Die Bedeutung des Glaubens: Terry Pratchetts Hogfather

Von Howe Abbott-Hiss, übersetzt von Lucifex. Das Original The Importance of Believing: Terry Pratchett’s Hogfather erschien am 23. Januar 2019 auf Counter-Currents Publishing.

Der verstorbene britische Romanautor Terry Pratchett (1948 – 2015) war hauptsächlich für seine Scheibenwelt-Serie komischer Fantasyromane bekannt, von denen einer der populärsten, Hogfather, im Jahr 2006 zu einer BBC-Miniserie verarbeitet wurde. [Einschub des Übersetzers: Dieser Roman erschien auf Deutsch unter dem Titel „Schweinsgalopp“, und die titelgebende Figur des Hogfather heißt dort Schneevater.] Pratchett war ein säkularer Humanist, teilte aber nicht den bedauerlichen Glauben mancher Atheisten, daß etwas Schändliches am Glauben selbst sei. Stattdessen wertet er in Hogfather das Ringen zwischen Glauben und Fantasie – die er als notwendige Teile des Menschseins typisiert – und einer kalten, mechanischen und fantasielosen Weltsicht auf. Dabei bringt er interessante Argumente über die Natur und den Wert des Glaubens, die für gegenwärtige kulturelle Fragen relevant sind.

Die Handlung zentriert sich um einen Versuch undurchsichtiger Erscheinungen, genannt Revisoren [im Original: Auditors], den Schneevater zu eliminieren, eine mythische Figur, die auf dem Weihnachtsmann beruht. Die Revisoren werden als „das Beamtentum von allem“ beschrieben, die hauptsächlich daran interessiert sind, „das Universum zu betreiben – sicherzustellen, daß die Schwerkraft funktioniert und die Atome rotieren.“ – Sie erscheinen als von menschlichen Wesen verschieden, und ihr physisches Erscheinungsbild sind leere Kapuzenroben. Ihre Mentalität ist ähnlich unmenschlich; als auf der Grundlage objektiver Regeln Denkende verachten sie die menschliche Neigung zu Fantasie und Mythologie, von daher also ihr Interesse, den Schneevater zu beerdigen.

Die Revisoren haben keine individuellen Identitäten und scheinen keine körperliche Substanz zu haben, was die Redewendung „leere Anzüge“ heraufbeschwört.

Die Revisoren repräsentieren nicht nur Regierungsbürokraten, sondern auch verschiedene andere Philister in Autoritätspositionen in Vergangenheit und Gegenwart. Eines der historisch ungeheuerlichsten Beispiele war der Kommunismus, unter dem kein anderer Glauben als jener an die kommunistische Doktrin toleriert und Spiritualität brutal unterdrückt wurde. Aber selbst in vorgeblich freieren westlichen Gesellschaften gibt es keinen Mangel an Menschen, die sich mit dem Funktionieren einer Gesellschaft auf praktischer Ebene befassen, aber bestreiten würden, daß ungreifbare Eigenschaften wie Kreativität für eine Zivilisation gleichermaßen notwendig sind wie Gesetze und Papierkram. Solche Leute haben gegenüber diesen Dingen in manchen Fällen eine geradezu feindliche Haltung; tatsächlich wird die westliche Gesellschaft in der Gegenwart wohl von Menschen eines Typs dominiert, der so wenig Respekt für Humor hat, daß sie Komiker für ihre Witze strafrechtlich belangen.

Die größte Stadt im Scheibenwelt-Universum heißt Ankh-Morpork, und dort findet der Großteil der Handlung statt. Die Stadt toleriert offiziell Mord innerhalb des Kontexts einer Assassinengilde, und dort setzen die Revisoren einen Preis auf den Kopf des Schneevaters. Die Assassinen werden von einem Lord Downey angeführt, der einen bizarren, aber fähigen Verbrecher namens Jonathan Teatime [in der deutschen Fassung Herr Kaffeetrinken] beauftragt. Im Austausch für diesen Dienst wird Teatime eine Beförderung zum Vollmitglied der Assassinengilde angeboten sowie eine mögliche nachsichtige Behandlung in einer Forderung gegen ihn wegen seiner unautorisierten Tötung der Hunde einer seiner Zielpersonen.

Jonathan Teatime (Marc Warren), der Auftragsmörder, der auf die Eliminierung des mystischen Schneevaters angesetzt wird.

Der Name „Teatime“ ist angeblich ein Verweis auf den Roman The Long Dark Teatime of the Soul des verstorbenen britischen Schriftstellers Douglas Adams, aber der Name und die Einstellung des Charakters dazu deuten auch etwas über die Natur des Übels an, das er verkörpert. Er scheint etwas völlig Banales zu sein; als Susan erstmals hört, wie er ihn ausspricht, antwortet sie: „Sie meinen ungefähr halb fünf Uhr nachmittags?“, was ihn wie eine alltägliche Sache im wörtlichsten Sinn klingen läßt. Sein eigener Hintergrund ist ähnlich weit davon entfernt, etwas Herausragendes zu sein: er war ein Waisenkind und nur mit der Hilfe eines Stipendiums ein Schüler der Assassinengilde. Aber Teatime besteht durch die ganze Geschichte hindurch darauf, daß sein Name auf verschiedene kreative Weise ausgesprochen wird, wie um darauf zu beharren, daß er nicht die Art von gewöhnlichem Mann ist, dessen Nachname einfach ein englisches Hauptwort ist. Die Revisoren zeigen ebenfalls diese Art von Überheblichkeit. Sie erscheinen als sehr mächtig, in gewissem Sinne weit über gewöhnlichen Menschen stehend, aber ihre Geisteshaltung ist bloß einer der alltäglichen Bigotterie und Konformität.

Der Schneevater ist ein mythologischer Charakter und kann daher nicht mit gewöhnlichen Mitteln getötet werden. Stattdessen wird er wie die Gottheiten in Pratchetts früherem Roman Small Gods in dem Maß schwächer, wie weniger Menschen an ihn glauben. Teatimes Plan ist daher, die Bevölkerung vom Glauben an den Schneevater abzubringen, und hierfür beschließt er, die Zahnfee zu besuchen. Beruhend auf dem alten Aberglauben, daß man mit einem Körperteil eines anderen, sogar einem Zahn, magischen Einfluß auf ihn haben kann, überfallen er und seine angeheuerten Komplizen den Zahnspeicher im Schloß der Zahnfee. Praktisch jeder Lebende hat der Zahnfee einen Zahn gegeben, daher ist dies die beste Gelegenheit für Teatime, die Leute dazu zu zwingen, nicht mehr zu glauben, mit der unwilligen Hilfe eines unglücklichen Zauberers, der die notwendigen Zaubersprüche einsetzt.

Der Schneevater selbst, wie er in einer Skizze dargestellt ist, die ein Revisor dem Oberhaupt der Assassinengilde gibt.

In einer Rede von 2014 über die globale konsumistische Monokultur, die verschiedene Identitäten und Kulturen auszuradieren droht, charakterisiert Jack Donovan den Feind als „das Nichts.“ Dies ist ein Verweis auf Die unendliche Geschichte, den westdeutschen Film von 1984, in dem ein durch Fantasie geschaffenes Reich allmählich von einer Leere auseinandergerissen wird, nachdem die Menschen aufhören, überhaupt auf irgendetwas zu hoffen oder davon zu träumen. Donovan argumentiert, daß das Problem eine ähnliche Leere ist, ein Mangel an Kulturwerten wie Loyalität und Diskriminierung, ohne die Menschen einfach das tun, was leicht, angenehm und profitabel erscheint. Aber Pratchett charakterisiert den Verlust des Glaubens auf andere Weise. Eine denkende Maschine, genannt Hex, erklärt die Manifestation seltsamer neuer Kreaturen und Gottheiten damit, daß die Menschen den Glauben an den Schneevater zu verlieren beginnen: „Es gibt eine endliche Menge an Glauben im Universum“, und „es folgt daraus, daß es, wenn ein Hauptfokus des Glaubens entfernt wird, überschüssigen Glauben gibt“, der sich auf neue Subjekte fokussieren wird. Dies ist eine Umformulierung eines apokryphen Zitats, das G. K. Chesterton zugeschrieben wird und besagt, daß Menschen, wenn sie aufhören, an Gott zu glauben, nicht an nichts glauben, sondern vielmehr dazu fähig werden, an alles Mögliche zu glauben.

In vielen Fällen verlagern diejenigen, die an einer traditionellen Religion zu zweifeln oder sie abzulehnen beginnen, einfach ihre existierenden Einstellungen auf ein neues Subjekt. Dies bedeutet nicht bloß die Entwicklung einer anbetenden Haltung gegenüber Idolen wie einer politischen Ideologie oder Regierungen, sondern erstreckt sich sogar auf bestimmte Dogmen. So wie weniger Menschen an das traditionelle Christentum glauben, ist die Doktrin der Erbsünde sowohl vom Klerus als auch von säkularen Gruppen dahingehend geändert worden, daß sie sich auf das „Weißenprivileg“ bezieht, das das Weißsein selbst dämonisiert. Der Wunsch von Eiferern, Ketzer zu verfolgen, besteht in Verbindung damit fort und richtet sich nun gegen „Rassisten“ und andere in der Form von ritueller Diffamierung.

In Hogfather wird, während manche neue Glauben wie jener an das sockenfressende Monster im Grunde harmlos sind, diese Realität der bösartigen Glaubensrichtungen, die die von traditionellen hinterlassene Lücke füllen, ebenfalls erkannt. Teatime prahlt, daß die Menschen bald glauben werden, was immer er sie glauben lassen will, und wenn man seine psychopathische Persönlichkeit bedenkt, wird das wahrscheinlich nichts Gesundes sein.

Leider werden sowohl Hogfather als auch manche von Pratchetts anderen Werken, wie Equal Rites, durch perverse feministische Fantasien verhunzt, die unwissentlich demonstrieren, daß Fantasie nicht immer gesund ist. In etwas, das der Tropus vom „arschtretenden Elfchen“ genannt worden ist, werden Frauen als Actionheldinnen präsentiert, die fähig sind, Männer im Kampf zu besiegen. Eine ähnliche Fantasie stellt eine durchsetzungskräftige und tüchtige Frau einem Kasper von einem Mann gegenüber, um ihr zu schmeicheln und ihn herabzusetzen. In Hogfather sind diese beiden Themen im Charakter der Susan Sto Helit verkörpert, der Heldin der Geschichte.

Der Tod ist ein Charakter in der Geschichte, dargestellt als die vertraute Sensenmannfigur, und Susan ist – seltsamerweise – seine Enkelin. Obwohl er als Skelett klarerweise steril ist, adoptierte er Susans Mutter, daher also das unwahrscheinliche Familienverhältnis, und Susan hat irgendwie einige seiner übernatürlichen Kräfte geerbt. Sie und der Tod sind nun im Kampf gegen Teatime und seine Vertragsgehilfen verbündet.

Um die Menschheit gegen den Zynismus zu verteidigen, ist der Tod gezwungen, lustig zu werden.

Susan wird als eine Frau dargestellt, die verschiedene Feinde im Kampf besiegen kann, angefangen mit einem Monster in ihrem Keller, das ein jüngeres Mädchen in ihrer Obhut verängstigt hat. Sie schlägt das Monster mit einem Schürhaken, verschnürt es in einem Sack und wirft es in die Kälte hinaus, während es anscheinend immer noch am Leben ist, was ein überraschendes Maß an Grausamkeit andeutet. Sie ist als Gouvernante angestellt, und ihr aufgeblasener Arbeitgeber und seine Freunde schmunzeln über die Neuartigkeit, daß eine Frau ein Monster besiegt, während sie klar machen, daß sie glauben, sie hätte mit diesem Szenario nur einen psychologischen Trick gegenüber dem Mädchen abgezogen. Die Gruppe soll hier als sowohl sexistisch als auch ignorant gesehen werden, wobei ihr Arbeitgeber sogar das Wort „psychologisch“ falsch ausspricht.

Ein altes männliches Monster bittet darum, vor der schrecklichen Flauschigkeit und Häschenhaftigkeit der Decke eines Mädchens verschont zu werden.

Susan konfrontiert als nächstes ein weiteres Monster, das sich unter dem Bett des Mädchens versteckt, zerrt diesen gehörnten alten Mann an seinem Haar heraus und bedroht ihn. Sie droht, seinen Kopf auf die Decke zu legen, falls er zurückkehrt, und sie lügt, daß „flauschige Häschen darauf sind“, worauf er jämmerlich fleht: „Nein, keine flauschigen Häschen!“ Als friedliche und knuddelige Tiere, auf die mit niedlichen Worten Bezug genommen wird, repräsentieren die Kaninchen die Weiblichkeit, und sie schüchtern den Mann ein und erniedrigen ihn. Dies stimmt mit der populären feministischen Prahlerei überein, daß männliche Autoritäten Angst vor Frauen hätten, was nicht nur benutzt wird, um Frauen zu schmeicheln, sondern auch um zu unterstellen, daß Männer schwach seien und ihre Autorität illegitim sei. Sie verbannt ihn zuletzt mit einer übernatürlichen Befehlsstimme, in einer von vielen Szenen, die ihre außergewöhnlichen Kräfte in deutlicher und schwelgerischer Weise demonstrieren.

Die Heldin wird nicht nur im Kampf lächerlichen männlichen Charakteren gegenübergestellt, sondern auch in einem Kontext, der freundlicher, aber für den Mann um nichts weniger erniedrigend ist. Eine Gottheit namens Bilious, der „Oh-Gott-des-Katzenjammers“, manifestiert sich als kränklich blasser und anfangs stark betrunkener Mann. Susan, die wiederum eine männliche Rolle einnimmt, rettet ihn aus einer Gefahr und bringt ihn bewußtlos zur Ungesehenen Universität, wo sie die fragwürdige Hilfe tatteriger alter männlicher Akademiker in Anspruch nimmt. Nachdem es ihrem Zaubertrank gelingt, ihn auszunüchtern, besteht er darauf, sie auf ihrer Reise zum Schloß der Zahnfee zu begleiten, um Teatime zu stellen. Auf ihre Frage, ob er in einem Kampf helfen könne, antwortet er: „Ja, ich könnte Leuten schlecht werden lassen“, und eigentlich überschätzt das seine Nützlichkeit für sie. Obwohl er schließlich als Angebeteter für die fast gleichermaßen lächerliche Zahnfee dient, ist sein Hauptzweck, Susan im Vergleich kompetenter und respektabler aussehen zu lassen, ganz zu schweigen von attraktiver.

Susan, eine aggressive und fähige Frau, wird neben Bilious gestellt, den clownesken Gott des Katzenjammers.

Susan besiegt schließlich Teatime zweimal im Kampf, was in seinem Untergang endet. Im finalen Fall werden die Kinder in ihrer Obhut sogar Zeugen der Tötung und applaudieren ihr, was an das sarkastische Klischee „und dann klatschten alle“ erinnert, das in den sozialen Medien benutzt wird, um diejenigen zu verspotten, die selbstverherrlichende Lügengeschichten erzählen. Tatsächlich ist das ganze Konzept von Frauen als Actionheldinnen eine Lüge, ohne einen Wert außer als seichter Kitzel. Mit sehr wenigen Ausnahmen ermutigt solch eine Fantasie Frauen dazu, sich mit der einen Sache zu identifizieren, die am weitesten von dem entfernt ist, wofür sie von Natur aus geeignet sind, und die sie daher in der Wirklichkeit nie erreichen können. Vielleicht würde dies aus einer kaltschnäuzigen Wirtschaftsperspektive Sinn machen; es macht sie weniger zufrieden mit der Wirklichkeit und daher eher dazu bereit, Geld für eskapistische Unterhaltung auszugeben. Aber aus der Perspektive von jedem, der darauf hofft, daß Menschen Erfüllung in der Wirklichkeit finden, ist dies giftig.

Die Geschichte präsentiert eine erfrischende Abweichung von der gängigen Platitüde, daß jeder unabhängig denken und alles in Frage stellen sollte. Eine Befürwortung von bedingungslosem Glauben gibt es, als das sture Festhalten des begriffsstutzigen Banjo an der Mythologie und Tradition seiner Kultur letztendlich zu Teatimes Niederlage führt. Banjo, der anfänglich durch seinen handlungsfähigeren Bruder Medium Dave in Teatimes Unternehmungen verwickelt wird, ist überrascht, als er schließlich aus den eigenen Prahlereien des Assassinen von Teatimes Plänen erfährt. Er ist gequält von der Vorstellung, daß es keinen Schneevater mehr geben könnte, und behauptet beharrlich: „Es muß einen Schneevater geben. Es gibt immer einen Schneevater“, und er fügt hinzu, daß es ohne ihn den Feiertag, an dem er Geschenke verteilt, nicht geben könnte.

Banjo informiert Teatime, daß es böse ist, Mädchen zu schlagen.

Es ist dieser Kummer, der Banjo dazu bringt, Teatimes Befehl zur Ergreifung Susans nicht zu gehorchen und stattdessen dem erinnerten Gebot seiner repressiven Mutter zu gehorchen, Mädchen nie auch nur anzurühren, ganz zu schweigen davon, sie über die Treppe hinunterzuwerfen, wie Teatime es von ihm will. Er packt stattdessen Teatime, unterbricht damit seinen Angriff auf Susan und ermöglicht ihr schließlich, ihn zu besiegen. In einer späteren Szene ist sie es, die Teatime endlich tötet. Noch einmal, es ist der ihm beigebrachte Gehorsam gegenüber den Regeln, nicht unabhängiges Denken, der es ihm ermöglicht, Susan zu retten und dadurch die Gesellschaft gegen die Kräfte des Zynismus zu verteidigen.

Pratchett vermeidet dankenswerterweise die populäre moderne Einbildung, daß Religion oder Mythos einfach eine Anpassung an verschiedene menschliche Schwächen sei und existiere, um Trost zu geben oder „das Leben erträglich zu machen.“ Nahe dem Ende des Films meint Susan das und wird vom Tod korrigiert, der erklärt, daß Menschen „Fantasie brauchen, um menschlich zu sein“, und Übung im Glauben an „kleine Lügen“ wie die Zahnfee brauchen, um an große „Lügen“ wie „Gerechtigkeit, Gnade [und] Pflicht“ zu glauben. Wie der Tod erläutert, existieren diese Dinge in dem Sinn nicht, daß sie nicht objektiv beobachtet oder gemessen werden können. In Wiedergabe des mechanischen Denkens der Revisoren erklärt er, daß man, wenn man „das Universum nimmt und zu feinstem Pulver zermahlt, und es durch das feinste Sieb siebt, nicht ein Atom Gerechtigkeit, nicht ein Molekül Gnade“ finden kann. Und doch stellt er sich schließlich auf die Seite der Menschen, die „den Glauben an Dinge brauchen, die nicht wahr sind. Wie sonst könnten sie wahr werden?“ Damit, können wir annehmen, meint er nicht nur, daß Menschen Überzeugungen brauchen, um ihr eigenes höheres Potential zu verwirklichen, sondern daß manche Dinge tatsächlich durch Glauben wahr gemacht werden.

Die meisten Menschen im Westen sind einer Propaganda ausgesetzt gewesen, die in extremem Maß von der objektiven Wirklichkeit abweicht und unterstellt, daß unsere Gedanken die Wirklichkeit auf absurde Weisen verändern, wie die Idee, daß unsere unbewußten rassischen Voreingenommenheiten die Dysfunktionalität der Schwarzen verursachen. Abgestoßen von dieser Art von Fantasie und den Mißbräuchen in der realen Welt, die sie ermöglicht, werden manche vielleicht mehr wie die Revisoren und betrachten jedes Anzeichen von Romantik mit Argwohn, aber dies wäre ein Fehler. Solch eine rein objektive Einstellung entspricht nicht der menschlichen Natur oder dem menschlichen Wohlergehen; an etwas über das hinaus zu glauben, was einem die fünf Sinne beweisen, ist universal quer durch alle menschlichen Kulturen und dient wohl sogar evolutionären Zwecken, wie Pratchett selbst zustimmen würde. Dazu gehört die Stärkung des sozialen Vertrauens sowie die Inspiration von Menschen zum Eingehen großer Risiken zur Verteidigung ihrer eigenen Gruppe in Konflikten mit anderen durch ein starkes Gefühl der Identität und des moralischen Sinns. Dies ist besonders hervorstechend in einer Gesellschaft, wo traditionelle Quellen für Identität und Sinn – besonders Religion und weiße ethnische Identität – seit den 1960ern einen Niedergang erfahren haben und von unseren Kultureliten weithin verspottet werden.

Nahe dem Ende des Films erklärt der Tod, daß, wenn es bis zur Dämmerung dieses Morgens nicht genug Glauben an den Schneevater gegeben hätte, die Sonne nicht aufgegangen wäre. Stattdessen „hätte ein bloßer Ball aus flammendem Gas die Welt beleuchtet.“ In anderen Worten, selbst wenn die objektiven Tatsachen dieselben bleiben, würde ihnen ohne Glauben jegliche sinngebende menschliche Interpretation fehlen, und die Menschheit würde unbegrenzt in spiritueller Dunkelheit bleiben.

*     *     *

Neue Kommentarpolitik auf „Morgenwacht“: Wie bereits hier unter Punkt 1 angekündigt, am Schluß dieses Kommentars wiederholt als Absicht geäußert und in diesem Kommentar endgültig festgelegt, werden neue Kommentatoren nicht mehr zugelassen und sind die Kommentarspalten nur noch für die bereits bekannte Kommentatorenrunde offen.

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2 Kommentare

  1. Leseempfehlung:

    Spirit Is Where You Find It von Revilo Oliver

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  2. Bei dem Zitat „Wenn Menschen nicht mehr an Gott glauben, glauben sie nicht an gar nichts mehr, sondern an alles mögliche“ könnte man meinen, G. K. Chesterton hätte unsere heutige Zeit mit ihrem Glauben an Dinge wie Rassengleichheit, Feminismus oder die „Church of Global Warming“ vorausgesehen. Emanuel Geibel hat etwas Ähnliches in den folgenden Zeilen formuliert:

    »Glaube, dem die Tür versagt,
    steigt als Aberglaub‘ ins Fenster.
    Wenn die Götter ihr verjagt,
    kommen die Gespenster.«

    Am Schluß dieses Kommentars im Nigeria-Beznesserstrang habe ich darauf Bezug genommen und geschrieben: „Wenn man weißen Frauen von Jugend an einredet, sie müßten Vollbefreitefrauen sein und dürften sich von Hans, Franz und Herbert „nichts gefallen lassen“, wenn Hans, Franz und Herbert aus ihrer Hausherrenrolle verjagt werden und man ihnen einredet, ein solcher häuslicher Dominanzanspruch sei unrecht, dann kommen die Beznesser aus Afrika und Arabien.“

    In vielen Fällen verlagern diejenigen, die an einer traditionellen Religion zu zweifeln oder sie abzulehnen beginnen, einfach ihre existierenden Einstellungen auf ein neues Subjekt. Dies bedeutet nicht bloß die Entwicklung einer anbetenden Haltung gegenüber Idolen wie einer politischen Ideologie oder Regierungen, sondern erstreckt sich sogar auf bestimmte Dogmen. So wie weniger Menschen an das traditionelle Christentum glauben…

    So ähnlich könnte es auch in der Spätphase der griechisch-römischen Antike gewesen sein: angesichts der Vielfalt der existierenden Religionen im Imperium Romanum und in dessen Nachbarschaft könnten dessen Bürger zunehmend zu der Ansicht gekommen sein, daß die nicht alle wahr sein können und Letzteres deshalb auch bei der eigenen Religion zweifelhaft ist, und diese wachsende spirituelle Leere hat dann das Christentum (als JWO-Kult der damaligen Zeit) in ähnlicher Weise ausgenützt, wie die heutigen JNWO-Ersatzreligionen die schwindende Glaubwürdigkeit des Christentums ausnützen und sich in der Religionsnische der menschlichen Psyche einnisten.

    Zu dem verbreiteten feministischen Motiv des „arschtretenden Elfchens“, das man auch Lara-Croft-Syndrom nennen kann, ist zu sagen, daß sicher nichts falsch daran ist, wenn Frauen in Filmen oder Romanen oder auch in der Wirklichkeit mutig sind und sich zu wehren wissen, wenn es notwendig ist. Ich erinnere mich da an ein Video, das ich auf „As der Schwerter“ im Originalstrang zu „Knockout Game“: Medienlügen und die Wirklichkeit gepostet hatte und das ich leider nicht mehr finde. Darin war ein weißes Paar zu sehen – der Mann im Anzug, die Frau eine Blondine im schwarzen Businesskostüm und mit Stöckelschuhen – dem in einer Fußgängergasse ein Trupp von drei oder vier Negern entgegenkam, von denen einer dem Mann dann plötzlich einen Faustschlag versetzte, der ihn gegen eine Wand warf und zu Boden schickte. Noch während der Mann sich aufzurappeln versuchte und noch nicht klar war, ob er überhaupt hochkommen würde, ist die Frau allein auf die Neger losgegangen, alsbald unterstützt von ihrem Begleiter, als dieser wieder auf den Füßen war, und dann kämpften die beiden gemeinsam gegen die Neger (wobei die Frau einen Schuh verlor), bis die Angreifer abzogen. So eine Frau kann man sich als Partnerin nur wünschen, sofern ihre sonstigen Eigenschaften passen. Und einigermaßen realistisch tapfere Frauencharaktere in Filmen oder Romanen können als Vorbilder oder wenigstens als Identifikationsfiguren für Zuseherinnen oder Leserinnen dienen, die selber vielleicht nicht ganz so mutig sind, aber sich gern in eine solche Rolle hineinversetzen.

    Aber dieses allzu häufig präsentierte Bild von der harten Kampfamazone, die physische Auseinandersetzungen gegen Männer gewinnt, ihren männlichen Begleitern überlegen ist oder gar keinen solchen braucht und oft einen gefährlichen Beruf ausübt oder Action-Abenteuer sucht, statt daß sie ihr durch die Umstände aufgezwungen werden, vermittelt dem weiblichen Publikum unrealistische Vorstellungen von weiblicher Kampffähigkeit und den natürlichen weiblichen Rollen. Bei manchen Frauen und Mädchen bewirkt es vielleicht sogar ein Unzulänglichkeitsgefühl, eine Unsicherheit, daß mit ihnen vielleicht etwas nicht stimmt, wenn sie nicht so hart und mutig und action-orientiert sind und zumindest tief drinnen andere Lebensziele wollen. Und es dient der Herabsetzung des Mannesbildes und der Eliminierung angemessener männlicher Vorbilder für das (junge) männliche Publikum.

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