Christentum und Nationalismus: Eine warnende Geschichte

Charles Maurras

Von Robert Hampton, übersetzt von Lucifex. Das Original Christianity & Nationalism: A Cautionary Tale erschien am 6. Dezember 2018 auf Counter-Currents Publishing.

Die Debatten darum, ob Identitäre das Christentum annehmen oder aufgeben sollten, ist eine Frage, die innerhalb der breiteren Bewegung immer noch ungelöst bleibt.

Letzte Woche stürzte Quintilian sich ins Getümmel und bot ein durchdachtes Argument dafür, warum weiße Nationalisten das Christentum annehmen sollten. Der Autor glaubt, daß weiße Nationalisten auf das korrumpierte Bild des modernen Christentums hereingefallen sind und die Herrlichkeit des traditionellen Glaubens nicht sehen.

Laut Quintilian ist das Christentum wesentlich für die Schaffung eines Ethnostaates, und Nationalisten müssen danach streben, es in seinem traditionellen Zustand wiederherzustellen. Aber Identitäre sollten argwöhnisch gegenüber der Möglichkeit sein, daß ein wiederhergestelltes und konservatives Christentum für unsere Sache zugänglich sein würde.

Tatsächlich könnte dieses wieder auflebende Christentum mehr geneigt sein, gegen unsere Bewegung zu kämpfen, ungeachtet dessen, wie sehr wir Hingebung für den Glauben bekennen. Quintilian beklagt das Zweite Vatikanische Konzil als das Ereignis, das die historische Religion zerstörte, aber die Kirche war unseren Überzeugungen schon feindlich gesinnt, lange bevor die Bischöfe sich 1962 in Rom trafen. Nehmt zum Beispiel die tragische Geschichte der Action Française.[1]

Charles Maurras‘ reaktionäre nationalistische Bewegung wollte die Monarchie wiederherstellen, die Trennung von Kirche und Staat beenden und Frankreichs traditionelle katholische Identität erhalten. Sie war fest gegen den Liberalismus, und viele ihrer wirtschaftlichen und politischen Überzeugungen waren fest im Einklang mit der katholischen Soziallehre. Maurras selbst war ein Agnostiker, aber er argumentierte für die Notwendigkeit des katholischen Glaubens und war sehr darauf bedacht, klerikale Befürchtungen wegen seiner Religionslosigkeit zu beschwichtigen. Dies hätte eine Bewegung sein sollen, die die Kirche voll unterstützte, und in ihren frühen Jahren taten viele Kleriker das. Die Bewegung stellte die meisten der militanten Aktivisten in katholischen Kämpfen gegen die Kräfte des Säkularismus und Liberalismus in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts.

Und doch begannen viele Kirchenintellektuelle die Action Française zu verdächtigen, zu militant zu sein, zu politisch, zu nationalistisch und komischerweise auch zu heidnisch. Kleriker begannen zu argwöhnen, daß die Nationalisten junge Katholiken zu einer Ideologie hinzogen, die nicht von der Kirche kontrolliert wurde. Die Kirchenführer zogen ein sichereres politisches Portal vor, das die Jugend dazu anleitete, den Anweisungen von Priestern zu folgen statt pro-katholischen Agnostikern.

1926 gab der Vatikan eine formelle Verurteilung der Action Française heraus, setzte ihre Publikationen auf den index liborum prohibitorum [Index verbotener Bücher], verweigerte jedem die Kommunion, der mit der Bewegung in Verbindung stand, und säuberte den Klerus von Sympathisanten.

Dies war die Kirche vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil, geführt von einem konservativen Papst. Anders als jede rechte Bewegung heute hatte Action Française reichlich Bischöfe, die bereit waren, für die richtige Christlichkeit von Maurras‘ Zeitung und Politik zu bürgen. Direkt vor der Verurteilung gelobten die Führer der Bewegung gegenüber katholischen Autoritäten, daß sie dem Glauben treu seien. All das war vergebens, da die Kirche mit Freuden einer verbündeten Bewegung ins Knie schoß, die sie nicht kontrollieren konnte.

Diese Verurteilung wurde nicht von liberalen Modernisten erlassen, die wollten, daß die Kirche toleranter und heterodoxer sein sollte. Maurras wurde angegriffen, weil er nicht dem traditionellen Dogma anhing, und wegen seines Mangels an echter Frömmigkeit. Seine Bewegung wurde als gefährlich angesehen, weil sie die Jugend zu nationalistisch und zu fasziniert von klassischen Idealen machte. Katholische Führer waren nicht wegen deren Antiliberalismus gegen die Bewegung – es war einfach, weil Action Française nicht direkt von der Kirche kontrolliert wurde, und weil ihre unorthodoxen Ideen populärer waren als von der Kirche sanktionierte.

Die Kirche war auch der Falange aus den gleichen Gründen feindlich gesinnt, aus denen sie die Action Française verurteilte, zusammen mit dem Vorwurf, José Antonio Primo de Rivera sei ein „Bolschewist“, weil er vernünftige Sozialreformen wollte. Obwohl die Falange fest gegen den Liberalismus war, die Kirche gegen linke Angriffe verteidigte und Spaniens traditionelle katholische Identität betonte, mochten die Kirchenoberen die Bewegung wegen deren Ultranationalismus, angeblichen Kryptoheidentums und maskuliner Werte nicht.[2]

Diese Feindseligkeit war vom konservativen Papst Pius XI nicht anders zu erwarten, der für den Großteil dieses Zeitraums als Stellvertreter Christi diente. Pius XI wird als ein Mann betrachtet, der traditionelle Kirchenlehren gegen die Modernisten hochhielt, die Papst Pius X verabscheute, und er ist insgesamt ein Repräsentant der Ära, zu der der Westen nach Quintilians Wunsch zurückkehren soll. Jedoch war das Christentum von Pius XI sehr gegen Rasseorientiertheit und Nationalismus. Er sprach sich mehrere Male gegen rassisches Denken aus und betonte, daß „katholisch universal bedeutet“ und die Welt nach Nationalität und Rasse zu unterteilen sei „gegen den Glauben Christi.“ Er befahl kurz vor seinem Tod 1939 den Entwurf einer Enzyklika, die Rasseorientiertheit und Antisemitismus aggressiv verurteilen sollte. Die Enzyklika wurde nie veröffentlicht, aber viele ihrer Ideen fanden ihren Weg in die erste Enzyklika von Pius‘ XI Nachfolger Pius XII. Dieses Werk, Summi Pontifactus, behauptete, es gebe keine echten Rassenunterschiede, da wir alle Teil einer menschlichen Rasse seien.

Quintilian gibt dem Modernismus die Schuld an der schließlichen Korrumpierung der Kirche, und dies mag stimmen, wenn es um die scheußliche Liturgie moderner Messen geht. Aber der Modernismus ist nicht das, was die Kirche rassenegalitär und feindlich gegenüber nationalistischen Bewegungen machte. Es ist ein Merkmal, das von Anfang an im Christentum zu finden war und nur durch die Bedürfnisse der säkularen Gesellschaft gemäßigt worden ist.

Wir können diese säkulare Mäßigung in Polen und Ungarn sehen, den beiden Beispielen für den christlichen Nationalismus, den Quintilian sich vorstellt. Die Beziehung zwischen der Kirche und osteuropäischen Nationalisten ist nicht so harmonisch, wie man sich vorstellen würde, aber die Kirche hält sich bei ihrem Dissens wegen der Forderungen der säkularen Gesellschaft zurück. Polens führende katholische Bischöfe haben seit langem darauf gedrängt, daß das Land nichtweiße Migranten aufnimmt und seine Anstrengungen zur Säuberung von Kommunisten aus der Justiz einstellt. Manche katholische Führer in dem Land sind so weit gegangen, die Einwanderungspolitik der amtierenden Regierung als „unchristlich“ zu verhöhnen.

Die Kirchenhierarchie in Ungarn ist ein wenig besser, da sie mit Papst Franziskus wegen der aggressiven Pro-Migranten-Haltung des Pontifex debattiert hat. Aber sogar dort drängen prominente Kirchenführer immer noch auf eine liberalere Einwanderungspolitik, wenngleich in milderem Ton als ihre westlichen Kollegen.

Der Grund, warum die Kirche in Polen und Ungarn in ihrer Kritik am Nationalismus leiser ist, hat weniger damit zu tun, daß sie identitäre Argumente bei Thomas von Aquin gefunden hätte, als mit ihrer Furcht, ihre Schäfchen zu verstimmen. Die große Mehrheit der Polen und Ungarn wollen ihre Länder weiß halten, ungeachtet dessen, ob dieser Wunsch mit der Kirchenlehre übereinstimmt. Durch die Jahrhunderte hat die Kirche ihre Lehren und ihre Tonart angepaßt, um das breiteste Publikum zu erreichen. Die Vorherrschaft des säkularen Liberalismus in Westeuropa und Amerika veranlaßt die Kirche dazu, in LGBT-Fragen netter zu klingen und Gott als euren persönlichen Therapeuten anzupreisen.

In einer Gesellschaft, wo Nationalisten den Diskurs kontrollieren, würde die Kirche sich in ähnlicher Weise den Umständen anpassen, wie Greg Johnson aufgezeigt hat. Aber zuerst muß man die Macht gewinnen und die Kultur dramatisch verändern, um diesen Effekt zu sehen. Eine von weißen Nationalisten angetriebene „Wiederherstellung“ des Christentums außerhalb einer Machtergreifung wird nicht passieren. Das institutionelle Christentum wird sich weiterhin gegen uns stellen, bis dieser Tag kommt, ungeachtet dessen, wie christlich wir heute erscheinen. Fragt einfach Italiens Lega Nord, die die Kruzifixe wieder in die Klassenzimmer bringen will und das Evangelium als ihre Grundlage beansprucht. Die nationalistische Partei erhält von der Kirche nur Feindseligkeit.

Das Wiederaufleben eines traditionelleren Christentums würde unserer Sache nicht unbedingt helfen. Es würde uns als Feind sehen und uns gegenüber wahrscheinlich so feindselig sein wie die korrupten Institutionen, mit denen wir es jetzt zu tun haben. Wie man am Beispiel der Action Française sieht, wird man, wenn man sich als christliche Bewegung definiert, den Meinungen von Priestern und Pastoren verpflichtet. Der Klerus würde ein strenges Festhalten am christlichen Dogma wollen und keine „innovativen“ rasseorientierten Lesarten der Schrift und Tradition vermitteln. Er würde es vorziehen, daß wir uns auf Nebenthemen wie das Verbot von Enpfängnisverhütungsmitteln fokussieren statt auf den Schutz unseres Volkes vor demographischer Verdrängung. Er würde uns sagen, daß afrikanische und lateinamerikanische Christen unsere Brüder sind und daß es keinen guten Grund gibt, sie aus unseren Ländern auszuschließen.

Gegen diese Maßnahmen zu sein, würde eine Verurteilung unserer Bewegung und deren Mitgliederschwund riskieren.

Identitäre müssen Christen ansprechen, um den Sieg zu gewinnen, aber wir dürfen uns nicht durch das Christentum definieren lassen. Unsere besten Argumente sind säkularer Art und sollten Europäer ungeachtet dessen ansprechen, ob sie christlich, heidnisch oder atheistisch sind. Wir haben nur eine begrenzte Menge an Energie und politischem Kapital, und wir müssen unsere Kämpfe klug wählen. Unsere begrenzte Energie auf die Wiederherstellung des Christentums in seinem Zustand vor dem 20. Jahrhundert zu verschwenden, wäre ein schwerer Fehler ohne echte Belohnung.

Fußnoten:

[1] Action Francaise: Royalism and Reaction in Twentieth Century France.

[2] Stanley G. Payne, Fascism in Spain: 1923-1977.

*   *   *   *   *   *   *   *

Siehe auch:

Rußland: Ein Musterbeispiel für christlichen Nationalismus? von Robert Hampton

Christentum und europäische Identität von Greg Johnson

Über Europa und „den Glauben“ von Andrew Joyce

Das Wesentliche von Kevin Alfred Strom

Europa und der Islam vom ehemaligen Diözesanbischof Dr. Egon Kapellari

Der Votivkirchenschwindel: Kirche, Caritas und Diakonie packeln mit der Asylmafia von mir (als Deep Roots, unter Verwertung eines Gastbeitrags aus „Andreas Unterbergers Tagebuch“)

„Way of hope“: die interkulturellen christlichen Bereicherungsförderer von mir (als Deep Roots)

*     *     *

Neue Kommentarpolitik auf „Morgenwacht“: Wie bereits hier unter Punkt 1 angekündigt, am Schluß dieses Kommentars wiederholt als Absicht geäußert und in diesem Kommentar endgültig festgelegt, werden neue Kommentatoren nicht mehr zugelassen und sind die Kommentarspalten nur noch für die bereits bekannte Kommentatorenrunde offen.

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3 Kommentare

    • “ …ging der aus der Schule des Thomas v. Aquin kommende,
      aristotelisch argumentierende Johannes Quidort (Johannes von Paris) 1302 bereits davon aus,
      daß das Königtum das Gemeinwohl der natürlichen politischen Gemeinschaft am besten
      wahre, da eine Weltmonarchie der natürlichen Verschiedenheit der Völker, ihrer
      Lebensbedingungen und ihrer Kultur nicht gerecht werden könne. Deshalb müsse es mehrere Reiche geben, während die Universalität strikt spirituell zu verstehen sei … “

      Erfreulich zu lesen, daß es schon vor siebenhundert Jahren verständige Menschen gab.

      Antworten
  1. zippelmütz

     /  Januar 27, 2019

    Der Schüßlburner ist lesenswert. Zwar recht trocken-akademisch, aber er zeigt auf, wie die neuzeitliche Balance des europäischen Staates am Kippen ist und den Islam inzwischen geradezu ansaugt. Daß er dazu auch Byzanz, Indien, Indonesien, China und Japan in seine Religionspolitikbeobachtungen einbezieht, hat trotz sehr kursorischer Form einen gewissen Informationswert.

    „Von ausschlaggebender Bedeutung für die hier interessierende Betrachtung ist dabei, daß mit der amerikanischen Zivilreligion als derzeit maßgeblicher Form der gnstischen Unterströmung die bisherige Verteidigungsposition der westlichen Demokratien gegenüber konkurrierenden politreligiösen Strömungen erheblich geschwächt werden dürfte, wonach Fortschritt und Demokratie die Trennung der politischen und religiösen Ebenen erforderlich machen. Vielmehr wird der Amerikanismus die ohnehim mit quasireligiösen Fiktionen notwendiger Weise verbundene Demokratie – schon der antiken Entwicklung entsprechend – zur offenen Religion machen und damit die Erfolge der Aufklärung seit der Renaissance gefährden und schließlich revidieren. da der Amerikanismus aber keine wirkliche Religion sein kann und letztlich auch nicht sein will, wird er nur die bestehenden Religionen dekonstruieren, womit sie leichter von einer anderen Religion abgelöst werden können. Entwicklungen der bundesdeutschen Zivilreligion könnten dabei deutlich machen, wer oder was den Sieg davon tragen dürfte.“

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