Imperiale Juden und internationale Juden

Von Matt Parrott, übersetzt von Deep Roots (ursprünglich veröffentlicht auf „As der Schwerter“). Das Original Imperial Jews and International Jews erschien am 1. Februar 2011 im Occidental Observer. [Anm. v. Lucifex: ja, mir ist auch aufgefallen, daß Matt Parrott an etwas Bestimmtes zu glauben scheint; es erübrigt sich, in Kommentaren darüber zu meckern. Der Artikel ist ansonsten recht gut.]

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Michael Colhazes kürzlicher Artikel Wikileaks Leaks zeigte eine wachsende Kluft innerhalb der globalen jüdischen Gemeinde auf, wobei die „Heebies“ und die „Izzies“ zunehmend wegen Strategien, Taktiken und sogar Zielen miteinander uneins sind. Kurz nachdem der Artikel veröffentlicht wurde, haben die Proteste in Ägypten diese Kluft weit aufgerissen und offenkundiger gemacht als je zuvor. Dieser Zwiespalt zwischen Diaspora-Juden und israelischen Juden ist die größte einzelne Bruchlinie in der jüdischen Welt. Angesichts ihres übergroßen Einflusses ist es vielleicht die folgenreichste politische Bruchlinie in der zeitgenössischen Welt.

Diese Kluft innerhalb des Judentums ist so alt wie die gruppenevolutionäre Strategie selbst. Im traditionellen Osteuropa gab es einen inselartigen Kern ultrareligiöser Juden in Shtetln, die den Großteil ihrer Zeit mit dem Studium der Torah verbrachten, wie auch eine Untergruppe, die mit der nichtjüdischen Bevölkerung interagierte. Von den Geldverleihern von seinerzeit bis zu den Madoffs von heute hat dieser kleine Kern reicher und weltlicher Juden eine entscheidende Rolle bei der Unterstützung des reproduktiven Kerns nach innen schauender Juden gespielt, was in einer zweigleisigen Fortpflanzungsstrategie resultierte, bei der eine Komponente sehr fruchtbar ist und die andere eine niedrigere Fruchtbarkeit hat, aber mehr investiert.

Dasselbe Grundmuster hat sich im globalen Maßstab wiederholt – woraus Israel als eine Art souveränes Globo-Ghetto hervorging und die jüdischen Gemeinden Westeuropas und Amerikas zu großen Reservoiren an reichen und weltlichen Juden wurden, die ein wesentlicher Bestandteil der finanziellen, akademischen und medialen Elite im ganzen Westen sind. Beide Untergruppen sind im Gefolge des Zweiten Weltkrieges erfolgreicher gewesen als je zuvor, aber sie haben sich zunehmend voneinander entfremdet.

Innerhalb Israels ist das, was angeblich das bescheidene Streben nach einem jüdischen Heimatland war, zu einer Weltsicht und politischen Agenda metastasiert, die imperial ist und explizit nach Vorherrschaft strebt. In der Zwischenzeit sind die über die Nationen des gesamten Westens verstreuten Juden zu säkularen und unfruchtbaren Musterbeispielen der linken Gegenkultur geworden, die den traditionellen Völkern und Kulturen Amerikas und des Westens feindlich gesinnt ist. Sie sind zu klug, um an ihren Gott zu glauben, zu beschäftigt, um die Synagoge zu besuchen und die Rituale mitzumachen, und nicht mehr geneigt, untereinander zu heiraten. Sie würgen an den Übeln des Marxismus, Atheismus, Humanismus und Liberalismus – sie essen ihr eigenes Hundefutter. Ihre Lebensart ist unhaltbar, aber sie sind ein sehr großer Bestandteil der Elite im gesamten Westen, und sie nutzen ihren Elitestatus, unter anderem, um ihre traditionelleren Brüder in Israel zu unterstützen.

Die jüdische Diasporagemeinde ist langfristigem Druck ausgesetzt, da die natürlichen Schranken entfernt sind, die die Tradition an ihrem Platz halten. Ohne Hormesis steht Amerikas jüdische Gemeinde vor einem „stillen Holocaust“, der eine größere Existenzbedrohung darstellt als der andere – ein Hauptthema von John Glads vor kurzem veröffentlichten Jewish Eugenics. Es gibt wenig echten Antisemitismus, wenn überhaupt einen, um sie zurück in die Herde zu scheuchen. Das Rabbinat ist hilflos gegen die Versuchungen der Moderne und klingt zunehmend schrill und ohne Kontakt zur zeitgenössischen westlichen Welt.

Was wir in Ägypten sehen, und was wir in der Zukunft noch viel mehr sehen werden, ist die wachsende Spannung zwischen Israels imperialen Juden und Amerikas internationalen Juden. Die ägyptische Situation spielt Israels provinzielles Interesse an der Stützung einer Diktatur gegen die romantische Befürwortung des revolutionären demokratischen Geistes durch das amerikanische Judentum aus. Sie zwingt die Juden, sich zwischen dem zu entscheiden, was gut für israelische Juden ist, und dem, was gut für amerikanische Juden ist, und spaltet die Gleichung „Was ist gut für die Juden?“, die sie traditionellerweise geeint hat. Innerhalb der amerikanischen Politik wird sich dies entlang von Parteigrenzen abspielen, wobei die von einem kleinen Außenposten zionistischer, mit christlichen Zionisten verbündeter Juden dominierte GOP [„Grand Old Party“, = Republikaner; d. Ü.] gegen die Demokraten steht, die von einem großen und wachsenden Reservoir idealistischer „JINOS“ [„Jews In Name Only“ – nur dem Namen nach Juden; d. Ü.] dominiert werden, die Israels aggressive Realpolitik als Affront gegen ihren shtick von der offenen Gesellschaft sehen, als Affront, der antisemitische Einstellungen unter ihren nichtjüdischen Nachbarn zu schüren droht.

Die Tentakel revoltieren gegen den Kraken – etwas, das wiederholt von jüdischen Autoren wie Philip Weis und Peter Beinart angemerkt wurde. Sie hätten das bereits vor über einer Generation getan, aber der Mythos des Holocaust hat in den vergangenen paar Jahrzehnten als Ersatzreligion für säkulare Juden gedient. Generationen amerikanischer Juden haben ihre Identität durch ein Gefühl der ungerechten Behandlung definiert, das sie ihrer Interpretation dieses zeitgeschichtlichen Ereignisses anhefteten. Der typische amerikanische Jude lebt nicht in Furcht davor, gegen den Bund mit Gott zu verstoßen. Er lebt in Furcht vor „Nazis“. Seine Alpträume sind nicht von wütenden Palästinensern erfüllt, sondern von Faschisten und Öfen. Er sieht die Welt grundsätzlich vom Standpunkt der Juden als Diaspora-Volk. Die Ehe zwischen imperialen und internationalen Juden hat nur noch ein paar Jahrzehnte bis zur bevorstehenden Scheidung. Die letzten Juden, die sich tatsächlich an die Konzentrationslager erinnern, sterben an Altersschwäche, und die Relevanz des Holocausts stirbt mit ihnen. Der Nebel der Kollektivschuld über dem Westen im allgemeinen und besonders über dem deutschen Volk lichtet sich.

Die globale Kreditkrise, die die globale Unruhe auslöst, hätte für Israel nicht zu einem schlimmeren Zeitpunkt kommen können. Amerika ist nicht in der Lage – weder politisch noch militärisch noch wirtschaftlich – Israel bei Ägypten zu helfen. Während die Protestierer in den Straßen von Kairo recht haben mit der Behauptung, daß Amerikas Außenpolitik im Nahen Osten von den Juden kontrolliert wird, werden die amerikanischen Juden zu einer unabhängigen Stimme, die zunehmend israelischen Privilegien widersetzen. Sie haben weit mehr Reichtum und Einfluß als ihre Likudnik-Vettern in Zion und können entscheidend sein bei der Dämpfung von Israels imperialistischem Appetit… kurzfristig. Auf lange Sicht ist eine überlegene evolutionäre Strategie wichtiger als Reichtum und Einfluß. Kosmopolitische Juden existieren, um den orthodoxen Juden zu dienen. Wenn sie gegen diese Funktion rebellieren, dann verneinen sie ihren Existenzgrund und verblassen innerhalb von ein paar Generationen vor dem Hintergrund der Geschichte.

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Siehe auch:

Zionismus, Globalismus und die „Israel-Lobby“ von Manfred Kleine-Hartlage

Israels Malaise: Vorbereitung auf eine neue Diaspora? von Peter Stuyvesant

Israel 3.0 auf deutschem Boden? von mir

Spanien strebt nach 523 Jahren Wiedergutmachung für die Judenvertreibung an von Emily Harris

Israel verwandelt sich in einen Mafiastaat von Eliad Shraga

Roth und Weiss und der Diasporismus von Tanstaafl

Weißer Nationalismus & jüdischer Nationalismus von Greg Johnson

Der Große Jüdische Exodus von Roger Cohen (mit einem Kommentar dazu von Tanstaafl)

Demographie und das jüdische Schicksal, Teil 1, Teil 2 und Teil 3 von Patrick Le Brun

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Neue Kommentarpolitik auf „Morgenwacht“: Wie bereits hier unter Punkt 1 angekündigt, am Schluß dieses Kommentars wiederholt als Absicht geäußert und in diesem Kommentar endgültig festgelegt, werden neue Kommentatoren nicht mehr zugelassen und sind die Kommentarspalten nur noch für die bereits bekannte Kommentatorenrunde offen.

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Ein Kommentar

  1. Hat dies auf My Blog rebloggt.

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