Die 10.000-Jahres-Uhr

Von Kevin Kelly, übersetzt von Lucifex. Das Original 10,000 year clock (Clock in the Mountain) erschien auf http://longnow.org/.

[Anm. d. Ü.: Dies ist der 800. Beitrag auf „Morgenwacht“! Aus diesem Anlaß bringe ich wieder einmal etwas Ausgefallenes, einen Artikel über ein Projekt, das ich sowohl von der technischen Aufgabenstellung wie auch von der extrem langfristigen Zukunftsperspektive (mit der Fragestellung „Sind wir gute Vorfahren?“) her faszinierend finde. Dies ungeachtet dessen, daß sie erstens keinen praktischen Zweck erfüllt und zweitens der Hauptsponsor der Amazon-Gründer Jeff Bezos ist, über dessen ethnischen Hintergrund ich zwar nichts (((eindeutig Belastendes))) verifizieren konnte, der jedoch als bedeutende Gestalt des JNWO-Establishments aus unserer Sicht etwas anrüchig ist.]

*   *   *

Die 10.000-Jahres-Uhr im vollen Maßstab befindet sich nun im Bau. Während kein Fertigstellungsdatum festgesetzt ist, planen wir doch, sie für die Öffentlichkeit zu öffnen, sobald sie fertig ist. Der nachfolgende Essay von Long-Now-Vorstandsmitglied Kevin Kelly diskutiert, was wir hoffen, das die Uhr sein wird, wenn sie einmal fertig ist. Dies ist eines von mehreren Projekten von Long Now zur Förderung von langfristigem Denken im Zusammenhang mit den nächsten 10.000 Jahren.

DIE UHR IM BERG

Von Kevin Kelly

Eine Uhr läutet tief im Inneren eines Berges. Es ist eine riesige Uhr, Hunderte Fuß hoch, dazu konstruiert, 10.000 Jahre lang zu ticken. Hin und wieder spielen die Glocken dieser begrabenen Uhr eine Melodie. Jedesmal, wenn das Glockenspiel erklingt, ist es eine Melodie, die die Uhr nie zuvor gespielt hat. Das Geläute der Uhr ist programmiert worden, sich 10.000 Jahre lang nicht zu wiederholen. Zumeist läutet die Uhr, wenn ein Besucher sie aufgezogen hat, aber die Uhr hortet Energie aus einer anderen Quelle und wird gelegentlich von selbst läuten, wenn niemand da ist, um sie zu hören. Man kann nur raten, wieviele schöne Lieder im Laufe der zehn Jahrtausende langen Lebensspanne der Uhr nie gehört werden.

Der Standort vor dem Bau

Die Uhr ist real. Sie wird jetzt im Inneren eines Berges im westlichen Texas gebaut. Diese Uhr ist die erste von vielen Jahrtausenduhren, von denen die Konstrukteure hoffen, daß sie überall auf der Welt und über die Zeiten hinweg gebaut werden. Es gibt einen zweiten Standort für eine weitere Uhr, der bereits am Gipfel eines Berges im östlichen Nevada gekauft wurde, ein Standort, der von einem sehr großen Hain von 5000 Jahre alten Bristlecone-Kiefern umgeben ist. Passenderweise gehören Bristlecone-Kiefern zu den langlebigsten Organismen auf dem Planeten. Die Konstrukteure der Uhr in Texas erwarten, daß ihr Glockenspiel zweimal so lange läuten wird wie die Lebensspanne der ältesten, fünf Jahrtausende alten Bristlecone-Kiefer. Zehntausend Jahre ist etwa das Alter der Zivilisation, daher würde eine 10-Kilojahr-Uhr eine Zukunft der Zivilisation ausmessen, die gleich lang ist wie ihre Vergangenheit. Das ist eine Annahme, daß wir in der Mitte welcher Reise auch immer sind, auf der wir uns befinden – eine stillschweigende Erklärung des Optimismus.

 

Die Uhr wird nun in Kalifornien und Seattle gefertigt und zusammengebaut. Währenddessen wird der Berg in Texas vorbereitet. Warum sollte irgendjemand eine Uhr innerhalb eines Berges bauen, in der Hoffnung, daß sie 10.000 Jahre lang läuten wird? Ein Teil der Antwort: Eben damit Leute diese Frage stellen und sich, nachdem sie sie gestellt haben, dazu anregen, Vorstellungen von Generationen und Jahrtausenden heraufzubeschwören. Wenn man eine Uhr hat, die 10.000 Jahre tickt, zu welchen Arten von Fragen und Projekten im Maßstab von Generationen wird sie anregen? Wenn eine Uhr zehn Jahrtausende lang laufen kann, sollten wir dann nicht sicherstellen, daß unsere Zivilisation das ebenso tut? Wenn die Uhr weiterläuft, lange nachdem wir persönlich tot sind, warum nicht andere Projekte versuchen, die zu ihrer Vollendung zukünftige Generationen erfordern? Die größere Frage lautet, wie der Virologe Jonas Salk einst fragte: „Sind wir gute Vorfahren?“

Der Erfinder der Uhr stellte die Idee der Uhr (im Jahre 01995) mit diesem Kontext vor:

„Ich kann mir die Zukunft nicht vorstellen, aber mir liegt etwas an ihr. Ich weiß, daß ich ein Teil einer Geschichte bin, die lange vor meiner Erinnerung beginnt und lange über die Zeit hinaus weitergeht, wo irgendjemand sich an mich erinnert. Ich spüre, daß ich zu einer Zeit eines bedeutenden Wandels lebe, und ich fühle eine Verantwortung, sicherzustellen, daß der Wandel gut ausgeht. Ich pflanze meine Eicheln im Wissen, daß ich das Ernten der Eichen nie erleben werde.

Ich möchte eine Uhr bauen, die einmal im Jahr tickt. Der Jahrhundertzeiger rückt einmal alle 100 Jahre weiter, und der Kuckuck kommt zum Millennium heraus. Ich möchte, daß der Kuckuck zu jedem Millennium in den nächsten 10.000 Jahren herauskommt.“

Das ist Danny Hillis, ein vielseitig gebildeter Erfinder, Computeringenieur und der Konstrukteur, Erfinder und Haupt-Genius der Uhr. Er und Stewart Brand, ein Kulturpionier und ausgebildeter Biologe, gründeten eine gemeinnützige Stiftung, um zumindest die erste Uhr zu bauen. Ihr Weggefährte, der Rock-Musiker Brian Eno, nannte die Organisation The Long Now Foundation, um auf das erweiterte Zeitgefühl hinzuweisen, das die Uhr hervorruft – nicht das kurze Jetzt des nächsten Quartals, der nächsten Woche oder der nächsten fünf Minuten, sondern das „lange Jetzt“ von Jahrhundeten. Eno komponierte auch den sich nie wiederholenden Melodiegenerator, der das Glockenspiel der Uhr im Berg läuten läßt. Andere Leute, die mit der kurzen Aufmerksamkeitsspanne unserer Gesellschaft unzufrieden sind, gehören zu dieser Gruppe, einschließlich mir, einem ihrer Gründungsvorstände. Diese Uhr im Berg wird von Jeff Bezos, dem Gründer und Firmenchef von Amazon.com, finanziert und auf einem Grundstück gebaut, das ihm gehört. Bezos ist auch aktiv beim Entwerfen des vollen Erlebnisses der Uhr.

Sonnensystemmodell mit Konstruktionsteam.

Der erste Schritt bei diesem über mehrere Jahrzehnte laufenden Projekt bestand in der Konstruktion eines 2,4 Meter hohen, funktionierenden Prototyps. Diese Testversion wurde (gerade rechtzeitig) am Silvesterabend 1999 fertiggestellt. Schlag Mitternacht dröhnte der Prototyp der 10.000-Jahres-Uhr zweimal, um das neue Jahrtausend, das Jahr 2000, vor einer kleinen Menschenmenge in seinem vorübergehenden Zuhause im Presidio, San Francisco, einzuläuten. Die Uhr befindet sich nun im London Science Museum. Etwas beunruhigend ist, daß es Momente gegeben hat, wo sie nicht aufgezogen wurde.

Hochziehen im Kamin.

Im Gegensatz zum menschlichen Maßstab des Prototyps wird die Uhr im Berg monumental sein und fast architektonische Ausmaße haben. Sie wird ungefähr 60 Meter hoch sein. Da sie sich unter einem abgelegenen Kalksteinberg nahe Van Horn, Texas, befindet, wird eine Tageswanderung nötig sein, um ihr inneres Werk zu erreichen. Das bloße Erreichen des 450 Meter über der hochgelegenen Buschwüste befindlichen Eingangstunnels wird manche Besucher außer Atem bringen, die von Dornen zerkratzt sein und sich fragen werden, worauf sie sich eingelassen haben.

Um die Uhr zu sehen, muß man in der Morgendämmerung aufbrechen, wie bei jeder Pilgerwanderung. Wenn Sie einmal den verborgenen Eingang in einer Öffnung in der Felswand erreichen, werden Sie eine Jadetür vorfinden, die mit rostfreiem Stahl eingefaßt ist, und dann eine zweite Stahltür dahinter. Diese wirken als eine Art grobe Luftschleuse, die Staub und wilde Tiere draußenhält. Sie drehen ihre runden Griffe, um sich einzulassen, und schließen dann die Türen hinter sich. Sie gehen in die Dunkelheit eines ein paar hundert Fuß langen Tunnels. Am Ende gibt es das mildeste Anzeichen von Licht auf dem Boden. Sie schauen hoch. Da ist ein weit entfernter, winziger Lichtpunkt am oberen Ende eines 150 Meter langen senkrechten Tunnels von etwa 3,6 Meter Durchmesser. Es hängt Zeug im Schacht.

Der Lichtpunkt lockt Sie. Sie beginnen den Aufstieg. Sie beginnen eine durchgehende Wendeltreppe hochzusteigen, die sich um den äußeren Rand des Tunnels windet un sich zu dem sehr schwachen Licht darüber erhebt. Die Stufen sind aus dem Fels geschnitten. Das Material über jeder Stufe ist aus dem Tunnel entfernt worden, wobei erstaunlich präzise Steinstufen entstanden. Um die Wendeltreppe herauszuschneiden, hat Stuart Kendall von Seattle Solstice einen speziellen Steinschneideroboter erfunden, um fortlaufend die Stufen mit einer Rate von ein paar Stufen pro Tag herauszuschleifen. Sein Roboter kriecht nach und nach abwärts, während der Schutt in den Zentralschacht und aus dem Weg fällt.

Sie streben um den Tunnel herum und die Röhre hinauf zum Licht. Der erste Teil der Uhr, auf den Sie beim Aufstieg über die Wendeltreppe stoßen, ist das Gegengewicht des Antriebssystems der Uhr. Dies ist ein riesiger Stapel von Steinscheiben, etwa in der Größe eines kleinen Autos und mit einem Gewicht von 10.000 Pfund (ca. 4,5 Tonnen). Abhängig davon, wann die Uhr zuletzt aufgezogen wurde, können Sie bis zu 23 Meter hochsteigen müssen, bevor Sie die Gewichte erreichen.

Das Hauptantriebssystem: Der Hauptenergiespeicher für die Uhr ist ein großes Gewicht, das an einer Zahnstange hängt. Das Gewicht kann sowohl durch Besucher der Uhr hochgewunden werden, als auch durch die solare Aufziehvorrichtung. Die Energie aus diesem System wird verwendet, um das Glockenspiel an jedem Tag zu läuten, an dem es voll aufgezogen ist. Während der restlichen Zeit treibt es den Zeitmessungsmechanismus an und hat genug Energie, um die Uhr viele Jahre ohne menschliches Aufziehen oder Sonnenlicht laufen zu lassen.

Nach dem Passieren der Gewichte kommen Sie zur Aufziehstation. Sie ist eine horizontale Winde, oder ein Spill wie jenes auf einem alten Segelschiff, das den Anker hochwindet. Es sind zwei oder drei Besucher nötig, um das Spill der Uhr herumzudrehen und seine 10.000-Pfund-Steine zu heben. Sie drehen es herum, bis Sie nicht weiterkönnen. Nun ist die Uhr aufgezogen.

Sie steigen weiter empor. Auf den nächsten 21 – 24 Metern des Aufstiegs kommen Sie an 20 riesigen horizontalen Zahnrädern (genannt Malteserräder) mit 2,4 Metern Durchmesser vorbei, von denen jedes 1000 Pfund (453 kg) wiegt. Dies ist der mechanische Computer, der die über 3,5 Millionen verschiedenen Melodien berechnet, die das Glockenspiel im Berg im Laufe der Jahrhunderte spielen wird. Das Geläute wiederholt sich nie, sodaß das Erlebnis jedes Besuchers einzigartig ist, und die berechnete Abwechslung erzeugt ein Gefühl voranschreitender Zeit statt eines endlosen Kreislaufs. Und „berechnen“ ist das richtige Wort, denn in die Zahnräder ist ein ausgeklügeltes System von Schlitzen und Gleitstiften eingeschnitten, das so ziemlich wie eine Differenzmaschine von Babbage digitale Berechnungen ausführt und damit die nächste Abfolge der zehn Glocken erzeugt. Nur daß die Uhr ohne Elektrizität rechnet und Ihre gespeicherte Energie verwendet, um ihre physischen Logikgatter und Bits zu bewegen. Dies ist der langsamste Computer der Welt.

Der Glockenspielgenerator ist ein mechanischer Computer, der zehn Glocken an jedem Tag im Laufe von 10.000 Jahren mit einer unterschiedlichen Reihenfolge läuten läßt. Der Generator besteht aus einer kaskadierenden Serie von Malteserrädern, die eine unterbrochene Bewegung (einen Glockenschlag) aus fortlaufender Rotation (aus dem Hauptantriebssystem) erzeugen.

An Tagen, an denen Besucher da sind, um sie aufzuziehen, wird die berechnete Melodie an das Glockenspiel übertragen, und falls man zu Mittag dort ist, beginnen die Glocken ihre einzigartige, nur einmal verwendete Melodie zu läuten. Die zehn Glocken sind für die Akustik des Schachtraumes optimiert, und sie sind groß.

Endlich kommen Sie, sehr außer Atem, in der Hauptkammer an. Hier ist das Zifferblatt der Uhr. Eine Scheibe mit etwa 2,4 Metern Durchmesser zeigt kunstvoll die natürlichen Zyklen der astronomischen Zeit an, den Lauf der Sterne und Planeten und die galaktische Zeit des Erdumlaufs. Wenn Sie tief in das Werk der Uhr spähen, können Sie auch die Tageszeit sehen.

Aber um die richtige Zeit zu bekommen, müssen Sie die Uhr „fragen“. Zuerst, wenn Sie zum Zifferblatt kommen, ist die angezeigte Zeit eine ältere, die dem letzten Besucher angegeben wurde. Falls eine Weile lang niemand zu Besuch gekommen ist, sagen wir seit 8 Monaten und 3 Tagen, wird es die damalige Zeit anzeigen. Um Energie zu sparen, bewegt die Uhr ihre Zifferblätter nicht, sofern sie nicht von einem Besucher gedreht, das heißt, angetrieben werden. Die Uhr berechnet die korrekte Zeit, zeigt sie aber nur an, wenn man ihr Anzeigerad dreht. Also wartet noch ein handbetätigtes Rad auf Ihre Bemühung, um die Zeitanzeige zu aktualisieren. Dieses ist viel leichter zu drehen, weil die Bewegung der Anzeigen viel weniger Energie verbraucht als das Läuten der Glocken. Sie beginnen zu drehen, und die Kalenderräder schwirren, bis sie – BING! – stoppen und das gegenwärtige Datum und die Uhrzeit anzeigen.

Anzeige: Energie vom Hauptantriebssystem wird in eine Ankerhemmung eingespeist, die ein langsames Titanpendel antreibt. Dieser Tageszeitmeßmechanismus wird durch den Sonnensynchronisator am Abweichen gehindert. Die Anzeigen bestehen aus einer Reihe von Zifferblättern, Planetarien und mechanischen Kalendern. Besucher aktualisieren diese Anzeigen, indem sie in der Zifferblattkammer ein Rad drehen, das stoppt, wenn die Zifferblätter den gegenwärtigen Moment erreichen. Die Uhr weiß die Zeit immer, zeigt sie Ihnen aber nur, wenn Sie sie drehen.

Wie läuft die Uhr nun weiter, falls sie monatelang, oder jahrelang, oder vielleicht jahrzehntelang niemand besucht? Falls man sie zwischen Besuchen ablaufen läßt, wer würde sie ständig neu stellen? Die Uhr ist dafür konstruiert, 10.000 Jahre lang zu laufen, selbst falls niemand sie jemals besucht (obwohl sie nicht die korrekte Zeit anzeigen würde, bis jemand sie besucht). Falls es über lange Zeiträume keine Beachtung gibt, verwendet die Uhr die Energie, die durch die Temperaturänderungen zwischen Tag und Nacht am Berggipfel eingefangen wird, um ihren Zeitmeßapparat anzutreiben. An einem Ort wie einem Berggipfel ist dieser tägliche Unterschied von zig Temperaturgraden bedeutend und daher energiereich. Wärmeenergie ist schon zuvor für kleine Kaminsims-Uhren genutzt worden, aber es ist zuvor noch nicht in diesem Maßstab getan worden. Die Differentialenergie wird durch lange Metallstäbe in das Innere der Uhr übertragen. Solange die Sonne scheint und die Nacht kommt, kann die Uhr von selbst die Zeitmessung weiterlaufen lassen, ohne menschliche Hilfe. Aber sie kann ihr Glockenspiel nicht lange von selbst läuten lassen, oder die Zeit anzeigen, die sie kennt, daher braucht sie menschliche Besucher.

Falls die Sonne öfter als erwartet durch die Wolken scheint, und falls die Nächte kälter als üblich sind, wird die durch diesen Unterschied zusätzlich erzeugte Energie (über das hinaus, was normalerweise benötigt wird, um das Pendel anzustoßen) in die Gewichte der Uhr überfließen. Das bedeutet, daß die Sonne unter idealen Bedingungen im Laufe der Zeit tatsächlich das Glockenspiel aufziehen wird, und es ausreichend aufziehen wird, daß es läutet, wenn niemand dort ist.

Die rotierenden Scheiben und Zahnräder, der wirbelnde Drehzahlregler und das interne Gleiten von Stiften und Schlitzen innerhalb der Uhr werden nur sichtbar sein, wenn man sein eigenes Licht mitbringt. Der magere Lichtpunkt oben reicht nicht aus, um andernfalls viel zu sehen. Bei ausgeschaltetem Licht sitzt die Uhr in nahezu völliger Dunkelheit und redet in langsamen Klicks mit sich selbst, vielleicht für Jahre am Stück. In der Dunkelheit können Sie hören, wie sich Dinge bewegen, scharfe nicht-zufällige Pings, wie ein grober Gedanke, der sich in einem düsteren unbeleuchteten Gehirn zu formen versucht.

Der Drehzahlregler: Energie aus dem Hauptantriebssystem läuft über Getriebe und wird durch einen Drehzahlregler moderiert, der nur auf Touren kommt, wenn das Glockenspiel läutet.

Wenn Sie mit Ihrem Licht im Rest der Kammer herumleuchten, sehen Sie das Pendel und die Ankerhemmung, die von einer Abschirmung aus Quarzglas umschlossen ist – um Staub, Luftbewegungen und Viecher ferntzuhalten. Das Pendel, das die Zeitmessung der Uhr regelt, ist eine 1,8 Meter lange Titanbaugruppe, die in footballgroßen Titangewichten endet. Es schwingt mit einer zufriedenstellend langsamen 10-Sekunden-Periode. Das leichte Klicken seiner Ankerhemmung widerhallt laut in der Stille des Berges.

Etwas zu bauen, das 10.000 Jahre überdauert, erfordert sowohl eine große Dosis Optimismus als auch eine Menge Wissen. Es gibt einen riesigen „geek-out“-Faktor bei der Uhr, weil die technischen Herausforderungen formidabel sind. Womit baut man, das in 100 Jahrhunderten nicht korrodiert? Wie hält man sie genau, wenn niemand da ist? Die technischen Lösungen der Uhr sind oft genial.

Fast jede Art von Artefakt kann zehn Jahrtausende überdauern, wenn es in geeigneter Weise gelagert und gepflegt wird. Wir haben Beispiele von 5000 Jahre alten Holzstäben, Papyrus oder Ledersandalen. Andererseits kann sogar Metall in ein paar Jahren des Regens korrodieren. Für Langlebigkeit ist eine zehntausendjährige Umgebung wichtiger als das Material des Artefakts. Der Berggipfel in Texas (und Nevada) ist eine hochgelegene trockene Wüste, und darunter, im inneren Tunnel, ist die Temperatur über die Jahreszeiten und im Tageslauf sehr gleichmäßig (55 Grad Fahrenheit) – ein weiteres riesiges Plus für die Langlebigkeit, nachdem Frieren-Auftau-Zyklen genauso korrosiv sind wie Wasser. Trockenheit, Dunkelheit und stabile Temperaturen sind das, was Archivare lieben. Es ist eine ideale Welt für eine unaufhörlich laufende Uhr.

Dennoch, die Uhr ist eine Maschine mit beweglichen Teilen, und Teile nützen sich ab, und Schmiermittel verdunsten oder korrodieren. Der Großteil der Uhr wird aus 316er-Edelstahl in Marinequalität bestehen. Weil die Konstruktionstoleranzen der riesigen Uhr Bruchteile eines Zolls betragen statt Tausendstel Zoll, würde die mikroskopische Ausdehnung durch einen Rostfilm der Zeitmessung nicht schaden. Die Hauptsorge der Uhrmacher ist, daß Elemente einer Zehntausend-Jahres-Uhr sich – definitionsgemäß – langsam bewegen werden. Die Jahrtausendscheibe kriecht so langsam, daß man sagen kann, daß sie sich während Ihrer Lebensspanne überhaupt nicht bewegt. Metalle, die miteinander in Kontakt sind, können in diesen Zeitmaßstäben miteinander verschmelzen – was den ganzen Zweck eines fortlaufenden Zeitmessers zunichte macht. Ungleiche Metalle, die miteinander in Kontakt sind, können einander durch galvanische Korrosion auffressen. Um diesen Tendenzen entgegenzuwirken, sind einige der entscheidenden beweglichen Teile der Uhr aus Nichtmetall – sie bestehen aus Stein und Hightech-Keramik.

Keramische Lager.

Keramik überdauert die meisten Metalle. Wir haben 17.000 Jahre alte Scherben von Tontöpfen gefunden. Und moderne Keramiken können so hart wie Diamanten sein. Alle Lager in der Uhr werden aus technischer Keramik sein. Weil diese Lager so hart sind und mit sehr niedriger Geschwindigkeit rotieren, benötigen sie keine Schmierung – die normalerweise Abrieb anzieht und schließlich Abnützung verursacht.

Es befindet sich mehr als bloß Technologie in dem Berg. Das Ticken der Zeit ist eine sehr menschliche Erfindung. Astronomische Kalender gehören zu den ältesten Bestandteilen einer Kultur und sind oft das Kennzeichen von Zivilisationen. Die Höhle enthält Kultur. Die Uhr im Berg spielt nicht nur die Musik einer sich ständig ändernden langsamen Melodie, sondern sie wird auch Kulturäußerungen der Zeit ansammeln, Ticks zur Kennzeichnung des Verstreichens von Jahrzehnten und Jahrhunderten. Seitlich der Haupthöhle der Uhr befindet sich eine Reihe kleiner Grotten, um diese Notizen der Zeit zu erforschen und zu sammeln. Ihr Inhalt wird eine Überraschung sein.

Hinter den Anzeigen der Hauptkammer geht die Treppe weiter zum äußeren Gipfel des Berges hinauf. Der Schacht oberhalb der Uhr setzt sich bis zur Oberfläche fort, wo seine Öffnung zum Tageslicht mit einer Kuppel aus Saphirglas abgedeckt ist. Dies ist der einzige Teil der Uhr, der auf dem Berggipfel von außen sichtbar ist. In dieser äußeren Kuppel sitzt der Temperaturunterschiedsapparat, der die Zeitmessung mit Energie versorgt, und auch ein Sonnensynchronisator. An jedem sonnigen Mittag richtet ein Prisma Sonnenlicht in den Schacht hinunter und erwärmt diesen genialen mechanischen Apparat leicht. Dieses Synchronisationssignal wird durch Stangen weiter hinunter in die Innereien der Uhr übertragen, wo die unwahrnehmbaren Variationen der Tageslänge durch das Taumeln der Erdachse ausgeglichen werden, sodaß die Uhr ihren Mittag nach dem wahren Sonnenmittag richten kann. Auf diese Weise ist die Uhr selbsteinstellend und hält über die Jahrhunderte hinweg die genaue Zeit.

Die Reise zu der Uhr im Berg endet auf dem Gipfel im Licht. Es ist die Sonne, die ihr Läuten unten mit Energie versorgt. Wie ein Herz, das schlägt, während wir schlafen, mißt die Uhr im Berg die Zeit, selbst wenn wir so tun, als wäre die Vergangenheit nicht geschehen und die Zukunft würde nicht kommen.

Das größte Problem für die schlagende Uhr werden die Auswirkungen ihrer menschlichen Besucher sein. Im Laufe von Jahrhunderten tendiert wertvolles Zeug jeder Art dazu, gestohlen zu werden, Kinder klettern überall hin, und Hacker versuchen von Natur aus zu sehen, wie die Dinge funktionieren oder kaputtgehen. Aber es sind Menschen, die die Glocken der Uhr aufgezogen halten, und Menschen, die sie um die Zeit fragen. Die Uhr braucht uns. Es wird eine abgelegene, lange Reise sein, um ins Innere der Uhr zu gelangen, die in einem Berg läutet. Aber solange die Uhr tickt, fragt sie uns ständig, im Flüstern begrabener Glocken: „Sind wir gute Vorfahren?“

Wie wird man eines jener zeitbewußten Wesen, die auf Besuch kommen und die Uhr aufziehen? Mitglieder von Long Now werden Vorrang beim Besuch der Uhr haben, wenn sie fertig ist, und sollten die „Visit the Clock“-Box im Notifications-Tab in Ihren Mitgliedseinstellungen überprüfen, wenn Sie als Mitglied der Webseite von Long Now angemeldet sind.

Jeff Bezos‘ Team hat auch eine neue Webseite auf 10000YearClock.net geschaffen, mit Informationen für die Öffentlichkeit über das Projekt sowie eine öffentliche Anmeldeseite, wo man etwas über die schließlichen Besuchsmöglichkeiten dort erfahren kann.

Advertisements
Hinterlasse einen Kommentar

5 Kommentare

  1. lupus

     /  September 15, 2017

    Das ist so eine Zeitschiene, die schon ergriffen macht. Und auch Fragen aufwirft. Die Uhr aus der Idee des Jahres 01995 wird auf einem Grundstück gebaut, das Herrn Bezos gehört. Wem gehörte es von 00001 bis 01995? Und wem wird es bis 12017 oder länger gehören? Was ist eigentlich „gehören“, also materieller Besitz vor diesen zeitlichen Dimensionen?

    Etwas ähnlich Ehrfurchtgebietendes läuft in Halberstadt am Rande des Harzes. Dort steht seit knapp 1000 Jahren die Burchardi-Kirche, in der seit dem Jahr 2000 (automatisch) eine Orgel spielt, deren aktuelles Stück 639 Jahre lang ist und somit bis zum Jahre 2639 bis zum Schlussakkord benötigt.
    Kann man besuchen. Ist auch nicht so weit weg wie das amerikanische Projekt

    Antwort
  2. Interessanter Besuchsvorschlag, Lupus – danke dafür!

    „Ergriffen macht“ ist eine sehr treffende Formulierung. Vor zehntausend Jahren war die bisher letzte Eiszeit noch nicht lange zu Ende, und in weiteren zehntausend Jahren wird die Welt sich schon lange wieder in der nächsten Eiszeit befinden, die wahrscheinlich wieder etwa hunderttausend Jahre dauern wird.

    Die Aussage von Danny Hillis, dem Erfinder der Uhr:

    „Ich weiß, daß ich ein Teil einer Geschichte bin, die lange vor meiner Erinnerung beginnt und lange über die Zeit hinaus weitergeht, wo irgendjemand sich an mich erinnert“

    hat Parallelen zu jenem Zitat von 8dS-Leserin Lepanto1, das ich an den Anfang meines Artikels Was auf dem Spiel steht gestellt habe, in dem ich auf eine mögliche Zukunft von hunderttausend Jahren hinweise:

    „Vielleicht ist das die Krankheit unserer Tage überhaupt: Nicht zu wissen, daß wir nicht allein sind, sondern nur ein Glied in einer Kette, die nicht nur weit in die Vergangenheit reicht, sondern gleichermaßen auch in die Zukunft.“

    Danny Hillis weiter:

    „Ich spüre, daß ich zu einer Zeit eines bedeutenden Wandels lebe, und ich fühle eine Verantwortung, sicherzustellen, daß der Wandel gut ausgeht. Ich pflanze meine Eicheln im Wissen, daß ich das Ernten der Eichen nie erleben werde.“

    Davon habe auch ich mich sofort angesprochen gefühlt, und zwar im Sinne dieses Abschnitts in Alex Kurtagićs Essay Warum wir schreiben:

    Und doch bin ich durch die Beweise — Beweise für langfristigen demographischen Niedergang der europäischstämmigen Völker, für intellektuellen Betrug im modernen Hochschulwesen hinsichtlich Fragen, die die europäische Geschichte und Identität betreffen; für unehrliche Berichterstattung in den Massenmedien über Fragen von Rasse und Einwanderung; für ein korruptes politisches Establishment, das aktiv gegen die Interessen der Menschen arbeitet, von denen es gewählt wurde, um sie zu vertreten; für zunehmend selbstbewußtes Auftreten ethnisch definierter Gruppen mit aggressiv anti-weißen Agendas — davon überzeugt worden, daß die Annäherung an die Dritte Welt das ist, was auf uns in Europa, Nordamerika und anderswo zukommt.

    Meine Beobachtungen deuten darauf hin, daß die Zukunft so trostlos ist, daß es ziemlich dumm erscheint, sich darüber Sorgen zu machen, heute beschimpft zu werden, wenn der Preis, dies zu vermeiden, ein fortwährender Horror morgen ist. Jede vorübergehende gesellschaftliche Unannehmlichkeit oder Unbequemlichkeit, die daraus entsteht, daß man heute eine unkonventionelle Meinung äußert, wird nie so schlimm sein wie diejenigen, die sich durch die Bewahrung des Friedens ansammeln — nicht nur weil sie schlimm sein werden, sondern weil sie auch dauerhaft und unumkehrbar sein werden.

    Es könnte gut sein, daß die volle Annäherung erst erreicht wird, wenn ich nicht mehr da bin. Aber selbst wenn es so lang dauert, selbst wenn es mich um einiges weniger betrifft als jene, die nach mir kommen werden, würde ich nicht wollen, daß man sich meiner als rückgratlosen “respektablen Konservativen” erinnert, der sich still verhalten und alles geschehen lassen hat, weil er zu viel Angst hatte, von den Feiglingen, den Verbrechern, den Trotteln und den bösartigen Hassern des europäischen Menschen, der die Welt zu dem gemacht hat, was sie ist, dies, das und sonstwas genannt zu werden. Selbst wenn wir das linke Dystopia — die Welt von Mister — innerhalb meiner Lebensspanne erreichen, will ich meinen Kindern und Enkelkindern sagen können, daß ich alles getan habe, was ich konnte, um es zu verhindern. Unnötig zu sagen jedoch, daß ich es lieber hätte, wenn ich ihnen gar keine Erklärungen geben müßte — daß ich ihnen lieber sagen würde, daß wir zwar im Gefolge des Zweiten Weltkriegs schreckliche Strukturschäden hatten, daß wir uns ihrer aber angenommen haben und alles gut ausgegangen ist.

    […]

    Wie viele meiner Zeitgenossen habe ich herausgefunden, daß ich in einer kranken Welt lebe. Und doch ist es leicht zu sehen, daß es eine Krankheitsursache gibt und einen Ansteckungsort, und daß die Infektion, auch wenn sie weit fortgeschritten ist, derzeit immer noch erfolgreich behandelt werden kann: die Pathogene — liberale Utopisten, korrupte Karrieristen, ethnische Radikale — sind bekannt und lokalisiert, und während die Entwicklung des Heilmittels Forschungen und eine Investition von Zeit, Nerven und Mühen erfordern mag, so ist das besagte Heilmittel doch innerhalb der Reichweite intelligenter Geister. Ich mag dem europäischen Organismus nicht im Alleingang die Gesundheit wiedergeben können, aber da die Natur großzügig zu mir gewesen ist, halte ich es für meine staatsbürgerliche Pflicht, aktiv zu diesen Bemühungen beizutragen. Es ist meine Hoffnung, daß ich die Welt durch meine kreative Energie ein wenig besser hinterlassen kann, als ich sie vorgefunden habe.

    Deshalb schreibe ich.“

    Neben extrem dauerhaften technischen oder künstlerischen Werken besteht eine weitere Möglichkeit, etwas von sich in eine fernere Zukunft fortbestehen zu lassen – und die einzige mit einer potentiellen Perspektive von Jahrmillionen oder mehr – darin, biologisch etwas von sich fortbestehen zu lassen, also Kinder zu haben und ihnen gute Voraussetzungen für ihr eigenes Leben mitzugeben. Gerade in der beginnenden herbstlichen Jahreszeit empfiehlt sich in diesem Sinne die Lektüre von Jaroslaw Ostrogniews Essay Über die Sterblichkeit mit einem Vor- und Nachwort von Dunkler Phönix. Ein Zitat daraus:

    „Aber nachdem alles gesagt und getan ist, in diesem letzten bewussten Moment, wirst du dich vor allem fragen, was von dir bleiben wird, wenn du nicht mehr bist. Schließlich muss jedermann sterben aber nicht jeder stirbt ganz.

    Es gibt nur zwei echte Wege etwas zu bewahren und dem Tod so zu widerstehen: Durch Blut und Geist.

    Es gibt nur einen Weg, durch Blut zu überleben: Kinder haben. Das ist der wahre Sinn dahinter, eine Familie zu haben. Wenn du die richtige Frau aussuchst, denke über sie nach als deine zukünftige Ehefrau und die Mutter deiner Kinder. Das verändert die Perspektive wirklich. Wenn du erkennst dass deine Familie, dank deinen Kindern, dein Schlüssel ist, um mit deiner Sterblichkeit umzugehen, kann man die Alltagsprobleme auch leichter angehen. Auch die Prioritäten kriegt man so geordnet: Mit den Freunden in die Kneipe gehen wird dir nicht helfen, dem Tod ein Schnippchen zu schlagen. Das gleiche gilt für das Schauen von Fußball oder das Essen exotischer Schnacks.

    Und während keine Kinder, sondern Spaß haben, zunächst sehr erfüllend zu sein scheint, wenn du das Ende erreichst, dann erlebst du Enttäuschung und Verzweiflung. Mit einer Familie funktioniert das anders herum: Zunächst verlierst du alle Freizeit, das Leben wird hart auszuhalten und du verfluchst dich, dass du diese Entscheidung getroffen hast. Aber wenn du deine Kinder aufwachsen und jeden Tag mehr erreichen siehst, erlebst du echte Freude und wahren Stolz. Wenn du weißt, dass deine Kinder deinen Tod überleben und sie selbst auch wieder Kinder haben werden, die den Tod ihrer Eltern überleben und dass die Kette der Generationen unseres Volkes andauern wird, selbst dann, wenn du lange fort bist – dann ist es viel leichter dem Tod ins Gesicht zu sehen.“

    Man vergleiche das mit diesem (von mir übersetzten) Abschnitt aus dem Anfang von Kevin Alfred Stroms Artikel Unspeakable Monsters and giving thanks the right way:

    „Aber lassen Sie uns zuerst innehalten und selbst für die Dinge danken, die wirklich zählen. Danken wir für die Liebe unserer Mütter und Väter – und all der Generationen, die vor uns kamen – die Bequemlichkeit opferten, die Vermögen opferten, die Zeit opferten und in manchen Fällen sogar ihr Leben – damit wir, ihre Kinder und Enkelkinder und fernen Nachkommen in die Existenz treten konnten. Wir sind das Ergebnis ihrer Leben und ihrer Liebe. Wie sie sind wir alle Glieder in einer Kette, die sich hinauf in die Wolken einer noch unkennbaren Zukunft der Größe und des Triumphs und Bewußtseins und Gottes erhebt. Lassen Sie uns jeden Tag mit diesem Dank – und mit dieser Wahrheit – im Sinn leben.“

    Antwort
  3. Gefunden habe ich diesen Artikel durch einen Link am Schluß des Beitrags Venus Automaton Design Recalls Mechanical Computers auf Centauri Dreams („Imagining and Planning Interstellar Exploration“), worin es um eine Konzeptstudie für einen Venusrover geht, der wegen der extremen Umweltverhältnisse (Druck und Temperatur) so weit wie möglich mit mechanischen Steuerungen anstelle von Elektronik ausgestattet werden soll, da letztere diesen Bedingungen nicht lange standhält. Dort wird auch erwähnt, daß die älteste mechanische Uhr schon seit 700 Jahren in Betrieb ist.

    Ich selbst habe übrigens ebenfalls schon seit längerem über große mechanische Uhren für einen jahrtausendelangen, von menschlichem Eingreifen unabhängigen Betrieb nachgedacht. Dabei hatte ich an einen Uhrturm gedacht, der nach der Gründung einer freien weißen Nation (in einem wieder befreiten traditionellen weißen Land, oder auf einer unbewohnten Insel, oder auf einem anderen Planeten) errichtet wird und neben der Anzeige der Uhrzeit auch die Tage, Wochen, Monate und Jahre seit seinem Bestehen oder seit der Gründung jener Nation zählt.

    Als langfristig zuverlässigste Energiequelle hatte auch ich hierfür an Sonnenenergie gedacht, die durch unterschiedliche Wärmeausdehnung im Tag/Nacht-Zyklus das Uhrwerk antreibt. Eine Möglichkeit wäre eine der tragenden Südwand vorgesetzte Scheinfassade aus schwarzem oder jedenfalls dunklem Stein, die sich bei Sonnenbestrahlung stärker in die Höhe ausdehnt als der aus hellem Mauerwerk bestehende eigentliche Baukörper des Turms. Eine andere Konstruktion, mit der ein Kurbeltrieb über dessen oberen und unteren Totpunkt weiterbewegt würde, wäre eine A-förmige Anordnung zweier hoher, dunkler Bronzestangen vor der Südfassade, von denen die östliche am Vormittag schneller erwärmt würde und die Verbindungsstelle der beiden Stangen am unteren Totpunkt der Kurbel nach Westen drücken würde, während die westliche Stange sich am Nachmittag stärker ausdehnen und die Kurbel über den oberen Totpunkt nach Osten drücken würde, mit anschließendem bogenförmigen Absinken der Stangenenden und der Kurbel zum unteren Totpunkt im Laufe der Nacht.

    Antwort
  4. Jouri

     /  September 17, 2017

    Ein sehr interessanter Beitrag über eine zeitliche Perspektive, die einen fast erschauern läßt. Auch den Hinweis von Lupus hinsichtlich der Buchardikirche in Halberstadt ist interessant. Dann ist auch Halberstadt einen Besuch wert. Danke Lucifex, daß Du Jaroslaw Ostrogniew, Kevin Alfred Stroms und Alex Kurtagic erwähnst. Damit veränderst Du signifikant den Zeithorizont und läßt einen erkennen, daß wenn wir auch nicht persönlich die 10.000 Jahre erleben werden, doch andere Glieder unserer genetischen Kette dies zu ihrer Zeit wohl können. Es ist übrigens schön, daß Du immer wieder Artikel über technisch, herausragende Projekte veröffentlichst. Das weckt doch Interesse bei vielen.

    Antwort
  5. Ja, Jouri, einer dieser Technikprojekt-Artikel, die relativ oft angeklickt werden (dafür, daß dies hauptsächlich ein politisch-metapolitischer Blog ist), ist mein sehr langer Raumfahrt-Beitrag Der Woodward-Antrieb: Mit „seltsamen Schub“ in die Zukunft?. Obwohl er in der Spalte „Neueste Essays“ schon unter den Ereignishorizont gerutscht ist, ist er unter den angeklickten Artikeln der letzten 7 Tage an 13. Stelle. Ich hoffe, irgendwann doch einmal zum Schreiben der schon lange angedachten SF-Geschichten zu kommen, in denen der Woodward-Antrieb als Raumflugtechnologie vorkommt.

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: