Rasse in The Wandering Earth

Von Collin Aisling, übersetzt von Lucifex. Das Original A World without America: Race in The Wandering Earth erschien am 15. Mai 2019 auf Counter-Currents Publishing. Der obige Trailer (mit holprigen deutschen Untertiteln) wurde vom Übersetzer eingefügt.

Die Prämisse von The Wandering Earth, entstanden unter der Regie von Frank Gwo auf Basis des gleichnamigen Romans von Liu Cixin, ist, daß die Erde in ein neues Sonnensystem übersiedeln muß, nachdem die Sonne überaktiv wird. Riesige Triebwerke schieben die Erde von der Sonne weg, was die menschliche Spezies in den Untergrund zwingt.

Statt einer Rezension des Films, den man zusammenfassend als leidlich unterhaltsamen Science-Fiction-Film voller 2012-ähnlicher Nahtoderfahrungen beschreiben kann, ist es viel interessanter, wie der Film Rasse, Sprache und Nationalität behandelt. Die Beziehung des Menschen zur Technologie ist natürlich ein entscheidendes Element, und der beste Teil des Films ist die Gestaltung und Darstellung der Triebwerke und der Konzepte, die das Projekt „Wandernde Erde“ funktionieren lassen würden.

Der Film folgt im Wesentlichen zwei Perspektiven: jener des jungen Liu Qi und seiner adoptierten Halbschwester Han Duoduo, und jener von Liu Qis Vater Liu Peiqiang (gespielt von Wu Jing aus den „Wolf Warrior“-Filmen). Qi und Duoduo beginnen die Geschichte unterhalb von Peking im vierundzwanzigsten Jahrhundert. Duoduo sitzt in etwas, das ein gewöhnliches Klassenzimmer zu sein scheint, und trägt eine gewöhnliche Schuluniform, aber wir sehen bald, daß das Licht, das aus den Fenstern kommt, simuliert ist. Liu wohnt in einem unordentlichen Zimmer und arbeitet als Mechaniker. Jeder im Untergrund-Peking des Fils ist ein Han-Chinese, wie im wirklichen Leben. Es gibt chinesische Dekorationen, und das alltägliche Leben der Menschen erscheint mehr oder weniger genauso normal und unbedeutend wie im einundzwanzigsten Jahrhundert. Sie begeben sich an die Oberfläche und stehlen einen Lastwagen, um sich „C171-11“ auf dessen Mission anzuschließen, die Reaktorkerne eines der Triebwerke zu ersetzen, nachdem nahezu alle von ihnen ausfallen.

Währenddessen ist Liu Peiquiang oben in der Raumstation, die die Erde umkreist. Die wenigen Aufnahmen, die größere Gruppen von Kosmonauten in der Station zeigen, enthüllen, daß die meisten von ihnen Chinesen sind, mit ein paar Weißen darunter. Nachdem sie alle die Flaggen ihres jeweiligen Landes am Arm tragen, sieht man ein paar Europäer, und der Rest sind großteils Chinesen. Peiqiangs Arbeitskollege und Freund ist ein kahlköpfiger, kräftig gebauter Russe namens Makarov. Weil jeder, der im Weltraum oder auf der eisigen Oberfläche der Erde arbeitet, mit einer Uniform ausgerüstet ist, die einen am Arm befestigten Computer hat, sprechen Peiqiang und Makarov miteinander in ihrer jeweiligen Muttersprache und verstehen einander perfekt.

Irgendwann in der Mitte des Films kam es mir, daß, nachdem die Triebwerke die Erde von der Sonne wegschoben und nachdem die Erde nicht mehr rotierte, die gesamte westliche Hemisphäre aufgegeben worden war. Dies wird nicht ausdrücklich erwähnt; wir sehen einen CNN-Clip am Anfang und hören Stimmen mit amerikanischem Akzent, die uns die Katastrophe erläutern, aber nach dem Prolog haben die englischsprachigen Stimmen, die wir hören, britische, australische oder indische Akzente. Nord- und Südamerika sind in dieser Zukunft verschwunden, und es wird nichts zu dieser Tatsache gesagt.

Der einzige andere rassisch verschiedene Charakter ist ein halb weißer, halb chinesischer Mann aus Melbourne namens Tim, gespielt vom amerikanischen Schauspieler Mike Kai Sui. Der arme Tim ist das Opfer von vielen der überflüssigen komischen Einlagen im ganzen Film, obwohl er gegen Ende seinen Moment des Heldentums bekommt (wo er das Leben von Liu Qi rettet, der bereit ist, sich zu opfern).

Es gibt zwei Momente, in denen Charaktere angstvoll ausrufen: „Ich will meine Mama!“, und Makarov und Tim sind diejenigen, die es rufen. Es ist jedoch ein subtiles Detail, und andere Charaktere tun zuweilen auch blöde Dinge. Abgesehen von Tim, der ein Halbchinese ist, läßt der Film weniger den Westen schlecht aussehen, sondern rückt ihn mehr in den Hintergrund. Es ist insbesondere das Fehlen von Amerika, das für mich als Amerikaner hervorstach.

Die Stimme, mit der Liu Peiqiang spricht, während er einen Weg zu finden versucht, die Erde vor der Kollision mit dem Jupiter zu retten, ist eine charmant und intelligent klingende französische Stimme. Als die Chinesen zum Ende hin bei ihrem letzten verzweifelten Versuch Hilfe von jedem einzelnen in der Nähe befindlichen Arbeiter brauchen, repräsentieren die Arbeiter, die auf den Hilferuf reagieren, die Welt: Deutsche, Franzosen, Briten, Inder, Filipinos, Japaner und andere kommen ihnen zu Hilfe. Diejenigen, die den Trailer gesehen haben, werden den Ramen-essenden Japaner gesehen haben, der Selbstmord begeht, nachdem allen gesagt wird, daß die Erde in die Umlaufbahn um Jupiter gezogen werden wird. Es sind letztlich nur die Chinesen, die bereit sind, für den Versuch zur Rettung der Erde zu arbeiten, selbst als das Scheitern sicher zu sein scheint. An einem Punkt betreten unsere Helden eine Anlage und kommen an einer Gruppe Filipinos vorbei, die hinausrennen, um die letzten Tage ihres Lebens zu genießen.

Nachdem dies keine Geschichte Mensch-gegen-Mensch ist, sondern eine darüber, welche Reste der Menschheit sich zusammentun, um die Erde zu retten, dienen die Szenen, in denen Schüsse vorkommen, anderen Zwecken. Zuerst wird ein Maschinengewehr von C171-11 benutzt, um einige der Gruppe nach oben anzutreiben, während sie sich auf den Überresten des Shanghai Tower befinden. In einer anderen Szene benutzt eine Frau aus dem Team ihre Waffe, um mit den Worten „kein Tod mehr“ den Reaktorkern zu zerstören, den sie transportieren. Der Anführer schießt als zornige Reaktion darauf seine Waffe in die Ferne leer. Dann gibt es natürlich diese kurze Szene mit dem armen japanischen Lastwagenfahrer.

Wenn es in dem Film einen Widersacher gibt außer menschlicher Furcht und menschlichem Zweifel, so ist es die Künstliche Intelligenz, die das Schiff steuert. Liu Peiqiang muß sich mit der zunehmend frustrierenden Maschine herumschlagen, während sie roboterhaft erklärt, daß es keine Hoffnung gebe. Sie ist auch dafür verantwortlich, daß nahezu alle in dem Schiff in ihren Kälteschlafkammern eingeschlossen werden, wobei Liu Peiqiang allein übrigbleibt. Die KI hat kein Interesse daran, die Erde zu retten, da sie auf dem Schiff die nahezu totale Macht ausübt. Wie in Interstellar enthält das Schiff Aufzeichnungen der menschlichen Geschichte und die Mittel, um die Menschheit auf einem anderen geeigneten Planeten neu zu erschaffen.

The Wandering Earth ist ein chinesischer Film, der für ein chinesisches Publikum gedacht ist, am chinesischen Neujahrstag veröffentlicht wurde und zumindest teilweise für Kinder geeignet sein soll. Viele chinesische Zuseher verstehen zweifellos, daß ihre Regierung will, daß sie sich selbst so verstehen: dazu bestimmt, die Welt zu regieren. Aber wie viele sahen ihn und haben nicht eine Augenbraue gehoben? Können wir uns bei den tödlichen Herausforderungen, vor denen die Menschheit auf dem realen Planeten Erde in unserem eigenen Jahrhundert steht – die Umwelt, die Erschöpfung der natürlichen Ressourcen, die Drohung des Atomkrieges, und so weiter – vorstellen, daß sie ohne einen hohen Anteil weißer Europäer gelöst werden können?

Es gibt einen Moment, direkt vor Makarovs bedauerlichem Ende, wo er und Peiqiang sich außerhalb des Raumschiffs befinden und Makarov sich mit den Worten tröstet, daß er, auch wenn er die natürliche Schönheit der Welt nie mit seinen eigenen Augen gesehen hat, eines Tages die Seen der Erde durch die Augen seiner Nachkommen sehen wird. Dieses Konzept ist viel sinnvoller als die langweilige Platitüde über „Hoffnung“, die für meinen Geschmack viel zu oft erwähnt wird. Noch schwieriger als riesige, die Welt antreibende Triebwerke und Untergrundmetropolen ist für mich eine Zukunft ohne weißes Amerika vorstellbar. In dieser imaginierten Zukunft existieren meine Nachkommen nicht, und meine Augen werden niemals die Untergrundtunnels oder die über die östliche Hemisphäre verstreuten gefrorenen Landschaften erforschen.

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Neue Kommentarpolitik auf „Morgenwacht“: Wie bereits hier unter Punkt 1 angekündigt, am Schluß dieses Kommentars wiederholt als Absicht geäußert und in diesem Kommentar endgültig festgelegt, werden neue Kommentatoren nicht mehr zugelassen und sind die Kommentarspalten nur noch für die bereits bekannte Kommentatorenrunde offen.

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