Regeln für Schriftsteller, Teil 2

Von Greg Johnson, übersetzt von Lucifex. Das Original Rules for Writers, Part 2 erschien am 9. März 2018 auf Counter-Currents Publishing.

Zuvor erschienen: Regeln für Schriftsteller, Teil 1

  1. Teilt euch eure Kräfte ein.

Leider sind die meisten Leute in unserer Sache nicht in Gefahr, sich auszubrennen. Dieser Rat gilt nur für die wenigen, die in dieser Gefahr sind.

Alles, was ihr schafft, geht auf Kosten eurer eigenen Substanz. Ihr verausgabt euch, um zu erschaffen. Ihr zerstört euch, um zu erschaffen. Kreation erfordert Zeit, die ihr nie zurückbekommen könnt, und Energie, die ihr wieder auffüllen könnt, aber nur wenn ihr euch Zeit für die Erholung [im Original: recreation] reserviert, buchstäblich Zeit, um euch wieder zu erschaffen. Wenn ihr euch eure Kräfte nicht einteilt, werdet ihr ausbrennen.

Menschen mit einem starken Wunsch, etwas zu schaffen, betrachten Erholung oft als einen Luxus statt als eine Notwendigkeit, als eine Verschwendung ihrer Zeit. Aber dies ist ein fundamentaler Fehler. Wenn ihr euch zum Erschaffen getrieben fühlt, dann müßt ihr alles tun, was notwendig ist, um zu erschaffen, und das schließt Auszeit zur Erholung ein.

Es gibt vier Arten von Erholung, die wir in unsere Routinen einzubauen versuchen sollten.

Erstens mache ich während Arbeitssitzungen gelegentlich Pause. Wenn ich mich blockiert fühle, wenn meine Konzentration und Energie erlahmt, oder wenn ich mich steif oder zappelig zu fühlen beginne, dann stehe ich auf und tue etwas anderes, selbst wenn es nichts weiter ist als ein bißchen hin und her zu gehen, aus dem Fenster zu schauen, eine CD zu wechseln oder mir eine Tasse Tee zu holen. Manchmal braucht es nur ein paar Minuten, um wieder erfrischt an meinen Schreibtisch zurückzukehren.

Zweitens ist es wichtig, zwischen den Arbeitssitzungen Pause zu machen. Für gewöhnlich überprüfe ich meine Emails und sozialen Medien, die mich oft gleich wieder zurück zur Arbeit ziehen, aber nicht zwangsläufig. Es ist nichts falsch daran, sich ab und zu abzulenken, aber man sollte sich niemals von irgendjemandem ablenken lassen. Die beste Pause ist es jedoch gewesen, dreimal pro Woche am Nachmittag in das Fitneßstudio zu gehen. Es bewirkt einen völligen geistigen und körperlichen Neustart, fast wie wenn man aus einem guten Nachtschlaft aufwacht, und die Auswirkungen reichen bis in die folgenden Tage.

Drittens wird man zu einer gewissen Zeit einfach den Arbeitstag für vorbei erklären und etwas anderes tun müssen. Ansonsten wird die Arbeit euer Leben vollständig kolonisieren, was euch daran hindern kann, richtige Ruhe zu bekommen, was eure Produktivität auf lange Sicht zerrütten wird. Noch einmal, wenn ihr euch zum Arbeiten gezwungen fühlt, seid ihr auch zum Ruhen gezwungen, also brennt nicht die Maschine aus.

Wenn ihr den Gedanken daran, Zeit für Erholung zu verschwenden, einfach nicht ertragen könnt, dann denkt daran, daß eure Arbeit, wenn ihr euch leidenschaftlich mit ihr beschäftigt, niemals eure Gedanken verlassen wird. Wenn ihr euch auf etwas anderes konzentriert, dann verlagert ihr eure Arbeit einfach in euren unterbewußten Geist. Wenn ihr eure Gedanken völlig von der Arbeit lösen wollt, dann müßt ihr euch mehrere Tage freinehmen, was uns zum nächsten Thema bringt.

Viertens, macht etwa alle zehn Jahre Urlaub. Mit Urlaub meine ich: hört mindestens eine Woche lang mit der Arbeit auf. Geschäftsreisen zählen nicht als Urlaub. Im Januar 2017 fühlte ich mich nach einem Todesfall in der Familie wirklich ausgebrannt. Ich erkannte, daß ich mir seit nahezu 20 Jahren keinen richtigen Urlaub genommen hatte, daher versuchte ich, einen Monat lang mit der Arbeit aufzuhören und ließ John Morgan das Webzine übernehmen. Zuerst hielt ich etwa einen Tag lang durch, versuchte es aber weiter, bis ich tatsächlich mehrere Tage hintereinander Dinge nur zum Spaß tat. Es war dennoch eine stressige Zeit wegen des Doxings gegen meine Freunde in TRS. Ich machte schließlich doch einige Arbeit, aber großteils, weil ich das Gefühl hatte, daß ich es nicht mußte. Die einzige Ausnahme war mein Artikel zur Unterstützung von Mike Enoch. Aber all dem zum Trotz kehrte ich mit erneuerter Freude und Energie wieder an die Arbeit zurück.

  1. Sucht euch euer Gift aus.

Mason Currys Daily Rituals geht nicht nur näher auf die Arbeitsgewohnheiten kreativer Menschen ein, sondern es behandelt auch die Drogen, die sie zur Unterstützung des kreativen Prozesses verwendeten. Die häufigsten Drogen sind Koffein, Nikotin und Alkohol, aber Curry erwähnt auch eine Anzahl von Schriftstellern, die Amphetamine nahmen – Auden, Ayn Rand, Sartre und Graham Greene – oft kombiniert mit Beruhigungsmitteln, um nachts schlafen zu können.

Die produktivsten Schriftsteller jedoch sind selbst bei ihrem Gebrauch von Drogen diszipliniert und nehmen fixe Mengen zu fixen Zeiten. Drogen- und Alkoholmißbrauch sind einfach nicht konsistent mit langfristiger Produktivität, und kreative Menschen, die darauf zurückgreifen, brennen in der Regel aus. Philip K. Dick zum Beispiel machte sich mit Amphetaminmißbrauch buchstäblich psychotisch und starb im Alter von 53 an einem Schlaganfall. Rand veröffentlichte letztlich in ihrem ganzen Leben nur vier Romane. Sie brannte sich mit Atlas Shrugged aus und verbrachte die letzten 25 Jahre ihres Lebens mit dem Schreiben von Essays. Speed verzerrt einem auch das Urteilsvermögen, was in der Belletristik nicht offensichtlich sein mag, aber es konnte nicht ausbleiben, daß es den philosophischen Output von Rand und Sartre beeinträchtigte.

Nikotin hilft definitiv bei der geistigen Konzentration, was der Grund dafür ist, warum so viele kreative Menschen rauchen. Aber es ist sehr suchterzeugend und ungesund. Wenn ihr Nikotin haben müßt, dann kaut Nikotinkaugummi oder kauft eine E-Zigarette. Rauchen ist nicht nur ekelhaft, es ist tödlich.

Ich empfehle nicht Nikotin, Alkohol oder rezeptpflichtige Aufputsch- und Beruhigungsmittel, die alle negative langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Kaffee ist die Droge meiner Wahl, obwohl mir auch grüner Tee bei der Konzentration hilft. Spaßverderber haben seit Jahrzehnten zu beweisen versucht, daß Kaffee – und Koffein, wo immer man es antrifft – schlecht für euch sind, aber ohne Erfolg.

Die beste Konzentrationshilfe sind jedoch adaptogene Kräuter wie Ginseng und Eleuthero [Taigawurzel; d. Ü.], die gleichzeitig die Konzentration, Klarheit und Entspannung fördern. Eleuthero ist besonders nützlich, wenn ich korrekturlese, Karteien bearbeite oder die Buchhaltung mache. Ich finde Rosenwurz höchst anregend. Wenn ich einen langen Arbeitstag vor mir habe – besonders wenn ich eine Konferenz leite – und gedanklich scharf, aber auch entspannt und offen für Eventualitäten sein muß, dann geht nichts über Rosenwurz.

Aber mein Lieblingsadaptogen ist Tulsi, auch Königsbasilikum genannt, das für mich die beste Ausgewogenheit zwischen geistigem Fokus und Entspannung produziert. Als ich Tulsi zum ersten Mal ausprobierte, bemerkte ich sofort, daß ich den Humor in den Dingen besser sah – und Lachen ist, wie Anthony Ludovici recht schlüssig argumentierte, unser Feiern der Gefühle überlegener Anpassung. Nach ein paar Tagen ertappte ich mich sogar dabei, daß ich in der Dusche sang. Aber dies sollte nicht überraschen, nachdem Tulsi aus Indien kommt, und wie Bollywood zeigt, brechen die Leute dort ständig in Gesang aus.

Sowohl Erholung als auch Drogen fallen unter die Generalrichtung des Kräfteeinteilens, und seine Kräfte einzuteilen ist im Grunde eine Form, sich aufzusparen. Aber wir müssen uns immer fragen: Wofür sparen wir uns auf? Offenkundigerweise werden wir nicht ewig leben. Wollen wir mit allen unseren Kräften intakt sterben? Alles, was man sich aufspart, verliert man am Ende. Unser Erfolg im Leben wird nicht nach dem gemessen, was wir mit uns nehmen, sondern nach dem, was wir hinterlassen. Wir wollen eine bessere Welt hinterlassen, und wir werden die Welt retten, indem wir uns verausgaben, nicht indem wir uns aufsparen. Der Leitgedanke hinter allen Fragen des Kräfteeinteilens muß also lauten: Wie kann ich mich am wirksamsten verausgaben, um die Welt zu retten?

Daher bin ich bereit, mit Rauchern etwas nachsichtig zu sein, wenn sie akzeptieren, daß sie ihr Leben verkürzen, um ihre Produktivität zu steigern. Aber ich wünschte, sie würden eine weniger widerliche und schädliche Krücke finden.

  1. Sprecht schlicht. Versucht nicht, Eindruck zu schinden.

Wir versuchen, die Meinung der Menschen mit dem geschriebenen Wort zu ändern. Letztendlich ist das einzige, das wirklich zählt, ob unsere Positionen wahr sind. Aber beim Überzeugen geht es um mehr als nur die Wahrheit. Man kann die Wahrheit auf überzeugende und nicht überzeugende Arten sagen. Das Studium des Überzeugens ist die Rhetorik, die ein weites Feld ist, aus dem ich nur ein Thema herausgreifen möchte.

Beeindruckende Menschen sind überzeugende Menschen. Und je weniger man versucht, andere zu beeindrucken, desto beeindruckender ist man tatsächlich. Schlechte Autoren versuchen offensichtlich zu beeindrucken, und das Häufigste, woran man das erkennt, ist die Verwendung großer Worte, wo kleine Worte genügen würden, und die Verwendung von Euphemismen und Umschreibungen, wenn man von hässlichen Dingen redet.

Der beste Weg, diese Art von Schreibe zu vermeiden, besteht darin, Paul Fussells „Speak, That I May See Thee“ in seinem Buch Class zu lesen. In Fussells Sinne ist schlechtes Schreiben Mittelklasse, denn Mittelklassemenschen sind sich ihres Status immer unsicher und versuchen andere zu beeindrucken, indem sie mit ihren großen Worten angeben. Sie sprechen von „Cocktails“, nicht von „Getränken“, von „formaler Kleidung“, nicht von „Anzügen.“ Sie schreiben wie Werbeanzeigen, denn die Werbung ist meisterlich darin, die Unsicherheit von Mittelklassemenschen auszunützen, um sie von ihrem Geld zu trennen. Mitteklassemenschen haben auch Angst, sich zu deklassieren, indem sie in schlichten Worten über hässliche Dinge sprechen. Sie benutzen nicht die „Toilette“, sondern den „restroom“ – wo sie sich vermutlich bloß ausruhen.

Laut Fussell findet man schlichte Ausdrucksweise sowohl bei der Oberschicht als auch bei Proleten, weil beide Gruppen nicht wirklich zu beeindrucken versuchen. Schreibt also mit der geistigen Freiheit und Selbstsicherheit eines Aristokraten oder eines Proleten. In der Regel ist es jedoch besser, im Zweifelsfalle ein aristokratisches Idiom zu verwenden, nicht weil wir wollen, daß die Leute uns für „von hoher Klasse“ halten, sondern weil es artikulierter ist und weniger zu Obszönität neigt. Darüber hinaus versuchen wir die Meinung von Mittelklassemenschen zu ändern, und ob sie sich dessen bewußt sind oder nicht, finden sie gute Ausdrucksfähigkeit kombiniert mit ungerührter Direktheit überzeugender, als wenn man wie Gangster oder Matrosen flucht, obwohl das manchmal seinen Platz hat.

  1. Sagt nur die Wahrheit.

Es hat keinen Sinn, irgendetwas zu schreiben, das nicht wahr ist. (Dies gilt sogar für Erzählliteratur.) Die Wahrheit zu sprechen, ist nicht nur eine Tugend, sondern es gibt einem auch auf lange Sicht persönliche und politische Vorteile.

Ihr mögt intelligent sein, aber es wird immer Menschen geben, die intelligenter sind als ihr. Dennoch habe ich bemerkt, daß Menschen, die intelligenter sind als ich, oft sehr viel von dieser zusätzlichen Hirnleistung verwenden, um sich selbst zu belügen und schlechten Charakter und schlechte Entscheidungen zu rationalisieren. Daher versuche ich, wenn ich mit solchen Leuten konkurriere, meinen intellektuellen Nachteil auszugleichen, indem ich mir selbst und anderen gegenüber ehrlicher bin. Die Gesellschaft vergibt viele kurzfristige Strafen für Ehrlichkeit, besonders bei Tabuthemen, aber auf lange Sicht gewinnt ihr sowohl persönliche Glaubwürdigkeit als auch Konkurrenzvorteile, indem ihr bei der Wahrheit bleibt, während eure Feinde sich mit Lügen und Täuschungen behindern.

Zur Zeit haben weiße Nationalisten fast kein Geld oder institutionelle Macht. Aber wir haben die Wahrheit auf unserer Seite, und die Glaubwürdigkeit, die davon kommt, daß man unpopuläre Wahrheiten furchtlos ausspricht. Unsere Feinde haben im Gegensatz dazu enormen Reichtum und enorme Macht, aber ihre Weltsicht beruht auf Lügen, und ihre Glaubwürdigkeit sinkt stetig. Sie sind auch nie degenerierter, korrupter und lächerlicher gewesen. (Leider hat unsere Bewegung auf diesem Gebiet ebenfalls eine Menge Spielraum für Verbesserungen.)

Dies ist der Grund, warum Metapolitik zu dieser Zeit wichtiger ist als Straßenaktivismus. Es ist der Gipfel der Torheit, die Feinde dort anzugreifen, wo sie am stärksten und wir am schwächsten sind. Stattdessen müssen wir dort angreifen, wo sie am schwächsten sind und wir am stärksten: auf der Ebene der Ideen und Werte. Die objektive Wirklichkeit ist der größte Verbündete, den wir je haben werden, und die Wahrheit zu sagen, ist unsere größte Quelle von Glaubwürdigkeit. Dies ist der Grund, warum wir nie lügen oder uns auf das Niveau von Marktschreierei und verbalem Einwickeln hinabbegeben sollten. Furchtlos die Wahrheit zu sagen, ist letztendlich die einzige Quelle von Glaubwürdigkeit, die wir haben, und Leute, die dieses Sozialkapital abwerten, müssen zur Rede gestellt und gemieden werden.

Ich glaube, daß wir gewinnen werden, weil das ganze Universum der Tatsachen auf unserer Seite ist, während die gegen uns stehenden gesellschaftlichen Kräfte unbestreitbare Macht haben, aber auf Lügen begründet sind, und sobald die Lügen, die sie stützen, sich auflösen, werden sie zerbröckeln, wenn wir ihnen einen guten Tritt verpassen. Je mehr von uns schlicht die Wahrheit sprechen, desto früher wird dieser Tag kommen.

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Siehe auch:

Warum wir schreiben von Alex Kurtagić

Mein Kodex und Mein Kodex, Fortsetzung von Jef Costello

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Neue Kommentarpolitik auf „Morgenwacht“: Wie bereits hier unter Punkt 1 angekündigt, am Schluß dieses Kommentars wiederholt als Absicht geäußert und in diesem Kommentar endgültig festgelegt, werden neue Kommentatoren nicht mehr zugelassen und sind die Kommentarspalten nur noch für die bereits bekannte Kommentatorenrunde offen.

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Ein Kommentar

  1. Hat dies auf 👽 INTERNETZEL rebloggt.

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