Test: Walther P 38

Trotz des relativ geringen Gewichts – die P 38 hat (in der Nachkriegsausführung) ein Leichtmetall-Griffstück – lässt sich die Pistole angenehm schießen.

Von Max Meinrad Krieg, aus Heft 2-1985 der „Schweizer Waffen-Magazins“.

Wenn Militär oder Polizei ihre alten Waffen verkaufen, so sind diese meistens nicht mehr zeitgemäß; sei es aus Kaliber- und/oder Systemgründen. Hie und da kommen aber auf diese Weise auch Waffen auf den Markt, die modernen Anforderungen noch weitgehend entsprechen, und dies zu interessanten Preisen. Im Zuge der Umrüstung der deutschen Polizeibehörden werden zurzeit im Waffenhandel größere Mengen von Walther-Pistolen P 38 günstig angeboten.

Die P 38 wurde von der Waffenfabrik Walther als Nachfolgerin der legendären Parabellumpistole für die deutsche Wehrmacht entwickelt und während des Zweiten Weltkrieges in großen Stückzahlen gefertigt. Nach dem Krieg konnte Walther die Produktion der P 38 im Jahre 1957 wieder aufnehmen. Sowohl die Bundeswehr als auch der Bundesgrenzschutz und gewisse Einheiten der Polizei führten sie dann unter der Bezeichnung P 1 als Dienstwaffe ein. Außerdem ist die P 38 immer noch offizielle militärische Ordonnanzpistole einiger Armeen und wird bei Walther in verschiedenen Versionen weiter hergestellt.

Während bei den frühen Modellen die Griffstücke aus Stahl gefertigt wurden, bestehen diese bei den Nachkriegswaffen P 1 aus Leichtmetall. Die Griffschalen der Dienstwaffen sind aus Kunststoff, es sind jedoch auch Waffen mit Holzgriffschalen erhältlich.

Als Rückstoßlader sind bei der P 38 im verriegelten Zustand Lauf und Verschluss durch einen Verriegelungsblock miteinander verbunden. Nach ca. 7 mm gemeinsamen Weges wird das Verriegelungsstück nach unten geschwenkt, worauf der Verschluss unter gleichzeitiger Zusammenpressung der beiden seitlichen Schließfedern seinen Rückweg allein fortsetzt. Der Vorteil dieser Verriegelungsart liegt darin, dass der Lauf nicht wie bei den meisten übrigen Systemen nach unten kippt, sondern immer in der Horizontalen bleibt. Das präzisionskritische Moment einer zu frühen Entriegelung entfällt somit.

Die P 38 ist eine große, kräftige Militärpistole. Äußerlich fallen der freiliegende Lauf und die Verschlussbrücke auf. Alle Bedienungselemente sind sinnvoll angeordnet. Vorn am Griffstück liegt der Demontagehebel, in der Mitte der Schlittenfanghebel und hinten oben am Verschluss der Sicherungshebel.

Sicherungs- bzw. Entspannhebel (hinter dem Schriftzug am Schlitten) und Schlittenfanghebel (über dem Abzug) sind gut zu erreichen.

Der letztere dient nicht nur der Sicherung, sondern wirkt auch als Entspannvorrichtung. Wenn die Pistole gesichert wird, schlägt der Hammer automatisch ab. Ein Schuss kann sich dabei nicht lösen, denn der Schlagbolzen wird zuverlässig blockiert. Eine interne Schlagbolzensicherung verhindert auch eine unabsichtliche Schussauslösung beispielsweise beim Fallenlassen der Waffe. Die P 38 kann somit problemlos geladen und entsichert getragen werden – natürlich entspannt. Eine Magazinsicherung fehlt richtigerweise, andererseits zeigt ein Signalstift am Verschlussende fühl- und sichtbar das Vorhandensein einer Patrone im Lauf an.

Walther P 38, zerlegt. Der Zerlegehebel vorn am Griffstück ist nach vorn geschwenkt.

Zur Zerlegung, welche ohne Werkzeuge und sehr einfach erfolgt, wird die Pistole zuerst entladen und gesichert. Hierauf wird der Verschluss nochmals zurückgezogen, worauf er sich in geöffneter Stellung fängt. Nachdem der Zerlegehebel nach vorne geschwenkt worden ist, lassen sich Lauf und Verschluss vom Griffstück abziehen. Als letztes können diese noch durch Anheben des Verriegelungsstückes voneinander getrennt werden.

Als erste Militärpistole der Welt verfügte die P 38 über einen Spannabzug. Der Spannabzug hat einen Abzugswiderstand von ca. 6,5 kg (SA 2,5 kg). Der Abzugsweg bei Double Action dürfte kürzer und der Kriechweg bei Single Action etwas geringer sein. Trotzdem kann von einer akzeptablen Abzugscharakteristik gesprochen werden.

Wir verschossen bei unserem Schießtest 9 mm Para-Munition verschiedener Fabrikate und Geschoßformen, ohne Schwierigkeiten zu begegnen. Trotz des relativ geringen Gewichts von nur 780 Gramm (Griffstück aus Leichtmetall!) empfanden wir den Rückstoß nicht als unangenehm. Der Griffwinkel ist nicht ideal, er steht mit 65° etwas zu steil, die Deuteigenschaften der P 38 sind sehr gewöhnungsbedürftig.

Die Visierung mit rundem Visiereinschnitt und Spitzkorn entspricht dem militärischen Standard, kann aber von jedem Büchsenmacher problemlos verbessert werden. Die Schussleistungen entsprachen unseren Erwartungen. Auf 25 m lagen die besten Schussbilder, freihändig aufgelegt, um die 12 cm, was für eine Gebrauchspistole jedoch genügend ist.

Die ersten Nachkriegs-P-38 zeigten gern Risse an der Verschlußbrücke.

Die ersten P 38 der Nachkriegsfertigung waren dafür bekannt, dass bei ihnen hie und da die Verschlussbrücke zu reißen pflegte. Beim Erwerb einer solchen Waffe muß diesem Punkt deshalb besondere Beachtung geschenkt werden. Offensichtlich kommen defekte Waffen jedoch nicht in den Verkauf; zehn von uns besichtigte Pistolen wiesen keinen solchen Mangel auf.

Mit dem Kauf einer Occasions-P 38 bietet sich dem Waffeninteressenten die Möglichkeit, zu einem günstigen Preis eine Pistole zu erwerben, die auch den heutigen Anforderungen an eine Verteidigungswaffe noch weitgehend entspricht: Kaliber 9 mm Para, Spanabzug, Fallsicherheit, Entspannsicherung. Im Schweizer Waffenfachhandel werden diese Pistolen inkl. Reservemagazin, Lederetui und Gebrauchsanweisung für Fr. 450,- bis Fr. 500,– angeboten.

Walther P 38 (P 1):
Hersteller:   Fa. Carl Walther, Ulm, Bundesrepublik Deutschland
System:   Rückstoßlader mit Verriegelungsblock und Spannabzug
Kaliber:   9 mm Para (alias 9 mm Luger)
Lauflänge:   135 mm
Länge:   214 mm
Gewicht:   0,78 kg
Magazinkapazität:  8 Schuss

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Neue Kommentarpolitik auf „Morgenwacht“: Wie bereits hier unter Punkt 1 angekündigt, am Schluß dieses Kommentars wiederholt als Absicht geäußert und in diesem Kommentar endgültig festgelegt, werden neue Kommentatoren nicht mehr zugelassen und sind die Kommentarspalten nur noch für die bereits bekannte Kommentatorenrunde offen.

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Ein Kommentar

  1. Bei der Nachveröffentlichung dieses alten Artikels bin ich von der Überlegung ausgegangen, daß Praxisinfos über eine alte Wehrmachts- bzw. Bundeswehrpistole hinsichtlich Krisenzeitbewaffnung sinnvoll sind, weil ein solcher Waffentyp mit höherer Wahrscheinlichkeit als irgendwelche modernen Typen in die Hände von Normalos ohne „Spezialkontakte“ gelangen: d. h., es kann sein, daß jemand von euch so eine Pistole im Nachlaß eines Großvaters oder Großonkels findet (oder eine, die „vom Lastwagen gefallen ist“), und ehe ihr als gesetzestreue Bürger dazukommt, sie zu einer Behörde zu bringen, kippen die Verhältnisse in Richtung TEOTWAWKI…

    Zwei Hinweise aus Praxiserfahrungen mit der Nachkriegsversion P 1 gebe ich auch an euch weiter:

    Dieser Pistolentyp mag keine kurzen Kegelstumpf- oder Hohlspitzgeschosse; mit langen Hohlspitzgeschossen funktioniert er aber gut, zum Beispiel mit der Fiocchi EMB mit 6 g schwerem Kupfer-Hohlspitzgeschoß, mit der sich die Streukreisdurchmesser gegenüber gewöhnlicher GECO-Vollmantelmunition ungefähr halbieren lassen (geschossen auf 25 m). Die besonders langen Teilmantel-Rundkopfpatronen von RWS (die aber vielleicht nicht mehr erhältlich sind), mit denen es in anderen Pistolen wie z. B. der Glock Schwierigkeiten gibt, verdaut die P 1 problemlos.

    Neuwertige P1-Magazine haben eine recht rauhe Oberfläche, auch innen, was bei der Zuführung zu Störungen führen kann. Vielleicht laufen solche Magazine sich bei längerem Gebrauch ein, aber besser sind alte P38-Magazine, sofern sie keine Macken wegen verbogenen Magazinlippen aufweisen (ausprobieren!).

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