Mesoamerika (5): Landwirtschaftliche Feste

Coatlicue, Mutter Erde, dargestellt in einer der erschreckendsten und zugleich faszinierendsten Skulpturen in der Welt. Sie ist eine von einem Paar, das im Hof des großen Tempels der Aztekenhauptstadt Tenochtitlan stand. Bei der Zerstörung des Gebäudes wurde eine dieser Statuen umgestürzt und brach in Stücke, von denen viele verlorengingen. Die andere fiel augenscheinlich nur um und wurde während der letzten schrecklichen Schlacht mit Schutt und brennendem Holz bedeckt. Sie blieb darunter liegen und wurde weiter zugedeckt von der Erde, die seitdem den Boden des Zocalo bildete, des Platzes vor der heutigen Kathedrale von Mexico City. Im Jahr 1824 ließ William Bullock, ein englischer Reisender, das Gelände ausgraben. Seit der Eroberung Mexikos waren die Leute jedes Jahr während eines Herbstfestes mit Gaben von Früchten und Blumen gekommen, die sie auf dem Pflaster des Platzes niederlegten. Das war alles ganz harmlos und wurde als frommer Brauch im christlichen Sinn hingenommen. Die Indianer behaupteten, es läge etwas sehr Heiliges und Mächtiges darunter. Die Ausgrabung legte die riesige Statue der Mutter Erde frei. Ihren Kopf bilden die einander zugewandten Köpfe von zwei riesigen Klapperschlangen, und auch der Rock besteht aus sich windenden Schlangen. Um den Hals, der in Form einer Adlervase, in welche die Opferherzen geworfen wurden, gestaltet ist, trägt sie ein Halsband aus Herzen, Händen und einem Schädel. Die Hände der Opfer waren den Adligen beim rituellen Essen der Glieder vorbehalten, weil sie als besonders zart galten. Für die Azteken war dies Bildwerk wahrshceinlich nicht erschreckend, sondern einfach eine mächtige Erinnerung an die Kräfte von Mutter Erde, der sie ihren Erhalt verdanken.

Von Cottie Arthur Burland (Text) und Werner Forman (Fotos); aus dem Kapitel „Landwirtschaftliche Feste“ des Buches DIE AZTEKEN. Menschenherzen für die Götter., Atlantis Verlag Luzern und Herrsching, 1986, ISBN 3-7611-0685-8; engl. Original: 1975. Bilder sowie Bildunterschriften ebenfalls von dort; Links im Text von mir (Deep Roots) eingefügt.

Zuvor erschienen:

Mesoamerika 1 – Transpazifische Kontakte von Deep Roots auf Basis des Buches „Tai Ki – Reise zum Ort ohne Wiederkehr“ von Kuno Knöbl

Mesoamerika (2): Land zwischen den Wassern (Kapitel „Land zwischen den Wassern“ aus „Die Azteken“ von Cottie Burland)

Mesoamerika (3): Quetzalcoatl – Die Gefiederte Schlange (Kapitel „Quetzalcoatl: Die Gefiederte Schlange“ aus „Die Azteken“ von Cottie Burland)

Mesoamerika (4): Tezcatlipoca – Der Rauchende Spiegel (Kapitel „Tezcatlipoca: Der Rauchende Spiegel“ aus „Die Azteken“ von Cottie Burland)

Landwirtschaftliche Feste

Man glaubte, die Menschheit und die Götter seien Teil eines ewigen Zustands des Seins. Es scheint auch nicht die Spur eines Verlangens gegeben zu haben, die landwirtschaftlichen Erträge zu verbessern, Bewässerung einzuführen oder irgendwie anzudeuten, daß die Menschheit eine andere Beziehung zur Nahrungserzeugung hatte, als zu den vorgeschriebenen Zeiten zu graben und zu pflanzen. Wie lange diese einfache Landwirtschaft und die Kette von begleitenden Zeremonien unverändert angedauert hat, wissen wir nicht, aber 5000 Jahre dürfte wohl eine zurückhaltende Schätzung sein. Die Aufzeichnungen der Tempelbücher verleihen den fatalistischen Traditionen eine solche Stärke, daß jeder individuelle Beitrag unterdrückt wurde. Natürlich verstärkten solche Hemmungen dieses Gefühl, dem Schicksal völlig versklavt zu sein, die Reaktionen der Priester, welche die Götter bei den Festen personifizierten, und sie erreichten einen ekstatischen Zustnd, in dem die Scheußlichkeiten des Menschenopfers zum wesentlichen Teil des Lebens wurden.

Das ganze Leben enthielt ein gewisses Maß an Mühsal. Den puritanischen Azteken galt Glück immer als etwas irgendwie Ungehöriges, obwohl sie natürlich auch Tage der Freude und der Zufriedenheit erlebten. Nichtsdestoweniger lebte die Menschheit in dieser kulturellen Atmosphäre immer in der Furcht vor Göttern, immer in einem Zustand des Zweifels, was das Schicksal bringen würde. Trotz aller Bemühungen, das Schicksal mit Hilfe von Zauberbüchern und der Sterne vorauszusagen, war Unsicherheit in das System mit eingebaut. Ihren Höhepunkt erreichte sie bei den aztekischen Intellektuellen jedesmal, wenn alle 52 Jahre die Periode kam, in der der Sonnengott und seine Mächte Diener eines zurückgekehrten Quetzalcoatl statt Tezcatlipocas werden konnten.

Für die meisten Bauern waren die abstrakteren Züge der Götter nur in einem entfernten Sinn von Bedeutung. Ihre unmittelbare Sorge war die Notwendigkeit der Hilfe durch alle Kräfte der natürlichen Welt. Die Wassergöttin war offensichtlich sehr wichtig für sie, denn in diesem trockenen Land vertrauten se darauf, daß die Flüsse und Quellen das Land zwischen den Stürmen der Regenzeit feucht hielten. Die Winde, die den Boden zum Pflanzen trocken machten und die Regenwolken heranführten, wurden mit Quetzalcoatl als Ehecatl gleichgesetzt.

Unter der Erde war die große Herrin Coatlicue, die die Pflanzen wachsen ließ. Bei einer so wichtigen Pflanze wie Mais jedoch gab es eine ganze Reihe von Göttinnen und schließlich den Gott, der den Mais in allen seinen Wachstumsstadien repräsentierte. Gleichfalls gab es Geister, die für alle anderen lebenden Dinge sorgten. Dazu gehörten nicht nur die Geister der Toten, die als Schmetterlinge erschienen, sondern auch geringere Wesen, mehr von der Art der Feen in den europäischen Märchen. Sie waren in der Trockenzeit in kleinen Staubwirbeln sichtbar oder in der plötzlichen und unerwarteten Bewegung des Laubs von Pflanzen im ruhigen, heißen Wetter. Für den Bauern lebte und fühlte das ganze Universum; allerdings konnte er von diesen Mächten keine Hilfe erwarten, wenn er ihnen nicht gelegentlich kleine Opfer brachte. Man ließ einen Teil der Nahrung für die Geister zurück und schleuderte ein paar Tropfen Blut in die Richtung, wo man ihre Behausungen vermutete, in der Hoffnung, daß die Geisterwelt das Wachstum der Pflanzen unterstützen würde. Man glaubte nicht, daß sich diese Naturgottheiten mit der regelmäßigen Arbeitsroutine zufriedengaben, sie erwarteten vielmehr eine Opferung von Lebenskraft und Blut und manchmal auch Menschenopfer. Die Natur gab so viel, daß jeder verstehen mußte, wie sie am besten belohnt werden konnte. Selbst die Opferung eines Kindes erschien klein im Vergleich zu den Segnungen, die sie der ganzen Familie durch wachsende Erträge und durch die Schutzgeister spendete. Diese Haltung ist völlig unwissenschaftlich, aber der alte Mexikaner glaubte ja auch nicht, daß er die Kräfte der Natur ohne Beistand der Geister lenken konnte.

Anläßlich der großen Feste, je eins alle 20 Tage, ging die Bauernfamilie zum Dorftempel oder auch in die große Stadt und nahm dort mit Singen und Tanzen im richtigen Augenblick an den Feierlichkeiten teil. Man brachte kleine Opfer dar und nahm die Gelegenheit wahr, Waren zum Tausch auf den Märkten mitzunehmen.

Das Jahr war angefüllt mit einer Folge von Festen, von denen die wichtigsten im Zusammenhang mit dem Wachstum und der Entwicklung der Mauspflanze standen. Die traurigste aller dieser landwirtschaftlichen Feiern, Atlcoualo, wurde zu Beginn des Frühjahrs abgehalten, wenn es notwendig war, um Regen zu bitten. Sie fand Ende Februar statt. Jedes Stadtgebiet und jedes Dorf opferten in einer großen Zeremonie des Weinens ein ausgewähltes Kind. Es wurde mit Ried und Symbolen der Wassergeister geschmückt und auf einer Trage zum nächsten Fluß gebracht. Wenn die Zeit des Opfers kam, wurde das Kind geschlagen, so daß es weinte, und alle Leute brachen in Tränen aus, schlugen sich gegenseitig und trauerten. Die herabfallenden Tränen sollten die Regengötter anregen, herabzuschauen, Mitleid mit dem Volk zu bekommen und ihm Tränen von Wasser aus den Wolken zu spenden. Das Kind wurde dann mit großen Zereomnien ins Wasser geworfen und ertränkt, und unter großem Wehklagen gingen die Leute langsam zurück. Schwarze Kautschukbälle sandten ihre rauchenden Botschaften zum Himmel und zeigten den Regengöttern an, daß die Wolken erwartet wurden und Regen kommen sollte. Obwohl es die Leute nicht wissen sollten, leitete diese Zeit des Jahres natürlich eine Periode von Schauerwettern als Vorbote kommender Winde und des Frühjahrsregens ein. Sie müssen natürlich geglaubt haben, ihr tragisches Opfer sei die Ursache dafür, daß die Götter milde gestimmt worden waren und den Segen des Regens brachten.

Aztekische Steinfigur des Xipe Totec, gekleidet in das gräßliche Gewand des Kriegers nach dem Opfer der geschundenen Haut, das während des landwirtschaftlichen Festes Tlacaxipeualiztli stattfand. Einem Gefangenen wurde bei lebendigem Leib die Haut abgezogen, und der Krieger, der den Gefangenen gemacht hatte, hüllte sich in diese Haut und tanzte. Diese Figur dürfte einmal in jeder Hand eine Rassel zur Begleitung des Gesangs gehalten haben. Die schauerliche Zeremonie symbolisierte das Aufbrechen der Haut des Maissamens, so wie der Krieger aus der verwesenden Haut des Opfers bricht.

Ein weiteres Stück Nachahmungsmagie gab es bei dem Fest Tlacaxipeualiztli. Ein in der Schlacht Gefangener wurde von seinem Bezwinger durch die Stadt geführt, und die Leute spendeten Nahrung und Kleidung. Dann wurde der Gefangene am Festtag Ende März zum Tempel gebracht, dort mit Drogen betäubt und lebendig enthäutet. Die Pulver, die man ihm gab, und der Weihrauch, der über ihn geblasen wurde, sollten den Schmerz des Versengens lindern, das dem Schinden vorausging. Dennoch lebte das Opfer, wenn auch halb ohnmächtig, während Schnitte um den Hals, die Arme und Beine und den Rücken entlang gemacht wurden, so daß die Haut vom Körper gerissen werden konnte. Der Leichnam wurde dann auf den Stein geworfen und das Herz herausgeschnitten. Das Herz wurde den Göttern geopfert und die Haut sofort von dem Krieger, der das Opfer ursprünglich gefangengenommen hatte, angelegt. Gekleidet in dieses schreckliche Gewand und mit einer aus der Gesichtshaut des Opfers gefertigten Maske, tanzte der Krieger, schwang seine Kriegskeule und rief den Himmel an um neues Leben und neue Kraft.

Nach ein paar Tagen trocknete die Totenhaut, riß und fiel in Stücke. Dabei war sie natürlich verwest, und der Gestank des faulenden Fleisches, das daran hing, war selbst den Mexikanern abscheulich, aber auch bei jedem Maissamen, den sie gepflanzt hatten, barsten ja die alten Häute. Die junge Maispflanze mußte ihren grünen Schößling aus dem anscheinend toten Samen herauszwingen; er mußte durch die goldene Haut brechen, wie der Krieger durch die gelbe Haut des Toten brach. So heilig waren diese Häute, daß sie am Ende des Festes sorgfältig eingesammelt und gebündelt wurden, um in einem Gewölbe unter einem Tempel von Xipe Totec, dem Gott des Leidens, aufbewahrt zu werden.

Diese Zeremonie erscheint uns entsetzlich, und augenscheinlich war sie auch für die Azteken abstoßend und bedeutungsvoll zugleich. Denn für sie war sie das Siegel unter dem Pakt zwischen der Menschheit und den Göttern. Der Mensch opferte den Göttern Leiden und Schmerz, seine eigene Arbeit auf dem Feld ebenso wie die Menschenopfer, als Dank für die Nahrung, die aus den jungen Maispflanzen kam. Es gab kein Entrinnen: die Götter spendeten Leben, und die Götter verlangten einen gewissen Anteil des Lebens zurück.

Das nächste Fest Tozoztontli galt wieder dem Gebet um Regen, und es dauerte von Ende März bis Mitte April. Es war der Mutter Erde und den Regengeistern geweiht. Darauf folgte ein langes Fest mit Namen Hueitozoztli oder Fest des Xilotes, der jungen grünen Maispflanze, ein Fest großer Freude. Man sang und tanzte, und die jungen Leute versammelten sich, um miteinander glücklich zu sein. Die jungen Mädchen bedeckten normalerweise ihre Brüste, sobald diese sich entwickelt hatten, jetzt aber warfen sie ihre Umhänge fort. Diese Zurschaustellung der Brüste hatte gewiß keinen sexuellen Hintergrund, vielmehr bedeutete sie eine Schau blühender Schönheit, und für die Mexikaner hatte sie zusätzlich den wichtigen Beiklang kommender Nahrung. Die Maispflanzen erzeugten die jungen grünen Kolben. Nicht mehr lange, und sie würden golden und reif sein und die Speicher der Nation mit Nahrung füllen. Daher mußte dies eine Zeit des Glücks sein.

Trotzdem aber mußte in jedem Tempel eine Frau den Maisgeistern geopfert werden. Sehr häufig erfuhr die Ausgewählte nicht, daß sie das Opfer war. Man brachte sie leicht berauscht zu einem fröhlich zeremoniellen Tanz mit den Priestern. Plötzlich ergriff man sie, warf sie über den Rücken eines Priesters und schnitt ihr den Kopf ab. Das in vier Richtungen spritzende Blut sollte den Feldfrüchten des ganzen Volks Fruchtbarkeit bringen. Bei diesem Fest floß noch mehr Blut: jeder schnitt sich ins Ohr, und Männer opferten Blut aus Löchern, die sie sich in die Zunge gebohrt hatten. Zugrunde lag der Gedanke, Blut als Lebenskraft hinzugeben, um die Fruchtbarkeit zu vermehren, und eine Frau als Quelle des Lebens dem Geist des Lebens der Maispflanzen zu opfern.

Dann kam eine Pause in den landwirtschaftlichen Festen bis Ende Mai und bis zur ersten Hälfte des Juni, wenn das Fest Etzalqualiztli, „Bohnenbrei“, anfing. Der Name bezieht sich auf das Halbfasten in der Zeit, wenn um Regen gebeten wurde. Es gab einige Menschenopfer für die Regengötter und eine vergnügliche Angelegenheit: junge Leute liefen durch die Stadt und rissen alles an sich, was lose herumlag, ein Symbol für das spätere Greifen nach dem Maiskolben, wenn die Frucht reif war. Diesem Fest folgte Tecuilhuitontli, ein geringeres Fest der Aztekenherren. Dieses Fest, bei dem die Salzarbeiter besonders geehrt wurden und Salz von den Küsten des Meers eingeführt wurde, erstreckte sich über den letzten Teil des Juni.

Anfang Juli wurde Hueitcuilhuitl, das größere Fest der Herren, begangen. Zu dieser Zeit wurde der Mais gerade reif, und es gab ein Fest für Xilonen, die Göttin des jungen Maises. Acht Tage lang verkörperten junge Frauen mit bloßen Brüsten und herunterhängendem Haar die junge Göttin. Nach der Opferung eines Sklavenmädchens durften die Leute etwas von dem neuen unreifen Mais essen, der als Art erste Frucht diente.

Das Herbstfest Ochpaniztli kam in der ersten Hälfte des September. Es war das fröhlichste aller Aztekenfeste, denn es bedeutete, daß die Götter die Menschen mit Nahrung belohnt hatten und das Leben weitergehen würde. Fünf voll gereifte Maiskolben wurden zu Ehren der Herrin Chicomecoatl, deren Namen wörtlich sieben Schlangen bedeutet, in jeden Haushalt gebracht. In der poetischen Sprache waren die Schlangen Geschöpfe, die aus dem Boden kamen, Zauberwesen, die gerade eben unter der Erdoberfläche lebten. Der Name bezog sich auch auf andere Dinge, die aus der Erde kamen, in diesem Fall auf den Mais. Die Göttin wurde also mit einem schönen Namen geehrt, ohne den häßlichen Beiklang, den das Wort „Schlange“ bei uns hat, und in der Kunst wurde sie mit fünf Maiskolben auf ihrem Stirnband dargestellt.

Natürlich gab es bei dieser Gelegenheit Opfer, aber der zentrale Ritus bestand in einer Prozession mit Tanz und Gesang beim Heimholen der reifen Maiskolben von den Feldern. Die Götter hatten sichtbar gewollt, daß das Volk ein weiteres Jahr zu essen hatte. Die Mädchen trugen ihr Haar offen mit Blumenbändern. Junge Männer kleideten sich in ihre besten Lendentücher und zeigten durch Gesichtsfärbung und Kopfbekleidung ihre gesellschaftliche Stellung an. Sie trugen kleine Kürbisflaschen, mit Mehl gefüllt, das sie über die Mädchen warfen und sie so mit cremefarbenem Staub bestreuten. Alle Welt sang und tanzte, und die ganze Stadt gab sich der Freude hin. Auch die Dörfer rings um die Stadt im See feierten ihr Glück. Das mit Fruchtbarkeit gesegnete Land war die Göttin selbst, die Große Mutter Erde. Die Menschen waren ihre Kinder, und sie hatte ihnen durch ihre vielen Helfer, die den lebensspendenden Mais hatten wachsen lassen, Glück gewährt.

Das große Fest der Regengötter, der Tlaloques, war das „Bergfest“ Tepeilhuitl. Läufe ins Gebirge wurden veranstaltet und Götterfiguren hergestellt und mit einem Teig aus Amarantsamen bedeckt, die später gegessen wurden. Das nächste Fest der Tlaloques kam erst im Dezember, Atemoztli, das Fallen der Wasser. Man hielt Nachtwachen, um die Wintersonnenwende zu beobachten. Opfer wurden den Hausgöttern dargebracht und Pfähle errichtet, die mit Kautschuk bedeckte Papierwimpel trugen. Kautschuk nämlich erzeugte beim Abbrennen schwarze Rauchwolken, von denen man glaubte, sie ließen die großen Sturmwolken der Regenzeit herannahen.

Mit der Jahreswende kam Tititl, das stürmische Wetter. Menschen wurden geopfert, und die Leute weinten, damit der Regen noch reichlicher fiel. Kinder wurden mit Beuteln voll Mehl geschlagen, und die Frauen kratzten sich so, daß ihnen die Tränen das Gesicht hinunterströmten. Das sollte für den Rest des Jahres Glück bringen. Die nächste Periode von Mittjanuar bis Mittfebruar war Izcalli, das „Steinhaus“, in welchem der Mais getrocknet und geröstet wurde. Es gab eine Zeremonie für den Feuergott und eine Zeremonialjagd. Danach kamen Anfang Februar fünf „unglückliche Tage“, bevor das Jahr wieder mit dem Fest Atlcoualo begann.

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Ein Kommentar

  1. Dies ist nun der letzte Teil der Mesoamerika-Reihe. Gleich der erste Absatz bestätigt wiederum, was Sternbald in seinem Kommentar zu Teil 4 über die psychologische Entwicklungsunfähigkeit der Indianer geschrieben hat und was ich im selben Sinne in Kommentaren zu den anderen Teilen angemerkt habe:

    – sie haben nicht nur das Rad nie erfunden, sondern offenbar nicht einmal dann etwas damit anzufangen gewußt oder überhaupt das Prinzip verstanden, nachdem es ihnen mutmaßlich von ostasiatischen Reisenden in Form tönerner Spielzeugtierfiguren mit Rädern gezeigt wurde;
    – sie kannten die Bronze, verwendeten sie aber kaum;
    – es gab Eisenerzvorkommen in Mittelamerika, die aber erst von den Spaniern genutzt wurden;
    – obwohl sie fast dauernd Kriege führten, hatten sie offenbar entweder nicht das Verlangen oder die geistige Kapazität, eine wirksamere Bewaffnung und Ausrüstung als Schleuderspeere, Pfeile, obsidianbesetzte Kriegskeulen, Lederschilde und lederne Umhänge zu entwickeln (interessanterweise trugen die von den Olmeken hinterlassenen steinernen Monumentalköpfe alle eng anliegende Helme);
    – sie änderten mindestens fünftausend Jahre lang kaum etwas an ihrer einfachen Landwirtschaft samt der damit verbundenen Rituale, sodaß man sich fragen muß, wie geistig so beschaffene Völker überhaupt erst aus dem vor etwa 7000 Jahren entdeckten Wildmais, der damals nur zwei Körner trug, die später bekannten Formen mit den viele Körnerreihen tragenden Kolben züchten konnten.

    In Abwandlung eines gewissen Spruches: Man kann zwar den Indianer aus der Steinzeit holen, aber niemals die Steinzeit aus dem Indianer.

    Kennern der SF-Serie „Babylon 5″ wird übrigens der Begriff „Zocalo” bekannt sein, der dort das zentrale Markt- und Unterhaltungsforum der Raumstation war und laut einem der Protagonisten (ich weiß nicht mehr, ob das Commander Sinclair, Captain Sheridan oder Michael Garibaldi war) „nach dem Marktplatz einer südlichen Hauptstadt auf der Erde” benannt wurde. Aus dem Begleittext zum Titelbild dieses Beitrages geht hervor, welche Hauptstadt damit gemeint war.

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