Interview mit dem Evolutionsbiologen Edward O. Wilson

edward-o-wilson-1

(Dieser Text erschien unter dem Titel „Was macht eigentlich der Evolutionsbiologe Edward O. Wilson?“ in „bild der wissenschaft“ 6/2013. Hier in der von Deep Roots um den Anfang, in dem es hauptsächlich um Wilsons Kindheit und Jugend und um seinen Weg zum Insektenforscher und Evolutionsbiologen geht, gekürzten und auf „As der Schwerter“ veröffentlichten Form wiedergegeben. Das Interview führte bdw-Redakteur Hubertus Breuer.)

Anfang der 1960er-Jahre sitzt Edward O. Wilson arglos in einer Fakultätsbesprechung des Biologie-Departments an der Harvard-University und schlägt vor, die Zahl der Evolutionsbiologen zu verdoppeln – von einem, Wilson selbst, auf zwei Professoren. Und er hat auch eine Idee, wer dafür geeignet wäre. Doch kaum hat er die Verdienste des von ihm favorisierten Kandidaten vorgetragen, sagt James Watson, wie Wilson sich in seiner Autobiographie erinnert, „mit sanfter Stimme: ‚Sind Sie nicht ganz bei Trost?’“

Watson ist nicht irgendwer. 1953 hat er, gerade 25 Jahre alt, zusammen mit Francis Crick an der britischen Cambridge University einen epochalen Fund gemacht. Die beiden entdeckten die Doppelhelix-Struktur der DNA, die Struktur des Erbmoleküls, das allem Leben zugrunde liegt. Und Watson ist kein Fan Wilsons. Das hat zwei Gründe. Der eine ist grundsätzlicher Natur: In Watsons Augen sind, damals jedenfalls, Fragen der Evolutionsbiologie weitgehend irrelevant – in einem Zeitalter, in dem Wissenschaftler die Geheimnisse der Zellen und Moleküle entschlüsseln. Wilsons Art, Biologie zu betreiben, wozu das Studium der Anatomie und Artenklassifikation gehört, hält er für bloße „Briefmarkensammelei“. Die Abneigung hat allerdings auch einen persönlichen Hintergrund. 1959 stand Wilson kurz davor, sich von Harvard zu verabschieden. Er hatte an der Elite-Universität promoviert und wenig später eine Dozentenstelle erhalten. Doch dann lockte ein Angebot der Stanford University in Kalifornien. Wilson war schon entschieden, da beeilte sich Harvard, dem großen Talent ein Gegenangebot zu machen, und bot ihm eine unkündbare Professur an.

Dafür hatte die Hochschule gute Gründe: Wilson hatte sich nicht nur als hervorragender Taxonom hervorgetan, als Entdecker etlicher neuer Ameisenarten. Gemeinsam mit seinem Harvard-Kollegen William Brown hatte er außerdem eine Kontroverse um den Begriff der Unterart angestoßen und das Phänomen der Merkmalsverschiebung entdeckt: Zwei Arten entwickeln in einem Ökosystem immer größere Unterschiede. Damit verringern sie den Konkurrenzdruck und vermeiden es, sich miteinander zu vermischen. [Anm. Deep Roots: siehe hierzu auch das, was ich in meinem Nachwort zu „Lasst sie Menschen sein!“ über dasselbe Phänomen bezüglich Schimpansen- und Menschenvorfahren, Rehen und Hirschen sowie möglicherweise auch heutigen Weißen/Schwarzen geschrieben habe).

In der Eile hatte die Harvard-Verwaltung aber nicht bedacht, wie das Angebot auf die Eitelkeit des ein Jahr älteren Kollegen und damaligen Superstars der Molekularbiologie James Watson wirken würde. Der war zu der Zeit ebenfalls noch Assistenzprofessor und wartete auf die Ernennung zum Professor auf Lebenszeit. Und es war klar, dass Watson und Crick früher oder später den Nobelpreis erhalten würden. (Sie bekamen ihn wenig später, 1962, gemeinsam mit dem Röntgenphysiker Maurice Wilkins.) Als die Universitätsverwaltung den Fehler bemerkte, beeilte sie sich, auch Watson ein Angebot zu machen.

Doch der Schaden war schon angerichtet. Wilson und Watson grüßen sich in der Folge kaum noch, was der im Südosten der USA geprägten Höflichkeit Wilsons zutiefst widerstrebt. Doch angesichts des Dauerstreits um die Vorherrschaft in der Biologie läßt letztlich auch Wilson seine Contenance fahren. Watson sei die „unangenehmste Person“, die er je getroffen habe, sagt er. In seiner Autobiografie nennt er ihn gar den „Caligula der Biologie“. Und als Watson 1968 Direktor des Cold Spring Harbor Laboratory auf Long Island wurde, ätzte Wilson: „Ich würde ihm nicht einmal einen Limonadenstand anvertrauen.“ Dennoch gibt Wilson rückblickend zu: „Ich bewunderte ihn immens. Und ich hoffte, Leistungen zu vollbringen, die der seinen nur entfernt nahe kommen würden.“

Erst in den 1970er-Jahren, als Wilson wegen seines Buches „Soziobiologie“ von marxistisch gesinnten Wissenschaftlern angefeindet wird, begraben die beiden Koryphäen das Kriegsbeil. „Ich hasste Eds Feinde“, erinnert sich Watson an diese Zeit. Außerdem fanden nach zwei, drei Jahrzehnten auch die Disziplinen der Molekular- und systematischen Biologie zusammen: Genetische Analysen gaben den Systematikern die Werkzeuge an die Hand, die Evolution von Organismen in bislang nie gekanntem Detail nachzuzeichnen.

Im Jahr 1975 veröffentlichten Sie das 700-Seiten-Werk „Soziobiologie“, das rasch zum kontrovers diskutierten Klassiker aufstieg. Worum geht es in dem Werk?

„Die Soziobiologie untersucht systematisch die biologischen Grundlagen allen sozialen Verhaltens. Ich hatte bereits in den 1950er-Jahren mit meinem Kollegen Stuart Altmann Makaken-Gesellschaften beobachtet – und war beeindruckt, wie sehr ihr Verhalten dem des Menschen ähnelte. Damals war die Zeit noch nicht wirklich reif für eine solche Revolution der Wissenschaft. Aber über die Jahre gewannen Biologen eine tiefere Einsicht in die Evolution sozialer Arten und deren Geschick, sich an ihre Umwelt anzupassen. Und es wurde klar, dass das, was wir beim Menschen „Instinkt“ nennen, auf genetischen Prädispositionen beruhen muss – von Temperament bis hin zu kognitiven Fähigkeiten. Und deshalb handelt in dem Buch ‚Soziobiologie‘ das letzte Kapitel vom Menschen.“

Dieses Kapitel stieß auf wenig Gegenliebe.

„Ich hatte vor der Veröffentlichung durchaus Debatten erwartet, aber nicht solch wilde Anfeindungen. Die Aufregung über das Buch hielt lange an – doch da ging es nicht um Wissenschaft, sondern um Politik. Marxisten sahen die Biologie mit großer Skepsis, denn sie wollten den Menschen nach ihrer Theorie frei gestalten, da waren durch die Biologie auferlegte Einschränkungen wenig willkommen.“

Was passierte damals denn genau? Können Sie ein Beispiel für die Anfeindungen nennen?

„Der Höhepunkt kam in meinen Augen über zwei Jahre nach der Veröffentlichung, im Februar 1978. Damals hielt ich während des Jahrestreffens der AAAS, der ‚American Association for the Advancement of Science‘ einen Vortrag über Soziogiologie. Demonstranten der Gruppe ‚International Committee Against Racism‘ hatten damals beschlossen, an mir ein Exempel zu statuieren. Als ich den Vortrag beginnen wollte, störten die Aktivisten lautstark und schütteten mir Wasser übers Haupt. Kurz nachdem das geschehen war, ging mir auf, wie bemerkenswert diese Dusche war. Ich glaube, es war das erste Mal in jüngerer Zeit, dass ein Wissenschaftler für eine Idee körperlich attackiert wurde.“

Und Ihr Vortrag?

„Den hielt ich nass, aber unbeirrt.“

Sie waren auch Angriffen anderer Biologen ausgesetzt?

„Ja, daran erinnere ich mich aber weniger gerne. Meine Harvard-Kollegen, die Biologen Stephen Jay Gould und Richard Lewontin, veröffentlichten bald nach der Publikation meines Buchs gemeinsam mit anderen Forschern einen Brief in der Zeitschrift ‚New York Review of Books‘. Darin behaupteten sie, genetische Grundlagen gäbe es nur für Essen, Stuhlgang und Schlaf. Das ist natürlich hanebüchen, wäre aber noch erträglich gewesen. Aber sie brachten in dem Schreiben meine Thesen in Zusammenhang mit den Gaskammern des Dritten Reichs. Das ging eindeutig zu weit.“

Gab es damals keine Aussprache?

„Möchte man meinen, zumal Lewontins Büro nur ein Stockwerk unter meinem lag. Da hätte er problemlos die Treppe hochsteigen können, um seine sachlichen Einwände mit mir zu diskutieren. Stattdessen gab es diesen Brief.“

Und kam es nie zur Aussöhnung?

„Gould ist inzwischen verstorben, Lewontin und ich nicken uns flüchtig zu, wenn wir uns auf dem Campus treffen, das ist alles. Aber eines ist klar: Die Debatte habe ich gewonnen – und wie! Um die Frage, wie das genetische Erbe menschliches Handeln beeinflusst, kreisen heute nur noch wissenschaftliche, keine ideologischen Debatten mehr.“

*     *    *

Wilson plagt ein Alptraum: Auf einer Insel im Südpazifik steht er kurz davor, wieder abzureisen, aber mit Schrecken stellt er fest, dass er die Natur des Eilands noch nicht wirklich erforscht hat. Doch als er nach ihr Ausschau hält, sieht er überall nur Städte, Dörfer und Felder. Nur im Norden, am Horizont, erkennt er einen Hügelzug, auf dem es noch Reste der ursprünglichen Fauna und Flora zu geben scheint. In einem Auto rast er dorthin. Er sucht verzweifelt auf einer Landkarte nach der Zufahrtsstraße zu dem unberührten Flecken Urwald, doch als er gerade meint, die richtige Abzweigung gefunden zu haben, ist die Zeit abgelaufen. Er wacht auf.

Dieser Alptraum sucht den Evolutionsbiologen Ende der 1970er-Jahre mehrmals heim. Und er versteht, dass er etwas tun muss. Er sieht Gefahren heraufziehen für jene einzigartigen Orte, die er auf Expeditionen besucht hat: den Amazonasdschungel beispielsweise mit den von ihm bewunderten Blattschneiderameisen.

Die Königin eines Staates dieser Ameisen setzt allein mehr als 100 Millionen Arbeiterinnen in die Welt. Das Kastensystem besteht aus Gärtnern, Soldaten, Lastträgern und den buchstäblichen Blattschneidern – ein „Superorganismus“, wie Wilson es nennt. Er denkt aber auch an die Huon-Halbinsel in Papua-Neuguinea, auf der man den Kaiserparadiesvogel beobachten kann, den wohl schönsten Vogel der Welt – benannt übrigens nach dem letzten deutschen Kaiser Wilhelm II. Und er erinnert sich an den Tropenwald Surinams an der Nordküste Südamerikas, den er 1961 als „biologischen Mahlstrom“ kennenlernte. Inzwischen walzen ihn Bulldozer nieder.

Den letzten Anstoß zu handeln gibt der britische Ökologe Norman Myers. 1979 veröffentlicht er Schätzungen, wie viel Regenwald alljährlich zerstört wird: Fast ein Prozent. Jetzt reicht es Wilson. Er ruft einen befreundeten Wissenschaftler und für Tropenwälder engagierten Naturschützer an, Peter Raven, Direktor des Missouri Botanical Garden. Am Telefon verspricht Wilson: „Peter, du sollst wissen, dass ich mich euch anschließe. Ich werde alles in meiner Macht Stehende tun, eure Sache zu unterstützen.“ Und Wilson hält Wort: In den folgenden Jahren setzt er sich für die Rettung der Biosphäre ein – in Büchern, Vorträgen, Interviews, als Berater von Umweltschutzorganisationen, Politikern und sogar Unternehmen wie dem Einzelhandelsriesen Walmart.

Wilson drückt der Debatte seinen Stempel auf: 1986 gibt er einen Tagungsband mit dem Titel „Biodiversität“ heraus. Damit verhilft er dem Begriff zu großer Bekanntheit – wenige Jahre später ist er in aller Munde. „Ich muss zugeben, dass ich den Begriff erst nicht mochte“, erinnert er sich. „Ich habe den Band herausgegeben, aber dem Titel nur zögerlich zugestimmt.“

Einen anderen Begriff prägt er für die englischsprachige Welt: 1984 publiziert er das Buch „Biophilia“. Darin erklärt er, wir hätten eine angeborene Neigung, uns allem Lebendigen verbunden zu fühlen. Heute gesteht er allerdings ein: „Naturwissenschaftlich ist diese These bislang nur schwer zu belegen. Wir wissen aber, dass positive Naturerfahrung Menschen hilft. Und nicht zuletzt motiviert sie uns, dass wir uns für die Umwelt einsetzen – und das ist notwendig.“

Und es gibt noch eine Debatte, in die sich der Senior unter den Evolutionsbiologen mit neuen Argumenten einmischt.

Seit Beginn des letzten Jahrzehnts hegen Sie Zweifel an einem der zentralen Pfeiler der Evolutionstheorie – der Verwandtenselektion.

Ja, das war eine schöne Theorie, sie hat aber leider nie recht funktioniert.

Sie haben sie doch einst selbst propagiert?

Ja, denn sie hat viele Vorteile. Einer davon ist, dass sie sehr eingängig ist. Sie besagt im Grunde, das es evolutionär nicht nur sinnvoll ist, den Kindern zu helfen, sondern auch den Verwandten, weil diese in ihrem Erbgut ebenfalls Kopien der Gene von einem selbst tragen. Das erlaubt, andere zu unterstützen, obwohl es einem selbst schaden mag, und dennoch den Fortbestand des eigenen genetischen Erbes zu sichern. Diese These haben wir 40 Jahre lang vertreten, und ich habe sie in der Tat massiv unterstützt.

Wann haben Sie begonnen, Zweifel zu hegen?

Mit den Jahren merkte ich, dass die empirischen Belege dünn gesät sind. Es gibt nur wenige Arten, deren Staatenbildung sich mit dem Modell erklären lässt. Zudem haben die meisten Tiere keine Möglichkeit, Verwandte überhaupt zu erkennen. Aber als das neue Paradigma sich erst einmal etabliert hatte und akademische Karrieren auf ihm aufgebaut wurden, wollte das niemand wirklich wahrhaben. Im Jahr 2006 begann ich, Artikel zu veröffentlichen, in denen ich meine Kritik äußerte. Die wurde aber gründlich ignoriert.

Auf die Dauer blieb das aber nicht so.

Nein. Zwei brillante Mathematiker von der Harvard University, Martin Nowak und seine Kollegin Corina Tarnita, lasen eine meiner Publikationen und schlugen mir vor, zusammenzuarbeiten. Denn auch sie hegten Zweifel. Und während meine Kritik vor allem auf den mangelnden empirischen Belegen für Verwandtenselektion beruhte, führten sie an, dass die Theorie mathematisch in sich nicht schlüssig sei. Das Prinzip der Individual- und Gruppenauslese erschien da deutlich überzeugender. Wir haben dann 2010 einen Artikel im Wissenschaftsmagazin Nature veröffentlicht, dessen Thema auch den Titel zierte.

Und wie war die Reaktion?

Sehr interessant! 137 Forscher unterzeichneten danach einen Brief, der ebenfalls in Nature publiziert wurde. Darin verteidigten sie das Standardmodell und taten die Gruppenselektion als absurden Rückfall in die Vergangenheit ab. Aber wirklich sachliche Argumente brachten sie gegen unsere Analyse nicht vor – und die sind sie bis heute auch schuldig geblieben. Dabei hätte es so viele Autoren nicht gebraucht – einer hätte gereicht, solange er nur einen schlagenden Gegenbeweis vorgebracht hätte.

Das klingt aber, ehrlich gesagt, wie ein Sturm im Wasserglas der Fachwelt.

Weit gefehlt. Es geht um die zentrale Frage, wie soziale Arten entstanden sind – und damit auch darum, wie sich Altruismus erklärt, das heißt unser Mitgefühl und unsere Bereitschaft zu kooperieren. Es ist klar, dass Gruppenselektion ebenfalls ein mächtiger Faktor in der Evolution des Menschen war.

Aber ändert sich dadurch unsere Sicht des Menschen? Dass wir mitfühlend sind und Meister der Kooperation, war – ungeachtet welche evolutionäre Kraft dahintersteht – doch auch vorher unbestritten.

Es ändert die Sicht des Menschen sehr wohl. Denn anders als bei Ameisenstaaten, deren Arbeiterinnen als Teil eines Superorganismus angesehen werden können, prägt den Menschen sowohl die Individual- als auch die Gruppenselektion. Wir stehen dauerhaft im Spannungsfeld zwischen den Eigennutz fördernden Instinkten und denen, die dem Wohl der Gemeinschaft dienen. Aber letztlich behält meist das Interesse der Gruppe die Oberhand. Ich drücke es gerne so aus: Egoismus schlägt Altruismus innerhalb einer Gruppe. Altruistische Gruppen schlagen Gruppen von Egoisten. Alles andere ist bloßer Kommentar.

Wilson genießt offenbar die hitzige Debatte um die Verwandten- und Gruppenselektion – so etwas auszulösen sei schließlich keine schlechte Leistung für einen 83jährigen emeritierten Professor, meint er. Doch jetzt sagt er dem Reporter: „Das ist aber tatsächlich mein letzter Forschungsbeitrag.“ Und auch sein letztes Buch? Wilson lacht. „Nicht wirklich.“

Tatsächlich widmet er sich bereits weiteren Projekten. Nach wie vor begleitet er die „Encyclopedia of Life“, eine von ihm angestoßene Initiative, die alle bekannten Arten online katalogisieren will – eine Website pro Art. Zudem hat er Anfang 2012 sein erstes elektronisches Lehrbuch zur Biodiversität veröffentlicht: „Life on Earth.“ Wilson produzierte es gemeinsam mit dem Computerkonzern Apple. In den letzten Monaten ist der umtriebige Nestor der Evolutionsbiologie auch in den Gorongosa-Nationalpark in Mosambik gereist. Wenig überraschend ist seine Motivation. Er will dort für ein neues Buch recherchieren, mit dem Arbeitstitel „Gorongosa: Der Park als ein Fenster zur Ewigkeit“.

Ohnehin will er künftig wieder mehr reisen. In den Südpazifik etwa oder in den Yosemite-Park – immer auf der Suche nach Ameisen. „Reisen, entdecken – das habe ich als 25jähriger gemacht. Dieses Gefühl, Entdecker zu sein, das will ich wieder erleben.“ Und natürlich wird er wieder nach Hause fliegen, nach Mobile, Alabama. Auch dort hat er Großes vor: Er will helfen, einen Nationalpark im Flussdelta seiner Heimatstadt zu gründen.

edward-o-wilson-2

 

Siehe auch:

Die Kultur der Kritik (2) – Die Boas’sche Schule der Anthropologie und der Niedergang des Darwinismus in den Sozialwissenschaften von Kevin MacDonald (worin E. O. Wilson ebenfalls erwähnt wird)

Moral und abstraktes Denken von Gedaliah Braun

Das politisch inkorrekte Erdbeben: Sind wirklich alle Kulturen gleich? von William L. Houston

Die Torheit der von Weißen gesponserten Entwicklung von Alex Kurtagic

Scientific American über die Realität von Rassen von Michael Polignano

„Lasst sie Menschen sein!“ von Volker Sommer (mit einem ausführlichen Nachwort von Deep Roots)

Rasse, Evolution und Verhalten (PDF, 104 Seiten) von J. Philippe Rushton

Advertisements
Hinterlasse einen Kommentar

4 Kommentare

  1. Deep Roots

     /  Januar 12, 2017

    Zu E. O. Wilsons Kurzformel „Egoismus schlägt Altruismus innerhalb einer Gruppe. Altruistische Gruppen schlagen Gruppen von Egoisten“ hätte ich noch die Ergänzung, daß altruistische Gruppen nur dann auf Dauer altruistisch bleiben oder überhaupt erst so werden, wenn ihre altruistischeren Mitglieder im Durchschnitt und auf lange Sicht mindestens genauso gut dran sind wie ihre egoistischeren. Ohne interne Verhaltensregelungen, die Egoisten in ihrem (Fortpflanzungs-) Erfolg einbremsen und Altruisten belohnen, würde die Veranlagung zum Altruismus allmählich so weit weggezüchtet werden, daß die Gruppe keinen Altruismusvorteil gegenüber anderen Gruppen hätte.

    Im obigen Artikel wird den meisten Lesern wahrscheinlich aufgefallen sein, wie die Leute, die Wilson und seine Arbeit aus ideologischen Gründen angefeindet haben, darunter die namentlich genannten Biologen Stephen Jay Gould und Richard Lewontin, als „Marxisten“ umschrieben wurden, wo es doch überwiegend Juden waren, wie auch in Kevin MacDonalds Teil 2 von „Die Kultur der Kritik“ über die Boas’sche Anthropologie nachzulesen ist.

    Der „erfolgreiche Angriff gegen den Darwinismus“, der, wie Kevin MacDonald in seinem Vorwort zu Worum es in der Einwanderungsdebatte wirklich gehen sollte von Ted Sallis schreibt, „die größte intellektuelle Katastrophe für Weiße und ihre Zivilisation war“, bestand aber nicht nur im Boas’schen Angriff gegen das Konzept der Rasse und dessen Verleugnung biologisch begründeter Unterschiede zwischen Rassen.

    Ein Element dabei war auch, daß es gelungen ist, dem Wort „Darwinismus“ als plakativem Sammelbegriff für evolutionäre Thesen ein „böses“ Image anzuhängen, wo man sich „Survival of the fittest“ nur als rücksichtsloses Drüberfahren des Stärkeren über den Schwächeren vorstellt. Zum Teil ist das sicher auch die Schuld von Egoisten und Soziopathen, die diesen „Vulgärdarwinismus“ zur Rechtfertigung ihrer Soziopathien verwenden. Teils dürfte es auch darauf zurückzuführen sein, daß vor allem die frühen „Darwinisten“ das Überleben als entscheidenden evolutionären Faktor hervorgehoben haben und sich diese Vorstellung in der breiten Öffentlichkeit bis heute gehalten hat.

    Dabei wird aber übersehen, daß das zentrale Kriterium für evolutionären Erfolg der Fortpflanzungserfolg ist, nicht der Überlebenserfolg, der für den ersteren nur eine (wenn auch sehr wichtige) Voraussetzung ist. Man kann hundert Jahre alt werden und trotzdem weniger evolutionären Erfolg (im Sinne einer Weitergabe seiner Gene an nachfolgende Generationen) haben als ein junger Vater, der mit Anfang 20 im Krieg fällt und vorher noch ein Kind gezeugt hat, wenn man in diesen hundert Jahren aus welchen Gründen auch immer kinderlos bleibt.

    Und all jene, die dieses „böse“ Bild vom „Darwinismus“ im Kopf haben, übersehen, daß auch alle „freundlichen“ Eigenschaften, die wir an uns schätzen – Mitgefühl, Kooperationsbereitschaft, Altruismus – ebenfalls Hervorbringungen der vermeintlich bösen, kalten, grausamen Evolution sind. Wenn Gemeinschaften, in denen diese Eigenschaften ausgeprägter als in anderen vorkommen, dadurch auch besser funktionieren als andere Gemeinschaften, erhöhen sie den durchschnittlichen Fortpflanzungserfolg ihrer Mitglieder und nehmen infolgedessen gegenüber den anderen zahlenmäßig zu. Somit sind diese Eigenschaften evolutionär erfolgreich. Andere solche Eigenschaften sind Fähigkeiten, die eine bessere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit ermöglichen, oder organisatorische Fähigkeiten, die das innere Funktionieren der Gemeinschaft verbessern, oder Langlebigkeit, oder kriegerische Qualitäten, die ihrerseits wieder mit den materiellen Mitteln wirkungsvoller eingesetzt werden können, die durch gute wirtschaftliche und technisch-wissenschaftliche Leistung bereitgestellt werden, und so weiter.

    Daß sich bei einer teils über Zehntausende Jahre getrennten Entwicklung verschiedener Rassen unterschiedliche Entwicklungsniveaus und Eigenschaftskombinationen ergeben, liegt auf der Hand und ist auch anhand der tatsächlich beobachtbaren Unterschiede ersichtlich, wird aber von den Antirassisten nicht widerlegt (das können sie nicht auf wissenschaftlich seriöse Weise), sondern als moralisch verwerflich diffamiert. Am liebsten würden sie Aussagen in dieser Richtung überhaupt kriminalisieren.

    Fjordman hat dafür einen treffenden Begriff formuliert: Genetischer Kommunismus.

    Antwort
  2. Jouri

     /  Januar 13, 2017

    Vielleicht liegen Gruppen- und Verwandtschaftsselektion gar nicht so weit von einander entfernt und ergänzen sich. Schließlich sind Stämme und Völker, also Gruppen, auch Verbünde von Verwandten. Wenngleich die Verwandtschaft auch weiter entfernte Verwandte miteinschließt, als es die Kernfamilie tut. ansonsten halte ich DR Anmerkungen zu Wilson für zutreffend.

    Antwort
  3. Deep Roots,
    ohne Edward O. Wilson abwerten zu wollen, …
    dein Kommentar gefällt mir noch besser als der gute Artikel.

    Das wichtigste auf der Welt ist nicht der deutsche Mann, die deutsche Frau oder das deutsche Kind sondern der deutsche Rassist.

    Antwort
  4. Deep Roots

     /  Januar 24, 2017

    Danke, reinigungskraft!

    Eine Sammlung von Beispielen für die Propagierung des Bildes von der „bösen Evolution“ findet man in der Science-Fiction-Serie Babylon 5, die ich mir gerade wieder komplett ansehe (als Grundlage für einen neuen „Star Dreck”-Artikel zu dieser Serie).

    In der 18. Folge der ersten Staffel, „Angriff der Aliens, Teil 1“ sagt zum Beispiel die Minbari-Botschafterin Delenn zu Commander Sinclair: „Ohne die Hoffnung, daß das Leben besser wird, daß unsere Nachkommen eine viel friedlichere und reichere Welt erleben als wir, ist das Leben doch sinnlos. Und die Evolution findet ohne Zivilisation statt.“

    Etwas später, als Delenn gerade ihr Quartier betreten will, kommt ihr alter Mentor und Freund Draal überraschend um die Ecke und sagt: „Schnell! Was ist das dritte Prinzip des vernunftbegabten Lebens?“

    Delenn (freudestrahlend): „Draal!“

    Draal: „Diese Antwort ist falsch. Das dritte Prinzip des vernunftbegabten Lebens ist die Fähigkeit zur völligen Selbstaufgabe; der Wille und das Vermögen, die Evolution und den Selbsterhaltungstrieb zu überwinden für eine Sache, einen Freund, ein geliebtes Wesen.“

    Entgegen dieser Darstellung ist solch eine Fähigkeit zur Selbstaufopferung dort, wo sie einen ausreichenden Nutzen für die eigene biologische Gemeinschaft hat, durchaus auch in der Natur zu finden, selbst bei nicht vernunftbegabten Lebewesen wie Ameisen oder Bienen. Sie steht daher sehr wohl mit den Prinzipien der Evolution in Einklang, die folglich hierzu nicht „überwunden“ werden muß. Das, worum es bei dieser Propagandabotschaft geht, dürfte wohl im Satzbestandteil „für eine Sache“ enthalten sein: es soll wohl die Selbstaufgabe für eine Sache schöngeredet werden, die nicht dem Nutzen der eigenen Gemeinschaft dient, z. B. die individuelle oder kollektive Selbstaufopferung für Flüchtlingshilfe, Multikulturalismus und dergleichen.

    In der vierten Folge der 2. Staffel, „Rettet die Cortez!“, motzt Captain Sheridan, frustriert über seine Beanspruchung für politikerartigen Kleinkram, wenn die Affen, von denen wir „angeblich abstammen“, gewußt hätten, daß aus ihren Reihen einmal Politiker hervorgehen würden, wären sie auf den Bäumen geblieben, und er schließt mit den Worten: „Ich habe schon immer gesagt: Die Evolution bringt niemals etwas Gutes.“

    Im Sinne dessen, was ich schon in meinem vorherigen Kommentar geschrieben habe, hat die Evolution aber auch alles hervorgebracht, was wir an uns und an der Natur als gut und schön schätzen.

    Mit den Lumati, die in Episode II/12 „Auf dem Pulverfass“ die Station in Erstkontaktmission besuchen, als Sprachrohren wird „die Evolution“ ein weiteres Mal einseitig mit Hartherzigkeit und rücksichtslosem Verreckenlassen der „Schwachen und Minderwertigen“ selbst unter den eigenen Leuten (hier: der sozial gestrandeten Bewohner der untersten Ebene von B-5) gleichgesetzt, wozu der Lumati-Sprecher sagt: „Das ist Evolution im besten Sinne!“

    Und am Schluß der dritten Staffel, wo Captain Sheridan auf Z’Ha’Dum, dem Heimatplaneten der „Schatten“, drei menschlichen Sprechern der Schatten gegenübersitzt (Mr. Morden, Sheridans psychisch umgeformte Frau Anna und ein gewisser Justin), erläutern ihm diese die Ziele der Schatten:

    Diese zu den allerältesten raumfahrenden Spezies der Galaxis zählenden Wesen setzen auf eine Forcierung der Evolution der jüngeren Völker, und zu diesem Zweck starten sie in Abständen von Jahrtausenden immer wieder Angriffe und stiften raumfahrende Völker zu Kriegen gegeneinander an. Dies soll einer verschärften Selektion dienen, damit die Schwachen zugrundegehen und die Starken überleben und noch stärker werden. Hier greifen die unheimlichen Spinnenschiffe der Schatten eine Flotte von Kreuzern der Narn an, die ihrerseits eine Nachschubbasis der Centauri vernichten wollen:

    Dagegen setzen die ähnlich alten Vorlonen, ihre Konkurrenten in der Rolle der Hüter und Lehrer der jüngeren Völker, auf Ordnung und Disziplin. Und mit Ausnahme von Kosh Naranek, ihrem ersten Botschafter auf Babylon 5, zeigen sie dabei eine sehr autoritäre und hochmütige Haltung gegenüber den jüngeren Spezies.

    Mir scheint, daß hier zwei Seiten des Judentums verkörpert werden: die Vorlonen stehen gewissermaßen für den rabbinischen Wesenszug des Judentums, für Kontrollfreakigkeit und Autoritarismus; die Schatten wiederum verkörpern das Revoluzzertum und die Kriegshetzerei der Juden, ihr Zündeln, Spalten und manipulatives Verleiten machtgieriger Herrscher zu Eroberungszügen.

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: