Die Slawen, Teil 1: Ihre Geschichte

Von „bedo“, aus dem Historie-Magazin „Karfunkel“ Nr. 79 Dezember 2008 – Januar 2009, demselben Heft, in dem auch Götter, Götter, Götter: Donner und Fruchtbarkeit, sowie Das „jüdische“ Khanat: Geschichte und Religion des Reiches der Chasaren erschienen ist.

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„Dieses ganze Volk der Slawen ist dem Götzendienst ergeben, ist immer unstet und beweglich und treibt Seeraub, indem es auf der einen Seite die Dänen, auf der anderen die Sachsen anfeindet. Oft und auf vielerlei Weise haben daher der große Kaiser und Bischöfe sich bemüht, diese rebellischen und ungläubigen Völker irgendwie zur Erkenntnis Gottes und zum Glauben zu bringen. Unter allen Völkern des Nordens bleibt allein das der Slawen unempfänglicher und zum Glauben weniger geneigt als die anderen. Aber Gastlichkeit und Fürsorge für die Eltern gelten bei ihnen als erste Tugenden.“
So schreibt der Chronist Helmold von Bosau 1170 über die slawischen Stämme in Nord- und Nordostdeutschland. Sie galten lange Zeit auch in der modernen Geschichtsforschung als Barbaren jenseits der östlichen Reichsgrenze – völlig zu Unrecht, wie wir im folgenden zeigen werden! Ihre Handwerkskunst, der Handel mit den anderen Völkern ihrer Zeit, ihre gesellschaftlichen Strukturen, all das war den Germanen und ihren Nachfolgern gar nicht so unähnlich. Und faszinierend sind ihre Sitten und Gebräuche, ihre Religion und die damit verwobene Mythologie bis heute.

WAS SAGEN DIE GESCHICHTSSCHREIBER?

Wo genau die Slawen herkommen, darüber streiten die Forscher bis heute. Erst seit dem 1. Jh. n. Chr. berichten antike Schriftsteller wie Plinius der Ältere, Ptolemäus von Alexandria oder Tacitus über Völker, die heute den Slawen zugerechnet werden. Eigene Aufzeichnungen haben uns diese Menschen leider nicht hinterlassen, denn sie waren eine noch schriftlose Kultur. Und auch die Archäologie kann keine konkreten Ergebnisse vorweisen, denn die materiellen Hinterlassenschaften sind nicht so eindeutig in bestimmte ethnische Gruppen einteilbar, daß sie daraus konkrete Aussagen ableiten ließen.

Rekonstruierte slawische Siedlung in Groß Raden

Wenn wir uns also auf die antiken Historiographen stützen, begegnet uns zuerst ein Volksstamm, der östlich der Weichsel gesiedelt haben soll und als Venedi, Venadi oder Veneti bezeichnet wird. Diesen Namen gibt es heute noch: die Wenden. Jordanes, der Geschichtsschreiber der Goten, berichtet im 6. Jh., die Goten hätten im 3./4. Jh. bei ihrem Aufenthalt in Südrußland die Veneter (venethi) besiegt, ein Volk, das aus demselben Geschlecht stamme wie die Slawen (sclaveni). Insgesamt zählt er drei Völker auf, die denselben Ursprung hätten: Slawen und Veneter sowie die Anten (antes). Als Siedlungsgebiet der Veneter gibt auch er den Weichselraum an, die Slawen siedelt er zwischen Weichsel und Donau an und die Anten zwischen Dnister und Don. Eine ethnische Gemeinsamkeit zwischen Venetern/Wenden und Slawen jener Zeit zweifeln manche Forscher jedoch an, weil sich ihre Keramik unterscheidet.

Den nächsten Hinweis auf den Begriff Slawen liefern oströmische Quellen, genauer gesagt der sogenannte Pseudo-Kaisarios im 6. Jh. (sclavenoi). Noch während der Regentschaft Kaiser Justinians I. (527-565) tauchten slawische Stämme, aus den Karpaten, dem unteren Donauraum und den Regionen am Schwarzen Meer kommend, in den Donauprovinzen des Oströmischen Reiches auf, wie Prokop von Caesarea, Menander Protektor, Agathias und andere berichten (sclavenoi und antes). Prokop beobachtet, daß Slawen und Anten dieselbe Sprache sprächen, dieselben Bräuche pflegten und auch ansonsten sehr ähnlich seien.

DER URSPRUNG DER „SLAWEN“

„Die Slawen“ als prototypisches Urvolk hat es – wie „die Kelten“, „die Germanen“ – nicht gegeben. Zwischen mittlerer Weichsel und Bug sowie mittlerem Dnjepr konnte die Forschung inzwischen zumindest das Kerngebiet der ursprünglichen slawischen Sprache ausmachen, und von hier aus haben sich zahlreiche kleinere Volksgruppen ausgebreitet (hauptsächlich nach Ostmittel- und Osteuropa).

Der Untergang des Römischen Reiches hatte große Umwälzungen in Europa zur Folge gehabt. Während des 4. und 5. Jahrhunderts hatten sich zahlreiche germanische Stämme auf Wanderschaft begeben und neue Siedlungsgebiete erschlossen. Es gibt viele Faktoren, deren Zusammenspiel dieses als Völkerwanderung bezeichneten Phänomens verursacht hat, und sicherlich war der allmähliche Zusammenbruch der römischen Herrschaft nicht der einzige Grund, wenn auch ein gewichtiger. Die Bevölkerung des heutigen West-Mecklenburg beispielsweise folgte dem historisch bekannten Zug der Langobarden über Mähren (489) und Pannonien (528) nach Italien (568), die Odergermanen zogen mit den Goten über die Schwarzmeerregion (208/230) nach Spanien (418) und Italien (489).

Für die slawischen Stämme, die bereits nach Ostmittel- und Osteuropa vorgedrungen waren, bedeutete diese Abwanderung frei werdenden Siedlungsraum, in den sie sich nach und nach ausbreiten konnten. Ab dem 5. Jh. dehnten sie sich zwischen Ostsee und Ladogasee (Nowgorod) bis hin zum Schwarzen Meer und zur Ägäis sowie zwischen dem Elb-Saale-Gebiet, dem Böhmerwald, über die Alpen zum Mittelmeer und nach Osten bis zu Don und unterem Dnjepr aus. Gegen Ende des 6. Jh. kamen sie in die inzwischen nur noch schwach besiedelten Regionen an der südlichen Ostseeküste – das Gebiet, um das es hier im folgenden hauptsächlich gehen soll.

DIE SLAWEN AN DER OSTSEE

Das 7. und 8. Jh. stellt den Höhepunkt der slawischen Landnahme in Nord- und Ostmitteleuropa dar. Und zugleich setzen nun vermehrt schriftliche Nachrichten ein, denn die Slawen kamen in Berührung mit den Merowingern beziehungsweise Franken, den Sachsen und anderen Völkern, die bereits schriftliche Aufzeichnungen kannten. Das Frankenreich hatte sich bis nach Thüringen vorgeschoben, die Sachsen siedelten in Nordwestdeutschland bis hinauf zur Elbe. Über den Fluß hinaus nach Westen konnten sich die Slawen also nicht weiter ausdehnen – zumindest nicht ohne Krieg.

Zunächst konzentrierten sie sich deshalb auf den Norden. Um 650 hatten sie das westliche Mecklenburg und die südlichen Teile Holsteins erreicht. Neueste Datierungen des ältesten Danewerk-Abschnittes (Danewerk = Befestigungswall nahe der heutigen deutsch-dänischen Grenze, den die Dänen im Früh- und Hochmittelalter gegen ihre Gegner aus dem Süden, Sachsen und eben Slawen, erbauten) haben ergeben, daß vermutlich sogar erste Vorstöße in den Schleswiger Raum unternommen worden sind, denn dendrochronologische Bestimmungen ergaben eine Bauzeit um 737 – bisher war man davon ausgegangen, daß Übergriffe Richtung Schleswig erst im 11. Jahrhundert erfolgt seien.

Die germanische Restbevölkerung scheint sich nicht groß gegen die Landnahme gewehrt zu haben, denn archäologisch gesehen ist sie einfach in den Slawen aufgegangen. Geographische Bezeichnungen, wie die Namen von Flüssen oder Seen, die eindeutig germanischen Ursprungs sind, haben sich allerdings erhalten beziehungsweise wurden von den Slawen übernommen, ja sogar einige Stammesbezeichnungen wie die der Wagrier gehen auf germanische Begriffe zurück (vagr = altnord. für Bucht; Wagrier = Buchtenbewohner).

Slawische Waffenfunde aus Starigard (heute Oldenburg in Holstein); Sitz des Wagrierfürsten.

Am weitesten nach Nordwesten vorgedrungen war der Stamm der Obodriten (auch Abodriten genannt), der sich in vier Teilstämme gliederte: Die Wagrier siedelten zwischen Kieler Förde und Trave, die Polaben zwischen Trave und Elbe, weiter Richtung Westmecklenburg schloß sich der eigentliche Obodriten-Kernstamm an und noch weiter nach Osten die Warnower an der Warnow. Der namentlich unbekannte Chronist, den die Forschung den „Bayerischen Geographen“ nennt, listet schon im 9. Jh. folgende weitere Stammesgebiete auf: Neben den Obodriten gab es die Wilzen mit vier Teilstämmen in Zentral- und Ostmecklenburg (Kessiner, Zirzipanen, Tollenser, Redarier), die Ranen auf Rügen und die Linonen im Elberaum. Außerdem trennt er die Heveller im Havelland, die Sorben mit mehreren Teilstämmen zwischen Saale und Mulde, die Daleminzier als südöstliche Nachbarn der Sorben, die Lusitzer aus der Lausitz, die Milzener um Bautzen und weitere Stämme, die aber für die weitere Geschichte der Slawen keine große Rolle spielten.

KARL DER GROSSE UND DIE OBODRITEN

Schauen wir uns die einzelnen slawischen Gebiete nun etwas näher an. Die fränkischen Reichsannalen erwähnen die Obodriten erstmalig für das Jahr 789, und zwar als Verbündete Karls des Großen – ausgerechnet in seinem Feldzug gegen die ebenfalls slawischen Wilzen. Jene hatten sich während der vorausgegangenen Sachsenkriege Karls des Großen auf die Seite des Frankenkönigs gestellt und sein Heer mit Nachschub versorgt. Logisch, daß Karl nun auch gegen sie vorzugehen gedachte. Die Obodriten wiederum hatten bereits ihre Erfahrungen mit den Sachsen (zumindest den nordelbischen Stämmen) gesammelt, als sie bei ihrer Wanderung und Landnahme in deren Gebiete eingedrungen waren. Das Verhältnis war entsprechend noch immer angespannt. Und so ist es nicht verwunderlich, daß es dem Frankenkönig gelang, durch geschicktes Taktieren und eine durchdachte Bündnispolitik die beiden Stämme gegeneinander auszuspielen und seinen eigenen Vorteil herauszuschlagen.

Neun Jahre nach diesem erfolgreich verlaufenen Wilzenfeldzug startete Karl eine neue Offensive gegen das letzte sächsische Widerstandsnest im Norden – allerdings nicht mit fränkischer Kampfkraft. Nein, der König schickte die verbündeten Obodriten ins Feld, ausgestattet mit einem fränkischen Legaten (zu jener Zeit eine Art Militärberater), und auf dem Sventanafeld bei Bornhöved kam es zur folgenreichen Schlacht. Die Sachsen unterlagen und mußten klein beigeben. Ein letztes Mal flackerte ihr Widerstand 802 auf, und diesmal schickte Karl Truppenverbände der mittlerweile unterworfenen anderen Sachsenstämme in den Norden, die ihre ehemaligen Stammesbrüder nun nicht nur vernichtend schlugen, sondern auch ihre Gebiete verwüsteten. Zwei Jahre später ließ der inzwischen zum Kaiser gekrönte Karl die sächsische Restbevölkerung ins Frankenland umsiedeln und trat die leer gewordenen Gebiete an seine obodritischen Verbündeten ab. Damit erhielten die Slawen nicht nur ihr erstes in der fränkischen Geschichtsschreibung offiziell „legalisiertes“ Territorium, Karl verlieh ihrem Stammesfürsten Drasko sogar die Königswürde. Inwiefern dieser „König“ aber als gleichberechtigt angesehen wurde, sei dahingestellt, denn die lateinischen Quellen nennen ihn lediglich dux, Herzog.

Bei den Obodriten wie auch den Wilzen war das Herrscheramt erblich, bedurfte allerdings einer Bestätigung durch die Volksversammlung. Die neuere Forschung spricht auch von einem Samtherrscher, der dem gesamten Stamm vorstand. Unter ihm gab es zahlreiche weitere Herrscher (Fürsten), die über Teilverbände regierten und entsprechend Teilfürsten genannt werden. Eine besonders starke politische Stellung scheint der Samtherrscher aber nicht gehabt zu haben, vielmehr ist seine Macht vergleichbar mit den magisch-sakralen Stammesfürsten der völkerwanderungszeitlichen Germanen. Die fränkischen Reichsannalen berichten, daß es unter dem Samt- oder Teilfürsten eine Schicht Adliger gab (die primores, die Ersten, oder auch reguli, Kleinkönige genannt). Bei manchen Stämmen heißen sie meliores, die Besseren, oder praestantiores, die Vorzüglichen. Möglicherweise handelt es sich hierbei um Vertreter der einzelnen Familienverbände, vergleichbar den schottischen Clanchiefs der frühen Neuzeit.

Im Jahre 808 begegnet uns der Samtherrscher Drasko erneut in den Quellen. In diesem Jahr tauchte plötzlich der Dänenkönig Göttrik/Gudfred, der eigentliche Gründer Haithabus, mit einer Flotte vor dem wikingischen Fernhandelshafen Reric auf, Draskos Sitz. Wo genau dieses Reric gelegen haben könnte, darüber haben die Forscher lange gestritten. Das heutige Rerik ist es mit Sicherheit nicht, denn die Stadt erhielt erst 1938 ihren Namen in Anlehnung an den berühmten alten Handelsplatz, von dem man damals nicht wußte, wo er lag. Ausgrabungen der 1990er Jahre haben ergeben, daß der Ort am Salzhaff der Wismarer Bucht nördlich von Wismar bei Groß Strömkendorf zu lokalisieren ist, was die kulturhistorische Einordnung der Funde als ehemaliger Fernhandelsstandort des 8. bis frühen 9. Jahrhunderts bestätigt. 100 – 200 ständig hier lebende Einwohner zählte die Siedlung zu ihrer besten Zeit. Göttrik jedoch gelang es mit Hilfe verbündeter Wilzen, Drasko zu verjagen, Reric dem Erdboden gleichzumachen und damit die slawische Konkurrenz um den Fernhandel auszuschalten. Die Kaufleute wurden nach Haithabu umgesiedelt, die Siedlung an der Schlei wuchs in der Folgezeit und erreichte eine bis dahin einzigartige Blüte als wikingisches Handelszentrum mit zeitweise über 1000 festen Einwohnern.

DIE FRANKEN SCHWENKEN UM

Daß die Franken ihren obodritischen Verbündeten in Reric nicht zu Hilfe gekommen waren, zeigt, von welcher Art dieses Bündnis war: Die Franken sahen in den Obodriten lediglich ein Werkzeug in ihrer Machtpolitik, das man einsetzen konnte, wenn es benötigt wurde. Hinzu kam, daß gerade die Niederlage Draskos dem Frankenkaiser gezeigt hatte, daß die Obodriten allein nicht in der Lage waren, dem Bündnis der Wilzen und Dänen standzuhalten, und sie folglich nicht als Flankenschutz der fränkischen Nordgrenze zu gebrauchen waren – aus keinem anderen Grund hatte Karl den Obodriten dieses Territorium zugestanden und Drasko zum „König“ gemacht.

Die Dänen beließen es allerdings nicht bei ihrem Vorstoß in slawisches Gebiet, sondern griffen auch auf die ehemals sächsischen Regionen über, die inzwischen fest in das Frankenreich integriert waren. Karl der Große reagierte 809 mit dem Bau eines Kastells namens Esesfelth nahe dem heutigen Itzehoe zur Grenzsicherung. Ein Truppenkontingent unter der Führung des sächsischen Grafen Egberth wurde hier stationiert – ein Zeichen dafür, daß die sächsische Eigenständigkeit nun endgültig Geschichte war. Ein Jahr später fiel der Dänenkönig Göttrik einem Mordanschlag aus eigenen Reihen zum Opfer, und sein Nachfolger zeigte sich bereit, mit den Franken in Friedensverhandlungen zu treten.

Diese politische Neuausrichtung der Franken – Integration der Sachsen, Annäherung an die Dänen – brachte für die Obodriten unangenehme Konsequenzen mit sich. Bereits während der letzten Lebensjahre Karls des Großen (gest. 814) wurden die Gebiete der Sachsen neu festgelegt und dabei die Abtretung der nordelbischen Regionen an die Slawen rückgängig gemacht. Die Sachsen erhielten ihr altes Land zurück, und zwar offensichtlich ohne größere Gegenwehr der Slawen. Die neue Grenzlinie, in der Forschung als Limes Saxoniae bezeichnet, verlief laut dem Chronisten Adam von Bremen von der Kieler Förde über Bad Segeberg, Bad Oldesloe bis hinunter nach Boizenburg an der Elbe. Dabei handelte es sich nicht um eine befestigte Grenze wie den römischen Limes, sondern eher um eine Art Demarkationslinie mit natürlichen Gegebenheiten wie Flüssen oder Sümpfen und Niederungen als Markierungen. Sie war nicht besiedelt, sondern eine Ödlandzone, die nur hin und wieder von beiden Seiten zu durchbrechen versucht wurde, im Wesentlichen aber bis ins 12. Jahrhundert, dem Ende der Slawenzeit, bestand.

Der Verlauf dieses Limes ist auch archäologisch nachweisbar, zum Beispiel in der Keramik. Die slawischen Tonwaren unterscheiden sich deutlich von den sächsischen Kugeltöpfen, und auch im Hinblick auf andere Haushaltswaren, Schmuck oder Waffen läßt sich entlang des Limes eine eindeutige Grenze zwischen den beiden Kulturen ziehen. Dies zeigt, wie wenig Kontakte zwischen den Sachsen und den Slawen bestanden haben.

WIDERSTAND!

Die Burg von Groß Raden (teilrekonstruiert)

Unter Karls Sohn und Nachfolger Ludwig dem Frommen lockerte sich das fränkisch-obodritische Bündnis weiter. Zunächst zog noch ein slawisches Truppenkontingent zusammen mit Ludwig gegen die Dänen, die 815 erneut die sächsischen Gebiete angegriffen hatten. Aber schon zwei Jahre später verbündete sich Draskos Nachfolger Slaomir mit den Dänen – angeblich, weil er die Herrschaft nicht mit Draskos Sohn teilen wollte, wie es die Franken vorgesehen hatten. Gemeinsam belagerten sie das Kastell Esesfelth, aber vergeblich. 819 wurde Slaomir von einem fränkisch-sächsischen Heer gefangengenommen und nach Aachen gebracht. Draskos Sohn Sedrag wurde nun endgültig alleiniger Samtherrscher der Obodriten.

In den folgenden Jahren mischen sich die Franken nur selten in slawische Belange ein – zu sehr wurden sie von eigenen Problemen in Anspruch genommen. Obodritische Gesandte wurden zwar immer wieder zu Hoftagen des Frankenherrschers beordert, die dieser dort abhielt, wo er sich gerade befand (die Franken hatten zu jener Zeit noch keinen festen Königssitz, sondern der Hof zog zur Ausübung seiner Macht ständig kreuz und quer durch das Reich), die Interessen beider Völker überschnitten sich zunächst jedoch nur wenig. Dafür erfolgte auf diesen Reisen regelmäßig eine Art kultureller Austausch: Die Slawen brachten Geschenke mit an den Hof und kehrten wiederum mit solchen in die Heimat zurück. Dortige Handwerker kopierten die fremden Stile, so daß sich schon bald fränkischer Einfluß auf die einheimischen Alltagsgegenstände, aber auch auf Schmuck und Tracht in den archäologischen Funden erkennen läßt (und in kleinerem Maßstab auch umgekehrt).

Bei diesen Hoftagen kam es im Laufe der folgenden Jahrzehnte dann erneut zu Unmut auf slawischer Seite. Gegenseitig bezichtigten sich die slawischen Teilfürsten immer wieder der Abtrünnigkeit, kriegerischer Übergriffe und gebrochener Bündnisabkommen. Inzwischen war das Frankenreich geteilt, und Ludwig der Deutsche, ein Sohn Ludwigs des Frommen, herrschte über den ostfränkischen Reichsteil, der an die Grenzen der slawischen Gebiete heranreichte. Andere slawische Stämme, wie die Wilzen und Sorben, begannen mit Übergriffen auf das fränkische Territorium, und aus dem Jahr 844 hören wir, daß auch die Obodriten in offenen Widerstand getreten waren. Ludwig der Deutsche zog ihnen entgegen und schlug den Aufstand nieder, wobei ihr König Goztimuizlo erschlagen worden sei.

Um die inzwischen erstarkte obodritische Königsmacht zu schwächen, erneuerte Ludwig das Königtum nicht mehr, sondern teilte es unter die Teilfürsten auf, die in den Quellen wiederum nur als Herzöge (duces) betitelt werden. Die Forschung vermutet, daß diese Maßnahme entweder die Herausbildung der Teilstämme als eigene regionale Machthaber herbeigeführt oder ihre Selbständigkeit gefördert habe, was sich für beide Seiten – Slawen wie Franken – im Endeffekt negativ auswirkte: Es gab noch mehr feindliche Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Teilstämmen, zugleich aber auch mehr Übergriffe slawischer Verbände gegen das Reich. 858 beispielsweise mußte Ludwig gleich drei Heere gegen verschiedene Slawenangriffe entsenden.

Die folgenden Jahrzehnte, auch unter der Herrschaft von Ludwigs Nachfahren, waren im Hinblick auf die Slawenpolitik gekennzeichnet von ständigen Unruhen, Teilerfolgen auf beiden Seiten und wechselnden Bündnissen zwischen den Slawenstämmen. Versuche seitens der Franken, die slawischen Gebiete in ihr Territorium einzugliedern, wie einst Karl der Große es mit den Sachsen geschafft hatte, scheiterten. Man konzentrierte sich daher mehr auf die Sicherung der Tributpflicht sowie die Abwehr slawischer Übergriffe (die zwischen 900 und 918 sogar bis nach Hamburg vordrangen und plündernd und brandschatzend wüteten) und unternahm keine weiteren Vorstöße in deren Herrschaftsgebiete.

SLAWEN ALS SKLAVEN

Erst die Ottonenzeit brachte den Wandel. Heinrich I., Vater des späteren Kaisers Otto I., löste im Jahre 919 die fränkische Dynastie vom Königsthron ab. Die Edlen des Reiches hatten ihn in Fritzlar zum neuen König des bis dahin Ostfränkischen Reiches gewählt. Fortan regierten also die Sachsen das Reich, das spätestens jetzt in der Forschung als römisch-deutsches Reich bezeichnet wird.

Heinrichs Außenpolitik an allen Grenzen gestaltete sich weitaus offensiver als die seiner Vorgänger auf dem Thron, und für die slawische Geschichte bedeutete das einen drastischen Einschnitt. Erstmals wurden die Slawen nun von Westen her direkt angegriffen, und das auch noch mit Erfolg. Heinrich gelang es innerhalb weniger Jahre, die Vorherrschaft bis weit in die slawischen Territorien hinein auszudehnen und zu festigen. 929 konnten die Obodriten, die Heveller und die Wilzen zinspflichtig gemacht werden, 931 soll sogar der obodritische Fürst zum Christentum übergetreten sein. Auch die sorbischen Stämme südlich der Linie Magdeburg und Brandenburg an der Havel schlug Heinrich vernichtend. Noch aber ließ man den Slawen soweit ihre Eigenständigkeit in innerslawischen Belangen, wie die Tributzahlungen regelmäßig flossen. Eine Vernichtung der einzelnen Stämme stand noch nicht auf dem Plan.

Die neueste Forschung sieht in Heinrichs Vorstößen indes einen Gesichtspunkt, der wichtiger zu sein scheint als die rein machtpolitische Ausdehnung des Reiches: den Sklavenhandel. Gerade das Gebiet des ehemaligen Sachsen, die Basis des Königs, galt noch immer als barbarisch und auf fremde Hilfe angewiesen. Man suchte den Handelskontakt in den Mittelmeerraum, der von muslimischen Händlern dominiert wurde. In der Produktion von Gebrauchsgegenständen, Schmuck und anderen Luxusgütern waren die Mittelmeerstaaten dem „barbarischen“ Norden weit voraus, so daß der Warenaustausch recht einseitig verlief beziehungsweise aus mediterraner Sicht die Sachsen nicht viel Interessantes zu bieten hatten – bis auf Sklaven. Entsprechend ließ Heinrich alles gefangennehmen, was sich nicht rechtzeitig verstecken konnte. Männer, die Waffen trugen, wurden getötet, alle anderen – am liebsten natürlich Frauen und Kinder – versklavt. Nicht umsonst leiten viele Sprachwissenschaftler den Begriff „Sklaven“ von „Slawen“ her – eine einleuchtende Etymologie, die sich auch im englischen slave oder im mittellateinischen sclavus/sclavenus, beides Synonyme für Sklave und Slawe, wiederfindet.

Über Prag ging die „Ware Mensch“ weiter nach Verdun und von dort aus in das Kalifat der Abbasiden nach Spanien und Nordafrika. In Prag und Verdun gab es sogar eigens zur Kastration eingerichtete Stationen, die aus den slawischen Knaben die bei den Muslimen jener Zeit heißbegehrten Eunuchen machten.

Der Handel lag fest in jüdischer Hand; die Kaufleute reisten den Heeren hinterher und kauften gleich nach der Festnahme die Sklaven auf. Besonders die Radhaniten, jüdische Kaufleute aus Bagdad, tauchen immer wieder in den Quellen auf. Der König hatte ihnen zahlreiche Privilegien ausgestellt, und dank ihrer weitverzweigten Familienbeziehungen pflegten sie ein Handelsnetz, das sich von Spanien über Nordafrika, Ägypten, die arabische Halbinsel, Palästina, Syrien, Persien und Nordindien bis hin nach China und über Konstantinopel bis zu den Chasaren (vgl. S. 17ff in dieser Ausgabe) am Schwarzen Meer spannte.

Ein Hnefatafl-Spiel mit Königsfigur aus Bronze und Würfeln aus Knochen gehört ebenfalls zu den Funden aus Starigard.

HERMANN BILLUNG BEKOMMT PROBLEME

Nach Heinrichs Tod 936 folgte ihm sein Sohn Otto I., später Otto der Große genannt, auf den römisch-deutschen Thron. Seine Regierungszeit brachte dem Reich eine enorme Festigkeit und ebnete die Grundlage für den glanzvollen Aufstieg des Kaisertums, dessen Machtentfaltung das gesamte Mittelalter über Bestand haben sollte. Zu seinen außenpolitischen Maßnahmen gehörte auch die Weiterführung der Ostpolitik seines Vaters, die Otto insgesamt gesehen noch weiter ausbauen konnte als Heinrich I.

Zunächst gingen die Kämpfe gegen die Slawen jedoch weiter. Wichtige Nachrichten aus jener Zeit liefern uns die Chronisten Widukind von Corvey und Thietmar von Merseburg. Bereits kurz nach seiner Krönung vergab Otto viele Ämter und Titel in seinem Reich neu; so bedachte er unter anderem den sächsischen Edlen Hermann Billung mit dem Titel princeps militiae („Heerführer“) über verschiedene slawische Stämme, angeblich als Dank für die Niederschlagung eines Aufstandes der slawischen Redarier. Im Laufe seiner Regentschaft ernannte der König Hermann Billung mehrfach zu seinem Stellvertreter in Sachsen (procurator regis; so etwa während seines Italienzuges zur Kaiserkrönung nach Rom) und verlieh ihm weitere Titel, darunter den eines Markgrafen (marchio), und machte ihn später sogar zum Herzog (dux) von Sachsen.

Währenddessen gelang es Otto, seine Macht in den slawischen Gebieten östlich der Elbe auszubauen. 939 setzte er Gero aus dem Hause der sächsischen Merseburger Grafen als Markgraf der sächsischen Ostmark ein. Er sollte im Elbe-Saale-Gebiet für Ruhe sorgen und die dort ansässigen (größtenteils sorbischen) Slawenstämme in Schach halten. Seine Methoden erwiesen sich als sehr effizient, wenn auch brutal und rücksichtslos. Zwischen 939 und 965 schlug er mehrere Aufstände erbarmungslos nieder und setzte alles daran, den sorbischen Adel vollständig auszurotten. Es gelang ihm, das gesamte Gebiet zwischen Elbe und Oder zu unterwerfen und in das Reich einzugliedern. Auch in der Lausitz ging er mit derselben Härte vor. 963 gipfelten seine Vorstöße hier in einer letzten entscheidenden Schlacht gegen die Milzener und die Lusitzen, woraufhin auch diese Region in seine Hände fiel. Die slawischen Stämme wurden dauerhaft in den Reichsverband eingegliedert.

Im Norden sah die Sache jedoch vollkommen anders aus. 955 erhoben sich die Obodriten zusammen mit den Wilzen gegen die römisch-deutsche Vorherrschaft und setzten Hermann Billung an der sächsischen Grenze derart zu, daß dieser Otto um Unterstützung bitten mußte. Der König zog an der Spitze seines Heeres nach Norden und konnte die Slawen unter Führung der Brüder Nakon und Stoignew in der Schlacht an der Raxa vernichtend schlagen.

Besagter Nakon scheint übrigens ein bedeutender Herrscher gewesen zu sein, zumindest nennt ihn der jüdische Reisende Ibrahim ibn Jaquub in einem Zuge mit den Königen der Polen, Böhmen und Bulgaren. Sein Reich grenze im Westen an Sachsen und im Norden an das Land der Dänen.

Dennoch gaben die Slawen nicht klein bei. Erst 963 gelang es laut Thietmar von Merseburg dem Billunger, sich die Wagrier unter Selibur und die Obodriten unter Mistivoj (auch Mistav oder Mistui genannt) tributpflichtig zu machen. Widukind von Corvey berichtet, diese beiden Stammesfürsten seien erbitterte Feinde gewesen und hätten jeder für sich auf den alleinigen Herrschaftsanspruch über das gesamte Obodritengebiet gepocht. Als Lehnsmannen von Hermann Billung mußten sie sich dessen Schiedsspruch unterwerfen, der Mistivoj recht gab und Selibur zu einer Buße von 15 Pfund Silber verurteilte. Selibur habe daraufhin einen Aufstand angezettelt, der aber niedergeschlagen werden konnte. Hierin zeigt sich deutlich, daß die nordslawischen Stämme noch immer eine gewisse innenpolitische Eigenständigkeit bewahren konnten – solange sie brav Tribut an das Reich zahlten. Von einer Einverleibung ihrer Territorien konnte noch immer keine Rede sein.

SCHEITERT DIE MISSIONIERUNG?

Unter Otto dem Großen hatte eine großangelegte Missionierung des Ostens begonnen. Im Zuge der Konsolidierung seiner Herrschaft hatte der König die slawischen Siedlungsräume in sechs Markgrafschaften eingeteilt (über die sächsische Ostmark unter Markgraf Gero haben wir bereits berichtet) und im Zuge der allgemeinen Christianisierung, die zu jener Zeit Richtung Osten zog, erste Bistümer gegründet (948 Havelberg und Brandenburg). Ein Teil des slawischen Adels konnte recht schnell für die neue Religion gewonnen werden – vermutlich zunächst aus machtpolitischem Interesse heraus, denn so ließ man sie weitgehend in Ruhe. Wie es in ihrem Inneren ausschaute, sei dahingestellt. Die Bevölkerung jedenfalls stand dem neuen Glauben sehr abweisend gegenüber.

Die nördlichen Slawenlande galten nicht als befriedet und sicher genug, um so früh schon einen Bischofssitz zu installieren. Erst im Oktober 968 wurde Starigard, das heutige Oldenburg in Holstein und Sitz des Wagrierfürsten, zum Suffragan des Erzbistums Hamburg-Bremen erhoben. Langen Bestand hatte es allerdings nicht. Nur zwei Bischöfe sind uns namentlich überliefert, die hier ihr Amt ausgeübt haben (Egward und Wago). Ein dritter, Eciko, konnte zwar noch sein Amt antreten, wurde aber kurze Zeit später verjagt. Die Fürsten der Wagrier blieben bis in die Mitte des 12. Jh. hinein ihrer slawischen Religion treu – und nicht nur sie, wie wir noch sehen werden.

Die südlicheren Slawengebiete paßten sich leichter an. Die Bistümer Havelberg und Brandenburg konnten ihre Machtstellung ausweiten, 967 kamen mit Meißen, Merseburg und Zeitz (später Naumburg) weitere als Stützpunkte der Slawenmission hinzu. Nach dem Tod des Halberstädter Bischofs im Frühjahr 968 setzte Otto die Gründung des Erzbistums Magdeburg in die Tat um, die er schon lange geplant hatte, die aber vom Bistum Halberstadt verhindert worden war. Magdeburg, eine seiner liebsten Königspfalzen, wurde fortan das Zentrum der kirchlichen Macht im Slawengebiet.

Wie groß die militärische Bedeutung der Kirche zur damaligen Zeit noch war, zeigt sich daran, daß fast alle Missionsbistümer dort geschaffen wurden, wo es eine befestigte Burganlage gab, die im Zuge der Ostausdehnung gegen slawische Angriffe angelegt worden war. Man darf auch nicht vergessen, daß geistliche Fürsten in der Ottonenzeit über Heeresverbände verfügten.

DER GROSSE AUFSTAND

Nach dem Tod Ottos I. im Mai 973 folgte ihm sein Sohn als Otto II. auf den Thron. Die starke Stellung seines Vaters konnte er nicht erreichen, vielmehr war seine Regentschaft geprägt von innenpolitischen Auseinandersetzungen. Entsprechend wenig Aufmerksamkeit wurde dem Osten des Reiches geschenkt.

980 wandte sich Otto II. nach Rom, weil die Verhältnisse in Italien völlig außer Kontrolle geraten waren. Die Durchsetzung der Regierungsgewalt in den nord- und nordostslawischen Gebieten bröckelte, Liutizen, Wilzen und andere slawische Stämme schlossen sich zusammen und begannen sich mit Gewalt gegen die ottonische Herrschaft aufzulehnen. Auch die Obodriten schlossen sich an, und im Sommer 983 gipfelte der Aufstand, in der Forschung als „Liutizenbund“ bezeichnet, in der Vernichtung aller kirchlichen Einrichtungen. Kirchliche und politische Machthaber wurden getötet oder vertrieben, Klöster geplündert, die Bischofssitze Havelberg und Brandenburg besetzt. Obodritische Verbände stießen sogar bis nach Hamburg vor und überfielen die Stadt.

Man stellte zwar ein Heer auf und konnte die Aufständischen zunächst wieder bis hinter die Elbe zurücktreiben, die Macht aber hatten die Ottonen im slawischen Gebiet verloren. Die ottonischen Bemühungen um eine Christianisierung der Slawen, die neue Marken- und Kirchenorganisation wurde binnen kurzem buchstäblich hinweggefegt. Adam von Bremen schreibt dazu: „Alle Slawen, die zwischen Elbe und Oder wohnen, hatten über 70 Jahre Christus verehrt, aber nun rissen sie sich los vom Leibe Christi und der Kirche, der sie bis dahin angehört hatten. Oh, wie geheimnisvoll sind doch Gottes Gericht über die Menschen…“

Die deutsche Ostsiedlung war damit vorerst gestoppt. Für die nächsten 150 Jahre sollten die slawischen Stämme ihre politische wie religiöse Eigenständigkeit behalten. Die Bischöfe von Havelberg und Brandenburg lebten fortan nur noch als Titularbischöfe am Königshof, neue Missions- oder Eroberungsversuche ließen die Ottonen zunächst bleiben.

SLAWISCHE BLÜTEZEIT

Die einzelnen Slawenstämme konnten ihre Macht in den folgenden Jahrzehnten stark ausbauen. Kleinere Verbände gingen in den großen Stämmen auf, Namen der Stammesfürsten begegnen uns als „Könige“ in den verschiedenen Quellen des römisch-deutschen Reiches.

Eine der bedeutendsten Familien waren die Nakoniden, die lange Zeit die Obodritenfürsten stellten. Benannt ist die Dynastie nach ihrem ersten namentlich bekannten Vertreter, Nakon (Nâqûn), den wir bereits aus der Schlacht an der Raxa von 955 kennen. Im 11. Jh. hören wir dann zunächst von Gottschalk (gest. 1066), der bereits christianisiert war, danach von seinem Sohn Heinrich, der auch Heinrich von Alt-Lübeck genannt wurde und in den Quellen erstmals den Titel rex Slavorum, König der Slawen, trägt. Sein Reich erstreckte sich zwischen der Kieler Förde und der Peenemündung, zerfiel aber bald nach seinem Tod (1127). Die westlichen Teile (Wagrien und Polabien) verloren seine Nachfolger wieder an das römisch-deutsche Reich.

Die Herrschaft über die übrigen obodritischen Gebiete trat ein bis dahin völlig unbekannter slawischer Adliger an: Niklot. Um 1140 beherrschte er das gesamte obodritische Kernland im Dreieck zwischen Peene, Wismarer Bucht und dem Schweriner See. Wir werden später noch von ihm hören.

DER WENDENKREUZZUG

Dann wendete sich jedoch das Blatt erneut. Schon 1107/08 hatte man auf kirchlicher Seite über einen Kreuzzug in elbslawisches Gebiet nachgedacht, angelehnt an die Erfolge des kaum abgeschlossenen Ersten Kreuzzuges nach Jerusalem. Dabei ging es jedoch weniger um die Bekehrung der Heiden als vielmehr um die Befreiung der dortigen Christen und Kirchen sowie um die völlige Unterwerfung der Slawen. Eine Urkunde aus dem Erzstift Magdeburg enthält folgenden Aufruf: „Denn dies ist unser Jerusalem, das anfangs frei war und durch die Grausamkeit der Heiden zur Magd erniedrigt wurde!“ (Urk. B. d. Erzstiftes Magdeburg I 193, S. 250f.) Erst im März 1147 wurde der Gedanke allerdings in die Tat umgesetzt: Auf dem Reichstag in Frankfurt gab König Konrad III. seine Teilnahme am Zweiten Kreuzzug ins Heilige Land bekannt. Viele Adlige nahmen ebenfalls das Kreuz, doch die sächsischen Großen weigerten sich mit der Begründung, die Slawengefahr an ihren Grenzen sei größer. Der Ruf nach einem „Kreuzzug gegen die Wenden“ wurde laut. Die geistigen Väter dieser Idee scheinen vor allem die beiden sächsischen Adligen Heinrich der Löwe und Albrecht der Bär gewesen zu sein, denn sie erhoben Herrschaftsansprüche in verschiedenen slawischen Gebieten.

Noch im selben Monat nahm sich Bernhard von Clairvaux der geistlichen Begründung und der Konzeption des Wendenkreuzzuges an, und bereits im April erließ der Papst eine Kreuzzugsbulle, worin er den Zweiten Kreuzzug, die Reconquista in Spanien und den Wendenkreuzzug auf eine Stufe stellte. Kirche und Reich hatten die planmäßige Unterwerfung und Zerschlagung der Slawengebiete – denn nichts anderes hatten die „Wendenkreuzfahrer“ im Sinn – legalisiert.

Im Frühsommer setzten sich zwei Truppenkontingente in Bewegung: Heinrich der Löwe zog mit einem Heer in den Norden gegen die Obodriten, Albrecht der Bär gegen die Heveller und Liutizen – beide also genau dorthin, wo sie ihren persönlichen Herrschaftsanspruch durchsetzen wollten. Daß die Christianisierung des Landes für sie im Vordergrund stand, darf bezweifelt werden.

Interessant an dem ganzen Unternehmen ist, daß es von slawischer Seite keine nennenswerten Kriegshandlungen gegen das Reich gegeben hatte. Untereinander lagen die Slawenstämme zwar ständig im Streit, mit den deutschen Fürsten bestanden jedoch sogar verschiedene Bündnisse. Eines davon hatten der Obodritenfürst Niklot und Graf Adolf von Holstein geschlossen. Als Niklot von den Vorbereitungen zum Kreuzzug erfuhr, wandte er sich natürlich an Adolf mit der Bitte um Unterstützung, die dieser jedoch mit dem Hinweis auf seine Loyalität zu den anderen deutschen Fürsten verweigerte. Niklot scheint Verständnis für diese Entscheidung gehabt zu haben, immerhin versicherte er Adolf, ihn bei den künftigen Angriffen vorzuwarnen. Und tatsächlich hatte er dem Grafen am Tag zuvor eine Nachricht übermitteln lassen, als er im Juni 1147 mit seiner Flotte den Handelsplatz Lübeck überfiel. Die Burganlage selbst konnte er nicht einnehmen, die Siedlungen des Umlandes wurden jedoch geplündert und gebrandschatzt. Dieser Angriff wurde prompt von den Deutschen für ihre „Propaganda“ ausgenutzt: Überall verbreitete man, die Slawen hätten den Krieg eröffnet. Die Verteidigung der Christen und der Kirchen in den Slawenlanden schien dringender denn je.

Die Slawen wiederum erkannten schnell, daß sie den Kreuzfahrerheeren in der offenen Schlacht unterlegen waren. Sie versuchten zunächst eine Art Guerillataktik und verschanzten sich schließlich in ihren Burgen. Viele boten freiwillig an, zum Christentum überzutreten – von Stettin ist beispielsweise überliefert, daß die Bewohner der Burg Kreuze auf ihren Mauern befestigt hätten und so ihren Willen bekundeten, den damals bereits angenommenen Christusglauben wieder aufzunehmen. Die Führer der Kreuzfahrerheere gingen gerne auf diese Angebote ein, ergaben sich so doch mehrere Vorteile zugleich: Die offizielle Mission der Rettung des Christentums war geglückt, zugleich aber das Gebiet nicht zerstört, das man sich einzuverleiben gedachte.

Die einfachen Kreuzfahrer hingegen begannen zu murren, denn sie hatten sich neben Sündenerlaß und Errettung des Seelenheils auch einen gehörigen Batzen Beute, wenn nicht gar Land in den eroberten Gebieten versprochen. Aber es half nichts – Heinrich der Löwe und Albrecht der Bär bekamen, was sie gewollt hatten: Anerkennung im Reich ob der Demonstration ihrer Stärke, Gebietszuwachs, dessen slawische Herrscher sich zu hohen Tributzahlungen verpflichteten, sowie neue Titel und Privilegien durch den König. Auch die Bistümer wurden wiederhergestellt, und die Bischöfe bezogen ihre Amtssitze, so daß auch die Kirche zufrieden war. Manche Chronisten halten den Wendenkreuzzug insgesamt zwar für gescheitert, aber das spiegelt nur die Enttäuschung der zumeist geistlichen Geschichtsschreiber darüber wider, daß die Slawen es mit der Christianisierung offenbar nicht so genau nahmen und die deutschen Fürsten die Einhaltung der neuen Religion auch nicht wirklich überwachten.

DAS ENDE DER SLAWENREICHE

Die Macht der großen Slawenherrscher war empfindlich angeknackst. Besonders hart hatte es Niklot getroffen, denn 1160 war es Heinrich dem Löwen geglückt, zum entscheidenden Schlag gegen den Obodritenfürsten auszuholen. Helmold von Bosau berichtet: „Angesichts der Macht des Herzogs zündete Niklot alle seine Burgen an, Ilow, Mecklenburg, Schwerin und Dubin, um der Gefahr einer Belagerung zu entgehen. Für sich behielt er nur eine Burg zurück, Werle, gelegen am Fluß Warnow nahe beim Lande Kessin.“
Von hier aus hielt Niklot noch eine Weile den Widerstand am Leben, konnte dem Sachsenherzog am Ende jedoch nichts mehr entgegensetzen. Nach dem Tod des Obodritenfürsten im August desselben Jahres übernahm Heinrich der Löwe dessen gesamtes Gebiet, teilte es in Grafschaften ein und gab es in erster Linie an seine eigenen Gefolgsleute.

Die beiden Söhne Niklots wurden zwar ebenfalls mit jeweils einem kleinen Gebiet abgespeist, waren aber natürlich nicht zufrieden damit. Neuerliche Rebellionen waren die Folge, die Heinrich zunächst noch unterbinden konnte. Aber auch in seinen sächsischen Kernlanden regte sich Widerstand gegen ihn, und auf Reichsebene wuchsen ebenfalls die Probleme. Um sich den Rücken freizuhalten, gab er 1167 schließlich große Teile des ehemaligen Obodritenreichs an Pribislaw, den nach den Kämpfen allein übriggebliebenen Sohn Niklots, zurück – als Lehen natürlich. Dieser ließ sich taufen und regierte fortan als Fürst zu Mecklenburg unter römisch-deutscher Oberhoheit. Die slawische Selbständigkeit war Geschichte. 1348 wurde das Gebiet in ein Herzogtum umgewandelt, 1815 zum Großherzogtum erhoben, und Niklots Nachfahren herrschten hier bis 1918 in einer kontinuierlichen Linie.

Ähnlich verlief die Entwicklung in den anderen slawischen Gebieten. Die Dänen hatten die Slawenstämme weiter im Osten bis hoch nach Rügen angegriffen und in 22 Kriegszügen zwischen 1159 und 1185 sukzessive die Gebiete an sich reißen können. Spätestens mit der Eroberung Rügens und der damit verbundenen Zerstörung des berühmten Tempels von Arkona im Frühsommer 1168 hatte der Dänenkönig Waldemar I. die Eigenständigkeit der ostslawischen Stämme und ihrer Religion vernichtet. Auf seinen Grabstein ließ er schreiben: „Hier liegt der König der Dänen, Waldemar I., Sohn Knuts des Heiligen, Bezwinger der Wenden, Befreier des unterdrückten Vaterlandes, Bringer und Bewahrer des Friedens. Er bezwang glücklich die Rügenbewohner und führte sie als erste zum christlichen Glauben, nachdem ihre Götterbilder zerstört waren.“ Jaromar, der letzte Fürst der auf Rügen lebenden Ranen, trat zum Christentum über und durfte so seine Herrschaft als Lehnsmann behalten. Eine unabhängige Regentschaft konnte sich hier also auch nicht wieder etablieren.

Ein Phänomen, das in der Forschung als die „Deutsche Ostsiedlung“ bekannt ist, brachte den slawischen Gebieten schließlich das endgültige Aus. Einer der Hintergründe war der starke Bevölkerungszuwachs in Mitteleuropa, der seit der Ottonenzeit eingesetzt hatte. Die Herrscher gingen nun dazu über, in den neu von den Slawen eroberten Gebieten buchstäblich Kolonien anzulegen, komplette Dörfer, die von deutschen Bauern, Handwerkern und Händlern besiedelt wurden. Mit ihnen zog das römisch-deutsche Rechtssystem ins ehemalige Slawenland ein, verbunden mit der Anpassung an die dazugehörigen Verwaltungsstrukturen und Amtshierarchien. Westliche Kultur überlagerte die slawische, die Christianisierung zog sich flächendeckend nun auch durch die unteren Bevölkerungsschichten. Höhepunkt dieser planmäßig angelegten Umsiedlung war das 12. Jh. (nach dem Wendenkreuzzug) für die Gebiete Ostholstein, West-Mecklenburg, Brandenburg, Meißen, Sachsen und die südlicheren Marken, das 13. Jh. für Rügen, Pommern und weiter östlich gelegene Regionen. Die ansässigen slawischen Bevölkerungsgruppen gingen nach und nach in den deutschen Siedlungen mit all ihren Neuerungen in Politik, Verwaltung, Handel, Wirtschaft, Kultur und Religion, ja sogar der Sprache auf. Von einer Verschmelzung kann nicht die Rede sein – die Slawen verschwanden völlig aus dem Licht der Geschichte. Lediglich minderheitliche Reste wie die Sorben haben bis heute überlebt.

* * *

Fortsetzung: Die Slawen – Teil 2: Alltag, Wirtschaft, Religion

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Neue Kommentarpolitik auf „Morgenwacht“: Wie bereits hier unter Punkt 1 angekündigt, am Schluß dieses Kommentars wiederholt als Absicht geäußert und in diesem Kommentar endgültig festgelegt, werden neue Kommentatoren nicht mehr zugelassen und sind die Kommentarspalten nur noch für die bereits bekannte Kommentatorenrunde offen.

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5 Kommentare

  1. Erst neulich, in diesem Zusammenhang, brachte ein Kommentator am feinen Rittergut wieder die schon bekannte Narrheit (die mich schon auf der Alten Media verdroß, und der sich z.T. auch Dikigoros hingibt), daß es genaugenommen gar keine Slawen gäbe: Das angenommene Urslawisch wäre danach eine schiere Kunstsprache (wie Esperanto oder Volapük). Der_Jürgen als Philologe und Polyglott hält, m.E. zu recht, sehr wacker dagegen.

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  2. Ja, das ist die sogenannte „Slawenhypothese“, derzufolge die Slawen im Grunde eigentlich Germanen seien und das bloß nicht wüßten, weil sie bei der Christianisierung zu lange übriggeblieben seien und deshalb eine „pseudo-slawische“ Identität entwickelt hätten (in einer Variante davon wird auch unterstellt, das Vorkommen blonder Haare und blauer Augen unter Slawen käme nur von der Einkreuzung germanischer Gene – als ob diese Merkmale nur von Germanen kommen und kein Teil des gemeinsamen indoeuropäischen/arischen Erbes sein könnten).

    Dabei ist die Christianisierung der Slawen zeitlich ähnlich breit gespreizt abgelaufen wie jene der Germanen und hat im Süden schon recht früh begonnen (im Fall der Slawen u. a. bei den Proto-Slowenen), während im Norden die Schweden ähnlich spät christianisiert wurden wie die Ostseeslawen/Proto-Polen. Und so wie auf germanischer Seite dennoch eine klar erkennbare sprachlich-ethnokulturelle übergeordnete Gemeinsamkeit der germanischen Völker erhalten geblieben ist, war das auch bei den Slawen über den gesamten Raum zwischen der Ostsee und der Adria bzw. dem Schwarzen Meer der Fall.

    Diese „Slawenhypothese“ ist meiner Einschätzung nach bloß die weniger unfreundliche Variante einer großdeutschen Ostexpansions-Übernahmeagenda, wo man sich Gründe dafür zurechtlegt, daß es eigentlich weder ein Genozid an den Slawen noch eine Verfälschung der deutschen Volksidentität wäre, wenn man slawische Völker samt ihren Territorien einem neuen Deutschen Reich einverleiben und assimilieren würde. (Tatsächlich dürfte, wie aus dem obigen Artikel hervorgeht, eine solche wechselseitige Assimilierung zwischen Ostseeslawen/Proto-Polen und proto-deutschen Germanen im Zuge des historischen Hins und Hers zwischen den beiden Völkern in gewissem Ausmaß stattgefunden haben, wobei man auch bedenken muß, daß Familiennamen für gewöhnliche Leute erst ab ungefähr dem 12. Jahrhundert üblich wurden, weshalb diese Vermischung mit Slawen weniger Spuren in dieser Form hinterlassen haben dürfte, als ihrem tatsächlichen Ausmaß entspricht. Dennoch gibt es auch eingedeutschte slawische Namen aus späteren Vermischungen unter Deutschen, u. a. solche, die auf -itz oder -witz enden – denkt z. B. an Pannwitz und Clausewitz! Daher dürften die Deutschen vor allem in den östlichen Regionen im Durchschnitt doch slawischer sein, als deutschnationale Polenallergiker und andere Slawenverächter wahrhaben wollen).

    Die feindseligere Variante der deutschnationalen Ostexpansions-Übernahmeagenda stellt dagegen die Slawen als ethnisch-rassisch minderwertig dar, als eine Art weiße Neger, denen man doch einen Gefallen täte, wenn man sich als Herrenvolk über sie setze, weil sie es ohnehin bräuchten, daß man ihnen anschafft, was zu tun ist („denen nützt ihre Scheiss-Freiheit doch gar nichts!“). Ich weiß, wovon ich da rede, denn einer aus unserem ehemaligen AdS-Team hat genau diese Ansicht vertreten (ein anderer hing der „Slawenhypothese“ an), weshalb ich da immer den Deckel draufhalten mußte.

    Artikel wie den obigen Zweiteiler gibt es in den Karfunkel-Heften, die ich habe, auch über andere europäische Völker aus dem Zeitraum Völkerwanderung/Frühmittelalter, z. B. über die Bajuwaren und die Alemannen, und die möchte ich irgendwann in der Zukunft auch einmal hier bringen. Derzeit habe ich jedoch einen Themenblock „Slawen-Rußland“ zur Veröffentlichung vorgesehen, in dessen Rahmen demnächst Jaroslaw Ostrogniews Vierteiler über Alexiej Shiropajews Rußland-Buch „Gefängnis der Nation“ sowie ein Artikel über die Wiederhereinnahme der zuvor vertriebenen Juden nach Rußland durch Zarin Katharina II. („die Große“) erscheinen werden.

    Antwort
  3. hanss

     /  Januar 30, 2019

    Es ist schon erstaunlich wie der Mythos einer angeblichen Slawischen Ethnien sich verbreitet, für die es keinerlei Biologische nachweise,und deren angebliche Existenz
    erst im 18jahundert mit den Panislamischen Kongress in die Welt gesetzt wurde aus machtpolitischen gründen

    Antwort
  4. Den obigen Kommentar von hanSS habe ich jetzt mit halbjähriger Verspätung doch aus dem Papierkorb freigeschaltet, um anhand dieses Beispiels etwas aufzuzeigen.

    Luftpost schreibt in Israels Palästinenserpolitik als Modell für die künftige Europäerpolitik der JWO:

    „Ich denke, es wird immer deutlicher, dass wir selbst in unserer eigenen Heimat durch Ansiedlungspolitik zu Palästinensern gemacht werden, und es wird auch uns inzwischen wie den Palästinensern eine eigene Volksidentität abgesprochen, und deshalb ist es interessant zu erfahren, was dort in der Region geschieht und wie Entwicklungen, die uns treffen dort ihren Anfang haben.“

    Genau diese jüdische Linie, nämlich anderen Völkern, die man samt ihrem Gebiet vereinnahmen will, eine eigene Volksidentität abzusprechen, vertreten deutsche Nazis, Polenallergiker und Slawenfresser gegenüber den Slawen.

    Deitsch ah nix kannter, nischta nesna.

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  5. Den letzten Satz in meinem vorherigen Kommentar habe ich aus dem untenstehenden Sketch von Lukas Resetarits entlehnt, wo er zwei Gastarbeiter in einer Wiener Straßenbahn spielt, den schon länger hier befindlichen Jugoslawen Kolaric und einen Türken, der Kolaric fragt, „wo muß fahren Thaliastraße“. An einer Stelle sagt Kolaric „Finf Jahre isser scho da und nix waaßter vom Auskennen, Deitsch ah nix kannter, nischta nesna.“ Die beiden geraten schließlich in Streit, bis ein Wiener (auch Resetarits) sich zu ihnen umdreht und schimpft: „Werdt’s es a Ruah geb’n, es zwa Flohdack’n beinander?“

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