Hammurabi seinen Auftraggeber Kingsley zur Rede stellen und sich vergewissern will, daß dieser mit der Bloodhype-Sache nichts zu tun hatte. Während des Fluges gibt Kitten Kai-sung sich im Gepäckraum des Schwebers eine Stunde lang Flinx für Sex hin, als Belohnung für die Befreiung.

Auf Westplace weckt Flinx den Wächter tatsächlich auf, und der Wächter Peot, der Letzte der Tar-Aiym, kommt aus seinem Kasten und erklärt den Protagonisten telepathisch, was es mit dem Vom auf sich hat. Kitten glaubt ihm nicht ganz und überredet Porsupah und Hammurabi (Letzteren nur durch Androhung, dessen Zurückhaltung von Informationen über die Bloodhype-Lieferung zu melden) dazu, in der AAnn-Enklave selbst nachzusehen. Hammurabi gibt nach, verspricht aber, Kai-Sung hinterher „den Teer aus dem Leib zu hauen“, sollten sie die Sache überstehen. Natürlich werden sie dort von den Echsen geschnappt und vor ihren Kommandanten gebracht, aber der Vom, der inzwischen von Peot mit Unterstützung durch Flinx telepathisch bekämpft wird, bricht aus seinem Gefängnis aus und verwüstet die Insel der AAnn, ehe er sich über das Meer auf den Weg nach Repler City macht. In dem Chaos fliehen Kitten & Co von der Insel.

Auf dem Weg über das Meer informiert Kitten Major Orvenalix, der sofort drei Patrouillen-Unterseeboote zur AAnn-Enklave in Marsch setzt und den planetarischen Gouverneur Washburn kontaktiert. Dieser Politiker, den man sich wohl bei dem Namen und fehlender sonstiger Hinweise als Weißen vorstellen soll, ist ein pedantischer und überforderter Bürokrat, dem seine Siesta und seine Ansprachetermine wichtiger sind und der möglichst keine Wellen schlagen will. Orvenalix widersetzt sich Washburns Befehl, die U-Boote zurückzubeordern, und fordert ohne dessen Wissen vom nächstgelegenen Raumflottenstützpunkt das gesamte dort stationierte Flottenkontingent an. Diese überwiegend von Thranx und Menschen, aber auch anderen Spezies bemannte Flotte wird vom Thranx-Admiral Ashvenarya auf dem Flaggschiff Zimbabwe befehligt.

Nachdem der Vom zwei der U-Boote vernichtet hat, begegnet er Kai-sung und Hammurabi, die mit einem Schweber noch einmal zur AAnn-Insel fliegen wollen, und Dominic Rose, der in einem Boot mit seinem Bloodhype-Koffer unterwegs ist, um sich mit dem Vom zu verbünden. Dieser schnellt unter beiden Fahrzeugen hoch und schleudert sie auf ein Riff. Als Rose in einem kleinen Beiboot fliehen will, wird er mitsamt seinem Koffer vom Vom verschlungen, und das Bloodhype beginnt das Ungeheuer abzutöten, während es am Höhepunkt seines mentalen Kampfes mit Peot, seiner Maschine und Flinx ist. In seinem Todeskampf wirft es riesige Wellen auf, die über die Riffinsel fegen, wo Kitten und Hammurabi sich mit Mühe auf einem Baum festhalten können. Als alles vorbei ist, klettern sie herunter, und Hammurabi macht sein Versprechen wahr:

Er kam einen Schritt näher und legte ihr leicht die Hand zwischen die Schulterblätter. Kitten hatte gerade noch Zeit für einen kurzen, überraschten Blick, und schon setzte er sich auf einen nassen, aber seinen Zwecken durchaus dienlichen Baumstamm und legte sie sich übers Knie.

Sein linker Arm lag fast quer über ihr Kreuz, und gleichzeitig hakte sich sein rechtes Bein über ihren linken Unterschenkel. Die daraus resultierende Pose war klassisch, wenn auch unwürdig.

Kitten gab sich einen plötzlichen Ruck nach oben. Sie runzelte die Stirn, als sie keinen Spielraum gewann. Nun stemmte sie die Hände auf den feuchten Boden und wandte mehr Kraft an. Sie hätte ebenso gut versuchen können, aus einem gepanzerten Jagdkäfig auszubrechen.

„Schon gut, Kapitän Hammurabi. Der Sinn für Humor vergeht mir bald. Würde es Ihnen etwas ausmachen, mich aufstehen zu lassen?“

„Sie werden sich noch erinnern“, antwortete er seelenruhig, „daß ich Ihnen, als ich einwilligte, mit Ihnen in selbstmörderischer Absicht einen Ausflug zu einer gewissen Enklave zu machen, ein Versprechen gab. Jedenfalls das Wesentliche werden Sie noch wissen.“ Kitten wehrte sich jetzt heftiger und viel weniger wissenschaftlich.

„Das Schlagen eines Offiziers der Kirche kann als Kapitalverbrechen geahndet werden.“

„Das Risiko gehe ich ein, Leutnant. Aber ich pflege Wort zu halten und Versprechen zu erfüllen. Das ist ein gesundes Geschäftsprinzip. Es wird nicht lange dauern. Ich schlage vor, Sie betrachten die Situation unter philosophischem Aspekt. Darin sind Sie ja gut.“

Die Handfläche des Schiffskapitäns hatte die Konsistenz soliden Hartmetalls. Die häufigen scharfen Proteste des Leutnants in den nächsten Minuten abgemessener Aktivität waren von einer philosophischen Einstellung weit entfernt.

 

Malcolm seufzte und sah zu Kitten hinüber, die an einem Baum lehnte. Er nahm eine Einstellung an dem kleinen Kommunikationsgerät vor, das er aus dem Wrack des Wellenreiters gerettet hatte. Er hatte es so umgebaut, daß er damit ein weitreichendes Notsignal auf einer vielbenutzten Frequenz abstrahlen konnte. Das Gerät würde etwa eine halbe Stunde lang senden, bis die kleine Batterie erschöpft war.

„Wollen Sie sich nicht setzen? So kräftig habe ich nicht zugeschlagen.“ Er lächelte. Das hatte mehrere Minuten eines tödlichen Schweigens zur Folge. „Wie Sie wollen. Verdient hatten Sie es. Wie es in Buch III, Kapitel 21 heißt: ‚Reife ist keine Funktion des Alters.‘ Falls Sie mir das Gegenteil beweisen wollen…“

Kitten blickte auf ihre Füße hinab. Sie hatte abstrakte Figuren in den immer noch feuchten Inselboden gezeichnet.

„Es ist möglich“, begann sie zögernd, „daß ein geringer Teil dieser… dieser…“

„mildtätigen Züchtigung“, schlug Malcolm vor.

„Wie Sie es auch nennen wollen.“ Sie kam zu ihm herüber. „Ein geringer Teil mag vielleicht, aber auch nur vielleicht gerechtfertigt gewesen sein.“

„Wenn Sie bekommen sollten, was Sie verdienen, wäre ich immer noch dabei“, erwiderte er. „Aber ich habe Gnade walten lassen. Und außerdem wurde mir der Arm lahm.“

„Das kann ich mir vorstellen.“ Kitten lächelte flüchtig. „Der hier war es, nicht wahr?“ Sie berührte seine rechte Schulter.

Er sah sie neugierig an – bis sie sich vorbeugte und ihn scharf oberhalb des rechten Bizeps biß.

Er versuchte, sie von sich wegzuschieben. Sie ließ nicht locker. Hammurabis Großvater hatte seine Kindheit in den Slums von Bajallas Port verbracht, einem der größten und schmutzigsten Fährenhäfen Terras. Die Lehren, die er seinem Enkel weitergegeben hatte, waren wirksam und unkonventionell.

Malcolm beugte sich vor und biß Kitten in den Rücken.

Vor Schreck und Überraschung riß sie sich los und rieb sich die verletzte Schulter.

„Verdammt sollen Sie sein, Hammurabi! Sie sind kein Gentleman!“ Sie stürzte sich auf ihn und holte mit dem rechten Arm zu einem seitlichen Handkantenschlag aus. Er packte ihren Arm mit einer Hand und fing dann auch den linken ab, mit dem sie einen neuen Angriff versuchte. Sie wollte ein Knie hochbringen, aber er wirbelte sie herum und drückte sie fest gegen den Baum.

„Sie sind auch alles andere als eine Lady, Kai-sung.“

Sie küßte ihn. Nach einem Augenblick des Zögerns und nachdem sie ihn ausgelacht hatte, entspannte er sich so weit, daß er sie wiederküßte. Aber ihre Hände ließ er nicht los.

[Falls ich einmal tatsächlich meinen SF-Roman „Feuerfall“ veröffentliche und euch in Kapitel 5 gewisse Parallelen zu dieser Szene auffallen, so seid versichert, daß ich dieses Kapitel schon vor gut drei Monaten geschrieben habe und daß ich „Vorposten des Commonwealth“ davor seit mindestens zwei Jahrzehnten nicht mehr gelesen habe und fast nichts mehr daraus wußte. Muß wohl eine Art archetypische Szene sein.]

Kitten Kai-sung wehrt also den weißen Widerling Russ Kingsley mit Leichtigkeit ab, bei einem späteren Kampf schlägt sie ihn schwer zusammen; sie läßt sich vom Mischling Flinx eine Stunde lang als Dank für die Rettung vögeln, nachdem dieser eine monetäre Belohnung von der Kirche abgelehnt und stattdessen Sex gefordert hat, und dem Orientalen Hammurabi gelingt es nicht nur, sie übers Knie zu legen und ihr den Hintern so zu versohlen, daß sie nicht mehr sitzen kann, sondern sie gibt auch verlegen zu, daß das nicht ganz unverdient gewesen sein könnte. Später werden die beiden ein Paar.

Ähnlich tendenziös ist auch die rassische Rollenverteilung im ganzen Buch: die meisten Personen sind Nichtweiße, Mischlinge und Außerirdische, und außer zwei unbedeutenden Nebenfiguren (Myke Reinke und der subalterne Leutnant Hanover auf dem Flaggschiff Zimbabwe) sind alle vorkommenden Weißen Negativfiguren: die Verbrecher Dominic Rose und Russ Kingsley, der auch nicht gerade saubere Händler Chatham Kingsley und der inkompetente Gouverneur Washburn.

Mit diesem Überblick über die frühen Flinx-Romane der 1970er und 1980er beschließe ich Teil 2, damit er nicht zu lang wird. Die restlichen drei Bücher aus den 2000er-Jahren behandle ich im nächsten Teil,

NWO-Propaganda in SF-Romanen: Alan Dean Fosters „Homanx“-Reihe (3) – Das Letzte von Flinx

*     *     *

Neue Kommentarpolitik auf „Morgenwacht“: Wie bereits hier unter Punkt 1 angekündigt, am Schluß dieses Kommentars wiederholt als Absicht geäußert und in diesem Kommentar endgültig festgelegt, werden neue Kommentatoren nicht mehr zugelassen und sind die Kommentarspalten nur noch für die bereits bekannte Kommentatorenrunde offen.

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3 Kommentare

  1. Mit diesem Artikel sind nun 1200 Beiträge auf „Morgenwacht“ veröffentlicht, womit unsere damalige Maximalzahl auf „As der Schwerter“ in Reichweite ist. Ich erinnere mich nur noch, daß es dort zuletzt mindestens schon zwischen 1250 und 1270 waren; ich glaube aber nicht, daß wir die 1300 noch erreicht haben.

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  2. Ich habe jetzt oben im Artikel die Angabe, daß „Bloodhype / Vorposten des Commonwealth“ chronologisch die Nr. 7 in der Flinx-Reihe ist (die ich der Auflistung in der PDF von „Orphan Star“ entnommen habe, was wegen weiterer später geschriebener, aber davor spielender Bücher nicht mehr stimmt), auf Nr. 11 berichtigt.

    Im Zuge meiner Recherchen für Teil 3 habe ich jetzt nämlich anhand der Wiki-Einträge zu allen Romanen die richtige Reihenfolge zusammengestoppelt und mit den deutschen Titeln kombiniert, und die sieht so aus:

    1) For Love of Mother-Not (Flinx)
    2) The Tar-Aiym Krang
    3) Orphan Star (Der Waisenstern),
    4) The End of the Matter (Der Kollapsar)
    5) Flinx in Flux (Long Tunnel)
    6) Mid-Flinx (Der grüne Tod)
    7) Reunion (Die Echsenwelt)
    8) Flinx’s Folly (Die Stimme des Nichts)
    9) Sliding Scales (Flucht ins Chaos)
    10) Running from the Deity (Sternengötter)
    11) Bloodhype (Vorposten des Commonwealth)
    12) Trouble Magnet (Nichts als Ärger)
    13) Patrimony (Patrimonium)
    14) Flinx Transcendent (Die Spur der Tar-Aiym), der letzte Flinx-Roman.

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  3. Ich habe es mir anders überlegt und werde meine restlichen Anmerkungen zur Flinx-Reihe nur noch in Kommentarform bringen. Mehr zahlt sich bei dem geringen Interesse (für den obigen Artikel sind im Laufe von zwei Wochen nur 116 Klicks zusammengekommen) nicht aus. Über die anderen Homanx-Romane, in denen Flinx nicht vorkommt (z. B. die Icerigger-Trilogie, „Die denkenden Wälder“ und „Auch keine Tränen aus Kristall“) werde ich entgegen meiner ursprünglichen Absicht gar keinen Artikel mehr machen, und auch keine der sonstigen mehr, die ich zum Thema „NWO-Propaganda in SF-Romanen“ vorgehabt hatte.

    Beim Wieder-Lesen der gesamten Homanx-Reihe ist mir aufgefallen, daß der Reiz, den die frühen Romane aus den 1970ern und 1980ern als SF-Geschichten noch hatten, den danach geschriebenen Büchern ab Mid-Flinx (1995, deutsch Der grüne Tod) zunehmend fehlt, was durch die etwas geringere (((Propagandalastigkeit))) nicht ausreichend wettgemacht wird. Man hat den Eindruck von Fließbandschreibe und Wiederholung von Elementen aus früheren Geschichten, und das wird auch von Michael Drewnioks Rezension von „Die Echsenwelt“ (Reunion, 2011) auf phantastik-couch.de bestätigt, aus der ich hier einen Auszug zitiere:

    Trotz strengster Sicherheitsmaßnahmen gelingt Flinx auf der Erde der Einbruch in die Datenbank der Kirche. Das Unternehmen endet als Katastrophe: Die einzige Datei, die Flinx seine Fragen beantworten könnte, wurde von einer unbekannten fremden Macht so manipuliert, dass die Nachforschungen eine gewaltige Explosion auslösen. Flinx muss die Erde fluchtartig verlassen.

    Wenigstens kann er den Weg rekonstruieren, den die Datei genommen hat. Sie wurde in den Bordcomputer eines angeblichen Handelsschiffs kopiert, das eine Reise in die Außenbezirke des Commonwealth führt. Pyrassa, der Zielplanet, liegt im Kaiserreich der AAnn, jener expansionswütigen und feindseligen Reptilrasse, die nur die Macht des Commonwealth vor einem offenen Kampf zurückschrecken lässt. Im Untergrund tobt dafür umso erbitterter ein ´kalter´ Krieg, was kluge Zeitgenossen die AAnn ausdrücklich meiden lässt.

    Den wissbegierigen Flinx kann die Gefahr nicht schrecken. Doch Pyrassa droht ihm zum Grab zu werden. Er strandet auf der Oberfläche des öden und von gefräßigen Kreaturen heimgesuchten Planeten, stolpert über ein uraltes galaktisches Artefakt und fällt den AAnn in die Hände. Freilich hat er buchstäblich ein Ass im Ärmel: Pip, die fliegende Drachenschlange, die ihrem Herrn mit prall gefüllten Giftdrüsen zur Seite steht und denen, die Flinx in der Falle wähnen, eine böse Überraschung beschert…

    Unendliches Abenteuer oder nur ein Drehen im Kreis?

    Wenn dir als Autor zu einem von dir geschaffenen, auf dem Buchmarkt lukrativen und deshalb wertvollen Helden nichts mehr einfallen will, lass´ ihn nach den eigenen Wurzeln graben. Das Ergebnis ist eine Odyssee, die sich unendlich auswalzen und mit modulhaft angeflanschten Standard-Episoden bestreiten lässt.

    Das ist die böse aber auch objektive Interpretation der Abenteuer von Flinx und Pip, die mit der „Echsenwelt“ in die achte Runde geht, ohne dass die Gesamthandlung auf der letzten Seite entscheidend vorangeschritten wäre.

    […]

    Was den Telepathen und seine Drachenschlange einst interessant machte, ist längst erfunden, entwickelt und erzählt, Flinx´ Suche nach der eigenen Identität wirklich nur ein Vorwand, damit Foster die eingeführte Serie fortsetzen kann. Immer wieder stoßen wir auf Bekanntes: Flinx kämpft mit seiner unzuverlässigen Mutantenkraft, deren Versagen ihn zuverlässig in aufregende Bredouillen bringt, aus denen ihn die Gift spuckende Pip befreit. Flinx ist wieder auf der Erde, wo er bereits früher nach seiner Herkunft forschte. Flinx stößt in die Tiefen des Raums vor und stößt dort auf Gegner, die er und wir ebenfalls schon kennengelernt haben … So beginnt es und so setzt es sich fort.

    Dieser Trend begann bereits im sechzehn Jahre davor geschriebenen Roman Mid-Flinx (1995, dt. Der grüne Tod): Flinx sucht auch da schon auf einer abgelegenen Welt Ruhe und Frieden, bekommt aber dort schon wieder Ärger mit einem örtlichen einflußreichen Schurken, einer Mischung aus Lokalpolitiker und Gangsterboss, der es sich in den Kopf setzt, Pip in seinen Besitz zu bekommen. Auf Der Flucht vor ihm weist Flinx die KI seines Schiffes Teacher an, zu einem zufällig ausgewählten unkartierten Planeten zu fliegen, und das ist Midworld, eine Dschungelwelt mit teils gefährlichen Pflanzen und meilenhohen Bäumen, die bereits im 1975 veröffentlichten Roman Midworld (deutsch Die denkenden Wälder) vorgestellt wurde.

    Nun zum ersten der drei Flinx-Bücher aus dieser Schaffensperiode, die ich selbst kenne und die ich nun zum ersten Mal seit dem Kauf irgendwann 2010 wieder gelesen habe:

    „Flucht ins Chaos“ (Sliding Scales, 2004)

    In diesem Roman, dessen Titel übersetzt „gleitende Skalen“ bedeutet, aber auch ein Wortspiel auf die Schuppen (scales) der AAnn ist, gibt es die auf Menschenrassen bezogene Rollenzuweisungspropaganda früherer Bücher nicht, denn Flinx ist hier der einzige vorkommende Mensch. Nachdem er seine schwer verletzte Freundin Clarity Held am Schluß von Flinx’s Folly (2003, dt. Die Stimme des Nichts) in der Obhut von Bran Tse-Mallory und Truzenzuzex zurücklassen mußte, hängt er melancholisch an Bord der Teacher herum und fragt sich, warum er bei aller Verfolgung durch verschiedene feindliche Organisationen auch noch sein privates Glück mit Clarity opfern soll, um das Commonwealth vor einer aus den Tiefen der Galaxis heranrückenden Gefahr unvorstellbaren Ausmaßes zu retten. Die Künstliche Intelligenz des Raumschiffs nimmt Flinx‘ Deprimiertheit wahr und rät ihm, Urlaub zu machen, auch „von sich selbst“, und einfach eine Weile nichts zu tun.

    Der Planet, den die Teacher ihm dafür vorschlägt, ist Jast, eine erdähnliche Welt zwischen den Raumbereichen des Commonwealth und des AAnn-Imperiums, die zwar formell unabhängig ist, aber unter zunehmendem Einfluß der AAnn steht, die sie in ihr Imperium eingliedern wollen und deshalb dort eine kleine Präsenz unterhalten. Die Eingeborenen von Jast sind die friedlichen Vssey, die einen verhältnismäßig hohen technischen Entwicklungsstand erreicht haben und die Lebensweise der AAnn, die sie „die Besucher“ nennen, weitgehend übernommen haben. Äußerlich ähneln sie entfernt eineinhalb Meter hohen Pilzen mit Tentakeln um den „Hutrand“ und zwei Stielaugen obendrauf sowie vier Stummelfüßen um die Körperbasis, die es ihnen ermöglichen, sich durch Zusammenziehen und Strecken des Unterkörpers hüpfend fortzubewegen. Von den AAnn werden sie als friedliche, langsame Schnecken verachtet.

    Auf dieser Welt, wo Flinx nicht ständig wegen Feinden aus dem Commonwealth über die Schulter schauen muß und ihn die stationierten AAnn nicht kennen, erweckt sein Erscheinen bei Letzteren dennoch Argwohn, nicht zuletzt auch, weil es Ärger mit einer kleinen Widerstandsbewegung unter den Vssey gibt, von denen nicht alle mit der Anwesenheit der „Besucher“ einverstanden sind. Deshalb wird Flinx der AAnn-Offizier Takuuna als Fremdenführer und Aufpasser zugeteilt, der ihn dann bei der Besichtigung des morgendlichen Massenaufstiegs von mittels Gasblasen schwebenden einheimischen Tieren aus einer Schlucht mit einem überraschenden Schwanzschlag gegen die Beine über den Schluchtrand stößt. Danach fliegt Takuuna mit dem Luftgleiter zurück in der Absicht, die impulsiv aus Paranoia und Abscheu gegenüber dem „Weichhäuter“ begangene Tat vor seinen Vorgesetzten mit der Behauptung zu rechtfertigen, der Mensch habe ihn angegriffen.

    Flinx ist jedoch nicht tot, sondern nur verletzt und leidet nach seinem Erwachen aus der Bewußtlosigkeit unter Gedächtnisverlust, nachdem er eine steile Rinne hinuntergerutscht ist. Nicht wissend, wer oder wo er ist, irrt Flinx in der Wildnis herum, bis er ausgehungert und stark dehydriert von Mitgliedern einer AAnn-Künstlerkolonie, des Ordens der Ssaiinn, gefunden wird. Diese Gemeinschaft von – für AAnn – relativ friedlichen Kulturaußenseitern, die von ihren Artgenossen als Narren verachtet werden, lebt unter einem imperialen Sonderstatus in einem Gebäudekomplex, den sie in dieser abgelegenen Gegend von Jast errichtet hat, und widmet sich ihren künstlerischen Tätigkeiten.

    Die Ssaiinn pflegen Flinx gesund, und da dieser mit seinen Erinnerungen auch seine Vorurteile gegen die AAnn vergessen hat und mit seinen telempathischen Fähigkeiten ihre Freundlichkeit spürt, freundet er sich mit ihnen an, was durch die besondere kulturelle Ausrichtung dieser Gruppe erleichtert wird. Besonders die Botanikerin Chraluuc kümmert sich um Flinx und sieht ihn als Botschafter oder Brücke für die Verständigung zwischen den AAnn und den Menschen, und sie setzt sich dafür ein, daß er in den Orden der Ssaiinn aufgenommen wird, wofür er als Voraussetzung auch von Chraluucs Familie adoptiert und somit formell zu einem „Quasi-AAnn“ wird.

    Währenddessen erfährt jedoch Takuuna, der inzwischen zum Leiter einer Ermittlungsgruppe zur Aufklärung von Anschlägen des Vssey-Widerstands ernannt wurde, von Flinx‘ Weiterleben in der Künstlerkolonie. Da er befürchtet, daß der Mensch seine Erinnerung zurückerlangen und dann von dem Mordversuch erzählen könnte, fliegt er zu den Ssaiinn und fordert die Auslieferung von Flinx, den er beschuldigt, die Attentäter angestiftet und unterstützt zu haben, wobei er natürlich die Absicht hat, den Gefangenen danach wegen angeblichen Fluchtversuchs zu erschießen.

    Der erste Versuch scheitert am Widerstand der Ssaiinn, die sich auf die ihnen gewährte imperiale Charta berufen, derzufolge für die Auslieferung eines Mitglieds ein Notfallzertifikat vorliegen muß (wieder einmal das klassische jüdische „Würdest du mich verstecken?“-Motiv). Als Takuuna mit einem solchen Dokument wiederkommt, flüchtet Chraluuc mit Flinx in einen Unterschlupf außerhalb der Künstlerkolonie. Angeleitet von einem Verräter in der Gemeinschaft folgt Takuuna den beiden in Begleitung eines AAnn-Soldaten dorthin und fordert Flinx auf, sich zu stellen. Dieser willigt ein, herauszukommen, im Glauben, die Anschuldigungen entkräften zu können; jedoch tritt Chraluuc überraschend vor ihm ins Freie und wird von dem Soldaten, der in diesem Moment auf Takuunas Befehl sein Gewehr abfeuert, erschossen. Der Schock dieses Erlebnisses gibt Flinx die Erinnerung zurück und löst bei ihm wieder einmal einen unwillkürlichen Psychobombeneffekt wie damals im Lagerhaus in Drallar aus, wodurch Takuuna und sein Soldat in den Wahnsinn getrieben werden.

    Die (((Propaganda))) in dieser Geschichte, in der Flinx eher eine Nebenfigur ist, beschränkte sich also auf die Propagierung der Verständigung mit einem alten Erbfeind, was völlig dem widersprach, wie die AAnn bis dahin beschrieben worden waren. Beim ersten Lesen im Jahr 2010, als ich in meinem Denken noch vom Kalten Krieg geprägt war und ich erkenntnismäßig gerade erst vom „Counterjihad“ zum „Counterjewhad“ übergegangen war, hatte mich diese „Wenn unsre Brüder kommen“-Botschaft noch besonders gestört. Was ich mir damals beim nächsten Band Nichts als Ärger dachte, weiß ich nicht mehr, denn es ist für mich so, als hätte ich ihn zuvor noch nie gelesen. In Patrimonium fiel mir dann schon die penetrante Antirassismuspropaganda auf, und als ich daraufhin die alten Bücher ab Das Tar-Aiym Krang wieder las, erkannte ich darin die Universalismus- und One-Space-Propaganda und die Ausblendung und Herabstufung weißer Charaktere, die ich in den ersten beiden Teilen meiner Reihe über die Homanx-Romane beschrieben habe.

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