Warnhinweise zur Unfruchtbarkeitsproblematik

Von Lucifex, zusammengestellt aus Kommentaren von mir und hildesvin zu Andrew Hamiltons Essay Familie, ergänzt um drei neue Schlußabsätze. Diese Aufbereitung als eigener Artikel soll die enthaltenen Informationen leichter auffindbar und verlinkbar machen als die einzelnen Kommentare und sie neueren Lesern bekanntmachen, die den alten Strang noch nicht kennen.

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Lucifex:

Im aktuellen Juliheft 2018 von „bild der wissenschaft“ ist unter dem Titel „Furchtbar unfruchtbar“ ein interessanter Artikel von Susanne Donner erschienen (ab. S. 74). Nachfolgend gebe ich ihn gekürzt wieder (als Blockquote; meine eigenen Anmerkungen stehen dazwischen):

Wunschtraum Kind

Immer mehr Menschen bleiben in Deutschland kinderlos. Die Zahl der Ehepaare ohne Sprösslinge ist von 1990 bis 2012 stark angewachsen auf 10 Millionen. Jede und jeder Vierte im Alter von 20 bis 50 ist mittlerweile ungewollt ohne Nachwuchs, erbrachte eine aktuelle Erhebung des Bundesfamilienministeriums.

Ungewollt bedeutet, dass es meistens mit einer Schwangerschaft nicht geklappt hat oder auch, dass nicht der passende Partner gefunden wurde. Wie viele Paare infertil sind, darüber haben Mediziner nur Schätzungen angestellt. Systematisch erhoben wird die Reproduktionsunfähigkeit der Bevölkerung nicht. Die Angaben schwanken zwischen jedem achten und jedem fünften Paar. Die 134 Kinderwunschzentren florieren jedenfalls.

Der dänische Endokrinologe Niels Skakkebaek war der Erste, der vor einer verheerenden Fruchtbarkeitskrise warnte. 1992 veröffentlichte er im angesehenen British Medical Journal, dass die Spermienzahl sich von 113 Millionen auf 66 Millionen je Milliliter Sperma halbiert habe. Ein Fünftel der jungen Dänen hätte so wenig gesunde Keimzellen, dass sie als unfruchtbar gelten. Doch er hatte historische Zählungen mit neueren Erfassungen verglichen, die nach unterschiedlichen Standards erfolgten. Viele warfen ihm Panikmache vor. Besonders in Deutschland taten Andrologen, also Ärzte der Männerheilkunde, seine These als Hysterie ab.

Die Spermienqualität nimmt ab

Inzwischen hat der betagte Pionier den Streit für sich entschieden: „Man muss das nicht Spermienkrise nennen. Die Spermienqualität hat jedenfalls abgenommen“, sagt der Reproduktionsmediziner Stefan Schlatt vom Universitätsklinikum Münster. Sein Vorgänger war einer der schärfsten Kritiker von Skakkebaek. In Münster werden seit 2016 Ringversuche koordiniert, um die Qualität der Spermiogramme in ganz Deutschland zu gewährleisten. Man kann sagen, die Forscher hier haben einen guten Überblick über die männliche Fruchtbarkeit.

Man kann auch sagen, die Forscher in Münster beugen sich den erdrückenden Indizien. Schon 2004 gab die einzige Untersuchung zur Spermienqualität in Deutschland zu denken: 791 Männer aus Hamburg und Leipzig spendeten ihr Ejakulat. Im Schnitt zählten die Experten 42 Millionen Spermien pro Milliliter. Unterhalb von 39 Millionen kann es mit dem Nachwuchs mühsam werden. Die Andrologin Andrea Salzbrunn vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, die an der Studie beteiligt war, urteilt: „Ein großer Teil der jungen deutschen Männer scheint eine beeinträchtigte Samenqualität zu haben.“

Neuere Analysen des Spermienspezialisten Pallav Sengupta vom britischen Lincoln University College zeichnen auch global ein verheerendes Bild: Die Spermienzahl der Männer in Europa sei in den letzten 50 Jahren um 32,5 Prozent eingebrochen, in Afrika sogar um 76,2 Prozent. Auch in Asien und Nordamerika hat der Forscher den Rückgang dokumentiert. Im Schnitt hat sich die Zahl der Keimzellen halbiert. Und 2017 errechnete der Mediziner Hagal Levine von der Hebräischen Universität Jerusalem einen Rückgang der Spermienzahl von 52 Prozent. Andere Experten würdigten die Studie als beste Neuberechnung, die es derzeit gibt.

Zu viel Sex als Ursache?

Obwohl Skakkebaek Recht hat, streiten die Forscher immer noch – nun aber über die Frage, warum weniger Spermien im Ejakulat schwimmen und ob das etwas macht. Schlatt vertritt eine unter hiesigen Reproduktionsmedizinern verbreitete Sicht: „Der Rückgang macht nichts, weil immer noch genug Samenzellen für die Befruchtung der Eizelle übrig sind.“ Der Schwund könnte in seinen Augen sogar ganz profane Ursachen haben: „Der limitierende Faktor für die Spermienzahl ist die Zeit, weil der Hoden die Samenzellen erst produzieren muss. Männer haben aber heute viel häufiger Ergüsse als vor 50 Jahren“, glaubt er. Die Masturbation war damals verpönt. Und Sexualpartner außerhalb der Ehe waren viel schwieriger zu finden. Sprich: Es gab weniger Gelegenheit zur sexuellen Befriedigung. Belege dafür fehlen allerdings – auch, weil das Sexualverhalten noch schwieriger zu erfassen ist als die Zahl der Spermien.

Daß die verminderte Spermienzahl in diesem Ausmaß allein sich vielleicht noch nicht allzu stark auf die Befruchtungswahrscheinlichkeit auswirkt, erscheint mir auch plausibel. J. Philippe Rushton schreibt zum Beispiel in Rasse, Evolution und Verhalten ab Seite 43, daß das durchschnittliche Hodengewicht von Asiaten bei 9 Gramm liegt und jenes von Europäern bei 21 Gramm, was laut einem Artikel von 1989 in der führenden britischen Wissenschaftszeitung „Nature“ bedeuten könnte, daß Weiße täglich zweimal so viele Spermien produzieren als Ostasiaten. Und da Ostasiaten sich zumindest früher immer prächtig vermehrten, dürfte auch der Begattungserfolg von Europäern nicht allzu sehr schwinden, wenn ihre Spermienzahl sich halbiert.

Weiter im bdw-Artikel:

Schlatt erklärt die wachsende Zahl kinderloser Paare anders: „Das Alter der Frau, das Alter der Frau und noch einmal das Alter der Frau.“ Jan Krüssel, Leiter des Kinderwunschzentrums der Universitätsklinik Düsseldorf, stimmt ihm zu. Dass beide die Fortpflanzungskrise so analysieren, hat mit ihrem Berufsalltag zu tun. Beide sind Reproduktionsmediziner und behandeln jeden Tag ungewollt kinderlose Paare. Sie sind oft älter als 35.

Über die vergangenen Jahrzehnte hat sich der Zeitpunkt für das erste Kind bei Männern und Frauen in spätere Lebensjahre verschoben. 2015 waren die Mütter bei der Geburt ihres ersten Kindes 29,6 Jahre alt, die – verheirateten – Männer 35,5 Jahre. Der Trend zu älteren Erstgebärenden ist unstrittig; die zugrundeliegenden Ursachen sind vielschichtig. Partnerschaften bestehen nur kurze Zeit oder einer der Partner lehnt Nachwuchs ab. Berufliche Verwirklichung hat zunächst Vorrang vor der Familienplanung. Die verlässliche Verhütung macht es überhaupt erst möglich, eine ungewollte Schwangerschaft zu vermeiden.

Ab Mitte 40 wird’s kritisch

Jenseits der 30 aber nimmt vor allem bei der Frau, aber auch beim Mann die Fruchtbarkeit ab. Statistisch gesehen müssen sie länger auf ein Baby warten. Obwohl die Wechseljahre im Mittel erst mit 51 Jahren einsetzen, können die meisten Frauen schon mit Mitte 40 auf natürlichem Weg kein Kind mehr bekommen. Schuld ist die Biologie der weiblichen Fruchtbarkeit: Während der Mann seine Samenzellen immer frisch produziert, liegen die Keimzellen des weiblichen Fötus seit der neunten Schwangerschaftswoche in den Eierstöcken. „Sie sehen bei einer 38jährigen noch genauso knackig aus wie bei einer 25jährigen. Aber je älter eine Frau wird, desto mehr genetische Schäden sammeln sich statistisch gesehen darin an“, erklärt Krüssel. Dass Promifrauen wie Caroline Beil mit 50 Mutter werden, liegt an den Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin. Befragungen zeigen jedoch, dass die wenigsten ahnen, dass die Natur so spätes Mutterglück selten vorsieht. Jede vierte Frau über 40 zweifelt nicht an ihrer Fruchtbarkeit.

Aber ist das Alter der einzige Grund, weshalb immer mehr Menschen hierzulande ungewollt kinderlos bleiben? „Alles andere ist vernachlässigbar“, glaubt Krüssel. Experten aus anderen Fachgebieten widersprechen allerdings, etwa Josef Köhrle, Direktor des Instituts für Experimentelle Endokrinologie und Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. „Das Alter alleine ist es nicht, sonst hätten wir nicht so viele junge Paare, die keine Kinder bekommen.“

In der Tat: Das mittlere Alter der Frauen in den Kinderwunschkliniken lag 2014 bei 35 Jahren. Die Fruchtbarkeit ist da statistisch betrachtet leicht herabgesetzt, aber eben nicht versiegt. Und: Es gibt auch die 25- bis 30jährigen Klientinnen mit unerfülltem Kinderwunsch, über die wenig gesprochen wird.

Wie wichtig ein nicht zu fortgeschrittenes Alter der Frau ist und wie verbreitet diesbezüglich falsche Illusionen unter Frauen sind, zeigt auch dieser Auszug aus dem vorvorletzten Absatz in F. Roger Devlins Artikel Die weibliche sexuelle Konterrevolution und ihre Grenzen, Teil 2 auf:

„Frauen befinden sich aus gutem Grund in ihren frühen Zwanzigern am Höhepunkt ihrer sexuellen Attraktivität für Männer: dies ist auch der Höhepunkt ihrer Fruchtbarkeit, die um das Alter von 26 einen steilen, irreversiblen Niedergang beginnt. […] Vor einigen Jahren entdeckte eine Umfrage, daß 89 Prozent der jüngeren, sehr erfolgreichen Frauen glauben, daß sie die Schwangerschaft sicher bis in ihre Vierziger aufschieben können. Im Jahr 2002 versuchte die Amerikanische Gesellschaft für Fortpflanzungsmedizin, solche Fehlvorstellungen mit einer Anzeigenkampagne des öffentlichen Dienstes richtigzustellen; das Projekt wurde wegen Opposition feministischer Gruppen aufgegeben.“

Noch etwas ist im Zusammenhang mit dem Alter der Frau zu bedenken: Heute kommen Jugendliche wegen der besseren Ernährung und sonstigen Umstände um mehrere Jahre früher in die Pubertät als in der Vergangenheit. Bei Mädchen bedeutet das, daß ihr Eizellenvorrat um diese Jahre früher erschöpft ist, und wenn sie mit dem Mutterwerden bis in ihre mittleren Jahre warten, kann es deshalb bis dahin zu spät sein.

Nächster Abschnitt aus dem bdw-Artikel:

Schuld war die Desinfektion

Ein denkwürdiges Erlebnis hat Werner Hoppenstedt, Biologe im Gynäkologikum, davon abgebracht, die Fruchtbarkeitsprobleme nur mit dem Alter zu erklären. Ein Schweinezüchter wünschte sich seit Längerem Kinder. Er brachte über Monate sein Ejakulat zur Untersuchung. Hoppenstedt bedauerte ihn, denn er fand darin kaum lebende Samenzellen. Monat für Monat war das so. Der Landwirt erzählte beiläufig dass er seinen Stall mit Desinfektionsmitteln reinige – Vorschrift für Viehzüchter in Deutschland. „Dann haben wir ihm geraten: Lassen Sie das einfach mal“, erzählt Hoppenstedt. Sechs Wochen später kam er wieder und die Beweglichkeit der Spermien war völlig normal. Das werde ich nie vergessen.“

Viele Substanzen beeinflussen das Hormonsystem des Menschen. Das ist in der Natur von immenser Bedeutung. So kann das Reproduktionssystem ansprechen, wenn wir einen Geschlechtspartner anziehend finden. Dahinter stehen etwa Geruchsstoffe, die an die Hormonrezeptoren in den Zellen binden oder diese blockieren. Aber auch Fremdstoffe können das sensitive System verschieben. Inhaltsstoffe der Sojabohne haben beispielsweise eine östrogenähnliche Wirkung.

Viele Medikamente und Chemikalien beeinflussen ebenfalls die Fortpflanzung. Krebskranke können oft vorübergehend oder sogar zeitlebens keine Kinder mehr bekommen, weil die meisten Chemotherapeutika die Keimzellen derart schädigen. Auch einzelne Antirheumatika und Entzündungshemmer sind dazu im Stande. „Die Vielzahl von Stoffen, denen wir ausgesetzt sind, beschert uns Probleme bei der Reproduktion“, ist Köhrle überzeugt.

Vorsicht bei Schmerzmitteln!

Klar ist eines: Die Zahl ungewohnt kinderloser Paare steigt. Die Gründe sind vielfältig. Alarmierend ist, dass alltägliche Schmerzmittel im Verdacht stehen, die Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen. Als sich US-Forscher 2011 das Profil von 540 Männer anschauten, die Probleme hatten, Nachwuchs zu zeugen, fiel ihnen auf, dass Psychopharmaka die Spermien unbeweglicher machten. Sogar die rezeptfreien Massenschmerzmittel Ibuprofen und Paracetamol stehen neuerdings im Verdacht, in die Fortpflanzung einzugreifen. „Wenn das stimmt, was ich befürchte“, sagt Köhrle, „haben wir wirklich ein Problem.“

Alles begann 2015. Damals wandte sich der Endokrinologe Rod Mitchell von der schottischen Universität Edinburgh mit einer Warnung an die Fachwelt. Er hatte das Hodengewebe aus abgetriebenen Föten isoliert und in Mäuse eingepflanzt. Als er diese Tiere eine Woche mit dem Schmerzmittel Paracetamol behandelte, brach die Testosteronmenge im verpflanzten Gewebe ein. „Die Ergebnisse mahnen zu Vorsicht beim Umgang mit Paracetamol“, appellierte Mitchell. Kopenhagener Forscher bestätigten die Wirkung bei trächtigen Mäusen.

Séverine Mazaud-Guittot vom Forschungsinstitut Inserm in Rennes wiederholte die Experimente quasi für die Frau, allerdings mit dem Alternativmedikament Ibuprofen. Sie entnahm die Eierstöcke aus abgetriebenen Föten und setzte das Gewebe im Labor Ibuprofen aus. Nach einer Woche war die Zahl der Eizellen auf die Hälfte geschrumpft verglichen mit der Kontrollprobe. „Ein drastischer Verlust“, schreibt Mazaud-Guittot im Journal Human Reproduction. Sie hatte bewiesen, dass die Arznei ungehindert aus dem Blut der Mutter in das Nabelschnurblut übertritt. Auch Paracetamol wirkt sich auf die Fruchtbarkeit der Frau ungünstig aus. Mäuse und Ratten kommen mit deutlich weniger Eizellen auf die Welt, wenn ihre Mütter damit behandelt wurden.

Wirkung auf die Ungeborenen

Paracetamol und Ibuprofen könnten, in der Frühschwangerschaft eingenommen, die spätere Fruchtbarkeit der Kinder massiv beeinträchtigen, warnen Experten. Die Arzneien würden die Eizellreserve eines Mädchens schon vor der Geburt verringern, die Fruchtbarkeit herabsetzen und könnten vorzeitige Wechseljahre begünstigen.

Doch viele Schwangere, über 30 Prozent, nehmen diese Schmerzmittel. Macht das ihre Kinder subfertil? „Wenn meine Partnerin heute schwanger wäre, wäre ich dagegen, dass sie ein Schmerzmittel schluckt“, sagt Köhrle. „Sonst könnte unser Kind vielleicht mit verminderter Fruchtbarkeit geboren werden.“

[…]

Wie stark der Effekt von Fremdstoffen sein kann, blitzt in epidemiologischen Studien auf. Die Medizinerin Elena Ronda von der Universität Alicante verglich die Menstruationszyklen von 310 Friseurinnen mit jenen von Büroangestellten und Verkäuferinnen. Sie erkundigte sich auch nach Schwierigkeiten, trotz Geschlechtsverkehr schwanger zu werden. Ihr fiel auf, dass die Friseurinnen häufiger gestörte Zyklen hatten und jede Zwanzigste seit mehr als einem Jahr auf ein Baby wartete. Mutmaßlich könnte vor allem Haarfärbemittel, die aggressive Chemikalien enthalten, ungünstig wirken. Dass sie über die Haut in den Körper übergehen, ist jedenfalls erwiesen. Und viele Friseurinnen schützen sich nicht durchgängig mit Handschuhen. In Tansania und auf Sansibar schätzen Frauen übrigens die rotfärbende Hennapflanze als natürliches Mittel zum Abbruch einer Schwangerschaft.

Hormonell wirkende Chemikalien

Die Weltgesundheitsorganisation hat 800 Chemikalien aufgelistet, die hormonell wirken. „Die Belastung des Menschen mit solchen Fremdstoffen hat in den vergangenen Jahrzehnten stark zugenommen, schlicht weil sich die Chemikalienproduktion vervielfacht hat und immer noch stark wächst“, sagt der Chemiker Wolfgang Schäfer von der Universitätsklinik Freiburg.

Nur von wenigen „schwarzen Schafen“ ist bekannt, dass sie Hormongifte sind. Bisphenol A, eine Massenchemikalie für die Kunststoffproduktion, ist der berühmteste Kandidat. Es wirkt ähnlich wie Östrogene und somit verweiblichend. Bisphenol A verminderte erwiesenermaßen die Spermienqualität von chinesischen Arbeitern, die dem Stoff in überdurchschnittlich hohen Mengen ausgesetzt waren.

Empfängnisverhütende Stoffe

Doch nur auf verweiblichende Effekte zu schauen, greift viel zu kurz, mahnt Schäfer. Er gab Bisphenol A zu Zellen der Gebärmutterschleimhaut und sah: Die Chemikalie blockiert den Progesteronrezeptor und unterbindet so eine Schwangerschaft. „Sie wirkt empfängnisverhütend“, sagt er. Bisphenol A kann also dazu beitragen, dass eine Frau kein Kind bekommt. „Dass Chemikalien die Fortpflanzung direkt beeinträchtigen, wird bisher zu wenig beachtet. Dabei sind diese Effekte auf die Empfängnis besonders bedeutsam. Für eine Schwangerschaft ist die Einnistung der befruchteten Eizelle in die Gebärmutter der kritischste Schritt.“

Bisphenol A ist bei Weitem nicht die einzige Chemikalie, die so wirkt. Die UV-Filter Octylmethoxycinnamat und Methylbenzylidencampher aus Sonnenschutzmitteln stören ebenfalls die Empfängnis. Nonylphenol, eine Massenchemikalie in Putzmitteln, reiht sich in die chemischen Schwangerschaftshemmer ein. Zwar ist der Effekt um den Faktor 10.000 schwächer als die Wirkung der körpereigenen Geschlechtshormone, aber er ist da, betont Schäfer.

Gefährliche Plastikflaschen

Sein Fazit: „Bei dem unüberschaubaren Substanzgemisch an Chemikalien, Medikamenten und Naturstoffen, das auf uns einwirkt, ist es schier unmöglich zu sagen, welchen Anteil Chemikalien an hormonellen Störungen haben. Sie haben aber das Potenzial, unsere Fruchtbarkeit zu manipulieren, tendenziell zu verweiblichen – und auch die Empfängnis zu verhindern.“ In diese Richtung deuten auch Studien des Biologen Martin Wagner an der Universität Frankfurt. Er untersucht die hormonelle Gesamtwirkung von Lebensmitteln abhängig von ihrer Verpackung. Mineralwasser in Plastikflaschen wirkt verweiblichend, machte er 2009 öffentlich. Chemikalien aus dem Plastik der Flasche seien dafür verantwortlich.

„An der Wirkung von Fremdstoffen auf die Fruchtbarkeit muss etwas dran sein“, sagt Schlatt: „Skakkebaek könnte vielleicht auch da recht haben: Die Weichen der Fruchtbarkeit können schon im Mutterleib gestellt werden.“ Obwohl Schlatt vor allem das höhere Alter der Frauen mit Kinderwunsch für die Kinderlosigkeit verantwortlich macht, hält er einen Beitrag von Fremdstoffen für wahrscheinlich. Anlass sind die jüngsten Experimente mit Paracetamol.

Kein Geld für Forschungen

Was der Fruchtbarkeit zusetzt, wird sich in den kommenden Jahren allerdings nicht klären lassen. Schäfer schrieb unzählige Anträge, um seine Forschungen zur Wirkung von Chemikalien auf die Empfängnis fortzusetzen. Geld bekam er nach 2005 nicht mehr. Und auch Köhrle, führend auf dem Gebiet der Endokrinologie in Deutschland, hätte gern die Wirkung von Fremdstoffen genauer untersucht. „Ich bekam in den letzten 30 Jahren selten Forschungsmittel der EU oder der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Wir haben die Forschung oft nur als Hobby nebenbei machen können.“

Es ist grotesk: So sehr es uns alle angeht, ob wir zusehends subfertil werden, so wenig wird dazu geforscht. „Das große Geld verdienen die Kinderwunschzentren“, sagt Köhrle. Sprich: Es gibt sogar einen wirtschaftlichen Anreiz für einen Niedergang der Fruchtbarkeit.

Bis heute lässt sich nicht klar aufschlüsseln, weshalb die Zahl ungewollt kinderloser Paare in Deutschland steigt. Gewiss spielen brüchige Partnerschaften und ein höherer Stellenwert der Karriere von Frau und Mann eine Rolle. Auch das viel bemühte höhere Alter der Paare beim Kinderwunsch macht Fortpflanzung unwahrscheinlicher. Aber das ist nicht alles: Chemikalien und Medikamente wirken darauf ein. Nur, ihr Beitrag ist aktuell nicht zu ermessen.

Chlamydien und Übergewicht

Dabei ist über einen weiteren potenziellen Widersacher der Fruchtbarkeit noch gar nicht gesprochen: Geschlechtskrankheiten. Sie nehmen seit Jahren in Deutschland zu. Chlamydien etwa können Frauen unfruchtbar machen. Auch starkes Übergewicht brachten Forscher in verschiedenen Studien mit Fortpflanzungsschwierigkeiten in Zusammenhang. Bei sehr hohem Body-Mass-Index schwinden die Erfolgschancen einer künstlichen Befruchtung. Wenig Bewegung, Rauchen, zu warme Kleidung und Laptops auf dem Schoß des Mannes stehen ebenfalls im Verdacht, für die Spermien ungünstig zu sein.

Werner Hoppenstedt öffnet einen Brutschrank, der auf 37 Grad Celsius eingestellt ist. In einer fünf Zentimeter großen Glasschale schwappt eine glasklare Flüssigkeit. Den Embryo darin sieht man nicht. „Der ist gewachsen“, sagt der Biologe und nimmt die Glasschale vorsichtig zwischen Daumen und Zeigefinger. Bedächtig schiebt er sie unter ein Spezialmikroskop. Wir sehen einen Zweizeller, eine befruchtete Eizelle, die zu wachsen beginnt. „Das ist der einzige Embryo von einer 43-jährigen, der angegangen ist. Ist halt auch nicht mehr die Jüngste“, murmelt Hoppenstedt, während er das Bild scharf stellt. Vielleicht wird das ihr einziges Kind werden. Vielleicht ist es auch nur ein nervenaufreibender, kostspieliger Versuch, Mutter zu werden.

hildesvin:

Recht interessant. Auf embryotox.de, damit muß ich von Berufs wegen umgehen, sind die Bedenken um gewisse Medikamente in der Schwangerschaft in den letzten ~ zwei Jahren auffällig zurückgegangen. Einzelheiten auf Anforderung, aber es werden Analgetika oder Antemetika (gegen oix-oix ) für (relativ, oft ein kluges jein …) unbedenklich erklärt, bei denen wir früher aufgeschrien hätten.
Die sogenannten Weichmacher in Kunststoffen sind ein eigenes Kapitel, die Mode ein anderes, knallenge Hosen …

Lucifex:

Ja, die wirtschaftlichen Interessen, die dämpfend auf die Bereitschaft zu Forschung, Aufklärung und Ursachenvermeidung in dieser Sache wirken, dürften nicht allein auf die Geschäftsinteressen der Kinderwunschzentren beschränkt sein, sondern auch bei der Pharmaindustrie und allen anderen Industrien liegen. In einem Absatz des oben zitierten Artikels, den ich aus Umfangsgründen weggelassen habe, nun aber doch anfüge, schreibt Susanne Donner:

Wie kann es sein, dass erst Jahre nachdem Schmerzmittel auf dem Markt sind, ein solcher Angriff auf die Fruchtbarkeit bemerkt wird? Hatten wir nicht den Contergan-Skandal und deshalb eigens Zwei-Generationenstudien an Kaninchen für Medikamente eingeführt? Doch offensichtlich sieht man in diesen Experimenten – nichts. Das ist eine Warnung davor, wie lückenhaft die Wirkungen von Fremdstoffen auf die Fruchtbarkeit untersucht sind.

Dieses unüberschaubare und in der Wechselwirkung der einzelnen Stoffe praktisch unerforschte Substanzgemisch, dem wir in modernen Zeiten ausgesetzt sind, dürfte auch ein Grund dafür sein, daß das Alter vor allem der Frauen eine solche Bedeutung bei der Abnahme der Fruchtbarkeit hat. Denn bei ihnen sammeln sich die genetischen Schäden und Eizellenverluste mit den Jahren immer mehr an, und außerdem dürften Frauen im Durchschnitt mehr als Männer solchen modernen Stoffen ausgesetzt sein, wenn man von männlichen Berufsgruppen absieht, die z. B. in der Industrie mit bestimmten Chemikalien zu tun haben. Die Friseurinnen wurden ja oben schon erwähnt, und das überwiegend weibliche Personal in Krankenhäusern muß häufig Desinfektionsmittel verwenden (in letzter Zeit mußte ich öfter zu Angehörigenbesuchen ins Krankenhaus, und da sind mir die Plakate aufgefallen, in denen die Vorteile des Desinfizierens gegenüber dem bloßen Händewaschen beworben werden). Außerdem haben Frauen viel mehr als Männer mit diversen Duft- und Reinigungssubstanzen in Haushaltschemikalien zu tun und greifen auch öfter zu anderen Verbreitern künstlicher Duftstoffe, z. B. Wunderbäumen, Duftkerzen etc., in welchem Zusammenhang auch Duftstoff- und Reinigungsmittelallergien bekannt sind.

Und noch etwas: je länger man mit dem Kinderkriegen wartet, desto eher kann es sein, daß man vorher Krebs bekommt, der mit Chemotherapeutika bekämpft werden muß, durch die Eizellen vernichtet werden.

A propos Allergien: Vor vielen Jahren gab es in einem Wissenschaftsmagazin („bdw“ oder „Spektrum“) einen Artikel über eine Vergleichsstudie zum Gesundheitsstand der Ex-DDR-Bürger und der Bewohner der alten West-BRD. Man wollte nach der Wiedervereinigung die Gelegenheit nutzen, um die Unterschiede in der Gesundheit zwischen zwei Teilen desselben Volkes zu erforschen, die jahrzehntelang unter verschiedenen Bedingungen gelebt hatten.

Während die Ex-DDR-Bürger erwartungsgemäß eine schlechtere Gesundheit der Lungen und Atemwege hatten (aufgrund der Abgase von veralteten Industrieanlagen und Zweitaktmotoren etc.), schnitten die West-BRDler bei den Allergien viel schlechter ab, und bei ihnen kam es auch in reiferen Jahren zum Neuauftreten von Allergien, wo doch normalerweise in diesem Alter eher bestehende Allergien zurückgehen. Als möglicher Grund wurden all diese künstlichen Duft- und Wirkstoffe in modernen Haushaltschemikalien angeführt, die es in der DDR nicht gab, weil dort nur schlichte Kern- und Schmierseife ohne diese Zusätze üblich war.

Hier noch zwei zuvor weggelassene Blöcke aus „Furchtbar unfruchtbar“:

Der unfruchtbare Mann

Die Ursachen der Unfruchtbarkeit können bei der Frau liegen – aber auch beim Mann. Die wichtigsten Gründe für die Zeugungsunfähigkeit bei Männern sind:

  • Missbrauch von Alkohol, Nikotin und anderen Drogen
    • Stress in Beruf oder Privatleben
    • Krankheiten wie Mumps oder Infektionen der ableitenden Samenwege
    • Ein nicht behandelter Hodenhochstand aus der Kindheit
    • Krampfadern in den Hoden
    • Die Belastung durch ionisierende Strahlung, zum Beispiel nach zu häufigem Röntgen
    • Unausgewogene Ernährung mit zu wenig Mineralstoffen und Vitaminen
    • Schadstoffe in der Umwelt
    • Auch das Alter des Mannes spielt eine Rolle. So nimmt der Anteil an schnell beweglichen Spermien jedes Jahr um fast ein Prozent ab. Und es besteht ein Zusammenhang zwischen dem erhöhten Alter des Mannes und dem Risiko einer Fehlgeburt
    .

Rauchen und Stress im Beruf sind ebenfalls Faktoren, die bei Frauen in den letzten Jahrzehnten gegenüber früher sehr an Bedeutung gewonnen haben.

Der zweite Block ist das Interview „Wesentlich: das Alter der Frau“ mit dem Reproduktionsmediziner Jan-Steffen Krüssel vom Universitäts-Kinderwunschzentrum in Düsseldorf, der seit Jahren beobachtet, daß immer mehr Paare kinderlos bleiben:

Wie viele Patienten kommen zu Ihnen?
Wir sehen jeden Tag etwa 130 Paare. Und es werden seit Jahren immer mehr. Meist hat es der Frauenarzt schon erfolglos mit einer Hormonbehandlung versucht
.

Warum bleiben so viele Paare ungewollt kinderlos?
Im Durchschnitt ist das Alter der Frau beim Erstgespräch über 37 Jahre. Wichtig ist: Das Alter der Frau ist der mit großem Abstand entscheidende Einflussfaktor
.

Wieso nimmt die Fruchtbarkeit der Frauen mit dem Alter ab?
Ab 35 Jahren sind die Chromosomen häufiger fehlverteilt. Es kommt im Erbgut der Eizellen eher zu Fehlern, wenn eine Frau älter wird
.

Lassen auch Umwelteinflüsse die Fruchtbarkeit schwinden?
Das wird immer wieder vermutet. Sie sind verglichen mit dem Alter aber vernachlässigbar
.

Chemotherapien und Bestrahlungen können doch auch Gründe einer Unfruchtbarkeit sein?
Das stimmt, da gibt es einen klaren Zusammenhang. Frauen können durch eine Bestrahlung oder Chemotherapie unfruchtbar werden. Ab einer bestimmten Strahlendosis stellen die Eierstöcke ihre Funktion komplett ein
.

Gibt es andere biologische Ursachen dafür, dass viele Paare ungewollt ohne Nachwuchs bleiben?
Es gibt auch noch andere Zusammenhänge. So wurde ein Vitamin-D-Mangel mit einer verminderten Fruchtbarkeit der Frau in Verbindung gebracht. Und ich will nicht ausschließen, dass hormonaktive Schadstoffe aus der Umwelt ungünstig wirken können. Aber aus meiner Sicht und Erfahrung steht bei der Frage der ungewollten Kinderlosigkeit meist das Alter der Frau im Vordergrund
.

Vitamin-D-Mangel! Da fällt mir dieser Absatz aus dem Artikel „Das unterschätzte Sonnenvitamin“ in „Spektrum der Wissenschaft“ 7-2008 ein:

Außer der geografischen Breite spielen weitere Faktoren eine Rolle, vor allem die Hautfarbe. Helle Haut synthetisiert im Sonnenlicht sechsmal so viel Vitamin D wie dunkle, die mit ihrem hohen Gehalt an Melanin die UV-Strahlung abblockt. Deshalb haben Afroamerikaner für gewöhnlich nur etwa halb so hohe 25D-Spiegel wie Weiße. Bei den Teilnehmern einer großen, repräsentativen Gesundheits- und Ernährungs- Studie in den USA wiesen 42 Prozent der untersuchten dunkelhäutigen Frauen mit 25D-Serumkonzentrationen unter 25 Nanogramm pro Milliliter sogar einen schweren Vitamin-D-Mangel auf.

Naja, das könnte wenigstens fruchtbarkeitsdämpfend auf bei uns lebende Dunkelmenschen wirken, und bei den nicht ganz so dunkelhäutigen Orientalinnen wirkt sich dafür aus, daß die von ihren Männern häufig nicht gar so oft außer Haus gelassen werden und dann ziemlich verhüllt unterwegs sein müssen.

Ich hoffe, daß diese beiden Kommentare und jener von hildesvin dazu beitragen werden, daß der/die eine oder andere aufgrund der darin enthaltenen Informationen Ursachen vermeidet. Wenn deshalb auch nur ein zusätzliches Kind geboren wird, das es ansonsten nie gegeben hätte, dann hat sich die Arbeit schon gelohnt.

Lucifex:

Noch ein kurzer Beitrag zur Ergänzung meiner vorherigen Kommentare – gefunden in GEO 02-2008:

Mängel bei „Generation IVF“
Künstlich gezeugte junge Männer haben selbst ein Fertilitätsproblem

Immer mehr Kinder werden erst mit „medizinischer Nachhilfe“ geboren. Das scheint Konsequenzen für ihre Fruchtbarkeit mit sich zu bringen. Zumindest beim männlichen Nachwuchs, wie eine dänische Studie ergab. Denn die künstlich gezeugten Jungen verfügen als Jugendliche über eine 46 Prozent geringere Spermienkonzentration pro Milliliter, deutlich weniger mobile Samenzellen und über insgesamt 20 Millionen Spermien weniger pro Probe als ihre natürlich gezeugten Geschlechtsgenossen. Außerdem kreist weniger Testosteron in ihrem Blut, und ihr Hodenvolumen ist etwas geringer.

Tina Kold Jensen vom Rigshospitalet in Kopenhagen hatte Spermien- und Blutproben von 1925 jungen Männern, die zwischen 2001 und 2005 für den Militärdienst gemustert wurden, untersucht. Die Mütter der Rekruten kreuzten zudem in Fragebögen an, ob die Schwangerschaft natürlich oder künstlich zustande gekommen war. 47 der Mütter gaben an, vorher eine Fruchtbarkeitsbehandlung gehabt zu haben. Ihre Söhne wiesen durchweg die oben beschriebenen Defizite auf.

Trotz der vergleichsweise geringen Fallzahlen hält Kold Jensen die Ergebnisse für signifikant. Als Ursache kommen ihrer Ansicht nach eisprungauslösende Hormone wie Clomiphen in Betracht, die den Müttern vor der Behandlung verabreicht werden und sich relativ lange im Körper halten. Nachkommen mit diesem Arzneistoff behandelter Tiere haben oft Fehldildungen des Uro-Genitaltraktes.

Ergänzung 2019: Vor ein paar Monaten habe ich mit einer Schützenkameradin über diese Problematik gesprochen. Anlaß war der Fall eines befreundeten Schützenpaares (40+), das nach der Hochzeit noch einmal ein Kind wollte (beide haben aber aus früheren Ehen schon Kinder) und keines mehr bekommen konnte.

Die beiden haben es mit einer In-vitro-Befruchtung von entnommenen Eizellen versucht, was beim ersten Anlauf 3.500 Euro gekostet hat und erfolglos blieb. Auch beim zweiten Versuch, dessen Preis der Arzt ihnen auf 2.700 Euro nachgelassen hat, weil sie ihm leid taten, entwickelte sich keine der befruchteten Eizellen. Neben der stark geschwundenen Chancen in diesem Alter ist also auch zu bedenken, daß solche medizinische Empfängnisnachhilfe nicht billig ist, was aber für die Schauspielerinnen und Sängerinnen kein Problem ist, mit deren medial herausgestellten Beispielen Normalbürgerinnen zum Aufschieben des Kinderkriegens ermutigt werden.

Die Schützenkameradin sagte auch, daß sie mit ihren 40 Jahren selbst schon im Wechsel ist und keine Kinder mehr bekommen kann (sie hat noch keines), weil sie bereits einen Schilddrüsenkrebs hinter sich hat. Und sie wisse von einer Frau, die mit 24 schon im Wechsel ist – ein krasser Fall, bei dem ich eine der in den obigen Ausschnitten besprochenen chemischen Ursachen vermute, die ihre Eizellenzahl schon vor ihrer Geburt stark verringerte.

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Neue Kommentarpolitik auf „Morgenwacht“: Wie bereits hier unter Punkt 1 angekündigt, am Schluß dieses Kommentars wiederholt als Absicht geäußert und in diesem Kommentar endgültig festgelegt, werden neue Kommentatoren nicht mehr zugelassen und sind die Kommentarspalten nur noch für die bereits bekannte Kommentatorenrunde offen.

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13 Kommentare

  1. John Doe

     /  Juli 27, 2019

    Hochinteressant, vor allem die Alltagsstoffe Ibuprofen, Paracetamol, Vitamin D und Desinfektionsmittel als auch die Verwendung von Glasflaschen (da werde ich wohl eine Umstellung machen müssen).

    Ich sehe auch immer mehr, wie wichtig es ist, viele MW Artikel Jugendlichen/jungen Erwachsenen zukommen zu lassen, diesen Artikel eingeschlossen, da das darin enthaltene Wissen für die frühen Weichenstellungen im Leben wichtig ist. Sind deine Kinder schon gezeugt, hilft es dir rückblickend nichts, über das Paracetamol zu jammern, das du während der Schwangerschaft genommen hast.

    Eine technische Anmerkung noch: es gibt auf MW ja Artikel mit allerlei Tonarten, was ich sehr gut finde: manche Themen brauchen Sarkasmus, Drastik, auch Empörung. Innerhalb desselben Artikels ist ein Tonartwechsel allerdings manchmal ein Problem. Im obigen geht alles sehr ruhig und sachlich zu, dann kommt „Kanakenweiber“. Beim Weiterleiten oder Bewerben des Artikels führt das zu Problemen: alle, die ich neu auf MW lenken könnte (wofür sich dieser Artikel sehr gut eignen würde) und noch unpolitisch sind bzw. deren Meinung ich noch nicht einschätzen kann, muss ich nun rauslassen, also 95%, da hauptsächlich mein erzchristliches Umfeld auf das Thema Fruchtbarkeit anspricht, aber wirklich empfindlich ist gegenüber Schimpfwörtern.

    Antworten
    • Auguste-Viktoria

       /  Juli 27, 2019

      Ich möchte ergänzen, dass auch Schwermetalle die Fruchtbarkeit beeinträchtigen können. Bei etlichen Paaren klappte es erst nach einer Quecksilberausleitung. Diese würde ich allen empfehlen, vor allem jeder Frau mit Kinderwunsch. Denn wenn sie trotz Quecksilber schwanger wird, gibt sie dies an ihr Kind weiter und wir wollen doch keine Erstgeborenen mit neurologischen Schäden, oder? Zu Vitamin D möchte ich anmerken, dass die offiziell empfohlene Dosis viel zu niedrig ist. Nähere Informationen gibt’s bei http://www.vitamindelta.de.

      Antworten
      • Gar nicht verkehrt, aber bei „gesund in sieben Tagen“ werde ich gelinde mißtrauisch.
        Offiziell darf es auf Kassenkosten nur einmal ( 50 Stk. ~ 1 Jahr) verordnet, und nur einmal labormäßig bestimmt werden – selbstverständlich hält sich kein Aas daran.
        Was anderes – Vitamin C wird bei der freiwilligen Zwangsweiterbildung regelmäßig madig gemacht, höööchstens 500 mg, Linus Pauling tat sich 3-4 g am Tag ein und wurde immerhin 93 Jahre alt. Ich so 1-2 Gramm.
        Ein nicht zu vernachlässigendes Problem ist übrigens der „mündige Bürger“ als solcher, meine verewigte Großmutter hatte, als der Darmpilz gerade en vogue war, mehrere Allgemeinärzte dem Wahnsinn nahegetrieben, davon eine ehemalige Kommilitonin. Peinlich.

      • Zu bedenken ist bei Vitaminpräparaten auch, daß – wie ich in bdw oder etwas Ähnlichem gelesen habe – anscheinend noch nicht sicher erforscht ist, ob die Vitamine ihre Wirkung für sich allein entfalten können oder nur im Verbund mit irgendwelchen anderen Spurenstoffen wirken, die in Nahrungsmitteln (z. B. Früchten) enthalten sind, aber in Vitaminpräparaten nicht.

  2. Guter Punkt – ich habe das Wort soeben in „Orientalinnen“ geändert.

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  3. gustav

     /  Juli 28, 2019

    habe diesen aktuellen beitrag heute zum thema spermienqualität gefunden:
    https://www.klagemauer.tv/2019-07-26/14626&autoplay=true

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  4. willanders

     /  August 2, 2019

    Ich habe vor Jahrzehnten irgendwo gelesen, dass in Nordschweden bei den Samen (sic!) Anfang der 1970er Jahre die Geburtenraten plötzlich zurückgingen, sich in wenigen Jahren gar halbierten. Man hat festgestellt, dass das daran lag, dass die Spermienproduktion dramatisch zurückging. Die Ursache war die Sitzheizung, die Volvo in seinen Autos einführte. Die Spermien wurden auf den Autositzen einfach totgekocht.

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  5. Ja, der Grund, warum die männlichen Hoden außerhalb des Körpers liegen, ist ja, daß die Spermienzellen für ihre Bildung eine etwas niedrigere Temperatur als die normale Körpertemperatur brauchen.

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  6. Sara

     /  August 11, 2019

    Was den Vit. B Mangel betrifft: Frauen neigen heutzutage sehr früh in der Pubertät zu Vegetarismus, schlimmer noch manchmal zu Veganismus, was gar nicht gut für die Fruchtbarkeit ist. Im Allgemeinen gilt der beste Tipp: so früh wie möglich mit dem Kinderkriegen anfangen (ab 20 Jahren). Eine Änderung der weiblichen Lebensweise wäre nötig, was eigentlich wegen Feminismus schwierig ist.
    Späte Väter (50+) haben leider eine hohe Wahrscheinlichkeit autistische Kinder zu bekommen.

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  7. Das ist auch ein wichtiger Punkt. Und zusätzlich zum Motiv der Tierliebe wird der Vegetarismus seit neuestem auch als „Grün essen fürs Klima“ propagiert, was ebenfalls vorrangig bei Frauen greifen wird.

    Noch etwas – das habe ich soeben gefunden:

    Studie: Softdrinks haben einen negativen Einfluss auf die Fruchtbarkeit

    Wissenschaftler der „School of Medicine“ in Boston haben in einer Studie herausgefunden, dass sich Softdrinks negativ auf die Fruchtbarkeit auswirken. Paare mit Kinderwunsch sollten deshalb auf die zuckerhaltigen Getränke lieber verzichten.

    Softdrinks verringern die Fruchtbarkeit

    Dass Softdrinks wie Cola, Fanta oder Sprite nicht unbedingt gut für unsere Gesundheit sind, wissen wir bereits. Der hohe Zuckergehalt kann das Risiko, an Diabetes oder anderen Krankheiten zu erkranken erhöhen. Laut einer Studie der „School of Medicine“ sollen die zuckerhaltigen Getränke außerdem die Fruchtbarkeit negativ beeinflussen. Die Forscher untersuchten etwa ein Jahr lang, wie sich die verschiedenen Lebensgewohnheiten von ca 4000 Frauen mit Kinderwunsch und knapp 1000 ihrer Partner auf die Fruchtbarkeit auswirkten. Dabei fanden sie heraus, dass sich die Fruchtbarkeit bei Frauen bis zu 20 Prozent verringerte, wenn diese mindestens ein zuckerhaltiges Softgetränk pro Tag zu sich nahmen. Bei den männlichen Studienteilnehmern nahm die Fruchtbarkeit sogar um ganze 33 Prozent ab.

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  8. Den weiter oben von mir erwähnten Artikel über Vitaminpräparate versus ganze Lebensmittel habe ich jetzt gefunden. Er war tatsächlich in „bild der wissenschaft“, und zwar in Heft 10-2012, von Kathrin Burger. Hier ist er:

    Vitamine: Lieber Melonen als Pillen
    Gemüse und Obst schützen gegen Krankheiten – aber nur als ganze Früchte, nicht als Pillen. Warum das so ist, beginnen Forscher jetzt zu entschlüsseln.

    Was man täglich über das Gesundheitspotenzial von Gemüse und Obst so liest und hört, ist recht widersprüchlich. Einmal sollen antioxidative Vitamine in Pflanzenkost gegen diverse Volksleiden helfen. Dann erscheinen wieder Studien über Vitaminpillen, die dies nicht belegen und den Tabletten sogar eine lebensverkürzende Wirkung zusprechen. Und: Im Kampf gegen Krebs scheint Grünkost nur bedingt wirksam zu sein. „Ja, was denn nun?“ mag sich da so manch einer fragen.

    Gesichert ist, dass der Mensch eine gewisse Menge an Vitaminen fürs Überleben braucht. Ohne sie gerät er in einen Mangelzustand mit akuten und schwerwiegenden Symptomen. Verzwickt wird es, wenn man herausfinden möchte, wie sich ein hoher oder niedriger Pflanzenkost-Verzehr über viele Jahre auswirkt. Schließlich sind hier große Interventionsstudien nötig, um Ursache und Wirkung auszumachen. Studien, bei denen sich Tausende Versuchspersonen akribisch an strenge Ernährungsvorschriften halten. Dafür fehlt oft das Geld – und die Bereitschaft der Probanden. Daher gewinnen Ernährungswissenschaftler ihre Erkenntnisse meist aus Reagenzglas-, Tier- und Beobachtungsstudien. Laut der im Juni 2012 überarbeiteten Richtlinie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), „Obst und Gemüse in der Prävention chronischer Krankheiten“, gilt: Viel Obst und Gemüse reduziert definitiv das Risiko für Blutdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall. „Pro Portion, bezogen auf einen Tag, kann man zum Beispiel sein Risiko für einen tödlichen Herzinfarkt um fünf Prozent senken“, erklärt Bernhard Watzl, Ernährungswissenschaftler am Max-Rubner-Institut in Karlsruhe. Dabei entspricht eine Portion einer Paprika, drei Tomaten oder zwei Händen voll Trauben.

    GESICHERT: DER HERZSCHUTZ

    In Sachen Krebsprävention sieht die Datenlage dünner aus: Trotzdem halten Experten einen Schutz vor bestimmten Tumoren, etwa Magenkrebs, durch einen pflanzenkostreichen Speiseplan zumindest für wahrscheinlich. Möglicherweise sind Obst und Gemüse auch hilfreich, um Demenz, Osteoporose und Gewichtszunahme vorzubeugen. Die DGE empfiehlt vor allem wegen der positiven Effekte auf das Herz mindestens 650 Gramm Obst und Gemüse pro Tag – je mehr und je vielfältiger, desto besser.

    Warum Gartenfrüchte so gesund sind, darüber wird derzeit noch spekuliert. Lange gingen Ernährungswissenschaftler davon aus, dass ein Übermaß an reaktionsfreudigen Molekülfragmenten, sogenannten freien Radikalen, im Körper zu Herzkrankheiten oder Krebs führt – so fand es auch Eingang in die Lehrbücher. Das versuchte man mit den antioxidativen Vitaminen A, C und E zu verbinden, die freie Radikale unschädlich machen. Mittlerweile hat etwa der serbische Wissenschaftler Goran Bjelakovic gemeinsam mit dänischen Kollegen der Universitätsklinik Kopenhagen bewiesen: Wenn man diese Stoffe als Tabletten nimmt, schützen sie keineswegs vor Volksleiden.

    Trotzdem werben Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln und chemisch angereicherten Lebensmitteln immer noch mit Aufschriften wie „Reich an gesunden Antioxidanzien“. Und auch die Umsätze mit Vitamin-Pillen wachsen weltweit: Laut dem Marktforschungsinstitut IMS Health kletterte der Umsatz mit Vitaminen und Mineralstoffen von 10 Milliarden Dollar im Jahr 2007 auf 13 Milliarden im Jahr 2011. Mehr als jeder vierte Deutsche greift täglich zu Nahrungsergänzungsmitteln.

    DIE MACHT DER MATRIX

    Doch das Gesundheitspotenzial von Obst und Gemüse liegt nicht in den Einzelsubstanzen. Vielmehr scheint die Kombination der Vitamine, Mineralstoffe, sekundären Pflanzenstoffe oder Ballaststoffe gesund zu sein, also die „Matrix“ eines Lebensmittels. Das folgert der Ernährungswissenschaftler David Jacobs, University of Minnesota, unter anderem aus Versuchen, bei denen Auszüge aus Tomaten, Äpfeln oder Brokkoli mit darin enthaltenen potenziell gesundheitsfördernden Einzelsubstanzen verglichen wurden. Ergebnis: Der Extrakt war stets wirksamer gegen Krebswachstum bei Nagern als der isolierte Stoff.

    Warum die Gesundheit nur vom Gesamtpaket profitiert, ist bislang nicht geklärt. „Sicher ist nur, dass sich die zahlreichen Substanzen gegenseitig in Sachen Bioverfügbarkeit beeinflussen“, meint Jacobs. Das heißt: In welchen Mengen ein Stoff vom Darm ins Blut gelangt, hängt davon ab, welche anderen Mitspieler zugegen sind. Im Blickpunkt der Forscher sind dabei nicht mehr so sehr die Vitamine. „Die sekundären Pflanzenstoffe machen den Wert pflanzlicher Lebensmittel für unsere Gesundheit aus“, ist Watzl überzeugt. Allein 30.000 dieser Substanzen, die Tomate, Karotte & Co zur Schädlingsabwehr bilden, sind bis dato bekannt – vermutlich gibt es sogar 100.000. Und die sitzen in großen Mengen vor allem in den äußeren Schichten der Pflanze. Watzl empfiehlt daher, die äußeren Salat- und Kohlblätter mitzuverwenden, Äpfel ungeschält und Tomaten mit Haut zu genießen. Dies gilt jedoch nicht für Kartoffeln: Deren Schale kann giftiges Solanin und Chaconin enthalten.

    Zur Bioverfügbarkeit der sekundären Pflanzenstoffe gibt es mittlerweile einige Studien. So hat etwa Elisabeth Wisker, Ernährungswissenschaftlerin an der Universität Kiel, 2011 in einem Übersichtsartikel dargelegt, dass der gelbe Farbstoff Quercetin aus Zwiebeln besser im Darm aufgenommen wird und damit ins Blut gelangt als aus Quercetin-Tabletten. Denn: Zwiebel-Esser hatten viermal mehr Quercetin im Blut als Probanden, die eine Pille schluckten. Quercetinreiche Kost kann nach ersten wissenschaftlichen Indizien Herzkrankheiten, Magenkrebs, Asthma und Alzheimer vorbeugen. Findige PR-Experten haben deshalb die Matrix für sich entdeckt. So werden Vitamin-Präparate heute „in eine Matrix eingebettet“ angeboten. Dafür werden zum Beispiel Fruchtextrakte in Pillen gepresst. Zu kaufen gibt es dann Grapefruit-Kern-Extrakte oder Brokkoli-Kaudrops. Allerdings fehlen auch in diesen Präparaten Stoffe, welche die Pflanze gratis mitliefert. Emily Ho, Wissenschaftlerin an der Oregon State University, hat 2011 in einer Brokkoli-Studie aufgedeckt, dass auch pflanzliche Enzyme eine Rolle spielen. Die bioaktiven Helfer im Brokkoli konnten nur dann vom Körper aufgenommen werden, wenn das Enzym Myrosinase zugegen war – das fand Ho aber nur in dem grünen Gemüse, nicht in Brokkoli-Tabletten. Es gibt zudem Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Lebensmitteln. So gelangt Quercetin in Kombination mit Alkohol besser vom Darm ins Blut – das Gläschen Rotwein zur Zwiebelsuppe ist also durchaus gesund.

    KREBSHEMMEND UND ANTIBIOTISCH

    Sekundäre Pföanzenstoffe sind wahre Tausendsassas: Sie schalten Gene an und aus. Sulforaphane, die Aromastoffe aus Kohl, helfen dem Körper auf diese Weise, gegen Krebszellen vorzugehen. Sie sind – wie zahlreiche andere Pflanzenstoffe auch – zudem antibiotisch wirksam, da sie beispielsweise „Heliobacter pylori“ im Magen abtöten. Das Bakterium kann an der Entstehung von Magenkrebs beteiligt sein. Flavonoide aus Äpfeln beeinflussen die Blutgerinnung, senken den Blutdruck und binden allergene Substanzen.

    Das biochemische Arsenal kann jedoch auch von Apfel zu Apfel erheblich schwanken. Handelsübliche Sorten wie Jonagold oder Cox liefern zum Beispiel wesentlich weniger gesunde Stoffe als alte Sorten wie Sternwirtsapfel oder Edler Rosenstreifling. Wenn ein Apfel ein rauhes oder pelziges Mundgefühl verursacht, dann bietet er besonders viele sekundäre Pflanzenstoffe, denn so verraten sich die Kampfstoffe, mit denen sich die Frucht gegen Fressfeinde wehrt.

    Der Wissenschaftler Watzl hat bei einer DGE-Tagung im Juni 2011 auch darauf hingewiesen, dass der Gehalt gesundheitsfördernder Stoffe steigt, wenn die Frucht lange am Baum oder auf dem Feld reifen und ihre Aromastoffe entfalten konnte. Die Praxis, unreife Früchte zu ernten, zu transportieren und in Lagerhallen künstlich nachreifen zu lassen, betrachtet Watzl darum skeptisch. Langes Lagern bei Zimmertemperaturen minimiert ebenfalls die gesunden Stoffe in Obst und Gemüse, während das Lagern bei Null Grad oder darunter schonend ist. Ratsam ist auch der Konsum von naturtrüben statt klaren Säften.

    AUCH MIKROBEN SIND GESUND

    Zum Herzschutz tragen überdies lösliche Ballaststoffe wie Pektin bei. Bewiesenermaßen kann Apfelpektin den Spiegel des „schlechten“ Cholesterins LDL senken. Magnesium und Folsäure sind ebenso wichtig für die Herzgesundheit. Auch das lange gescholtene Nitrat, das in Obst und Gemüse vorkommt, entspannt die Blutgefäße und senkt so den Blutdruck. Studien mit Rote-Bete-Saft konnten dies belegen.

    Neuerdings sprechen Forscher wie der Wiener Ernährungswissenschaftler Alexander Haslberger auch der natürlichen Mikro-Flora auf Salat, Karotten & Co Gesundheitswirkungen zu, weil diese Mitbewohner mit der Darmflora interagieren können. Auf Gemüsepflanzen tummeln sich Millionen harmlose Bakterien. Haslberger fand 2008 in einer Studie heraus, dass Salatpflanzen im Schnitt von 100.000 Laktobazillen pro Gramm besiedelt werden. „Wer viel Salat isst, könnte sich eine beträchtliche Menge an probiotikaähnlichen Bakterien zuführen“, schließt Haslberger daraus. Dass bestimmte Milchsäurebakterien gut für Darm und Immunsystem sind, ist in vielen Studien belegt.

    Lange Lagerung von Blattgemüse ist dabei ungünstig, da sich pathogene Keime wie Salmonellen und Escherichia coli dann vermehren und die gewünschten pflanzenstämmigen Mikroben weniger werden. Sinnvoll ist es aber nach wie vor, Gemüse unter fließendem Wasser zu waschen. Das trägt krankmachende Keime ab, nicht jedoch die gesunde Besiedlung, die an das Habitat „Blattoberfläche“ angepasst ist und sich sozusagen „festhalten“ kann. Wer das Gemüse kocht, tötet dagegen gute wie böse Keime. „Möglicherweise kann das menschliche Immunsystem aber trotzdem noch bakterielle Strukturen im Gemüse ausmachen und seine Abwehr dementsprechend optimieren“, sagt Watzl. Das Credo „bunt ist gesund“ macht allemal Sinn.

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  9. Vitamin D ist auch für die männliche Fruchtbarkeit wichtig, wie aus diesem Artikel auf science.ORF.at hervorgeht, den ich (neben anderen Beiträgen im Netz über Vitamin D und Testosteron) gefunden habe, nachdem ich aufgrund eines Hinweises von anderswo auf diese Thematik gegoogelt hatte:

    Vitamin D lässt Testosteron-Spiegel steigen

    Vitamin D spielt nicht nur beim Knochenaufbau eine wichtige Rolle, sondern offenbar auch bei der männlichen Fruchtbarkeit. Das berichtet eine Grazer Forscherin, die den Effekt von Vitamin D auf menschliche Hodenzellen überprüft hat.

    Vitamin D wird bei ausreichender Sonnenlichtexposition vom Körper selbst gebildet. „Eine große Querschnittstudie an der Med-Uni-Graz zeigte vor einigen Jahren, dass es überraschende parallele jahreszeitliche Schwankungen von Vitamin D und Testosteron-Spiegel gibt“, schilderte die Endokrinologin Daniela Hofer, die an der Studie leitend beteiligt war. Ausgehend von diesen Ergebnissen wurde nun untersucht, ob eine zusätzliche Gabe von Vitamin D die Testosteronproduktion in den Hodenzellen ankurbeln kann.

    Expression von 63 Genen verändert

    Beim Mann sind Erektionsfähigkeit, Spermienbildung und damit die Fruchtbarkeit von einem ausgewogenen Testosteronspiegel abhängig. Das männliche Sexualhormon wird wiederum in den Hodenzellen gebildet.

    Daher hat die Grazer Forscherin männliche Hodenzellen isoliert und im Labor eine hohe Dosis von Vitamin D3 (1,25-Dihydroxy-Vitamin D3) zugegeben. Danach wurden die Änderungen der Genexpression – also die Umsetzung der Information eines Gens in das jeweilige Produkt – auf molekularer Ebene untersucht. Es habe sich gezeigt, dass durch die Gabe von Vitamin D3 die Expression von 63 Genen verändert wurde.

    Deutlich mehr Testosteron

    Speziell wurde eine Hochregulierung von relevanten Genen für die Produktion männlicher Sexualhormone festgestellt. „Wir konnten in gesunden menschlichen Hodenzellen zeigen, dass Vitamin D die Testosteron-Produktion signifikant erhöht. Außerdem beeinflusst es die mRNA-Expression von Enzymen zur Bildung der männlichen Sexualhormone“, so Hofer.

    Damit eröffne sich eine neue Sicht auf die männliche Fruchtbarkeit.

    Also: hinaus in die Sonne, und nicht zu vegetarisch essen! Denn Vitamin D ist in pflanzlichen Nahrungsmitteln nur in vernachlässigbarer Menge, falls überhaupt, vorhanden. Meinereiner mit seinem Hexenblick für JNWO-Bestrebungen argwöhnt bei der Vegetarismuspropaganda, neuerdings auch „für das Klima“ (wegen der Kuhfürze und weil Weideland in Anbauflächen für Energiepflanzen und für Aufforstungen umgewidmet werden soll, ohne die Ernährungsbasis der „Menschheit“ zu schmälern), auch eine Absicht in Richtung Entmaskulinisierung und Fruchtbarkeitsdämpfung bei weißen Männern. (Es wäre interessant zu wissen, welchen Vitamin-D-Gehalt Insekten haben. Die mit ihnen verwandten Krustentiere scheinen jedenfalls bei den auf Wikipedia aufgelisteten Vitamin-D-Quellen nicht auf.)

    Erfreulich ist in diesem Zusammenhang, daß es in letzter Zeit unter jungen Leuten wieder einen Trend hin zum Wandern gibt, nachdem es früher als uncoole Alte-Leute-Sache angesehen wurde. Das verbessert die Versorgung mit Vitamin D von der „Sonnenseite“ her.

    Antworten
  10. Im Novemberheft 2019 von GEO ist dieser kurze Artikel enthalten, der zwar nichts mit Fruchtbarkeitsproblemen zu tun hat, aber auf einen weiteren möglichen Grund hinweist, mit dem Kinderzeugen nicht zu lange zu warten, auch wenn das darin Beschriebene vorerst nur für zwei Vogelarten nachgewiesen ist:

    Altern Kinder von alten Eltern schneller?

    Ja – zumindest männliche Flußseeschwalben. In Wilhelmshaven untersuchen Wissenschaftler des Instituts für Vogelforschung seit mehr als 25 Jahren die Bewohner einer Kolonie von Flußseeschwalben. Implantierte Transponder registrieren Fitness, Bruterfolg und Lebensdauer aller Vögel über einen langen Zeitraum. Mittels Raubwanzen, die die Forscher jeweils für 20 Minuten in einem gelöcherten künstlichen Ei in die Nester legen, wird den Vögeln regelmäßig Blut abgenommen. Da Flußseeschwalben standorttreue Tiere sind, ermöglichen die Untersuchungen Einblicke in die Lebensgeschichte mehrerer Generationen des Stoßtauchers mit dem spitzen rot-schwarzen Schnabel, auch auf genetischer Ebene.

    Bereits seit einiger Zeit wird ein Zusammenhang zwischen der Länge bestimmter Chromosomenanhänge, der Telomere, und dem Alterungsprozess vermutet. Meistens nimmt die Länge der Telomere mit der Lebensdauer ab; je kürzer sie geworden sind, desto geringer ist die weitere Lebenserwartung. Bei den Wilhelmshavener Flußseeschwalben konnten die Wissenschaftler nun den Nachweis erbringen, dass die Abkömmlinge alter Väter bereits in ihrer Jugendzeit vergleichsweise kurze Telomere aufweisen (während das Alter der Mütter keine Rolle spielt). Die verkürzten Telomere legten nahe, daß die Jungvögel ein verkürztes Leben vor sich hatten. Genau das konnten die Wissenschaftler belegen, bezogen auf den männlichen Nachwuchs. Söhne von alten Vätern leben tatsächlich kürzer. Das gilt nicht nur im Fall der Flußseeschwalben – im Rahmen einer anderen Untersuchung ließ sich dieser Zusammenhang auch bei Zebrafinken belegen.

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