Heute „Mobilgeld“ in Afrika, morgen Bargeldabschaffung in Europa

Von Lucifex

In der aktuellen Ausgabe 2-2017 von „Spektrum der Wissenschaft“ ist auf Seite 33 unter der Rubrik „Springers Einwürfe“ ein Beitrag von Michael Springer mit dem Titel „Überraschungen aus der Handy-Forschung“ enthalten, aus dem ich nachfolgend den Abschnitt zitiere, auf den es mir ankommt:

Der Armutsforscher Tavneet Suri vom Massachusetts Institute of Technology in Cambridge (USA) und der Ökonom William Jack von der Georgetown University in Washington haben untersucht, wie sich „mobiles Geld“ – eine Form des Bezahlens mittels Handy – auf arme Haushalte und insbesondere auf die Stellung der Frauen auswirkt (Science 354, S. 1288-1292, 2016).

In einem Entwicklungsland wie Kenia gibt es wenige Bankfilialen und -automaten, aber dafür besitzt praktisch jeder noch so bettelarme Haushalt mindestens ein Mobiltelefon – und regelt seine Finanzen zunehmend bargeldlos, indem er von speziellen Prepaidkarten Guthaben im Handy speichert, die er bei Bedarf per Textnachricht an andere Nutzer übertragen kann. Durch wiederholtes Befragen von 3000 Haushalten zwischen 2008 und 2014 ermittelten die Forscher, dass der Übergang zu Mobilgeld nicht nur akute Finanzprobleme schneller lösen hilft, sondern langfristig fast 200.000 Haushalte Kenias dauerhaft aus drückender Armut befreit hat.

Besonders deutlich macht sich der Effekt bei Frauen bemerkbar. Sie kommen bargeldlos leichter an Kredite, um sich von Subsistenzlandwirtschaft und Gelegenheitsjobs zu befreien und ein eigenes Geschäft aufzumachen. Die wirtschaftliche Emanzipation wirkt sich wiederum positiv auf andere Entwicklungsfaktoren aus: Schon bei bescheidenem Wohlstand gebären Frauen weniger Kinder und können sie zur Schule schicken statt zur Feldarbeit.

Während in Deutschland noch das Bargeld dominiert, breitet sich weltweit der Zahlungsverkehr per Mobilfunk aus. Ende 2015 wurde er in 93 Ländern angeboten, von Argentinien bis Sambia – Tendenz steigend.

*     *     *

Dass der bargeldlose Zahlungsverkehr mittels Mobiltelefon die Armut in Afrika verringert, halte ich für einen Propagandaschwindel. Immerhin muss für den Erwerb der Prepaid-Karten genauso eine Leistung erbracht werden wie für den Erwerb von Bargeld im selben Wert. Und wieso Frauen durch den bloßen Wechsel zur bargeldlosen Mobilfunkzahlung leichter Kredite bekommen sollten, erschließt sich mir auch nicht. Denn auch hier muss die Kreditnehmerin für die Rückzahlung in elektronischem Buchgeld eine gleich hohe Wirtschaftsleistung aufbringen wie für die Rückzahlung in Bargeld.

Ich halte es für sehr plausibel, dass hier aus finanz- und währungspolitischem Kalkül bewusst die Kreditvergabe über Mobilgeld gegenüber Bargeld erleichtert und Propaganda mit dem angeblich dadurch ermöglichten Wirtschaftsaufschwung für arme Drittweltler betrieben wird, um eine weitere Verbreitung dieser Zahlungsart in Afrika und anderswo zu fördern.

Denn es ist offensichtlich, dass dies ein großmaßstäblicher praktischer Feldversuch in diesen Ländern ist, um das Bezahlen per Mobiltelefon auch für Europa als weitere Alternative zur Bargeldzahlung aufzubauen. Wenn diese Zahlungsart einmal zusätzlich zu Überweisungen, Onlinebanking, Kredit- und Bankomatkartenzahlung in Europa gängig ist, wird keiner mehr einwenden können, wie man denn in irgendeiner abgelegenen Almhütte oder an anderen Orten ohne zahlungstechnische Infrastruktur etwas bezahlen solle, wenn das Bargeld abgeschafft ist: „Wenn es sogar im hintersten Afrika funktioniert, dann doch wohl erst recht hier in Europa…“

Das ist es, was hier mit vorbereitet wird.

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10 Kommentare

  1. dagtatmax

     /  Januar 29, 2017

    Denke eher, dass, wenn die Frauen über das Geld in ihrem Handy verfügen, die Männer nicht so einfach zum Verhuren und Versaufen rankommen.

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  2. Kann es sein, dass viele der 3000 Haushalte schnell und unkompliziert SMS-Geld von unseren Fluchtis bekommen?

    Doch zurück zum Märchen:
    Kaum das Kenias Regierung von dieser erfreulichen Studie erfahren hatte, erhöhte sie gleich die Steuern und behielt diese praktischerweise automatisch bei den elektronischen Tauschvorgängen ein. Die armen Haushalte profitieren nun von der vereinfachten Steuererklärung, da keine ortsüberdurchschnittliche Bildung mehr notwendig ist und auch kein Steuerberater bezahlt werden muss. Der Aufwand für innere Sicherheit und gesellschaftliche Planungen ließ sich im gleichen Zug reduzieren, da Kenias Bürger so zufrieden mit der Mobilgeldwende waren, dass sie kaum noch in oppositionelle Bewegungen investierten.

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  3. zippelmütz

     /  Februar 2, 2017

    So werden ganz still alternativlose Kontrollstrukturen aufgebaut.
    Danke für den Artikel, die Bargeldabschaffung muß man im Auge behalten.

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  4. Die Mobilgeldwende wurde wirklich, wie oben vermutet im Zusammenhang mit günstigen Mikrokrediten eingeleitet. Zuerst hatte Kenia die staatliche Telekom privatisiert. Dann wurde ein durch Spenden finanzierter Mobilgeld (M-Pesa) Feldversuch gestartet, der außerhalb der üblichen Regulierungen lief und dann kamen 2008 die großen Nachwahlriots ( da war doch die Geschichte mit Obamas Onkel, dem Moslem) und viele Leute, die durch die Unruhen keinen Zugang zu Bargeld hatten, nahmen das Mobilgeld als Rettung an.Krisen sind ja die Motoren der Transformation. Der Bereich Mobilgeldtransfer (Safaricom) ist eine Tochter der Telekom Kenia,. Vodafone hält einen Anteil von 40 %.

    Inzwischen werden auch Krankenversicherungen und Bildungsprogramme über die Handys umgesetzt.

    In „Politik Dialog“, einem „Service von Vodafone Deutschland für Entscheider in Politik, Wirtschaft, Medien und Verbänden“, kann man unter Anderem den Artikel „Die Menschheit als Superorganismus“ lesen.( Prof. Dr. Dr. Franz-Josef Radermacher, Professor für Informatik an der Universität Ulm, Vorstand des Forschungsinstituts für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung (FAW/n), Vizepräsident Ökosoziales Forum Europa, Wien, Mitglied im Club of Rome ).
    Hier ein herausgehobenes Zitat: „„Die Menschheit hat sich in ein hybrides Mensch-Technik-System massiv erhöhter Wissensqualität und Leistungsfähigkeit transformiert.“

    https://www.***vodafone.de/downloadarea/V_PD2_2012_Web.pdf

    Die Durchdringung mit Handys ist bei der Weltbank ein Maßstab für Entwicklung. Funktionierende Toiletten sind da zweitrangig und für viele Entwicklungsländer ist das mit den Klos ja auch zu komplex. Man schaffte es in Kenia nicht, ein herkömmliches Telefonnetz aufzubauen und übersprang dann flott diese Entwicklungsstufe, um direkt in der Zukunft zu landen und in der Welt die Führung beim Mobilgeld zu übernehmen.Ich denke, allein schon der Zugang zu Pornos macht das Handy in der 3.Welt sehr attraktiv. Die Angebote der Schlepper kommen jetzt noch dazu und irgendwie muss ja auch das erschlichene Geld in die Heimat überwiesen werden.

    Nun, jedenfalls findet man wenn man Weltbank oder Bill Gates und M-Pesa eingibt unzählige Jubelartikel zur rosigen Zukunft der Afrikaner. Afrika ist nun ein echter Wissenskontinent, während in Deutschland, wie man lesen konnte, die über 30 jährigen „Alten“ sich mehr und mehr vom Handy abwenden!

    Zu Indiens künstlich erzeugter Bargeldkrise hat James Corbett ( Corbett Report Episode 313 ) ein interessantes Video gemacht. Die Erfassung der biometrischen Daten der Trilliarden Inder und Bill Gates kommen auch darin vor.

    Ich grüße schon mal den Spamfilter. Danke für den netten Hinweis, Lucifex!

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  5. Danke für die ergänzenden Informationen, Luftpost! Und Dein Kommentar war diesmal offenbar nicht so groß, dass er die Aufmerksamkeit von Schnappi, dem Krokodil im Spamfilterteich, erweckt hätte.

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  6. Deep Roots

     /  Februar 2, 2017

    Interessanterweise wird hier offenbar von beiden Seiten eine konvergierende Entwicklung gefördert, wie beim Tunnelvortrieb von beiden Seiten eines Berges bis zum gemeinsamen Durchstich in der Mitte: Während in Afrika (mit Kenia als Pionierland) mit seiner sehr schwachen Banken-Infrastruktur das Bezahlen per Handy zur gängigen Alternative aufgebaut und im Feldversuch praxisreif gemacht wird, betreibt man in Europa (zumindest hier in Österreich) eine fortlaufende Ausdünnung der Bankfilialen und Bankomaten, zumindest im ländlichen Raum (angeblich aus Einsparungs- und Rationalisierungsgründen). Damit soll wohl Druck zum Einstieg in die Mobilgeld-Zahlungsweise erzeugt werden: wenn es den Leuten zu lästig wird oder gar unmöglich ist, zum Geldabheben in einen entfernteren Nachbarort zu fahren oder zur Tätigung von Überweisungen in die Bezirkshauptstadt, wo es die einzige verbliebene Niederlassung ihrer Bank im Bezirk gibt, dann werden sie sich schon mit den aufgedrängten bargeldlosen Alternativen anfreunden.

    Eine weitere Schiene in dieser Richtung dürfte ja die Registrierkassenpflicht sein, durch die auch abgelegene Berghütten einen Online-Anschluß haben müssen, über den dann neben den Meldungen ans Finanzamt auch bargeldlose Zahlungen von den Bankkonten der Gäste auf jenes der Hüttenwirte laufen könnten.

    Ich habe vor kurzem mit der Übersetzung von John Morgans Artikel Getting the Question Right: Avoiding Trump’s Fatal Half-Measures auf Counter-Currents begonnen. Ich weiß aber nicht, ob ich ihn noch heute abend fertigkriege.

    Auch von meinen Kommentaren sind manche schon von „WordPress-Schnappi“ gezwickt worden.

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  7. Ja, wenn man damit rechnet…

    Die Handy Durchdringung ist ein sehr entscheidender Faktor bei der Umsetzung der NWO. Ein Datenstaubsauger. Ich muss es noch mal suchen, jedenfalls gibt es einen israelischen Wissenschaftler (am MIT ausgebildet, Nobelpreisträger), der die Spieltheorie mit dem Talmud (Prinzip Zentralmacht /jüdischer Mensch/ Goyim als Vieh) verbunden haben soll und damit die Möglichkeit geschaffen hat Situationen, Ereignisse, Mind Wars, blutige Kriege etc mit Hilfe von Algorithmen zu simulieren um den best möglichen Ausgang, die nützlichsten Aktionen für die JWO voraus planen zu können.

    Ich bin ja immer davon ausgegangen, dass zu große und Nebensächlichkeiten umfassende Datensammlungen nutzlos sind aber das Gegenteil ist wohl der Fall! Jede kleinste Komponente im Verhalten der Menschen /Völker/ Rassen kann psychologische, soziologische, wirtschaftliche oder noch andere Schlussfolgen ermöglichen, wenn sie in die Simulation eingegeben wird.Früher leisteten die Diasporajuden die Sammelarbeit allein.Jetzt haben sie Google, Facebook usw.

    Die Zahl der getöteten Palästinenser z.B.darf die Zahl x nicht überschreiten, weil sie sonst Reaktionen auslöst. Massenweise Schwerstverletzte wiederum interessieren nicht groß!
    Mal so gesagt – 87 Tote geht aber die Zahl 90 ist schon ein Trigger. 5000 Blinde oder Einbeinige oder sonstwie Verstümmelte stören nicht.Daran hat sich die IDF dann zu halten.

    Nur wenige Afrikaner dürften die Hirnkapazität besitzen über die Überwachung oder die Abhängigkeit und Steuerbarkeit durch neue Technologien nachzudenken.Die Inteligenten werden ins System gesaugt. Ich denke, dass man daher auch Afrika als Testgebiet gewählt hat.Das macht dann anschließend Druck auf die Entscheider bei uns, die Angst davor haben, den „Anschluss an Afrika zu verlieren“ und dann uns bearbeiten.Indien ist was die Entwicklungsstufe angeht ein logischer nächster Schritt und obendrein eine wahnsinnige Masse an Leuten. Auf der Seite der hoch entwickelten Länder hat man Schweden und Japan ausgesucht. So kommt der Druck für uns nun von allen Seiten.Ich glaube, nach der Wende wurde eines der kleinen Baltischen Länder bereits ausgetestet, habe aber vergessen welches.Der Umbruch dort war ja auch gleichzeitig eine Krisensituation und damit ein Motor.

    Was solche Gedanken angeht, habe ich Alexander Wagandt und seinem Modell der Energieströme viel zu verdanken! Die Menschheit ist, in diesem Mobilgeld Fall ja wirklich, ein hybrides Mensch-Technik-System , das durch die Einbindung der einzelnen Menschen ins Netz Impulse/ Energie erhält und weiter gibt, Impulse vervielfacht und damit durch die eingespeisten Energien auch zu so einer Art Resonanzkörper wird.Das gilt für Geldströme, wie für Meme oder umfassende Systeme, die man durch die „Menschheit“ pulsieren lässt. Auch wenn Wagandt sich bezüglich Trump nun, wie ich finde, merkwürdig verhält, ist sein Insistieren darauf, dass wir uns abkoppeln sollen, wo wir nur können total richtig!
    Dieses Pulsieren jüdischer Energie durch die „Musikkultur“ wird in den beiden Videos, die ich in der Taverne hinterlassen habe gut aufgedröselt.Auch die Macht der Rituale wird an diesem Thema sehr deutlich. Jetzt knubbele ich aber für diesen Strang hier zu viel zusammen.

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  8. Deep Roots

     /  März 31, 2017

    Heutige Meldung auf orf.at: EU prüft Obergrenze für Barzahlungen:

    http://anonym.to/?http://orf.at/stories/2385068/

    Die EU-Kommission prüft derzeit die Möglichkeit, Bargeldzahlungen in der EU einzuschränken. EU-Bürger und Betroffene können bei einer Onlinebefragung bis Ende Mai ihre Meinung dazu abgeben. Hintergrund ist laut EU eine einheitliche Regelung für den Euro-Raum, vor allem aber die Verhinderung der Finanzierung von Terror und anderen Straftaten. Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) spricht sich strikt gegen eine Obergrenze für Barzahlungen aus, doch es ist mit deutlich mehr Widerstand und einer emotionalen Debatte zu rechnen.

    Lesen Sie mehr…

    Wie der Vorlonen-Botschafter Kosh aus „Babylon 5“ sagen könnte:

    „So fängt es also an.“

    Antworten
  9. Deep Roots

     /  März 31, 2017

    Ergänzend dazu ist noch zu sagen, daß es klarerweise nicht bei irgendeiner betragsmäßigen Obergrenze für Barzahlungen bleiben wird, weil eine solche ja keine Einschränkung für Terroristen sein kann, die da als vorgeschobener Grund angegeben werden. Denn bei deren Bargeldtransaktionen ist ja niemand anwesend, der eine Einhaltung von Höchstbeträgen überwachen und durchsetzen würde, und dieses so eingenommene Geld können Terroristen oder andere Verbrecher dann immer noch in Beträgen unterhalb der Barzahlungsobergrenze für diverse legale Zwecke verwenden. Das trifft so lange zu, wie es überhaupt noch Bargeld gibt, und genau dessen Abschaffung werden die EU-Bonzen mit dieser Begründung schließlich durchsetzen, vielleicht nach einer mehrmaligen schrittweisen Herabsetzung der Barzahlungsobergrenze.

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  10. Auf orf.at ist gestern dieser Artikel erschienen:

    Schweden: Schnelleres Aus für Bargeld als erwartet

    Der künftige Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Robert Holzmann, hat am Freitag „Bargeld als Zahlungsmittel für unverzichtbar“ erklärt. Und während man hierzulande sogar erwägt, das Recht auf Bargeld in der Verfassung zu verankern, bereitet man sich in Schweden schon auf eine Zeit ohne Münzen und Scheine vor. Ein neuer Forschungsbericht legt nahe, dass das Ende der Krone in Bargeldform schneller eintritt als bisher angenommen.

    Am 24. März 2023 soll in dem skandinavischen Land endgültig Schluss sein mit Bargeldzahlungen. Denn das sei der Stichtag, an dem es sich für heimische Händler und Händlerinnen nicht mehr rentiert, Bargeldzahlungen anzunehmen, so ein vom schwedischen Handelsrat beauftragter Forschungsbericht. Von diesem Tag an werde Bargeld im schwedischen Zahlungssystem folglich keine Rolle mehr spielen. Die Prognose der schwedischen Zentralbank ging bisher immer von einem Ende 2030 aus.

    1661 war Schweden das erste Land Europas, das Banknoten druckte. Gut 350 Jahr später könnte es also die erste Nation werden, die Bargeld wieder abschafft. Egal ob in Bussen, auf Straßenmärkten, öffentlichen Toiletten oder bei der kirchlichen Kollekte – die Skandinavier zahlen fast alles mit Karte und Bezahl-Apps auf dem Smartphone. Viele Geschäfte, Restaurants, Museen und Freizeitanlagen akzeptieren Scheine und Münzen nicht einmal mehr.

    Die bargeldlose Gesellschaft

    „Die Umwandlung in eine bargeldlose Gesellschaft ist in Schweden so weit fortgeschritten wie in keinem anderen Land der Welt“, schrieb etwa auch die „Neue Züricher Zeitung“ („NZZ“, Freitag-Ausgabe). Im Einzelhandel würden bereits sechs von sieben Zahlungen elektronisch getätigt. Laut Studie der schwedischen Zentralbank sind auch die Bargeldabhebungen stark zurückgegangen. Waren es im Jahr 2013 noch 209 Millionen, sind es vier Jahre später nur noch 121 Millionen gewesen. Und 2017 kamen bereits auch zwei Drittel der Konsumenten und Konsumentinnen ganz ohne Bargeld aus.

    Neben Kartenzahlungen setzen Schweden und Schwedinnen vor allem auf mobile Bezahl-Apps wie „Swish“. Laut „NZZ“ haben bereits über sieben der insgesamt zehn Millionen Einwohnerinnen und Einwohner die App, die von sechs schwedischen Großbanken entwickelt wurde, auf ihrem Handy installiert. Durch sie können Zahlungen jeglicher Art innerhalb weniger Sekunden abgewickelt werden, und das – im Gegensatz zu normalen Banküberweisungen – rund um die Uhr.

    Kein Sparstrumpf unter der Matratze

    In einer Gesellschaft ohne Bargeld gebe es mehr Transparenz – so lautet das wichtigste Argument jener, die sich vom Bargeld verabschieden wollen. Schwarzarbeit und korrupte Machenschaften abzuwickeln wäre wesentlich schwieriger. Und die Geldpolitik hätte es wesentlich leichter, die Wirtschaft in Zeiten der Krise anzukurbeln, ist etwa Kenneth Rogoff, Geldtheoretiker an der Harvard-Universität und ehemaliger Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF), überzeugt.

    Gibt es kein Bargeld, ist man auf Bankkonten angewiesen. Man kann es in Zeiten schlechter Zinsen nicht unter der Matratze horten. Gibt es keine oder sogar negative Zinsen, so die Annahme des Ökonomen, würden es die Menschen vermehrt ausgeben und so die Konjunktur ankurbeln. Und das Bargeld selbst kostet auch. Guido Schäfer vom Institut für Analytische Volkswirtschaftslehre der Wirtschaftsuniversität Wien hat berechnet, dass jede Bargeldzahlung in Österreich ungefähr 40 Cent kostet. „Im Umgang mit Bargeld fallen Personalkosten an, Energiekosten und Produktionskosten, die tendenziell jedes Jahr ein bisschen steigen“, so Schäfer.

    „Digitale Außenseiter“ als Verlierer

    Verlierer in einer bargeldlosen Gesellschaft seien, so die „NZZ“ aber „digitale Außenseiter“: ältere Menschen, Personen mit einer Behinderung und neu Zugewanderte mit erschwertem oder ganz ohne Zugang zu elektronischen Zahlungsdiensten. In Schweden gebe es davon rund eine Million. Doch auch für alle anderen gebe es Risiken, etwa die Abhängigkeit von privaten Akteuren im Zahlungsverkehr. Die Geldinstitute könnten auch bei positiven Zinssätzen hohe Gebühren für Einlagen und Kontoverwaltung verlangen. Großflächige Stromausfälle, Internetausfälle und Serverabstürze würden die Gesellschaft zum Stillstand bringen.

    Zwar gebe es ohne Bargeld keine Banküberfälle mehr, doch die Rolle von Bankräubern könnten schnell Hacker übernehmen. Genauso wichtig sei in diesem Zusammenhang der Datenschutz. Ohne Bargeld hinterlassen alle Zahlungen eine technologische Spur, meinte Stefan Ingves, der Gouverneur der Zentralbank. Die Journalistin Christy Choi berichtete etwa von Demonstrierenden in Hongkong, die sich Tickets für öffentliche Verkehrsmittel mit Bargeld kauften, damit es keine Beweise für ihre Teilnahme an den Protesten gebe.

    Reichsbank will Einführung der „E-Krone“

    Aufgrund der schlechten Aussichten für Bargeld erwägt die schwedische Reichsbank die Einführung einer Digitalwährung, der „E-Krone“. Sie soll eine digitale Variante zum Bargeld und ein, wie die „NZZ“ schreibt, „konkurrierender Standard für die privaten Angebote“ sein. Demnächst soll ein zweijähriges Pilotprojekt mit einer wertbasierten, zinslosen „E-Krone“ gestartet werden. Das Geld werde dabei auf einer Karte oder Mobil-App gelagert. Danach will man entscheiden, ob die Digitalwährung tatsächlich implementiert wird. Kritiker meinen, dass jedoch auch die „E-Krone“ störungsanfällig sei.

    Und eine Lösung für „digitale Außenseiter“ stelle die Digitalwährung ebenso wenig dar. Die Riksbank-Vizegouverneurin Cecilia Skingsley verwies 2016 jedoch darauf, dass die „E-Krone“ nur eine Ergänzung zu Banknoten und Münzen sein werde. Scheine und Münzen werde die Riksbank so lange ausgeben, wie sie in der Gesellschaft gefragt seien.

    80 Prozent der Österreicher setzen auf Bargeld

    Dass Schwedens Abschied vom Bargeld allerdings ein Vorbild für andere Länder sein könnte, gilt als unwahrscheinlich. Nur in Dänemark und Japan beobachten Ökonominnen und Ökonomen eine ähnliche Entwicklung. Weltweit steigt die Bargeldmenge pro Jahr um fünf Prozent. Auch in Österreich hat sich der Bargeldumlauf seit 2002 mehr als verdoppelt. Einer Studie der Europäischen Zentralbank (EZB) zufolge verwenden die österreichischen Konsumenten und Konsumentinnen nach wie vor bei mehr als 80 Prozent ihrer Einkäufe Bargeld.

    Mobile Payment nutzen laut einer Umfrage des Finanzdienstleisters PricewaterhouseCoopers (PwC) nur 32 Prozent aller Österreicher und Österreicherinnen. In fünf Jahren wollen aber bereits 64 Prozent der österreichischen Verbraucherinnen und Verbraucher Zahlungen mobil abwickeln, heißt es in dem „Mobile Payment Report 2019“.

    „Abschaffung macht keinen Sinn“

    Der künftige OeNB-Gouverneur Holzmann, der sein Amt offiziell am Sonntag antreten wird, verteidigte in einer Aussendung am Freitag Bargeld als Zahlungsmittel: „Vorstöße in Richtung Abschaffung dieses so wichtigen Zahlungsmittels machen hier keinen Sinn.“

    Als sicheres und weitgehend betrugssicheres Zahlungsmittel habe Bargeld eine wesentliche Funktion in unserem Wirtschaftssystem. Bargeld sei zudem das einzige Zahlungsmittel, das – unabhängig von jedweden Voraussetzungen – von allen Menschen gleichermaßen verwendet werden könne, so Holzmann. Auch im Sinne dieser demokratiepolitischen Komponente bleibe Bargeld als wesentliches Zahlungsmittel daher selbstverständlich in absehbarer Zukunft erhalten.

    Recht auf Bargeld in die Verfassung?

    Die ÖVP will das Recht auf Bargeld sogar in der Verfassung absichern. Die neue Bundesregierung soll eine entsprechende Verfassungsbestimmung ausarbeiten, hieß es Anfang August. Das „grundlegende Recht“ auf Einsatz von Bargeld sei wegen der Entwicklungen in den vergangenen Jahren immer mehr in Gefahr.

    Etwa schreite die Digitalisierung voran, gleichzeitig wollten Staat und Unternehmen immer mehr Daten der Bürger bzw. Kunden sammeln. Diese Entwicklungen führten dazu, dass immer weniger Bargeld zum Einsatz komme und immer öfter digital bezahlt werde, lautet die Argumentation. Die FPÖ will die Volkspartei nun beim Wort nehmen und im September einen neuen Antrag einbringen, der eine Abstimmung vor der Wahl ermöglichen soll.

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