„Wir müssen das boreale Europa und die weiße Welt retten“: Jean-Marie Le Pens Interview mit Rivarol

Das französische Original Devoir d’insoumission: Entretien avec Jean-Marie Le Pen – 9 avril 2015 wurde von Guillaume Durocher unter dem Titel „We must save Boreal Europe & the white world“: Jean-Marie Le Pens Rivarol interview für Counter-Currents Publishing in Englische übersetzt (veröffentlicht am 13. April 2015); deutsche Übersetzung auf Basis dieser englischen Fassung von Deep Roots. Das Interview führte Robert Spieler, und die französische Version wurde von Jérôme Bourbon herausgegeben.

(Anm. d. Ü.: die Übersetzung, die zippelmütz seinerzeit für „As der Schwerter“ erstellt hat, habe ich leider nicht mehr; die wurde damals von Dunkler Phönix direkt aus dem Übermittlungskommentar in einen Artikelentwurf kopiert und dort von mir nur noch veröffentlichungsfertig bearbeitet, sodaß ich nie eine Word-Version davon auf Festplatte hatte. Anderswo wurde sie leider nirgends nachveröffentlicht, sodaß diese Übersetzung verloren ist.)

Rivarol: Was ist Ihre Beurteilung der zweiten Runde der Departementswahlen für den Front National?

Jean-Marie Le Pen: Es war zu erwarten, daß die Ergebnisse nicht ganz unserem sehr großen Erfolg in der ersten Runde nicht ganz gerecht werden. Der FN ist laut den offiziellen Dokumenten des Innenministeriums tatsächlich die erste Partei Frankreichs, nachdem er in der ersten Runde über 25 % der Wählerstimmen erhalten hat, über 5 Millionen Stimmen. Er liegt vor der UMP [Konservative Partei] und der PS [Sozialistische Partei]. Ich erwähne nicht einmal die kleinen, quasi nichtexistenten Organisationen wie die Grünen oder Dupont-Aignans Debout la France [Erhebe dich, Frankreich]. Der FN hat in der ersten Runde ein sehr gutes Rennen geliefert, aber nachdem es ein Zweirunden-Stichwahlsystem gibt, werden wir am Abend des 29. März wahrscheinlich geschlagen werden, da wir 62 Sitze von 2054 erhalten haben.

Die Leute begrüßen diese Niederlage, aber sie berücksichtigen nicht, daß die Generalräte [die die Departements leiten] aus bekannten, politisch etablierten Persönlichkeiten bestehen, die am häufigsten Gemeindebürgermeister sind, in denen sie natürlich 60 oder 70 % der Stimmen erhielten, wie es zufälligerweise auch die FN-Bürgermeister taten, deren Verwaltung von den Medien kritisiert wurde und die im Durchschnitt 75 % der Wählerstimmen auf sich vereinigten. Man muß auch bedenken, daß diese Generalräte aus Männern und Frauen bestehen, die einander seit Jahren kennen und unter denen es feste Bande der Freundschaft, Sympathie und Komplizenschaft gibt. Wir hatten einen Amtsinhaber gegen 2053, und wir haben dennoch etwas über sechzig Sitze, was nicht nichts ist. Das Ergebnis ist hervorragend, noch besser, als wir erhofft hatten, nachdem diese Art von Lokalwahlen mit dem Zweirunden-Stichwahlsystem sicherlich die schwierigstmögliche für eine Bewegung wie unsere ist, die immer noch nur wenige bekannte Leute hat.

„Ich bin kein Kriecher“

Rivarol: Eine neue politisch-mediale Kontroverse wurde nach Aussagen entfacht, die Sie auf BFM-TV als Antwort auf Jean-Jacques Bourdin machten, der diejenigen wiederholte, die Sie bereits am 13. September 1987 auf RTL, am 5. Dezember 1997 in Deutschland, im April 2008 in einer bretonischen Monatszeitschrift und im März 2009 im Europäischen Parlament über die Gaskammern machten. Der Staatsanwalt hat Vorermittlungen wegen der Leugnung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingeleitet. Die Minister für Inneres und Bildung haben Sie verurteilt, wie auch die gesamte politische Klasse. Vereinigungen (SOS Racisme, UEJF, LICRA …) haben Klage gegen Sie erhoben, und sogar im Front National haben die hauptsächlichen Führer Ihre Aussagen feierlich verurteilt, einschließlich der Präsidentin der Bewegung und ihrer Stellvertreter. Wie fühlen Sie sich dabei?

Le Pen: Ich bin kein Mann, der es sich anders überlegt, oder der kriecht. Ich habe zu dieser Frage eine Meinung, die ich für berechtigt halte. Diejenigen, die diese Art von Manövern anführen, um ein Urteil zu fällen, haben zutiefst unrecht. Ich habe im Alter von 18 Monaten aufgehört, mich auf allen vieren fortzubewegen. Ich bin kein Homo bauchliegus.

Die Politik ist wie das Leben ein Kampf. Wenn man keine Schläge bekommen will, entscheidet man sich nicht dafür, Boxer zu werden. Denn wenn man sich dazu entschließt, Boxer zu werden, dann weiß man, daß man gewinnen kann, daß man aber viele Schläge erhalten wird. Der Weltmeister hat, wenn er mit seinem Championsgürtel aus dem Ring steigt, ein verschwollenes Gesicht. Er geht nicht intakt daraus hervor. Er hat als Kämpfer gewonnen, aber indem er akzeptierte, verletzt oder manchmal entstellt zu werden. Wenn man keine Schläge bekommen will, bleibt man besser zu Hause oder geht nach Hause, das ist klüger.

„Ich behaupte meine Kandidatur in der Region PACA“

Rivarol: Mehrere Offizielle des Front National (Generalsekretär Nicolas Bay, Vizepräsident und Nummer zwei der Bewegung Florian Philippot, der Mitbegründer von Gay-Lib und Präsidend des Collectif Culture Sebastian Chenu) haben den audiovisuellen Medien am Donnerstag, dem 2. April und am Freitag, dem 3. April gesagt, daß Ihre Kandidatur als Listenführer des Front National in der Region PACA [Provence-Alpes-Côte d’Azur] nach Ihren neuesten Aussagen vom Einsetzungskomitee in Frage gestellt und andere Kandidaturen als Ihrer ersetzt werden könnte, weil Sie sich von der Bewegung und ihrer politischen Linie ausgegrenzt hätten. Was ist Ihre Reaktion?

Le Pen: Ich bin Kandidat an der Spitze der Liste, um die Sozi-Kommunisten rauszuwerfen. Ich erinnere mich, daß ich vor weniger als einem Jahr in den letzten Europawahlen über 33 % der Wählerstimmen in der PACA-Region gewann. Ich bin daher legitimiert, die Liste des Front National in dieser Region anzuführen, wo ich zusätzlich seit 1992 ein regionales Ratsmitglied und Präsident der FN-Gruppe gewesen bin.

Rivarol: Sind Sie auch Kandidat für die Präsidentschaft der PACA-Region, um den Sozialisten Michel Vauzelle zu ersetzen?

Le Pen: Nach der Logik der Dinge bewerbe ich mich um die Präsidentschaft der PACA-Region.

Rivarol: Diese entschiedene und feierliche Verdammung des Gründers und Ehrenpräsidenten [Jean-Marie Le Pen] durch die Führer des Front National fand am Gründonnerstag (2. April) statt, dem Tag, an dem Jesus von Judas verraten wurde, der ihm im Olivengarten einen bösen Kuß gegeben hatte, um ihn an den Sanhedrin auszuliefern. Ist das nicht ein seltsamer Zufall?

Le Pen: Man wird immer nur von den eigenen Leuten verraten.

Die Anfälligkeit der neuen Generationen für die Umgangssprache

Rivarol: Nach Ihren umstrittenen Bemerkungen erklärte Florian Philippot, daß der FN sich mit den alltäglichen Problemen der Franzosen – Arbeitslosigkeit, Kaufkraft, Kriminalität, Islamismus – zu befassen hätte und daß die Botschaft der Bewegung nicht durch verfrühte und provokante Aussagen zum Zweiten Weltkrieg untergraben werden sollte. Aber dies vergißt, daß Frankreichs Probleme zum Großteil mit den Tabus zu seiner Vergangenheit und jener Europas verbunden sind. Denn im Namen der Shoah dürfen wir nicht die Einwanderung kontrollieren oder Migrationsströme umkehren, weil dies, wie man uns sagt, heißen würde, Einwanderer zu deportieren, wie die Juden deportiert wurden; wir dürfen die Familie und traditionelle Werte nicht verteidigen, weil das Pétainismus ist; wir dürfen den Einfluß des Freimaurertums und anderer „mächtiger und schädlicher“ Lobbies im politischen Leben nicht kritisieren, weil das Vichyismus wäre; wir dürfen nicht gegen Chiracs Verdammung Frankreichs von 1995 im Wintervelodrom auftreten, weil das eine Respektlosigkeit gegenüber den „Opfern der Shoah“ wäre; wir dürfen nicht die Rolle der anonymen und nomadischen internationalen Finanz verurteilen, weil das als Antisemitismus verdächtigt würde.

Ist es dann nicht unrichtig zu denken, daß wir es völlig vermeiden können, über die Vergangenheit zu reden, solange die Medien und das öffentliche Bildungssystem sie endlos zur Sprache bringen und Journalisten regelmäßig Fragen zu diesen Themen stellen? Ist es nicht eine Schwäche, ein Mangel an intellektueller und doktrinärer Bildung und auch zweifellos ein Mangel an Mut, wenn die meisten rechtsnationalen und populistischen Gruppen in Europa gegenüber dem zugegebenermaßen sehr starken Mediendruck zu diesen Fragen kapitulieren, wie es Gianfranco Fini leider einmal in Italien tat?

Le Pen: Die jüngeren Generationen, die den Krieg nicht erlebt haben, sind anfälliger als die älteren für den vorherrschenden medialen Diskurs und für eine manichäische Sicht auf die Geschichte, wie François Mitterrand zu Georges-Marc Benamou sagte: „Junger Mann, Sie wissen nicht, worüber Sie reden.“ Übrigens befinden wir uns in Frankreich in einem ständigen Wahlkampf, weil es praktisch jedes Jahr eine oder mehrere Wahlen gibt. Der Front National ist daher von Natur aus mit Wahlproblemen befaßt. Es ist gleichzeitig seine Stärke und seine Schwäche.

Seine Stärke, weil es ihm ermöglicht, in Erscheinung zu treten, im öffentlichen Leben präsent zu sein, seine Vorschläge und seine starke Gegnerschaft zur gegenwärtigen Politik bekanntzumachen. Kandidaten zu finden und sie in Wahlkampftechniken auszubilden, absorbiert einen großen Teil der Aktivität des Front National, und nicht nur physische und staatsbürgerliche Aktivität, sondern auch intellektuelle und konzeptionelle. Seine Schwäche, weil die Zeit, die nötig ist, um sich auf Wahlen vorzubereiten, Kandidaten zu finden (fast 8.000 bei den letzten Departementswahlen!), was eine Notwendigkeit ist, zwangsläufig zu Lasten der doktrinären Ausbildung geht.

Pétainisten sind Franzosen wie alle anderen

Rivarol: Die Führer des FN haben Ihre Behauptung stark bestritten, daß es im Front National auch „leidenschaftliche Pétainisten“ gibt.

Le Pen: Ich habe immer für die Versöhnung der Franzosen gearbeitet. Wie Präsident Georges Pompidou mit großer Würde sagte, als er bei einer Pressekonferenz hinsichtlich der teilweisen Begnadigung befragt wurde, die er Paul Touvier [einem Kollaborateur während der Kriegszeit] gewährt hatte: „Werden wir unsere Wunden für immer durch unsere nationalen Streitigkeiten blutig halten, ist nicht die Zeit gekommen, einen Schleier darüber zu werfen, diese Zeiten zu vergessen, als die Franzosen sich selbst nicht mochten, einander entzweirissen und einander sogar töteten?“

Für meinen Teil habe ich, wie ich bereits gesagt habe, Marschall Pétain nie als Verräter betrachtet. Wir waren bei der Befreiung sehr hart zu ihm. Und ich habe diejenigen, die immer noch Respekt für den Marschall haben, niemals als schlechte Franzosen oder Parias betrachtet. Sie haben meiner Meinung nach einen Platz im Front National, wie auch die Verteidiger des französischen Algerien, wie die Gaullisten, die ehemaligen Kommunisten und alle Patrioten, die Frankreich in ihren Herzen haben.

Rivarol: Unterstützen Sie die Pensionierung mit 60, wie es die gegenwärtige Führung des FN tut?

Le Pen: Ich versuchte Marine Le Pen und ihren Beratern zu erklären, daß dies ein Fehler war. Es ist lächerlich, eine Pensionierung mit 60 zu verlangen, wenn ich als der Führer des FN jahrzehntelang 65 verlangt habe! Ich war meiner Zeit voraus, obwohl die Deutschen heute bei 67 sind! Die katastrophale demographische Balance des borealen Europa, das heißt, von Brest bis Wladiwostok, ist selbstmörderisch und zieht eine ständige Zurückverschiebung des gesetzlichen Pensionsalters nach sich. In der Politik darf man nie zu leichten Auswegen oder zu Demagogie greifen. Wir dürfen nicht in die Absurdität verfallen, daß wir ein System der Pensionierung mit 60 Jahren zu verteidigen scheinen, denn selbst wenn wir gewisse Zugeständnisse hinzufügen (wie 40 Jahre Annuitäten), wird das politisch nicht hörbar sein. Warum sich daran klammern? Ich sagte ihnen: „Macht es richtig.“ Vorerst vergeblich.

Rivarol: Wie arbeiteten Marine Le Pen oder Florian Philippot Ihnen zu dem Thema?

Le Pen: Wir haben sehr wenige politische Treffen, denn das politische Büro und das Exekutivbüro sind oft mit Nachbesprechungen der Missionen des Generalsekretärs oder anderer nationaler Funktionäre beschäftigt, und leider behandeln wir streng politische Themen nicht viel.

Chevènementismus ist schädlich

Rivarol: Viele sind besorgt wegen der Zahl und des Einflusses aktivistischer Homosexueller im Front National. Unsere Kollegen in Minute [eines weit rechts stehenden Magazins] haben wiederholt über eine „Schwulenlobby“ innerhalb der Partei berichtet, und Roger Holeindre erklärte, daß er den Front National 2011 großteils wegen der wachsenden Zahl von Päderasten um Marine Le Pen verließ. Manche sagen, daß diese Regenbogenlobby, deren Einfluß sie für negativ halten, für die etwas zwiespältigen Positionen der Führer der Bewegung zur „Schwulenehe“ und zur Weigerung der Präsidentin [Marine Le Pen], an den Massendemonstrationen gegen das Taubira-Gesetz [zur Legalisierung der Schwulenehe] teilzunehmen, verantwortlich ist. Was ist Ihre Position zu dem Thema?

Le Pen: Man darf nicht übertreiben und da die übergeordnete Erklärung finden. Diese Besonderheit des Privatlebens erklärt nicht alles. Zufällig gibt es tatsächlich eine recht große Zahl von Homosexuellen im Front National, wie es auch in den anderen Parteien der Fall ist, und dies aus einem recht einfachen Grund: Diese Leute haben viel mehr freie Zeit als andere. Im Allgemeinen haben sie keine Familienverantwortlichkeiten. Und daher sind sie viel verfügbarer. Und zusätzlich haben sie das Gefühl, sich ein bißchen am Rand der Gesellschaft zu befinden, sie haben eine Tendenz, sich zu versammeln, auch wenn sie einander hassen. Sie bilden eine Gemeinschaft. Meiner Meinung nach ist das im Front National nicht so bedeutend, wie die Leute sagen, aber es ist auch nicht völlig vernachlässigbar, das ist wahr. Man müßte zusätzlich zeigen, daß diese Besonderheit des Privatlebens eine direkte politische Konsequenz für die politische Linie und Doktrin des Front National hat.

Ich denke, daß die politische Herkunft gewisser gegenwärtiger Führer des Front National wichtiger ist als ihr persönliches Verhalten. Ich denke an den schädlichen Einfluß eines Mannes, den ich für meinen Teil völlig widerwärtig finde: Jean-Pierre Chevènement. Er sieht wie ein Patriot aus, aber tief drinnen ist er ein Marxist. Der chevènementistische Einfluß ist schädlich, falls er weitergeht. Diese Denkweise ist mir völlig fremd. [Jean-Pierre Chevènement ist ein FN-feindlicher, euroskeptischer Sozialist, für den Florian Philippot kurz gearbeitet hat.]

„Valls ist seit 30 Jahren Franzose, ich bin es seit tausend Jahren“

Rivarol: Was halten Sie von Manuel Valls?

Le Pen: In 60 Jahren des politischen Lebens habe ich niemals einen Premierminister gesehen, der sich in dieser hasserfüllten und hysterischen Weise verhalten hat, eine junge Frau, eine Parlamentarierin (Marion Maréchal-Le Pen) zu zensieren, die doppelt so viel Unterstützung im Land hat, und der sie in solch abscheulicher Weise behandelt und ihr verächtlich gesagt hat: „Sie sind nicht die Republik, Sie sind nicht Frankreich.“ Und Sie, Monsieur Valls, wer sind Sie?

Wir werden auf allen Ebenen von Einwanderern und Kindern von Einwanderern regiert. Estrosi und Ciotti in Nizza, Mariani, diese Leute, deren Eltern Italiener waren. Ich habe nichts gegen Italiener oder Spanier. Ich habe nichts dagegen, daß Valls dieselben Bürgerrechte hat wie ich, aber das gibt ihm nicht das Recht, mich zum Thema staatsbürgerliche Tugend zu belehren oder zu schelten.

Valls ist seit 30 Jahren Franzose, ich bin es seit tausend Jahren. Was ist Valls‘ wirkliche Bindung zu Frankreich? Hat sich dieser Einwanderer völlig verändert? Was hat er für unser Land getan? Ich bewundere Spanien sehr, es ist ein großartiges Land. Leider gibt uns Manuel Valls von der spanischen Zivilisation nicht das, was an ihr das Bemerkenswerteste ist, welches ihr Geist der Ritterlichkeit ist. Valls ist kein caballero, er ist ein sehr kleiner Monsieur.

Frankreich ist im Gegensatz zu dem, was Monsieur Valls denkt, nicht bloß ein Verwaltungsraum, der ID-Karten und Reisepässe ausgibt. Frankreich hat seit Jahrhunderten existiert. Dies geschah zu einem hohen Preis für diejenigen, die uns vorausgingen. Sie gingen dafür durch die Hölle, ob auf den Feldern, wo sie die Erde aufkratzten, oder mit dem Bajonett zur Verteidigung des Landes.

Und dann Valls‘ endlose Verweise auf die Republik! Er beginnt mich mit der Republik zu nerven! Ich bin kein Royalist, aber dieser Bezug wird offenkundig verwendet, um den Bezug zur Nation zu überschatten.

Wir müssen die weiße Welt retten

Rivarol: Was sind die Chancen Frankreichs und Europas, der Dekadenz und dem Untergang zu widerstehen?

Le Pen: Die Zahlen sind erschreckend. Auf der einen Seite gibt es 735 Millionen Europäer. Durchschnittsalter: 45 Jahre. Fruchtbarkeitsrate: 1,4 Kinder pro Frau. Ihnen stehen 6 Milliarden Individuen entgegen. Durchschnittsalter 20 Jahre, Fruchtbarkeitsrate: 4 bis 5 Kinder pro Frau. Das Problem ist geopolitisch. Falls wir nicht die Rohre entzweibrechen, falls wir nicht die Saugpumpen der Einwanderung beseitigen, falls wir die Einwanderungsflut nicht umkehren, werden wir geschlagen, ohne daß auch nur eine Revolution oder ein Krieg notwendig wäre. Wir werden an der Wahlurne geschlagen werden. Dies ist eine mathematisch unvermeidliche Realität. Wir werden dann die Regierung haben, die von Houellebecq vorhergesehen wurde: die Scharia.

Andere Zahlen, die wir vermitteln müssen: China hat 1 Milliarde und 400 Millionen Einwohner, Indien hat 1 Milliarde und 500 Millionen. Falls China, wie es wahrscheinlich ist, seine ungerechte Ein-Kind-Politik aufgibt, ist zu befürchten, daß die Gegenreaktion demographisch zu großen Familien führen könnte, weil es bis dahin verboten war. Sodaß wir ein China von drei oder vier Milliarden Einwohnern haben könnten! Dies kann wie ein „Blick aus dem Weltraum“ erscheinen, aber das ist die Ebene, aus der wir die Zukunft der Welt betrachten müssen. Es gibt eine Million Chinesen in Frankreich. Sie sind intelligent, aktiv, diskret, aber dennoch mächtig und respekteinflößend. Da wir versuchen, unsere Haut, das Familiensilber, an jene zu verkaufen, die die Mittel haben, es zu kaufen, ist es wahrlich besorgniserregend!

Dies ist der Grund warum wir dringend mit den Russen auskommen müssen, um das boreale Europa und die weiße Welt zu retten. Das boreale Europa schließt die Slawen mit ein, aber auch Sibirien, bei dem ich fürchte, daß die Russen es nicht alleine schützen können.

Kiew-Moskau: Eine Familienangelegenheit

Rivarol: Was genau denken Sie über die gegenwärtigen Spannungen zwischen der Ukraine und Rußland?

Le Pen: Ich bin einer von denen, die denken, daß die Situation sich durch die Intervention der westlichen Mächte, und insbesondere der Vereinigten Staaten, verschärft hat. Um es klar zu sagen: Die Ukraine ist ruiniert, ob es nun die Ukraine von Poroschenko ist oder jene des Donbass. Ich glaube, daß dies eine Familienangelegenheit ist, die zwischen den Ukrainern und den Russen geklärt werden muß. Wir dürfen nicht vergessen, daß Rußland in Kiew geboren wurde. Infolgedessen geht es in dieser Angelegenheit um viel mehr als geographische und politische Interessen. Wir müssen Männer in diesen Ländern finden, die ein großes Verständnis der politischen und menschlichen Probleme haben, die unlösbar würden, falls die Situation sich zum Schlechteren wenden würde.

Ich bewundere Präsident Putin, weil er ein verantwortungsvoller Mann mit viel Selbstbeherrschung ist; ich hoffe, daß die in der Ukraine provozierten und verschlimmerten Spannungen zwischen diesen Vettern ersten Grades, um nicht zu sagen, Brüdern, nachlassen.

Syrien: die künstliche Verteufelung von Assad

Rivarol: Was ist Ihre Beurteilung des verheerenden Konflikts in Syrien?

Le Pen: Die Verteufelung von Assad ist völlig künstlich. Bashar al-Assad war nicht als Führer Syriens vorgesehen; das hätte sein Bruder sein sollen. Ich denke, daß diese zusammengestückelten Länder, die keine Kenntnis des demokratischen Systems haben, die nur Erfahrungen mit autoritären Systemen haben, ihr Gleichgewicht finden, wenn die Regierung aus einer Minderheit stammt. Denn wenn sie aus der Mehrheit stammt, regiert sie durch Totalitarismus. Im Gegensatz dazu erreicht man ein gewisses Gleichgewicht, wenn sie aus einer Minderheit stammt, wie es Im Irak der Fall war, wo Saddam Hussein ein Sunnit in einem mehrheitlich schiitischen Land war, und wie es in Syrien der Fall ist, wo die Unterstützer von Bashar al-Assad Alawiten sind und daher eine Minderheit im Verhältnis zu den Sunniten. Und dies im Namen einer formalen Demokratie zu stören, ist ein veritables Verbrechen gegen den Geist. Was war das Ziel, was ist immer noch das Ziel der amerikanischen Außenpolitik bei der Verschlimmerung des Chaos, das im Nahen Osten entstanden ist? Ich verliere mich in Spekulationen.

Wenn man die Bilanz des Bürgerkriegs in Syrien bedenkt, darf man nicht vergessen, wer die Angreifer und wer die Angegriffenen sind. Es ist offensichtlicherweise die Pflicht eines Staates, jedes Staates, sich selbst zu verteidigen. Die Schuld wird gänzlich Bashar al-Assad und der legalen syrischen Regierung zugeschrieben. Dies ist eine skandalöse Position seitens der Beobachter und deutet darauf hin, daß der Konflikt von außen provoziert wird. [Präsident François] Hollandes miserable Verteidigung des [angeblich] demokratischen syrischen Widerstands ist ein Schwindel. Entweder hält er uns zum Narren, oder er versteht nichts. Es sind eindeutig zwei Kräfte präsent: Es wird entweder der Sieg Syriens über den Dschihadismus sein oder umgekehrt.

Juppé und Sarkozy sind für den Dschihadismus in Libyen verantwortlich

Rivarol: Und dasselbe in Libyen?

Le Pen: Wir waren die Instrumente der Vereinigten Staaten, insbesondere Sarko der Amerikaner [Spitzname von Präsident Nicolas Sarkozy], bei der Verbreitung von Chaos. Sicherlich könnte die Ordnung des Herrn Gaddafi in den Augen der City oder auch von Saint-Germain-des-Prés [eines Pariser Viertels, das für seine „Intellektuellen“ berühmt ist] zweifelhaft sein. Aber dann hätte er nicht mit dem roten Teppich empfangen werden sollen, wie es der Fall war. Er war ein ziemlich wohlwollender Tyrann, denn in sozialen Angelegenheiten verteilte er eine gewisse Menge des Ölreichtums um, was nicht mehr gemacht wird. Ich erinnere mich, daß es französische Bomber waren, die Gaddafis Panzerangriff auf Bengasi lähmten, obwohl es als das zentrale Nest des Dschihadismus betrachtet wurde. Es sind also die Franzosen, es ist Sarkozy, es ist [Premierminister Alain] Juppé, der mit tränenerstickter Stimme die Ströme von Blut heraufbeschwor, obwohl er als Bürgermeister von Bordeaux nie welche gesehen hat außer in den Geschichtsbüchern, die für diese Situation verantwortlich sind. In diesem Land hatte es eine autoritäre Ordnung gegeben, wahrscheinlich weit von dem entfernt, wovon wir im Westen träumen würden, aber es war eine Ordnung. Und Ordnung, wie ungerecht sie auch sein mag, ist der Unordnung immer überlegen.

Eine amerikanische Politik gegen die Interessen Europas

Rivarol: Wie beurteilen Sie die amerikanische Politik in Europa und im Nahen Osten?

Le Pen: Das Problem der Einwanderung wird durch die Tatsache kompliziert, daß ein großer Teil dieser Einwanderung moslemisch ist und daß die moslemische Welt weitgehend von extremistischen Ideen beeinflußt wird, von kriegerischen Interpretationen des Koran. Und doch müssen wir beobachten, daß bezüglich Europas die Amerikaner die Partei der Moslems ergriffen haben, der Bosniaken und Kosovaren gegen christlich-orthodoxe Serben. Sie drängen auch darauf, daß die zu 95 % moslemische Türkei der Europäischen Union beitritt. Es gibt politische Hintergedanken, deren Ergebnisse, wie ich feststellen muß, dem Überleben Europas feindlich sind.

Ist dies Absicht seitens gewisser amerikanischer Kreise, die damit einen gefährlichen Rivalen beseitigen, oder ist es Kurzsichtigkeit? Ich weiß es nicht, da ich ihre Gedanken und Herzen nicht lesen kann. Aber ich sehe, daß sogar Präsident Obama bei den getroffenen Entscheidungen zu zögern beginnt. Die im Nahen Osten durchgeführten Operationen sind im Irak, in Afghanistan und in Syrien katastrophal gewesen. Die höheren Interessen Israels, dem die Vereinigten Staaten sehr nahestehen, haben bei den getroffenen Entscheidungen sicherlich eine bedeutende Rolle gespielt. Daß Israel um sein Überleben und seine Macht kämpft, ist zu erwarten. Es ist daher in seinem Interesse, daß die arabischen Länder gespalten werden. Für Tel Aviv sind drei Iraks einem vorzuziehen! Oder drei Syriens statt einem! All die amerikanische Kontrolle der Region ist katastrophal gewesen.

Der Lebensinstinkt des französischen Volkes!

Rivarol: Gibt es Gründe zur Hoffnung?

Le Pen: Trotz seiner bescheidenen Mittel (er hat nicht einmal eine Zeitung, und auch weder einen Radio- noch einen Fernsehsender) war der Front National in den Europa- und Departementswahlen an erster Stelle. Es ist eine Strömung, die bergauf fließt. Es ist das erste Mal in der Geschichte, daß wir solch ein Phänomen sehen: Ein Fluß, der bergauf fließt!

Wir repräsentieren eine Kraft, die sich im Laufe der Jahre gegen alles und gegen alle gebildet hat und die einer Übersetzung des französischen Lebensinstinkts entspricht. Diejenigen Franzosen, die nicht sterben wollen, kämpfen an unserer Seite. Das Leben ist ein Kampf, sofern man nicht akzeptiert, ein Zuschauer der Geschichte zu sein, der die Ereignisse auf den Schienen ablaufen sieht, die von anderen gelegt wurden, so wie Kühe die vorbeifahrenden Züge betrachten. Wenn man das Gefühl hat, um sein Leben zu spielen, um das seiner Lieben, weil jeder Verantwortung gegenüber den Menschen um sich hat, seinen Kindern, seinen Nachbarn, seinen Mitbürgern, dann will man mit aller Kraft Widerstand gegen ein Unterfangen der Zerstörung, der Auflösung leisten, das, ohne es zu wissen, das Nichts anstrebt. Denn wenn man alle Probleme annulliert, dann gibt es keine Probleme mehr, dann bleibt nichts übrig, und Gott selbst hat seine Rechte verwirkt!

Eines der Hauptverdienste des Front National, wie auch von Rivarol, ist es, trotz der Herausforderungen den Marsch durch die Wüste durchgehalten zu haben, die allgemeine Widrigkeit, und nicht wie so viele andere durch finanzielles Versagen, durch Ermüdung, durch Entmutigung erledigt worden zu sein. Ich glaube sehr an dieses Fallschirmjägermotto: „Sein und durchhalten.“ Ohne Ausdauer gibt es keine Wirkung. Es braucht Zeit, um bekannt und respektiert zu werden und die Unterstützung der Öffentlichkeit zu gewinnen.

Nachsicht mit unseren Kameraden

Rivarol: Mehrere Dutzend Kandidaten des Front National sind bestraft worden für Aussagen, die von der gegenwärtigen Führung der Bewegung für politisch inkorrekt gehalten werden. Sind sie nicht zu hart zu ihnen und machen sie nicht den unglücklichen Eindruck, dem Druck der Medien nachzugeben, nachdem SOS Rasisme und die UEJF Klagen gegen diese FN-Kandidaten angekündigt haben?

Le Pen: Man versteht sehr gut, daß der FN in seiner allgemeinen Haltung gezwungen ist, sein Image zu verteidigen, wenn es durch die Schwächen und die Unklugheiten von ein paar seiner Mitglieder oder Kandidaten bedroht wird. Das ist der Vorrang dessen, was öffentlich ist. Dennoch lege ich sehr viel Wert darauf, daß dies mit striktem Respekt gegenüber unseren Statuten geschieht, was nicht immer der Fall gewesen ist.

Wenn jemand eine allgemeine Regel unserer Bewegung verletzt, muß er suspendiert und vor die Streitschlichtungskommission gebracht werden, die dann den Fall untersuchen und sich informieren wird, herausfinden wird, wie er sich verhalten hat, die Verteidigung sprechen lassen wird, sowohl Anklage wie auch Verteidigung berücksichtigen und eine Entscheidung treffen wird. In Fällen dieser Art fürchtet die Führung der Bewegung, meiner Meinung nach exzessiv, die Böswilligkeit unserer Gegner. Denn ich bin einer jener, die glauben, daß die Böswilligkeit auch eine unserer Stärken ist. Diejenigen, die die Leute hassen und verabscheuen, welche uns angreifen, hassen und verabscheuen sie umso mehr, als sie uns in ungerechter Weise angreifen.

Journalisten haben mehrere Male versucht, mir in diesen Angelegenheiten „eine Falle zu stellen“; viele dieser Kameraden sind tatsächlich unbesonnen gewesen. Sie haben noch nicht das Verantwortungsgefühl im Internet und glauben fälschlicherweise, daß sie im Web sagen können, was sie wollen, daß es ein Raum der Freiheit sei. Man kann tatsächlich auf eigene Gefahr schreiben was man will, wenn man keine politische Verantwortung hat. Aber wenn man Teil einer Bewegung ist, wenn man die Ehre hat, das Wahlbanner zu tragen, dann muß man vorsichtig mit dem sein, was man sagt, und versuchen, unserer Sache nicht zu schaden. Manchmal können die Strafen hart sein, aber sie müssen in jedem Fall durch den Geist der Kameradschaft ausgeglichen werden. Zum Beispiel dachte ich nicht, daß das Bild von Justizministerin Christianne Taubira mit einem Affen sehr subtil oder von bestem Geschmack war, aber ich habe dennoch hohe Wertschätzung für Madame Lerclère, die skandalöserweise zu neun Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Wenn Charlie Hebdo Karikaturen bringt, ist niemand schockiert, wenn wir als Tiere oder in fäkaler Form dargestellt werden, das hält jeder für witzig. Im Gegensatz dazu werden wir an den Pranger gestellt, wenn wir ein Viertel eines Hundertstels davon tun.

Rivarol: Verstehen Sie diejenigen, die Antidemokraten sind?

Le Pen: Ich verstehe völlig, daß jemand die Demokratie in Frage stellt, daß jemand sie bekämpft, das ist nicht das Problem. Aber oft verstehen Antidemokraten und Monarchisten nicht, daß wir uns de facto in einem demokratischen System mit bestehenden Regeln befinden. Wir kämpfen auf einem vorgegebenen Terrain, das wir uns nicht ausgesucht haben, es ist so. Wenn Seeleute an Land kämpfen, dann werden sie Marineinfanteristen und sind Soldaten. Wenn Soldaten ein Boot besteigen, dann werden sie zu Seesoldaten. Das Gelände bestimmt die Mission und das Verhalten. Wenn man das nicht versteht, dann versteht man nichts von Politik. Es zählt wenig, ob sie positiv oder negativ über uns reden. Wichtig ist, daß über uns geredet wird! Man muß politisch existieren. Diejenigen, die das nicht berücksichtigen, verstehen nichts. Sie könnten die besten Ideen der Welt haben, wenn sie sie nur mit ihrem Cousin oder ihrem Bruder mitteilen, dann würde das drei Stimmen bedeuten. In einem demokratischen System ist das nichtexistent.

Auf französische Ostern hinarbeiten!

Rivarol: Was würden Sie zum Abschluß den Lesern von Rivarol sagen?

Le Pen: Die Rolle des Front National ist es, sich Wahlen zu stellen, aber wir herrschen nicht über Philosophie, über Geschichte. Jeder muß auf seinem Terrain mit einem elementaren Ziel kämpfen: zu leben, und wenn man bedroht wird, zu überleben. Nun, wir werden bedroht. Und es gibt nichts Schwerwiegenderes für einen Organismus, einen Menschen, einen Staat, als bedroht zu werden, ohne es zu erkennen.

Ich bin stolz darauf, Alarm geschlagen zu haben, seit Jahrzehnten die geopolitische Entwicklung unserer Zeit analysiert und die Probleme beschrieben zu haben, vor denen wir stehen würden. Dies ist so wahr, daß auf dem ersten FN-Plakat vor 43 Jahren stand: „Mit uns, bevor es zu spät ist.“ Wir hatten damals bereits das Gefühl der Dringlichkeit der Reformen, die durchgeführt, und der Gegenmittel, die eingesetzt werden sollten gegen eine Dekadenz, die am Ende der Glorreichen dreißig Jahre [ca. 1950 – 1980, d. h. der Nachkriegsboom] schwach erkennbar wurde. Einer Dekadenz, die tief in die französische Gesellschaft eindrang, in ihre Moral, ihre Psychologie, ihre Vorstellung von der Welt, bereits in einer globalen Sturzflut befindlich, nachdem sie sich physisch noch nicht von den zwei Weltkriegen erholt hatte, in derem erstem sie viele ihrer jungen Männer verloren hatte, sehr viel französisches Blut, und deren zweiter sehr mehrdeutig war, sehr komplex, sehr widersprüchlich, sehr demoralisierend.

Ich bin auch stolz darauf, die Ehre des Rechtsseins wiederhergestellt zu haben. Lange Zeit wollten die Gaullisten nicht mit der Rechten in Verbindung gebracht werden. Sie verabscheuten den Begriff. Eines der ersten Bücher des FN, das nicht bekannt genug ist und das ich neu auflegen werde, heißt Droite et démocratie économique [„Die Rechte und ökonomische Demokratie“]. Ein Buch, das eine Lobpreisung des freien Unternehmertums als das wirtschaftliche und politische Mittel für das Gleichgewicht innerhalb der Nation ist. Wir forderten diese Bezeichnung „rechts“, die sie uns nicht gewährten. Obwohl es keine Rechte gab, wurden wir bereits als „rechtsextrem“ bezeichnet. Aber diese semantische Wahl ist nicht unschuldig. Denn „linksextrem“ erzeugt die Vorstellung „Linker“, aber „rechtsextrem“ erzeugt nicht die Vorstellung „Rechter“, sondern „Extremist der Rechten“. Das ist sehr subtil, aber gleichzeitig auch sehr böse. Die Semantik ist ebenfalls ein Schlachtfeld, das wir niemals ignorieren sollten.

Mehr als je zuvor müssen wir uns heute bewußt sein, daß die Zukunft unseres Landes, unseres Volkes, jedes unserer individuellen Leben und unserer Nachkommen auf dem Spiel steht. Haben Frankreich und Europa immer noch die Fähigkeit und den Willen, in der Welt zu existieren, auch wenn sie seit 2000 Jahren den zivilisatorischen Rahmen gestalteten? Wird die globale demographische Flut, kombiniert mit dem bewußten Willen unserer Eliten, die Fortpflanzung unserer Familien im Namen eines Individualismus und eines Hedonismus nicht zu sichern, die als Musterbeispiele moderner Tugend gelten, zum Selbstmord unserer Nation, unseres Kontinents, unserer Zivilisation führen? Wir möchten glauben, daß der Lebensinstinkt stärker sein wird als die tödlichen Kräfte. Auf dem Papier ist es in der Tat eine so unmögliche Herausforderung wie David gegen Goliath. Und doch hat am Ende David gewonnen. Wir müssen also sehr geschickt in der Wahl unserer Waffe und in ihrer Handhabung sein.

Wenn wir die im Spiel befindlichen Kräfte vergleichen und ihr Ungleichgewicht feststellen, dann genügt das, um entsetzt zu sein. Aber wir müssen an unsere Fähigkeit zu gewinnen und zu überleben glauben, denn in der langen Geschichte unseres Landes gab es Momente, die diesem vergleichbar waren, wo es schien, als gäbe es keine Chancen mehr für Frankreich. Und dank der Vorsehung und einer Handvoll entschlossener und mutiger Männer ist Frankreich wieder im Spiel.

Während dieses Osterfestes, wo das Leben über den Tod triumphiert, die Hoffnung über die Verzweiflung, müssen wir mehr als je zuvor an französische Ostern glauben, auch wenn es stimmt, daß es in der Nacht schön ist, an das Licht zu glauben.

*   *   *   *   *   *   *   *

Siehe auch:

Marine Le Pen & the Jews: Treasonous Friendships, Strange Bedfellows, or Desperate Enemies? von Patrick Le Brun

The Truth About Marine Le Pen’s Jewish Boyfriend von Patrick Le Brun

Gegen die Anpassung an den Mainstream von Ted Sallis

White Man’s Burden, die deutsche Übersetzung eines Interviews mit drei namhaften jüdisch-amerikanischen Neocons in Haaretz

Warum der Westen in Libyen intervenierte: War dies eine Überraschung? von John Graham

Die Vereinigten Staaten von Syrien: Innenpolitische Lektionen in einem fernen Krieg von Tobias Langdon

Rettenswerter Norden von Srdja Trifkovic

Die Weiße Allianz von Dunkler Phönix

Was auf dem Spiel steht von mir (Deep Roots)

Wintersonnenwende: Während die Sonne stillsteht von Kevin Alfred Strom

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3 Kommentare

  1. zippelmütz

     /  Juli 9, 2017

    Ich hab die Übersetzung, für die ich mir seinerzeit die französische Version vornahm, auch nicht mehr, denn ich habe sie – mit ein paar Löchern, die dann Dunkler Phönix oder Du, weiß nicht mehr, ausflickten – praktisch im Editor fertiggestellt und mir dann keine Kopie gezogen. Sie war etwas näher am rhetorischen Stil des Originals, d.h. man merkte ihr mehr das französisch-offiziöse an, aber dem wichtigen Informationsgehalt tut die Übersetzung aus dem Englischen keinen Abbruch.
    Ich bin froh, daß dieses Interview wieder „im Repertoire“ ist, denn Le Pen plaudert hier ein wenig aus dem Nähkästchen, wie mühsam Politikmachen ist, wenn man eine neue Partei gründet. –
    Eins würde ich noch ändern: die „trente Glorieuses“ sind hier fälschlich mit „goldene Dreißiger“ übersetzt, so daß man meint, es ginge um die 1930er; dies ist aber nicht der Fall, es handelt sich wohl um einen gebräuchlichen Ausdruck für die „30 goldenen Jahre“ etwa 1950-1980, also der Nachkriegsboom.

    Antwort
  2. Danke für den Korrekturhinweis, zippelmütz! Den habe ich jetzt berücksichtigt. Guillaume Durocher scheint sich an dieser Stelle bei der Übersetzung ins Englische auch unsicher gewesen zu sein, da er darin bloß den französischen Originalausdruck Trentes Glorieuses in Kursivschrift übernommen hat. Aber nachdem in diesem Absatz davon die Rede ist, daß Frankreich sich noch nicht von den beiden Weltkriegen erholt hatte, wird Deine Interpretation zutreffen.

    Ich habe übrigens beim Übersetzen nach der englischen Fassung auch immer parallel dazu vergleichshalber in den französischen Originaltext reingeschaut, um nicht nach dem Stille-Post-Prinzip noch weiter von diesem abzuweichen, sondern eher noch wieder näher ans Original zu kommen. Gewisse Französischkenntnisse habe ich ja, auch wenn sie bei weitem nicht für die direkte Übersetzung eines ganzen Textes reichen.

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  3. zippelmütz

     /  Juli 11, 2017

    Durocher wird es unübersetzt gelassen haben, weil es wohl im Französischen ein stehender Ausdruck ist, ich habe damals nämlich ziemlich dazu rumgesucht, und heraus kamen Diskussionen, ob man die „30 goldenen Jahre“ (so würde ich es übersetzen, weil es den Sinn wiedergibt) nun mit 1952-1982 oder eher 1954-1984 ansetzen solle und dergleichen. Es ist also ziemlich sicher eine recht geläufige Periodisierung in Frankreich, ähnlich wie „Wirtschaftswunder“ eine geläufige Periodisierung in (West-)Deutschland war, aber die beiden Ausdrücke beziehen sich nur zum Teil auf die gleichen Jahre, deswegen würde ich es nicht mit „Wirtschaftswunder“ übersetzen, auch wenn man damit den Nebensinn „Nachkriegsboom“ besser trifft.

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