Black Panther

Von Trevor Lynch (Greg Johnson), übersetzt von Lucifex. Das Original “Only White Nationalism Will Make Wakanda Real”: Black Panther erschien am 24. Februar 2018 auf Counter-Currents Publishing.

Ich sah Black Panther letzte Woche gemeinsam mit einem Freund in Seattle. Nach dem ehrfürchtigen Schweigen im Kino zu urteilen – das nur gelegentlich durch unser Gelächter an unabsichtlich humorvollen Stellen gebrochen wurde – war es ein rein weißes Publikum. Der ernsthafte Ton von Black Panther ist eine Abweichung gegenüber neueren Marvel-Filmen, die Heldentum ständig mit ironischem Humor untergraben. Aber Black Panther ist ein Film über numinose, magische Neger, und manche Dinge sind heilig. Über Gott spottet man nicht. (Sofern er nicht Thor ist.)

Angesichts des massiven Medienhypes und der grotesken, liebedienernden Unterstützung durch weiße Liberale war ich darauf vorbereitet, Black Panther zu hassen. Aber es ist in Wirklichkeit kein schrecklicher Film, obwohl ich ihn nicht wieder ansehen würde.

Die Prämisse von Black Panther ist lächerlich, aber um nichts alberner als bei den meisten Superheldenfilmen. Der als Black Panther bekannte Superheld ist der Erbmonarch eines fernen afrikanischen Königreiches namens Wakanda. Wakanda wurde wie Äthiopien, Lesotho und Swasiland nicht von Weißen kolonisiert. Wakanda besitzt auch eine einzigartige natürliche Ressource, ein magisches Metall außerirdischer Herkunft namens „Vibranium“. (Man muß sich fragen: als Stan Lee und Jack Kirby den Charakter des Black Panther im Jahr 1966 schufen, war da „vibrant“ bereits ein Euphemismus für nichtweiß?) Wegen seiner Isolation und des Vibraniums entwickelte Wakanda die fortschrittlichste Technologie auf dem Planeten. Um sich vor weißen Kolonisatoren zu schützen, benutzten die Wakander diese Technologie, um ihre futuristische Hauptstadt – mit fliegenden Autos – hinter einer Art Strahlenschild zu verbergen, wie ein afrikanisches Galt’s Gulch.

Black Panther ist ein zutiefst feministischer Film, obwohl der Feminismus im wirklichen Afrika genauso alltäglich ist wie fliegende Autos. Manchmal sehen die Kostüme und das Bühnendesign aus, als hätten sie aus der Feder von A. Wyatt Mann stammen können, besonders der Kerl mit dem grünen Zoot-Anzug und dazupassender Lippenplatte. Es gibt eine urkomische Szene, in der einige Wakander einen weißen Mann mit Uga-uga-Lauten zum Schweigen bringen. (Ich bete dafür, daß dies Schule macht.) Als ein wakandisches Flugauto in Oakland erscheint, beginnen die einheimischen urbanen Jugendlichen sofort darüber zu reden, es auszuschlachten und die Teile zu verkaufen. Natürlich wagten die weißen Liberalen um mich nicht, über irgendetwas davon zu lachen.

Aber an einem bestimmten Punkt beschloß ich, Black Panther als einen Science-Fiction-Film zu betrachten, der vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxie spielt, und diese Suspendierung des Unglaubens ermöglichte es mir, mich zu entspannen und das Schauspiel zu genießen.

Die Handlung von Black Panther befaßt sich mit dem Aufstieg eines neuen Königs bzw. Black Panthers, T’Challa (gespielt von Chadwick Boseman), der vor zwei Herausforderungen an den wakandischen Isolationismus steht.

Die erste Herausforderung ist der liberale Wohlfahrts-Etatismus von T’Challas Ex-Freundin Nakia (Lupita Nyong’o), einer Spionin, die sich in Afrika herumtreibt und gute Taten für verarmte und unterdrückte Afrikaner vollbringt. Sie denkt, daß Wakanda eine humanitäre Supermacht wie Schweden werden, Entwicklungshilfe leisten und Flüchtlinge aufnehmen muß. (Nennen wir diese Option kurz „Dem Programs“.)

Die zweite Herausforderung wird von T’Challas in Amerika aufgewachsenem Cousin N’Jadaka/„Killmonger“ (Michael B. Jordan) verkörpert, der eine globale Revolution anzetteln will, indem er wakandische Waffen und Technologie an schwarze Revolutionäre und Gangster überall auf der Welt schickt. (Wir werden diese Option kurz „Kill Whitey“ nennen.)

Es hat eine Menge Debatten über die Politik von Black Panther gegeben, das meiste davon ist verkehrt.

Wakanda ist ein schwarzer, isolationistischer Ethnostaat, der einen leidenschaftlichen Patriotismus pflegt. Als T’Challa Nakias Vorschlag, Wakanda für Flüchtlinge zu öffnen, W’Kabi mitteilt, einem von Daniel Kaluuya gespielten Stammesführer, ist die Reaktion einfach: Flüchtlinge würden unvermeidlich ihre Probleme nach Wakanda mitbringen und Wakandas Lebensart zerstören. Ich war schockiert darüber, daß solche Einstellungen es auf die Leinwand schafften, aber der Grund wurde bald klar: W’Kabi ist ein Schurke, und Black Panther äußert solche Trump’schen Einstellungen nur, um sie abzuqualifizieren.

Um es zu wiederholen: Black Panther ist kein ethnonationalistischer, isolationistischer Film. Sicher, er zeigt, wie solch eine Politik eine großartige Gesellschaft schafft. Aber die Botschaft lautet, daß es selbstsüchtig von Wakanda ist, seine Schätze für sich zu behalten. Es muß sie mit der Welt teilen, selbst auf die Gefahr hin, seine Identität und Unabhängigkeit zu verlieren.

Außerdem ist Black Panther, obwohl Killmonger ein wortgewandter Befürworter der globalen Auslöschung der Weißen ist, nicht Walt Disneys Kill Whitey. (Es gibt darin aber ein gutes Mem.) Tatsächlich ist Killmonger der Hauptschurke des Films, und er wird von T’Challa, der die Vorstellungen seines Cousins nicht im mindesten ernst nimmt, besiegt und getötet. Stattdessen betrachtet er die Ideen als bloß ein Symptom der Malaise von Schwarzen unter kolonialer Unterdrückung. Er weist sogar die Schuld am Fall seines Cousins der Entscheidung seines Vaters zu, ihn in Amerika auszusetzen, statt ihn in Wakanda großzuziehen. Dieser Fehler wurzelte jedoch in Wakandas Isolationismus.

Black Panther ist nicht einmal anti-weiß per se. Ja, die einzigen kolonialen Unterdrücker, die erwähnt werden, sind Weiße. Kein Wort wird über den enormen arabischen Sklavenhandel geäußert. Ja, einer der Hauptschurken ist ein weißer Südafrikaner mit dem subtilen Namen Klaue, gespielt von Andy Serkis. Aber einer der Helden des Films ist ein Weißer, Everett K. Ross (Martin Freeman), der kein Geringerer als ein Agent der CIA ist. Ja, der gute Weiße arbeitet für den amerikanischen Tiefen Staat. Laßt diese Boschaft an das schwarze Amerika eine Minute lang einsinken.

Was ist also die politische Botschaft von Black Panther, sobald einmal sowohl der isolationistische Ethnonationalismus als auch der globale Genozid an den Weißen abgelehnt ist? Dem Programs natürlich. T’Challa kommt zu der Ansicht, daß es falsch von Wakanda gewesen ist, selbstsüchtig seine Unabhängigkeit zu hüten und seinen Reichtum zu horten. Daher begeben sich T’Challa und seine Schwester am Ende des Films nach Oakland, einer von Amerikas pulsierenden Mordhauptstädten, um seine Pläne zur Hebung von Schwarzen überall auf der Welt mittels Dem Programs zu skizzieren. Zweifellos mit der Hilfe ihres guten Freundes in der CIA und anderen liberalen weißen (((oder weißlichen))) Verbündeten. Abspann.

Black Panther ist ein unterhaltsames Spektakel, aber im politischen Sinne ist es ein sinistrer Schwindel. Er bezieht seine Energie, indem er das schwarze Publikum mit zwei schwarz-nationalistischen Visionen erregt, die tiefen Anklang bei ihm finden, ob es einem gefällt oder nicht: das fortschrittliche, isolationistische, nationalistische afrikanische Shangri-La von Wakanda und Killmongers Projekt des globalen Genozids an den Weißen. Aber am Ende lehnt Black Panther beide Formen des schwarzen Nationalismus ab und leitet diese Energien in die Unterstützung des gegenwärtigen Systems der Rassenintegration und des liberal-managerischen Wohlfahrts-Etatismus unter der Vormundschaft der Demokratischen Partei und des globalistischen Tiefen Staates.

Der Kolonialismus reicht tiefer als ihr denkt.

Aber dies sollte nicht überraschen angesichts dessen, daß die Schöpfer des ursprünglichen Black-Panther-Comics Juden sind. Der Autor Stan Lee wurde als Stanley Lieber geboren und der Zeichner Jack Kirby als Jacob Kurtzberg. Außerdem sind sowohl die Marvel Studios als auch Walt Disney völlig loyal gegenüber Lees und Kirbys jüdischer Vision von den Rassenbeziehungen zwischen Schwarz und Weiß. Wie es Kevin MacDonald in seinem klassischen Essay Jews, Blacks, and Raceerläutert, übernahmen jüdische Organisationen und Individuen eine führende Rolle bei der Förderung schwarzer Bürgerrechte in Amerika:

Juden haben eine prominente Rolle bei der Organisierung von Schwarzen gespielt, was mit der Gründung der National Association for the Advancement of Colored People (NAACP) im Jahr 1909 begann und trotz zunehmendem schwarzem Antisemitismus bis in die Gegenwart fortdauert. Die NAACP wurde von wohlhabenden deutschen Juden, nichtjüdischen Weißen und Schwarzen unter der Führung von W. E. B. DuBois gegründet. Die jüdische Rolle war vorherrschend.

Aber Juden haben eine sehr spezifische Vision vom Erheben der Schwarzen unterstützt, nämlich rassische „Integration“ unter der Vormundschaft der Demokratischen Partei und des Managerstaates, die von einer weißen und jüdischen Elite dominiert werden. Daher haben Juden ständig alle Formen von schwarzem Separatismus und Isolationismus bekämpft, von Marcus Garvey in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts über Malcolm X in den 1960ern bis zu Louis Farrakhan heute.

Wakanda ist im Grunde eine schwarze Schweiz: eine neutrale, isolationistische Gesellschaft, die von hohen Bergen geschützt wird und reich und fortschrittlich geworden ist, indem sie sich um ihre eigenen Angelegenheiten kümmerte. Vom liberal-demokratisch-globalistischen Standpunkt aus hat Wakanda nicht mehr Recht darauf, auf diese Weise zu existieren, wie die Schweiz. Daher müssen die Früchte seiner Isolation geteilt werden. Seine Grenzen und Bankkonten müssen für die Bedürftigen der Welt geöffnet werden. Aber es gibt einfach zu viele von diesen Leuten. Daher kann globaler Altruismus nur die fortgeschrittenen Nationen niederreißen, aber nicht die rückständigen Massen erheben.

Nur Ethnonationalisten sind gegen diese globalistische Agenda. Wenn weiße Nationalisten in den Vereinigten Staaten an die Macht kommen, werden wir ein schwarzes Heimatland auf diesem Kontinent schaffen, und wir werden es Wakanda nennen. Vergeßt den Liberalismus, die Demokratische Partei und den Manager-Wohlfahrtsstaat. Nur der weiße Nationalismus wird Wakanda verwirklichen.

Zwei Kommentare aus dem Originalstrang auf Counter-Currents:

Irmin (Vinson?):

Wenn weiße Nationalisten in den Vereinigten Staaten an die Macht kommen, werden wir ein schwarzes Heimatland auf diesem Kontinent schaffen, und wir werden es Wakanda nennen.

Machen wir daraus „irgendwo südlich der Vereinigten Staaten.“ Unsere Träume sollten attraktiv sein.

Gegenwärtig steht jedes Gerede über einen zukünftigen weißen Ethnostaat auf halbem Weg zwischen einem Plan und einer Fantasie.

Wenn wir schon fantasieren sollen, könnten wir genausogut eine attraktive Fantasie haben, die mit der Zeit zu einem realen Plan in der Zukunft werden könnte.

Wakanda auf amerikanischem Boden zu schaffen, ist keine attraktive Fantasie, besonders nicht für jeden, der in den Bundesstaaten lebt, die in der Fantasie für Schwarze reserviert sind.

Wenn wir Schwarze (ob in der Wirklichkeit oder in unseren Fantasien) an irgendeinen von uns abgesonderten Ort umsiedeln, warum nicht nach Mexiko?

Es ist nicht so weit weg, und es wäre nichts Unethisches daran, die Afrikaner, die jetzt in Amerika leben, nach Mexiko zu transportieren. Seit mindestens drei Jahrzehnten hat die mexikanische Regierung ihre Bürger über die Südgrenze geschickt. Sie ermutigt sie nicht nur dazu, Mexiko zu verlassen und in krimineller Weise in die Vereinigten Staaten einzudringen; sie unterweist sie auch darin, wie man um Wohlfahrtsleistungen ansucht und wie sie ihre Ersparnisse zurück in ihr eigenes Land schicken können. Mit dem Transport von Schwarzen nach Mexiko würden wir Mexiko nichts antun, das die mexikanische Regierung nicht bereits uns angetan hat. Sie schicken Leute, die sie nicht wollen, in die Vereinigten Staaten; wir würden Leute, die wir nicht wollen, nach Mexiko schicken.

Noch besser wäre ein Wakanda, das in Afrika selbst liegt, was weniger praktikabel, aber symmetrischer ist, eine Erfüllung des Traumes (ob real oder rhetorisch) vieler schwarzer Nationalistenführer in der Vergangenheit, wie Marcus Garvey. Führer, die von Schwarzen heute respektiert werden, wollten, daß ihr Volk nach Afrika zurückkehrt, und wir könnten ihren seit langem bestehenden Traum verwirklichen. Wir könnten dann die Erfolge oder Fehlschläge der Wakander aus der Ferne beobachten, mit einem Ozean zwischen ihnen und uns.

Wie ich sage, sollten wir unsere Träume attraktiv machen.

Greg Johnson:

Alles gute Punkte.

Ich denke, daß etwas poetische Gerechtigkeit darin liegt, Wakanda irgendwo im Schwarzengürtel des alten Südens zu plazieren.

Ich denke auch, daß es einigen Nutzen hat, Wakanda aus der Nähe zu beobachten, aber im Zeitalter des Internets und des schnellen Luftverkehrs ist Afrika in Wirklichkeit nicht so weit weg.

*   *   *   *   *   *   *   *

Siehe auch:

Aufbruch nach Wakanda (2): Black Panther Supremacy  von Martin Lichtmesz

Das Ulmer Münster und die Neger von mir

Von Krakau nach Krypton: Juden und Comics von Ted Sallis

Marvel Comics, Ethnizität und Rasse von Ted Sallis

Fiktive schwarze Helden: Star Trek von Hunter Wallace

Wer kontrolliert Hollywood? von Joel Stein

Unruhestifter de luxe von Osimandia

Juden und die Sklaverei: Drei Bücher der Nation of Islam von Andrew Hamilton

*     *     *

Neue Kommentarpolitik auf „Morgenwacht“: Wie bereits hier unter Punkt 1 angekündigt, am Schluß dieses Kommentars wiederholt als Absicht geäußert und in diesem Kommentar endgültig festgelegt, werden neue Kommentatoren nicht mehr zugelassen und sind die Kommentarspalten nur noch für die bereits bekannte Kommentatorenrunde offen.

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4 Kommentare

  1. Hat dies auf My Blog rebloggt.

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  2. Schildbürger

     /  Mai 1, 2019

    Mir ist nachdem ich letztens eine Kritik über „Black Panther“ gesehen habe was in den Sinn gekommen (ich hoffe mal ich bin jetzt nicht nur Captain Einsicht und habe die Diskussion darüber übersehen… ), dass „Wakanda“ laut Erzählung nur das wurde was es ist weil denen irgendwas auf den Kopf gefallen ist. Also purer Zufall, wäre der Komet in Nordskandinavien abgestürzt dann hätten wir Samanda oder so was.
    Ohne glückliche Zufälle zu verleugnen, eine Zivilisation baut auf dejenigen auf die sie erschaffen, nicht auf irgenwas was irgendwie glücklich vom Himmel fällt.
    „Wir habens nur besser als die weil „wir sie ausbeuten“, einen besseren Staat haben,…“, das kriegst praktisch in jeder Diskussion mit Neulinken zu hören.
    Als wäre das was die europäischen Völker erschaffen haben vom Himmel gefallen und nicht in Zeiträumen die man selber geistig nicht fassen kann mit Mühe und Schweiß aufgebaut worden.
    Von der anderen Seite kommen dann wieder diejenigen die ernsthaft behaupten es wäre einzig und alleine wahlweise nur Christentum, Kapitalismus, das was sich heute Demokratie schimpft oder was auch immer dafür verantwortlich.

    Antworten
  3. Diesen Punkt hast Du tatsächlich neu zur Sprache gebracht und nicht in den bisher hier veröffentlichten Artikeln und Kommentaren übersehen, Schildbürger.

    Auf Europäer und deren zivilisatorischen Vorsprung gegenüber anderen (bzw. den Rückstand der anderen) wird diese Scheinerklärung mit irgendwelchen zufälligen Standortvor- und Nachteilen auch wirklich betrieben, z. B. von (((Jared Diamond))) in „Guns, Germs, and Steel“, der behauptet, die altamerikanischen Indianerkulturen seien benachteiligt gewesen, weil es bei ihnen keine als Reit- und Zugtiere domestizierbaren Tiere gegeben habe, weshalb sie auch das Rad nicht erfunden hätten, weil sie keine Verwendung dafür hatten; und wieder andere Nichtweiße sollen laut Diamond durch das Fehlen domestizierbarer Nutzpflanzen benachteiligt gewesen sein.

    Dabei wären Radfahrzeuge für Indios (und Neger, die wegen der Schlafkrankheit keine Pferde und Rinder halten konnten, wobei aber die Massai und Tutsi in den ostafrikanischen Hochländern Ausnahmen gewesen wären) auch ohne Zugtiere von Nutzen gewesen, denn selbst mit menschlicher Muskelkraft lassen sich Dinge leichter auf Rädern transportieren, als wenn man sie tragen muß.

    Wie aus den von mir in Mesoamerika 1 – Transpazifische Kontakte aus Kuno Knöbls Buch „Tai Ki“ zitierten Passagen hervorgeht, kannten die präkolumbischen Indianerkulturen Mittelamerikas sogar Spielzeug-Tierfiguren auf Rädern wie im untenstehende Bild aus diesem Artikel bzw. Buch dargestellt, die anscheinend von Reisenden aus Asien mitgebracht worden waren:

    Offenbar hatten sie die Nutzbarkeit des Rades für eigene praktische Zwecke nicht erkannt und nicht einmal das Prinzip verstanden, denn die Räder der gefundenen Figuren weisen keine Abnützungsspuren auf.

    Eine weitere jener „geographischen“ Erklärungen für den Erfolg der Europäer in der Welt, die ich bereits in diesem Kommentar zitiert habe, ist im Buch „Wie Europa die Welt eroberte“ von Philip T. Hoffman (ein (((verdächtiger))) Name) enthalten, zu dem es in „Spektrum der Wissenschaft“ 6-2017 diese Rezension von Theodor Kissel gibt:

    IM DAUERKRIEG MÄCHTIG GEWORDEN

    Jahrhundertelange Kämpfe untereinander befähigten die Europäer dazu, fast die ganze Welt zu erobern

    In der Geschichtswissenschaft gibt es viele historische Phänomene, die zwar als solche erkannt, nicht aber in letzter Konsequenz hinterfragt werden. So hat bereits der Mathematiker und Physiker Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799) die Frage aufgeworfen, warum nicht die zivilisatorisch viel höher stehenden Chinesen Amerika entdeckt und expansiv in die Welt ausgegriffen hätten, sondern die Europäer.

    Was der Göttinger Gelehrte vor rund 250 Jahren en passant in den Raum stellte, dem geht der amerikanische Wirtschaftshistoriker Philip T. Hoffman in diesem Buch genauer auf den Grund. Er legt Faktoren dar, die dazu führten, dass die Europäer kurz vor dem Ersten Weltkrieg fast den ganzen Globus beherrschten. Dabei beweist er hohen analytischen Sachverstand und profunde Kenntnis der Materie. Hoffman lehrt am California Institute of Technology.

    Einen wesentlichen Grund dafür, warum die Europäer um 1914 rund 84 Prozent des Weltterritoriums kontrollierten, sieht Hoffman in der militärischen Überlegenheit des Abendlands. Zwar hätten die Chinesen das Schießpulver erfunden, doch seien es die Europäer gewesen, die die „gunpowder technology“ zur Anwendungsreife und steten Weiterentwicklung brachten. Dabei spielte der wissenschaftlich-technische Fortschritt in der frühen Neuzeit eine maßgebliche Rolle.

    Hauptantrieb dieser Entwicklung war ein militärischer Wettbewerb, der unter den geografischen und politischen Bedingungen Europas eine besondere Dynamik entfaltete. Nach dem Tod Karls des Großen (zirka 748-814), schreibt der Autor, habe es kein einheitliches Imperium, keine übergeordnete Macht mehr gegeben, die das Abendland hätte befrieden können. Stattdessen sei der Kontinent ein bunter Flickenteppich von Regionalmächten gewesen, die miteinander ständig um Ruhm, Ehre und Macht rangen.

    Aus dieser Konkurrenz erwuchs laut Hoffman eine besondere Form des militärischen Wettbewerbs – er bezeichnet sie als Turnier -, „bei der die Beteiligten unter den richtigen Bedingungen enorme Anstrengungen unternahmen in der Hoffnung, einen bestimmten Gewinn einzufahren“. Dies führte zu einem anhaltenden Wettrüsten, begünstigt von militärischen Innovationen und den ebenfalls wettbewerbsorientierten Märkten, was dafür sorgte, dass nie ein einzelnes Land die Macht über den ganzen Kontinent errang. Zugleich verhinderte dieses Turnier, dass der Anteil der Militärausgaben am Staatshaushalt sinken konnte – anders als beispielsweise in China. Zudem verfügten Europas Fürsten über gut ausgebaute Finanzsysteme, dank derer sie sich immer wieder neues Geld für Feldzüge beschaffen konnten.

    In häufigen Kriegen wurden nach dem Prinzip „learning by doing“ ständig neue Waffensysteme, Strategien und Taktiken erprobt. Dabei ging die Bedeutung von Elitekriegern wie Rittern zu Gunsten von Formationskämpfern zurück. Anhaltend hohe Investitionen ins Militär sowie die Verbreitung technischer Innovationen trugen maßgeblich zur militärischen Überlegenheit der Europäer bei. Diese Dominanz tritt klar zu Tage, wenn man – wie Hoffman – die Entwicklung der europäischen Nationen mit jener von anderen Zivilisationen vergleicht.

    Zwar habe es zu Beginn der Frühen Neuzeit mit China und Japan auch außerhalb Europas militärisch starke Imperien gegeben. Doch nirgendwo, so Hoffmans These, seien die Rivalitäten untereinander so intensiv und virulent, seien Glaubenseifer, Geschäftssinn und imperiales Sendungsbewusstsein so ausgeprägt gewesen wie im zersplitterten Abendland. Während sich Japan in der Edo-Zeit (1600-1868) von der Außenwelt abschottete und während Chinas Kaiser angesichts ihrer Dominanz in Ostasien sowie mangels äußerer Bedrohung keine besondere Veranlassung sahen, ihre Schusswaffentechnik aggressiv weiterzuentwickeln, rüstete Europa permanent auf.

    Hoffman erfindet das Rad zwar nicht neu; vieles, was er ausführt, wurde jüngst etwa von Geoffrey Parker oder Ian Morris behandelt. Es gelingt ihm jedoch, die Debatte durch neue Fragestellungen zu bereichern und weiter zu fundieren. Ein lesenswertes Buch mit interessanten methodischen Ansätzen.

    Na, wenn das keine „monokausalistische“ Erklärung ist!

    Erstens leuchtet es nicht ein, daß die Topographie einen derart großen Unterschied ausmachen sollte – immerhin ist z. B. ein großer Teil Chinas ebenfalls recht gebirgig und durch Flüsse zerschnitten.

    Zweitens wird bei solchen Erklärungsansätzen völlig vernachlässigt, wieso es in anderen, ebenfalls von häufigen Kriegen gekennzeichneten Weltgegenden keine Entwicklung ähnlich jener Europas gegeben hat. Was ist zum Beispiel mit Indien, das vor der moslemischen Eroberung ebenfalls in etliche Territorien unterteilt war; was mit dem mittelasiatischen Raum vom Iran bis Afghanistan und Pakistan, was mit dem arabischen Kalifat des Mittelalters oder dem Osmanischen Reich?

    Drittens bleibt unerklärt, wieso es auch zwischen den nichteuropäischen Völkern und Reichen solche großen Unterschiede in der zivilisatorischen Entwicklung gegeben hat – die Spanne reicht hier immerhin vom afrikanischen Kongoraum bis zu China und Japan.

    Viertens: woher sollen die wirtschaftlichen Mittel für die „ständige Aufrüstung der Europäer“ und den Ausgleich für die Verluste in den Kriegen untereinander gekommen sein, wenn nicht ebenfalls aus rassischen Besonderheiten der Europäer?

    Fünftens erklärt der Ansatz a la Hoffman nicht, wieso die Europäer überhaupt Entdeckungsreisen unternommen haben, noch ehe bekannt war, ob überhaupt außereuropäische Länder zu finden seien und was diese für einen Nutzen bringen würden, anstatt die dafür aufgewendeten Mittel den Kriegsanstrengungen zukommen zu lassen.

    Und sechstens bleibt unerwähnt, daß es in Europa parallel zu der militärischen und militärtechnischen Entwicklung auch sehr viele Fortschritte in zivilen Bereichen (Verkehrswesen, Bautechnik, Wissenschaften und Künste) gegeben hat, die nicht durch den militärischen Entwicklungsdruck vorangetrieben wurden. Immerhin gab es in Europa schon ab Ende des 13. Jahrhunderts Brillen als Sehhilfen, die ersten Mikroskope wurden um 1595 hergestellt, 1608 wurde vom holländischen Brillenmacher Hans Lipperhey das Galilei-Fernrohr erfunden und danach von Galileo Galilei verbessert, und 1611 entwickelte Johannes Kepler das nach ihm benannte Fernrohr. Seit 1533, als die kühlende Wirkung von Salpetersalz entdeckt wurde, konnte in Europa künstlich Kälte erzeugt werden, was für die Herstellung von Speiseeis genutzt wurde, das zunächst nur als Luxusdelikatesse für den Adel hergestellt wurde. Seit 1672 gab es Eisspezialitäten auch für den Verkauf an die Öffentlichkeit.

    Dies sind nur ein paar Beispiele für die sonstigen Manifestationen des europäischen Genius außerhalb der Schlachtfelder, der von solchen wie Hoffman, die unsere Erfolgsgeschichte gerne als eine einzige breite Blutspur durch die Jahrhunderte darstellen, völlig außer Acht gelassen wird.

    Hier ist ein Video mit Philip T. Hoffman („Why Did Europe Conquer the World?“), in dem er seine These darlegt (sein Aussehen legt auch einen Verdacht in Richtung jüdischer Identität nahe):

    Um noch einmal zu Wakanda zurückzukehren: Eigentlich gibt es ja ein „Wakanda“, nur halt ohne „Vibranium“: Äthiopien.
    Dieses Land war nie unter weißer Kolonialherrschaft, nur ein paar Jahre lang von Mussolinis Italien besetzt (ich weiß gar nicht, ob überhaupt zur Gänze), und man sieht, wie weit die es gebracht haben.

    Antworten
    • Schildbürger

       /  Mai 2, 2019

      Deine Antwort trifft es auf den Punkt.
      Was ich hinzufügen mag, im dritten Absatz des angefügten Zitates von Kissel ist das Fehlen einer „zentralen Gewalt“ angeprangert das für all die Misere verantwortlich sein soll.
      EU, UN, „die Welt ist ein Dorf“ und wir brauchen unbedingt eine globale Zentralregierung.
      Die Handschrift ist deutlich zu erkennen.

      Und Neulinke plappern so was nicht eins zu eins, aber sinngemäß in die selbe Kerbe schneidend nach.
      Dazu rechne man „warum findest du dein Land so toll nur weil du ZUFÄLLIG hier geboren bist…“.
      Alles Zufall, alles fällt vom Himmel und ist irgendwie da. Ja nee, is‘ klar,,,,

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