Die Kultur der Kritik (8): Schluss – Wohin geht es mit dem Judaismus und dem Westen?

Von Prof. Kevin MacDonald, übersetzt vom Verlag libergraphiX (ursprünglich – noch vor Erscheinen der deutschen Buchausgabe – auf „As der Schwerter“ veröffentlicht). Das Original „The Culture of Critique“ erschien 1998 bei Praeger Publishers (die mir vorliegende Paperback-Ausgabe 2002 bei 1st Books Library [ISBN 0-7596-7222-9]).

Zuvor veröffentlicht:

Die Kultur der Kritik: Vorwort von Professor Kevin MacDonald

Die Kultur der Kritik: Vorwort von Professor Kevin MacDonald zur ersten Paperback-Ausgabe

Die Kultur der Kritik (1) – Juden und die radikale Kritik an der nichtjüdischen Kultur: Einführung und Theorie

Die Kultur der Kritik (2) – Die Boas’sche Schule der Anthropologie und der Niedergang des Darwinismus in den Sozialwissenschaften

Die Kultur der Kritik (3) – Juden und die Linke

Die Kultur der Kritik (4): Die jüdische Beteiligung an der psychoanalytischen Bewegung

Die Kultur der Kritik (5): Die Frankfurter Schule für Sozialforschung und die Pathologisierung nichtjüdischer Gruppenloyalitäten

Die Kultur der Kritik (6): Die jüdische Kritik an der nichtjüdischen Kultur: Eine Reprise

Die Kultur der Kritik (7): Jüdische Mitwirkung an der Gestaltung der amerikanischen Einwanderungspolitik

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Eine Schlussfolgerung dieses Bandes ist, dass die Juden eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung hochgradig einflussreicher intellektueller und politischer Bewegungen spielten, die in zeitgenössischen westlichen Gesellschaften ihren Interessen dienten. Wie auch immer, diese Bewegungen sind nur ein Teil der Geschichte. Es gab in den westlichen Gesellschaften im Allgemeinen, aber besonders in den Vereinigten Staaten, ein enormes Anwachsen jüdischer Macht und jüdischen Einflusses. Ginsberg (1993) merkt an, dass seit dem Jahre 1960 der jüdische ökonomische Status sowie der kulturelle Einfluss in den Vereinigten Staaten dramatisch angestiegen ist. Shapiro (1992, 116) zeigt, dass Juden zumindest mit dem Faktor neun auf Wohlstands-Indizes überrepräsentiert sind, doch dies gilt als konservative Schätzung, weil viel jüdischer Reichtum in Immobilien steckt, was schwer zu veranlagen und leicht zu verstecken ist. Während sie nur annähernd 2,4 Prozent der Bevölkerung der Vereinigten Staaten ausmachen, repräsentieren Juden die Hälfte der oberen einhundert Geschäftsführer der Wall-Street und rund 40 Prozent der College-Zulassungen der Ivy League. Lipset und Raab (1995) merken an, dass Juden zwischen einem Viertel und einem Drittel aller politischen Zuwendungen in den Vereinigten Staaten spenden, darunter die Hälfte der Spenden für die Demokratische Partei sowie ein Viertel der Spenden für die Republikaner.

Die allgemeine Botschaft von Goldbergs (1996) Buch Jewish Power: Inside the American Jewish Establishment ist, dass der amerikanische Judaismus gut organisiert und freigiebig finanziert ist. Er verschaffte sich ein großes Maß an Macht und war erfolgreich bei der Durchsetzung seiner Interessen. Es besteht ein hohes Maß an Konsens in einem großen Teil der jüdischen Angelegenheiten, insbesondere auf dem Gebiet der Israel-Politik und der Wohlfahrt anderer ausländischer jüdischer Enklaven, der Einwanderungs- und Flüchtlingspolitik, der Trennung von Kirche und Staat, dem Recht auf Schwangerschaftsabbruch sowie der Bürgerrechte (siehe Kapitel 1). Tatsächlich ist die Übereinstimmung in diesen Fragen zwischen jüdischen Aktivistenorganisationen und den hier besprochenen, jüdischen intellektuellen Bewegungen, trotz des hohen Maßes an fehlender Übereinstimmung in Bezug auf andere Angelegenheiten, bemerkenswert. Die massiven Veränderungen in der öffentlichen Politik bezüglich dieser Fragen, die mit der kulturellen Gegenrevolution in den Sechziger Jahren begannen, fallen mit der Periode ansteigender jüdischer Macht und steigenden Einflusses in den Vereinigten Staaten zusammen.

Seit den Fünfziger Jahren des Zwanzigsten Jahrhunderts verfolgen empirische Studien über die ethnische Hierarchie in den Vereinigten Staaten die Veränderungen ethnischer Gruppenressourcen einschließlich der Repräsentation der Elite (beispielsweise Alba & Moore 1982; Lerner, Nagai & Rothman 1996). Diese Studien hoben häufig die Überrepräsentation der protestantischen Weißen in den Unternehmenshierarchien und im Militär hervor, versäumten jedoch Gruppenunterschiede in Engagement und Organisation einzubeziehen. Salter (1998b) verschafft eine theoretisch fundierte Einschätzung des jüdischen Einflusses im Vergleich zu jenem der Afroamerikaner und der nichtjüdischen europäischstämmigen Amerikaner auf Grundlage von Blalocks (1967, 1989) Modell der Gruppenmacht als Funktion der Ressourcen multipliziert mit der Mobilisierung. Juden bieten weit mehr Mobilmachung auf als die anderen ethnischen Bevölkerungsteile (man zögert, nichtjüdische europäischstämmige Amerikaner als „Gruppe“ zu bezeichnen). Während beispielsweise spezifische ethnische Organisationen, welche sich den ethnischen Interessen der nichtjüdischen europäischstämmigen Amerikaner widmen, im Wesentlichen Randgruppen mit dürftiger Finanzierung und geringem Einfluss auf den allgemeinen politischen Prozess sind, merkt Salter an, dass das America-Israel Public Affairs Committee (AIPAC) von Kongressmitgliedern und professionellen Lobbyisten als zweitmächtigste der 120 mächtigsten Lobbys bewertet wird, wobei in den oberen 25 Rängen keine weitere ethnische Organisation vertreten ist. Des Weiteren ist AIPAC eine der wenigen Lobbys, welche sich in beträchtlichem Maße auf Wahlkampfspenden verlässt, um Bündnispartner zu gewinnen. Wie oben angesprochen, tragen die Juden zwischen einem Drittel und der Hälfte aller Wahlkampfgelder bei Wahlen auf Bundesebene bei, wobei die Spenden vom  „Thema Israel und der weiteren jüdischen Agenda“ (Goldberg 1996, 275) motiviert werden. Juden sind somit in Bezug auf Wahlkampfspenden auf der Grundlage ihres Bevölkerungsanteils mit dem Faktor 13 überrepräsentiert, unter Berücksichtigung ihres höheren Durchschnittseinkommens beträgt der Faktor annähernd 6,5. In Bezug auf Auslandsspenden ist die jüdische Führung sogar noch größer. Beispielsweise gaben jüdische Amerikaner in den Zwanziger Jahren des Zwanzigsten Jahrhunderts, vor der Explosion jüdischer Spenden an Israel nach dem Zweiten Weltkrieg, 24 mal mehr pro Kopf für die Hilfe ausländischer Juden aus als irisch-stämmige Amerikaner als Hilfe für Irland in seinem Kampf um die Unabhängigkeit von Großbritannien. Dies war jedoch der Höhepunkt der ethnischen irischen Philanthropie (Carroll 1978). Die Disparität hat sich seit dem Zweiten Weltkrieg sehr vergrößert. Salter geht in einer vorläufigen konservativen Schätzung auf der Grundlage des Vergleichs von Pro-Kopf-Spenden für nicht-religiöse ethnische Angelegenheiten von einer viermal größeren ethnisch jüdischen Mobilisierung aus, als bei jener weißer Nichtjuden.

In der Blalock-Gleichung wird der Einfluss nicht nur von der Mobilisierung beeinflusst, sondern auch von den Ressourcen, die von der Gruppierung gehalten werden. Salter schätzt, dass die Juden annähernd 26 Prozent der „kybernetischen Ressourcen“ der Vereinigten Staaten kontrollieren (das heißt, Ressourcen, gemessen an den Angaben in Schlüsselbereichen wie etwa Regierung, Medien, Finanzwirtschaft, Hochschulen, Unternehmungen und Unterhaltungsindustrie). Dieser Durchschnittsgrad der Ressourcenkontrolle spiegelt sowohl den Bereich mit hoher (über 40 Prozent) jüdischer Repräsentanz (zum Beispiel die Massenmedien,  die Hochfinanz, die Anwaltskanzleien, die intellektuelle Elite sowie die Unterhaltungsindustrie) als auch den Bereich mit niedriger (weniger als 10 Prozent) jüdischer Repräsentanz (zum Beispiel Management, Militärführung, Religionsführer, Gesetzgeber) wider. Die Gesamtschätzung ist mit jener vergleichbar, welche Lerner et al. (1996, 20) auf der Grundlage von Ergebnissen aus den Siebziger und Achtziger Jahren machte. Lerner et al. kamen auf eine gesamte jüdische Repräsentanz in den amerikanischen Eliten von 23 Prozent. Die Ergebnisse entsprechen dem Grad der jüdischen Überrepräsentanz in anderen Gesellschaften, wie etwa im Deutschland des frühen Zwanzigsten Jahrhunderts, in welchem die Juden annähernd ein Prozent der Bevölkerung stellten, etwa 20 Prozent der Wirtschaft kontrollierten (Mosse 1987, 1989) und ebenfalls einen beherrschenden Einfluss auf die Medien und den Kulturbetrieb ausübten (Deak 1968, 28; Laqueur 1974, 73).

Das Einsetzen dieser Werte für Ressourcen und Mobilisierung in die Blalock-Gleichung erbringt die Schätzung, dass der jüdische Einfluss auf ethnische Fragen der Politik (Einwanderung, Rassenpolitik, Außenpolitik) etwa das Dreifache des Einflusses der nichtjüdischen europäischstämmigen Amerikaner beträgt. Die Ergebnisse sind hochgradig robust gegenüber unterschiedlichen Gewichtungen der Ressourcen. Nur eine „extrem neo-marxistische“ Gewichtung der Ressourcen (das heißt eine, die nur die Unternehmungselite, den gesetzgebenden Teil der Regierung, die militärische Elite, die Stiftungen sowie das gesamte Gruppeneinkommen gewichtet) senkt den jüdischen Einfluss auf ein annähernd paritätisches Maß mit den nichtjüdischen europäischstämmigen Amerikanern. Wie oben angesprochen, besteht ein breiter jüdischer Konsens in Bezug auf Fragen wie Israel und die Wohlfahrt anderer ausländischer jüdischer Bevölkerungsteile, Einwanderung und Flüchtlingspolitik, Trennung von Kirche und Staat, Abtreibungsgesetzgebung und Bürgerrechte. Dies impliziert, dass der jüdische Einfluss und die jüdischen Interessen diese Fragen dominieren – ein Ergebnis, das mit der Diskussion des jüdischen Einflusses auf die Einwanderungspolitik in Kapitel 7 in hohem Maße vereinbar ist, sowie mit der Tatsache, dass all diese Bereiche enormen Schwankungen in der öffentlichen Politik in Übereinstimmung mit jüdischen Interessen, welche mit dem Anstieg des jüdischen Einflusses in den Vereinigten Staaten zusammenfallen, unterworfen waren. Salters Schätzung, dass die jüdische Mobilisierung um ein Mehrfaches größer konzeptualisiert werden kann als jene der nichtjüdischen europäischstämmigen Amerikaner, lässt sich gut anhand der Geschichte der jüdischen Beteiligung an der Einwanderungspolitik illustrieren: Alle maßgeblichen jüdischen Organisationen waren trotz allem, was wie verwüstende Rückschläge ausgesehen haben muss, für die Zeitspanne eines gesamten Jahrhunderts in den Kampf gegen eine beschränkte Einwanderung verwickelt. Diese Bemühungen reichen bis in die heutige Zeit. Wie in Kapitel 7 diskutiert wurde, waren die Gegnerschaft zu einer groß angelegten Einwanderung aller rassischen und ethnischen Gruppierungen von Seiten der großen Mehrheit der europäischstämmigen Bevölkerung sowie die relative Apathie anderer Gruppen – sogar solcher Gruppen von denen man erwarten konnte, dass sie die Einwanderung ihrer eigenen Völker unterstützen würden, wie etwa die Italoamerikaner oder die polnischstämmigen Amerikaner – prominente Merkmale der Geschichte der Einwanderungspolitik.

Dieser „Aufstieg der Juden“ – um eine Phrase Albert Lindemanns (1997) zu gebrauchen – hat zweifellos wichtige Auswirkungen auf die zeitgenössischen westlichen Gesellschaften gehabt. Ein maßgebliches Thema des vorangegangenen Kapitels war, dass ein hohes Maß an Immigration in die westlichen Gesellschaften einem wahrgenommenen jüdischen Interesse  an der Entwicklung nicht-homogener, kulturell und ethnisch pluralistischer Gesellschaften entspricht. Es ist interessant, die möglichen langfristigen Konsequenzen einer solchen Politik zu bedenken.

In jüngeren Jahren zeigte sich eine steigende Zurückweisung der Idee, eine Gesellschaft als Schmelztiegel auf der Basis der Assimilation der ethnischen Gruppen zu schaffen (siehe beispielsweise Schlesinger 1992). Kulturelle und ethnische Unterschiede werden in diesen Schriften hervorgehoben und eine ethnische Assimilation oder eine Homogenisierung wird in ein schlechtes Licht gerückt. Der Ton dieser Schriften erinnert an die Ansichten vieler jüdischer Intellektueller im späten Neunzehnten und frühen Zwanzigsten Jahrhundert, welche die assimilationistischen Auswirkungen des Reformjudentums zugunsten des Zionismus oder zugunsten extremerer Formen der kulturellen Absonderung, wie etwa des konservativen oder orthodoxen Judaismus, zurückwiesen. Die Hinwendung zum ethnischen Separatismus ist vom evolutionären Standpunkt aus betrachtet, von beträchtlichem Interesse. Die Konkurrenz zwischen Gruppen sowie die Überwachung von Außengruppen waren nicht nur im Westen sondern auch in der muslimischen Welt ein Charakteristikum der Interaktionen zwischen Juden und Nichtjuden, und die Beispiele für Wettbewerb und Konflikte zwischen Gruppen in anderen Teilen der Welt sind zu zahlreich, um hier erwähnt zu werden. Geschichtlich war der ethnische Separatismus, wie er in der Geschichte des Judaismus zu sehen ist, eine entzweiende Kraft in der Gesellschaft. Er hat bei mehreren Gelegenheiten enormen innergesellschaftlichen Hass und Misstrauen, eine Kriegsführung auf ethnischer Grundlage, Vertreibungen, Pogrome sowie Versuche zum Völkermord entfesselt. Mehr noch, es gibt wenig Grund anzunehmen, dass die Zukunft sehr viel anders sein wird. In der heutigen Zeit gibt es in jedem Erdteil Konflikte auf ethnischer Grundlage, und es ist klar, dass die Errichtung des Staates Israel den Konflikt auf ethnischer Grundlage für die aus der Diaspora zurückkehrenden Juden nicht beendet hat.

In der Tat legt mein Überblick über die Forschung über den Kontakt zwischen mehr oder weniger undurchlässigen Gruppen in historischen Gesellschaften sehr deutlich die allgemeine Regel nahe, dass die Konkurrenz zwischen den Gruppen und die Überwachung des Erfolges der Innen- und Außengruppe die Norm sind. Diese Resultate decken sich in hohem Maße mit der psychologischen Forschung über gesellschaftliche Identitätsprozesse, die in Separation and Its Discontents (Kapitel 1) besprochen werden. Aus evolutionärer Sicht bestärken diese Ergebnisse die Erwartung, dass das ethnische Eigeninteresse bei menschlichen Angelegenheiten tatsächlich von Bedeutung ist, und offensichtlich bleibt die Ethnizität in der zeitgenössischen Welt eine verbreitete Quelle der Gruppenidentität. Die Menschen scheinen sich ihrer Gruppenmitgliedschaft bewusst zu sein, und sie verfügen über eine allgemeine Tendenz, Außengruppen abzuwerten und mit ihnen zu konkurrieren. Auch sind sich Individuen leidenschaftlich des relativen Ranges ihrer eigenen Gruppe in Bezug auf Ressourcenkontrolle und relativen Fortpflanzungserfolg bewusst. Sie sind auch willens, außergewöhnliche Schritte zu unternehmen, um ökonomische und politische Macht zur Verteidigung dieser Gruppengebote zu erringen und inne zu behalten.

Die Vermutung des ethnischen Separatismus vorausgesetzt, ist es lehrreich, über die Umstände nachzudenken, welche aus einer evolutionären Perspektive heraus den Gruppenkonflikt minimieren würden. Theoretiker des kulturellen Pluralismus, wie etwa Horace Kallen (1924), haben ein Szenario ins Auge gefasst, in welchem unterschiedliche ethnische Gruppen ihre bestimmte Identität im Kontext einer völligen politischen Gleichheit und unbeschränkten wirtschaftlichen Möglichkeiten beibehalten. Aus einer evolutionären Perspektive (und selbst vom Standpunkt des gesunden Menschenverstandes aus) besteht die Schwierigkeit mit diesem Szenario darin, dass keine Bestimmungen in Bezug auf die Ergebnisse der Konkurrenz um Ressourcen und den Fortpflanzungserfolg innerhalb der Gesellschaft getroffen werden. Tatsächlich waren die Resultate ethnischen Haders in Kallens Tagen sichtbar, aber „Kallen erhob seine Augen über den Streit, der um ihn herum schwirrte, in einen ideellen Bereich, in dem Verschiedenheit und Harmonie nebeneinander leben“ (Higham 1984, 209).

Unter den günstigsten Umständen könnte man annehmen, dass separierte ethnische Gruppen sich in absoluter Reziprozität miteinander einlassen, so dass es keine Unterschiede in Form von wirtschaftlicher Ausbeutung einer ethnischen Gruppe durch die andere gäbe. Mehr noch, es gäbe keine Unterschiede in irgendeinem Maß für Erfolg in der Gesellschaft, einschließlich der Mitgliedschaft in gesellschaftlichen Klassen, der ökonomischen Rolle (beispielsweise Produzent versus Konsument; Schuldner versus Gläubiger; Manager versus Arbeiter) sowie der Fertilität zwischen den separierten ethnischen Gruppierungen. Alle Gruppen hätten eine annähernd gleichgroße Anzahl und gleiche politische Macht; oder wenn die Anzahl verschieden wäre, dann würden Vorkehrungen existieren, um sicherzustellen, dass sich die Minderheiten eine gerechte Repräsentanz in Bezug auf die Zeichen für gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Erfolg bewahren können. Solche Bedingungen würden die Feindseligkeit zwischen den Gruppen minimieren, da die Zuordnung des eigenen Status zur Handlung der anderen Gruppe schwierig wäre.

Wie auch immer, die Existenz der ethnischen Separierung vorausgesetzt, wäre es immer noch im Interesse jeder Gruppe, die eigenen Interessen auf Kosten der anderen Gruppen voranzubringen. Alle anderen Dinge als gleich vorausgesetzt, wäre eine bestimmte ethnische Gruppe besser dran, wenn sie sicherstellte, dass die anderen Gruppen weniger Ressourcen, einen geringeren sozialen Status, eine niedrigere Fertilität sowie verhältnismäßig weniger politische Macht als sie selbst hätten. Der unveränderliche Zustand der Gleichheit impliziert deshalb einen Satz von Beziehungen des Machtgleichgewichtes – jede Seite überprüft dauernd alles, um sicherzustellen, dass die andere nicht betrügt; jede Seite sucht immerfort nach Wegen, mit jedem denkbaren Mittel zu herrschen und auszubeuten; jede Seite ist nur aufgrund der Drohungen der anderen Seite zu Vergeltung zu Kompromissen bereit; jede Seite ist nur zur Zusammenarbeit auf eigene Kosten bereit, wenn sie dazu gezwungen wird, zum Beispiel in Gegenwart einer äußeren Bedrohung. Es ist klar, dass keine Art von Kooperation, die wahrhaften Altruismus gegenüber der anderen Gruppe beinhaltet, erwartet werden kann.

Somit würde die vollkommene Situation der absoluten Gleichheit in Bezug auf die Ressourcenkontrolle und den Fortpflanzungserfolg sicherlich ein großes Maß an Überwachung verlangen, und sie wäre zweifellos von einem hohen Maß an wechselseitigen Verdächtigungen charakterisiert. Wie auch immer, in der realen Welt ist selbst dieses schlimme Ideal sehr unwahrscheinlich. In der realen Welt unterscheiden sich ethnische Gruppen in ihren Talenten und Fähigkeiten; sie unterscheiden sich in ihrer Anzahl, Fertilität und dem Ausmaß, in dem sie Praktiken der Elternschaft ermutigen, die als zum Erwerb von Ressource führend gelten; sie unterscheiden sich auch in den Ressourcen, die sie zu einem bestimmten Zeitpunkt besitzen und in ihrer politischen Macht. Gleichheit beziehungsweise proportionale Gerechtigkeit sind extrem schwierig zu erreichen oder beizubehalten, nachdem sie erreicht wurden, ohne einen außerordentlich hohen Grad an Überwachung und ohne extrem intensive Sozialkontrollen, um ethnische Quoten zur Anhäufung von Reichtum, Zugang zu den Universitäten und Posten mit hohem Status und so weiter durchzusetzen.

Weil ethnische Gruppen unterschiedliche Talente und Fähigkeiten sowie differierende Stile der Elternschaft haben, würden, abhängig von der ethnischen Gruppenmitgliedschaft, variable Kriterien für die Qualifikation und das Beibehalten von Arbeitsverhältnissen benötigt. Mehr noch, das Erreichen einer Parität zwischen Juden und anderen ethnischen Gruppen würde einen hohen Grad an Diskriminierung zwischen individuellen Juden bei der Zulassung zu den Universitäten oder dem Zugang zu Beschäftigungsmöglichkeiten zur Folge haben und sogar eine hohe Besteuerung der Juden mit sich bringen, um den jüdischen Vorteil beim Besitz von Reichtum auszugleichen, da die Juden gegenwärtig unter den Wohlhabenden und den Erfolgreichen in den Vereinigten Staaten gewaltig überrepräsentiert sind. Dies wäre besonders dann der Fall, wenn die Juden als gesonderte ethnische Gruppierung von den nichtjüdischen europäischstämmigen Amerikanern unterschieden werden würden. Tatsächlich bestand der schlussendliche Werdegang vieler der New York Intellectuals darin, vom Stalinismus weg zu Neokonservativen zu werden, die beredte Opponenten der affirmative action sowie der Quotenmechanismen zur Ressourcenumverteilung wurden. (Sachar (1992, 818 ff.) erwähnt Daniel Bell, Sidney Hook, Norman Podhoretz, Irving Howe, Irving Kristol, Nathan Glazer, Charles Krauthammer sowie Earl Raab als Gegner der affirmative action.) Jüdische Organisationen (darunter die ADL, das American Jewish Committee und der American Jewish Congress) haben ähnliche Positionen übernommen (Sachar 1992, 818 ff.).

In der realen Welt müssten deshalb außergewöhnliche Anstrengungen unternommen werden, um diesen unveränderlichen Zustand des ethnischen Gleichgewichtes der Macht und der Ressourcen zu erreichen. Interessanterweise schloss die Ideologie der jüdisch-nichtjüdischen Koexistenz manchmal die Idee ein, dass die verschiedenen ethnischen Gruppen ein ähnliches Beschäftigungsprofil entwickelten und implizit die Ressourcen im Verhältnis zu ihrer Anzahl kontrollierten. Beispielsweise verbot im mittelalterlichen Frankreich eine Verordnung von Ludwig IX aus dem Jahre 1254 den Juden, sich im Geldverleih gegen Zinsen zu betätigen und ermutigte sie, von körperlicher Arbeit oder dem Handel zu leben (siehe Richard 1992, 162). Im Neunzehnten Jahrhundert war es der Traum der deutschen Assimilationisten, dass nach der Emanzipation das Beschäftigungsprofil der Juden jenes der Nichtjuden widerspiegele – eine „utopische Erwartung,… die von vielen Juden und Nichtjuden gleichermaßen geteilt wurde“ (Katz 1986, 67). Anstrengungen wurden unternommen, um den Prozentsatz der Juden, die sich im Handel betätigten, zu senken und jene Prozentanteile, die sich in der Landwirtschaft und im Kunsthandwerk betätigten, zu erhöhen. Am Ende war das Ergebnis der Emanzipation jedoch, dass die Juden unter der wirtschaftlichen und kulturellen Elite enorm überrepräsentiert waren, was ein entscheidendes Merkmal des deutschen Antisemitismus zwischen 1870 und 1933 ausmachte (siehe Separation and Its Discontents, Kapitel 5).

Ähnlich war es in den Zwanziger Jahren, als die Vereinigten Staaten versuchten, mit der jüdischen Konkurrenz an den prestigeträchtigen Privatuniversitäten zurechtzukommen. Pläne wurden vorgestellt, in denen jeder ethnischen Gruppierung ein Prozentanteil der Plätze in Harvard zugesprochen wurde, der ihren Prozentsatz an den rassischen und nationalen Gruppierungen in den Vereinigten Staaten widerspiegelte (Sachar 1992, 329). Eine ähnliche Politik – immerfort von jüdischen Organisationen gerügt – entwickelte sich zu dieser Zeit auch in Zentraleuropa (Hagen 1996). Eine solche Politik spiegelt sicherlich die Bedeutung der Ethnizität in den menschlichen Belangen wider, aber der soziale Spannungsgrad ist chronisch hoch. Mehr noch, es gibt selbst dann einen beträchtlichen Wandel in der ethnischen Kriegsführung, wenn durch intensive gesellschaftliche Kontrollen eine genaue Parität erreicht wurde: Wie oben angezeigt wurde, liegt es immer im Interesse einer jeden ethnischen Gruppierung, die Hegemonie über die anderen zu gewinnen.

Wenn man ein Modell des kulturellen Pluralismus übernimmt, das den freien Wettbewerb um Ressourcen und Fortpflanzungserfolg beinhaltet, dann sind Unterschiede zwischen den ethnischen Gruppen unausweichlich; aus einer evolutionären Perspektive ergibt sich die sehr wahrscheinliche Voraussage, dass solche Differenzen in Animosität von Seiten der unterlegenen Gruppe resultieren werden. Nach der Emanzipation bestand unter den Juden in den westlichen Gesellschaften eine machtvolle Tendenz zu einer aufwärts strebenden, sozialen Mobilität hin, einschließlich einer großen Überrepräsentanz in den Fachwissenschaften wie auch im Geschäftsleben, der Politik sowie dem Kulturbetrieb. Gleichzeitig gab es Ausbrüche von Antisemitismus, die häufig unter Gruppen ihren Ursprung hatten, welche sich in diesem Ressourcenwettbewerb unterlegen fühlten, oder die der Meinung waren, dass die geschaffene Kultur nicht ihrem Interesse entspräche. Wenn uns die Geschichte des Judaismus etwas erzählt, dann ist es, dass ein selbst auferlegter, ethnischer Separatismus dazu tendiert, zu einer Ressourcenkonkurrenz auf der Grundlage der Gruppenzugehörigkeit und in der Konsequenz zu Hass, Ausweisung und Verfolgung zu führen. Wenn man davon ausgeht, dass ethnische Unterschiede hinsichtlich Talenten und Fähigkeiten bestehen, dann verlangt die Annahme, dass der ethnische Separatismus eine stabile Situation ohne ethnische Animosität schaffen könne, entweder eine Situation eines Machtgleichgewichtes durch die Beibehaltung intensiver sozialer Kontrollen, wie oben beschrieben, oder sie verlangt, dass zumindest einige ethnische Gruppen keine Probleme damit haben, dass sie im Wettbewerb verlieren.

Ich betrachte die letztere Möglichkeit langfristig als unwahrscheinlich. Dass eine ethnische Gruppe sich um ihren eigenen Untergang oder ihre Beherrschung keine Sorgen macht, wird sicherlich von keinem Evolutionsbiologen und tatsächlich auch von keinem Befürworter sozialer Gerechtigkeit, was auch immer seine Ideologie sei, erwartet. Nichtsdestotrotz, dies ist in der Tat die implizite Moralität der Kritik mehrerer Historiker in Bezug auf das Verhalten der Spanier gegenüber den Juden und Marranos während der Inquisition und Vertreibung, wie etwa in den Schriften von Benzion Netanyahu (1995), der manchmal ganz offen die Unfähigkeit der Spanier zu verachten scheint, mit den Neuen Christen zu konkurrieren, ohne auf die Gewalt der Inquisition zurückzugreifen. Aus dieser Sicht hätten die Spanier ihre Minderwertigkeit einsehen und sich der ökonomischen, gesellschaftlichen und politischen Herrschaft einer anderen ethnischen Gruppe fügen sollen. Solch eine „Moralität“ wird der Gruppe, die den Wettbewerb verliert, wahrscheinlich nicht gefallen und aus einer evolutionären Perspektive ist das überhaupt nicht überraschend. Goldwin Smith (1894/1972, 261) vertrat vor über einem Jahrhundert einen ähnlichen Standpunkt:

Eine Gemeinschaft hat ein Recht darauf, ihr Gebiet und ihre nationale Integrität gegen Invasoren zu verteidigen, sei deren Waffe das Schwert oder die Zwangsvollstreckung. Auf dem Gebiet der italienischen Republiken war es, soweit wir ersehen können, den Juden erlaubt, Land zu kaufen und es landwirtschaftlich zu nutzen, wenn sie dies wünschten. Zuvor jedoch waren sie völlig an den Handel gewöhnt. Unter dem stürzenden Reich waren sie die größten Sklavenhändler, sie kauften die Kriegsgefangenen von barbarischen Invasoren und handelten wahrscheinlich gleichzeitig als allgemeine Makler der Siegesbeute. Sie betraten England im Gefolge der normannischen Eroberer. Es bestand, darüber gibt es keinen Zweifel, ein unaufhörlicher Streit zwischen ihrer Verschlagenheit und der rohen Gewalt der Bevölkerungen des Lehnswesens. Aber welchen moralischen Vorzug hat die Verschlagenheit über die Gewalt? Mr. Arnold White erzählt den Russen, dass wenn sie der jüdischen Intelligenz freien Lauf ließen, die Juden bald alle hohen Anstellungen und Positionen der Macht, mit der Konsequenz des Ausschlusses der Einheimischen, die sie jetzt besetzen, ausfüllen würden. Die Russen werden von Philosophen, die sich diesen Kelch wahrscheinlich nicht schmecken lassen würden, wenn er ihren eigenen Lippen empfohlen würde, gebeten, dies stillschweigend hinzunehmen und am besten darüber zu frohlocken. Das Gesetz der Evolution, so sagt man, schreibt das Überleben des am besten Angepassten vor. Darauf wird sich der ungebildete Russe berufen, dass wenn seine Gewalt die spitze Intelligenz des Juden schlägt, das Gesetz der Evolution erfüllt sei. Es war eher die Gewalt als die spitze Intelligenz, welche auf dem Feld von Zama entschied, dass der Lateiner, nicht der Semit, das  Altertum beherrschen und die moderne Welt gestalten solle.

Ironischerweise ziehen viele Intellektuelle, welche das evolutionäre Denken und jede Unterstellung, dass das genetische Eigeninteresse in menschlichen Angelegenheiten von Bedeutung sein könne, vorbehaltlos zurückweisen, eine Politik vor, welche fast offensichtlich, im eigenen Interesse ethnozentrisch ist, und sie verdammen häufig das ethnozentrische Verhalten im Eigeninteresse anderer Gruppen, insbesondere jedes Anzeichen darauf, dass die europäischstämmige Mehrheit in den Vereinigten Staaten eine kohäsive Gruppenstrategie und einen hohen Grad an Ethnozentrismus als Reaktion auf die Gruppenstrategien anderer entwickelt. Die Ideologie des ethnischen Separatismus der Minderheitengruppen und die implizite Legitimierung der Gruppenkonkurrenz um Ressourcen sowie die modernere Idee, dass die ethnische Gruppenmitgliedschaft ein Kriterium für die Ressourcenaneignung sein solle, müssen als das angesehen werden, was sie sind: Entwürfe für evolutionäre Gruppenstrategien. Die Geschichte der Juden muss als ein eher tragischer Kommentar auf die Ergebnisse solcher Gruppenstrategien angesehen werden.

Die Bedeutung des Wettbewerbs auf der Grundlage der Gruppe kann gar nicht überschätzt werden. Ich glaube, es ist sehr unwahrscheinlich, dass die westlichen Gesellschaften, die auf Individualismus und Demokratie basieren, die Legitimation der Konkurrenz zwischen undurchlässigen Gruppen, in denen die Mitgliedschaft durch die Ethnizität bestimmt wird, lange überleben können. Die Diskussion in Separation and Its Discontents (Kapitel 3 bis 5) legt in hohem Maße nahe, dass am Ende Gruppenstrategien aufeinandertreffen und dass die Gesellschaften um kohäsive, sich gegenseitig ausschließende Gruppen organisiert werden. Tatsächlich kann die multikulturelle Bewegung in jüngerer Zeit als zu einer zutiefst nicht-westlichen Form der gesellschaftlichen Organisation tendierend betrachtet werden, welche historisch viel eher für die segmentierten Gesellschaften des Mittleren Ostens, die sich um getrennte homogene Gruppierung zentrieren, typisch ist. Wie auch immer, anders als beim multikulturellen Ideal gibt es in diesen Gesellschaften ausgeprägte Beziehungen der Herrschaft und Unterordnung. Während die Demokratie solch segmentierten Gesellschaften recht fremd erscheint, haben die westlichen Gesellschaften als einzige der strukturierten Gesellschaften der Welt individualistische demokratische und republikanische Politikinstitutionen entwickelt. Mehr noch, die Hauptbeispiele für einen westlichen Kollektivismus, und das schließt den deutschen Nationalsozialismus und den iberischen Katholizismus zur Zeit der Inquisition ein, waren von einem intensiven Antisemitismus charakterisiert.

Es besteht damit eine bedeutende Möglichkeit, dass es für individualistische Gesellschaften unwahrscheinlich ist, die innergesellschaftliche Konkurrenz auf Basis der Gruppe, welche sich in den Vereinigten Staaten in steigendem Maße verbreitet hat und intellektuell respektabel wurde, zu überleben. Ich glaube, dass wir in den Vereinigten Staaten gegenwärtig einen unbeständigen Pfad durchlaufen – einen Pfad, der zu ethnischer Kriegsführung und zur Entwicklung kollektivistischer, autoritärer und rassischer Enklaven führt. Obwohl ethnozentrische Überzeugungen und ethnozentrisches Verhalten nur bei ethnischen Minderheiten in den Vereinigten Staaten als moralisch und intellektuell legitim angesehen werden, zeigen die Theorie und die Ergebnisse, die in Separation and Its Discontents präsentiert werden, an, dass die Entwicklung eines ausgeprägteren Ethnozentrismus unter den europäischstämmigen Völkern ein wahrscheinliches Ergebnis der gegenwärtigen Trends sein wird.

Eine Art, die Frankfurter Schule und die Psychoanalyse darzulegen, besteht darin, dass sie mit einigem Erfolg versuchte, in der Terminologie von Paul Gottfried (1998) und Christopher Lasch (1991), einen „therapeutischen Staat“ zu errichten, welcher den Ethnozentrismus der europäischstämmigen Völker sowie deren Versuche, die kulturelle und demographische Herrschaft aufrecht zu erhalten, als krankhaft erklärte. Wie auch immer, ein Ethnozentrismus auf Seiten der europäischstämmigen Mehrheit in den Vereinigten Staaten ist ein wahrscheinliches Ergebnis der in steigendem Maße in Form von Gruppen strukturierten, zeitgenössischen gesellschaftlichen und politischen Landschaft – deshalb wahrscheinlich, weil evolvierte psychologische Mechanismen im Menschen so zu funktionieren scheinen, dass sie die Mitgliedschaft in der Innen- und Außengruppe in Situationen eines Ressourcenwettbewerbs auf Gruppenbasis hervorstechen lassen (siehe Separation and Its Discontents, Kapitel 1). Die Bemühung diese Neigungen zu überwinden, nötigt somit zur Verfügung einer massiven „therapeutischen“ Intervention gegenüber den westlichen Gesellschaften, im Rahmen welcher Manifestationen des Ethnozentrismus der Mehrheit auf mehreren Ebenen, aber zuerst und vor allem durch die Förderung der Ideologie, dass solche Manifestationen eine Indikation vor Geisteskrankheit und ein Grund für Ausschluss, Scham, psychiatrische Intervention und Beratung seien, bekämpft werden. Es ist zu erwarten, dass wenn der ethnische Konflikt in den Vereinigten Staaten weiter eskaliert, in steigendem Maße verzweifelte Versuche unternommen werden, die Ideologie des Multikulturalismus mit ausgefeilten Theorien über die Psychopathologie des Ethnozentrismus der Mehrheitsgruppe abzustützen sowie Kontrollen gemäß der Art eines Polizeistaates in Bezug auf nicht konformes Denken und Verhalten zu errichten.

Ich vermute, dass ein Hauptgrund dafür, dass einige nichtjüdische rassische und ethnische Gruppen den Multikulturalismus übernommen haben, darin besteht, dass sie in einer individualistischen ökonomischen und kulturellen Arena nicht erfolgreich konkurrieren können. Als Ergebnis davon wurde der Multikulturalismus schnell mit der Idee identifiziert, dass jeder Gruppierung ein proportionales Maß an wirtschaftlichem und kulturellem Erfolg zukommen sollte. Wie oben angezeigt, könnte die daraus resultierende Situation jüdischen Interessen widersprechen. Aufgrund ihrer hohen Intelligenz und ihrer ausgeprägten Fähigkeit, sich Ressourcen anzueignen, ziehen die Juden aus der Politik der affirmative action und anderen Ansprüchen auf Grundlage der Gruppe, welche gewöhnlich von Minderheitengruppen mit niedrigem gesellschaftlichem Status befürwortet werden, keinen Nutzen. Somit geraten die Juden mit anderen, sich ethnisch identifizierenden Minderheitengruppen, die den Multikulturalismus für ihre eigenen Zwecke nutzen, in Konflikt. (Nichtsdestotrotz, aufgrund ihres Wettbewerbsvorteiles innerhalb der weißen, europäischstämmigen Gruppe, in welcher sie gegenwärtig klassifiziert sind, könnten die Juden sich selbst unter der Annahme, dass sie keine spürbaren Wirkungen erleiden werden, als Nutznießer einer Politik verstehen, welche dazu entworfen ist, die Macht der europäischstämmigen Gruppe als Ganzes zu schwächen. Trotz des offiziellen Widerstandes der jüdischen Organisationen gegen Bevorzugungen auf Gruppenbasis, stimmten Juden in der Tat in ausgesprochen geringeren Prozentanteilen als die anderen europäischstämmigen Gruppen für eine Maßnahme gegen die affirmative action in Kalifornien.)

Obwohl die multikulturalistische Ideologie von jüdischen Intellektuellen erfunden wurde, um die Fortsetzung des Separatismus und des Ethnozentrismus als Minderheitengruppe in einem modernen westlichen Staat zu rationalisieren, könnten mehrere der Instantiierungen des Multikulturalismus in jüngerer Zeit schließlich ein Ungeheuer mit negativen Konsequenzen für den Judaismus produzieren. Irving Louis Horowitz (1993, 89) merkt das Entstehen von Antisemitismus in der akademischen Soziologie an, als diese Fakultäten zunehmend mit Individuen besetzt wurden, die sich für eine ethnische politische Agenda engagierten und die jüdische Dominanz in der Soziologie unter einem negativen Vorzeichen betrachteten. Von manchen multikulturalistischen Ideologen geht ein starker Hang zum Antisemitismus aus, insbesondere von afrozentrischen Ideologen (Alexander 1992), und Cohen (1998, 45) befindet, dass „der Multikulturalismus heutzutage häufig mit einem Segment der Linken identifiziert wird, welches, um es plump zu auszudrücken, ein jüdisches Problem hat“. In jüngerer Zeit hat die Nation of Islam, die von Louis Farrakhan angeführt wird, eine offen antisemitische Rhetorik angenommen. Afrozentrismus wird oft mit rassischen Ideologien assoziiert, wie etwa jenen von Molefi Asante (1987), in welchen die Ethnizität als moralisch saubere Grundlage der Eigenidentität und des Selbstwertgefühls betrachtet wird und in denen eine enge Beziehung zwischen Ethnizität und Kultur besteht. Die westlichen Ideale der Objektivität, des Universalismus, des Individualismus, der Rationalität und der wissenschaftlichen Methode werden aufgrund ihrer ethnischen Ursprünge zurückgewiesen. Asante bejaht eine naive Rassentheorie, gemäß der die Afrikaner (das „Sonnenvolk“) gegenüber den Europäern (das „Eisvolk“) als überlegen betrachtet werden.

Solche Bewegungen spiegeln ähnliche jüdische Ideologien wider, welche eine machtvolle Beschäftigung mit der jüdischen Ethnizität rationalisieren und versuchen, Gefühle ethnischer Überlegenheit innerhalb der Gruppe hervorzurufen. Diese Ideologien waren über die jüdische intellektuelle Geschichte hinweg verbreitet und die dauerhafteste von ihnen verkörperte sich in der Idee des Auserwählt-Seins und des Konzeptes des „Lichts der Nationen“. In Separation and Its Discontents (Kapitel 7) werden Belege besprochen, die anzeigen, dass jüdische Geschichtsschreiber und Intellektuelle, beginnend in der Antike, häufig versuchten, zu zeigen, dass nichtjüdische Kultureinflüsse spezifisch jüdische Präjudizien hatten oder sogar, dass verschiedene nichtjüdische Philosophen und Künstler tatsächlich Juden waren. Diese Tradition wurde in jüngerer Zeit von zwei sephardischen Juden, Martin Bernal (1987) mit seinem Buch Black Athena und José Faur (1992) mit seinem Buch In the Shadow of History: Jews and Conversos at the Dawn of Modernity, weitergeführt.

In der Tat, es mag seit der Aufklärung sehr wohl eine allgemeine Entwicklung geben, in der jüdische Intellektuelle an der Spitze säkularer politischer Bewegungen, wie etwa der Bewegung des kulturellen Pluralismus, standen, die beabsichtigten, jüdischen Interessen zu dienen aber auch Segmente der nichtjüdischen Bevölkerung anzuziehen. Zudem ist eine Entwicklung dahingehend sichtbar, dass diese Bewegungen schließlich als Ergebnis des Antisemitismus innerhalb genau jenes Segments der nichtjüdischen Bevölkerung zersplittern, den die Ideologie anzuziehen versuchte und dass die Juden diese Bewegungen aufgeben und danach trachten, ihre Interessen mit anderen Mitteln zu verfolgen.

So wurde hier angemerkt, dass Juden in diesem Jahrhundert eine prominente Rolle auf Seite der politischen Linken spielten. Wir haben auch gesehen, dass als Ergebnis des Antisemitismus unter Nichtjuden auf der Linken oder auf Seiten kommunistischer Regierungen, die Juden schließlich die Linke verließen oder ihre eigene Sorte des Links-Seins entwickelten, bei welcher der linke Universalismus mit dem Primat der jüdischen Identität und der jüdischen Interessen kompatibel war.1 Gore Vidal (1986) ist ein prominentes Beispiel für einen nichtjüdischen linken Intellektuellen, welcher der Rolle neokonservativer Juden bei der Erleichterung der Propaganda für das US-Militär und dessen Bündnis mit konservativen politischen Kräften zugunsten der Hilfe für Israel sehr kritisch gegenüber stand – Vorwürfe, die so interpretiert werden, als ob sie wegen ihrer Implikation, dass amerikanische Juden die Interessen Israels den amerikanischen Interessen überordnen, Antisemitismus implizieren (Podhoretz 1986). Vidal meint auch, dass der Neokonservatismus von dem Wunsch der Juden geleitet wird, ein Bündnis mit nichtjüdischen Eliten als Verteidigung gegen mögliche antisemitische Bewegungen, welche in Zeiten einer ökonomischen Krise auftauchen könnten, einzugehen.

Tatsächlich war die Furcht vor Antisemitismus auf der Linken ein Hauptantrieb für die Gründung der neokonservativen Bewegung (siehe Gottfried 1993, 80) – der finale Ruhepunkt vieler der New York Intellectuals, deren intellektuelle und politische Entwicklung in Kapitel 6 besprochen wurde. Wie Gottfried aufzeigt, bestand der kumulative Effekt des Neokonservatismus und dessen gegenwärtige Hegemonie über die konservative politische Bewegung in den Vereinigten Staaten (teilweise erreicht durch dessen großen Einfluss auf die Medien und in Stiftungen) darin, die konservative Bewegung zum Zentrum hin zu verschieben und tatsächlich auch die Grenzen der konservativen Legitimität zu definieren. Ganz klar, diese Grenzen der konservativen Legitimität definieren sich dadurch, ob sie mit spezifisch jüdischen Gruppeninteressen in Bezug auf eine minimale Beschränkung der Einwanderungspolitik, der Unterstützung für Israel, einer globalen Demokratie, dem Widerstand gegenüber Quoten und der affirmative action sowie vielem mehr konfligieren.

Wie auch immer, William F. Buckley (1992) verweist in seinem Buch In Search of Anti-Semitism darauf, dass die Allianz zwischen den nichtjüdischen Paläokonservativen und den jüdischen Neokonservativen in den Vereinigten Staaten zerbrechlich ist, und es mehrere Anschuldigungen von Antisemitismus unter den Paläokonservativen gibt. Ein großes Maß dieser Schwierigkeit leitet sich von der Spannung zwischen den nationalistischen Tendenzen eines wichtigen Segmentes des US-Konservatismus und der Vorstellung zumindest einiger nichtjüdischer Konservativer ab, dass der jüdische Neokonservatismus im Wesentlichen ein Werkzeug zur Verfolgung eng gefasster, sektiererischer jüdischer Interessen sei, insbesondere im Hinblick auf den Staat Israel, die Trennung von Kirche und Staat sowie der affirmative action.2 Mehr noch, das neokonservative Engagement für viele Aspekte der konservativen sozialen Agenda ist bestenfalls halbherzig (Gottfried 1993). Am wichtigsten ist, dass die Neokonservativen etwas anstreben, das im Wesentlichen eine ethnische Agenda in Bezug auf die Immigration ist, während sie sich den ethnozentrischen Interessen der Paläokonservativen bei der Beibehaltung ihrer ethnischen Hegemonie widersetzen. Die ethnische Agenda der Neokonservativen kann auch in ihrer Förderung der Idee gesehen werden, dass die Vereinigten Staaten eher eine hochgradig interventionistische Außenpolitik, welche auf eine weltweite Demokratie und die Interessen des Staates Israel abzielt, verfolgen sollten als die spezifischen nationalen Interessen der Vereinigten Staaten (Gottfried 1993). Der Neokonservatismus hat auch einen jüdischen Einfluss auf die amerikanische konservative Bewegung ausgeübt, welche ein Gegengewicht zu der starken Tendenz unter Juden bildet, liberale und linke politische Kandidaten zu unterstützen. Den ethnischen jüdischen Interessen ist am besten mit der Beeinflussung beider großen Parteien auf einen Konsens in jüdischen Belangen gedient, und, wie oben angezeigt wurde, hat der Neokonservatismus dazu gedient, die Grenzen der konservativen Legitimität auf eine Art und Weise zu definieren, die sich an jüdische Interessen anpasst.

Wann immer sich Antisemitismus entwickelt, beginnen die Juden genau jene Bewegungen aufzugeben, denen sie ursprünglich den intellektuellen Anstoß vermittelten. Dieses Phänomen könnte auch im Fall des Multikulturalismus auftreten. Tatsächlich sind viele der prominentesten Opponenten des Multikulturalismus jüdische Neokonservative sowie Organisationen wie die National Association of Scholars (NAS), die eine große jüdische Mitgliederschaft haben. (Die NAS ist eine Organisation von Akademikern, welche einigen der krassesten Exzesse des Feminismus und Multikulturalismus in den Universitäten Widerstand entgegenbringt.) Es könnte deshalb sehr wohl der Fall sein, dass der jüdische Versuch, sich mit säkularen politischen Ideologien zu verknüpfen, welche Nichtjuden gefallen, langfristig zum Scheitern verurteilt sein wird. Ginsberg (1993, 224 ff.) verweist im Wesentlichen auf diesen Punkt, wenn er anmerkt, dass es in immer höherem Maße Belege für Antisemitismus unter amerikanischen Liberalen, Konservativen und populistischen Radikalen gibt.

Der Fall des Multikulturalismus ist als jüdische Strategie besonders problematisch. In diesem Fall könnte man sagen, dass die Juden sowohl das Eine als auch das Andere wollen. „Die Juden stecken häufig zwischen einer glühenden Bekräftigung der Aufklärung und einer Kritik an ihr. Viele Juden glauben, dass die Ersetzung des aufklärerischen Ideals der Universalität durch eine Politik des Unterschiedes und der fragmentierten ‚Multikultur‘ eine Bedrohung der jüdischen Errungenschaften bedeuten könnte. Gleichzeitig anerkennen sie die Gefahren einer homogenen ‚Monokultur‘ für die jüdische Besonderheit… (Die Juden) trachten danach, die Tugenden der Aufklärung von den Scherben ihres Scheiterns zu befreien und erretten sich eine umfassende Vision des Multikulturalismus, in welcher nun die Zersplitterung und Teilung herrschen“ (Biale, Galchinsky & Heschel 1998, 7). Multikulturelle Gesellschaften mit ihrer konsequenten Fragmentierung und ihren chronischen Spannungen werden langfristig den jüdischen Bedürfnissen nicht gerecht werden, selbst wenn sie am Ende die demographische und kulturelle Dominanz der Völker europäischen Ursprungs in jenen Ländern, in denen sie beherrschend gewesenen waren, untergraben.

Dies legt seinerseits eine grundsätzliche und unauflösliche Spannung zwischen dem Judaismus und der prototypischen westlichen politischen und gesellschaftlichen Struktur nahe. Sicherlich legt die sehr lange Geschichte des Antisemitismus in westlichen Gesellschaften und sein wiederholtes Wiederaufkommen nach Latenzperioden solch eine Ansicht nahe. Die Unvereinbarkeit des Judaismus mit der westlichen Kultur kann auch in der Tendenz individualistischer westlicher Kulturen gesehen werden, die Kohäsion der jüdischen Gruppe niederzureißen. Wie Arthur Ruppin (1934, 339) in der ersten Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts anmerkte, sind alle modernen Manifestationen des Judaismus, von der Neo-Orthodoxie bis hin zum Zionismus, Antworten auf die nagenden Auswirkungen der Aufklärung auf den Judaismus – ein Satz von Verteidigungsstrukturen, welche gegen „den zerstörerischen Einfluss der europäischen Zivilisation“ errichtet wurden. Und auf einer theoretischen Ebene gibt es einen sehr klaren Grund dafür anzunehmen, dass der westliche Individualismus unvereinbar mit einem Ressourcenkonflikt auf Gruppenbasis ist, welcher die stetige Konsequenz des in Erscheinung Tretens eines machtvollen Judaismus in den westlichen Gesellschaften war (siehe Separation and Its Discontents, Kapitel 3 bis 5).

Ein Aspekt dieser Reibung wird in Alan Ryans (1994, 11) Besprechung des „latenten Widerspruchs“ in der politischen Überzeugung von Richard J. Herrnstein und Charles Murray, den Autoren des hochgradig kontroversen Bandes The Bell Curve: Intelligence and Class Structure in American Life, treffend angesprochen. Ryan erklärt: „Im Grunde genommen wünscht sich Herrnstein eine Welt, in der sich gescheite jüdische Kinder, oder ihre Entsprechungen dazu, ihren Weg aus den bescheidenen Zusammenhängen bahnen und am Ende Goldman Sachs oder die physikalische Fakultät in Harvard leiten, während Murray sich den Mittleren Westen wünscht, in dem er aufwuchs – eine Welt, in welcher der örtliche Mechaniker sich kein bisschen darum schert, ob er klüger sei als der örtliche Mathematiklehrer oder nicht. Das Problem ist, dass die erstere Welt die zweite stürzt, während sich die zweite vor der Nähe der Nutznießer der ersteren fürchtet.“3

Die Sozialstruktur, deren Akzeptanz hier Murray zugeordnet wird, fasst eine gemäßigt individualistische Gesellschaft ins Auge, eine Gesellschaft, die auf Leistung beruht und hierarchisch ist, aber auch einen inneren Zusammenhalt hat und kulturell und ethnisch homogen ist. Es ist eine Gesellschaft mit einer Harmonie zwischen den sozialen Klassen und mit einer sozialen Kontrolle gegenüber einem extremen Individualismus der Elite.

Es bestand eine machtvolle westliche Tendenz, spätestens beginnend im Mittelalter, aber ich meine, sie war schon in der klassischen römischen Zivilisation der Republik gegenwärtig, solche Gesellschaften zu entwickeln. Das Ideal einer hierarchischen Harmonie war für das Sozialprogramm der katholischen Kirche, beginnend im späten Römischen Reich und seinen Höhepunkt im Hochmittelalter erreichend, zentral (MacDonald 1995c; Separation and Its Discontents, Kapitel 5). Dieses Ideal wird auch an einem kräftigen Strang der deutschen Geistesgeschichte, welcher im Achtzehnten Jahrhundert mit Herder begann, sichtbar. Ein ganz zentrales Merkmal dieser prototypischen westlichen hierarchischen Harmonie war die gesellschaftliche Auferlegung der Monogamie als eine Form der reproduktiven Nivellierung, welche die Verknüpfung von Reichtum und Fortpflanzungserfolg dämpfte. Aus einer evolutionären Perspektive erreichen westliche Gesellschaften ihren inneren Zusammenhalt damit, dass hierarchische gesellschaftliche Beziehungen entschieden von reproduktiven Konsequenzen getrennt werden.

Solch eine Welt wird von oben durch die Herrschaft einer individualistischen Elite ohne Verpflichtung zur Verantwortlichkeit für Individuen mit einem niedrigeren Status, welche weniger intellektuelle Fähigkeiten, Talent oder finanzielle Ressourcen haben mögen, bedroht. Sie wird aus ihrer Mitte heraus durch die Entwicklung einer Gesellschaft bedroht, welche auf eine Reihe ethnisch getrennter, chronisch konkurrierender, hochgradig undurchlässiger Gruppen gründet, wie dies historisch durch den Judaismus repräsentiert wurde und gegenwärtig von den Verfechtern des Multikulturalismus als Gesellschaftsmodell ins Auge gefasst wird. Und sie wird von unten von einer anwachsenden Unterschicht von Menschen mit jenen Attributen bedroht, die Herrnstein und Murray beschrieben haben: intellektuell inkompetent und ungenügend gewissenhaft, um die meisten Arten von Arbeit zu verrichten; unverantwortlich und unfähig als Eltern; oft von öffentlicher Beihilfe abhängig; anfällig für kriminelles Verhalten, psychiatrische Störungen sowie für Drogenmissbrauch; und demographisch schnell anwachsend. Solche Menschen sind unfähig, ökonomisch, gesellschaftlich oder kulturell zu einer Gesellschaft des späten Zwanzigsten Jahrhunderts oder tatsächlich zu jeder menschlichen Zivilisation, die sich durch einen wesentlichen Grad an Gegenseitigkeit, Voluntarismus und Demokratie auszeichnet, beizutragen.

Vorausgesetzt, das fortgesetzte Bestehen des Judaismus impliziere, dass die Gesellschaft sich weiterhin aus konkurrierenden, mehr oder weniger undurchlässigen Gruppen zusammensetze, müsste man eine neokonservative Verwerfung des Multikulturalismus als Mangel an intellektueller Konsistenz ansehen. Das neokonservative Rezept für die Gesellschaft umfasst eine ganz bestimmte Sorte des Multikulturalismus, in welcher die Gesellschaft als Ganzes kulturell in Teile zersplittert und sozial atomisiert wird. Diese gesellschaftlichen Attribute lassen nicht nur eine jüdische Aufwärtsmobilität zu, sondern sind auch mit der Entwicklung hochgradig kohäsiver, antisemitischer Gruppierungen von Nichtjuden unvereinbar; sie sind außerdem mit Ansprüchen auf Gruppenbasis sowie mit Programmen der affirmative action, welche Juden notwendigerweise diskriminieren würden, unvereinbar. Wie Horowitz (1993, 86) bemerkt: „Hohe Grade kultureller Zersplitterung, verknüpft mit religiösen Optionen, werden wahrscheinlich auf relativ wohlwollende Formen des Antisemitismus, verknüpft mit stabilen jüdischen Umständen, treffen. Eine zu vermutende jüdische Geschicklichkeit und Brillianz wird unter solch pluralistischen Bedingungen schnell hervortreten, wie eine Geschicklichkeit dieser Art mit gleicher Plötzlichkeit unter politisch monistischen oder totalitären Bedingungen verschwindet.“

Jüdische Neokonservative finden sich schnell mit einer radikal individualistischen Gesellschaft ab, von welcher man erwarten kann, dass Juden darin ökonomisch, politisch sowie kulturell dominierend sein würden, während sie zu den niederen (überproportional nichtjüdischen) Schichten nur eine minimale Bindung hätten. Solch eine Gesellschaft wird wahrscheinlich einen extremen sozialen Druck zum Ergebnis haben, weil die verantwortliche untere Mittelschicht in eine immer bedenklichere wirtschaftliche und politische Situation versetzt wird. Wie im Fall der intellektuellen Aktivitäten der Frankfurter Schule steht das jüdische neokonservative Rezept für die Gesellschaft als Ganzes auf radikale Art der Strategie für die Innengruppe entgegen. Der traditionelle Judaismus, und in einem beträchtlichen Maße der zeitgenössische Judaismus, gewannen ihre Stärke nicht nur von Seiten ihrer intellektuellen und unternehmerischen Elite, sondern auch aus der unerschütterlichen Treue der verantwortungsbewussten, hart arbeitenden Juden mit niedrigerem Status und weniger Talent, welche ihn förderten. Und es muss hier betont werden, dass historisch die Volksbewegungen, welche versuchten diesen prototypischen westlichen Zustand der hierarchischen Harmonie im Gegensatz zur Ausbeutung durch individualistische Eliten und der Spaltung durch Konflikte zwischen Gruppen wiederherzustellen, häufig intensive antisemitische Obertöne hatten.

Mehr noch, in einem beträchtlichen Maße war das font et origo der Gesellschaftspolitik und der kulturellen Verschiebungen, welche jene gefährliche Situation zum Ergebnis hatten, die sich nun mit großer Geschwindigkeit in den Vereinigten Staaten entwickelt, die jüdisch dominierten, intellektuellen und politischen Bewegungen, die in diesem Band beschrieben werden. Ich habe versucht, die Rolle dieser Bewegungen zu dokumentieren, insbesondere die linke politische und intellektuelle Bewegung der Sechziger Jahre, welche die westliche Kultur einer radikalen Kritik unterwarf; es ist die Hinterlassenschaft dieser kulturellen Bewegung, welche die Führung bei der Schaffung der intellektuellen Grundlage der multikulturalistischen Bewegung und der Begründung der Gesellschaftspolitik übernahm, welche die Unterschicht sowie die demographische und kulturelle Präsenz nicht-europäischer Völker in den westlichen Gesellschaften expandieren lässt.

Vom Standpunkt dieser linken Kritiker aus gesehen, wird das westliche Ideal einer hierarchischen Harmonie und Assimilation als ein irrationales, romantisches und mystisches Ideal wahrgenommen. Westliche Höflichkeit ist nicht mehr als eine dünne Tünche, welche eine Realität der Ausbeutung und des Konfliktes maskiert – „eine riesige ecclesia super cloacum“ (Cuddihy 1974, 142).4 Es ist in dieser Hinsicht interessant, dass ein grundlegender Strang der soziologischen Theorie, der mit Marx begann, darin bestand, eher den Konflikt zwischen den sozialen Klassen zu betonen als die gesellschaftliche Harmonie. Beispielsweise merkt Irving Louis Horowitz (1993, 75) an, dass ein Ergebnis des massiven Einflusses jüdischer Intellektueller auf die amerikanische Soziologie, welcher in den Dreißiger Jahren des Zwanzigsten Jahrhunderts seinen Anfang nahm, „die Bedeutung Amerikas als eines Experimentes des Einverständnisses der Bedeutung Amerikas als einer Reihe konfligierender Definitionen wich“, einschließlich einer erhöhten Beschäftigung mit der Ethnizität im Allgemeinen.

Historisch war diese Konzeption des Konfliktes sozialer Strukturen typischerweise mit der Idee kombiniert, dass der unausweichliche Kampf zwischen den gesellschaftlichen Klassen nur durch die völlige Nivellierung der wirtschaftlichen und sozialen Ergebnisse behoben werden könne. Dieses letztere Ideal kann dann nur durch die Übernahme einer radikal milieutheoretischen Sicht in Bezug auf die Ursprünge der individuellen Unterschiede hinsichtlich des wirtschaftlichen Erfolgs und anderer kultureller Fertigkeiten erreicht werden, und indem jede Art des individuellen Zu-Kurz-Kommens einer ungleichen Umwelt angelastet wird. Weil diese radikale Milieutheorie wissenschaftlich unbegründet ist, tendiert die Sozialpolitik, welche auf dieser Ideologie basiert, dazu, in einem hohen Grad in sozialem Konflikt wie auch in einem steigenden Überhandnehmen intellektueller Inkompetenz und Sozialpathologie zu resultieren.5

Aus evolutionärer Sicht ist die prototypische westliche Sozialorganisation der hierarchischen Harmonie und des gedämpften Individualismus inhärent instabil, eine Situation, welche zweifellos zu der intensiven dynamischen Natur der westlichen Geschichte beiträgt. Es wurde häufig angemerkt, dass sich in der Geschichte Chinas nichts wirklich änderte. Dynastien, charakterisiert von intensiver Polygynie und gemäßigtem bis extremem politischem Despotismus kamen und gingen, aber es gab keinen grundsätzlichen sozialen Wandel über eine sehr lange Periode der geschichtlichen Zeit. Die Erhebungen, welche bei Betzig (1986) besprochen werden, zeigen an, dass fast dasselbe von der Geschichte der politischen Organisation in anderen strukturierten menschlichen Gesellschaften gesagt werden kann.

Wie auch immer, im Westen ist der oben beschriebene, prototypische Status der gesellschaftlichen Harmonie chronisch instabil. Die einzigartigen Anfangsbedingungen, welche einen signifikanten Grad an Nivellierung der Fortpflanzung mit sich brachten, resultierten in einer hochgradig dynamischen, historischen Leistung (siehe MacDonald 1995c). Die verbreitetste Bedrohung für die hierarchische Harmonie war das individualistische Verhalten von Eliten – eine Tendenz, die einen Evolutionsbiologen kaum überrascht. Somit waren die frühen Phasen der Industrialisierung von dem sich entwirrenden sozialen Material und von hohen Graden an Ausbeutung und Konflikt zwischen den sozialen Klassen charakterisiert. Um ein weiteres Beispiel zu nennen, die Versklavung von Afrikanern bedeutete für die individualistische Elite der Aristokraten in den Südstaaten der Vereinigten Staaten einen kurzfristigen Vorteil, aber sie hatte die Ausbeutung der Sklaven als Ergebnis und war für die Gesellschaft als Ganzes langfristig eine Katastrophe. Wir haben auch gesehen, dass die westlichen Eliten in traditionellen Gesellschaften häufig aktiv jüdische ökonomische Interessen zum Nachteil anderer Sektoren der angestammten Bevölkerung ermutigten, und in mehreren historischen Phasen waren Juden das Instrument individualistischen Verhaltens der nichtjüdischen Eliten und erleichterten dadurch solch individualistisches Verhalten. Die Zusammenarbeit zwischen jüdischen Aktivisten und der Elite der nichtjüdischen Industriellen, die an billigen Arbeitskräften interessiert waren, war zumindest in der Periode vor 1924 von beträchtlicher Bedeutung für die Geschichte der US-Einwanderungspolitik. In jüngerer Zeit riefen Autoren wie Peter Brimelow (1995, 229-232) und Paul Gottfried (1998) zur Wachsamkeit gegenüber einer elitären „Neuen Klasse“ von Internationalisten auf, welche in Opposition zu einem auf ethnischen Bindungen beruhenden Status der Nation stehen und eine Einwanderung, welche die ethnische Homogenität der traditionellen Gesellschaften senkt, ausdrücklich begrüßen. Das Eigeninteresse dieser Gruppierung liegt eher in der Kooperation mit ähnlichen Individuen in anderen Ländern als in der Identifikation mit den niederen Schichten ihrer eigenen Gesellschaft. Obwohl dieser Typus des Internationalismus sich in hohem Maße mit der jüdischen ethnischen Agenda deckt – und Juden sind in dieser Gruppe zweifellos überproportional vertreten – sollten die nichtjüdischen Mitglieder der Neuen Klasse als Verfolger einer individualistischen Agenda im engeren Sinne verstanden werden.

Wie auch immer, der Individualismus der Eliten war nicht die einzige Bedrohung für die westliche hierarchische Harmonie. Wie im Einzelnen in Separation and Its Discontents erzählt, wurde dieses Ideal während kritischer historischer Phasen von intensiven Gruppenkonflikten zwischen dem Judaismus und Segmenten der nichtjüdischen Gesellschaft erschüttert. In heutiger Zeit, vielleicht zum ersten Mal in der Geschichte, wird diese hierarchische Harmonie von der Entwicklung einer Unterschicht bedroht, deren Mitgliederschaft disproportional aus Mitgliedern rassischer und ethnischer Minderheiten besteht und die zudem einen intensiven Konflikt auf Gruppenbasis zum Ergebnis hatte. Insbesondere ist es das große Übergewicht der Afroamerikaner in der amerikanischen Unterschicht, die eine politische Lösung irgendwelcher Art für diese Bedrohung der hierarchischen Harmonie problematisch macht.6

Ich habe nahegelegt, dass es eine fundamentale und unauflösbare Spannung zwischen dem Judaismus und der prototypischen westlichen politischen und sozialen Struktur gibt. Die gegenwärtige politische Situation in den Vereinigten Staaten (und mehreren anderen westlichen Ländern) ist aufgrund der sehr realen Möglichkeit, dass die westeuropäische Tendenz zu einer hierarchischen Harmonie hin eine biologische Grundlage hat, so gefährlich. Der größte Fehler der in diesem Band beschriebenen, jüdisch dominierten, intellektuellen Bewegungen, ist, dass sie versucht haben, die moralische Superiorität von Gesellschaften zu etablieren, welche ein vorgefasstes moralisches Ideal (das mit der Fortführung des Judaismus als einer evolutionären Gruppenstrategie vereinbar ist) verkörpern, anstatt soziale Strukturen, die auf den ethischen Möglichkeiten natürlicherweise vorkommender Typen basieren, zu befürworten.7 Im Zwanzigsten Jahrhundert wurden etliche Millionen Menschen durch den Versuch getötet, marxistische Gesellschaften auf der Grundlage des Ideals einer völligen ökonomischen und sozialen Nivellierung zu etablieren, und noch mehr Millionen Menschen kamen als Ergebnis des Scheiterns der jüdischen Assimilation in die europäischen Gesellschaften ums Leben. Obwohl viele Intellektuelle damit fortfahren, zu versuchen, die fundamentalen westlichen Tendenzen hinsichtlich der Assimilation, eines gedämpften Individualismus und einer hierarchischen Harmonie zu verändern, besteht die reale Möglichkeit, dass diese westlichen Ideale nicht nur eher erreichbar sind, sondern auch zutiefst ethisch sind. Als einzige unter den strukturierten Kulturen der Welt haben die prototypischen westlichen Gesellschaften eine Kombination eines unverfälschten Gefühls der Zugehörigkeit, eines hohen Maßes an Zugang zu Fortpflanzungsmöglichkeiten, einer politischen Teilnahme aller gesellschaftlicher Klassen in Verbindung mit den Möglichkeiten einer sozialen Aufwärtsmobilität auf Grundlage der eigenen Leistung verschafft.

Als Evolutionsbiologe muss man sich fragen, was die wahrscheinlichen genetischen Konsequenzen dieses erdrutschartigen Wandels in der amerikanischen Kultur vermutlich sein werden. Eine wichtige Konsequenz – und sie war wahrscheinlich ein zugrundeliegender Motivationsfaktor der kulturellen Gegenrevolution – könnte sehr wohl die Erleichterung der fortgesetzten genetischen Unterschiedlichkeit des jüdischen Genpools in den Vereinigten Staaten sein. Es ist zu erwarten, dass die Ideologie des Multikulturalismus die Gruppen der amerikanischen Gesellschaft unter langfristig begünstigenden Konsequenzen für die Fortführung der wesentlichen Merkmale des traditionellen Judaismus als einer evolutionären Gruppenstrategie zunehmend voneinander abschottet. Es gibt einen steigenden Konsens unter jüdischen Aktivisten, dass die traditionellen Formen des Judaismus weit effektiver darin sind, die langfristige Gruppenkontinuität sicherzustellen als semi-assimilationistische und semi-kryptische Strategien wie das Reformjudentum oder der säkulare Judaismus. Das Reformjudentum wird dauernd konservativer und innerhalb aller Segmente der jüdischen Gemeinschaft besteht eine Hauptbemühung darin, gemischte Eheschließungen zu verhindern (zum Beispiel Abrams 1997; Dershowitz 1997; siehe Kapitel 7). Mehr noch, wie in mehreren Teilen dieses Buches diskutiert, verstehen sich Juden als Begünstigte einer nicht-homogenen Kultur, in welcher sie nur als eine von vielen ethnischen Gruppierungen auftreten und in der es keine Möglichkeit für die Entwicklung einer homogenen Nationalkultur gibt, welche Juden ausschließen könnte.

Zudem könnten sich sehr wohl negative genetische Konsequenzen für die europäischstämmigen Völker in den Vereinigten Staaten und besonders für die „Kleinen Leute in den Südstaaten und im Westen“ (Higham 1984, 49) ergeben – das heißt für die Kaukasier der unteren Mittelschicht mit Abstammung aus Nord- und Westeuropa – deren Repräsentanten verzweifelt gegen die gegenwärtige Einwanderungspolitik ankämpfen. In der Tat, wir haben gesehen, dass die intellektuelle und moralische Minderwertigkeit der traditionellen amerikanischen Kultur, insbesondere der ländlichen amerikanischen Kultur, ein beliebtes Thema der New York Intellectuals sowie der Studien zur Authoritarian Personality war. James Webb (1995) merkt an, dass es die Abkömmlinge der weißen angelsächsischen Protestanten waren, welche den Süden und Westen besiedelten und welche „im Großen und Ganzen das meiste dafür taten, die Infrastruktur dieses Landes zu entwerfen, und oft genug Nachteile in Ausbildung und Beruf erdulden mussten als sie die Wildnis zähmten, die Städte, Straßen und Schulen bauten sowie einen demokratischen Lebensstil einführten, der späteren weißen Kulturen zum Vorteil geriet, ohne dass diese den Preis für die Pionierarbeit hätten zahlen müssen. Heutzutage haben sie für diese Beiträge sozioökonomisch am wenigsten vorzuweisen. Und wenn man sich die Mühe machen würde, eine Landkarte zu Rate zu ziehen, dann würde sich zeigen, dass sie aus jenen Gebieten kommen, welche jetzt den Regierungspraktiken den größten Widerstand entgegensetzen.“ Der Krieg geht weiter, aber es ist leicht einzusehen, wer ihn verliert.

Der demographische Aufstieg der Unterschicht, der aus dem Triumph der kulturellen Gegenrevolution der Sechziger Jahre resultiert, läuft darauf hinaus, dass europäischstämmige Gene und Genhäufigkeiten im Vergleich zu jenen, die sich aus dem afrikoamerikanischen und lateinamerikanischen Genpool ableiten, weniger verbreitet sein werden. Am anderen Ende der Verteilung der IQ-Fortpflanzungsstrategie stehen Einwanderer aus ostasiatischen Ländern, welche die Weißen bei der Zugangszulassung an Universitäten oder zu hochbezahlten Arbeitsplätzen übertrumpfen. Das langfristige Ergebnis wird sein, dass die gesamte weiße Bevölkerung (dies schließt die Juden nicht ein) wahrscheinlich einen sozialen Abstieg erleiden wird, wenn diese neuen Immigranten zahlreicher werden. (Die Juden werden wahrscheinlich keinen sozialen Abstieg erleiden, weil ihr durchschnittlicher IQ ein gutes Stück über jenem der Ostasiaten liegt, aber auch, und das ist noch wichtiger, weil der jüdische IQ sich durch eine Neigung zum verbalen Talent auszeichnet. Der hohe IQ der Ostasiaten hat eine Neigung zur darstellenden Intelligenz, was diese zu mächtigen Konkurrenten auf den Gebieten des Ingenieurswesens und der Technologie macht. Siehe dazu A People That Shall Dwell Alone (Kapitel 7) sowie Lynn (1987). Juden und Ostasiaten werden deshalb wahrscheinlich unterschiedliche Nischen in den zeitgenössischen Gesellschaften besetzen.) Gegenwärtig sind weiße Nichtjuden die am meisten unterrepräsentierte Gruppierung in Harvard. Sie machen annähernd 25 Prozent der Studenten aus, während Asiaten und Juden mindestens die Hälfte der Studentenschaft bilden, jedoch nur 5 Prozent der Bevölkerung ausmachen (Unz 1998). Die Vereinigten Staaten sind auf dem besten Weg, von einer asiatischen technokratischen Elite und einer jüdischen Business- und Medienelite sowie einer jüdischen akademischen Elite dominiert zu werden.

Mehr noch, die Verschiebung zum Multikulturalismus fiel beginnend mit dem Einwanderungsgesetz des Jahres 1965, das Einwanderer aus nicht-europäischen Ländern bevorzugte, mit einem enormen Wachstum der Immigration aus nicht-europäischstämmigen Völkern zusammen (siehe Auster 1990; Brimelow 1995). Viele dieser Einwanderer kommen aus nicht-westlichen Ländern, in denen eine kulturelle und genetische Segregation die Norm ist, und sie werden im Kontext des multikulturellen Amerika dazu ermutigt, ihre eigenen Sprachen und Religionen beizubehalten sowie innerhalb ihrer Gruppe zu heiraten. Wie oben angezeigt, das zu erwartende Ergebnis wird ein Wettbewerb zwischen den Gruppen um Ressourcen und Fortpflanzung sein sowie eine erhöhte Verletzlichkeit der demokratischen und republikanischen Politikinstitutionen in einem Zusammenhang, für den langfristige Hochrechnungen anzeigen, dass die europäischstämmigen Völker Mitte des nächsten Jahrhunderts nicht länger die Mehrheit in den Vereinigten Staaten bilden werden.

In der Tat könnte man anmerken, dass während die westliche Aufklärung den Judaismus vor seine größte Herausforderung in seiner ganzen langen Geschichte stellte, der zeitgenössische Multikulturalismus im Zusammenhang mit dem hohen Grad an Einwanderung von Völkern aller rassischer und ethnischer Gruppen den westlichen Universalismus vor die größte Herausforderung seiner Geschichte stellt. Historische Aufzeichnungen zeigen an, dass ethnischem Separatismus unter kaukasisch-stämmigen Gruppen eine Tendenz innewohnt, innerhalb moderner westlicher Gesellschaften zu kollabieren, wenn keine aktiven Versuche ethnischer oder kultureller Segregation unternommen werden, wie es bei den Juden der Fall war. Wie vom Standpunkt der Reziprozität der Ressourcen aus zu erwarten war (MacDonald 1991, 1995b,c), tendiert die Eheschließung in westlichen individualistischen Gesellschaften beim Fehlen rigider ethnischer Schranken dazu, in bedeutendem Maße nicht nur von der genetischen Allgemeinheit sondern auch vom sozialen Status, der Persönlichkeit, gemeinsamen Interessen und anderen Aspekten der Ähnlichkeit beeinflusst zu werden. Dieses individualistische Muster der Heiratsentscheidung hat Westeuropa spätestens seit dem Mittelalter charakterisiert (beispielsweise MacFarlane 1986; siehe A People That Shall Dwell Alone, Kapitel 8).

Das Ergebnis war in den Vereinigten Staaten ein bemerkenswerter Grad an Assimilation unter jenen, deren Vorfahren aus Europa kamen (Alba 1985). Dies ist besonders vor dem Hintergrund erwähnenswert, dass ethnische Konflikte und Gewalt in Osteuropa im Steigen begriffen sind, während europäischstämmige Gruppen in den Vereinigten Staaten einen überwältigenden Sinn für Allgemeinheit haben. Das langfristige Ergebnis solcher Prozesse ist eine genetische Homogenisierung, ein Gefühl des gemeinsamen Interesses und das Fehlen einer kraftvollen Quelle innergesellschaftlicher Spaltung.

Wie auch immer, anzunehmen, dass der Konflikt bezüglich der Immigration nur ein Konflikt hinsichtlich universalistischer Tendenzen der westlichen Kultur sei, wäre unaufrichtig. In einem hohen Maße hatte die Einwanderungsdebatte in den Vereinigten Staaten immer mächtige ethnische Obertöne, und dies geht so weiter, sogar nachdem die europäischstämmigen Völker der Vereinigten Staaten sich zu einer universalistischen westlichen Kultur assimiliert haben. Die gegenwärtige Einwanderungspolitik setzt die Vereinigten Staaten und andere westliche Gesellschaften in einem evolutionären Sinn „in Bewegung“, der nicht für die anderen Nationen der Welt gilt, in denen die implizite Voraussetzung lautet, dass das Territorium von seinem geschichtlich beherrschenden Volk gehalten wird: Jede rassische und ethnische Gruppierung der Welt hat ein Interesse an der Ausdehnung seiner demographischen und politischen Präsenz in den westlichen Gesellschaften, und wird erwartungsgemäß bei gegebener Gelegenheit auch so handeln. Man sollte daran denken, dass die amerikanischen Juden kein Interesse daran hatten, zu beantragen, dass Israel auf eine ähnliche Art multiethnisch werden würde, oder dass Israel eine Einwanderungspolitik verfolgen solle, welche die Hegemonie der Juden bedrohen könnte. Ich habe eher Zweifel daran, dass Oscar Handlin (1952, 7) seine Erklärung zur Befürwortung der Einwanderung aller ethnischer Gruppierungen in die Vereinigten Staaten auf die Bekräftigung des Grundsatzes ausdehnen würde, dass die Menschen Brüder wären und gleichermaßen befähigt seien, Israelis zu werden. Ich zweifle auch daran, dass der Synagogue Council of America die israelische Einwanderungsgesetzgebung als „eine ungerechtfertigte Beleidigung der Völker in vielen Regionen der Welt“ (PCIN 1953, 117) charakterisieren würde. Tatsächlich zeigt der ethnische Konflikt innerhalb Israels das Versäumnis, eine universalistische westliche Kultur zu entwickeln, an.

Man bedenke die Verschiedenheit der jüdischen Einstellung im Hinblick auf den Multikulturalismus in Israel und den Vereinigen Staaten:

Aus jüdischer Sicht ist die Zurückweisung des Zionismus als einer Ideologie und einer den Staat (Israel) formenden Kraft gleichbedeutend mit der Zurückweisung des Staates selbst. Die kultivierte Unterscheidung zwischen dem Staat und seinem Charakter, sowie jener zwischen seiner Jüdischkeit und dem Zionismus wird von den Juden weder verstanden noch entschuldigt. Sie sind nicht daran interessiert, Israel als einen Staat zu haben sondern als einen jüdisch-zionistischen Staat… Obwohl es in Israel legal ist, wenn auch nicht legitim, öffentlich den Zionismus zurückzuweisen oder gegen ihn zu handeln, darf man nicht auf einer Wahlaufstellung für die Knesset kandidieren, welche  Israel als den Staat des jüdischen Volkes verleugnet. (Smooha 1990, 397)

Eine wesentliche Abweichung (vom Prinzip der Gleichheit) hat seinen Grund im speziellen gesetzlichen Status, welcher der Jewish Agency und dem Jewish National Fund zugestanden werden. Sie erfüllten quasi-regierungsamtliche Funktionen, wie etwa die Planung und Finanzierung neuer ländlicher Lokalitäten, die Unterstützung kultureller Unternehmungen, die Bereitstellung von Hilfe für Ältere und andere benachteiligte Gruppierungen sowie die Erschließung und Verpachtung von Boden. Bisher sind diese mächtigen Institutionen, gemäß ihrer eigenen Verfassung, dazu verpflichtet nur Juden zu dienen… Diskriminierung steckt auch im Gesetz bezüglich des jüdischen Gottesdienstes, welches aus öffentlicher Hand finanzierte Gottesdienste nur für Juden bereithält. Der größte Teil der Diskriminierung ist jedoch eher versteckt.  (Smooha 1990, 401)

Smooha (1990, 403) merkt auch an, dass in einer Umfrage aus dem Jahre 1988 74 Prozent der Israelis angaben, der Staat solle Juden den Arabern vorziehen und dass 43 Prozent die Verweigerung des Wahlrechts für israelische Araber guthießen. Während amerikanische Juden an der vordersten Front der Bemühungen standen, die ethnische Vielfalt in den Vereinigten Staaten und anderen westlichen Gesellschaften zu sichern, stimmten 40 Prozent der jüdischen Befragten der Forderung zu, dass Israel die israelischen Araber dazu ermutigen solle, das Land zu verlassen, 37 Prozent hatten diesbezüglich Vorbehalte und nur 23 Prozent verwarfen solch eine Politik. Fast dreiviertel der israelischen Juden wollten keinen Araber als ihren Vorgesetzten bei der Arbeit. Mehr noch, die Einwanderung nach Israel ist offiziell auf Juden beschränkt.

Es ist auch erwähnenswert, dass Juden zwar an der vordersten Front von Bewegungen standen, um Kirche und Staat in den Vereinigten Staaten zu trennen, und häufig gegen den Mangel an religiösen Freiheiten in der Sowjetunion protestierten, der orthodoxen rabbinischen Leitung religiöser Angelegenheiten in Israel jedoch von amerikanischen jüdischen Organisationen nur verspätet und halbherzig Opposition entgegengebracht wurde (Cohen 1972, 317) und dass dies die Unterstützung mit aller Macht für Israel von Seiten der amerikanischen Juden trotz der Tatsache, dass Israels Politik im Gegensatz zu jener Politik steht, welche jüdische Organisationen in den westlichen Demokratien erfolgreich angestrebt haben, nicht verhinderte. Dieses Phänomen ist ein ausgezeichnetes Beispiel für die Unvereinbarkeit des Judaismus mit westlichen Formen der gesellschaftlichen Organisation, welche in einer wiederkehrenden Kluft zwischen jüdischem Verhalten gegenüber der eigenen Gruppe und jüdischen Versuchen der Manipulation der westlichen Gesellschaften, so dass diese den jüdischen Gruppeninteressen entsprechen, resultiert.

Gegenwärtig wird das Interesse der nicht-europäischstämmigen Völker in den Vereinigten Staaten demographisch und politisch zu expandieren weithin als moralischer Imperativ wahrgenommen, während die Versuche der europäischstämmigen Völker, die demographische, politische und kulturelle Kontrolle beizubehalten, als „rassistisch“, unmoralisch und als Indikation einer psychiatrischen Störung vorgestellt wird. Aus der Sicht dieser europäischstämmigen Völker ist die vorherrschende Moralität altruistisch und selbst aufopfernd. Langfristig ist sie wahrscheinlich nicht lebensfähig, selbst in einer individualistischen Gesellschaft. Wie wir gesehen haben, ist die Lebensfähigkeit einer Moralität der Selbstaufopferung besonders im Kontext einer multikulturellen Gesellschaft problematisch, in welcher jedermann sich seiner Gruppenmitgliedschaft bewusst ist und in der es zwischen den Gruppen Konkurrenz um Ressourcen gibt.

Man erwäge den Status des Argumentes, dass es allen Völkern erlaubt sein solle, in die Vereinigten Staaten einzuwandern, aus evolutionärer Sicht. Man könnte geltend machen, dass irgendeine Art von Opposition zu diesem Prinzip einen Evolutionsbiologen nicht zu interessieren brauche, weil die genetischen Unterschiede der menschlichen Gruppen trivial seien, so dass jede psychologische Annahme, welche einen solch einem Prinzip widerstehen ließe, ein Anachronismus in der zeitgenössischen Welt sei (so wie etwa der Blinddarm). Ein Jude, welcher dieses Argument aufrechterhält, sollte, um seine intellektuelle Schlüssigkeit zu wahren, zustimmen, dass die traditionelle jüdische Sorge um die Endogamie und Blutsverwandtschaft irrational war. Mehr noch, solch eine Person sollte davon überzeugt sein, dass Juden nicht versuchen sollten, in Israel die politische Macht beizubehalten, da es keinen vernünftigen Grund zu der Annahme gibt, dass irgendeine bestimmte Gruppe irgendwo Macht innehaben sollte. Außerdem sollten die Juden nicht versuchen, den politischen Prozess in den Vereinigten Staaten auf eine Art und Weise zu beeinflussen, die eine weitere Gruppe benachteiligt oder ihre eigene begünstigt. Und um logisch schlüssig zu sein, sollte man dieses Argument auf all jene anwenden, welche die Einwanderung ihrer eigenen Gruppen fördern, das Spiegelbild der Opposition auf Gruppenbasis zu solch einer Einwanderung.

In der Tat, wenn man diesen Faden der Logik zu Ende spinnt, ist es für jedermann unvernünftig, überhaupt irgendwelche Gruppeninteressen einzufordern. Und wenn man zudem die Idee individueller genetischer Unterschiede zurückweist, ist es ebenso irrational, zu versuchen, individuelle Interessen zu verfolgen, beispielsweise als ein Individuum einzuwandern. Tatsächlich, wenn man diese Annahmen akzeptiert, wird die Vorstellung genetischer Konsequenzen und somit jene der Möglichkeit einer menschlichen Evolution in Gegenwart und Vergangenheit irrational; die Idee, dass es vernünftig sei, ist nur eine Illusion, erzeugt vielleicht von psychologischen Adaptionen, welche in der zeitgenössischen Welt keine sinnvolle evolutionäre Funktion haben. Man wird vielleicht bemerken, dass diese Ideologie die finale Schlussfolgerung jener anti-evolutionären Ideologien ist, die in diesem Band besprochen wurden. Diese intellektuellen Bewegungen erklärten, dass die wissenschaftliche Forschung zeige, dass alle wichtigen ethnischen wie auch individuellen Differenzen das Ergebnis einer umweltbedingten Varianz wären und dass genetische Unterschiede trivial seien.

Aber es liegt ein enormes Maß an Ironie in all dem: Wenn das Leben wirklich keine evolutionäre Bedeutung hat, warum haben die Befürworter dann diese Ideologien so intensiv und mit solch bewusst politischen Methoden propagiert? Warum haben viele derselben Personen sich stark mit ihrer eigenen ethnischen Gruppe und deren Interessen identifiziert, und warum haben viele von ihnen auf einem kulturellen Pluralismus und dessen Gültigkeitserklärung für den Ethnozentrismus der Minderheitengruppe als einer moralischen Unbedingtheit bestanden? Gemäß seiner eigenen Annahmen ist es einfach ein sinnloses Spiel. Niemand sollte darauf achten, wer gewinnt oder verliert. Natürlich mag Täuschung oder Selbsttäuschung darin verwickelt sein. Ich haben angemerkt (Kapitel 5), dass eine grundsätzliche Agenda darin bestand, die europäischstämmigen Völker der Vereinigten Staaten ihre Sorge über ihren eigenen demographischen und kulturellen Niedergang als irrational und als eine Indikation einer Geisteskrankheit betrachten zu lassen.

Wenn man akzeptiert, dass eine genetische Varianz sowohl innerhalb der Gruppe als auch zwischen den Gruppen verbleibt und dass sie keinesfalls unbedeutend ist (das heißt, wenn die Evolution ein fortschreitender Prozess ist), dann beinhaltet der Grundsatz der relativ unbeschränkten Einwanderung, zumindest unter den Bedingungen, die in den westlichen Gesellschaften des späten Zwanzigsten Jahrhunderts herrschen, eindeutig Altruismus von Seiten einiger Individuen und etablierter Gruppen. Nichtsdestotrotz, obwohl der Erfolg der in diesem Band besprochenen, intellektuellen Bewegungen anzeigt, dass Menschen dazu angeleitet werden können, altruistisch gegenüber anderen Gruppen zu sein, habe ich eher Zweifel daran, dass solch ein Altruismus weiterbestehen wird, wenn es offensichtliche Anzeichen dafür gibt, dass der Status und die politische Macht der europäischstämmigen Gruppen abnimmt, während die Macht der anderen Gruppen ansteigt. Die Voraussage, sowohl auf theoretischer Grundlage als auch auf der Basis der sozialen Identitätstheorie, ist, dass in dem Maße, in dem die anderen Gruppen an Macht gewinnen und in einer multikulturellen Gesellschaft ins Auge stechen, sich die europäischstämmigen Völker der Vereinigten Staaten zunehmend zusammenschließen werden; unter diesen Völkern werden zeitgenössische trennende Einflüsse, wie etwa Fragen, die sich auf das Geschlecht oder die sexuelle Orientierung, gesellschaftliche Klassenunterschiede oder religiöse Differenzen beziehen, zunehmend als unwichtig wahrgenommen werden. Schließlich werden diese Gruppen eine vereinte Front und eine kollektivistische politische Orientierung gegenüber den anderen ethnischen Gruppen entwickeln. Andere Gruppen werden, falls dies möglich ist, ausgestoßen werden oder Teilungen werden vollzogen, und die westlichen Gesellschaften werden eine weitere Periode des Geistes des Mittelalters durchleben.

Jüdische Interessen in Bezug auf die Einwanderungspolitik sind ein Beispiel für den Interessenkonflikt zwischen Juden und Nichtjuden über den Aufbau der Kultur. Dieser Interessenkonflikt greift weit über die Einwanderungspolitik hinaus. Es herrscht ein wachsendes Bewusstsein darüber, dass die kulturelle Gegenrevolution der Sechziger Jahre ein Wendepunkt in der Geschichte der Vereinigten Staaten gewesen ist. Solch eine Konzeptualisierung ist mit der Arbeit von Roger Smith (1988) vereinbar, der zeigt, dass es bis zum Triumph des pluralistischen Kulturmodells mit der kulturellen Gegenrevolution der Sechziger Jahre drei konkurrierende Modelle der amerikanischen Identität gab: das „liberale“ individualistische Vermächtnis der Aufklärung auf der Grundlage der „Naturrechte“; das „republikanische“ Ideal einer kohäsiven, sozial homogenen Gesellschaft (was ich mit der prototypischen gesellschaftlichen Organisation der hierarchischen Harmonie gleichgesetzt habe); die „ethnokulturelle“ Richtung, welche die Bedeutung der angelsächsischen Ethnizität in der Entwicklung und Erhaltung der amerikanischen Kulturformen in den Vordergrund stellt.

Aus heutiger Sicht bestehen keine grundsätzlichen Konflikte zwischen den letzteren beiden Quellen der amerikanischen Identität; soziale Homogenität und hierarchische Harmonie können wohl am besten und am einfachsten mittels einer homogenen Gesellschaft von Völkern, die aus dem europäischen Kulturraum stammen, erreicht werden. Tatsächlich merkte Richter Stephen A. Field, den Ausschluss der Chinesen im Neunzehnten Jahrhundert billigend, an, dass die Chinesen nicht assimilierbar seien und das republikanische Ideal einer homogenen Gesellschaft zerstören würden. Wie oben angezeigt wurde, ist die Aufnahme nicht-europäischer Völker und insbesondere von Völkern, die aus Afrika stammen, in ausgeprägt westliche Kulturformen zutiefst problematisch.

Wie an mehreren Stellen in diesem Band diskutiert wurde, ist der radikale Individualismus, welcher im aufklärerischen Ideal der individuellen Rechte verkörpert wird, als Quelle langfristiger Stabilität in westlichen Gesellschaften aufgrund der Gefahr einer Invasion und Beherrschung durch Gruppenstrategien wie dem Judaismus und der Möglichkeit der Lossagung der nichtjüdischer Eliten von den Idealen, welche durch die zwei anderen Modellen der gesellschaftlichen Organisation repräsentiert werden, besonders problematisch. Diese letzteren beiden Ereignisse sind besonders wahrscheinlich bei der Zerstörung der gesellschaftlichen Bindekraft, welche für die westlichen Formen der Sozialorganisation so zentral ist. Wie Smith (1988) anmerkt, resultierte die Transformation der amerikanischen Gesellschaft in der Ära nach dem Bürgerkrieg aus dem „liberalen“ Kulturideal, „welches sich der Sklaverei entgegenstellte, die Einwanderung bejahte und das Unternehmertum ermutigte, indem es die Eigentumsrechte schützte“, und welches für das kollektive Leben im Zentrum der amerikanischen Zivilisation eine ernste Bedrohung darstellte.

Es ist dieses liberale Vermächtnis der amerikanischen Zivilisation, welches die jüdischen intellektuellen Bewegungen, die in diesem Band besprochen werden, ausgebeutet haben, indem sie die uneingeschränkte Einwanderung und den Verlust der gesellschaftlichen Homogenität, repräsentiert durch die einigende Kraft der christlichen Religion, vernunftmäßig deuteten. Wie Israel Zangwill bei der Befürwortung einer jüdischen Strategie zugunsten der uneingeschränkten Immigration sagte: „Sagt ihnen, sie zerstören amerikanische Ideale“ (siehe Kapitel 7). Der Effekt war die Schaffung eines neuen amerikanischen Ideals, welches mit den historischen Quellen der amerikanischen Identität überhaupt nichts zu tun hat:

Dieses Ideal führt den Kosmopolitismus, die Toleranz und den Respekt für die menschliche Freiheit einer älteren liberalen Tradition fort, und somit kann es zu Recht als eine moderne Version des liberalen Ideals bezeichnet werden. Wie auch immer, es ist neuartig in seiner Ablehnung der unbeschränkten naturgesetzlichen Elemente des Locke’schen Liberalismus zugunsten eines modernen philosophischen Pragmatismus und Kulturrelativismus. Und einer ihrer theoretischen Oberarchitekten, der Philosoph Horace Kallen, argumentierte, dass der kulturelle Pluralismus den menschlichen  Gemeinschaftssinn, unsere konstitutive Anbindung an unterschiedliche  ethnische, religiöse und kulturelle Gruppen, besser anerkennt. Es fasst deshalb Amerika als „eine Demokratie der Nationalitäten, welche freiwillig und autonom mittels gemeinsamer Institutionen am Unternehmen der  Selbsterkenntnis durch die Perfektion der Menschen gemäß ihrer Art  zusammenarbeiten“ (Kallen 1924, 124). Weil allen Gruppierungen und jedem Individuum die gleichen Möglichkeiten des Strebens nach dem eigenen Schicksal garantiert werden sollten, ist das nationale Vermächtnis gesetzlicher, rassischer, ethnischer und geschlechtsbezogener Diskriminierungen gemäß  dem kulturell pluralistischen Ideal inakzeptabel. Gleichzeitig gilt es, keine Anstrengung zu unternehmen, um die Gleichheit in Uniformität zu verwandeln oder darauf zu bestehen, dass alles in eine standardisierte amerikanische Form  passe.

Das Ideal des demokratischen kulturellen Pluralismus erlangte in den Fünfziger  Jahren schließlich im amerikanischen öffentlichen Recht die Vorherrschaft und  fand besonders in den Sechziger Jahren Ausdruck im Civil Rights Act des  Jahres 1964, dem liberalisierenden Immigration and Naturalization Act des  Jahres 1965, dem Voting Rights Act des Jahres 1965 sowie in neuen  Ausbildungsprogrammen, die auf das vielfältige Kulturerbe der Nation besser  abgestimmt waren, in zweisprachigen Stimmzetteln und  Regierungsveröffentlichungen und in Maßnahmen der affirmative action.  (Smith 1988, 246)

Innerhalb dieser Sichtweise besteht Toleranz für verschiedene Gruppierungen, aber das Ergebnis ist eine Tendenz „die Bedeutung oder sogar die Existenz einer gemeinsamen nationalen Identität zu verwerfen“ (Kallen 1924, 59). Kallen war natürlich ein sich sehr stark identifizierender Jude und Zionist, und es ist überhaupt nicht überraschend, dass sein kulturelles Ideal von den Vereinigten Staaten eine nicht-westliche Form der gesellschaftlichen Organisation repräsentiert, welche den jüdischen Interessen entspricht und die Interessen der europäischstämmigen Menschen in den Vereinigten Staaten gefährdet. Es ist eine gesellschaftliche Form, welche die fortwährende Existenz des Judaismus als soziale Kategorie und als eine kohäsive ethnische Gruppierung garantiert, während sie gleichzeitig, angesichts der Charakteristika der Juden, einen wirtschaftlichen und kulturellen jüdischen Vorrang sicherstellt. Eine öffentliche Politik auf der Grundlage dieser Konzeptualisierung hat den vorhersagbaren langfristigen Effekt, die europäischstämmigen Völker der Vereinigten Staaten sowohl kulturell als auch demographisch zu marginalisieren. Da die europäischstämmigen Gruppierungen weniger gut organisiert und weniger kohäsiv sind als Juden, und weil ein therapeutischer Zustand errichtet wurde, um Ausdrücken eines europäisch-amerikanischen Ethnozentrismus entgegenzutreten, ergibt sich die unverkennbare Möglichkeit, dass die europäischen Amerikaner langfristig fragmentiert, politisch machtlos und ohne überhaupt jede wirksame Gruppenidentität sein werden.

Der Interessenkonflikt zwischen Juden und Nichtjuden hinsichtlich der Konstruktion der Kultur geht weit über die Befürwortung des multikulturellen Ideals hinaus. Da sie genetisch viel eher zu einer Fortpflanzungsstrategie mit hohen Investitionen neigen, sind sie sogar beim Fehlen der traditionellen westlichen Kulturunterstützung zugunsten einer Elternschaft mit hohen Investitionen dazu in der Lage, ihre Fortpflanzungsstrategie mit hohen Investitionen beizubehalten (Kapitel 4). Verglichen mit Nichtjuden sind Juden deshalb viel besser dazu in der Lage, ihren wirtschaftlichen und kulturellen Erfolg ohne diese traditionelle westliche Kulturunterstützung zu erweitern. Wie Higham (1984, 173) anmerkt, ging die kulturelle Idealisierung der im Wesentlichen jüdischen persönlichen Ethik des Hedonismus, des Bestrebens und der Intellektualität auf Kosten der älteren ländlichen Ethik der Askese und der sexuellen Einschränkung.

Mehr noch, die traditionelle westliche Unterstützung für eine Elternschaft mit hohen Investitionen war in eine religiöse Ideologie eingefügt, und ich nehme an, sie wird in einer post-religiösen Umwelt schwer zu erreichen sein. Nichtsdestotrotz, wie Podhoretz (1995, 30) anmerkt, ist es tatsächlich der Fall, dass jüdische Intellektuelle, jüdische Organisationen wie der American Jewish Congress und jüdisch dominierte Organisationen wie die ACLU christliche religiöse Überzeugungen lächerlich machten und versuchten, die öffentliche Stärke des Christentums zu unterminieren, sowie den Kampf um die Aufhebung von Restriktionen in Bezug auf die Pornographie führten. Des Weiteren haben wir gesehen, dass die Psychoanalyse als eine jüdisch dominierte, intellektuelle Bewegung ein zentraler Bestandteil dieses Krieges gegen die nichtjüdische kulturelle Unterstützung zugunsten einer Elternschaft mit hohen Investitionen war. Während die Juden aufgrund ihrer machtvollen, genetisch beeinflussten Neigung zu Intelligenz und Elternschaft mit hohen Investitionen dazu in der Lage waren, innerhalb dieses Milieus zu gedeihen, hatten andere Bereiche der Gesellschaft damit keinen Erfolg; das Ergebnis war eine immer breiter werdende Kluft zwischen dem kulturellen Erfolg der Juden und der Nichtjuden sowie ein Desaster für die Gesellschaft als Ganzes.

Die kulturelle Gegenrevolution der Sechziger Jahre mag sehr wohl mit traditionellen amerikanischen Freiheiten unvereinbar sein. Traditionelle amerikanische Freiheiten, wie etwa die Redefreiheit im ersten Zusatzartikel zur Verfassung haben ganz klar spezifisch jüdische Interessen beim Aufbau der Kultur erleichtert, Interessen, welche mit der Möglichkeit des Aufbaus einer kohäsiven Gesellschaft mit einer Elternschaft mit hohen Investitionen konfligieren. Vorausgesetzt, dass die gängigen Medien und das gegenwärtige intellektuelle Umfeld der Universitäten damit Erfolg haben, dass sie gesellschaftlich zerstörerische Botschaften produzieren, werden politische Bewegungen, welche versuchen die traditionelle westliche kulturelle Unterstützung für die Elternschaft mit hohen Investitionen wiederherzustellen, zweifellos zu einer Einschränkung einiger traditioneller amerikanischer Freiheiten gezwungen sein (siehe beispielsweise Bork 1996). Eine kulturelle Unterstützung für die Elternschaft mit hohen Investitionen wirkt wie eine externe Macht der Sozialkontrolle, welche die Elternschaft mit hohen Investitionen in allen Segmenten der Bevölkerung maximiert, selbst jenen, welche aus genetischen oder umweltbedingten Gründen verhältnismäßig wenig Hang dazu hat, sich in solchen Praktiken zu betätigen (MacDonald 1997, 1998b). Ohne solche kulturellen Kontrollen ist es völlig vorhersagbar, dass die gesellschaftliche Zerrüttung zunehmen wird und die Gesellschaft als Ganzes weiter verfallen wird.

Nichtsdestotrotz, die Fortführung besonderer westlicher Formen der Sozialorganisation wird weiterhin eine hervorragende Sorge bleiben, selbst wenn man die Frage des ethnischen Wettbewerbs völlig außer Acht lässt. Ich habe betont, dass es einen angeborenen Konflikt zwischen Multikulturalismus, westlichem Universalismus und Individualismus gibt. Selbst wenn der westliche Universalismus seinen moralischen Imperativ wiedergewinnen sollte, so bleibt es dennoch eine offene Frage, ob die gesamte Menschheit willens oder befähigt ist, an diesem Typ von Kultur teilzunehmen. Der Universalismus ist eine europäische Schöpfung, und man kann nicht wissen, ob solch eine Kultur über eine lange Zeitspanne hinweg in einer Gesellschaft fortgeführt werden kann, welche ethnisch nicht vorwiegend europäisch ist. Auch wenn sie nicht ausdrücklich einen Multikulturalismus befürwortete, so ging die Rhetorik im Dienst der Einwanderung doch typischerweise von einer radikalen Milieutheorie aus, in welcher alle Menschen so porträtiert wurden, als ob sie über dieselben Potentiale verfügten und gleichermaßen zu funktionierenden Mitgliedern westlicher universalistischer und individualistischer Gesellschaften geformt werden könnten. Diese Prämisse ist höchst fraglich. Tatsächlich könnte man sagen, dass der vorliegende Band in Verbindung mit Separation and Its Discontents sowie A People That Shall Dwell Alone ein Zeugnis von den tief verwurzelten anti-westlichen Tendenzen ablegt, welche sich zwischen menschlichen Gruppierungen abspielen. Geht man davon aus, dass sehr vielen menschlichen Kulturen eine starke Ähnlichkeit mit den kollektivistischen, anti-assimilatorischen Tendenzen, welche in der jüdischen Kultur präsent sind, ist es höchst wahrscheinlich, dass viele unserer heutigen Einwanderer in ähnlicher Weise unfähig oder nicht willens sein werden, die grundsätzliche Prämisse einer universalistischen, kulturell homogenen, individualistischen Gesellschaft zu akzeptieren.

Tatsächlich gibt es beträchtlichen Grund für die Annahme, dass die westliche Tendenz zum Individualismus einzigartig ist und auf evolvierten psychologischen Adaptionen basiert (siehe A People That Shall Dwell Alone, Kapitel 8). Diese genetische Perspektive schlägt vor, dass Individualismus, wie viele andere Phänotypen, die für Evolutionsbiologen interessant sind, eine genetische Varianz zeigen. In A People That Shall Dwell Alone (Kapitel 8) spekulierte ich darüber, ob die Vorläufer der westlichen Populationen in isolierten Gruppen mit niedriger Bevölkerungsdichte evolvierten. Solche Gruppierungen könnten in nördlichen Gebieten verbreitet gewesen sein, die von strengen ökologischen Bedingungen geprägt waren, wie etwa jenen während der Eiszeit (siehe Lenz 1931, 657). Unter widrigen ökologischen Bedingungen richten sich Adaptionen mehr nach dem Umgang mit der physischen Umwelt als nach dem Wettbewerb mit anderen Gruppen (Southwood 1977, 1981). Solch eine Umgebung bedeutet weniger Selektionsdruck im Hinblick auf kollektivistische, ethnozentrische Gruppen, wie sie der historische Judaismus verkörpert. Die evolutionäre Konzeptualisierung des Ethnozentrismus betont die Nützlichkeit des Ethnozentrismus im Rahmen der Gruppenkonkurrenz. Ethnozentrismus wäre bei der Bekämpfung der physischen Umwelt ohne Bedeutung und solch eine Umwelt würde keine großen Gruppen unterstützen.

Wir haben gesehen, dass der westliche Individualismus eng mit wissenschaftlichem Denken und Gesellschaftsstrukturen, die auf einer hierarchischen Harmonie, einer sexuellen Gleichheit in der Gesellschaft sowie demokratischen und republikanischen Regierungsformen basieren, verflochten ist. Diese einzigartigen westlichen Tendenzen legen nahe, dass Reziprozität eine tief verwurzelte westliche Tendenz ist. Westliche Politikformen, von den demokratischen und republikanischen Traditionen der antiken Griechen und Römer über die hierarchische Harmonie des westlichen Mittelalters bis hin zu den modernen demokratischen und republikanischen Regierungen, gehen von der Legitimität pluralistischer Individualinteressen aus. Innerhalb dieser Gesellschaftsformen besteht eine Tendenz, von der Legitimität der Interessen und Sichtweisen der Anderen auf eine Art und Weise auszugehen, welche kollektivistischen und despotischen Gesellschaftsstrukturen, die für einen großen Teil des Restes der Welt charakteristisch sind, fremd ist.

Ein weiterer entscheidender Bestandteil der evolutionären Basis des Individualismus ist die Ausarbeitung des menschlichen Systems der Zuneigung als eines individualistischen Systems der Paarbindung, jenes Systems, das so fremdartig erschien, dass eine Generation jüdischer Intellektueller, die aus dem Ghetto in Erscheinung trat, darüber die Theorie aufstellte, es sei eine dünne Tünche, welche eine tiefe Geisteskrankheit überlagere (Cuddihy 1974, 71). Dieses System ist in dem Sinne individualistisch, das es nicht auf externen sozialen Kontrollen auf Grundlage der Gruppe oder dem Diktat der Familie basiert, sondern eher auf der intrinsisch motivierten Rolle der romantischen Liebe bei der Zementierung von Fortpflanzungsbeziehungen (siehe Kapitel 4). Diese Frage ist wichtig, da westliche Kulturen typischerweise im Vergleich zu anderen Gesellschaften als verhältnismäßig individualistisch charakterisiert werden (Triandis 1995), und es gibt keinen Grund anzunehmen, das System der Zuneigung sei konzeptuell mit dem Individualismus verknüpft; das heißt, es ist ein System, welches eher zu einer Kleinfamilie als zu einer ausgedehnten Familienorganisation tendiert. Triandis (1990) befindet, dass individualistische Gesellschaften die romantische Liebe in einem größeren Maße betonen als kollektivistische Gesellschaften, und die westlichen Kulturen haben die romantische Liebe tatsächlich mehr hervorgehoben als andere Kulturen (siehe A People That Shall Dwell Alone, Kapitel 8; MacDonald 1995b,c; Money 1980). Dieses System ist in westlichen Kulturen sowohl bei Männern als auch bei Frauen hochgradig entwickelt, und es ist psychometrisch mit Empathie, Altruismus und Gefühlen der Hege und Aufzucht verknüpft. Individuen, welche in diesem System hohe Werte erreichen – vorwiegend Frauen – haben eine pathologische Neigung zu altruistischem, hegendem sowie abhängigem Verhalten (siehe MacDonald 1995a). Vor einem evolutionären Hintergrund war die vergleichsweise höhere Entwicklung dieses Systems bei Frauen angesichts der ausgeprägteren weiblichen Rolle bei der Erziehung und als diskriminierender Mechanismus in den Beziehungen der Paarbindung zu erwarten. Diese Sichtweise trägt auch der viel kommentierten Kluft der Geschlechter Rechnung, gemäß welcher Frauen eher dazu neigen, für einen politischen Kandidaten zu stimmen, der in Bezug auf soziale Fragen liberale Positionen vertritt. Frauen unterstützen eher als Männer politische Haltungen, welche Unterschiede zwischen Individuen oder Gruppen angleichen anstatt sie zu akzentuieren (Pratto, Stallworth & Sidanius 1997).

In der Umwelt unserer Vorfahren war dieses System hochgradig adaptiv und resultierte in einer Tendenz zu Paarbindung und Elternschaft mit hohen Investitionen sowie zu innerlich motivierten Beziehungen zwischen engen Freunden und zu Vertrauen. Dieses System ist in der modernen Welt in seiner Rolle, der Elternschaft mit hohen Investitionen zugrunde zu liegen, weiterhin adaptiv, doch es ist leicht einzusehen, dass die vergleichsweise übermäßige Vergrößerung dieses Systems in einem adaptivem Verhalten im negativen Sinne resultieren kann, wenn ein System, welches für Empathie, Altruismus und die Hege von Familienmitgliedern und anderen in einer eng verwandten Gruppe entworfen wurde, auf die Welt außerhalb der Familie gerichtet wird.8

Die Folge ist, dass westliche Gesellschaften Gegenstand einer Invasion nicht-westlicher Kulturen sind, welche dazu in der Lage sind, die westlichen Tendenzen zu Reziprozität, einer gesellschaftlichen Gleichheit aller sowie enger Beziehungen der Zuneigung auf eine Art und Weise zu manipulieren, welche in einem adaptiven Verhalten im negativen Sinne für die europäischstämmigen Völker, welche im Kern aller westlichen Gesellschaften verbleiben, resultiert. Weil die Interessen und Perspektiven der Anderen als legitim angesehen werden, haben die westlichen Gesellschaften als einzige einen moralischen und religiösen Diskurs mit hohen Prinzipien entwickelt, wie er in den Argumenten gegen die Sklaverei, wie sie für die Befürworter der Abschaffung im Neunzehnten Jahrhundert charakteristisch war, sowie im zeitgenössischen Diskurs der Tierschützer zu erkennen ist. Solch ein Diskurs richtet sich auf universelle moralische Prinzipien – das heißt Prinzipien, welche von jedem vernünftigen und desinteressierten Beobachter als gerecht angesehen werden würden. So argumentiert John Rawls (1971) in seinem äußerst einflussreichen Band, Theory of Justice, dass Gerechtigkeit als objektive Moralität sich nur hinter einem „Schleier der Unwissenheit“ abspielen kann, hinter welchem der ethnische Status der wetteifernden Parteien irrelevant für die Erwägungen in Bezug auf die Gerechtigkeit und Moralität ist.

Es ist diese intellektuelle Tradition, welche von jüdischen intellektuellen Aktivisten, wie etwa Israel Zangwill oder Oscar Handlin, wirkungsvoll manipuliert wurde, die betonten, dass bei der Entwicklung der Einwanderungspolitik die westlichen Prinzipien der Moralität und des Fair Play es unmöglich machten, irgendeine ethnische Gruppierung oder irgendein Individuum zu diskriminieren. Aus der Sicht eines, sagen wir, afrikanischen Eingeborenen aus Kenia kann eine Politik, welche zugunsten Nordwesteuropas diskriminiert, nicht dem Grundsatz standhalten, dass diese Politik für einen vernünftigen und uninteressierten Beobachter akzeptabel sei. Wie auch immer, da Zangwill und Handlin vom westlichen Universalismus bezüglich ihrer Haltung gegenüber ihrer eigenen Gruppe nicht eingeschränkt werden, sind sie dazu in der Lage, die Konsequenzen des universalistischen Denkens für den Zionismus und andere Ausdrücke eines jüdischen Partikularismus zu ignorieren. Aufgrund seiner offiziellen Politik in Bezug auf die genetische und kulturelle Grundlage seiner voraussichtlichen Einwanderer, kann Israel nicht in ähnlicher Weise Gegenstand einer Invasion einer fremden Gruppenstrategie werden.

Tatsächlich sollte man anmerken, dass trotz der Tatsache, dass es ein beliebtes Thema des Antisemitismus war, negative persönliche Merkmale von Juden und ihre Bereitschaft, Nichtjuden auszubeuten (Separation and Its Discontents, Kapitel 2), zu betonen, es ein dauerhaftes Thema im jüdischen intellektuellen Aktivismus war, den jüdischen ethnischen Interessen sowie dem Judaismus selbst seit der Aufklärung die Rolle der Verkörperung einer einzigartigen und unersetzlichen moralischen Vision (Separation and Its Discontents, Kapitel 6 bis 8) zuzuordnen – Begriffe, welche die einzigartige Anziehungskraft dieser Rhetorik der Moralität für den desinteressierten Beobachter im westlichen Publikum hervorheben.

Das Ergebnis ist, dass es fraglich bleibt, ob die westlichen individualistischen Gesellschaften dazu in der Lage sind, die legitimen Interessen der europäischstämmigen Völker zu verteidigen. Ein beliebtes Thema, das an mehreren Stellen in diesem Band und in A People That Shall Dwell Alone (Kapitel 8) sowie in Separation and Its Discontents (Kapitel 3 bis 5) erscheint, ist, dass individualistische Gesellschaften in einzigartiger Weise durch das Eindringen kohäsiver Gruppierungen einer Art, wie sie historisch vom Judaismus repräsentiert werden, verwundbar sind. Es ist bezeichnend, dass das Problem der Einwanderung nicht-europäischer Völker keineswegs auf die Vereinigten Staaten begrenzt ist, sondern in der gesamten westlichen Welt und nirgendwo sonst ein ernstes und zunehmend umstrittenes Problem darstellt: Nur die europäischstämmigen Völker haben den anderen Völkern der Welt ihre Türen geöffnet und laufen nun Gefahr, die Kontrolle über ein Gebiet zu verlieren, das sie seit hunderten von Jahren besetzt hielten. Die westlichen Gesellschaften haben eine Tradition eines individualistischen Humanismus, der Einwanderungsbeschränkungen schwierig macht. Beispielsweise lehnte das Oberste Gericht die Gesetzesvorlagen zum Ausschluss der Chinesen im Neunzehnten Jahrhundert zweimal mit der Begründung ab, es seien Gesetze gegen eine Gruppe, nicht gegen ein Individuum erlassen worden (Petersen 1955, 78). Die Bemühungen zur Entwicklung einer intellektuellen Basis für eine Einwanderungsbeschränkung waren gewunden; ab dem Jahre 1920 basierten sie auf der Legitimität der ethnischen Interessen der Nordwesteuropäer und hatten Untertöne eines rassistischen Denkens. Beide dieser Ideen waren schwer mit der erklärten politischen und humanitären Ideologie einer republikanischen und demokratischen Gesellschaft zu vereinbaren, in welcher, wie jüdische Aktivisten zugunsten der Immigration wie etwa Israel Zangwill betonten, eine rassische oder ethnische Gruppenmitgliedschaft keine offizielle Billigung hatten. Die Ersetzung dieser Geltendmachung eines ethnischen Eigeninteresses durch eine Ideologie der „Assimilierbarkeit“ in der Debatte über den McCarran-Walter-Act wurde von ihren Opponenten als wenig mehr als eine Nebelwand vor dem „Rassismus“ wahrgenommen. Am Ende brach diese intellektuelle Tradition größtenteils als Ergebnis des Ansturms jener intellektuellen Bewegungen zusammen, welche in diesem Band besprochen werden, und damit kollabierte auch eine zentrale Säule der Verteidigung der ethnischen Interessen der europäischstämmigen Völker.

Der gegenwärtige Lauf der Dinge führt zu der Vorhersage, dass wenn die Ideologie des Individualismus nicht nur von den multikulturellen Minderheiten (die von einer ganzen Generation amerikanischer Intellektueller zum Streben nach ihren Gruppeninteressen ermutigt wurden) aufgegeben wird, sondern auch von den europäischstämmigen Völkern Europas, Nordamerikas, Neuseelands und Australiens, das Endergebnis eine wesentliche Verminderung des genetischen, politischen sowie kulturellen Einflusses dieser Völker sein wird. Es wäre eine noch nie dagewesene, unilaterale Abdankung von solch einer Macht, dass sicherlich ein Evolutionsbiologe keinen solchen freiwilligen Verzicht ohne wenigstens eine Phase des Widerstandes von einem signifikanten Segment der Bevölkerung erwarten würde. Wie oben angedeutet, ist von den europäischstämmigen Völkern zu erwarten, dass sie schließlich etwas von der großartigen Flexibilität enthüllen, welche die Juden über die Zeiten hinweg zeigten, als sie bestimmte politische Formen, die am besten ihren gegenwärtigen Interessen entsprachen, befürworteten. Die Vorhersage besteht in der schlussendlichen Erkenntnis von Segmenten der europäischstämmigen Völker der Welt, dass ihnen sowohl mit der Ideologie des Multikulturalismus als auch mit der Ideologie eines ent-ethnizierten Individualismus schlecht gedient wurde und schlecht gedient ist.

Wenn die Analyse des Antisemitismus, welche in Separation and Its Discontents präsentiert wurde, korrekt ist, wird die zu erwartende Reaktion Aspekte des Judaismus nachahmen, indem sie der Gruppe dienliche, kollektivistische Ideologien und Sozialorganisationen übernimmt. Die theoretisch schwer bestimmbare Natur der menschlichen Gruppenprozesse (A People That Shall Dwell Alone, Kapitel 1; MacDonald 1995b) erlaubt keine detaillierte Vorhersagen darüber, ob die reaktive Strategie ausreichend sein wird, um den gegenwärtigen Niedergang der europäischen Völker in der Neuen Welt und, tatsächlich, in der Heimat ihrer Vorfahren zu stabilisieren oder umzukehren; ob der Prozess zu einer selbstzerstörerischen reaktionären Bewegung degenerieren wird, wie es bei der Spanischen Inquisition geschah; oder ob er eine gemäßigte und permanente Abkehr vom radikalen Individualismus hin zu einer aufrechterhaltenden Gruppenstrategie in Gang setzen wird. Sicher ist, dass die althergebrachte Dialektik zwischen dem Judaismus und dem Westen sich in eine vorhersehbare Zukunft fortsetzen wird. Es wird ironisch sein, dass, was auch immer für eine antisemitische Rhetorik von den Anführern dieser verteidigenden Bewegungen übernommen werden wird, sie doch gezwungen sein werden, Schlüsselelementen des Judaismus als einer evolutionären Gruppenstrategie nachzueifern. Solch eine strategische Nachahmung wird einmal mehr zu einer „Judaisierung“ der westlichen Gesellschaften führen, nicht nur in dem Sinne, dass ihre gesellschaftliche Organisation mehr gruppenorientiert werden wird, sondern auch in dem Sinn, dass sie sich selbst als einer positiv bewerteten Innengruppe und anderen menschlichen Gruppen als konkurrierenden, negativ bewerteten Außengruppen bewusster sein werden. In diesem Sinne, ob der Niedergang der europäischen Völker unvermindert weitergehen wird, oder ob er aufgehalten wird, er wird einen tiefgründigen Zusammenprall des Judaismus als einer evolutionären Gruppenstrategie auf die Entwicklung der westlichen Gesellschaften konstituieren.

Dieses Buch ist der letzte Band in einer Reihe über den Judaismus als einer evolutionären Gruppenstrategie. Ein zukünftiges vergleichendes Buch, dem ich provisorisch den Titel Diaspora Peoples gebe, wird den Brennpunkt auf andere Gruppen als die Juden und die europäischen Völker ausdehnen – die Zigeuner, die Assyrer, die Übersee-Chinesen sowie unter anderen die Parsis und Sikhs. Es wird das Ausmaß testen, in welchem die in dieser Reihe angewendeten Konzepte und Analysen unser Verständnis von Gruppeninteraktion, -kooperation und -konkurrenz, und damit von der menschlichen Evolution im Allgemeinen, erweitern.

ANMERKUNGEN

1) Auf ähnliche Weise beschreibt L. C. Pogrebin (1991) ihr Engagement eine der Hauptfiguren in der frühen feministischen Bewegung und ihre schlussendliche Ernüchterung als Ergebnis des lärmenden Antisemitismus der „Dritte Welt“-Frauen, welcher auf internationalen Konferenzen sichtbar wurde, sowie des mangelnden Eifers auf Seiten der westlichen Feministinnen diese Ausbrüche zu verdammen. Wie viele jüdische Linke entwickelte Pogrebin schließlich eine Kreuzung, bei welcher feministische Ideen mit einem tiefen Bekenntnis zur jüdischen Kultur kombiniert wurden.

2) Im Gegenzug haben die Neokonservativen geantwortet, dass solche Anklagen antisemitisch seien. Russell Kirk erklärte beispielsweise, dass „manche prominente Neokonservative Tel Aviv fälschlicherweise für die Hauptstadt der Vereinigten Staaten halten“, eine Anklage, welche Midge Decter als ein „verfluchtes Stück Antisemitismus“ (siehe Judis 1990, 33) bezeichnete. Man betrachte auch Norman Podhoretz‘ (1986) Kommentar auf Joseph Sobrans Anklagen, dass die US-Außenpolitik von einer mächtigen jüdischen Lobby bestimmt werde, welche Israels Interessen den Interessen Amerikas überordne und sich das US-Militär nutzbar mache, um israelische Militärziele zu verfolgen. Auf der anderen Seite haben die Neokonservativen gelegentlich die Juden dazu aufgerufen, die amerikanische religiöse Rechte aufgrund ihrer Unterstützung Israels nicht zu verdammen (zum Beispiel Kristol 1984). Dies ging selbst trotz Hinweisen auf Antisemitismus auf Seiten der religiösen Rechten vonstatten. So merkt Lind (1995a) die neokonservative Unterstützung für Pat Robertson (zum Beispiel Decter 1994) an. Robertson hat die Rolle der jüdischen Organisationen bei der Unterminierung der öffentlichen Sichtbarkeit des Christentums, ihre Stimmabgabe zugunsten liberaler Politikkandidaten sowie ihre Rolle bei Medienangriffen auf das Christentum in Verruf gebracht (siehe Lind 1994a, 22). Robertson (1991) behauptete auch eine internationale Verschwörungstheorie, in welcher individuelle reiche Juden (beispielsweise die Rothschilds, Paul Warburg) eine prominente Rolle spielen. Anekdotenhafte Sachverhalte zitierend, legt Lind (1995b, 67) nahe, dass diese neokonservative Toleranz solcher Manifestationen des Antisemitismus auf der amerikanischen religiösen Rechten von der Tatsache motiviert sei, dass die religiöse Rechte ein Unterstützer des israelischen rechten Flügels sei.

3) Ryans Charakterisierung von Herrnstein erinnert an Gals (1989, 138) Charakterisierung von Louis Brandeis: „Brandeis sorgte sich um Möglichkeiten, um die Erhaltung eines Typs von Gesellschaft, in welcher ehrgeizige und begabte Personen mittels harter Arbeit und aufgrund ihrer Fähigkeiten in der Lage wären, zu Berühmtheit und einem Vermögen zu kommen.“ Brandeis, ein zionistischer Anführer, wirkte dabei mit, dem Gebrauch der sozialwissenschaftlichen Forschung in juristisch umstrittenen Sozialfragen den Boden zu bereiten, ein Trend, welcher in der Entscheidung Brown v. Board of Education (Urofsky 1989, 144) gipfelte. Roberts und Stratton (1995) behandeln das unethische Verhalten des Richters des Supreme Court, Felix Frankfurter (eines Schützlings von Brandeis), und Philip Elmans (eines Anwalts des Justizministeriums) hinsichtlich des Zustandebringens dieser Entscheidung im Einzelnen.

4) Obwohl zweifellos eine Kluft zwischen der Theorie und der Realität der mittelalterlichen societas Christiana bestand, ist es in meinen Augen völlig unzutreffend, die gesellschaftliche Leistung des Mittelalters in diese Begriffe zu fassen. In dieser Hinsicht möchte ich nochmals als Beispiel auf die mittelalterliche französische Gesellschaft während der Herrschaft des Heiligen Ludwig (1226-1270) verweisen (siehe auch Separation and Its Discontents, Appendix zu Kapitel 5). Ludwig war mit vollen Kräften damit beschäftigt, eine gerechte Gesellschaft zu entwickeln, welche hierarchische Beziehungen schützte, jedoch nichtsdestotrotz versuchte, harmonische wirtschaftliche und politische Beziehungen unter seinem Volk sicherzustellen, und es besteht wenig Zweifel daran, dass er mit seinen Bemühungen im Großen und Ganzen erfolgreich war (beispielsweise Richard 1992). Im Gegensatz zu dieser Ansicht repräsentiert George Mosse eine verbreitete Sichtweise, wenn er einen Kontrast zwischen dem, was er als die irrationalen, mystischen Tendenzen der völkischen Intellektuellen beschreibt, und den jüdisch dominierten, linken intellektuellen Bewegungen dieser Zeit herstellt. Die letzteren werden als rational, wissenschaftlich und mit hohen ethischen Maßstäben beschrieben (siehe Mosse 1970, 171 ff.).

5) Eine solche Art der Gesellschaftspolitik ist so ziemlich das Gegenteil jener des historischen Judaismus und kann langfristig nur zu einem Niedergang der gesamten Gesellschaft führen. Ich habe angemerkt, dass eine entscheidende Komponente des Judaismus als einer evolutionären Gruppenstrategie in eugenischen Praktiken bestand, die auf Intelligenz, Gewissenhaftigkeit und eine Elternschaft mit hohen Investitionen abzielten. Diese Praktiken haben als Ergebnis, dass die Juden in hohem Maße dazu qualifiziert sind, in den zunehmend technologischen, gebildeten Gesellschaften der zeitgenössischen Welt teilzunehmen. Ähnliche eugenische Vorschläge, die ganz bewusst auf die Stärkung die Wettbewerbsfähigkeit der Gruppe abzielen, waren auch unter vielen fortschrittlichen Nichtjuden im Neunzehnten und frühen Zwanzigsten Jahrhundert verbreitet und diese Vorschläge wurden in jüngerer Zeit von Seymour Itzkoff (1991) und Richard Lynn (1996) wiederbelebt. Gegenwärtige Erhebungen und die heutige Theorie unterstützen die Idee, dass eugenische Handlungsweisen nicht nur in einer konkurrenzfähigeren Gruppe resultieren würden, sondern auch aufgrund ihrer Senkung der Kriminalität und der psychiatrischen Störungen zu einer harmonischeren Gesellschaft. Da die traditionellen westlichen Gesellschaften, die in Bezug auf die Fortpflanzung weit egalitärer als jede andere strukturierte Gesellschaft waren, sich bis vor kurzem durch eine gemäßigte Verknüpfung von sozialem und reproduktivem Erfolg charakterisieren ließen, kann man den Standpunkt einnehmen, dass eugenische Praktiken zur westlichen Tradition gehören.

6) Das grundsätzliche Problem, wie es ausführlich von Herrnstein und Murray (1994) sowie Rushton (1995) dokumentiert wurde, liegt darin, dass es eine Kluft von 15 Punkten zwischen dem durchschnittlichen IQ der kaukasischen Amerikaner und der Afroamerikaner in Kombination mit einer ähnlichen Kluft, welche Afroamerikaner durch eine unverhältnismäßig hochgradig fruchtbare Elternschaft mit niedrigen Investitionen charakterisiert, gibt. Es gibt Belege dafür, dass diese sehr großen Gruppenunterschiede genetisch beeinflusst sind, sie jedenfalls nicht entscheidend mittels irgendeiner bekannten Verhaltenstechnik verändert werden kann. Diese Gruppenunterschiede resultierten in einer ausgeprägten Tendenz der Afroamerikaner, eine politische Strategie zu übernehmen, die Programme voranbrachte, welche wirksam die Unterschicht expandieren ließen und gleichzeitig Vergünstigungen auf Gruppenbasis zu favorisieren, um sicherzustellen, dass ihre Gruppe in den Beschäftigungsverhältnissen der höheren sozioökonomischen Klassen proportional vertreten sei. Das Ergebnis davon war eine Eskalation der Ressourcenkonkurrenz auf Gruppenbasis in den Vereinigten Staaten, die formal analog zu den Konsequenzen des historischen Judaismus in den westlichen Gesellschaften verläuft, jedoch von einer recht verschiedenen, evolutionären Gruppenstrategie stammt. Es ist diese Situation, welche gegenwärtig die gefährlichste und am tiefsten sitzende Bedrohung für das westliche Ideal einer hierarchischen Harmonie darstellt.

7) Mosse (1970, 174) beschreibt die jüdisch dominierten, linken Bewegungen der Weimarer Republik als danach trachtend „die Gesellschaft aktiv in Entsprechung zu einem vorgefassten Bild der Menschen und der Welt zu bringen“. Und Horowitz (1993, 62) merkt zu T. W. Adorno an, dass „je weiter die realen Menschen von seinen poltischen Träumen entfernt waren, desto weniger Beachtung schenkte er den Massen als solchen… (Adorno) bereitet der Kultur eines linken Faschismus die Bühne… (die annimmt,) dass das, was die Menschen glaubten, falsch sei und das, was sie gemäß irgendeiner engstirnigen elitären Schicht des kulturellen Apparates glauben sollten, im Wesentlichen richtig sei“. Die völkischen und konservativen Intellektuellen ihrerseits, die eine Gesellschaft auf Grundlage der hierarchischen Harmonie befürworteten, verfochten eine Rückkehr zu einer möglicherweise etwas idealisierten Version eigentlich historisch existenter Gesellschaften, insbesondere im Mittelalter.

8) Eine sehr interessante Analyse der Verbundenheit, welche Menschen gegenüber Haustieren in den modernen westlichen Gesellschaften zeigen, ergibt, dass dieses Phänomen eine Manipulation evolvierter Systeme, die dazu entworfen wurden, engen menschlichen Beziehungen zugrunde zu liegen, durch Haustiere repräsentiert (Archer 1997). Viele Mensch bilden eine extrem enge Verbundenheit zu Haustieren aus, tragen Photographien der Tiere mit sich herum, betrauern den Tod eines Haustieres, feiern den Geburtstag von Haustieren und so weiter, häufig verbunden mit beträchtlichen Kosten für sie selbst. Aus einer evolutionären Perspektive ist solch ein Verhalten vermutlich in einem negativen Sinne adaptiv (wenigstens im Falle des Fehlens irgendwelcher aufhebender psychologischer Vorteile). Jedenfalls stellt es eine Ausbeutung von Seiten der Tiere dar, und es ist vernünftig, anzunehmen, dass Menschen, welche dazu neigen, enge Beziehungen zu entwickeln, mit einer höheren Wahrscheinlichkeit als der Durchschnitt auf diese Weise ausgebeutet werden kann. Diese Phänomene sind eher für westliche Gesellschaften charakteristisch als für andere (Archer 1997). Diese Befunde passen gut zu der Behauptung, dass die romantische Liebe und Bindung typischer für westliche Gesellschaften sind, und sie illustrieren, wie ein evolviertes System, das in der Umwelt der Vorfahren hochgradig adaptiv war, in einem adaptiven Verhalten im negativen Sinne in Umgebungen, welche weit von den Umweltbedingungen entfernt sind, in denen die westlichen Völker evolvierten, resultieren kann.

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Siehe auch:

Benzion Netanjahu: Jüdischer Aktivist und intellektueller Apologet von Kevin MacDonald

Traditionelle jüdische Ethik von Kevin MacDonald

Umgestaltung der Rechten von Kevin MacDonald

Neue Forschungen über Individualismus und Kollektivismus von Kevin MacDonald

„Die Islamisierung Europas – eine gute Sache“ von Kobi Nahshoni

Hegemonie von Greg Johnson

Imperiale Juden und internationale Juden von Matt Parrott

White Man’s Burden von Ari Shavit

Wer kontrolliert Hollywood? von Joel Stein

Die schlimmste Todsünde der Political Correctness von Tanstaafl

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