Zensur in den sozialen Medien als psychologische Kriegführung

Von Richard Houck, übersetzt von Lucifex. Das Original Social Media Censorship as Psychological Warfare erschien am 18. September 2018 auf Counter-Currents Publishing.

„Es gibt keine freie Rede in der realen Welt, und ihr werdet dafür unterdrückt werden, die Wahrheit zu sagen, die nicht vom System unterstützt wird.“ – Nasim Aghdam

Nach einer weiteren Runde von Twitter-Säuberungen durch die Techno-Stasi empfand ich ein sehr reales Gefühl des Verlusts, das ich nicht recht artikulieren konnte. Mehrere meiner engsten Twitter-Freunde – von denen zwei mehr als zehntausend Follower hatten – waren von einem Moment auf den anderen weg. Ständig veränderliche und äußerst nebulose „rules“ werden von Twitter durchgesetzt, um loszuwerden, was sie für Nutzer „von niedriger Qualität“ halten – von so niedriger Qualität, daß ich genau weiß, daß viele von ihnen weit über hunderttausend Profilbesuche monatlich und zehn Millionen Impressions monatlich hatten.

Was Twitter und andere Plattformen der sozialen Medien mit „niedrige Qualität“ meinen, ist alles, das dem Mainstream-Narrativ und ihren politischen Machinationen zuwiderläuft. Niedrige Qualität ist eindeutig ein Euphemismus für das, was die Sowjets für „konterrevolutionär“ nach Artikel 58 gehalten hätten: diejenigen, die sich weigern, sich an die Parteilinie zu halten, die Dissidenten, die im ganzen Ostblock Informationen auf dem Schwarzmarkt verbreiten, die tapferen Seelen, die alles riskieren, um den Mächtigen die Wahrheit zu sagen.

Was die Plattformen der sozialen Medien tun, wenn sie Benutzerkonten löschen, ist weit böser, als bloß den Fluß der Informationen und Standpunkte im neuen de facto öffentlichen Raum zu kontrollieren. Sie versetzen den zum Schweigen Gebrachten verheerende psychologische Schläge, so wie auch ihren Followern. Viele der Männer und Frauen in den sozialen Medien – besonders diejenigen, die mit unseren metapolitischen Überzeugungen sympathisieren – haben sonst nichts, wo sie mit Gleichgesinnten zusammen sein können, und keinen anderen Ort, wo sie dem Nihilismus, der Verzweiflung und dem Wahnsinn unserer politischen Hegemonie entkommen können (um Kipling abzuwandeln, diejenigen, die dieselben Dinge hören, die sie hören, und dieselben Dinge sehen, die sie sehen)[1] Für viele sind ihre Online-Freunde und die Möglichkeit, in den sozialen Medien ihre Meinung zu sagen und Beobachtungen miteinander zu teilen, die einzige Erholungspause, die sie von diesem postmodernen Alptraum haben, aus dem wir scheinbar nicht erwachen können, und es bietet ein sehr reales Unterstützungsnetzwerk für diejenigen, die oft niemanden in ihrem Alltagsleben haben, mit dem sie frei über die gegenwärtige kulturelle Malaise reden können.

Konten zu löschen und dadurch diese Unterstützungsnetzwerke zu kappen, kann das zensierte Individuum zwangsweise von den einzigen Menschen isolieren, die sie kennen und die sie wahrlich verstehen. All diese Beziehungen (viele über Jahre aufgebaut), all das geniale intellektuelle Material, all die privaten Konversationen, die unvollendet bleiben, alles ist plötzlich weg „wie Tränen im Regen“. All die Beiträge, die Hoffnung gaben, wo es keine gab, all jene Vertrauenspersonen, all diese zufälligen Meme, die einem das einzige Schmunzeln verschafften, das die ganze Woche zu haben war – verschwinden alle spurlos in den digitalen Äther.

Ostrazismus ist seit langem als eine Form der sozialen Kontrolle und Bestrafung benutzt worden. Die alten Griechen pflegten diejenigen Mitglieder der Gesellschaft, die für eine Bedrohung für die Stadt gehalten wurden, für zehn Jahre auszuschließen und sie von ihren Familien, Freunden und vertrauten Umgebungen abzuschneiden. Die zeitgenössische sozialpsychologische Forschung über Ostrazismus beweist, daß selbst geringfügige Ausschließung, einschließlich durch Fremde, die Selbstachtung einer Person, ihre Stimmung ihr Selbstwertgefühl und ihr Gefühl der Kontrolle und des Dazugehörens senkt. Wenn man aus einer Gruppe ausgeschlossen wird, dann wird derselbe Teil des Gehirns aktiviert, der körperlichen Schmerz registriert – obwohl Studien auch zeigen, daß der Schmerz des sozialen Ausschlusses noch länger anhält als körperlicher Schmerz, was zu höherem Aggressionsniveau, geringerer Produktivität, schlechterer Stimmung, Gefühlen der Verzweiflung und Hilflosigkeit und sogar zu Selbstmordgedanken führt.[2]

Einer der faszinierenderen Aspekte dieser Forschung ist, daß sie zeigt, daß all diese Negativa sogar in laborkontrollierten Szenarien von niedriger Intensität auftreten. Ein virtuelles Ballwurfspiel namens „Cyberball“ wird oft als Testmethode für die Auswirkungen des Ostraziertwerdens benutzt. Der Teilnehmer spielt ein einfaches Computerspiel mit zwei anderen Spielern – völligen Fremden (ihm wird gesagt, daß es zwei andere Spieler gibt, aber diese sind für gewöhnlich Computerprogramme) -, die ihn dann ausschließen. Bloß Momente später beginnen die Teilnehmer die negativen Folgen zu spüren, wie sie von den Experimentatoren gemessen werden. Man kontrastiere das damit, zwangsweise aus sozialen Medien geworfen zu werden (meist plötzlich und ohne Warnung).

Es gibt auch die psychologische Kriegsführung, die gegen jene Nutzer betrieben wird, deren Konten nicht gleich gelöscht, sondern vielmehr „shadowbanned“ werden. Twitter hat in einem Blogartikel der Firma behauptet, sie würden kein Shadowbanning betreiben – obwohl sie ein paar Zeilen später zugeben, Inhalten von „böswilligen Akteuren“ niedriger zu reihen als andere. Und natürlich ist ein „böswilliger Akteur“ bloß jeder, den Twitter, Facebook, YouTube oder die Anti-Defamation League für einen solchen halten. Wenn Konten schattengebannt werden, stürzt ihre Präsentationshäufigkeit ab, die monatlichen Impressions fallen, und die Zahl ihrer Follower stagniert oder geht zurück. Das ist nichts weniger als Gaslighting – da sie nicht davon verständigt werden, ist alles, was sie sehen können, der Abfall ihrer Interaktionen, was den Eindruck vermittelt, daß die eigenen Botschaften nicht mehr gut ankommen und man im Wesentlichen allein ist und mit sich selbst redet, was dazu führt, daß manche es müde werden, es überhaupt zu versuchen. Diejenigen Nutzer, die nicht wirklich irgendwelche Regeln gebrochen haben, werden so behandelt als Versuch, sie zu unterdrücken und sie dazu zu zwingen, aus (scheinbar) eigenem freien Willen zu gehen.

Die sozialen Medien haben ihre Nutzer schon früher psychologisch manipuliert. Im Januar 2012 führte Facebook etwas durch, das weithin als höchst unethisches Experiment betrachtet worden ist, an dem nahezu siebenhunderttausend ahnungslose Facebook-Nutzer beteiligt waren. Das Experiment unterteilte die Teilnehmer (die nicht darüber informiert wurden, daß sie sich in einem Experiment befanden) in Kontroll- und Experimentalgruppen. Denjenigen, die dem Experiment unterzogen wurden, wurden entweder positive oder negative emotionale Postings aus ihren News-Feeds entfernt. Die Ergebnisse zeigen, daß, wenn Nutzern/Teilnehmern negative Postings vorenthalten wurden, sie selbst weniger emotional negative Worte verwendeten und mehr positive zu benutzen begannen. Wenn im umgekehrten Fall Nutzern positive Postings vorenthalten wurden, benutzten sie daraufhin weniger positive emotionale Wörter und begannen mehr negative zu verwenden. Durch Manipulation dessen, was jemand auf seinem Konto in den sozialen Medien sieht, war Facebook in der Lage, den Inhalt zu ändern, den die Nutzer dann selbst produzierten.[3]

Die Ergebnisse waren aus mehreren Gründen bemerkenswert. Die Forscher fanden heraus, daß emotionale Suggestion sehr wohl über soziale Online-Netzwerke stattfinden kann, und noch beunruhigender, daß Social-Media-Firmen die Stimmung ihrer Nutzer absichtlich manipulieren können und werden. Die Implikationen dessen können nicht übertrieben werden. Es gibt eine sehr reale Möglichkeit, daß Seiten der sozialen Medien ähnliche Techniken benutzen, um die emotionalen Zustände von Dissidenten absichtlich zu verschlechtern. Die Verbindung zwischen Stimmung und emotionalem Wohlbefinden und psychologischer und physischer Gesundheit und Wohlbefinden ist ebenfalls gut belegt. Dieses Wissen könnte für alles benutzt werden, von der Senkung der Stimmung von Konsumenten, um zu Impulskäufen anzuspornen (Angst und Depression sind bekannte Ursachen dafür) bis hin dazu, Leute, die bereits labil sind, über die Kante zu schubsen. Diesen Leuten würde ich alles zutrauen.

Es sind auch diejenigen zu berücksichtigen, die in den sozialen Medien verbleiben und an denen Gaslighting durch das Fehlen jener betrieben wird, die ihre Einstellungen teilen. Wenn alles, was sie in ihren Newsfeeds sehen, jene verbleibenden gesäuberten Ansichten sind, beginnen sie zu denken, daß sie die einzigen „Verrückten“ seien, die solche Ideen haben. Genauso wie die Stimmungen anderer durch Ausleben bestimmter Verhaltensweisen manipuliert werden können, ist es sehr gut möglich, daß soziale und politische Orientierungen in ähnlicher Weise verändert werden können.

Twitter, die Anti-Defamation League und andere beeinflussen tatsächlich den politischen Diskurs, indem sie einseitig bestimmen, welche Ideen diskutiert werden können und welche nicht. Noch heimtückischer ist, daß sie einen totalen Krieg gegen die Herzen und Köpfe ihrer Nutzer führen. Sie trennen Menschen – oft sehr verwundbare – von ihren Unterstützungsnetzwerken, mit verheerenden Folgen für manche.

Gewidmet meinen Freunden Ecco Autist / Trashworld Citizen & Alba Rising.

Fußnoten:

[1] Rudyard Kipling, „The Stranger.”

[2] Kipling D. Williams, „Ostracism: The Kiss of Social Death,” Social and Personality Psychology Compass 1, no. 1 (2007): 236-47, doi:10.1111/j.1751-9004.2007.00004.x.

[3] Adam Kramer, Jamie Guillory, & Jeffrey Hancock, „Experimental evidence of massive-scale emotional contagion through social networks,” Proceedings of the National Academy of        Sciences, 111(24) (2014), 8788-8790, doi: 10.1073/pnas.1320040111.

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Siehe auch:

Rettet die Netzneutralität: Warum die Netzneutralität für das Einsetzen für weiße Interessen notwendig ist von Russell James

Google und die ADL: Geschichte wird ausradiert von Kevin Alfred Strom

Die drei Meter hohe Mauer von Kevin Alfred Strom

Heimlich, still und leise: Attacke auf das freie Internet von Osimandia

Protokolle der Weisen von Google von Matt Parrott

Censorware gegen den Ersten Verfassungszusatz von Andrew Hamilton

Gaslighting von Tanstaafl

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Neue Kommentarpolitik auf „Morgenwacht“: Wie bereits hier unter Punkt 1 angekündigt, am Schluß dieses Kommentars wiederholt als Absicht geäußert und in diesem Kommentar endgültig festgelegt, werden neue Kommentatoren nicht mehr zugelassen und sind die Kommentarspalten nur noch für die bereits bekannte Kommentatorenrunde offen.

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Ein Kommentar

  1. Im obigen Artikel hat mir speziell dieser Absatz zu denken gegeben:

    Es gibt auch die psychologische Kriegsführung, die gegen jene Nutzer betrieben wird, deren Konten nicht gleich gelöscht, sondern vielmehr „shadowbanned“ werden. Twitter hat in einem Blogartikel der Firma behauptet, sie würden kein Shadowbanning betreiben – obwohl sie ein paar Zeilen später zugeben, Inhalten von „böswilligen Akteuren“ niedriger zu reihen als andere. Und natürlich ist ein „böswilliger Akteur“ bloß jeder, den Twitter, Facebook, YouTube oder die Anti-Defamation League für einen solchen halten. Wenn Konten schattengebannt werden, stürzt ihre Präsentationshäufigkeit ab, die monatlichen Impressions fallen, und die Zahl ihrer Follower stagniert oder geht zurück. Das ist nichts weniger als Gaslighting – da sie nicht davon verständigt werden, ist alles, was sie sehen können, der Abfall ihrer Interaktionen, was den Eindruck vermittelt, daß die eigenen Botschaften nicht mehr gut ankommen und man im Wesentlichen allein ist und mit sich selbst redet, was dazu führt, daß manche es müde werden, es überhaupt zu versuchen. Diejenigen Nutzer, die nicht wirklich irgendwelche Regeln gebrochen haben, werden so behandelt als Versuch, sie zu unterdrücken und sie dazu zu zwingen, aus (scheinbar) eigenem freien Willen zu gehen.

    So ähnlich fühle ich mich auch hier auf „Morgenwacht“, auch wenn es manchmal doch ein Aufleben von Diskussionen in manchen Kommentarsträngen gibt, wie derzeit zu „Wir Weicheier“. Ich frage mich, ob WordPress auch so etwas Ähnliches wie „Shadowbanning“ gegenüber Bloggern betreibt, die sie nicht direkt löschen können, oder wenn schon WP so etwas nicht tut, dann vielleicht Google und ähnliche Suchdienste, in der Form, daß sie mißliebige Dissidentenblogs bei Suchergebnissen nicht anzeigen oder nur möglichst weit unten.

    Dennoch könnte das alleine, selbst falls es so etwas wirklich gibt, das Nichtabheben von „Morgenwacht“ und früher „As der Schwerter“ nicht erklären, und vor allem kann mit so etwas nicht bewirkt werden, daß Besucher, die dank auswärts gesetzter Links schon hierhergefunden haben, offenbar kaum dauerhaft wiederkommen.

    Nachdem es durch die Verlinkungsbemühungen einiger Leser im Juli immerhin 38.249 Zugriffe gegeben hatte und im August sogar 49.709, ist das Septemberergebnis mit 32.950 Klicks wieder unter jenes des Mai zurückgefallen. Seit 1. September haben die Zugriffe nur um die 1000er-Schwelle geschwankt, und durchschnittlich waren es 1098 Klicks.

    Ich danke allen, die sich im Sommer um eine Steigerung meiner Leserzahlen bemüht haben, aber offenbar ist von all dem kein dauerhafter Effekt hängengeblieben. Sobald man mit dem Verlinken aufhört, fallen die Zugriffszahlen wieder auf das vorherige Niveau. Ich begreif’s nicht.

    Entweder sind die Fangzaunschafe solche Gewohnheitstiere, oder sie brauchen es, wie es in ihren Fangzaunpferchen zugeht, oder es geht ihnen hier zu unkoscher zu, und den Spackosphärikern menschelt es hier zu sehr und fehlt es an Narrensaumgespinne. Wieder andere vermissen hier vielleicht eine deutschnazionalsolipsistische Ausrichtung, welche sie wohl für die ultimative rote Pille halten.

    Am ehesten könnte ich mit der Vorstellung leben, daß halt immer wieder welche aufgrund einer gewissen Sättigung ihre Morgenwacht-Besuche stark verringern oder einstellen (so wie auch ich schon immer seltener auf den WN-Seiten der Anglosphäre lese), und daß die laufend in ungefähr gleicher Zahl durch Neuzugänge ersetzt werden, die sich mit frischem Interesse durch mein Angebot lesen. Nur leider kann ich nicht feststellen, ob es diesen Durchlauferhitzereffekt gibt.

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