Yascha Mounk und ein „einzigartiges historisches Experiment“

Von Martin Lichtmesz; das Original erschien am 1. März 2018 auf Sezession.

Inzwischen haben es wohl die meisten unserer Leser gesehen:

Das ARD-Interview mit dem in Deutschland aufgewachsenen, in New York lebenden Politologen Yascha Mounk ist ein Dokument von Bedeutung, denn es enthält entlarvende Äußerungen.

Demnach sei einer der Gründe für den „Zerfall der Demokratie“ (so der Titel von Mounks aktuellem Buch) und den Aufstieg des „Rechtspopulismus“,

daß wir hier ein historisch einzigartiges Experiment wagen, und zwar eine monoethnische und monokulturelle Demokratie in eine multiethnische zu verwandeln. Das kann klappen, das wird, glaube ich, auch klappen, dabei kommt es aber natürlich auch zu vielen Verwerfungen.

Damit hat ein Ideologe des „Remplacismus“ (nach frz. remplacement = Ersetzung, Austausch, um es mit einem Begriff von Renaud Camus zu sagen) auf verblüffende Weise die Karten auf den Tisch gelegt. Er ist nicht der erste, und er wird auch nicht der letzte sein. Das Besondere ist, daß Mounk nahezu wortwörtlich formuliert, was im rechten Lager schon lange thematisiert und kritisiert wird, aber immer noch als „Verschwörungstheorie“ und Hirngespinst abgetan wird.

Mounk bestätigt mehrere wichtige Punkte der Kritiker dieses Vorgangs:

  1. Multikulturalismus ist ein Experiment ohne historische Präzedens. Was momentan in Westeuropa geschieht, ist also nicht „normal“, es ist nicht „Einwanderung, die es immer schon gab“, es ist nichts „Natürliches“. Damit liegt auf der Hand, worin das ethisch Verwerfliche dieser Politik liegt: Denn sind etwa Völker, Nationen, „Gesellschaften“ Laborratten und Versuchskaninchen, an denen man sich „Experimente“ mit ungewissem Ausgang erlauben darf? Was Mounk euphemistisch „Verwerfungen“ nennt, bedeutet im Endeffekt nichts anderes, als daß im schlimmsten Fall jene „Ströme von Blut“ fließen werden, die Enoch Powell prophezeit hat.
  2. Die ethnokulturelle Homogenität ist die historische Grundlage, die abgeräumt und aufgelöst werden soll. Die Vertreter des Multikulturalismus und Remplazismus drehen die Reihenfolge um, wenn sie behaupten, daß die „völkischen“ Rechten diese Homogenität erst herstellen wollen, etwa durch ethnische Säuberungen. Dabei heben sie gerne die Tatsache hervor, daß die ethnokulturelle Einheit der westeuropäischen Nationen durch jahrzehntelange Masseneinwanderung bereits jetzt erheblich geschwächt und fragmentiert ist. Da diese „Homogenität“ immer nur eine relative ist, ist das „Experiment“ noch nicht beendet, solange das angestammte Volk weiterhin die Mehrheit stellt, und man noch immer von einer relativ homogenen Gesellschaft sprechen kann.
  3. Ethnokulturelle Homogenität und Demokratie sind konzeptionell eng miteinander verbunden. Eine monokulturelle, monoethnische Demokratie ist der historische Normalfall (das gilt, historisch gesehen, nebenbei auch für ein Gebilde wie die USA), eine multiethnisch-multikulturelle Demokratie das „Experiment“, das historisch noch nie dagewesen ist und das mit einem utopistischen Fanatismus vorangetrieben wird.

Hier setzt die „populistische“ Kritik am gegenwärtigen, verfälschten „Demokratie“-Begriff der herrschenden, multikulturalistisch orientierten Eliten an: Die Multikulturalisierung unterminiert ein wichtiges Fundament des demokratischen Nationalstaats, häuft eine bloße Bevölkerung an, die sich aus Gruppen unterschiedlichster Herkunft zusammensetzt, und die sich dennoch nach der Vorstellung der Ideologen als „demos“, „populus“, „Volk“ erkennen sollen. Daß das gelingen kann, wird Tag für Tag von der Realität widerlegt.

An diesem Punkt taucht meistens die Rede von den berüchtigten „Werten“ auf, die diese „Vielfalt“ zu einer Einheit kitten sollen. Typisch ist etwa diese Zwitschermeldung von Heiko Maas:

#Heimat wird für mich durch gemeinsame Werte bestimmt, nicht durch Herkunft oder Hautfarbe. Ein moderner Heimatbegriff darf nicht nur von ortsverbundenem Pathos geprägt sein, sondern auch von Ideen und Überzeugungen, die uns verbinden und die grenzenlos sein können.

Wer seinen Carl Schmitt gelesen hat, weiß, daß gerade die „Werte“ eine äußerst polemogene Wirkung entfalten können. Die „Werte“ des Heiko Maas etwa werden von einer erheblichen Anzahl von Deutschen abgelehnt (immer wieder lustig: die Amazon-Rezensionen seines Buches), und mit einem typischen ethnozentrisch und schariakonform denkenden arabischen Moslem wird der Noch-Justizminister auch nicht allzu viele Gemeinsamkeiten haben.

Die Vorstellung, daß es „Ideen und Überzeugungen“ seien sollen, „die uns verbinden“, birgt in sich den Keim der Gleichschaltung und der geistigen Verödung – multiethnisch, aber monoideell ist die Devise. Demgegenüber sind Herkunft und „Hautfarbe“ wesentlich effektivere und natürlichere Binde- und Solidaritätsmittel, die einen größeren Pluralismus zulassen.

Auf Twitter antwortete jemand schlau:

Was für ein aufgesetztes Gerede. Heimat ist das bayerische Dorf in dem ich aufgewachsen bin, dessen kleinbürgerliche Werte ich in kaum einer Weise teile, dessen Bewohner ich größtenteils nicht einmal leiden kann. Dennoch ist das meine Heimat, wohin auch immer mich das Leben führt.

Weiterlesen im Original auf Sezession! (dies war Seite 1 von 3)

*   *   *   *   *   *   *   *

Siehe auch:

Deutschland schafft sich ab. Broder: „Na und?“ von Manfred Kleine-Hartlage

Tyrannei und Vielfalt in der antiken Welt von Guillaume Durocher

Die Torheit des Staatsbürgernationalismus von R. Houck

Rassenerhaltung: für heimische Bienen ja, für Weiße nicht? von mir

Warum Juden für „Vielfalt“ sind von mir

Frans Timmermans: „Europa muss Vielfalt akzeptieren“ von mir

Barbara Lerner-Spectre: „Ohne Multikulturalismus wird Europa nicht überleben“ von mir

Für das „Land“ – oder für das Volk? von mir (als Deep Roots)

Stimmen unserer „Freunde“ von mir (als Deep Roots)

Die Nation als Idee von Kevin Alfred Strom

Rasse: Das erste Prinzip von Gregory Hood

Wenn Verrat zur Norm wird: Warum die Willensnation, nicht der Islam, unser Hauptfeind ist von Fjordman

„How Whites took over America“ (ein satirisches Video von Horus the Avenger mit Transkription des englischen Textes)

*     *     *

Neue Kommentarpolitik auf „Morgenwacht“: Wie bereits hier unter Punkt 1 angekündigt, am Schluß dieses Kommentars wiederholt als Absicht geäußert und in diesem Kommentar endgültig festgelegt, werden neue Kommentatoren nicht mehr zugelassen und sind die Kommentarspalten nur noch für die bereits bekannte Kommentatorenrunde offen.

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4 Kommentare

  1. Im Wiki-Artikel über Yascha Mounk steht unter Frühe Jahre:

    Yascha Mounk kam 1982 in der bayerischen Landeshauptstadt München als Sohn einer Jüdin, die im Jahr 1969 die Erlaubnis bekommen hatte, Polen zu verlassen, zur Welt. Mounk verbrachte seine Kindheit in verschiedenen deutschen Kleinstädten, wo er nach eigenen Angaben sowohl antisemitischen als auch philosemitischen Angriffen ausgesetzt gewesen sei, wobei er letztere als heimtückischer empfand. Aufgrund dieser und anderer Erfahrungen fühlte er sich immer als Fremder in seinem Geburtsland, und obwohl Deutsch seine Muttersprache war, sah er sich von Gleichaltrigen nie als „echter Deutscher“ akzeptiert.

    Antworten
  2. Kleiner Eisbär

     /  März 6, 2018

    Der angebliche Harvard Dozent verkündete es bereits 2015 im Spiegel:

    „DER SPIEGEL

    Sachbücher

    „Einzigartiges Experiment“

    Wie wird die Einwanderung das Land verändern? Yascha Mounk, 33, lehrt Politische Theorie in Harvard und blickt in einem Buch auf seine Jugend in Deutschland zurück: „Echt, du bist Jude? Fremd im eigenen Land“ (Kein & Aber; 23 Euro).

    SPIEGEL: Herr Mounk, Hunderttausende Muslime flüchten nach Deutschland. Was bedeutet das für deutsche Juden?

    Mounk: Ich hoffe auf ein Deutschland, in dem ich meine jüdische Herkunft erwähnen kann, ohne nur als Jude wahrgenommen zu werden – so wie es mir als Kind meist ergangen ist. Wenn Deutschland multiethnischer wird, könnte sich das ändern. Ein Deutschland, in dem sich Juden wohlfühlen, ist ein Deutschland, in dem sich auch Muslime wohlfühlen.

    SPIEGEL: Sehen Sie auch Probleme?

    Mounk: Unter deutschen Muslimen gibt es verstärkt Antisemitismus. Unter jenen, die nun nach Deutschland flüchten, auch. Das zu verschweigen ist gefährlich. Im Experiment mit dem Pluralismus spielen wir Juden ungefähr die Rolle, die Kanarienvögel in Kohlegruben hatten. Braut sich eine Explosion zusammen, geht es uns zuerst an den Kragen.

    SPIEGEL: Wie lässt sich die Situation entschärfen?

    Mounk: Viel hängt davon ab, welche Perspektiven Deutschland den Einwanderern bietet. Ein syrischer Lehrer, der als Taxifahrer arbeiten muss, wird unzufriedener sein als einer, der unterrichten darf.

    SPIEGEL: Aber es geht doch um mehr als um Jobs.

    Mounk: Vor allem geht es um mehr als ein kurzes, fremdenfreundliches Sommermärchen. In Westeuropa läuft ein Experiment, das in der Geschichte der Migration einzigartig ist: Länder, die sich als monoethnische, monokulturelle und monoreligiöse Nationen definiert haben, müssen ihre Identität wandeln. Wir wissen nicht, ob es funktioniert, wir wissen nur, dass es funktionieren muss.“

    http://m.spiegel.de/spiegel/print/d-139000005.html

    Bemerkenswert ist, daß es keinen englischen Wiki-Artikel über ihn gibt.

    https://ces.fas.harvard.edu/people/000609-yascha-mounk

    …mit weiteren Verweisen.

    Ich halte seine veröffentlichte Vita für gestrickt…

    Antworten
  3. Mit Yasha Mounk befaßt sich auch Greg Johnson in seinem neuen Beitrag The Counter-Currents 2018 Fundraiser & Charles Krafft Auction Update / Plan B: Co-opting & Subverting Nationalism, aus dem ich den gegenständlichen Abschnitt hier für euch übersetzt habe:

    Einige Leser haben gefragt, was mein nächstes Projekt ist, wo jetzt The White Nationalist Manifesto fertig ist und in Druck geht. Offen gesagt, fragte ich mich das selbst, bis mir die Antwort von einem Artikel in der New York Times geliefert wurde, „How Liberals Can Reclaim Nationalism“ von einem gewissen (((Yasha Mounk))), auf den ein Freund kürzlich meine Aufmerksamkeit lenkte. Mounks Essay ist so wie auch sein Buch mit dem lächerlichen Titel The People vs. Democracy: Why Our Freedom is in Danger and How to Save It Teil einer entstehenden Strategie, die ich Plan B nenne.

    Plan A ist im Grunde Vollgas-Globalisierung und linksextreme antiweiße Identitätspolitik, die darauf hofft, ihre nationalistischen Gegner glattweg zu vernichten. Im Grunde ist das der Pussyhat-tragende, Clinton-Kool-Aid trinkende Twitter- und Tumblr-„Widerstand.“

    Plan B nimmt eine gemäßigtere, zentristischere Pose ein und sucht die populistisch-nationalistischen Kräfte, die durch die Welt fegen, an sich zu ziehen und zu unterwandern, indem man sie in liberalere, multikulturellere Formen des künstlichen Staatsbürgernationalismus überführt. In Mounks Worten:

    „Der Nationalismus ist wie eine halbwilde Bestie. Solange er unter unserer Kontrolle bleibt, kann er von enormem Nutzen sein. Aber wenn wir uns von ihm abwenden, werden sicher andere einspringen und die Bestie anstacheln und locken, um ihre wildeste Seite zum Vorschein zu bringen. Bei all den wohlbegründeten Bedenken ihretwegen haben wir wenig Wahl, als sie so gut wir können zu domestizieren.“

    Plan B wird von Denkern wie Mounk vorangetrieben, sowie von Mark Lilla, Autor von The Once and Future Liberal: After Identity Politics , William Galston, Autor von Anti-Pluralism: The Threat to Liberal Democracy and How to Stop It, und Francis Fukuyama in seinem kommenden Buch Identity: The Demand for Dignity and the Politics of Resentment .

    Lilla, Galston und Fukuyama sind im Grunde linke Straussianer. Über Mounks intellektuelle Ahnentafel bin ich mir weniger sicher, aber Fukuyama gibt eine glühende Empfehlung für Mounks Buch ab. Natürlich sind Rechts und Links für diese Autoren nicht von fundamentaler Bedeutung. Sie gleiten auf dem politischen Spektrum nach Belieben auf und ab. Was sich jedoch nie ändert, ist ihr Engagement für Globalisierung, Multikulturalismus und Minderheitenherrschaft.

    All diese Autoren sind entschlossen, die „liberale Demokratie“ gegen Populismus und Nationalismus zu verteidigen. Wie genau ist die Herrschaft durch das Volk (Populismus) eine Bedrohung für die Demokratie statt eine Definition von ihr? Im Grunde bedeutet das „liberal“ in „liberale Demokratie“ für all diese Denker Minderheitenherrschaft. Was für Straussianer und ihresgleichen darauf hinausläuft, das Diaspora-Judentum durch Abbau ausschließender Formen von Nationalismus zu sichern und zu bestärken.

    Mein nächstes Projekt ist die intellektuelle Demontage von Plan B. Bleibt auf Empfang.

    Antworten
  4. logos

     /  August 26, 2018

    Und wo begegnet uns Politikwissenschaftler Yascha Mounk?
    https://institute.global/renewing-centre/progressive-globalisation
    Man erinnern sich an Tony Blair, als der aus britischen Politik ausschied, wandte er sich mit seiner Frau esotherischen Zielen für ein „spirituelles Erwachen“ zu.

    Dessen „Erwachen“ wird nicht seinen Erwartungen entsprechen.

    Antworten

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