Caribbean Project 5: Warum ist Haiti Haiti?

Kaiser Soulouque von Haiti, ca. 1859

Kaiser Soulouque von Haiti, ca. 1859

Von Hunter Wallace, übersetzt von Deep Roots. Das Original Caribbean Project: Why Is Haiti, Haiti? erschien am 8. Mai 2012 im Rahmen von Hunter Wallaces Artikelserie „Caribbean Project“ auf Occidental Dissent. Zuvor aus dieser Reihe hier veröffentlicht:

Caribbean Project 1: Gescheiterte Freiheit – Die Ausnahme von Barbados

Caribbean Project 2: Haitis Kultur der Vergewaltigung

Caribbean Project 3: Das haitianische Erdbeben von 1842

Caribbean Project 4: Freie Neger in Hayti (1859)

Der Zusammenbruch von Saint-Domingue, der reichsten Kolonie der gesamten Welt, zur Republik Haiti, die das ärmste Land der westlichen Hemisphäre ist, kann in diesem einen kurzen Beitrag zusammengefaßt werden.

Inspiriert von der Französischen Revolution gab es 1791 einen erfolgreichen Sklavenaufstand in Saint-Domingue. Die Nationalversammlung schaffte die Sklaverei 1794 im gesamten französischen Empire ab. 1804 gewann Haiti seine Unabhängigkeit, und die verbliebenen Weißen (mit ein paar Ausnahmen, großteils Deutsche und Polen, die zu Ehren-Schwarzen wurden) wurden ausgelöscht.

1805 wurde Haiti offiziell als schwarzes Land proklamiert. Weißen wurde von der haitianischen Verfassung Staatsbürgerschaft und Grundbesitz verboten. Das Verbot weißen Grundbesitzes sollte bis 1918 in Kraft bleiben, als unter der amerikanischen Besatzung eine Verfassung angenommen wurde.

Laurent Dubois vermittelt uns auf Seite 24 – 28 seines Buches Avengers of the New World: The Story of the Haitian Revolution ein Gefühl von Saint-Domingue am Vorabend seiner Zerstörung durch eine Negerrevolte:

Die nördliche Ebene, durchquert von Flüssen aus den Bergen, war ein idealer Ort für Zuckerplantagen. 1789 enthielt die Nordprovinz, die Le Cap, die Ebene und die umgebenden Berge einschloß, 288 Zuckerplantagen, von denen die meisten raffinierten Zucker produzierten; 443 Indigoplantagen und mehr als 2000 Kaffeeplantagen. Die Bevölkerung umfaßte 16.000 Weiße und mindestens 160.000 Sklaven…

1789 gab es in der westlichen Provinz 314 Zuckerplantagen, mehr als im Norden, obwohl viele von ihnen kleiner waren und unraffinierten Zucker produzierten. Der Indigoanbau war in dieser Region wichtiger als im Norden, es waren 1.800 Plantagen beteiligt. Es gab mehr als 500 Baumwollplantagen und mehr als 800 Kaffeeplantagen…

Auf der langen Halbinsel im Süden und Westen lag die Südprovinz… Sie war die am wenigsten entwickelte der Kolonie, mit nur 191 Zuckerplantagen, von denen die meisten unverarbeiteten Zucker herstellten, und annähernd 300 Kaffeeplantagen und 900 Indigoplantagen. Sie hatte die kleinste Population der drei.

Saint-Domingue unter dem französischen Kolonialismus im Jahr 1789 hätte man als „das Arsenal der Landwirtschaft“ beschreiben können. So groß war seine Bedeutung für die französische Wirtschaft.

Die haitianische Revolution war bei weitem die radikalste aller egalitären Revolutionen in dem, was von Historikern als „Zeitalter der Revolution“ bezeichnet wurde. Dies ist der Schlüssel zum Verständnis, warum Haiti um so viel schlechter dran ist als all seine schwarzen Nachbarn in der Karibik. Die schwarze Freiheit sollte dort zu ihrem größten Extrem getrieben werden.

1) Haiti war die erste erfolgreiche postkoloniale Revolution. Nun im 208. Jahr der freien Gesellschaft, ist Haiti die älteste schwarze Republik der Welt. Im Gegensatz dazu wurde Jamaika erst 1962 unabhängig. Barbados wurde erst 1967 unabhängig. Sowohl Jamaika als auch Barbados bleiben Teil des britischen Commonwealth.

2) Haiti gewann seine Unabhängigkeit in einem gewaltsamen Sklavenaufstand während eines Dreiseitenkrieges zwischen Britannien, Frankreich und Spanien um die Kontrolle über Saint-Domingue, und schließlich durch Besiegung der Expedition von Leclerc.

Im Gegensatz dazu wurde die Sklaverei in Britisch-Westindien 1834 friedlich abgeschafft. In Saint-Domingue gingen die Zuckerplantagen in der Nordprovinz in einer gigantischen Feuersbrunst auf, die meilenweit aufs Meer hinaus zu sehen war, während die Plantagenwirtschaft auf Barbados und Jamaika weiterging.

3) Als die haitianische Revolution 1791 begann, waren mehr als die Hälfte der Sklaven dort in Afrika geboren worden. Die meisten waren im Kongo-Königreich im westlichen Zentralafrika geboren. Die Haitianer blieben kulturell afrikanischer als jeder ihrer Nachbarn.

Im Gegensatz dazu schafften die Briten den Sklavenhandel 1804 ab. Als die Sklaverei 1834 in Britisch-Westindien abgeschafft wurde, war die große Mehrheit der Sklaven dort Kreolen. In Dixie und Barbados war das Vermächtnis der Sklaverei viel größer, und folglich waren die ehemaligen Sklaven zivilisierter und besser auf die Freiheit vorbereitet.

4) Daß Haiti die völlige Unabhängigkeit von Frankreich gewann, kann nicht genug betont werden. Nirgendwo sonst war die Abolition gefolgt von schwarzer Unabhängigkeit, schwarzer Selbstregierung, der Auslöschung von Weißen, der schwarzen Ablehnung der Plantagenwirtschaft, der schwarzen Zerstörung der weißen Vorherrschaft, Umverteilung von Grundbesitz an Schwarze etc.

In Guadeloupe und Martinique wurde die Sklaverei wiederhergestellt, die weiße Vorherrschaft und der Kolonialismus wurden wiederhergestellt, und beide Inseln sind bis zum heutigen Tag immer noch Überseedepartement von Frankreich. Wie bei Barbados ist das Erbe von Sklaverei, Kolonialismus und weißer Vorherrschaft in Guadeloupe und Martinique viel größer, und infolgedessen überragen beide Inseln Haiti und subsaharische Länder im Entwicklungsindex der Vereinten Nationen.

Dasselbe trifft auf Puerto Rico zu, das ein Wohlfahrts-Schutzgebiet der Vereinigten Staaten ist.

5) In Dixie schafften die Emanzipationsproklamation und der 13. Verfassungszusatz die Sklaverei ab. Die Afroamerikaner hörten auf, Sklaven zu sein, aber wie jene in Jamaika wurden sie nicht zu Grundbesitzern, und nach dem Wiederaufbau wurde die weiße Vorherrschaft wiederhergestellt. In gewissem Sinne verblieben die Schwarzen im Süden in einem Zustand milder Knechtschaft; gesellschaftlich, politisch und wirtschaftlich waren sie nicht so „frei“ wie die Weißen.

In Haiti wurden die Plantagen entweder in der haitianischen Revolution vernichtet, oder sie fielen in die Hände der neuen, unfähigen schwarzen politischen Klasse (dies sollte noch einmal mit den “Big Vegetables” in Mobutus Kongo passieren). Die Weißen wurden in Haiti ausgelöscht und von Staatsbürgerschaft und Grundbesitz ausgeschlossen.

Im Laufe von dreißig Jahren entwickelte sich ein „Gegen-Plantagensystem“, bei dem eine schwarze Landbevölkerung sich weigerte, auf den Plantagen zu arbeiten, und den großen Landbesitzern allmählich die Kontrolle über das Land abrangen und zur Subsistenzlandwirtschaft zurückkehrten.

Der Traum von „40 acres und einem Maultier“ wurde in Haiti in einem „Lakou“ genannten System verwirklicht, das eine Art kollektiver Dorflandwirtschaft war. Der Rückzug von Sklavenarbeit und plantagenbasierter kommerzieller Landwirtschaft zu freier Arbeit und Subsistenzlandwirtschaft im frühen neunzehnten Jahrhundert ist das, was die drückende Armut herbeiführte, die so häufig mit Haiti assoziiert wird.

Diese Exportzahlen stammen aus “The Beauties of Negro Rule: The Present and Past of Hayti”, das in der Juniausgabe 1855 von DeBow’s Review veröffenbtlicht wurde. Sie veranschaulichen den Niedergang der Plantagenwirtschaft und den Aufstieg des „Gegen-Plantagensystems“ in Haiti:

1789:

1789 exportierte Saint-Domingue unter der französischen Kolonialregierung 93.573.300 Pfund Rohzucker, 46.516.531 Pfund weißen Zucker, 76.835.219 Pfund Kaffee, 76.835.219 Pfund Baumwolle [in der Originalquelle werden tatsächlich für Kaffee und Baumwolle aufs Pfund genau die gleichen Zahlen angegeben; d. Ü.] und 7.004.278 Pfund Indigo.

1801:

1801 exportierte Saint-Domingue unter Toussaint L’Ouverture (der die  Landwirte  dazu zwang, auf den Plantagen zu bleiben) 8.016.540 Pfund Rohzucker, 18.517.381 Pfund weißen Zucker, 29.510.450 Pfund Kaffee und 2.170.440 Pfund Baumwolle. Indigo und Tabak waren nicht mehr angebaut worden.

1819:

1819 exportierte Haiti unter König Henri Christophe (das „Gegen-Plantagensystem entsteht unter Dessalines, Christophe und Boyer) 1.200.000 Pfund Rohzucker, 15.500.000 Pfund Kaffee und 2.000.000 Pfund Baumwolle.

1849:

1849 exportierte Haiti unter Kaiser Soulouque 80.608.343 Pfund Kaffee und 664.516 Pfund Baumwolle.

Von 1789 bis 1849 gab es einen 100prozentigen Zusammenbruch der Produktion von Rohzucker und weißem Zucker in Haiti, einen 100prozentigen Zusammenbruch bei Tabak und Indigo und einen 99prozentigen Zusammenbruch der Baumwollproduktion.

Es erscheint seltsam, daß die Kaffeeproduktion allein sich in Haiti auf das Niveau von 1789 erholen sollte, aber dieser eine Export kann als eines der Vermächtnisse der Sklaverei erklärt werden:

Nirgendwo konnte der Kaffeestrauch besser gedeihen als hier, da er Gebirgserde besonders mag. Aber die Trägheit der Neger hat die ehemals so prächtigen Plantagen verfallen lassen. Sie sammeln den Kaffee nun nur von den verwilderten Sträuchern. Der Anbau des Zuckerrohrs ist gänzlich verschwunden, und die Insel, die einst eine Hälfte Europas mit Zucker belieferte, erhält jetzt ihren eigenen Bedarf von Jamaika und den Vereinigten Staaten. Den Bananenstauden und den halbwilden Schweinen verdankt es der „freie Neger“ fast alleine, daß er auf dieser wahrlich paradiesischen Insel noch nicht wegen seiner eigenen Faulheit verhungert ist.

 In “Hayti and the Haytians,” erfahren wir, daß die Qualität des von freien Negern geernteten wilden haitianischen Kaffees dem Produkt weit unterlegen war, das auf den französischen Plantagen unter weißer Verwaltung angebaut worden war:

Die Landwirtschaft in Haiti ist in jüngster Zeit so sehr vernachlässigt worden, und die Produkte so schlecht aufbereitet worden, daß haitianischer Kaffee auf europäischen Märkten einen schlechten Ruf hat, wegen der achtlosen und schlampigen Weise, wie er gesammelt wird; gute und schlechte Beeren sind mit Steinen und Erde vermischt, um das Gewicht zu erhöhen. Ordentlich gereinigt und sortiert ist der Kaffee dieser Insel jedem in Westindien als überlegen betrachtet worden. Diese gleiche Nachlässigkeit ist in den letzten Jahren auch bei ihrer Baumwolle, ihrem Kakao und Langholz beobachtet worden.

Sogar bevor Haiti 1804 seine Unabhängigkeit gewann, als die Insel immer noch eine Kolonie war, die von Toussaint L’Ouverture verwaltet wurde, erfahren wir auf den Seiten 229 – 230 von Avengers of the New World, daß die sichtbare Schwarze Hand der Ökonomie bereits die fruchtbare Nordprovinz Haitis nach dem Ebenbild des nun dominanten schwarzen Tiefensogs umzuformen begann:

Viel hatte sich in Saint-Domingue seit den Tagen der Sklaverei geändert. Weiße und Schwarze, ehemaliger Herr und ehemalige Sklaven, hatten ihre Beziehungen und ihren Platz in der Gesellschaftsordnung neu definiert. Die Landschaft war ein Flickenteppich, der von einander überschneidenden Geschichten von Aufstand, Krieg und Verhandlungen gestaltet wurde. Ein ehemaliger Plantagenbesitzer, der 1799 durch die Kolonie reiste, stieß auf einige funktionierende Zuckerplantagen und ein paar gedeihende Kaffeeplantagen. Aber er konzentrierte sich auf die vielen ruinierten Anwesen, wo „Büsche und Bäume die Häuser völlig ersetzt hatten“, und alte Zuckerrohrfelder waren von Gras und Efeu bedeckt. Sein größter Schock kam, als er vom Gipfel eines Berges, wo „wir einst entzückt anhielten, um die Ebene von Le Cap in all ihrer Pracht zu schauen“, nur „Ruinen und Büsche“ sehen konnte, wo einst Zuckerrohr das Land bedeckt hatte.

Auf den Ebenen von Le Cap und in der ganzen Kolonie schlug eine neue Art von Leben Wurzeln, eine, die auf Unabhängigkeit und Subsistenz beruhte, eine, die für viele Ex-Sklaven wahre Freiheit verkörperte. In und um die Ruinen der alten Plantagen bebauten Männer und Frauen kleine Flecken Land und bauten Feldfrüchte für ihre Familien und zum Verkauf auf den Märkten an.

Im Jahr 2012 hätte ein weißer Mann, der in den 1920ern geboren wurde, dieselbe Erfahrung wie der Plantagenbesitzer von Le Cap im Jahr 1799, wenn er durch die Metro Detroit Area gefahren wäre, die sich jetzt seit der Wahl von Coleman Young zum Bürgermeister 1973 im 39. Jahr der freien Gesellschaft befindet.

Wie in Haiti würde er sich auf die aufgegebenen Fabriken und Geschäfte konzentrieren, und auf all die verlassenen Viertel und andere kommerzielle Liegenschaften, die wieder von Büschen und Bäumen zurückerobert werden. Er könnte „eine neue Art von Leben“ finden, die in Detroit Wurzeln schlägt, wo die vorwiegend schwarzen Einwohner Waschbären jagen und essen, Candy-Crack-Pfeifen an Tankstellen kaufen und neun Monate alte Babies mit AK-47-Sturmgewehren erschießen.

Daß die amerikanische politische Klasse die tragische Wahrheit nicht eingesteht, daß Schwarzen die Fähigkeit zur Aufrechterhaltung der Zivilisation in Haiti fehlte (oder vielmehr vergessen hat, da dies im Außenimisterium 1918 bekannt war), ist der Grund dafür, daß wir dieselbe Lektion in Detroit noch einmal lernen müssen.

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Nächster Teil:  Caribbean Project 6: Die Infrastruktur bricht im unabhängigen Jamaika zusammen

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