Die Kultur der Kritik (7): Jüdische Mitwirkung an der Gestaltung der amerikanischen Einwanderungspolitik

Von Prof. Kevin MacDonald, übersetzt von Deep Roots (ursprünglich veröffentlicht auf „As der Schwerter“). Das Original „The Culture of Critique“ erschien 1998 bei Praeger Publishers und die mir vorliegende Paperback-Ausgabe 2002 bei 1st Books Library (ISBN 0-7596-7222-9). Ich erhebe keinen Anspruch auf eine wie auch immer geartete Vergütung für die Verwendung dieser Übersetzung durch den Verfasser, Professor Kevin MacDonald, für eine Veröffentlichung in Buchform oder in irgendeiner sonstigen Weise.

(I will not claim any reward whatsoever from the author, Professor Kevin MacDonald, should he publish this translation in printed or any other form)

Zuvor veröffentlicht:

Die Kultur der Kritik: Vorwort von Professor Kevin MacDonald

Die Kultur der Kritik: Vorwort von Professor Kevin MacDonald zur ersten Paperback-Ausgabe

Die Kultur der Kritik (1) – Juden und die radikale Kritik an der nichtjüdischen Kultur: Einführung und Theorie

Die Kultur der Kritik (2) – Die Boas’sche Schule der Anthropologie und der Niedergang des Darwinismus in den Sozialwissenschaften

Die Kultur der Kritik (3) – Juden und die Linke

Die Kultur der Kritik (4): Die jüdische Beteiligung an der psychoanalytischen Bewegung

Die Kultur der Kritik (5): Die Frankfurter Schule für Sozialforschung und die Pathologisierung nichtjüdischer Gruppenloyalitäten

Die Kultur der Kritik (6): Die jüdische Kritik an der nichtjüdischen Kultur: Eine Reprise

Heute… scheinen die Einwanderer – vor allem die jüdischen Einwanderer – amerikanischer zu sein als die WASP’s. Sie sind die Gesichter und Stimmen und Gedankenwendungen, die uns am vertrautesten scheinen, als buchstäbliche zweite Natur. [Der WASP] ist der komische Kauz, der Fremde, das Fossil. Wir werfen einen Blick auf ihn, ein wenig verdutzt, und sagen uns: „Wo ist er hin?“ Wir erinnern uns an ihn: blaß, balanciert, ordentlich gekleidet, lebhaft seiner selbst sicher. Und wir sehen ihn als Außenseiter, als Ausländer, eine halbwegs noble Zuchtlinie, die dabei ist, zu verschwinden… Er hat aufgehört, repräsentativ zu sein, und wir haben es erst in dieser Minute bemerkt. Und sowieso nicht so eindeutig.

Was seit dem Zweiten Weltkrieg geschehen ist, ist, daß die amerikanische Empfindung teilweise jüdisch geworden ist, vielleicht genauso jüdisch wie irgendetwas anderes… Der gebildete amerikanische Geist hat gewissermaßen begonnen, jüdisch zu denken. Es ist ihm beigebracht worden, und er war bereit dazu. Nach den Entertainern und Romanautoren kamen die jüdischen Kritiker, Politiker, Theologen. Kritiker und Politiker und Theologen sind von Berufs wegen Former: sie formen die Art zu sehen. (Walter Kerr 1968, D1, D3)

Die Einwanderungspolitik ist ein paradigmatisches Beispiel für Interessenkonflikte zwischen Volksgruppen, weil die Einwanderungspolitik die zukünftige demographische Zusammensetzung der Nation bestimmt. Volksgruppen, die nicht in der Lage sind, die Einwanderungspolitik in ihrem eigenen Interesse zu beeinflussen, werden schließlich von Gruppen verdrängt werden, die zur Erreichung dieses Zieles fähig sind. Einwanderungspolitik ist daher für einen Evolutionisten von fundamentalem Interesse.

Dieses Kapitel behandelt den ethnischen Konflikt zwischen Juden und Nichtjuden auf dem Gebiet der Einwanderungspolitik. Diese ist jedoch nur ein Aspekt des Interessenkonflikts zwischen Juden und Nichtjuden in den Vereinigten Staaten. Die Scharmützel zwischen den Juden und der nichtjüdischen Machtstruktur, die im späten neunzehnten Jahrhundert begannen, hatten immer starke Obertöne von Antisemitismus. Bei diesen Kämpfen ging es um jüdische Aufwärtsmobilität, Quoten für die jüdische Vertretung in den Eliteschulen, angefangen im neunzehnten Jahrhundert und kulminierend in den 1920ern und 1930ern, die antikommunistischen Kreuzzüge in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wie auch um die sehr starke Besorgnis wegen der kulturellen Einflüsse der größeren Medien, die sich von Henry Fords Schriften in den 1920ern über die Inquisitionen der McCarthy-Ära bis in die Gegenwart erstreckte (Separation and its Discontents, Kapitel 2). Daß Antisemitismus an diesen Angelegenheiten beteiligt war, kann man aus der Tatsache ersehen, daß Historiker des Judaismus (z.B. Sachar 1992, S. 620ff) sich verpflichtet fühlen, Berichte über diese Ereignisse als wichtig für die Geschichte der Juden in Amerika einzubeziehen, an den antisemitischen Äußerungen vieler der nichtjüdischen Teilnehmer und am selbstbewußten Verständnis jüdischer Teilnehmer und Beobachter.

Die jüdische Beteiligung an der Beeinflussung der Einwanderungspolitik in den Vereinigten Staaten ist besonders als Aspekt ethnischen Konflikts bemerkenswert. Die jüdische Mitwirkung an der Beeinflussung der Einwanderungspolitik hat gewisse einzigartige Eigenschaften gehabt, die jüdische Interessen von den Interessen anderer Gruppen unterschieden, die eine liberale Einwanderungspolitik befürworteten. Während eines Großteils der Zeitperiode von 1881 bis 1965 entsprang ein jüdisches Interesse an liberaler Einwanderungspolitik einem Wunsch, eine Zuflucht für Juden zu schaffen, die vor antisemitischen Verfolgungen in Europa und anderswo flohen. Antisemitische Verfolgungen sind ein wiederkehrendes Phänomen in der modernen Welt gewesen, angefangen mit den russischen Pogromen von 1881 und fortgesetzt bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in der Sowjetunion und in Osteuropa. Als Folge davon ist liberale Einwanderung ein jüdisches Interesse gewesen, weil „das Überleben oft diktierte, daß Juden Zuflucht in anderen Ländern suchten“ (Cohen 1972, S. 341). Aus einem ähnlichen Grund haben Juden beständig eine internationalistische Außenpolitik der Vereinigten Staaten befürwortet, weil „ein international gesinntes Amerika wahrscheinlich sensibler für die Probleme ausländischer Judengruppen sein wird“ (S. 342).

Es gibt auch Hinweise darauf, daß Juden viel mehr als jede andere aus Europa stammende Volksgruppe in den Vereinigten Staaten eine liberale Einwanderungspolitik als Mechanismus gesehen haben, der sicherstellt, daß die Vereinigten Staaten eine pluralistische statt einer einheitlichen, homogenen Gesellschaft sein würden (z. B. Cohen 1972). Pluralismus dient sowohl inneren (gruppeninternen) als auch externen (zwischen Gruppen) jüdischen Interessen. Pluralismus dient inneren jüdischen Interessen, weil er das interne jüdische Interesse an einer Rationalisierung und offenen Befürwortung eines Interesses an offener statt halb-kryptischer jüdischer Gruppenbindung und Nichtassimilierung legitimiert, was Howard Sachar (1992, S. 427) als seine Funktion der „Legitimierung der Bewahrung einer Minderheitskultur inmitten der mehrheitlichen Gastgesellschaft“ bezeichnet. Sowohl Neusner (1993) als auch Ellman (1987) meinen, daß das gesteigerte Gefühl ethnischen Bewußtseins, das seit kurzem in jüdischen Kreisen zu erkennen ist, von dieser allgemeinen Bewegung innerhalb der amerikanischen Gesellschaft hin zur Legitimierung von kulturellem Pluralismus und Ethnozentrismus von Minderheitengruppen beeinflußt worden ist. Dieser Trend zu offenen statt der halb-kryptischen Formen, die das Judentum in westlichen Gesellschaften des zwanzigsten Jahrhunderts charakterisiert haben, wird von vielen als entscheidend für den Fortbestand des Judentums betrachtet (z. B. Abrams 1997; Dershowitz 1997; siehe Separation and its Discontents, Kapitel 8). Das Reformjudentum, die am wenigsten offene Form des zeitgenössischen Judentums, wird stetig traditioneller, einschließlich einer größeren Wertlegung auf religiöse Rituale und einer tiefen Sorge um die Verhinderung von Mischehen. Eine vor kurzem abgehaltene Konferenz von Reformrabbis betonte, daß die starke Zunahme des Traditionalismus teilweise das Ergebnis der zunehmenden Legitimität des ethnischen Bewußtseins im Allgemeinen ist (Los Angeles Times, 20. Juni 1998, A26).

Ethnischer und religiöser Pluralismus dient auch äußeren jüdischen Interessen, weil Juden dadurch nur eine von vielen Volksgruppen werden. Dies hat die Streuung politischen und kulturellen Einflusses unter den verschiedenen ethnischen und religiösen Gruppen zur Folge, und es wird schwierig oder unmöglich, einheitliche, zusammenhängende Gruppen von Nichtjuden zu entwickeln, die in ihrer Opposition gegen das Judentum vereint sind. Geschichtlich haben größere antisemitische Bewegungen dazu geneigt, in Gesellschaften auszubrechen, die abgesehen von den Juden religiös und/oder ethnisch homogen gewesen sind (siehe Separation and its Discontents). Umgekehrt war ein Grund für den relativen Mangel an Antisemitismus in Amerika im Vergleich zu Europa der, daß „Juden nicht als einzelne Gruppe von [religiösen] Nonkonformisten hervorstachen.“ (Higham 1984, S. 156). Obwohl ethnischer und kultureller Pluralismus sicherlich nicht in garantierter Weise jüdische Interessen befriedigen (siehe Kapitel 8), ist es trotzdem so, daß ethnisch und religiös pluralistische Gesellschaften von Juden als mit größerer Wahrscheinlichkeit jüdische Interessen befriedigend wahrgenommen worden sind als Gesellschaften, die von ethnischer und religiöser Homogenität unter Nichtjuden gekennzeichnet sind.

Tatsächlich scheint auf grundlegender Ebene die Motivation für all die jüdischen politischen und intellektuellen Aktivitäten, die in diesem ganzen Band betrachtet werden, aufs Engste mit Furcht vor Antisemitismus verbunden zu sein. Svonkin (1997, S. 8ff) zeigt, daß ein Gefühl von „Unbehagen“ und Unsicherheit das amerikanische Judentum nach dem Zweiten Weltkrieg selbst angesichts von Anzeichen dafür erfüllte, daß der Antisemitismus so weit abgenommen hatte, daß er zu einem Randphänomen geworden war. Als direkte Folge davon „war es das Hauptziel der jüdischen Organisationen für Beziehungen zwischen Gruppen [d. h., des AJCommittee, des AJCongress und der ADL] nach 1945… das Aufkommen einer antisemitischen reaktionären Massenbewegung in den Vereinigten Staaten zu verhindern“ (Svonkin 1997, S. 8).

Isaacs (1974, S. 14ff) beschreibt die weit verbreitete Unsicherheit amerikanischer Juden und ihre Hyperempfindlichkeit gegenüber allem, was für antisemitisch gehalten werden könnte. In Interviews „bekannter Männer des öffentlichen Lebens“ zum Thema Antisemitismus in den frühen 1970ern fragte Isaacs: „Glauben Sie, daß es hier geschehen könnte?“ „Nie war es nötig, ‚es’ zu definieren. In fast jedem Fall war die Antwort annähernd dieselbe: ‚Wenn man überhaupt über Geschichte Bescheid weiß, dann muß man nicht annehmen, daß es geschehen könnte, sondern daß es wahrscheinlich geschehen wird’, oder ‚Es ist keine Frage des Ob; es ist eine Frage des Wann’“ (S. 15). Isaacs schreibt die Intensität der jüdischen Beteiligung an der Politik, meiner Ansicht nach zu Recht, dieser Furcht vor Antisemitismus zu. Jüdischer Aktivismus in Sachen Einwanderung ist bloß ein Strang einer mehrfach verzweigten Bewegung, die auf die Verhinderung der Entwicklung einer Massenbewegung des Antisemitismus in westlichen Gesellschaften gerichtet ist. Andere Aspekte dieses Programms werden nachstehend kurz betrachtet.

Ausdrückliche Aussagen, die Einwanderungspolitik mit einem jüdischen Interesse an kulturellem Pluralismus in Verbindung bringen, sind unter prominenten jüdischen Sozialwissenschaftlern und politischen Aktivisten zu finden. In seiner Rezension von Horace Kallens Cultural Pluralism and the American Idea (1956), erschienen in Congress Weekly (herausgegeben vom AJCongress), stellte Joseph L. Blau (1958, S. 15) fest: „Kallens Sichtweise ist nötig, um der Sache von Minderheitengruppen und Minderheitenkulturen in dieser Nation ohne permanente Mehrheit zu dienen“ – was andeutet, daß Kallens Ideologie des Multikulturalismus sich gegen die Interessen jeder Volksgruppe an der Beherrschung der Vereinigten Staaten wendet. Der bekannte Autor und prominente Zionist Maurice Samuel (1924, S. 215) schrieb teilweise als negative Reaktion auf das Einwanderungsgesetz von 1924: „Falls also das Ringen zwischen uns [d. h., zwischen Juden und Nichtjuden] jemals über das Physische hinaus erhoben werden soll, werden eure Demokratien ihre Forderungen nach rassischer, spiritueller und kultureller Homogenität mit dem Staat ändern müssen. Aber es wäre töricht, dies als eine Möglichkeit zu betrachten, denn die Tendenz dieser Zivilisation geht in die entgegengesetzte Richtung. Es gibt eine stetige Annäherung an die Identifikation der Regierung mit der Rasse anstatt mit dem politischen Staat.“

Samuel mißbilligte das Einwanderungsgesetz von 1924 als Verletzung seiner Vorstellung von den Vereinigten Staaten als einem rein politischen Gebilde ohne ethnische Implikationen.

„Wir haben in Amerika gerade – in der an dieses Land angepaßten eigentümlichen Form – die Wiederholung der bösen Farce erlebt, an die uns die Erfahrung vieler Jahrhunderte noch nicht gewöhnt hat. Wenn Amerika überhaupt irgendeine Bedeutung hatte, dann lag sie in dem sonderbaren Versuch, sich über den Trend unserer gegenwärtigen Zivilisation zu erheben – der Identifikation von Rasse mit dem Staat…. Amerika war daher die Neue Welt in dieser entscheidenden Hinsicht – daß der Staat rein ein Ideal war, und Nationalität nur mit der Akzeptanz dieses Ideals identisch war. Aber es scheint jetzt, daß dieser ganze Standpunkt ein irriger war, daß Amerika unfähig war, sich über seine Ursprünge zu erheben, und daß die Ähnlichkeit mit einem Ideal-Nationalismus nur ein Stadium in der eigentlichen Entwicklung des universalen nichtjüdischen Geistes war…. Heute, wo die Rasse über das Ideal triumphiert, entblößt der Antisemitismus seine Reißzähne, und der herzlosen Verweigerung des elementarsten Menschenrechtes, des Rechts auf Asyl, wird feige Beleidigung hinzugefügt. Wir werden nicht nur ausgeschlossen, sondern man sagt uns, in der unmißverständlichen Sprache der Einwanderungsgesetze, daß wir ein ‚minderwertiges’ Volk sind. Ohne den moralischen Mut, voll und ganz gegen seine bösen Instinkte aufzustehen, hat sich das Land durch seine Journalisten in einer langen Strömung der Judenschmähung darauf vorbereitet, und als es ausreichend durch populäre und ‚wissenschaftliche’ Zaubertränke inspiriert war, beging es die Tat.“ (S. 218 – 220)

Eine deckungsgleiche Meinung wird vom prominenten jüdischen Sozialwissenschaftler und politischen Aktivisten Earl Raab ausgedrückt, der sich sehr positiv über den Erfolg der amerikanischen Einwanderungspolitik bei der Änderung der ethnischen Zusammensetzung der Vereinigten Staaten seit 1965 äußert.148 Raab merkt an, daß die jüdische Gemeinde eine Führungsrolle bei der Veränderung der pro-nordwesteuropäischen Tendenz der amerikanischen Einwanderungspolitik übernommen hat (1993a, S. 17), und er hat auch darauf beharrt, daß ein Faktor, der den Antisemitismus in den zeitgenössischen Vereinigten Staaten verhindert, darin besteht, daß „eine zunehmende ethnische Heterogenität als Folge der Einwanderung es noch schwieriger gemacht hat, daß sich eine bigotte politische Partei oder Massenbewegung entwickelt“ (1995, S. 91). Oder noch farbiger:

„Das Statistische Bundesamt hat gerade berichtet, daß etwa die Hälfte der amerikanischen Bevölkerung bald nicht-weiß oder nichteuropäisch sein wird. Und sie alle werden amerikanische Staatsbürger sein. Wir sind über den Punkt hinaus gekippt, wo eine nazistische Arierpartei sich in diesem Land durchsetzen können wird.

Wir [d.h. die Juden] haben etwa ein halbes Jahrhundert lang das amerikanische Klima der Opposition gegen Bigotterie genährt. Dieses Klima ist noch nicht perfektioniert worden, aber die heterogene Natur unserer Bevölkerung tendiert dazu, dies irreversibel zu machen – und macht unsere verfassungsmäßigen Einschränkungen gegen Bigotterie praktikabler als je zuvor.“ (Raab 1993b, S. 23).

Positive Einstellungen zu kultureller Vielfalt sind auch in anderen Aussagen jüdischer Autoren und Führer zur Einwanderung erschienen. Charles Silberman (1985, S. 350) stellt fest: „Amerikanische Juden engagieren sich für kulturelle Toleranz wegen ihrer Überzeugung – die fest in der Geschichte verwurzelt ist -, daß Juden nur in einer Gesellschaft sicher sind, die ein breites Spektrum von Einstellungen und Verhaltensweisen akzeptiert sowie eine Vielfalt religiöser und ethnischer Gruppen. Es ist zum Beispiel diese Überzeugung, nicht eine Billigung der Homosexualität, die dazu führt, daß eine überwiegende Mehrheit der U.S.-Juden ‚Schwulenrechte’ befürwortet und eine liberale Haltung zu den meisten anderen sogenannten ‚gesellschaftlichen’ Fragen einnimmt.“149

In ähnlicher Weise stellte die Direktorin des Washington Action Office of the Council of Jewish Federations in einer Aufzählung der Vorteile der Einwanderung fest, daß es bei der Einwanderung „um Vielfalt, kulturelle Bereicherung und wirtschaftliche Chancen für die Einwanderer geht“ (in Forward, 8. März 1996, S. 5). Und in Zusammenfassung der jüdischen Beteiligung am Ringen um die Gesetzgebung von 1996 erklärte ein Zeitungsbericht: „Jüdischen Gruppen ist es nicht gelungen, eine Anzahl von Bestimmungen zu Fall zu bringen, welche die Art politischer Zweckmäßigkeit reflektieren, die sie als direkten Angriff auf den amerikanischen Pluralismus betrachten“ (Detroit Jewish News, 10. Mai 1996).

Weil liberale Einwanderungspolitik ein wichtiges jüdisches Interesse ist, überrascht es nicht, daß die Unterstützung liberaler Einwanderungspolitik das jüdische politische Spektrum überspannt. Wir haben gesehen, daß Sidney Hook, der zusammen mit den anderen New Yorker Intellektuellen als intellektueller Vorläufer des Neokonservatismus betrachtet werden könnte, Demokratie mit der Gleichheit von Unterschieden identifizierte und mit der Maximierung der kulturellen Vielfalt (siehe Kapitel 6). Neokonservative sind starke Verfechter einer liberalen Einwanderungspolitik gewesen, und es hat einen Konflikt zwischen vorwiegend jüdischen Neokonservativen und vorwiegend nichtjüdischen Paläokonservativen wegen der Frage der Einwanderung aus der Dritten Welt in die Vereinigten Staaten. Die Neokonservativen Norman Podhoretz und Richard John Neuhaus reagierten sehr negativ auf einen Artikel von einem Paläokonservativen, der darüber besorgt war, daß eine derartige Einwanderung mit der Zeit zur Dominierung der Vereinigten Staaten durch solche Einwanderer führen würde (siehe Judis 1990, S. 33). Andere Beispiele sind die Neokonservativen Julian Simon (1990) und Ben Wattenberg (1991), die beide sehr hohe Einwanderungsniveaus aus allen Teilen der Welt befürworten, sodaß die Vereinigten Staaten das würden, was Wattenberg als die erste „universale Nation“ der Welt beschreibt. Basierend auf kürzlichen Daten berichtet Fetzer (1996), daß Juden der Einwanderung in die Vereinigten Staaten weiterhin weit wohlgesonnener sind als jede andere ethnische Gruppe oder Religion.

Es sollte als allgemeiner Punkt festgehalten werden, daß die Effektivität jüdischer Organisationen bei der Beeinflussung der amerikanischen Einwanderungspolitik durch gewisse Charakteristika des amerikanischen Judentums gefördert worden ist, die direkt mit dem Judaismus als gruppenevolutionäre Strategie verbunden sind, und insbesondere durch einen IQ, der mindestens eine Standardabweichung über dem kaukasischen Mittelwert liegt (A People That Shall Dwell Alone, Kapitel 7). Hoher IQ ist mit Erfolg in einem breiten Spektrum von Aktivitäten in zeitgenössischen Gesellschaften verbunden, einschließlich insbesondere mit Reichtum und Sozialstatus (Herrnstein & Murray 1994). Wie Neuringer (1971, S. 87) anmerkt, wurde der jüdische Einfluß auf die Einwanderungspolitik durch jüdischen Reichtum, Bildung und gesellschaftlichen Status unterstützt. In Widerspiegelung ihrer allgemein unverhältnismäßigen Repräsentation bei den Kennzeichen wirtschaftlichen Erfolgs und politischen Einflusses sind jüdische Organisationen in der Lage gewesen, einen weit überproportionalen Einfluß auf die Einwanderungspolitik der Vereinigten Staaten zu nehmen, weil Juden als Gruppe stark organisiert, hochintelligent und politisch gerissen sind und bei der Verfolgung ihrer politischen Ziele über ein hohes Maß an finanziellen, politischen und intellektuellen Ressourcen verfügen konnten. In ähnlicher Weise merkt Hollinger (1996, S. 19) an, daß Juden wegen ihres größeren Reichtums, der höheren sozialen Stellung und technischen Fertigkeit in der intellektuellen Arena einflußreicher beim Niedergang einer homogenen protestantisch-christlichen Kultur in den Vereinigten Staaten gewesen sind als Katholiken. Auf dem Gebiet der Einwanderungspolitik wurde die hauptsächliche jüdische Aktivistenorganisation zu deren Beeinflussung, das AJCommittee, charakterisiert von „starker Führung [besonders durch Louis Marshall], innerem Zusammenhalt, gut finanzierten Programmen, ausgeklügelten Lobbying-Techniken, gutgewählten nichtjüdischen Verbündeten und gutem Timing“ (Goldstein 1990, S. 333). Goldberg (1996, S. 38 – 39) merkt an, daß es in den Vereinigten Staaten gegenwärtig annähernd 300 landesweite jüdische Organisationen gibt mit einem Budget, das zusammengenommen auf ungefähr 6 Milliarden Dollar geschätzt wird – eine Summe, die, wie Goldberg anmerkt, größer ist als das Bruttosozialprodukt der Hälfte der Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen.

Die jüdischen Bestrebungen zur Verwandlung der Vereinigten Staaten in eine pluralistische Gesellschaft sind an mehreren Fronten durchgeführt worden. Zusätzlich zur Besprechung legislativer und Lobbying-Aktivitäten im Zusammenhang mit der Einwanderungspolitik werden auch jüdische Anstrengungen in der intellektuell-akademischen Arena erwähnt werden, auf dem Gebiet der Beziehungen zwischen Kirche und Staat und bei der Organisierung der Afroamerikaner als politische und kulturelle Kraft.

1) Intellektuell-akademische Anstrengungen: Hollinger (1996, S. 4) bemerkt „die Umwandlung der ethno-religiösen Demographie in der akademischen Szene Amerikas durch die Juden“ im Zeitraum von den 1930ern bis zu den 1960ern, wie auch den jüdischen Einfluß auf die Trends zur Säkularisierung der amerikanischen Gesellschaft und bei der Förderung des Kosmopolitentums als Ideal (S. 11). Das Tempo dieses Einflusses wurde sehr wahrscheinlich von den Kämpfen der 1920er um die Einwanderung beeinflußt. Hollinger merkt an, daß „der Einfluß des alten protestantischen Establishments in großem Maß wegen des Einwanderungsgesetzes von 1924 bis in die 1960er fortbestand: wäre die massive Einwanderung von Katholiken und Juden auf dem Niveau von vor 1924 weitergegangen, dann wäre die amerikanische Geschichte in vieler Weise anders verlaufen, einschließlich, wie man vernünftigerweise spekulieren kann, einer schnelleren Schrumpfung der protestantischen kulturellen Hegemonie. Die Einwanderungsbeschränkung gab dieser Hegemonie ein neues geborgtes Leben“ (S. 22). Man kann daher vernünftigerweise annehmen, daß das Ringen um die Einwanderung von 1881 bis 1965 von folgenschwerer Bedeutung bei der Gestaltung der Konturen der amerikanischen Kultur im späten zwanzigsten Jahrhundert gewesen ist.

Von besonderem Interesse ist hier die Ideologie, daß die Vereinigten Staaten eine ethnisch und kulturell pluralistische Gesellschaft sein sollten. Angefangen mit Horace Kallen sind jüdische Intellektuelle bei der Entwicklung von Modellen der Vereinigten Staaten als kulturell und ethnisch pluralistische Gesellschaft an vorderster Front gewesen. In Widerspiegelung der Nützlichkeit des kulturellen Pluralismus für interne jüdische Gruppeninteressen an der Beibehaltung des kulturellen Separatismus kombinierte Kallen persönlich seine Ideologie des kulturellen Pluralismus mit einem tiefen Eintauchen in die jüdische Geschichte und Literatur, einem Engagement für den Zionismus und mit politischer Aktivität im Interesse von Juden in Osteuropa (Sachar 1992, S. 425ff; Frommer 1978).

Kallen (1915, 1924) entwickelte ein „polyzentrisches“ Ideal für amerikanische ethnische Beziehungen. Kallen definierte Volkstum als etwas, das sich von jemandes biologischer Ausstattung ableitet, was bedeutet, daß die Juden eine genetisch und kulturell geschlossene Gruppe bleiben können sollten, während sie an amerikanischen demokratischen Institutionen teilnahmen. Diese Vorstellung, daß die Vereinigten Staaten als eine Anzahl separater ethnisch-kultureller Gruppen organisiert sein sollten, wurde von einer Ideologie begleitet, daß die Beziehungen zwischen Gruppen kooperativ und freundlich wären: „Kallen erhob seine Augen über den Hader, der ihn umwaberte, zu einem idealen Bereich, wo Vielfalt und Harmonie miteinander koexistieren“ (Higham 1984, S. 209). In ähnlicher Weise behauptete der jüdische Führer Moritz Lazarus in Deutschland im Gegensatz zu den Ansichten des deutschen Intellektuellen Heinrich von Treitschke, daß die fortgesetzte Separatheit diverser ethnischer Gruppen zum Reichtum der deutschen Kultur beitrügen (Schorsch 1972, S. 63). Lazarus entwickelte auch die Doktrin der doppelten Loyalität, die zum einem Eckstein der zionistischen Bewegung wurde. Bereits 1862 hatte Moses Hess die Ansicht entwickelt, daß das Judentum die Welt in eine Ära universaler Harmonie führen würde, in der jede Volksgruppe ihre separate Existenz behalten, aber keine Gruppe irgendein Landgebiet kontrollieren würde (siehe Separation and its Discontents, Kapitel 5).

Kallen schrieb sein Buch von 1915 teilweise als Reaktion auf die Ideen von Edward A. Ross (1914). Ross war ein darwinistischer Soziologe, der glaubte, daß die Existenz deutlich abgegrenzter Gruppen dazu tendieren würde, zu Konkurrenz zwischen Gruppen um Ressourcen zu führen – eindeutig eine Sichtweise, die sich sehr mit der Theorie und den Daten deckt, die in Separation and its Discontents präsentiert werden. Highams Kommentar ist interessant, weil er zeigt, daß Kallens romantische Ansichten zur Koexistenz von Gruppen im massiven Widerspruch zur Realität der Konkurrenz zwischen Gruppen in seiner eigenen Zeit standen. In der Tat ist es erwähnenswert, daß Kallen ein prominenter Führes des AJCongress war. Während der 1920er und 1930er setzte sich der AJCongress für gruppenökonomische und politische Rechte von Juden in Osteuropa ein, zu einer Zeit, als es weitverbreitete ethnische Spannungen und Verfolgungen von Juden gab, und trotz der Befürchtungen vieler, daß solche Rechte bloß die gegenwärtigen Spannungen verschärfen würden. Der AJCongress forderte, daß Juden proportionale politische Repräsentation sowie die Fähigkeit gestattet werden sollte, ihre eigenen Gemeinschaften zu organisieren und eine autonome jüdische Nationalkultur zu bewahren. Die Abkommen mit osteuropäischen Ländern und mit der Türkei enthielten Bestimmungen, daß der Staat für Unterricht in den Sprachen der Minderheiten sorgt und daß Juden das Recht haben, die Teilnahme an Gerichtsverhandlungen oder anderen öffentlichen Funktionen am Sabbat zu verweigern (Frommer 1978, S. 162).

Kallens Idee vom Kulturpluralismus als Modell für die Vereinigten Staaten wurde von John Dewey unter nichtjüdischen Intellektuellen populär gemacht (Higham 1984, S. 209), der seinerseits von jüdischen Intellektuellen gefördert wurde: „Wenn nicht praktizierende Kongregationalisten wie Dewey nicht Einwanderer brauchten, um sie dazu zu inspirieren, gegen die Grenzen selbst der liberalsten protestantischen Empfindungen zu drücken, so wurden solche wie Dewey von den jüdischen Intellektuellen, denen sie in städtischen akademischen und literarischen Gemeinschaften begegneten, lautstark in diese Richtung animiert“ (Hollinger 1996, S. 24). „Eine Kraft in diesem [Kulturkampf der 1940er] war eine säkulare, zunehmend jüdische, entschieden links von der Mitte stehende Intelligenzia, die weitgehend… in den Fachgemeinschaften der Philosophie und der Sozialwissenschaften beheimatet war… Der führende Geist war der alternde John Dewey selbst, der immer noch gelegentlich Artikel und Ansprachen zu der Sache beitrug“ (S. 160). (Die Herausgeber der Partisan Review, des hauptsächlichen Journals der New Yorker Intellektuellen, veröffentlichten Arbeiten von Dewey und nannten ihn „Amerikas führenden Philosophen“ [PR 13:608, 1946]; Deweys Schüler, der New Yorker Intellektuelle Sidney Hook [1987, S. 82], lobte Dewey ebenfalls reichlich und nannte ihn „den intellektuellen Führer der liberalen Gemeinde in den Vereinigten Staaten“ und „eine Art intellektueller Tribun für progressive Anliegen“.) Als der führende amerikanische Säkularist war Dewey mit einer Gruppe jüdischer Intellektueller verbündet, die gegen „spezifisch christliche Formulierungen der amerikanischen Demokratie“ waren (Hollinger 1996, S. 158). Dewey hatte enge Verbindungen zu den New Yorker Intellektuellen, von denen viele Trotzkisten waren, und er leitete die Dewey Commission, die Trotzki von Anschuldigungen entlastete, die in den Moskauer Prozessen von 1936 vorgebracht wurden. Dewey war sehr einflußreich bei der breiten Öffentlichkeit. Henry Commager beschrieb Dewey als „den Führer, den Mentor und das Gewissen des amerikanischen Volkes; es ist kaum übertrieben zu sagen, daß eine Generation lang keine Frage geklärt war, bis Dewey gesprochen hatte“ (in Sandel 1996, S. 36). Dewey war der führene Verfechter „progressiver Schulbildung“ und half bei der Gründung der New School for Social Research und der American Civil Liberties Union, beides im Wesentlichen jüdische Organisationen (Goldberg 1996, S. 46, S. 131). Wie bei mehreren anderen in diesem Band besprochenen Nichtjuden repräsentierte Dewey, dessen „Mangel an Präsenz als Schriftsteller, Redner oder Persönlichkeit seinen Anklang beim Volk irgendwie zu einem Mysterium macht“ (Sandel 1996, S. 35) somit das öffentliche Gesicht einer Bewegung, die von jüdischen Intellektuellen dominiert wurde.

Kallens Ideen sind bei der Schaffung jüdischer Selbstkonzeptualisierungen ihres Status in Amerika sehr einflußreich gewesen. Dieser Einfluß war schon 1915 unter amerikanischen Zionisten wie Louis D. Brandeis offensichtlich.150 Brandeis betrachtete die Vereinigten Staaten als aus verschiedenen Nationalitäten zusammengesetzt, deren freie Entwicklung „die Vereinigten Staaten spirituell bereichern und zu einer Demokratie par excellence machen würde“ (Gal 1989, S. 70). Diese Ansichten wurden zu „einem Kennzeichen des etablierten amerikanischen Zionismus, des säkularen wie des religiösen gleichermaßen“ (Gal 1989, S. 70). Kultureller Pluralismus war auch nach dem Zweiten Weltkrieg ein Kennzeichen der jüdisch dominierten Bewegung für Beziehungen zwischen Gruppen, obwohl diese Intellektuellen diese Ideen manchmal im Sinne von „Einheit in Vielfalt“ oder „kulturelle Demokratie“ formulierten, um die Konnotation zu beseitigen, daß die Vereinigten Staaten buchstäblich eine Föderation verschiedener nationaler Gruppen sein sollten, wie es der AJCongress im Fall von Osteuropa und anderswo befürwortete (Svonkin 1997, S, 22). Kallens Einfluß erstreckte sich in Wirklichkeit auf alle gebildeten Juden:

Indem er die Bewahrung einer Minderheitskultur inmitten der Gastgesellschaft einer Mehrheit legitimierte, funktionierte der Pluralismus als intellektuelle Verankerung für eine gebildete jüdische zweite Generation und unterstützte ihren Zusammenhalt und ihre beharrlichsten gemeinschaftlichen Unternehmungen durch die Härten der Depression und des wiederbelebten Antisemitismus, durch den Schock des Nazismus und des Holocaust, bis das Aufkommen des Zionismus in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg mit einem eigenen erlöserischen Eifer durch das amerikanische Judentum fegte. (Sachar 1992, S. 427).

Wie David Petegorsky, der Geschäftsführer des AJCongress, in einer Rede vor dem zweijährlichen Konvent des AJCongress von 1948 erklärte:

Wir sind zutiefst davon überzeugt, daß das jüdische Überleben einerseits von jüdischer Staatlichkeit in Palästina abhängt, und andererseits von der Existenz einer kreativen, bewußten und angepaßten jüdischen Gemeinschaft in diesem Land. Solch eine kreative Gemeinschaft kann nur im Rahmen einer progressiven und expandierenden demokratischen Gesellschaft existieren, die durch ihre Institutionen und ihre öffentliche Politik dem Konzept des kulturellen Pluralismus vollen Ausdruck verleiht. (In Svonkin 1997, S. 82; kursiv im Text)

Neben der Ideologie des ethnischen und kulturellen Pluralismus wurde der letztendliche Erfolg jüdischer Einstellungen zur Einwanderung auch von intellektuellen Bewegungen beeinflußt, die in den Kapiteln 2 bis 6 betrachtet werden. Diese Bewegungen, und insbesondere die Arbeit von Franz Boas, hatten zusammengenommen einen Niedergang des evolutionären und biologischen Denkens in der akademischen Welt zur Folge. Obwohl das für die restriktionistische Position in den Kongreßdebatten (die sich hauptsächlich auf die Fairness der Aufrechterhaltung des ethnischen Status quo konzentrierten; siehe unten) praktisch keine Rolle spielte, war eine der Komponenten des intellektuellen Zeitgeists der 1920er das Vorherrschen evolutionärer Theorien über Rasse und Ethnizität (Singerman 1986), besonders der Theorien von Madison Grant. In The Passing of the Great Race (1921) argumentierte Grant, daß die Gründerpopulation der amerikansichen Kolonisten von überlegenen nordischen Rasseelementen abstammte und daß die Einwanderung anderer Rassen das Kompetenzniveau der Gesellschaft als Ganzes absenken sowie auch demokratische und republikanische Institutionen bedrohen würde. Grants Ideen wurden zu Zeiten der Einwanderungsdebatten von den Medien populär gemacht (siehe Divine 1957, S. 12ff) und provozierten oft negative Kommentare in jüdischen Publikationen wie The American Hebrew (z. B. 21. März 1924, S. 554, 625).

Grants Brief an das House Committee on Immigration and Naturalization betonte das Hauptargument der Restriktionisten, das heißt, daß die Verwendung des Zensus von 1890 über die im Ausland Geborenen als Grundlage des Einwanderungsgesetzes fair gegenüber allen gegenwärtig im Land befindlichen ethnischen Gruppen war, und daß die Verwendung des Zensus von 1920 die „einheimischen Amerikaner diskriminierte, deren Vorfahren schon vor dessen Unabhängigkeit in diesem Land waren.“ Er argumentierte auch zugunsten von Quoten aus Ländern der westlichen Hemisphäre, weil diese Länder „in manchen Fällen sehr unerwünschte Einwanderer liefern. Die Mexikaner, die in die Vereinigten Staaten kommen, sind überwiegend von indianischem Blut, und die kürzlichen Intelligenztests haben ihren sehr niedrigen intellektuellen Status gezeigt. Wir haben bereits zu viele von ihnen in unseren südwestlichen Bundesstaaten, und ihre Zunahme sollte eingedämmt werden.“151 Grant war auch über die Unassimilierbarkeit der jüngsten Einwanderer besorgt. Er legte seinem Brief auch einen Leitartikel der Chicago Tribune bei, der eine Situation in Hamtramck, Michigan, kommentierte, wo es von kürzlich Eingewanderten hieß, daß sie „polnische Herrschaft“, die Vertreibung von Nichtpolen und die Verwendung nur der polnischen Sprache durch Bundesbeamte forderten. Grant argumentierte auch, daß Unterschiede in den Fortpflanzungsraten die Verdrängung von Gruppen zur Folge haben würde, die die Heirat aufschoben und weniger Kinder hatten – ein Kommentar, der ethnische Unterschiede in der Lebensplanungsstrategie widerspiegelt (Rushton 1995) und deutlich auf eine Sorge hinweist, daß seine eigene ethnische Gruppe als Folge der Einwanderung von ethnischen Gruppen mit einer höheren natürlichen Zuwachsrate verdrängt werden würde. In Widerspiegelung seine Besorgnisse über Einwanderer aus Mexiko zeigen jüngste Daten, daß jugendliche Frauen mit mexikanischem Hintergrund die höchste Geburtenrate in den Vereinigten Staaten haben und daß Menschen mit mexikanischem Hintergrund bis 2040 die Mehrheit im Bundesstaat Kalifornien sein werden. 1995 hatten Frauen mexikanischer Herkunft im Alter von 15 – 19 Jahren eine Geburtenrate von 125 pro 1000 verglichen mit 39 von 1000 bei weißen Nicht-Latinas und 99 pro 1000 bei schwarzen Nicht-Latinas. Die Gesamt-Geburtenrate für alle drei Gruppen beträgt 3,3 für Latinas, 2,2 für schwarze Nicht-Latinas und 1,8 für weiße Nicht-Latinas (Los Angeles Times, 13. Feb. 1998, S. A1 und A16). Außerdem haben Latino-Aktivisten eine deutlich artikulierte Politik der „Rückeroberung“ der Vereinigten Staaten durch Einwanderung und hohe Geburtenraten.152

In Kapitel 2 zeigte ich, daß Stephen Jay Gould und Leon Kamin eine stark übertriebene und weitgehend falsche Darstellung der Rolle der IQ-Debatten der 1920er bei der Beschließung des Einwanderungsbeschränkungsgesetzes präsentiert haben. Es ist auch sehr leicht, die Bedeutung der Theorien von der nordischen Überlegenheit als Bestandteil der restriktionistischen Einstellungen im Volk und im Kongreß überzubetonen. Wie Singerman (1986, S. 118 – 119) hervorhebt, bediente sich nur „eine Handvoll Autoren“ des „rassischen Antisemitismus“, und „das jüdische Problem… war selbst unter solch weithin publizierten Autoren wie Madison Grant oder T. Lothrop Stoddard ein geringeres Thema, und keines der [in Singermans Rezension] untersuchten Individuen konnte als professioneller Judenhetzer oder Vollzeitpropagandist gegen inländische oder ausländische Juden betrachtet werden.“ Wie unten angegeben, spielten Argumente im Zusammenhang mit nordischer Überlegenheit, einschließlich vermuteter nordischer intellektueller Überlegenheit, eine bemerkenswert geringe Rolle in den Kongreßdebatten der 1920er um die Einwanderung, wobei das übliche Argument der Restriktionisten lautete, daß die Einwanderungspolitik die Interessen aller gegenwärtig im Land befindlichen Volksgruppen gleichermaßen widerspiegeln sollte. Es gibt sogar Anzeichen dafür, daß das Argument der nordischen Überlegenheit wenig in der Gunst der Öffentlichkeit stand: Ein Mitglied der Immigration Restriction League erklärte 1924: „Das Land hat das hochtrabende Zeug von der nordischen Überlegenheit ein wenig satt“ (in Samelson 1979, S. 136).

Trotzdem ist es wahrscheinlich, daß der Niedergang der evolutionären und biologischen Theorien über Rasse und Ethnizität die grundlegende Änderung ermöglichte, die das Gesetz von 1965 in der Einwanderungspolitik brachte. Wie Higham (1984) anmerkt, war die Boas’sche Sichtweise des kulturellen Determinismus und Anti-Biologismus zur Zeit des finalen Sieges von 1965, der nationale Herkunft und rassische Abstammung aus der Einwanderungspolitik entfernte und die Einwanderung für alle Menschengruppen öffnete, bereits zur akademischen Standardlehre geworden. Das hatte zur Folge, daß es „intellektuelle Mode wurde, die Existenz dauerhafter ethnischer Unterschiede überhaupt abzutun. Die ganze Reaktion beraubte die populären Gefühle über Rasse einer mächtigen ideologischen Waffe“ (Higham 1984, S. 58 – 59).

Jüdische Intellektuelle spielten eine prominente Rolle in der Bewegung zur Ausmerzung der Rassenideen von Grant und anderen (Degler 1991, S. 200). In der Tat hatten die Restriktionisten sogar in den früheren Debatten, die zu den Einwanderungsgesetzen von 1921 und 1924 führten, das Gefühl, von jüdischen Intellektuellen angegriffen zu werden. 1918 schrieb Prescott F. Hall, der Sekretär der Immigration Restriction League, an Grant: „Was ich wollte … waren die Namen von ein paar nennenswerten Anthropologen, die sich zugunsten der Ungleichheit der Rassen ausgesprochen haben…. Ich kriege es wegen des Gleichheitsarguments die ganze Zeit mit den Juden zu tun und dachte, daß Sie vielleicht aus dem Stegreif ein paar nennen könnten (abgesehen von [Henry Fairfield] Osborn) die ich zur Unterstützung zitieren könnte“ (in Samelson 1975, S. 467).

Grant glaubte auch, daß Juden eine Kampagne zur Diskreditierung von Rassenforschung betrieben. In der Einführung zur 1921er Ausgabe von The Passing of the Great Race beschwerte sich Grant darüber, daß „es nahezu unmöglich ist, in amerikanischen Zeitungen Gedanken über gewisse Religionen oder Rassen zu veröffentlichen, die hysterisch empfindlich sind, selbst wenn man sie nur beim Namen nennt. Die zugrunde liegende Idee scheint die zu sein, daß, wenn die Veröffentlichung unterdrückt werden kann, die Fakten selbst schließlich verschwinden werden. Im Ausland sind die Bedingungen genauso schlimm, und wir haben die Autorität eines der hervorragendsten Anthropologen in Frankreich, daß die Sammlung anthropologischer Messungen und Daten unter französischen Rekruten beim Ausbruch des Großen Krieges durch jüdischen Einfluß verhindert wurde, der darauf abzielte, jegliche Andeutung über Rassenunterschiede in Frankreich zu unterdrücken“ (S. xxxii – xxxiii).

Boas war stark von der Einwanderungsthematik motiviert, wie sie Anfang des Jahrhunderts auftrat. Carl Degler (1991, S. 74) merkt an, daß Boas‘ berufliche Korrespondenz „offenbart, daß ein wichtiges Motiv hinter seinem berühmten Kopfvermessungsprojekt von 1910 sein starkes persönliches Interesse daran war, Amerika bevölkerungsmäßig vielfältig zu halten.“ Die Studie, deren Schlußfolgerungen vom Abgeordneten Emanuel Celler während der Debatte über die Einwanderungsbeschränkung in den „Congressional Record“ [Kongreßprotokoll] eingefügt wurde  (Cong. Rec., 8. April 1924, S. 5915-5916), schloß damit, daß die auf die Einwanderung folgenden Umweltunterschiede die Unterschiede in der Kopfform verursachten. (Zu der Zeit war die Kopfform, wie vom „cephalischen Index“ angegeben, das hauptsächliche Maß, das von mit Forschungen über Rassenunterschiede befaßten Wissenschaftlern benutzt wurde.) Boas argmentierte, daß seine Forschung zeige, daß alle ausländischen Gruppen, die in günstigen sozialen Umständen lebten, in dem Sinne in Amerika assimiliert worden seien, daß ihre physischen Maße sich dem amerikanischen Typus annäherten. Obwohl er im Hauptteil seines Berichts beträchtlich vorsichtiger hinsichtlich seiner Schlußfolgerungen war (siehe auch Stocking 1968, S. 178), stellte Boas (1911, S. 5) in seiner Einführung fest, daß „alle Furcht vor einem unvorteilhaften Einfluß südeuropäischer Einwanderung auf die Gesamtheit unseres Volkes fallengelassen werden sollte.“ Als weiteren Hinweis auf Boas‘ ideologisches Engagement in der Einwanderungsfrage gibt Degler den folgenden Kommentar hinsichtlich einer von Boas’ umfeldbetonenden Erklärungen für mentale Unterschiede zwischen Einwanderer- und einheimischen Kindern ab: „Warum Boas sich dafür entschieden hat, solch einer ad-hoc-Interpretation Vorschub zu leisten, ist schwer zu verstehen, bis man sein Verlangen erkennt, den offenkundigen metalen Rückstand der Einwandererkinder in vorteilhafter Weise zu erklären“ (S. 75).

Die Ideologie der Rassengleichheit war eine wichtige Waffe im Sinne der Öffnung der Einwanderung für alle Menschengruppen. Zum Beispiel behauptete der AJCongress 1915 in einer Erklärung an den Kongreß: „Die Erkenntnisse der Wissenschaft müssen selbst die Vorurteilsbehaftetsten unter uns dazu zwingen, so vorbehaltlos wie bei den Gesetzen der Schwerkraft zu akzeptieren, daß Intelligenz, Moral und Charakter keinen wie immer gearteten Bezug zu Geographie oder Geburtsort haben“.153 Die Erklärung zitierte weiters einige vonBoas‘ populären Schriften zum Thema wie auch die Schriften von Boas‘ Protegé Ashley Montagu, der vielleicht der sichtbarste Gegner des Konzepts der Rasse in dieser Zeit war.154 Montagu, dessen ursprünglicher Name Israel Ehrenberg war, theoretisierte in der Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, daß Menschen von Natur aus kooperativ seien (aber nicht von Natur aus aggressiv) und daß es eine universale Brüderschaft unter den Menschen gebe (siehe Shipman 1994, S. 159ff). 1952 sagte ein weiterer Protegé von Boas, Margaret Mead, vor der Kommission des Präsidenten über Einwanderung und Einbürgerung (PCIN, 1953, S. 92) aus, daß „alle menschlichen Wesen aus allen Menschengruppen dasselbe Potential haben…. Unsere besten anthropologischen Beweise legen heute nahe, daß die Menschen jeder Gruppe ungefähr dieselbe Verteilung von Potentialen haben.“ Ein weiterer Zeuge sagte aus, daß der Vorstand der American Anthropological Association einstimmig die Aussage bekräftigt, daß „alle wissenschaftlichen Beweise erkennen lassen, daß alle Völker von Natur aus fähig sind, sich unsere Zivilisation zu erarbeiten oder sich ihr anzupassen“ (PCIN 1953, S. 93) (siehe Kapitel 2 bezüglich einer Diskussion des Erfolgs der politischen Bemühungen der Boasianer, die American Anthropological Association zu dominieren). 1965 konnte Senator Jacob Javits (Cong. Rec., 111, 1965, S. 24469) dem Senat während der Debatte über die Gesetzesvorlage zur Einwanderung selbstsicher verkünden: „Sowohl das Diktat unseres Gewissens als auch die Richtlinien der Soziologen sagen uns, daß Einwanderung nach dem existierenden System der Quotenregelung nach nationaler Herkunft falsch ist und ohne jegliche Basis in Vernunft oder Fakten, denn wir wissen es besser, als zu sagen, daß ein Mann wegen der Farbe seiner Haut besser ist als ein anderer.“ Die intellektuelle Revolution und ihre Übertragung in öffentliche Politik waren vollendet worden.

2) Verhältnis von Kirche und Staat:  Ein Aspekt des jüdischen Interesses an kulturellem Pluralismus in den Vereinigten Staaten ist der gewesen, daß Juden ein vermeintliches Interesse daran haben, daß die Vereinigten Staaten keine homomogene christliche Kultur sind. Wie Ivers (1995, S. 2) anmerkt, „haben jüdische Bürgerrechtsorganisationen eine historische Rolle in der Nachkriegsentwicklung amerikanischer Gesetze und Politik zu Kirche und Staat gehabt.“ In diesem Fall begann die jüdische Hauptanstrengung erst nach dem Zweiten Weltkrieg, obwohl Juden viel früher gegen Verbindungen zwischen dem Staat und der protestantischen Religion waren. Zum Beispiel waren jüdische Publikationen einstimmig in ihrer Opposition gegen das Gesetz in Tennessee, das den Scopes-Prozeß von 1925 zur Folge hatte, in dem der Darwinismus gegen den religiösen Fundamentalismus stand (Goldfarb 1984, S. 43):

Es zählt nicht, ob die Evolution wahr ist oder nicht. Was zählt, ist, daß es gewisse Kräfte in diesem Land gibt, die darauf bestehen, daß die Regierung dafür sorgt, daß in diesem Land nichts gelehrt wird, das in irgendeiner Weise Zweifel auf die Unfehlbarkeit der Bibel wirft. Darauf reduziert sich die ganze Angelegenheit. In anderen Worten: Es ist ein bewußt unamerikanischer Versuch, Kirche und Staat zu vereinigen… Und wir werden noch weiter gehen und behaupten, daß es ein Versuch ist, den Staat mit der protestantischen Kirche zu vereinigen. (Jewish Criterion 66 [10. Juli 1925]; kursiv im Text)

Die jüdischen Anstrengungen waren in diesem Fall gut finanziert und der Fokus gut organisierter, sehr engagierter jüdischer Organisationen, einschließlich des AJCommitee, des AJCongress und der ADL. Dazu gehörte auch scharfsinnige rechtliche Expertise sowohl beim eigentlichen Rechtsstreit als auch bei der Beeinflussung der öffentlichen Meinung mittels Artikeln in juridischen Journalen und anderen Foren der intellektuellen Debatte, einschließlich der Populärmedien. Dazu gehörte auch eine sehr charismatische und effektive Führung, insbesondere Leo Pfeffer vom AJCongress:

„Kein anderer Anwalt übte über einen so langen Zeitraum solch eine völlige intellektuelle Dominanz über ein bestimmtes Rechtsgebiet aus, als Autor, Gelehrter, öffentlicher Bürger und vor allem als Rechtsanwalt, der seine vielfältigen und beachtlichen Talente zu einer einzigen Kraft bündelte, die alles abdecken konnte, was eine Institution für eine erfolgreiche Verfassungsreformbewegung braucht…. Daß Pfeffer mittels einer beneidenswerten Kombination aus Können, Entschlossenheit und Beharrlichkeit imstande war, die Reform des Verhältnisses von Kirche und Staat in solch kurzer Zeit zur vorrangigsten Sache zu machen, mit der rivalisierende Organisationen den AJCongress assoziierten, illustriert gut die Wirkung, die einzelne, mit herausragenden Fähigkeiten begabte Anwälte auf den Charakter und das Leben der Organisationen haben können, für die sie arbeiten…. Wie um das Ausmaß zu bestätigen, in dem Pfeffer mit der Verfassungsentwicklung post-Everson [d. h. nach 1946] assoziiert wird, kommen selbst die größten Kritiker der gerichtlichen Rechtsprechung zu Kirche und Staat dieser Zeit und der modernen Doktrin des Separationismus selten ohne eine Erwähnung Pfeffers als der zentralen Kraft aus, die für das verantwortlich ist, was sie als die verlorene Bedeutung der Establishmentklausel beklagen.“ (Ivers 1995, S. 222 – 224)

In ähnlicher Weise versuchten Juden im Frankreich und Deutschland des neunzehnten Jahrhunderts die Schulbildung den katholischen beziehungsweise lutherischen Kirchen wegzunehmen, während das Christentum für viele Nichtjuden ein wichtiger Teil der nationalen Identität war (Lindemann 1997, S. 214). Wegen solcher Aktivitäten betrachteten Antisemiten die Juden üblicherweise als Zerstörer des gesellschaftlichen Gewebes.

3) Organisation der Afroamerikaner und die Bewegung für Beziehungen zwischen Gruppen in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg: Schlußendlich sind Juden auch entscheidend bei der Organisation der Afroamerikaner als politische Kraft gewesen, die jüdischen Interessen durch Verdünnung der politischen und kulturellen Hegemonie nichtjüdischer Euroamerikaner diente. Juden spielten eine sehr prominente Rolle bei der Organisation von Schwarzen, angefangen mit der Gründung der National Association for the Advancement of Colored People (NAACP) im Jahr 1909 und, trotz zunehmenden schwarzen Antisemitismus, bis in die Gegenwart.

Bis zur Mitte des Jahrzehnts [ca. 1915] hatte die NAACP irgendwie den Aspekt eines Anhängsels der B’nai B’rith und des American Jewish Committee, wobei die Brüder Joel und Arthur Spingarn als Vorstandsvorsitzender beziehungsweise als oberster Rechtsberater dienten, Herbert Lehman im Exekutivkomitee, Lillian Wald und Walter Sachs im Vorstand (wenn auch nicht gleichzeitig) und Jacob Schiff und Paul Warburg als finanzielle Engel. Um 1920 war Herbert Seligman Direktor für Öffentlichkeitsbeziehungen, und Martha Greunig diente als seine Assistentin… Was Wunder, daß ein fassungsloser Marcus Garvey 1917 aus dem Hauptquartier der NAACP stürmte und murrte, daß sie eine weiße Organisation sei. (Levering-Lewis 1984, S. 85)

Reiche Juden leisteten auch wichtige Beiträge zur National Urban League: „Edwin Seligmans Vorsitz und die Anwesenheit von Felix Adler, Lillian Wald, Abraham Lefkowitz im Vorstand, und kurz danach Julius Rosenberg, Hauptaktionär der Sears Roebuck Company, prognostizieren bedeutende jüdische Beiträge zu der Liga“ (Levering-Lewis 1984, S. 85). Zusätzlich dazu, daß sie Finanzmittel und Organisationstalent beisteuerten (die Präsidenten der NAACP waren bis 1975 Juden), wurde das jüdische Rechtstalent für afroamerikanische Anliegen eingespannt. Louis Marshall, ein prominenter Mitspieler bei den jüdischen Anstrengungen in Sachen Einwanderung (siehe unten) war während der 1920er ein erstrangiger Anwalt der NAACP. Afroamerikaner spielten in diesen Bestrebungen eine geringe Rolle: Zum Beispiel gab es in der Rechtsabteilung der NAACP bis 1933 keine afroamerikanischen Anwälte (Friedman 1995, S. 106). Tatsächlich ist ein Thema der von Friedman betrachteten revisionistischen Historiker, daß Juden die Afroamerikaner für ihre eigenen Interessen organsierten statt im besten Interesse der Afroamerikaner. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war die gesamte Bandbreite der jüdischen Organisationen in Schwarzenfragen involviert, einschließlich des AJCommittee, des AJCongress und der ADL: „Mit professionell geschultem Personal, voll ausgestatteten Büros und PR-Knowhow hatten sie die Ressourcen, um einen Unterschied zu bewirken“ (Friedman 1995, S. 135). Juden steuerten während der 1960er zwei Drittel bis drei Viertel des Geldes für Bürgerrechtsgruppen bei (Kaufman 1997, S. 110). Jüdische Gruppen, insbesondere der AJCongress, spielten eine führende Rolle beim Entwurf von Bürgerrechtsgesetzen und bei Rechtsbehelfen im Zusammenhang mit Bürgerrechtsfragen, die hautpstächlich Schwarzen nützten (Svonkin 1997, S. 79 – 112). „Jüdische Unterstützung im rechtlichen und Geldbereich lieferte der Bürgerrechtsbewegung eine Reihe rechtlicher Siege… Es liegt wenig Übertreibung in der Behauptung eines Anwalts des American Jewish Congress, daß ’viele dieser Gesetze in Wirklichkeit von jüdischem Personal in den Büros jüdischer Agenturen geschrieben, von jüdischen Abgeordneten eingeführt und von jüdischen Wählern ins Leben gedrückt wurden’“ (Levering-Lewis 1984, S. 94).

Harold Cruse (1967, 1992) präsentiert eine besonders pointierte Analyse der jüdisch-schwarzen Koalition, die mehrere Themen dieses Bandes widerspiegelt. Als erstes merkt er an: „Die Juden wissen genau, was sie in Amerika wollen“ (S. 121, kursiv im Text). Juden wollen Kulturpluralismus wegen ihrer langfristigen Politik der Nichtassimilierung und Gruppensolidarität. Cruse merkt jedoch an, daß die jüdische Erfahrung in Europa ihnen gezeigt hat, daß „dieses Spiel zwei spielen können“ (d. h. sehr nationalistische solidarische Gruppen zu entwickeln), und „wenn dies geschieht, dann wehe der Seite, der es an der Zahl fehlt“ (S. 122, kursiv im Text). Cruse bezieht sich hier auf die Möglichkeit antagonistischer Gruppenstrategien (und, wie ich vermute, die reaktiven Prozesse), die das Thema von Separation and its Discontents (Kapitel 3 – 5) bilden. Demgemäß beobachtet Cruse, daß jüdische Organisationen angelsächsischen (lies: kaukasischen) Nationalismus als ihre größte potentielle Bedrohung betrachten, und sie haben dazu tendiert, für Schwarze in Amerika eine Politik zu unterstützen, die für die Integration von Schwarzen ist (d. h. assimilationistisch, individualistisch), vermutlich weil solch eine Politik die kaukasische Macht verdünnt und die Möglichkeit einer geschlossenen, nationalistischen, antisemitischen kaukasischen Mehrheit verringert. Gleichzeitig haben sich jüdische Organisationen gegen eine schwarz-nationalistische Position gestellt, während sie eine anti-assimilationistische, nationalistische Gruppenstrategie führ ihre eigene Gruppe verfolgten.

Cruse weist auch auf die Asymmetrie in schwarz-jüdischen Beziehungen hin: Während Juden prominente Rollen in schwarzen Bürgerrechtsorganisationen innegehabt und aktiv an der Finanzierung dieser Organisationen und an der Gestaltung und Umsetzung ihrer Politik mitgewirkt haben, sind Schwarze von den inneren Mechanismen und den politikgestaltenden Gremien in jüdischen Organisationen völlig ausgeschlossen gewesen. In beträchtlichem Ausmaß sollten die Form und das Ziel der Schwarzenbewegung in den Vereinigten Staaten, zumindest bis vor ziemlich kurzer Zeit, als Instrument der jüdischen Strategie gesehen werden, mit Zielen, die jenen Zielen sehr ähneln, welche auf dem Gebiet der Einwanderungsgesetze verfolgt wurden.

Die jüdische Rolle in afroamerikanischen Angelegenheiten muß jedoch als Teil der allgemeineren Rolle dessen gesehen werden, was die Teilnehmer die „Bewegung für Beziehungen zwischen Gruppen“ nannten, die in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg darauf hinarbeitete, „Vorurteile und Diskriminierung gegen rassische, ethnische und religiöse Minderheiten zu eliminieren“ (Svonkin1997, S. 1). Wie bei den anderen Bewegungen mit starker jüdischer Beteiligung waren jüdische Organisationen, insbesondere das AJCommittee, der AJCongress und die ADL, die Führer, und diese Organisationen bildeten die Hauptquellen der Finanzierung, entwickelten die Taktiken und definierten die Ziele der Bewegung. Wie es auch bei der Bewegung zur Gestaltung der Einwanderungspolitik der Fall war, war ihre Zielsetzung das sehr eigennützige Bestreben, die Entwicklung einer antisemitischen Massenbewegung in den Vereinigten Staaten zu verhindern: Jüdische Aktivisten „sahen ihr Engagement für die Bewegung für Beziehungen zwischen Gruppen als vorbeugende Maßnahme, die dazu bestimmt war sicherzustellen, daß ‚es’ – der Auslöschungskrieg der Nazis gegen das europäische Judentum – in Amerika nie passierte“ (Svonkin 1997, S. 10).

Dies war eine Bestrebung mit vielen Facetten, die Rechtsbehelfe gegen Voreingenommenheit beim Wohnen, in der Schulbildung und Beschäftigung im öffentlichen Sektor umfaßte, Gesetzesentwürfe und Anstrengungen zur Sicherstellung, daß sie von bundesstaatlichen und nationalen gesetzgebenden Körperschaften in geltendes Recht übernommen wurden, Anstrengungen zur Gestaltung der Botschaften, die von den Medien ausgingen, Bildungsprogramme für Schüler und Lehrer und intellektuelle Bestrebungen zur Umgestaltung des intellektuellen Diskurses im Universitätswesen. Wie bei der jüdischen Mitwirkung an der Einwanderungspolitik und in sehr vielen anderen Fällen jüdischer politischer und intellektueller Aktivität sowohl in der Neuzeit als auch davor (siehe Separation and its Discontents, Kapitel 6) arbeitete die Bewegung für Beziehungen zwischen Gruppen oft darauf hin, das offensichtliche jüdische Engagement zu minimieren (z. B. Svonkin 1997, S. 45, S. 51, S. 65, S. 71 – 72).

Wie bei dem Versuch im neunzehnten Jahrhundert zur Defninierung jüdischer Interessen bezüglich deutscher Ideale (Ragins 1980, S. 55; Schmidt 1959, S. 46) betonte die Rhetorik der Bewegung für Beziehungen zwischen Gruppen, daß ihre Ziele mit amerikanischen Selbstkonzeptualisierungen übereinstimmten, ein Zug, der Individualrechte als Vermächtnis der Aufklärung betonte, während er effektiv die republikanische Ader der amerikanischen Identität als zusammenhaltende, sozial homogene Gesellschaft und die „ethnokulturelle“ Ader ignorierte, welche die Bedeutung des angelsächsischen Volkstums bei der Entwicklung und Bewahrung amerikanischer Kulturformen betonte (Smith 1988; siehe Kapitel 8). Liberales Kosmopolitentum und Individualrechte wurden auch als übereinstimmend mit jüdischen Idealen empfunden, die von den Propheten stammten (Svonkin 1997, S. 7, S. 20), eine Vorstellung, die die negativen Vorstellungen von Fremdgruppen und deren Diskriminierung sowie eine betonte Tendenz zum Kollektivismus ignoriert, die im Judaismus als gruppenevolutionäre Strategie von zentraler Bedeutung gewesen sind. Wie Svonkin anmerkt, baute die jüdische Rhetorik in dieser Zeit auf einer illusorischen Sicht auf die jüdische Vergangenheit auf, die für die Erreichung jüdischer Ziele in der modernen Welt maßgeschneidert war, wo die Rhetorik der Aufklärung von Universalismus und Individualrechten beträchtliches intellektuelles Prestige bewahrte.

Von entscheidender Bedeutung bei der Rationalisierung jüdischer Interessen während dieser Zeit waren die in diesem Band besprochenen intellektuellen Bewegungen, insbesondere die Boas’sche Anthropologie, die Psychoanalyse und die Frankfurter Schule für Sozialforschung. Wie auch in Kapitel 5 beschrieben, beteiligten sich jüdische Organisationen an der Finanzierung von Forschungen in den Sozialwissenschaften (insbesondere der Sozialpsychologie) und entwickelten dort einen Kern vorwiegend jüdischer akademischer Aktivisten, die eng mit jüdischen Organisationen zusammenarbeiteten (Svonkin 1997, S. 4; siehe Kapitel 5). Die Boas’sche Anthropologie wurde für die Propagandabestrebungen nach dem Zweiten Weltkrieg verpflichtet, die vom AJCommittee, vom AJCongress und von der ADL verbreitet und gefördert wurden, wie im Film Brotherhood of Man, der alle Menschengruppen als mit gleichen Fähigkeiten ausgestattet darstellte. Während der 1930er unterstützte das AJCommittee Boas finanziell bei seinen Forschungsarbeiten, und in der Nachkriegszeit waren die Boas’sche Ideologie, daß es keine Rassenunterschiede gebe, wie auch die Boas’sche Ideologie des Kulturrelativismus und die von Horace Kallen hergeleitete Wichtigkeit der Bewahrung und Respektierung kultureller Unterschiede wichtige Bestandteile von Bildungsprogrammen, die von diesen jüdischen Aktivistenorganisationen gesponsert und weithin im gesamten amerikanischen Bildungssystem verbreitet wurden (Svonkin 1997, S. 63, S. 64).

In den frühen 1960ern schätzte ein Funktionär der ADL, daß ein Drittel von Amerikas Lehrern Unterrichtsmaterial der ADL erhalten hatte, das auf diesen Ideen beruhte (Svonkin 1997, S. 69). Die ADL war auch eng darin eingebunden, Seminare für Lehrer und Schuladministratoren mit Personal auszustatten, Material dafür zu entwickeln und sie finanziell zu unterstützen, oft mit aktiver Mitwirkung von Sozialwissenschaftlern aus dem akademischen Bereich – eine Verbindung, die zweifellos zur wissenschaftlichen Glaubwürdigkeit dieser Kurse beitrug. Es ist vielleicht ironisch, daß diese Anstrengung zur Beeinflussung der öffentlichen Lehrpläne von denselben Gruppen betrieben wurde, die bestrebt war, offene christliche Einflüsse aus öffentlichen Schulen zu entfernen.155

Die Ideologie der Feindseligkeit zwischen Gruppen, die von der Bewegung für Beziehungen zwischen Gruppen entwickelt wurde, leitete sich von der Serie Studies in Prejudice ab, die in Kapitel 5 beschrieben wird. Sie betrachtete Manifestationen von nichtjüdischem Ethnozentrismus oder Diskriminierung von Fremdgruppen ausdrücklich als Geisteskrankheit und daher buchstäblich als Problem der Volksgesundheit. Die Bekämpfung von Feindseligkeit zwischen Gruppen wurde mit der medizinischen Bekämpfung tödlicher Infektionskrankheiten gleichgesetzt, und Menschen mit der Krankheit wurden von Aktivisten als „infiziert“ beschrieben (Svonkin 1997, S. 30, S. 59). Ein ständiges Thema der intellektuellen Begründung für diesen ganzen ethnischen Aktivismus hob die Vorteile hervor, die durch erhöhte Harmonie zwischen Gruppen zu gewinnen seien – ein Aspekt des Idealismus, der Horace Kallens Vorstellung vom Multikulturalismus eigen ist – ohne zu erwähnen, daß manche Gruppen, insbesondere europäischstämmige, nichtjüdische Gruppen, wirtschaftliche und politische Macht verlieren und kulturellen Einfluß einbüßen würden (Svonkin 1997, S. 5). Negative Einstellungen gegenüber Gruppen wurden nicht als das Ergebnis konkurrierender Gruppeninteressen betrachtet, sondern als das Ergebnis individueller Psychopathologie (Svonkin 1997, S. 75). Schlußendlich kämpfte der AJCongress, während nichtjüdischer Ethnozentrismus als Problem der Volksgesundheit betrachtet wurde, gegen jüdische Assimilation. Der AJCongress „engagierte sich ausdrücklich für eine pluralistische Vision, die Gruppenrechte und Besonderheiten von Gruppen als fundamentale bürgerliche Freiheit respektierte“ (Svonkin 1997, S. 81).

JÜDISCHE POLITISCHE AKTIVITÄTEN GEGEN EINWANDERUNGSBESCHRÄNKUNG

Jüdische anti-restriktionistische Aktivitäten bis 1924

Die jüdische Mitwirkung bei der Änderung der intellektuellen Diskussion über Rasse und Volkstum scheint langfristige Auswirkungen auf die Einwanderungspolitik der Vereinigten Staaten gehabt zu haben, aber das jüdische Engagement in der Politik war letztendlich von viel größerer Bedeutung. Die Juden sind während der ganzen Einwanderungsdebatte seit ihrem Beginn 1881 „die eine höchst beharrliche Interessengruppe zugunsten einer liberalen Einwanderungspolitik“ in den Vereinigten Staaten gewesen (Neuringer 1971, S. 392 – 393):

In ihren Bemühungen, die Einwanderungspolitik in eine liberale Richtung umschwenken zu lassen, zeigten jüdische Sprecher und Organisationen ein Maß an Energie, das von keiner anderen daran interessierten Aktionsgruppe übertroffen wurde. Die Einwanderung war für praktisch jede größere jüdische Organisation zur Verteidigung und Gemeinschaftspflege ein Hauptanliegen gewesen. Über die Jahre hatten ihre Sprecher eifrig an Kongreßanhörungen teilgenommen, und die jüdischen Bemühungen waren von äußerster Bedeutung bei der Gründung und Finanzierung solcher nicht-konfessionellen Gruppen wie der National Liberal Immigration League und des Citizens Committee for Displaced Persons.

Wie von Nathan C. Belth (1979, S. 173) in seiner Geschichte der ADL berichtet, „waren im Kongreß durch all die Jahre, wenn die Kämpfe um die Einwanderung geführt wurden, die Namen jüdischer Legislatoren an vorderster Front der liberalen Kräfte: von Adolph Sabath bis Samuel Dickstein und Emanuel Celler im Repräsentantenhaus und von Herbert H. Lehman bis Jacob Javits im Senat. Jeder war in seiner Zeit ein Führer der Anti-Defamation League und größerer Organisationen, die mit der demokratischen Entwicklung befaßt waren.“ Die jüdischen Kongreßabgeordneten, die am meisten mit anti-restriktionistischen Anstrengungen im Kongreß identifiziert werden, sind daher auch die Führer der Gruppe gewesen, die am engsten mit jüdisch-ethnischem politischen Aktivismus und Selbstverteidigung identifiziert werden.

Während der gesamten Zeitperiode von beinahe hundert Jahren vor ihrem Erfolg mit dem Einwanderungsgesetz von 1965 haben jüdische Gruppen in opportunistischer Weise Allianzen mit anderen Gruppen geschlossen, deren Interessen vorübergehend mit jüdischen Interessen zusammenfielen (z. B. eine sich ständig ändernde Zahl von ethnischen Gruppen, religiösen Gruppen, Pro-Kommunisten, Antikommunisten, die außenpolitischen Interessen verschiedener Präsidenten, die politische Notwendigkeit für Präsidenten, sich bei Gruppen einzuschmeicheln, die in bevölkerungsreichen Bundesstaaten Einfluß haben, um nationale Wahlen zu gewinnen, etc.). Besonders nennenswert war die Unterstützung einer liberalen Einwanderungspolitik durch industrielle Interessen, die billige Arbeitskräfte wollten, zumindest im Zeitraum vor dem vorübergehenden Triumph des Restriktionismus von 1924. Innerhalb dieses sich ständig verändernden Bündels von Allianzen verfolgten die jüdischen Organisationen beharrlich ihr Ziel, die Zahl jüdischer Einwanderer zu maximieren und die Vereinigten Staaten für die Einwanderung aller Völker der Welt zu öffnen. Wie nachfolgend beschrieben, unterstützen die historischen Aufzeichnungen die These, daß es beginnend im neunzehnten Jahrhundert ein jüdisches Hauptziel gewesen ist, die Vereinigten Staaten zu einer multikulturellen Gesellschaft zu machen.

Der endgültige jüdische Sieg in Sachen Einwanderung ist bemerkenswert, weil der Kampf in verschiedenen Arenen gegen eine potentiell sehr mächtige Anzahl von Gegnern geführt wurde. Beginnend im späten neunzehnten Jahrhundert wurde die Führung der Restriktionisten von Ostküstenpatriziern wie Senator Henry Cabot Lodge gestellt. Jedoch lag die hauptsächliche politische Basis des Restriktionismus von 1910 bis 1952 (zusätzlich zu den relativ wirkungslosen Gewerkschaftsinteressen) bei den „gewöhnlichen Leuten des Südens und Westens“ (Higham 1984, S. 49) und ihren Vertretern im Kongreß. Grundsätzlich waren die Zusammenstöße zwischen Juden und Nichtjuden im Zeitraum zwischen 1900 und 1965 ein Konflikt zwischen den Juden und dieser geographisch zentrierten Gruppe. „Juden bildeten infolge ihrer intellektuellen Energie und wirtschaftlichen Ressourcen eine Vorhut der neuen Völker, die kein Gefühl für die Traditionen des ländlichen Amerika hatten” (Higham 1984, S. 168 – 169), ein Thema, das auch in der Diskussion der New Yorker Intellektuellen in Kapitel 6 und der Diskussion der jüdischen Beteiligung am politischen Radikalismus in Kapitel 3 in Erscheinung tritt.

Obwohl sie oft besorgt waren, daß die jüdische Einwanderung die Flammen des Antisemitismus in Amerika anfachen könnte, führten die jüdischen Führer im Zeitraum von 1891 – 1924 ein langes und weitgehend erfolgreiches Verzögerungsgefecht gegen die Einwanderungsbeschränkungen, besonders weil sie die Möglichkeit von Juden zur Einwanderung beeinträchtigten. Diese Anstrengungen gingen trotz der Tatsache weiter, daß es bis 1905 „eine Polarität zwischen der jüdischen und der allgemeinen amerikanischen Meinung zur Einwanderung” gab (Neuringer 1971, S. 83). Insbesondere engagierten sich jüdische Gruppen, während andere religiöse Gruppen wie die Katholiken und Volksgruppen wie die Iren hinsichtlich ihrer Haltung zur Einwanderung geteilt und zwiespältig blieben und bei der Beeinflussung der Einwanderungspolitik schlecht organisiert und ineffektiv waren, und während die Gewerkschaften gegen die Einwanderung waren, um den Zustrom billiger Arbeitskräfte zu verringern, in einer intensiven und anhaltenden Anstrengung gegen Versuche zur Beschränkung der Einwanderung.

Wie von Cohen berichtet (1972, S. 40ff), verkörpern die Anstrengungen des AJCommittee in seiner Opposition gegen Einwanderungsbeschränkungen im frühen zwanzigsten Jahrhundert ein bemerkenswertes Beispiel für die Fähigkeit jüdischer Organisationen, die öffentlichen Politik zu beeinflussen. Von all den Gruppen, die vom Einwanderungsgesetz von 1907 betroffen waren, hatten die Juden hinsichtlich der Zahl möglicher Einwanderer am wenigsten zu gewinnen, aber sie spielten bei weitem die größte Rolle bei der Gestaltung der Gesetzgebung (Cohen 1972, S. 41). Im nachfolgenden Zeitraum, der zum relativ unwirksamen restriktionistischen Gesetz von 1917 führte, als die Restriktionisten wieder einen Versuch im Kongreß starteten, „regte sich nur das jüdische Segment auf“ (Cohen 1972, S. 49).

Dennoch wurden wegen der Furcht vor Antisemitismus Bemühungen unternommen, die Wahrnehmung der jüdischen Beteiligung an anti-restriktionistischen Kampagnen zu verhindern. 1906 wurden die anti-restriktionistischen jüdischen politischen Funktionäre wegen „der Gefahr, daß die Juden beschuldigt würden, zu einem politischen Zweck organisiert zu sein” angewiesen, beim Kongreß Lobbyarbeit zu betreiben, ohne ihre Verbindung zum AJCommittee zu erwähnen (Kommentare von Herbert Friedenwald, Sekretär des AJCommittee; in Goldstein 1990, S. 125). Beginnend im späten neunzehnten Jahrhundert wurden die von Juden entwickelten anti-restriktionistischen Argumente typischerweise in Begriffen universalistischer humanitärer Ideale formuliert, und als Teil dieser Bemühungen um Universalisierung wurden Nichtjuden aus alten protestantischen Familien rekrutiert, um als Schaufensterdekoration für ihre Bemühungen zu fungieren, und jüdische Gruppen wie das AJCommittee finanzierte Gruppen von Einwanderungsbefürwortern, die aus Nichtjuden bestanden (Neuringer 1971, S. 92).

Wie es bei späteren Anstrengungen zugunsten der Einwanderung der Fall war, bestand ein Großteil der Aktivitäten aus persönlichen Interventionen hinter den Kulissen bei Politikern, um die öffentliche Wahrnehmung der jüdischen Rolle zu minimieren und die Provokation von Aktivitäten der Gegenseite zu vermeiden (Cohen 1972, S. 41 – 42; Goldstein 1990). Gegnerische Politiker wie Henry Cabot Lodge und Organisationen wie die Immigration Restriction League wurden unter genauer Beobachtung gehalten und von Lobbyisten unter Druck gesetzt. Lobbyisten in Washington führten auch tägliche Listen von Wählertendenzen, während die Gesetzesvorlage zur Einwanderung ihren Weg durch den Kongreß ging, und unternahmen intensive und erfolgreiche Anstrengungen, die Präsidenten Taft und Wilson davon zu überzeugen, ihr Veto gegen restriktive Einwanderungsgesetze einzulegen. Katholische Prälaten wurden rekrutiert, um gegen die Auswirkungen restriktionistischer Gesetze auf Einwanderer aus Italien und Ungarn zu protestieren. Als restriktionistische Argumente in den Medien erschienen, verfaßte das AJCommittee ausgefeilte Erwiderungen, beruhend auf wissenschaftlichen Daten und typischerweise in universalistischen Begriffen über den Nutzen für die gesamte Gesellschaft formuliert. Artikel zugunsten der Einwanderung wurden in landesweit erscheinenden Magazinen veröffentlicht, und Leserbriefe wurden in Zeitungen abgedruckt. Es wurden Bemühungen unternommen, die negative Wahrnehmung der Einwanderung zu minimieren, indem man jüdische Einwanderer im ganzen Land verteilte und indem man jüdische Ausländer von der öffentlichen Unterstützung wegholte. Rechtsverfahren wurden eingeleitet, um die Deportation jüdischer Ausländer zu verhindern. Und schließlich wurden Massenprotestversammlungen organisiert.

In seiner Schrift von 1914 glaubte der Soziologe Edward A. Ross, daß liberale Einwanderungspolitik ausschließlich ein jüdisches Anliegen war. Ross zitiert den prominenten Autor und zionistischen Pionier Israel Zangwill, der die Idee artikulierte, daß Amerika ein idealer Ort für die Verwirklichung jüdischer Interessen ist:

Amerika hat reichlich Platz für all die sechs Millionen aus der Umgrenzung [engl. „the Pale“, d. h. dem umgrenzten Siedlungsbereich, der Heimat der meisten Juden Rußlands]; jeder seiner fünfzig Bundesstaaten könnte sie aufnehmen. Und abgesehen davon, in einem eigenen Land zu leben, könnte es kein besseres Los für sie geben als zusammen in einem Land bürgerlicher und religiöser Freiheit zu sein, von dessen Verfassung das Christentum kein Bestandteil ist und wo ihnen ihre kollektiven Wählerstimmen praktisch eine Garantie gegen zukünftige Verfolgung geben würden (Israel Zangwill, in Ross 1914, S. 144).

Juden haben daher ein starkes Interesse an der Einwanderungspolitik:

Von daher also die Anstrengungen der Juden, die Einwanderungspolitik der Vereinigten Staaten zu kontrollieren. Obwohl sie nur ein Siebtel unserer Nettoeinwanderung ausmachen, führten sie den Kampf gegen die Gesetzesvorlage der Einwanderungskommission an. Die Macht der Million Juden in der Metropole reihte die Kongreßdelegation aus New York in solider Oposition gegen den Alphabetisierungstest. Die systematische Kampagne in Zeitungen und Magazinen zur Zerlegung aller Argumente für Restriktion und zur Beruhigung nativistischer Befürchtungen wird von und für eine Rasse geführt. Hebräisches Geld steckt hinter der National Liberal Immigration League und ihren zahlreichen Publikationen. Vom Papier, das der kommerziellen Körperschaft oder wissenschaftlichen Vereinigung vorgelegt wird, bis zu der schweren Abhandlung, die mit der Hilfe des Baron de Hirsch Fund produziert wurde, geht die Literatur, die die Segnungen der Einwanderung für alle Klassen in Amerika beweist, von raffinierten hebräischen Gehirnen aus (Ross 1914, S. 144 – 145).

Ross (1914, S. 150) berichtete auch, daß den Einwanderungsbeamten „der unaufhörliche Beschuß falscher Anschuldigungen sehr zugesetzt hatte, dem sie seitens der jüdischen Presse und Gesellschaften ausgesetzt sind. US-Senatoren beklagen sich, daß sie gegen Schluß des Kampfes um das Einwanderungsgesetz von Hebräern, die den Alphabetisierungstest bekämpften, mit einer Sturzflut krummer Statistiken und Fehlinterpretationen überschwemmt wurden.“ Zangwills Ansichten waren Restriktionisten in den Debatten um das Einwanderungsgesetz von 1924 wohlbekannt (siehe unten). In einer Ansprache, die in The American Hebrew (19. Okt.1923, S. 582) abgedruckt wurde, bemerkte Zangwill: „Es gibt nur einen Weg zum Weltfrieden, und das ist die absolute Abschaffung von Reisepässen, Visa, Grenzen, Zollgebäuden und all der anderen Einrichtungen, die die Bevölkerung unseres Planeten nicht zu einer kooperierenden Zivilisation machen, sondern zu einer Gesellschaft der gegenseitigen Irritierung.“ Sein berühmtes Stück The Melting Pot (1908) war Theodore Roosevelt gewidmet und stellt jüdische Einwanderer als bereitwillig zu Assimilation und Mischehen dar. Der Hauptcharakter beschreibt die Vereinigten Staaten als Schmelztiegel, in dem all die Rassen, einschließlich der „schwarzen und gelben“ Rasse, miteinander verschmolzen werden.156 Jedoch waren Zangwills Ansichten zu Mischehen zwischen Juden und Nichtjuden bestenfalls uneindeutig (Biale 1998, S. 22 – 24), und er verabscheute christliche Bekehrungsbestrebungen bei Juden. Zangwill war ein leidenschaftlicher Zionist und ein Bewunderer der religiösen Orthodoxie seines Vaters als Modell für die Bewahrung des Judentums. Er glaubte, daß die Juden eine moralisch überlegene Rasse seien, deren moralische Vision christliche und moslemische Gesellschaften geformt hätte und schließlich die Welt formen würde, obwohl das Christentum dem Judentum moralisch unterlegen bleibe (siehe Leftwich 1957, S. 162ff). „Solange das Judentum unter Juden blüht, gibt es keine Notwendigkeit, Rasse oder Volkstum abzusichern; beides wird automatisch durch die Religion bewahrt“ (in Leftwich 1957, S. 161).

Trotz Täuschungsversuchen zur Darstellung der Pro-Einwanderungsbewegung als auf einer breiten Basis beruhend waren jüdische Aktivisten sich des Mangels an Enthusiasmus bei anderen Gruppen bewußt. Während des Kampfes um restriktionistische Gesetze am Ende der Regierung Taft schrieb Herbert Friedenwald, der Schriftführer des AJCommitte, es sei „sehr schwierig, irgendjemanden außer den Juden in diesem Kampf aufzurütteln“ (in Goldstein 1990, S. 203). Das AJCommittee trug stark zur Inszenierung antirestriktionistischer Kundgebungen in größeren amerikanischen Städten bei, ließ aber andere Volksgruppen dasVerdienst für die Veranstaltungen beanspruchen, und es organisierte Gruppen von Nichtjuden, um Präsident Taft zu beeinflussen, sein Veto gegen restriktionistische Gesetze einzulegen (Goldstein 1990, S. 216, S. 227). Während der Regierung Wilson verkündete Louis Marshall: „Wir sind praktisch die einzigen, die [gegen den Alphabetisierungstest] kämpfen, während ein ‚großer Teil’ [des Volkes] gleichgültig gegenüber dem ist, was getan wird“ (in Goldstein 1990, S. 249).

Die Kräfte der Einwanderungsbeschränkung waren vorübergehend erfolgreich mit den Einwanderungsgesetzen von 1921 und 1924, die trotz der intensiven Opposition jüdischer Gruppen beschlossen wurden. Divine (1957, S. 8) merkt an: „1921 standen nur die Sprecher der südosteuropäischen Einwanderer, hauptsächlich jüdische Führer, dagegen [gegen die restriktionistischen Kräfte], deren Proteste im allgemeinen Ruf nach Restriktion untergingen.“ Ähnlich während der Kongreßanhörungen von 1924 über die Einwanderung: „Die prominenteste Gruppe von Zeugen gegen den Gesetzesentwurf waren Vertreter südosteuropäischer Einwanderer, besonders jüdische Führer“ (Divine 1957, S. 16).

Die jüdische Opposition gegen diese Gesetzgebung war genauso sehr von ihrer Auffassung motiviert, daß die Gesetze von Antisemitismus motiviert seien und daß sie zugunsten von Nordwesteuropäern diskriminierten, wie von der Sorge, daß sie jüdische Einwanderung einschränken würden (Neuringer 1971, S. 164) – eine Ansicht, die stillschweigend gegen den ethnischen Status quo ist, der Nordwesteuropäer begünstigte. Opposition gegen eine Beeinflussung der Einwanderung zugunsten von Nordwesteuropäern blieb in den folgenden Jahren für jüdische Einstellungen charakteristisch, aber die Gegnerschaft jüdischer Organisationen gegenüber jeglichen auf Rasse oder Volkstum beruhenden Einschränkungen der Einwanderung kann bis ins neunzehnte Jahrhundert zurückverfolgt werden.

Daher war die jüdische Presse 1882 einstimmig in ihrer Verurteilung des Chinese Exclusion Act [Gesetz zum Ausschluß von Chinesen] (Neuringer 1971, S. 23) obwohl dieses Gesetz keinen direkten Einfluß auf die jüdische Einwanderung hatte. Im frühen zwanzigsten Jahrhundert bekämpfte das AJCommittee zeitweise aktiv jede Gesetzesvorlage, die die Einwanderung auf Weiße oder Nichtasiaten beschränkte, und enthielt sich nur dann der aktiven Opposition, wenn es zum Schluß kam, daß eine Unterstützung durch das AJCommittee die Einwanderung von Juden bedrohen würde (Cohen 1972, S. 47; Goldstein 1990, S. 250). 1920 verabschiedete die Zentralkonferenz der amerikanischen Rabbis eine Resolution, die darauf drängte, daß „die Nation … die Tore unserer geliebten Republik offenhalten möge … für die Unterdrückten und Notleidenden der ganzen Menschheit in Übereinstimmung mit ihrer historischen Rolle als Zuflucht für alle Männer und Frauen, die ihren Gesetzen Treue geloben“ (in The American Hebrew, 1. Okt., 1920, S. 594). The American Hebrew (17. Feb. 1922; S. 373), eine 1867 gegründete Publikation, die das deutsch-jüdische Establishment dieser Zeit repräsentierte, wiederholte fortwährend ihre seit langem bestehende Politik, daß sie „immer für die Aufnahme würdiger Einwanderer aller Klassen ungeachtet der Nationalität” eingestanden sei. Und in seiner Aussage vor den Anhörungen von 1924 vor dem House Committee über Einwanderung und Einbürgerung behauptete Louis Marshall vom AJCommitee, daß die Gesetzesvorlage die Stimmung des Ku Klux Klan wiedergebe; er charakterisierte sie als von den rassistischen Theorien von Houston Stewart Chamberlain inspiriert. Zu einer Zeit, als die Bevölkerung der Vereinigten Staaten bei über 100 Millionen lag, behauptete Marshall: „Wir haben in diesem Land Platz für das Zehnfache der Bevölkerung, die wir jetzt haben” (S. 309) und befürwortete die Aufnahme aller Völker der Welt ohne Quotenlimit, mit Ausnahme nur derjenigen, die „geistig, moralisch und physisch ungeeignet sind, die Feinde der organisierten Regierung sind und die geeignet sind, der Öffentlichkeit zur Last zu fallen“.157 In ähnlicher Weise behauptete Rabbi Stephen S. Wise, der den AJCongress und eine Anzahl anderer jüdischer Organisationen repräsentierte, „das Recht jedes Mannes außerhalb Amerikas, fair und gerecht und ohne Diskriminierung betrachtet zu werden.“ 158

Indem es vorschrieb, daß die Einwanderung auf 3 % der im Ausland Geborenen nach dem Zensus von 1890 beschränkt werden solle, schrieb das Gesetz von 1924 einen ethnischen Status quo vor, der sich dem Zensus von 1920 annäherte. Der House Majority Report hob die Idee hervor, daß die Einwanderung vor diesem Gesetz stark zugunsten von Ost- und Südeuropäern tendierte und daß dieses Ungleichgewicht vom Gesetz von 1921 fortgesetzt worden war, in dem Quoten der im Ausland Geborenen auf dem Zensus von 1910 beruhten. Es war die ausdrückliche Absicht, daß die Interessen anderer Gruppen zur Verfolgung ihrer ethnischen Interessen durch Ausweitung ihres Anteils an der Bevölkerung gegen das Interesse der Mehrheit zur Beibehaltung ihrer ethnischen Repräsentation in der Bevölkerung abgewogen werden sollten.

Das Gesetz von 1921 vergab 46 % der Einwanderungsquote an Süd- und Osteuropa, obwohl nach dem Zensus von 1920 nur 11,7 % der US-Bevölkerung aus diesen Gebieten stammten. Das Gesetz von 1924 schrieb vor, daß diese Gebiete 15,3 % der Quotenplätze erhalten würden – eine Zahl, die in Wirklichkeit höher war als ihr gegenwärtiger Anteil an der Bevölkerung. „Die Heranziehung des Zensus von 1890 ist nicht diskriminierend. Sie erfolgt im Bestreben, den rassischen Status quo der Vereinigten Staaten so weit wie möglich zu bewahren. Man hofft, daß es die rassische Homogenität in den Vereinigten Staaten so gut garantieren kann, wie es zu diesem späten Zeitpunkt noch möglich ist. Die Verwendung eines späteren Zensus würde jene diskriminieren, die die Nation gegründet und ihre Institutionen weitergeführt haben.“ (House Rep. No. 350, 1924, S. 16). Nach drei Jahren wurden Quoten von einer Formel über nationale Herkunft abgeleitet, die auf den Daten des 1920er Zensus für die gesamte Bevölkerung beruhten, nicht nur der im Ausland Geborenen. Dieses Gesetz stellte zweifellos einen Sieg für die nordwesteuropäischen Völker der Vereinigten Staaten dar, dennoch gab es keinen Versuch, die Trends in der ethnischen Zusammensetzung des Landes umzukehren, vielmehr zielten die Bemühungen darauf ab, den ethnischen Status Quo zu bewahren.

Obwohl es von einem Wunsch nach Bewahrung eines ethnischen Status Quo motiviert war, mag dieses Gesetz auch teilweise von Antisemitismus motiviert worden sein, nachdem in dieser Zeit die Opposition gegen Einwanderungsbeschränkung als hauptsächlich jüdisches Anliegen wahrgenommen wurde (siehe oben). Dies scheint sicherlich die Auffassung jüdischer Beobachter gewesen zu sein: zum Beispiel des prominenten jüdischen Schriftstellers Maurice Samuel (1924, S. 217, der unmittelbar nach der Gesetzgebung von 1924 schrieb: „Es geht hauptsächlich gegen die Juden, daß hier in Amerika Anti-Einwanderungsgesetze wie in England und Deutschland erlassen werden“, und solche Auffassungen setzen sich unter den Historikern dieser Zeit fort (z. B. Hertzberg 1989, S. 239). Diese Wahrnehmung war nicht auf Juden beschränkt. In Äußerungen vor dem Senat merkte der antirestriktionistische Senator Reed aus Missouri an: „Angriffe wurden ebenfalls gegen Juden geführt, die an unsere Gestade geströmt sind. Der Geist der Intoleranz ist ihnen gegenüber besonders aktiv gewesen” (Cong. Rec. 19. Feb. 1921, S. 3463). Während des Zweiten Weltkrieges behauptete Kriegsminister Henry L. Stimson, daß es die Opposition gegen unbeschränkte Zuwanderung von Juden gewesen sei, die zum restriktiven Gesetz von 1924 geführt hätte (Breitman & Kraut, 1987, S. 87).

Weiters stellte der House Immigration Committee Majority Report (House Report No. 109, 6. Dez. 1920) fest: „bei weitem der größte Prozentsatz von Einwanderern [sind] Menschen jüdischer Abstammung” (S. 4), und er unterstellt, daß die Mehrheit der erwarteten neuen Einwanderer polnische Juden sein würden. Der Bericht „bestätigte die veröffentlichte Aussage eines Komissars der Hebrew Sheltering and Aid Society of America nach seiner persönlichen Ermittlung in Polen, ’wenn es ein Schiff gäbe, das 3.000.000 menschliche Wesen aufnehmen könnte, würden die 3.000.000 Juden Polens es besteigen, um nach Amerika zu fliehen’“ (S. 6).

Der Majority Report beinhaltete auch einen Bericht von Wilbur S. Carr, dem Leiter des United States Consular Service, demzufolge die polnischen Juden „abnormal verdreht waren wegen (a) der Reaktion auf die Anspannungen des Krieges; (b) dem Schock der revolutionären Unruhen; (c) der Abgestumpftheit und Verdummung infolge zwei Jahren der Unterdrückung und Mißhandlung… ; Fünfundachtzig bis neunzig Prozent fehlt jede Vorstellung patriotischen oder nationalen Geistes. Und die Mehrheit dieses Prozentsatzes ist unfähig, ihn zu erwerben” (S. 9; siehe auch Breitman und Kraut [1987, S. 12] bezüglich einer Diskussion von Carrs Antisemitismus). (In England weigerten sich während des Ersten Weltkrieges viele kürzlich eingewanderte Juden, eingezogen zu werden, um den Zaren zu bekämpfen; siehe Anmerkung 14). Der Bericht erwähnte auch Konsularberichte, die davor warnten, daß „es in Polen viele bolschewistische Sympathisanten gibt” (S. 11). Desgleichen zitierte Senator McKellar im Senat den Bericht, daß 3.000.000 Polen auswandern würden, wenn es ein ausreichend großes Schiff gäbe. Er erklärte auch: „Das Joint Distribution Committee, ein amerikanisches Komitee, das Hilfsdienste unter den Hebräern in Polen leistet, verteilt monatlich mehr als eine Million Dollar amerikanischen Geldes allein in diesem Land. Es zeigt sich auch, daß hundert Millionen Dollar pro Jahr eine konservative Schätzung des Geldes ist, das per Post, über die Banken und durch die Hilfsorganisationen von Amerika nach Polen geschickt wird. Dieser goldene Strom, der von Amerika nach Polen fließt, macht praktisch jeden Polen wild darauf, in das Land zu gehen, aus dem solch wunderbarer Reichtum kommt” (Cong. Rec., 19. Feb. 1921, S. 3456).

Als weiterer Hinweis auf das Hervorstechen polnisch-jüdischer Einwanderungsfragen widmet der 1921 vom Außenministerium an Albert Johnson, den Vorsitzenden des Komitees über Einwanderung und Einbürgerung übermittelte Brief über Ausländervisa mehr als viermal soviel Raum der Situation in Polen als jedem anderen Land. Der Bericht hob die Aktivitäten der polnisch-jüdischen Zeitung Der Emigrant bei der Förderung der Auswanderung polnischer Juden in die Vereinigten Staaten hervor sowie die Aktivitäten der Hebrew Sheltering and Immigrant Society und wohlhabender Privatleute aus den Vereinigten Staaten bei der Ermöglichung der Einwanderung mittels Geld und Erledigung von Papierkram. (Es gab in der Tat ein großes Netzwerk von Agenten in Osteuropa, die unter Verletzung von US-Gesetzen „ihr Bestes taten, um das Geschäft durch Anlockung so vieler Auswanderer wie möglich anzukurbeln“ [Nadell 1984, S. 56].) Der Bericht beschrieb auch die schlechte Verfassung dieser zukünftigen Einwanderer: „Gegenwärtig ist es nur zu offensichtlich, daß sie subnormal sein müssen, und ihr normaler Zustand ist von sehr niedrigem Standard. Sechs Jahre Krieg und Wirren und Hungersnot und Pestilenz haben ihre Körper gepeinigt und ihre Mentalität verdreht. Die Älteren sind in einem beträchtlichen Ausmaß verfallen. Minderjährige sind unter Verlust dieser ganzen Zeitperiode ihrer gebührenden Entwicklung erwachsen geworden, und zu häufig unter Aneignung pervertierter Ideen, die Europa seit 1914 überschwemmt haben [vermutlich eine Bezugnahme auf radikale politische Ideen, die in dieser Gruppe üblich waren, siehe unten]“ (Cong. Rec., 20. April 1921, S. 498).

Der Bericht stellte auch fest, daß Artikel in der Warschauer Presse berichtet hatten, daß „Propaganda zugunsten unbeschränkter Einwanderung” geplant sei, einschließlich Feierlichkeiten in New York, die darauf abzielen, die Beiträge der Einwanderer zur Entwicklung der Vereinigten Staaten zu zeigen. Die Berichte für Belgien (dessen Auswanderer aus Polen und der Tschechoslowakei stammten) und Rumänien hoben ebenfalls die Bedeutung von Juden als zukünftige Einwanderer hervor. In einer Erwiderung darauf behauptete der Kongreßabgeordnete Isaac Siegel, daß der Bericht „von gewissen Offiziellen bearbeitet und ausgebessert“ worden sei und merkte an, daß der Bericht keine Länder mit größeren Einwandererzahlen als Polen erwähnte. (Zum Beispiel gab es in dem Bericht keine Erwähnung Italiens.) Ohne es ausdrücklich zu sagen („Ich überlasse es jedem Mann im Repräsentantenhaus, daraus seine eigenen Schlüsse und Folgerungen zu ziehen“ [Cong. Rec., 20. April 1921, S. 504]), wurde damit unterstellt, daß der Fokus auf Polen durch Antisemitismus bewirkt worden sei.

Der Mehrheitsbericht des Repräsentantenhauses (unterzeichnet von 15 seiner 17 Mitglieder, wobei nur die Abgeordneten Dickstein und Sabath nicht unterschrieben) betont auch die jüdische Rolle bei der Definierung des intellektuellen Kampfes in Begriffen der nordischen Überlegenheit und „amerikanischer Ideale“ anstatt in Begriffen eines ethnischen Status quo, der in Wirklichkeit vom Komitee bevorzugt wurde:

Der Aufschrei wegen Diskriminierung ist, wie das Komitee glaubt, fabriziert und von speziellen Vertretern rassischer Gruppen aufgebaut, unterstützt von Fremden, die in Wirklichkeit im Ausland leben. Mitglieder des Komitees haben einen Bericht in der Jewish Tribune (New York) vom 8. Februar 1924 über ein Abschiedsessen für Mr. Israel Zangwill bemerkt, in dem es heißt:

„Mr. Zangwill sprach hauptsächlich über die Einwanderungsfrage und erklärte, daß es keine Einschränkungen gäbe, wenn die Juden auf einer energischen Opposition gegen beschränkte Einwanderung beharrten. ’Wenn ihr genug Wirbel gegen diesen nordischen Unsinn macht’, sagte er, ’werdet ihr dieses Gesetz zu Fall bringen. Ihr müßt gegen diese Gesetzesvorlage kämpfen; sagt ihnen, daß sie amerikanische Ideale zerstören. Die meisten Befestigungen sind aus Karton, und wenn ihr dagegen drückt, geben sie nach.’

Das Komitee hat nicht das Gefühl, daß die mit dieser Gesetzesvorlage beabsichtigten Beschränkungen gegen die Juden gerichtet sind, denn diese können innerhalb der Quoten aus jedem Land kommen, in dem sie geboren wurden. Das Komitee ist nicht auf der Erwünschtheit eines „nordischen” oder sonstigen bestimmten Einwanderertyps herumgeritten, sondern hat standhaft an der Absicht der Sicherung einer starken Beschränkung festgehalten, wobei die Quoten so aufgeteilt waren, daß die Länder, aus denen in den zwei Jahrzehnten vor dem Weltkrieg die meisten gekommen waren, eingebremst wurden, damit die Vereinigten Staaten ihr Bevölkerungsgleichgewicht wiederherstellen können. Die fortgesetzte Anschuldigung, daß das Komitee eine „nordische” Rasse aufgebaut und seine Anhörung diesem Zweck gewidmet hätte, ist Teil eines absichtlich fabrizierten Angriffes, denn tatsächlich hat das Komitee nichts dergleichen getan“ (House Rep. 350, 1924, S. 16).

In der Tat fällt einem beim Lesen der Kongreßdebatten von 1924 auf, wie selten das Thema der nordischen Rasseüberlegenheit von jenen zur Sprache gebracht wird, die für das Gesetz sind, während buchstäblich alle Antirestriktionisten dieses Thema aufgegriffen haben.159 Nach einem besonders farbigen Kommentar gegen die Theorie der nordischen Rasseüberlegenheit merkte der Restriktionistenführer Albert Johnson an: „Ich möchte gern im Namen des Komitees sagen, daß dieses Komitee sich während der anstrengenden Zeit der Anhörungen vorgenommen hat, die nordische These oder Rassenangelegenheiten nicht zu diskutieren“ (Cong. Rec., 8. April 1924; S. 5911). Zuvor hatte Johnson während der Anhörungen zur Gesetzesvorlage als Antwort auf die Kommentare von Rabbi Stephen S. Wise, der den AJCongress repräsentierte, bemerkt: „Ich mag es nicht, ständig unter die Annahme eines Rassenvorurteils gestellt zu werden, wenn das eine, das ich seit elf Jahren versucht habe, die Befreiung meiner selbst von Rassenvorurteilen war, falls ich überhaupt welche hatte.“160 Mehrere Restriktionisten wiesen ausdrücklich die Theorie der nordischen Rasseüberlegenheit zurück, einschließlich der Senatoren Bruce (S. 5955) und Jones (S. 6614) und der Kongreßabgeordneten Bacon (S. 5902), Byrnes (S. 5653), Johnson (S. 5648), McLeod (S. 5675-5676), McReynolds (S. 5855), Michener (S. 5909), Miller (S. 5883), Newton (S. 6240); Rosenbloom (S. 5851), Vaile (S. 5922), Vincent (S. 6266), White, (S. 5898), und Wilson (S. 5671; alle Verweise auf Cong. Rec., April 1924).

Es ist in der Tat bemerkenswert, daß es in der Kongreßdebatte Hinweise darauf gibt, daß Abgeordnete aus dem fernen Westen wegen der Kompetenz japanischer Einwanderer und der drohenden Konkurrenz durch sie besorgt waren, und ihre Rhetorik wies darauf hin, daß sie die Japaner als rassisch gleichwertig oder überlegen betrachteten, nicht als minderwertig. Zum Beispiel sagte Senator Jones, daß „wir zugeben, daß sie [die Japaner] so fähig sind wie wir, daß sie so fortschrittlich sind wie wir, daß sie so ehrlich sind wie wir, daß sie so klug sind wie wir, und daß sie uns in allem gleich sind, was eine große Nation und Volk ausmacht (Cong. Rec., 18. April 1924, S. 6614); der Abgeordnete MacLafferty betonte die japanische Dominanz gewisser landwirtschaftlicher Märkte (Cong. Rec. 5. April 1924, S. 5681), und der Abgeordnete Lea erwähnte ihre Fähigkeit, „ihren amerikanischen Konkurrenten zu verdrängen” (Cong. Rec. 5. April 1924, S. 5697). Der Abgeordnete Miller beschrieb den Japaner als „einen unerbittlichen und unbesiegbaren Konkurrenten unseres Volkes, wo immer er sich hinbegibt” (Cong. Rec. 8. April 1924, S. 5884); siehe auch die Kommentare der Abgeordneten Gilbert (Cong. Rec. 12. April 1924, S. 6261) Raker (Cong. Rec. 8. April 1924, S. 5892} und Free (Cong. Rec. 8. April 1924, S. 5924ff).

Weiters waren, während das Thema der jüdisch-nichtjüdischen Ressourcenkonkurrenz während der Kongreßdebatten nicht zur Sprache kam, die Quoten für die Zulassung von Juden zu den Universitäten der Ivy League ein sehr herausragendes Thema für die Juden dieser Zeit. Das Quotenthema wurde in den jüdischen Medien stark publiziert, und der Fokus der Aktivitäten jüdischer Selbstverteidigungsorganisationen wie der ADL (siehe z. B. die Erklärung der ADL, die in The American Hebrew vom 29. Sept. 1922, S. 536 veröffentlicht wurde). Einige Gesetzgeber mögen daher an die jüdisch-nichtjüdische Ressourcenkonkurrenz gedacht haben. In der Tat war Präsident A. Lawrence Lowell von Harvard der nationale Vizepräsident der Immigration Restriction League wie auch ein Befürworter von Quoten für die Aufnahme von Juden in Harvard (Symott 1986, 238), was nahe legt, daß die Ressourcenkonkurrenz mit einer intellektuell überlegenen jüdischen Gruppe zumindest für einige prominente Restriktionisten ein Thema war.

Es ist wahrscheinlich, daß anti-jüdische Animositäten im Zusammenhang mit Ressourcenkonkurrenz weit verbreitet waren. Higham (1984, S. 141) schreibt vom „starken Druck, den die Juden als besonders ehrgeiziges Einwanderervolk auf einige der überfüllteren Sprossen der sozialen Leiter ausübten” (Higham 1984, 141). Ab dem neunzehnten Jahrhundert gab es in Patrizierkreisen ein ziemlich hohes Maß an verdecktem und offenem Antisemitismus, der eine Folge der sehr schnellen Aufwärtsmobilität von Juden und ihres Konkurrenzdrangs war. In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg bestand die Reaktion der nichtjüdischen Machtstruktur in der Schaffung gesellschaftlicher Register und der Betonung der Genealogie als Ausschlußmechanismen – „Kriterien, die nicht allein durch Geld zu erfüllen waren” (Higham 1984, S. 104ff, S. 127). Während dieser Zeit beschrieb Edward A. Ross (1914, S. 164) die Abneigung der Nichtjuden dagegen, „sich auf eine erniedrigende und würdelose Drängelei einlassen zu müssen, um ihr Gewerbe oder ihre Kunden gegen die jüdischen Invasoren zu behalten“, was auf eine ziemlich verbreitete Sorge wegen der wirtschaftlichen Konkurrenz durch Juden schließen läßt. Versuche zur Ausschließung aus einem breiteren Bereich von Gebieten wurden in den 1920ern gesteigert und erreichten ihren Höhepunkt während der schwierigen wirtschaftlichen Situation der Großen Depression (Higham 1984, S. 131ff).

Die einzigen Kommentare, die ich jedoch in den Kongreßdebatten von 1924 über eine Besorgnis wegen jüdisch-nichtjüdischer Ressourcenkonkurrenz (wie auch über die Besorgnis, daß die Interessen jüdischer Intellektueller nicht dieselben sind wie die ihrer nichtjüdischen Entsprechungen) finden konnte, sind die folgenden des Abgeordneten Wefald:

Ich für meinen Teil fürchte mich nicht vor den radikalen Ideen, die manche mitbringen könnten. Ideen kann man sowieso nicht draußenhalten, aber die Führerschaft unseres intellektuellen Lebens in vielen seiner Phasen ist in die Hände dieser schlauen Neuankömmlinge gelangt, die keine Sympathie für unsere alten amerikanischen Ideale oder jene Nordeuropas haben, die unsere Schwächen aufspüren und an sie appellieren und reich werden durch die Bärendienste, die sie uns erweisen. Unser ganzes System des Amusements ist von Männern übernommen worden, die auf dem Wellenkamm der süd- und osteuropäischen Einwanderung hierherkamen. Sie produzieren unsere schrecklichen Filmgeschichten, sie komponieren unsere Jazzmusik und verabreichen sie uns, sie schreiben viele der Bücher, die wir lesen, und geben unsere Magazine und Zeitungen heraus. (Cong. Rec., 12. April 1924, S. 6272).

Die Einwanderungsdebatte erfolgte auch inmitten der Diskussion in den jüdischen Medien über Thorsten Veblens berühmten Essay „The Intellectual Pre-eminence of Jews in Modern Europe“ („Die intellektuelle Vorrangstellung der Juden im modernen Europa“, beginnend mit 10. September 1920 als Fortsetzungen in The American Hebrew erschienen). In einem Leitartikel vom 13. Juli 1923 (S. 177) erwähnte The American Hebrew, daß Juden unter den Begabten in Louis Termans Studie über begabte Kinder überproportional vertreten waren, und bemerkte dazu: „Diese Tatsache muß die sogenannten Nordischen zu bitterem, wenngleich vergeblichem Nachdenken veranlassen.“ Der Leitartikel erwähnte auch, daß Juden unter den Stipendiengewinnern bei vom Staat New York gesponserten Wettbewerben überrepräsentiert waren. Er wies auch spitz darauf hin, daß „die Nordischen vielleicht zu stolz sind, um sich um diese Ehren zu bemühen. In jedem Fall ist die Liste der Gewinner dieser begehrten Stipendien, die gerade vom Bildungsministerium in Albany verlautbart wurde, nicht im mindesten nordisch, sie liest sich wie eine Konfirmationsliste eines Tempels.“ Es gibt in der Tat Hinweise, daß Juden, wie die Ostasiaten, einen höheren IQ haben als Kaukasier (Lynn 1987; Rushton 1995; A People That Shall Dwell Alone Kapitel 7). Tatsächlich hatte Terman herausgefunden, daß die Chinesen den Kaukasiern im IQ gleichkamen – ein weiterer Hinweis darauf, daß, wie Carl Degler (1991, S. 52) anmerkt, „ihre IQ-Werte kein Vorwand für die Diskriminierung gewesen sein konnten“, die das Gesetz von 1924 darstellte. Wie oben beschrieben, gibt es aus den Kongreßdebatten beträchtliche Hinweise darauf, daß der Ausschluß von Asiaten zumindest teilweise von der Furcht vor der Konkurrenz mit einer sehr talentierten, intelligenten Gruppe motiviert war statt von Gefühlen rassischer Überlegenheit.

Das gebräuchlichste Argument, das von jenen vorgebracht wurde, die für das Gesetz waren, und das sich im Mehrheitsbericht widerspiegelt, ist das Argument, daß die Quoten im Interesse der Fairness gegenüber allen Volksgruppen die relative ethnische Zusammensetzung des ganzen Landes widerspiegeln sollten. Restriktionisten führten an, daß der Zensus von 1890 gewählt wurde, weil die Prozentanteile der im Ausland Geborenen verschiedener Volksgruppen in diesem Jahr anähernd der allgemeinen Zusammensetzung des Landes im Jahr 1920 entsprachen. Senator Reed aus Pennsylvania und Kongreßabgeordneter Rogers aus Massachusetts schlugen vor, dasselbe Ergebnis zu erzielen, indem man die Quoten direkt auf die nationale Herkunft aller Menschen im Land laut dem Zensus von 1920 stützte, und dies wurde schließlich in das Gesetz übernommen. Der Abgeordnete Rogers argumentierte: „Gentlemen, Sie können diesem Prinzip nicht widersprechen, weil es fair ist. Es diskriminiert nicht zugunsten von irgendjemandem, und es diskriminiert nicht gegen irgendjemanden” (Cong. Rec. 8. April 1924; S. 5847). Senator Reed bemerkte: „Die Absicht der meisten von uns, wie ich denke, bei der Änderung der Quotenbasis ist die Beendigung der Diskriminierung gegen die hier geborenen Einheimischen und gegen die Gruppe unserer Bürger, die aus Nord- und Westeuropa kamen. Ich denke, das gegenwärtige System diskriminiert zugunsten Südosteuropas (Cong. Rec., 16. April 1924; S. 6457) (d. h.., weil 46 % der Quoten nach dem Gesetz von 1921 an Ost- und Südeuropäer gingen, als sie weniger als 12 % der Bevölkerung ausmachten).

Betrachten Sie die folgende Aussage des Abgeordneten William N. Vaile aus Colorado, einem der prominentesten Restriktionisten, als Beispiel zur Veranschaulichung des grundsätzlichen Arguments, das ein legitimes Interesse an der Beibehaltung des ethnischen Status quo geltend macht, ohne rassische Überlegenheit in Anspruch zu nehmen:

Lassen Sie mich hier betonen, daß die Restriktionisten des Kongresses nicht behaupten, daß die nordische Rasse, oder auch nur die angelsächsische Rasse, die beste der Welt ist. Geben wir in aller Fairness zu, daß der Tscheche ein robusterer Arbeiter ist, mit einem sehr niedrigen Prozentsatz von Kriminalität und Geisteskrankheit, daß der Jude der beste Geschäftsmann der Welt ist, und daß der Italiener ein spirituelles Gespür und einen künstlerischen Sinn hat, was die Welt sehr bereichert hat und in der Tat uns bereichert hat, eine spirituelle Begeisterung und ein künstlerisch-kreatives Gespür, das die nordische Rasse selten erlangt. Die Nordischen brauchen nicht eitel zu sein wegen ihrer eigenen Qualifikationen. Es ziemt sich für sie, bescheiden zu sein. Was wir jedoch in Anspruch nehmen, ist, daß die Nordeuropäier und insbesondere die Angelsachsen dieses Land geschaffen haben. Oh ja, die anderen haben dabei geholfen. Aber das ist schon alles. Sie kamen in dieses Land, weil es bereits als angelsächsisches Gemeinwesen geschaffen war. Sie haben dazu beigetragen, sie haben es oft bereichert, aber sie haben es nicht geschaffen, und sie haben es nicht sehr verändert. Wir sind entschlossen, daß sie das nicht sollen. Es ist ein gutes Land. Es gefällt uns so. Und wir versichern, daß wir es an niemand anderen übergeben werden oder anderen Leuten ungeachtet ihrer Verdienste erlauben werden, es zu etwas anderem zu machen. Wenn daran irgendetwas zu verändern ist, dann werden wir das selber tun. (Cong. Rec. 8. April 1924; S. 5922).

Die Debatte im Repräsentantenhaus illustrierte auch die höchst hervorstechende Rolle jüdischer Gesetzgeber bei der Bekämpfung des Restriktionismus. Der Abgeordnete Robison hob den Abgeordneten Sabath als den Führer der antirestriktionistischen Bestrebungen heraus, und ohne irgendeinen anderen Restriktionsgegner zu erwähnen, fokussierte er sich auch auf die Abgeordneten Jacobstein, Celler und Perlman als diejenigen, die gegen jede Einschränkung der Einwanderung waren (Cong. Rec. 5. April 1924, S. 5666). Der Abgeordnete Blanton, der sich über die Schwierigkeit beklagte, restriktionistische Gesetze im Kongreß durchzubringen, bemerkte: „Wenn zumindest 65 Prozent der Stimmung in diesem Haus nach meinem Urteil dafür ist, fünf Jahre lang alle Ausländer auszuschließen, warum bringen wir das nicht in Gesetzesform? Hat Bruder Sabath solch einen enormen Einfluß auf uns, daß er uns in dieser Sache niederhält?“ (Cong. Rec. 5. April 1924, S. 5685). Der Abgeordnete Sabath erwiderte: „Da könnte etwas dran sein.” Zusätzlich weisen die folgenden Kommentare des Abgeordneten Leavitt darauf hin, wie sehr die jüdischen Kongreßabgeordneten ihren Gegnern während der Debatte auffielen:

Der Instinkt zur nationalen und rassischen Selbsterhaltung ist nichts, was man verdammen müßte, wie hier angedeutet worden ist. Niemand sollte den Wunsch der Amerikaner, Amerika als amerikanisch zu bewahren, besser verstehen können als der Gentleman aus Illinois [Mr. Sabath], der den Angriff gegen diese Maßnahme anführt, oder die Gentlemen aus New York, Mr. Dickstein, Mr. Jacobstein, Mr. Celler, und Mr. Perlman. Sie sind von dem einen großen historischen Volk, das die Identität seiner Rasse durch die Jahrhunderte bewahrt hat, weil es aufrichtig daran glaubt, ein auserwähltes Volk zu sein, mit bestimmten Idealen, die erhalten werden sollen, und das weiß, daß der Verlust der rassischen Identität eine Veränderung der Ideale bedeutet. Diese Tatsache sollte es ihnen und der Mehrheit der aktivsten Gegner dieser Maßnahme in der mündlichen Debatte leicht machen, unseren Standpunkt anzuerkennen und nachzuempfinden, der nicht so extrem ist wie der ihrer eigenen Rasse, sondern nur verlangt, daß die Beimischung anderer Völker nach Art, Verhältnis und Menge nur so beschaffen sein soll, daß sie die rassischen Eigenschaften nicht schneller verändert, als es Assimilation der Ideen über Regierung als auch des Blutes geben kann. (Cong. Rec., 12. April 1924; S. 6265 – 6266)

Die Ansicht, daß Juden eine starke Tendenz hatten, gegen eine genetische Assimilation mit umgebenden Gruppen zu sein, wurde auch von anderen Beobachtern geäußert und war ein Bestandteil des zeitgenössischen Antisemitismus (siehe Singerman 1986, S. 110 – 111). Die jüdische Vermeidung von Exogamie hatte sicherlich eine Basis in der Realität (A People That Shall Dwell Alone, Kap. 2 – 4), und es ist erinnernswert, daß es selbst in den liberaleren Segmenten des amerikanischen Judentums im frühen zwanzigsten Jahrhundert eine starke Gegnerschaft gegenüber Mischehen gab, und gewiß in den weniger liberalen Segmenten, die von der großen Mehrheit der orthodoxen Einwanderer aus Osteuropa verkörpert wurden, die zur großen Mehrheit des amerikanischen Judentums geworden waren. Zum Beispiel war der prominente Reformführer des neunzehnten Jahrhunderts David Einhorn ein lebenslanger Gegner gemischter Ehen und weigerte sich, bei solchen Zeremonien die Trauung vorzunehmen, selbst wenn man ihn dazu drängte (Meyer 1988, S. 247). Einhorn war auch ein überzeugter Gegner der Konversion von Nichtjuden zum Judentum, wegen der Auswirkungen auf die „rassische Reinheit“ des Judentums (Levenson 1989, S. 331). In ähnlicher Weise war der einflußreiche Reformintellektuelle Kaufman Kohler ebenfalls ein leidenschaftlicher Gegner gemischter Ehen. In einer Anschauung, die höchst kompatibel mit Horace Kallens Multikulturalismus ist, kam Kohler zum Schluß, daß Israel separat bleiben und Mischehen vermeiden muß, bis es die Menschheit in eine Ära des universalen Friedens und der Bruderschaft unter den Rassen führt (Kohler 1918, S. 445 – 446). Die negative Einstellung zur Mischehe wurde durch Umfrageergebnisse bestätigt. Eine Umfrage von 1912 zeigte, daß nur sieben von 100 Reform-Rabbis eine gemischte Trauung vollzogen hatten, und eine Resolution des Central Council of American Rabbis von 1909 verkündete, daß „gemischte Ehen der Tradition der jüdischen Religion widersprechen und das amerikanische Rabbinat davon abraten sollte“ (Meyer 1988, S. 290). Nichtjüdische Wahrnehmungen der jüdischen Einstellungen zu Mischehen hatten daher eine starke Basis in der Realität.

Weit wichtiger als die jüdische Tendenz zu Endogamie waren für die Erzeugung antijüdischer Animositäten während der Kongreßdebatten von 1924 zwei andere prominente Themen dieses Projekts: Jüdische Einwanderer aus Osteuropa wurden verbreitet als nicht assimilierbar wahrgenommen und als Leute, die eine separate Kultur beibehielten (siehe Separation and its Discontents, Kapitel 2); man dachte auch, daß sie überproportional an radikalen politischen Bewegung beteiligt waren (siehe Kapitel 3).

Die Wahrnehmung des Radikalismus unter jüdischen Einwanderern war sowohl in jüdischen als auch in nichtjüdischen Publikationen verbreitet. The American Hebrew schrieb in einem Leitartikel: „Wir dürfen nicht vergessen, daß die Einwanderer aus Rußland und Österreich aus Ländern kommen werden, die vom Bolschewismus verseucht sind, und es wird mehr als eine oberflächliche Anstrengung erfordern, gute Staatsbürger aus ihnen zu machen“ (in Neuringer 1971, S. 165). Daß jüdische Einwanderer aus Osteuropa als „bolschewismusverseucht… unpatriotisch, fremd, nicht assimilierbar“ betrachtet wurden, hatte in den 1920ern eine Welle des Antisemitismus zur Folge und trug zu den restriktiven Einwanderungsgesetzen dieser Zeit bei (Neuringer 1971, S. 165). In Sorins Studie (1985, S. 46) über eingewanderte jüdische radikale Aktivisten hatte sich mehr als die Hälfte von ihnen vor der Auswanderung für radikale Politik in Europa engagiert, und bei denjenigen, die nach 1900 einwanderten, stieg der Prozentsatz auf 69 Prozent. Jüdische Publikationen warnten vor der Möglichkeit von Antisemitismus als Folge der linken Ausrichtung jüdischer Einwanderer, und die offizielle jüdische Gemeinschaft betrieb „einen fast verzweifelten Versuch, den Juden als hundertprozentigen Amerikaner darzustellen“, indem sie zum Beispiel an nationalen Feiertagen patriotische Festzüge organisierte und die Einwanderer dazu zu bringen versuchte, Englisch zu lernen (Neuringer 1971, S. 167).161

Vom Standpunkt der Einwanderungsdebatten aus ist es wichtig festzuhalten, daß in den 1920ern eine Mehrheit der Mitglieder der Socialist Party Einwanderer waren und daß ein „überwältigender“ (Glazer 1961, S. 38, S. 40) Prozentsatz der CPUSA aus vor kurzem Eingewanderten bestand, von denen ein beträchtlicher Prozentanteil Juden waren. Noch im Juni 1933 war die landesweite Organisation der CPUSA immer noch im Ausland geboren (Lyons 1982, S. 72 – 73); in Philadelphia waren 1929 volle 90 Prozent der Mitglieder der Communist Party im Ausland geboren, und 72,2 Prozent der CPUSA-Mitglieder in Philadelphia waren Kinder jüdischer Einwanderer, die im späten neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhundert in die Vereinigten Staaten gekommen waren (Lyons 1982, S. 71).

Jüdische anti-restriktionistische Aktivitäten von 1924-1945

Das Hervorstechen der jüdischen Verwicklung in die Einwanderungspolitik der Vereinigten Staaten setzte sich nach dem Gesetz von 1924 fort. Besonders verwerflich war für jüdische Gruppen das Quotensystem nach nationaler Herkunft. Zum Beispiel erklärte ein Autor der „Jewish Tribune“ 1927: „Wir … betrachten alle Maßnahmen zur Regulierung der Einwanderung nach Nationalität als unlogisch, ungerecht und unamerikanisch“ (in Neuringer, 1971, S. 205). Der offenste Kritiker weiterer Einschränkungen der Einwanderung in den 1930ern (jetzt hauptsächlich durch die Große Depression motiviert) war der Abgeordnete Samuel Dickstein, und Dicksteins Vorsitzübernahme im House Immigration Committee 1931 markierte das Ende der Möglichkeit für Restriktionisten, weitere Verringerungen der Quoten zu erlassen (Divine, 1957, S. 79 – 88). Jüdische Gruppen waren in den 1930ern die Hauptgegner der Einschränkungen und die hauptsächlichen Unterstützer liberalisierterer Bestimmungen, während ihre Gegner die wirtschaftlichen Konsequenzen der Einwanderung in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit betonten (Divine, 1957, S. 85 – 88). Zwischen 1933 und 1938 legte der Abgeordnete Dickstein eine Anzahl von Gesetzesentwürfen vor, die auf eine Steigerung der Zahl von Flüchtlingen aus Nazideutschland abzielten und hauptsächlich von jüdischen Organisationen unterstützt wurden, aber die Restriktionisten setzten sich durch (Divine, 1957, S. 93).

Während der 1930er waren Besorgnisse über den Radikalismus und die Unassimilierbarkeit jüdischer Einwanderer wie auch die Möglichkeit einer Nazi-Subversion die Hauptfaktoren, die die Opposition gegen eine Änderung der Einwanderungsgesetze beeinflußten (Breitman & Kraut, 1987). Außerdem „gab es in den Vereinigten Staaten der 1930er häufig Vorwürfe, daß die Juden in Amerika ihrem Stamm loyaler seien als ihrem Land“ (Breitman & Kraut, 1987, S. 87). Unter allen Parteien wurde klar wahrgenommen, daß die Öffentlichkeit gegen jede Änderung der Einwanderungspolitik und besonders gegen jüdische Einwanderung war. Die Anhörungen von 1939 über das vorgeschlagene Gesetz zur Aufnahme von 20.000 deutschen Flüchtlingskindern spielten daher das jüdische Interesse an dem Gesetz herunter. Der Gesetzesentwurf bezog sich auf Menschen „von jeder Rasse und Glaubensrichtung, die unter Bedingungen leiden, die sie dazu zwingen, in anderen Ländern Zuflucht zu suchen.“162 Der Gesetzesentwurf erwähnte nicht, daß Juden die Hauptnutznießer des Gesetzes sein würden, und dessen Fürsprecher betonten, daß nur annähernd 60 % der Kinder jüdisch sein würden. Die einzige Person, die sich zugunsten des Gesetzesentwurfs äußerte und sich als „Mitglied der jüdischen Rasse” indentifizierte, war „zu einem Viertel katholisch und zu drei Vierteln jüdisch“, mit protestantischen und katholischen Nichten und Neffen, und stammte aus dem Süden, der eine Bastion der Stimmung gegen Einwanderung war.163

Im Gegensatz dazu drohten Gegner des Gesetzesentwurfs damit, den sehr großen Prozentsatz von Juden öffentlich zu machen, der bereits nach dem Quotensystem aufgenommen wurde – vermutlich ein Hinweis auf die mächtige Kraft eines „virulenten und überall vorhandenen“ Antisemitismus in der amerikanischen Öffentlichkeit (Breitman & Kraut, 1987, S. 80). Die Gegner merkten an, daß die nach dem Gesetzesvorschlag erlaubte Zuwanderung „zum Großteil von der jüdischen Rasse sein würde”, und ein Anhörungszeuge sagte aus: „Es erübrigt sich zu sagen, daß das jüdische Volk von diesem Gesetz am meisten profitieren wird“ (in Divine 1957, S. 100). Die Restriktionisten argumentierten in wirtschaftlichen Begriffen, z. B. indem sie häufig Präsident Roosevelts Äußerung in seiner zweiten Inaugurationsrede zitierten: „Ein Drittel einer Nation schlecht untergebracht, schlecht gekleidet, schlecht ernährt” und indem sie große Zahlen bedürftiger Kinder anführten, die es bereits in den Verinigten Staaten gab. Die Hauptsorge der Restriktionisten war jedoch, daß der Gesetzesvorschlag ein weiterer in einer langen Reihe von Versuchen der Antirestriktionisten zur Entwicklung von Präzedenzfällen war, die schließlich das Gesetz von 1924 untergraben würden. Zum Beispiel betonte Francis Kinnecutt, Präsident der Allied Patriotic Societies, daß das Gesetz von 1924 auf der Idee der proportionalen Vertretung auf Basis der ethnischen Zusammensetzung des Landes beruht hatte. Das neue Gesetz wäre ein Präzedenzfall „für ähnliche unwissenschaftliche und eine Nation begüntigende Gesetzgebung als Reaktion auf den Druck von Gruppen fremder Nationalität oder Rasse, statt in Übereinstimmung mit den Bedürfnissen und Wünschen des amerikanischen Volkes.“164

Wilbur S. Carr und andere Beamte des Außenministeriums spielten eine wichtige Rolle bei der Minimierung der Einreise jüdischer Flüchtlinge aus Deutschland in den 1930ern. Der Staatssekretär des Außenministeriums William Phillips war ein leidenschaftlicher Antisemit mit beträchtlichem Einfluß auf die Einwanderungspolitik zwischen 1933 – 1936 (Breitman & Kraut, 1987, S. 36). Während des ganzen Zeitraums bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges waren Versuche zur Förderung jüdischer Einwanderung, selbst unter dem Wissen, daß die Nazis Juden verfolgten, weitgehend erfolglos aufgrund eines unnachgiebigen Kongresses und der Aktivitäten von Bürokraten, besonders jener im Außenministerium. Die öffentliche Diskussion in Zeitschriften wie The Nation (19. Nov. 1938) und The New Republic (23. Nov. 1938) brachte Vorwürfe, daß der Restriktionismus von Antisemitismus motiviert sei, während die Gegner der Aufnahme großer Zahlen von Juden argumentierten, daß deren Aufnahme eine Zunahme des Antisemitismus zur Folge hätte. Henry Pratt Fairchild (1939, S. 344), der ein Restriktionist und allgemein höchst kritisch gegenüber Juden war (siehe Fairchild, 1947), betonte die „mächtige Strömung der Ausländerfeindlichkeit und des Antisemitismus, die dicht unter der Oberfläche der amerikanischen öffentlichen Denkens verläuft, bereit, auf eine relativ geringfügige Provokation hin gewaltsam auszubrechen.“ Die öffentliche Meinung blieb standhaft gegen eine Erhöhung der Quoten für europäische Flüchtlinge: eine Umfrage von 1939 im Magazin Fortune (April 1939) zeigte, daß 83 Prozent auf die folgende Frage mit „Nein” antwortete: „Wenn Sie ein Kongreßabgeordneter wären, würden Sie dann über ein Gesetz zur Öffnung der Tür der Vereinigten Staaten gegenüber einer größeren Zahl europäischer Flüchtlinge, als jetzt nach unseren Einwanderungsquoten aufgenommen werden, mit Ja oder Nein stimmen?“ Weniger als 9 Prozent antworteten mit „Ja”, und der Rest hatte keine Meinung.

Jüdische anti-restriktionistische Aktivitäten von 1946-1952

Obwohl die jüdischen Interessen durch das Gesetz von 1924 eine Niederlage erlitten, „wurmte der diskriminierende Charakter des Reed-Johnson-Gesetzes weiterhin alle Sektoren des amerikanisch-jüdischen Meinungsspektrums“ (Neuringer, 1971, S. 196). Während dieses Zeitraums wiederholte ein Artikel von Will Maslow (1950) in Congress Weekly die Überzeugung, daß die restriktiven Einwanderungsgesetze absichtlich auf Juden abzielten: „Nur eine Art von Gesetzen, Einwanderungsgesetze, die sich auf Fremde außerhalb des Landes beziehen, unterliegt nicht den verfassungsmäßigen Garantien, und selbst hier mußte die Feindseligkeit gegen die jüdische Einwanderung mit einem raffinierten Quotensystem verkleidet werden, in dem die Berechtigung auf dem Geburtsort beruhte statt auf der Religion.“

Das jüdische Anliegen, das ethnische Gleichgewicht der Vereinigten Staaten zu ändern, ist in den Debatten über die Einwanderungsgesetze während der Ära nach dem Zweiten Weltkrieg offenkundig. 1948 übergab das AJCommittee dem Senatsunterkomitee eine Erklärung, die gleichzeitig die Wichtigkeit der materiellen Interessen der Vereinigten Staaten bestritt wie auch ihre Verpflichtung zur Einwanderung aller Rassen bekräftigte:

„Amerikanismus soll nicht an Gesetzestreue gemessen werden, oder am Bildungseifer, oder am Alphabetisierungsgrad, oder irgendeiner dieser Eigenschaften, in denen Einwanderer vielleicht die Einheimischen übertreffen. Amerikanismus ist der Geist hinter dem Willkommen, das Amerika traditionellerweise den Menschen aller Rassen, Religionen und Nationalitäten entgegengebracht hat” (in Cohen 1972, S. 369).

1945 legte der Abgeordnete Emanuel Celler einen Gesetzesvorschlag zur Beendigung der Ausschließung von Chinesen vor, der symbolische Quoten für Chinesen vorsah, und 1948 verurteilte das AJCommittee die Rassenquoten für Asiaten (Divine, 1957, S. 155). Andererseits zeigten jüdische Gruppen in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg eine Gleichgültigkeit oder sogar Feindseligkeit gegenüber der Einwanderung von Nichtjuden aus Europa (einschließlich Südeuropa) (Neuringer, 1971, S. 356, S. 367 – 369, S. 383). Daher sagten die jüdischen Sprecher während der ersten Anhörungen überhaupt nicht aus, in denen es um Notgesetze ging, die die Einwanderung einer begrenzten Zahl von Deutschen, Italienern, Griechen und Holländern, von Flüchtlingen vor dem Kommunismus und einer kleinen Zahl von Polen, Asiaten und Arabern erlaubten. Als jüdische Sprecher schließlich aussagten (teils deswegen, weil eine kleine Zahl der Kommunismusflüchtlinge Juden waren), nutzten sie die Gelegenheit, sich wieder einmal auf ihre Verdammung der Bestimmungen über nationale Herkunft nach dem Gesetz von 1924 zu konzentrieren.

Die jüdische Beteiligung an der Bekämpfung der Restriktionen in dieser Zeit war teilweise von Versuchen zur Etablierung von Präzedenzfällen motiviert, durch die das Quotensystem umgangen würde, und teilweise von Versuchen, die Einwanderung von Juden aus Osteuropa zu steigern. Das Citizen’s Committee on Displaced Persons, das Gesetze zur Aufnahme von 400.000 Flüchtlingen als Einwanderer außerhalb der Quoten über einen Zeitraum von vier Jahren befürwortete, unterhielt einen Stab von 65 Personen und wurde hauptsächlich vom AJCommittee und anderen jüdischen Spendern finanziert (siehe Cong. Rec., 15. Oktober 1949, S. 14647 – 14654; Neuringer 1971, S. 393). Zeugen, die gegen den Gesetzesentwurf aussagten, beschwerten sich, daß dieser ein Versuch sei, das ethnische Gleichgewicht der Vereinigten Staaten zu unterwandern, das durch das Gesetz von 1924 geschaffen worden war (Divine 1957, S. 117). In weiterer Folge stellte der Gesetzesentwurf, wie er aus dem Subkomitee kam, jüdische Interessen nicht zufrieden,weil er ein Stichdatum vorsah, das Juden ausschloß, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus Europa ausgewandert waren, einschließlich Juden, die vor dem polnischen Antisemitismus geflohen waren. Das Subkomitee des Senats „betrachtete die Übersiedlung von Juden und anderen Flüchtlingen aus Osteuropa nach 1945 als außerhalb des Hauptproblembereichs fallend und unterstellte, daß dieser Exodus eine geplante Migration sei, die von jüdischen Organen in den Vereinigten Staaten und Europa organisiert wurde“ (Senate Report No. 950 [1948], S. 15 – 16).

Jüdische Vertreter führten den Angriff gegen die Gesetzesvorlage (Divine 1957, S. 127), von der der Abgeordnete Emanuel Celler sagte, sie sei „schlimmer als gar kein Gesetz. Alles, was es tut, ist … Juden auszuschließen” (in Neuringer, 1971, S. 298; siehe auch Divine, 1957, S. 127). Als er die Gesetzesvorlage widerstrebend unterzeichnete, bemerkte Präsident Truman, daß das Stichdatum 1945 „in kaltschnäuziger Weise Vertriebene von jüdischem Glauben diskriminiert“ (Interpreter Releases, 25 [21. Juli 1948], S. 252 – 254). Andererseits stellte Senator Chapman Revercomb fest: „Es ist keine Unterscheidung, bestimmt keine Diskriminierung irgendwelcher Personen aufgrund ihrer Religion oder Rasse beabsichtigt, aber es werden Unterscheidungen getroffen unter jenen Personen, die in der Tat Vertriebene sind und die am längsten in Lagern gewesen sind und Vorrang genießen“ (Cong. Rec. 26. Mai 1948, S. 6793). In seiner Analyse schlußfolgert Divine (1957, S. 143):

Das ausdrückliche Motiv der Restriktionisten, das Programm auf jene Personen zu beschränken, die im Verlauf des Krieges vertrieben wurden, scheint eine berechtigte Erklärung für diese Bestimmungen zu sein. Die Tendenz jüdischer Gruppen, die Ausschließung so vieler ihrer Glaubensgenossen antisemitscher Voreingenommenheit zuzuschreiben, ist verständlich; jedoch führen einen die extremen Diskriminierungsvorwürfe während der Präsidentschaftskampagne von 1948 zu dem Verdacht, daß der nördliche Flügel der Demokratischen Partei dieses Thema benutzte, um die Stimmen von Mitgliedern aus Minderheitengruppen anzuziehen. Sicherlich weist Trumans angesichts der Zurückweisung von Katholiken getroffene Behauptung, daß das Gesetz von 1948 antikatholisch sei, darauf hin, daß die politische Zweckmäßigkeit eine Menge mit der Betonung des Diskriminierungsthemas zu tun hatte.

Im Nachspiel zu dieser Gesetzesvorlage veröffentlichte das Citizens Committee on Displaced Persons einen Bericht, der das Gesetz als „von Hass und Rassismus charakterisiert” etikettierte, und jüdische Organisationen verurteilten das Gesetz einstimmig (Divine, 1957, S. 131). Nach den Wahlen von 1948, die einen demokratischen Kongreß und einen mit ihm sympathisierenden Präsidenten Truman zur Folge hatten, legte der Abgeordnete Celler einen Gesetzesentwurf ohne das Stichdatum 1945 vor, aber nachdem der Entwurf vom Kongreß verabschiedet worden war, scheiterte er im Senat aufgrund der Opposition von Senator Pat McCarran. Während der Anhörungen bemerkte McCarran, daß das Citizens Committee über $ 800.000 für das Lobbying zugunsten eines liberalisierten Gesetzesentwurfs ausgegeben hatte, mit dem Ergebnis, „daß über die Länge und Breite dieser Nation eine Kampagne aus Fehlinterpretationen und Falschheiten verbreitet worden ist, die viele auf das Gemeinwohl bedachte und wohlmeinende Bürger und Organisationen irregeführt hat“ (Cong. Rec., 26. April 1949, S. 5042 – 5043). Nach der Niederlage erhöhte das Citizen’s Committee die Ausgaben auf über $ 1.000.000 und hatte Erfolg beim Durchbringen eines Gesetzesentwurfs, der vom Abgeordneten Celler vorgelegt wurde und als Stichdatum 1949 vorsah, das Juden nicht diskriminierte, aber ethnische Deutsche weitgehend ausschloß, die aus Osteuropa vertrieben worden waren. In einer seltsamen Wendung der Debatte warfen jetzt die Restriktionisten den Antirestriktionisten ethnischen Voreingenommenheit vor (z. B. Senator Eastland, Cong. Rec. 5. April 1950, S. 2737; Senator McCarran, Cong. Rec. 5. April 1950, S. 4743).

Zu einer Zeit, als es keine Ausbrüche von Antisemitismus in anderen Teilen der Welt gab, die eine dringende Notwendigkeit für jüdische Einwanderung geschaffen hätten, und bei Vorhandensein von Israel als sichere Zuflucht für Juden, lehnten jüdische Organisationen die Fortsetzung der Bestimmungen über die nationale Herkunft aus dem Gesetz von 1924 durch das McCarran-Walter-Gesetz von 1952 weiterhin energisch ab (Neuringer 1971, S. 337ff). Tatsächlich merkte der Distriktsberufungsrichter Simon H. Rifkind, als er sich im Namen eines weiten Spektrums jüdischer Organisationen gegen den McCarran-Walter-Entwurf äußerte, leidenschaftlich an, daß die jüdischen Ansichten über die Einwanderungsgesetze aufgrund der internationalen Situation und teilweise wegen der Existenz Israels als sichere Zuflucht für Juden „nicht auf der Bedrängnis unserer Glaubensgenossen beruhen, sondern auf der Auswirkung, die Einwanderungs- und Einbürgerungsgesetze auf Klima und Qualität des amerikanischen Lebens hier in den Vereinigten Staaten haben.“165 Die Argumente wurden jetzt typischerweise in Begriffen „demokratischer Prinzipien und der Sache der internationalen Freundschaft“ formuliert (Cohen 1972, S. 368) – wobei die stillschweigende Theorie die war, daß die Prinzipien der Demokratie ethnische Vielfalt erforderten, und daß der gute Wille anderer Länder von der amerikanischen Bereitschaft abhinge, deren Bürger als Einwanderer zu akzeptieren. „Der Beschluß [des McCarran-Walter-Entwurfs] wird die nationale Anstrengung, die wir gerade unternehmen, schwer schädigen. Denn wir führen einen Krieg um die Herzen und Gedanken der Menschen. Die freien Nationen der Welt schauen auf uns, um moralische und spirituelle Bestärkung zu erhalten in einer Zeit, in der der Glaube, der die Menschen bewegt, genauso wichtig ist wie die Macht, die sie ausüben.“166

Das McCarran-Walter-Gesetz schloß ausdrücklich die rassische Abstammung als Kriterium seiner Bestimmungen ein, daß Ostasiaten in den symbolischen Quoten für Ostasiaten ungeachtet ihres Geburtsortes enthalten sein sollten. Herbert Lehman, ein Senator aus New York und in den 1950ern der prominenteste Gegner von Einwanderungsbeschränkungen im Senat (Neuringer 1971, S. 351), argumentierte während der Debatten um den McCarran-Walter-Entwurf, daß Einwanderer afrikanischer Abstammung aus Jamaica in den Quoten für England enthalten sein sollten, und behauptete, daß der Gesetzesentwurf Verärgerung unter den Asiaten verursachen würde (Neuringer 1971, S. 346, S. 356). Die Abgeordneten Celler und Javits, die Führer der Antirestriktionisten im Kongreß, brachten ähnliche Argumente vor (Cong. Rec., 23. April 1952, S. 4306, S. 4219). Wie auch in den bis ins neunzehnte Jahrhundert zurückreichenden Kämpfen ersichtlich war, ging die Opposition gegen an nationaler Herkunft orientierte Gesetze über deren Auswirkungen auf die jüdische Einwanderung hinaus und befürwortete die Einwanderung aller rassisch-ethnischen Gruppen der Welt.

In Widerspiegelung einer Sorge um die Aufrechterhaltung des ethnischen Status quo wie auch des Hervorstechens jüdischer Angelegenheiten in dieser Zeit wurde bei den Anhörungen des Subkomitees betreffend das McCarran-Einwanderungsgesetz festgestellt: „Die Bevölkerung der Vereinigten Staaten hat sich seit 1877 verdreifacht, während sich die jüdische Bevölkerung im selben Zeitraum verzwanzigfacht hat“ (Senate Report No. 1515 [1950], S. 2 – 4). Die Gesetzesvorlage enthielt auch eine Bestimmung, daß eingebürgerte Einwohner automatisch die Staatsbürgerschaft verlieren, wenn sie sich fünf Jahre lang durchgehend im Ausland aufgehalten hatten. Diese Bestimmung wurde von jüdischen Organisationen als von antizionistischen Einstellungen motiviert betrachtet: „Die Aussagen von Regierungsbeamten bei den Anhörungen … machten klar, daß die Bestimmung einem Wunsch entsprang, eingebürgerte amerikanische Juden davon abzuhalten, sich einem tief empfundenen Ideal anzuschließen, das einige Amtspersonen im Widerspruch zur amerikanischen Politik als unerwünscht betrachteten ….“167

In erneuter Bestätigung der Logik der Restriktionisten der 1920er betonte der Bericht des Subkomitees, daß ein Zweck des Gesetzes von 1924 „die Beschränkung der Einwanderung aus Süd- und Osteuropa zur Bewahrung einer Vorherrschaft von Personen nordwesteuropäischer Abstammung in der Zusammensetzung unserer Gesamtbevölkerung” war, merkte aber an, daß dieser Zweck „keine Theorie nordischer Überlegenheit“ beinhalte (Senate Report No. 1515, [1950], S. 442, S. 445 – 446). Das Argument wurde manchmal in Form einer Betonung der „Ähnlichkeit des kulturellen Hintergrundes” zukünftiger Einwanderer ausgedrückt, was die Ablehnung der Theorien des kulturellen Pluralismus bedeutet (Bennett 1966, S. 133). Wie 1924 wurden Theorien von der nordischen Überlegenheit abgelehnt, aber anders als 1924 gab es keine Erwähnung des legitimen ethnischen Eigeninteresses der nordwesteuropäischen Völker, vermutlich ein Ergebnis der Wirksamkeit des Boas’schen Ansturms gegen diese Idee.

Ohne irgendeiner Theorie von der nordischen Überlegenheit Glauben zu schenken, glaubt das Subkomitee, daß die Annahme der Formel der nationalen Herkunft eine rationale und logische Methode war, um die Einwanderung zahlenmäßig in solcher Weise zu beschränken, daß das soziologische und kulturelle Gleichgewicht der Bevölkerung der Vereinigten Staaten am besten bewahrt wird. Es besteht kein Zweifel, daß es die Völker der Länder des nördlichen und westlichen Europa gegenüber jenen Süd- und Osteuropas bevorzugte, aber das Subkomitee meint, daß daß die Völker, die den größten Beitrag zur Entwicklung dieses Landes geleistet haben, völlig zu Recht bestimmten, daß das Land kein Feld weiterer Kolonisation war und die Einwanderung fürderhin nicht nur beschränkt werden, sondern auf die Aufnahme von Einwanderern gerichtet werden würde, die wegen der Ähnlichkeit ihres kulturellen Hintergrundes mit jenem der Hauptbestandteile unserer Bevölkerung als leichter assimilierbar betrachtet werden. (Sen. Rep. No. 1515, 81st Cong., 2nd Sess. 1950, S. 455)

Es ist wichtig festzuhalten, daß jüdische Sprecher sich in diesem Zeitraum von anderen liberalen Gruppen in ihren Motiven zur Opposition gegen Einwanderungsbeschränkungen unterschieden. Nachfolgend hebe ich die Aussage von Richter Simon H. Rifkind im Kongreß hervor, der in den Anhörungen zum McCarran-Walter-Entwurf von 1951 ein sehr breites Spektrum jüdischer Organe repräsentierte:168

1.) Einwanderung sollte aus allen rassischen/ethnischen Gruppen erfolgen:

„Wir stellen uns den Amerikanismus als die Geisteshaltung hinter dem Willkommen vor, das Amerika traditionellerweise den Menschen verschiedener Rassen, aller Religionen, aller Nationalitäten entgegengebracht hat. Der Amerikanismus ist eine tolerante Lebensart, die von Menschen entwickelt wurde, die sich voneinander in Religion, rassischem Hintergrund, Bildung und Abstammung sehr unterschieden und die sich darauf einigten, all diese Dinge zu vergessen und einen neuen Nachbarn nicht danach zu fragen, woher er kommt, sondern nur danach, was er tun kann und wie seine Haltung gegenüber seinen Mitmenschen ist“ (S. 566).

2.) Die Gesamtzahl der Einwanderer sollte innerhalb sehr weit gefaßter wirtschaftlicher und politischer Einschränkungen maximiert werden:

„Die Regulierung [der Einwanderung] ist die Regulierung eines Aktivpostens, nicht einer Belastung“ (S. 567). Rifkind betonte mehrmals, daß ungenutzte Quoten sich in einer Einschränkung der Gesamtzahl der Einwanderer auswirkten, und er sah dies sehr negativ (z. B. S. 569).

3.) Einwanderer sollten nicht als wirtschaftliche Aktivposten betrachtet und bloß zur Bedienung der gegenwärtigen Bedürfnisse der Vereinigten Staaten importiert werden:

Wenn man die selektive Einwanderung vom Standpunkt der Vereinigten Staaten betrachtet, niemals vom Standpunkt des Einwanderers aus, dann sage ich, daß wir in gewissem Ausmaß unsere vorübergehenden Bedürfnisse berücksichtigen, aber unser Einwanderungsproblem nicht zu einem Arbeitsmarktinstrument machen sollten. Ich denke nicht, daß wir Wirtschaftsgüter kaufen, wenn wir Einwanderer hereinlassen. Wir nehmen menschliche Wesen auf, die Familien gründen und Kinder großziehen werden, deren Kinder unsere Höhen erreichen können – zumindest hoffen und beten wir darum. Bei einem kleinen Segment des Einwandererstroms denke ich, daß wir das Recht haben zu sagen, falls wir zufällig eine Knappheit an einem bestimmten Talent haben, „Halten wir Ausschau nach ihnen,“ falls nötig, aber machen wir das nicht zum alles durchdringenden Gedanken. (S. 570)

Die Opposition dagegen, benötigte Fertigkeiten zur Grundlage der Einwanderung zu machen, stand im Einklang mit dem fortgesetzten jüdischen Versuch seit dem späten neunzehnten Jahrhundert, die Einführung eines Alphabetisierungstests als Kriterium für die Einwanderung zu verzögern, bis dieser Test schließlich 1917 beschlossen wurde.

Obwohl Rifkinds Aussage frei von der Anschuldigung war, daß die gegenwärtige Einwanderungspolitik auf der Theorie der nordischen Überlegenheit beruhe, blieb die nordische Überlegenheit weiterhin ein prominentes Thema anderer jüdischer Gruppen, die die Einwanderung aus allen ethnischen Gruppen befürworteten, besonders des AJCongress. Die Erklärung des AJCongress bei diesen Anhörungen konzentrierte ein großes Maß an Aufmerksamkeit auf die Bedeutung der Theorie von der nordischen Überlegenheit als Motivationsfaktor für das Gesetz von 1924. Im Gegensatz zu Rifkinds überraschender Behauptung der traditionellen amerikanischen Offenheit für alle Volksgruppen hielt sie die frühere Geschichte ethnischer Ausschließung fest, die es vor der Entwicklung dieser Theorie gab, einschließlich des Chinese Exclusion Act von 1882, des Abkommens mit Japan von 1907, das die Einwanderung japanischer Arbeiter begrenzte, und des Ausschlusses anderer Asiaten 1917. Die Erklärung stellte fest, daß das Gesetz von 1924 sein Ziel der Bewahrung des ethnischen Gleichgewichts der Vereinigten Staaten nach dem Zensus von 1920 erreicht hätte, merkte jedoch an: „Dieses Ziel ist wertlos. Es gibt nichts Sakrosanktes an der Zusammensetzung der Bevölkerung von 1920. Es wäre töricht zu glauben, daß wir in diesem Jahr den Höhepunkt ethnischer Perfektion erreicht hätten.”169

Weiters befürwortete die Erklärung des AJCongress in einer ausdrücklichen Darlegung von Horace Kallens multikulturellem Ideal die „These der kulturellen Demokratie, die allen Gruppen, ‚der Mehrheit wie den Minderheiten gleichermaßen … das Recht garantieren würde, anders zu sein, und die Verantwortung, sicherzustellen, daß ihre Unterschiede nicht in Konflikt mit dem Wohlergehen des amerikanischen Volkes als Ganzes geraten.’“170

In dieser Zeit verurteilte die Congress Weekly, das Journal des AJCongress, regelmäßig die Bestimmungen über die nationale Herkunft als auf dem „Mythos von der Existenz überlegener und minderwertiger Rassen” beruhend (17. Okt. 1955; S. 3) und befürwortete die Einwanderung auf der Basis des „Bedarfs und anderer Kriterien, die nichts mit Rasse oder nationaler Herkunft zu tun haben“ (4. Mai 1953, S. 3). Besonders verwerflich war aus der Sicht des AJCongress die vom Gesetz von 1924 bestimmte Implikation, daß es keine Veränderung des ethnischen Status quo geben sollte (z. B. Goldstein, 1952a, S. 6). Die Formel der nationalen Herkunft „ist jetzt empörend … wo unsere nationale Erfahrung jenseits allen Zweifels bestätigt hat, daß unsere Stärke in der Verschiedenheit unserer Völker liegt“ (Goldstein, 1952b, S. 5).

Wie oben angeführt, gibt es einige Hinweise darauf, daß das Gesetz von 1924 und der Restriktionismus der 1930er teilweise von antisemitischen Einstellungen motiviert war. Antisemitismus und seine Verbindung mit Antikommunismus war auch in den Einwanderungsdebatten der 1950er vor und nach dem Beschluß des McCarran-Walter-Gesetzes offenkundig. Die Restriktionisten verwiesen oft auf Beweise, daß über 90 % der amerikanischen Kommunisten einen Hintergrund hatten, der sie mit Osteuropa verband, und eine Hauptstoßrichtung ihrer Bemühungen war die Verhinderung der Einwanderung aus diesem Bereich und die Erleichterung von Deportationsverfahren zur Verhinderung kommunistischer Subversion. Osteuropa war auch der Ursprung des Großteils der jüdischen Einwanderung, und Juden waren unter den amerikanischen Kommunisten unverhältnismäßig vertreten, mit dem Ergebnis, daß diese Themen miteinander verbunden wurden, und die Situation bot sich für breite antisemitische Verschwörungstheorien über die Rolle der Juden in der amerikanischen Politik an (z. B. Beaty 1951). Im Kongreß erklärte der notorisch antisemitsche Abgeordnete John Rankin, ohne ausdrücklich die Juden zu erwähnen:

Sie jammern über Diskriminierung. Wissen Sie, wer diskriminiert wird? Die weißen Christen Amerikas, diejenigen, die diese Nation schufen…. ich spreche von den weißen Christen des Nordens wie auch des Südens…. Kommunismus ist rassisch. Eine rassische Minderheit hat in Rußland und all seinen Satellitenländern wie Polen, Tschechoslowakei und vielen anderen, die ich nennen könnte, die Kontrolle übernommen. Sie sind in den vergangenen Jahren aus praktisch jedem Land in Europa weggerannt, und wenn sie in diesem Land weiterhin Rassenprobleme schüren und den Christen Amerikas ihr kommunistisches Programm aufzuzwingen versuchen, dann kann man nicht sagen, was ihnen hier passieren wird (Cong. Rec., 23. April 1952, S. 4320).

In dieser Zeit waren die etablierten jüdischen Organisationen zutiefst darum besorgt, das Stereotyp vom kommunistischen Juden zu beseitigen und ein Bild von Juden als liberale Antikommunisten zu entwickeln (Svonkin 1997). “Der Kampf gegen das Stereotyp des kommunistischen Juden wurde bei jüdischen Führern und Meinungsmachern in ganz Amerika zu einer buchstäblichen Besessenheit” (Liebman 1979, S. 515). (Um das Ausmaß dieses Stereotyps anzudeuten: als die nichtjüdische Anthropologin Eleanor Leacock 1944 vom FBI wegen einer Sicherheitsfreigabe überprüft wurde, wurden ihre Freunde zur Dokumentierung ihrer Verbindungen zu politischen Radikalen gefragt, ob sie mit Juden verkehrte [Frank 1997, S. 738].) Das AJCommittee unternahm intensive Bemühungen zur Änderung der Meinung innerhalb der jüdischen Gemeinschaft, indem es zeigte, daß jüdische Interessen besser mit einer Befürwortung der amerikanischen Demokratie vereinbar waren als mit dem Sowjetkommunismus (z. B. durch Hervorhebung des sowjetischen Antisemitismus und der Unterstützung von Nationen, die gegen Israel waren, in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg) (Cohen 1972, S. 347ff).171 Obwohl der AJCongress zugab, daß der Kommunismus eine Bedrohung war, übernahm die Gruppe eine “anti-antikommunistische” Position, die die Verletzung bürgerlicher Freiheiten verurteilte, die in den antikommunistischen Gesetzen der Zeit enthalten war. Sie war daher “bestenfalls ein widerwilliger und lustloser Teilnehmer” (Svonkin 1997, S. 132) am jüdischen Bestreben in diesem Zeitraum, ein starkes öffentliches Bild des Antikommunismus zu entwickeln – eine Position, die die Sympathien vieler ihrer vorwiegend aus osteuropäischen Einwanderern der zweiten und dritten Generation bestehenden Mitglieder widerspiegelte.

Diese radikale jüdische Subkultur und ihre Verbindungen zum Kommunismus waren bei den Unruhen in Peekskill, New York, von 1949 sehr deutlich erkennbar. Peekskill war ein Sommerreiseziel für annähernd 30.000 vorwiegend jüdische Fachkräfte, die mit ursprünglich in den 1930ern gegründeten sozialistischen, anarchistischen und kommunistischen Kolonien in Verbindung standen. Die unmittelbare Ursache der Unruhen war ein Konzert, das vom erklärten Kommunisten Paul Robeson gegeben und von Civil Rights Congress gesponsert wurde, einer pro-kommunistischen Gruppe, die vom U.S.-Justizminister als subversiv gebrandmarkt wurde. Randalierer machten antisemitische Aussagen zu einer Zeit, als die Verbindung zwischen Juden und Kommunismus sehr auffällig war. Das Ergebnis war ein Imagepflegeversuch seitens des AJCommittee, bei dem die antisemitische Perspektive des Vorfalls bagatellisiert wurde – ein Beispiel für die Quarantänemethode der jüdischen politischen Strategie (siehe Separation and its Discontents, Kapitel 6, Anmerkung 14). Diese Strategie stand in Konflikt mit anderen Gruppen wie dem AJCongress und der ACLU, die einen Bericht bestätigte, der die Gewalt antisemitischen Vorurteilen zuschrieb und hervorhob, daß den Opfern wegen ihrer kommunistischen Sympathien ihre bürgerlichen Freiheiten genommen worden seien.

Besonders beunruhigend war für amerikanische Judenführer die Verhaftung und Verurteilung von Julius und Ethel Rosenberg wegen Spionage. Linke Unterstützer der Rosenbergs, von denen viele Juden waren, versuchten den Fall als Beispiel für Antisemitismus darzustellen. In den Worten eines prominenten Kommentators: “Die Lynchung dieser beiden unschuldigen amerikanischen Juden wird, sofern sie nicht vom amerikanischen Volk gestoppt wird, als Signal für eine Welle hitler-artiger genozidaler Angriffe in den gesamten Vereinigten Staaten gegen das jüdische Volk dienen” (in Svonkin 1997, S. 155). Diese linken Organisationen strebten aktiv danach, die jüdische Mehrheitsmeinung für die Seite dieser Interpretation in Dienst zu nehmen (Dawidowicz 1952). Jedoch ließen sie dadurch die jüdische Identität dieser Individuen und die Verbindung zwischen Judentum und Kommunismus noch mehr hervorstechen. Die offizielle jüdische Gemeinschaft gab sich große Mühe, das öffentliche Stereotyp von jüdischer Subversion und Illoyalität zu ändern. In ähnlicher Weise kommentierte das AJCommittee in seinem Versuch, den Kommunismus anzuklagen, den Prozeß gegen Rudolph Slansky und seine jüdischen Kollegen in der Tschechoslowakei. Dieser Prozeß war Teil der antisemitischen Säuberungen jüdischer kommunistischer Eliten in Osteuropa nach dem Zweiten Weltkrieg und völlig analog zu ähnlichen Fällen in Polen, die von Schatz (1991) berichtet und in Kapitel 3 besprochen werden. Das AJCommittee erklärte: “Der Prozeß gegen Rudolph Slansky, den abtrünnigen Juden, und seine Kollegen, die das Judentum im Dienst der kommunistischen Sache verrieten, sollten jeden gegenüber der Tatsache aufwachen lassen, daß Antisemitismus zu einem offenen Instrument kommunistischer Politik geworden ist. Es ist ironisch, daß diese Männer, die dem Judentum untreu wurden, welches dem Kommunismus feindlich gesonnen ist, nun als Vorwand für die antisemitische kommunistische Kampagne benutzt werden” (in Svonkin 1997, S. 282n 114).

Jüdische Organisationen kooperierten voll mit dem House Un-American Activities Committee [Komitee für unamerikanische Umtriebe], und Verteidiger der Rosenbergs und anderer Kommunisten wurden aus etablierten jüdischen Organisationen gejagt, wo sie zuvor willkommen gewesen waren. Besonders herausragend war der 50.000 Mitglieder starke Jewish Peoples Fraternal Order (JPFO), ein Ableger des International Workers Order (IWO), der vom U.S.-Justizminister als subversive Orgnisation aufgelistet wurde. Das AJCommittee setzte bei örtlichen jüdischen Organisationen durch, den JPFO zu vertreiben, ein Zug, dem der JPFO standhaft Widerstand leistete, und der AJCongress löste den Mitgliedsstatus des JPFO wie auch einer weiteren kommunistisch dominierten Organisation auf, des American Jewish Labor Council. In ähnlicher Weise trennten sich etablierte jüdische Organisationen von der Social Service Employees Union, einer jüdischen Gewerkschaft für Mitarbeiter in jüdischen Organisationen. Diese Gewerkschaft war zuvor wegen ihrer kommunistischen Sympathien aus dem Congress of Industrial Organizations vertrieben worden.

Jüdische Organisationen erlangten erfolgreich eine prominente Rolle für Juden bei der Strafverfolgung der Rosenbergs, und nach dem Schuldspruch waren das AJCommittee und die American Civil Liberties Union aktiv in der Förderung der öffentlichen Unterstützung für sie (Ginsberg 1993, S. 121; Navasky 1980, S. 114ff). Die Zeitschrift Commentary, die vom AJCommittee herausgegeben wurde, “wurde rigoros redigiert, um sicherzustellen, daß nichts, was darin erschien, als dem Kommunismus wohlgesonnen ausgelegt werden konnte” (Liebman 1979, S. 516), und sie ging sogar so weit, extrem antisowjetische Artikel zu drucken.

Trotzdem deckten sich die Positionen der allgemeinen jüdischen Organisationen wie des AJCommittee, das gegen den Kommunismus war, in Einwanderungsfragen oft mit der Position der CPUSA. Zum Beispiel verdammten sowohl das AJCommittee wie auch die CPUSA das McCarran-Walter-Gesetz, während andererseits das AJCommittee eine Hauptrolle bei der Beeinflussung der Empfehlungen von Präident Trumans Kommission über Einwanderung und Einbürgerung (PCIN) zur Lockerung der Sicherheitsbestimmungen des McCarran-Walter-Gesetzes spielte, und diese Empfehlungen wurden von der CPUSA zu einer Zeit wärmstens begrüßt, in der ein Hauptziel der Sicherheitsbestimmungen im Ausschluß von Kommunisten bestand (Bennett, 1963, S. 166). (Richter Julius Rifkinds Bemerkungen bei den Joint Hearings zum McCarran-Walter-Gesetz [siehe oben] verurteilten ebenfalls die Sicherheitsbestimmungen des Gesetzesentwurfs.) Juden waren in der PCIN wie auch in den Organisationen unverhältnismäßig vertreten, die vom Kongreß als mit Einwanderungsfragen befaßte kommunistische Tarnorganisationen betrachtet wurden. Der Vorsitzende der PCIN war Philip B. Perlman, und das Personal der Kommission enthielt einen hohen Prozentanteil von Juden unter der Leitung von Harry N. Rosenfield (Geschäftsführer) und Elliot Shirk (Assistent des Geschäftsführers), und ihr Bericht wurde vom AJCongress von ganzem Herzen befürwortet (siehe „Congress Weekly“, 12. Jan. 1952, S. 3). Die Sitzungsberichte wurden unter Mitarbeit des Abgeordneten Emanuel Celler als Bericht „Whom We Shall Welcome“ (Wen wir willkommen heißen sollen) gedruckt.

Im Kongreß beschuldigte Senator McCarran die PCIN, kommunistische Sympathisanten zu enthalten, und das House Un-American Activities Committee (Kongreßkomitee über unamerikanische Aktivitäten, HUAC) veröffentlichte einen Bericht, der besagte, daß „etwa zwei Dutzend Kommunisten und ein Vielfaches dieser Zahl mit wiederholten Verbindungen zu bekannten kommunistischen Unternehmungen vor der Kommission aussagten oder Erklärungen zur Aufnahme ins Protokoll der Anhörungen abgaben…. Nirgendwo im Protokoll der Anhörungen oder im Bericht gibt es einen einzigen Hinweis auf den wahren Hintergrund dieser Personen” (House Report No. 1182, 85th Congress, 1st Session, S. 47). Der Bericht bezog sich insbesondere auf Kommunisten mit einer Verbindung zum American Committee for the Protection of Foreign Born (Amerikanisches Komitte zum Schutz im Ausland Geborener, ACPFB) unter der Leitung von Abner Green. Green, der Jude war, nahm in diesen Anhörungen eine sehr prominente Stelle ein, und Juden waren allgemein überproportional unter jenen vertreten, die als Funktionäre und Sponsoren des ACFP ausgemacht worden waren (S. 13 – 21). Das HUAC lieferte Beweise, daß das ACPFB enge Verbindungen zur CPUSA hatte, und stellte fest, daß 24 der mit dem ACFP in Verbindung stehende Personen Erklärungen unterzeichnet hatten, die im gedruckten Bericht der PCIN enthalten waren.

Das AJCommittee war auch stark in die Erwägungen der PCIN einbezogen, einschließlich der Abgabe von Zeugenaussagen und der Verteilung von Daten und anderem Material an Einzelpersonen und Organisationen, die vor der PCIN aussagten (Cohen, 1972, S. 371). Alle seine Empfehlungen wurden in den Schlußbericht übernommen (Cohen, 1972, S. 371), einschließlich einer Herunterspielung der wirtschaftlichen Fertigkeiten als Einwanderungskriterium, der Verschrottung der Gesetzesbestimmungen über nationale Herkunft und der Öffnung der Einwanderung für alle Völker der Welt nach dem Prinzip „wer zuerst kommt, mahlt zuerst“, mit der einzigen Ausnahme, daß der Bericht eine niedrigere Gesamtzahl von Einwanderern empfahl als das AJCommittee und andere jüdische Gruppen. Das AJCommittee ging also über die bloße Befürwortung des Prinzips der Einwanderung durch alle rassischen und ethnischen Gruppen hinaus (symbolische Quoten für Asiaten und Afrikaner waren bereits in das McCarran-Walter-Gesetz aufgenommen worden), um die Gesamtzahl der Einwanderer aus allen Teilen der Welt im Rahmen des gegenwärtigen politischen Klimas zu maximieren.

In der Tat merkte die Kommission (PCIN 1953, S. 106) spitz an, daß das Gesetz von 1924 erfolgreich den rassischen Status quo bewahrt hatte und daß die Hauptbarriere gegen die Veränderung des rassischen Status quo nicht das System der nationalen Herkunft war, weil es bereits hohe Anteile von Einwanderern außerhalb der Quoten gab und weil die Länder Nord- und Westeuropas ihre Quoten nicht ausnutzten. Stattdessen stellte der Bericht fest, daß die Hauptbarriere gegen die Veränderung des rassischen Status quo die Gesamtzahl der Einwanderer war. Die Kommission sah also die Veränderung des rassischen Status quo der Vereinigten Staaten als wünschenswertes Ziel und führte zu diesem Zweck als Hauptargument an, daß es wünschenswert sei, die Gesamtzahl der Einwanderer zu erhöhen (PCIN, 1953, S. 42). Wie Bennett (1963, S. 164) anmerkt, war in den Augen der PCIN die Reduktion der Gesamtzahl der Einwanderer durch das Gesetz von 1924 „etwas sehr Schlechtes, weil sie fand, daß für die amerikanische Staatsbürgerschaft oder jeden anderen Zweck eine Rasse genauso gut sei wie irgendeine andere.“

Dementsprechend faßten die Verteidiger des Gesetzes von 1952 die Angelegenheit grundsätzlich als eine der ethnischen Kriegführung auf. Senator McCarran erklärte, daß die Untergrabung des an der nationalen Herkunft orientierten Systems „im Laufe einer Generation oder so dazu tendieren wird, die ethnische und kulturelle Zusammensetzung dieser Nation zu verändern” (in Bennett, 1963, S. 185), und Richard Arens, ein Mitglied des Kongreßpersonals, der eine prominente Rolle bei den Anhörungen über das McCarran-Walter-Gesetz wie auch bei den Aktivitäten des HUAC innehatte, erklärte: „Dies sind die Kritiker, denen Amerika nicht gefällt, wie es ist und gewesen ist. Sie denken, daß unser Volk in unfairen ethnischen Proportionen existiert. Sie ziehen es vor, daß wir eine größere Ähnlichkeit oder ethnische Verwandtschaft mit den fremden Völkern haben, die sie bevorzugen und für die sie unverhältnismäßig größere Einwanderungsprivilegien anstreben” (in Bennett, 1963, S. 186). Wie Divine (1957, S. 188) anmerkt, herrschten auf beiden Seiten ethnische Interessen vor. Die Restriktionisten verteidigten stillschweigend den ethnischen Status quo, während die Antirestriktionisten eher ausdrücklicher waren in ihrem Wunsch, den ethnischen Status quo in einer Weise zu verändern, die ihren eigenen subjektiven ethnischen Interessen entsprach, obwohl die antirestriktionistische Rhetorik in universalistischen und moralistischen Begriffen formuliert war.

Das Hervorstechen der jüdischen Verwicklung in die Einwanderung während dieser Zeitperiode ist auch in mehreren anderen Fällen offenkundig. 1950 sagte der Vertreter des AJCongress aus, daß die Beibehaltung des Systems der nationalen Herkunft in jedweder Form „eine politische und moralische Katastrophe“ wäre („Revision of Immigration Laws“ Joint Hearings, 1950, S. 336 – 337). Die Formel über nationale Herkunft bedinge, daß „Personen, die die Chance anstreben, in diesem Land zu leben, nach Zuchtrasse beurteilt werden sollen wie Vieh auf einem Jahrmarkt und nicht auf der Basis ihrer charakterlichen Eignung oder Fähigkeit” („Congress Weekly“ 21, 1952, S. 3 – 4). Divine (1957, S. 173) charakterisiert den AJCongress wegen seiner prinzipiellen Gegnerschaft gegen jede Form der Formel über nationale Herkunft als „den militanteren Flügel” der Opposition, während andere Gegner bloß in der Lage sein wollten, ungenutzte Quoten Süd- und Osteuropa zuzuteilen.

Der Abgeordnete Francis Walter bemerkte den „Propagandadruck gegen den Immigration and Nationality Code, an dem sich jetzt gewisse Mitglieder des American Jewish Congress beteiligen“ (Cong. Rec. 13. März 1952, S. 2283), wobei er besonders die Aktivitäten von Dr. Israel Goldstein festhielt, des Präsidenten des AJCongress, der laut Bericht der New York Times behauptet hatte, daß das Gesetz über Einwanderung und Nationalität „allen Personen von anderer als angelsächsischer Herkunft ein gesetzliches Siegel der Minderwertigkeit aufdrücken würde.“ Der Abgeordnete Walter erwähnte dann die besondere Rolle, die jüdische Organisationen bei dem Versuch gespielt hatten, Familienzusammenführung statt besonderer Befähigungen als Basis amerikanischer Einwanderungspolitik zu fördern. Nachdem der Abgeordnete Jacob Javits behauptet hatte, daß die Opposition gegen das Gesetz „nicht auf die eine Gruppe beschränkt ist, die der Gentleman erwähnte“‘ (Congressional Record, 13. März 1952, S. 2284), erwiderte Walter wie folgt:

Ich könnte Ihre Aufmerksamkeit auf die Tatsache lenken, daß Mr. Harry N. Rosenfield, Kommissar der Displaced Persons Commission [und auch der Geschäftsführer der PCIN; siehe oben] und zufälligerweise ein Schwager eines Anwalts, der all diese Agitation schürt, kürzlich in einer Rede sagte:

„Das vorgeschlagene Gesetz ist Amerikas Nürnberger Prozeß. Es ist ‚rassisch’ und archaisch, beruhend auf einer Theorie, daß Menschen mit verschiedenen Nasenformen unterschiedlich behandelt werden sollten.”

Der Abgeordnete Walter stellte dann fest, daß die beiden einzigen Organisationen, die dem gesamten Gesetzesentwurf feindlich gegenüberstanden, der AJCongress und die Association of Immigration and Nationality Lawyers waren, wobei letztere „von einem Anwalt vertreten wurde, der auch den American Jewish Congress berät.“ (Goldstein [1952b] selbst merkte an, daß „der American Jewish Congress zur Zeit der gemeinsamen Anhörungen von Kongreß und Senat die einzige Bürgervereinigung war, die es offen wagte, gegen die Quotenformel nach nationaler Herkunft aufzutreten”.)

Der Abgeordnete Emanuel Celler enrwiderte, daß Walter „die Menschen eines bestimmten Glaubens, die gegen den Gesetzesentwurf sind, nicht hätte überbetonen sollen, wie er es getan hat” (S. 2285). Der Abgeordnete Walter stimmte Cellers Kommentaren zu und merkte an, daß es „andere sehr gute jüdische Gruppen gibt, die den Gesetzesentwurf gutheißen.“ Trotzdem opponierten die wichtigsten jüdischen Organisationen einschließlich des AJCongress, des AJCommittee, der ADL, des National Council of Jewish Women und der Hebrew Immigrant Aid Society in der Tat gegen die Gesetzesvorlage (Cong. Rec., 23. April 1952, S. 4247), und als Richter Simon Rifkind bei den gemeinsamen Anhörungen gegen den Gesetzesentwurf aussagte, betonte er, daß er ein sehr breites Spektrum jüdischer Gruppen vertrete, „die Gesamtheit der religiösen und Laienmeinung innerhalb der jüdischen Gruppe, religiös gesprochen, von der extremen Rechten und der extremen Linken” (S. 563).172 Rifkind repräsentierte eine lange Liste nationaler und lokaler jüdischer Gruppen, einschließlich – zusätzlich zu den oben genannten – des Synagogue Council of America, des Jewish Labor Committee, der Jewish War Veterans of the United States und 27 lokaler Judenräte in den ganzen Vereinigten Staaten. Außerdem wurde der Kampf gegen den Gesetzesentwurf von jüdischen Kongreßabgeordneten angeführt, darunter besonders Celler, Javits und Lehman, die alle, wie oben angegeben, prominente Mitglieder der ADL waren.

Wenn auch auf indirekte Weise, lenkte der Abgeordnete Walter die Aufmerksamkeit klar auf die besondere jüdische Rolle im Einwanderungskonflikt von 1952. Die besondere Rolle des AJCongress in seiner Bekämpfung des McCarran-Walter-Gesetzes war ein Quell des Stolzes innerhalb der Gruppe: kurz vor dem Sieg von 1965 schrieb die „Congress bi-Weekly“ in einem Leitartikel, daß es „ein Grund zum Stolz” sei, daß Rabbi Israel Goldstein „vom Abgeordneten Walter im Repräsentantenhaus als der Hauptorganisator der Kampagne gegen die von ihm mitbetriebenen Maßnahmen attackiert worden war“ (1. Feb. 1965, S. 3).

Die Auffassung, daß jüdische Besorgnisse ein wichtiges Merkmal der Opposition gegen das McCarran-Walter-Gesetz waren, ist auch im folgenden Wortwechsel zwischen den Abgeordneten Celler und Walter ersichtlich. Celler bemerkte: „Die Theorie der nationalen Herkunft, auf der unser Einwanderungsgesetz beruht, … [spottet] unserer Proteste, die auf einer Frage der Chancengleichheit aller Völker beruhen, ungeachtet der Rasse, Hautfarbe oder Glaubensrichtung.“ Der Abgeordnete Walter erwiderte: „eine große Bedrohung für Amerika liegt darin, daß so viele Profis, einschließlich professioneller Juden, ohne irgendeinen Grund Krokodilstränen vergießen“ (Cong. Rec. 13. Jan. 1953, S. 372). Und in einem Kommentar, der sich auf die Eigentümlichkeiten jüdischer Interessen an der Einwanderungsgesetzgebung bezog, bemerkte Richard Arens, der Stabsleiter des Senats-Unterkomitees, das das McCarran-Walter-Gesetz hervorgebracht hatte: „Eines der seltsamsten Dinge an jenen, die am lautstärksten behaupten, das Gesetz von 1952 sei ‚diskriminierend’ und daß es keine ausreichende Zahl angeblicher Flüchtlinge berücksichtige, ist, daß sie gegen die Aufnahme irgendeines der annähernd einer Million arabischer Flüchtlinge aus Lagern sind, wo sie unter mitleiderregenden Umständen leben, nachdem sie aus Israel vertrieben worden sind“ (in Bennett 1963, S. 181).

Das McCarran-Walter-Gesetz wurde gegen Präsident Trumans Veto beschlossen, und Trumans „angebliche Parteilichkeit zugunsten der Juden war ein Lieblingsziel der Antisemiten“ (Cohen, 1972, S. 377). Vor dem Veto wurde Truman intensiv bearbeitet, „besonders von jüdischen Gesellschaften, die gegen den Gesetzesentwurf waren, während Regierungsbehörden, einschließlich des Außenministeriums (trotz des anti-restriktionistischen Arguments, daß das Gesetz katastrophale Auswirkungen auf die U.S.-Außenpolitik haben würde), Truman zur Unterzeichnung des Gesetzes drängten“ (Divine, 1957, S. 184). Darüber hinaus konzentrierten sich Einzelne mit offen antisemitischen Einstellungen wie John Beaty (1951) oft auf die jüdische Beteiligung an den Kämpfen dieses Zeitraums um die Einwanderung.

Jüdische anti-restriktionistische Aktivitäten von 1953-1965

In diesem Zeitraum erwähnte die Congress Weekly regelmäßig die Rolle jüdischer Organisationen als Vorkämpfer liberalisierter Einwanderungsgesetze: Zum Beispiel gratulierte sie Präsident Eisenhower in ihrem Leitartikel vom 20. Februar 1956 (S. 3), zu seiner „eindeutigen Gegnerschaft zum Quotensystem, das mehr als jeder andere Bestandteil unserer Einwanderunspolitik die verbreitetste und intensivste Abneigung unter den Amerikanern hervorgerufen hat. Durch seine Förderung dieses Vorschlags für neue Richtlinien und Standards hat Präsident Eisenhower mutig eine Stellung bezogen, die sogar noch vor vielen Befürwortern einer liberalen Einwanderungspolitik liegt, und eine Position eingenommen, auf die erstmals vom American Jewish Congress und anderen jüdischen Organen gedrängt worden war.“

Das AJCommittee unternahm beträchtliche Anstrengungen, um das Einwanderungsthema während einer Zeit weitverbreiteter Apathie in der amerikanischen Öffentlichkeit zwischen dem Beschluß des McCarran-Walter-Gesetzes und den frühen 1960ern am Leben zu erhalten. Jüdische Organisationen intensivierten ihre Bemühungen in diesem Zeitraum (Cohen 1972, S. 370 – 373; Neuringer 1971, S. 358), wobei das AJCommittee bei der Gründung der Joint Conference on Alien Legislation und der American Immigration Conference half – beides Organisationen, die die einwanderungsfreundlichen Kräfte repräsentierten – wie auch den Großteil der Finanzmittel beisteuerte und den Großteil der Arbeit dieser Gruppen leistete. 1955 organisierte das AJCommittee eine Gruppe einflußreicher Bürger als National Commission on Immigration and Citizenship, „um der Kampagne Prestige zu verleihen” (Cohen 1972, S. 373). „All diese Gruppen studierten die Einwanderungsgesetze, verbreiteten Informationen in der Öffentlichkeit, machten Aussagen vor dem Kongreß und planten andere geeignete Maßnahmen…. Es gab keine sofortigen oder dramatischen Ergebnisse; aber die verbissene Kampagne des AJC im Verbund mit gleichgesinnten Organisationen trieben die Regierungen Kennedy und Johnson schlußendlich zum Handeln“ (Cohen 1972, S. 373).

Ein Artikel von Oscar Handlin (1952), dem prominenten Einwanderungshistoriker aus Harvard, ist ein faszinierender Mikrokosmos der jüdischen Haltung zur Einwanderung in diesem Zeitraum. Fast dreißig Jahre nach der Niederlage von 1924 und unmittelbar nach dem McCarran-Walter-Gesetz schrieb Handlin einen Artikel in „Commentary“ (einer Publikation des AJCommittee) mit dem Titel: „Der Kampf um die Einwanderung hat erst begonnen: Lehren aus dem Rückschlag durch McCarran-Walter.“ Der Titel ist ein bemerkenswerter Hinweis auf die Verbissenheit und Beharrlichkeit des jüdischen Einsatzes für diese Sache. Die Botschaft lautet, sich nicht durch diese kürzliche Niederlage entmutigen zu lassen, die „trotz all der Anstrengungen zur Sicherstellung einer Revision unserer Einwanderungsgesetze” passiert ist (S. 2).

Handlin versucht das Argument in universalistische Begriffe zu gießen, daß es allen Amerikanern nütze und amerikanischen Idealen entspräche, daß „alle Menschen, nachdem sie Brüder sind, gleichermaßen befähigt sind, Amerikaner zu sein“ (p.7). Das gegenwärtige Einwanderungsgesetz widerspiegle „rassistische Xenophobie” (S. 2) durch seine symbolischen Quoten für Asiaten und indem es westindischen Schwarzen das Recht verweigert, die britischen Quoten zu nützen. Handlin schreibt die restriktionistischen Einstellungen von Pat McCarran „dem Hass auf Ausländer zu, den es in seiner Jugend überall um ihn herum gab, und der vagen, erinnerten Furcht, daß er selbst zu ihnen gezählt werden könnte“ (S. 3), – ein psychoanalytisches Argument der Identifikation mit dem Aggressor (McCarran war Katholik).

In seinem Artikel benutzt Handlin wiederholt den Ausdruck „wir” – wie in „wenn wir McCarran und seinen Haufen schon nicht mit ihren eigenen Waffen schlagen können, so können wir viel dazu beitragen, die Wirksamkeit dieser Waffen zu zerstören“ (S. 4) – was auf Handlins Glauben an ein geeintes jüdisches Interesse an liberaler Einwanderungspolitik schließen läßt und eine anhaltende Salamitaktik gegenüber dem Gesetz von 1952 in den folgenden Jahren vorankündigt. Handlins anti-restriktionistische Strategie beinhaltete die Änderung der Ansichten von Sozialwissenschaftlern, „daß es möglich und notwendig sei, unter den ‚Rassen’ von Einwanderern zu unterscheiden, die nach Aufnahme in den Vereinigten Staaten schrien“ (S. 4). Handlins Vorschlag, Sozialwissenschaftler für die Kämpfe um die Einwanderung zu rekrutieren, deckt sich mit der oben und in Kapitel 2 besprochenen politischen Agenda der Boas’schen Schule der Anthropologie. Wie Higham (1984) anmerkt, war das Aufkommen solcher Ansichten ein wichtiger Bestandteil des schlußendlichen Sieges über den Restriktionismus.

Handlin präsentierte die folgende sehr tendenziöse Wiedergabe der Logik zur Bewahrung des ethnischen Status quo, die den Argumenten für den Restriktionismus in der Zeit von 1921 – 1952 zugrunde lag:

Die Gesetze sind schlecht, weil sie auf der rassistischen Annahme beruhen, daß die Menschheit in fixe Zuchtrassen unterteilt ist, die biologisch und kulturell voneinander getrennt sind, und weil sie innerhalb dieses Rahmens annehmen, daß Amerikaner vom Ursprung her Angelsachsen sind und das bleiben sollten. Allen anderen Völkern sagt das Gesetz, daß die Vereinigten Staaten sie nach ihrer rassischen Nähe zu unserem eigenen ‚überlegenen’ Stamm reiht; und den vielen, vielen Millionen von Amerikanern, die nicht von den Angelsachsen abstammen, werfen die Gesetze eine deutliche Unterstellung der Minderwertigkeit hin“ (S. 5).

Handlin beklagte dann die Apathie anderer „Bindestrich-Amerikaner”, die nicht den Enthusiasmus der jüdischen Anstrengungen teilten: „Viele Gruppen haben die Relevanz des McCarran-Walter-Gesetzesentwurfs für ihre eigene Position nicht erkannt.“ Er meint, daß sie als Gruppen handeln sollten, um ihre Interessen durchzusetzen: „Der Italo-Amerikaner hat das Recht, gerade als Italo-Amerikaner zu diesen Angelegenheiten gehört zu werden“ (S. 7; kursiv im Text). Die stillschweigende Annahme ist die, daß die Vereinigten Staaten aus in sich geschlossenen Untergruppen mit einem klaren Gespür für ihre Gruppeninteressen zusammengesetzt sein sollte, die im Gegensatz zu den aus Nord- und Westeuropa stammenden Völkern oder den Vereinigten Staaten als Ganzes stehen. Und es gibt die stillschweigende Annahme, daß Italo-Amerikaner ein Interesse an der Förderung der Einwanderung von Afrikanern und Asiaten und an der Schaffung einer solchen multirassischen und multikulturellen Gesellschaft hätten.

Handlin entwickelte diese Sichtweise in einem Buch weiter, Race and Nationality in American Life, veröffentlicht 1957.173 Dieses Buch ist ein Kompendium psychoanalytischer „Erklärungen“ von ethnischen und Klassenkonflikten, die von „Die autoritäre Persönlichkeit“ abgeleitet waren, kombiniert mit der Boas’schen Theorie, daß es keine biologischen Unterschiede zwischen den Rassen gibt, die das Verhalten beeinflussen. Es gibt auch eine starke Ader der Überzeugung, daß Menschen durch Veränderung defekter menschlicher Institutionen perfektioniert werden können. Handlin befürwortet Einwanderung aus allen Bereichen der Welt als moralisches Gebot. In seiner Diskussion Israels in Kapitel XII jedoch wird nicht erwähnt, daß Israel in ähnlicher Weise geneigt sein sollte, offene Einwanderung aus der ganzen Welt als moralisches Gebot zu betrachten, oder daß Juden nicht darum besorgt sein sollten, die politische Kontrolle Israels zu behalten. Stattdessen konzentriert sich die Diskussion auf die moralische Vereinbarkeit doppelter Loyalitäten amerikanischer Juden sowohl gegenüber den Vereinigten Staaten als auch gegenüber Israel. Handlins moralische Blindheit bezüglich jüdischer Angelegenheiten ist auch in Albert Lindemanns Kommentar (1997, S. xx) ersichtlich, daß Handlins Buch Three Hundred Years of Jewish Life in America die Erwähnung jüdischer Sklavenhändler und Sklavenbesitzer verabsäumte, „obwohl es die ‚großen jüdischen Händler’ namentlich erwähnt, die ein Vermögen mit dem Sklavenhandel machten.“

Kurz nach Handlins Artikel argumentierte William Petersen (1955), ebenfalls in „Commentary“, daß die Kräfte pro Einwanderung ausdrücklich eine multikulturelle Gesellschaft befürworten sollten, und daß die Bedeutung dieses Ziels über die Bedeutung der Verwirklichung jeglicher am Eigeninteresse orientierter Ziele der Vereinigten Staaten hinausginge, wie die Gewinnung benötigter Fachkräfte oder die Verbesserung der Außenbeziehungen. In Ausführung seiner These zitierte er eine Gruppe vorwiegend jüdischer Sozialwissenschaftler, deren Arbeiten, angefangen mit Horace Kallens Plädoyer für eine multikulturelle, pluralistische Gesellschaft, „den Anfang einer wissenschaftlichen Legitimierung der anderen Einwanderungspolitik verkörpern, die vielleicht eines Tages Gesetz werden wird“ (S. 86), einschließlich, neben Kallen, Melville Herskovits, Geoffrey Gorer, Samuel Lubell, David Riesman (ein New Yorker Intellektueller; siehe Kapitel 6), Thorsten Sellin und Milton Konvitz.

Diese Sozialwissenschaftler leisteten in der Tat einen Beitrag zu den Kämpfen um die Einwanderung. Zum Beispiel reflektiert das folgende Zitat aus einem wissenschaftlichen Buch von Milton Konvitz von der Cornell University (veröffentlicht von Cornell University Press) über die Einwanderungspolitik die Ablehnung nationaler Interessen als Element der Einwanderungspolitik der Vereinigten Staaten, ein Kennzeichen der jüdischen Haltung zur Einwanderungspolitik:

Solchen Wert auf die technologischen und beruflichen Qualifikationen zu legen, heißt, unserer Einwanderungspolitik jeden Rest von Humanität zu nehmen. Wir verdienen wenig Dank von denen, die hierherkommen, wenn sie nur aufgenommen werden, weil wir finden, daß sie  wegen ihrer Ausbildung und Erfahrung „dringend“ gebraucht werden, um unsere nationalen Interessen zu fördern. Dies ist kaum Einwanderung; es ist der Import von speziellen Fachkräften oder Fachwissen, der sich nicht groß vom Import von Kaffee oder Gummi unterscheidet. Es entspricht kaum dem Geist amerikanischer Ideale, den Charakter eines Mannes zu mißachten und wie vielversprechend er ist, und nur auf seine Bildung und beruflichen Chancen zu schauen, die zu genießen er das Glück hatte (Konvitz, 1953, S. 26).

Andere prominente Sozialwissenschaftler, die in ihren Schriften die anti-restriktionistische Sicht repräsentierten, waren Richard Hofstadter und Max Lerner. Hofstadter, der viel dazu beitrug, das Bild von den Populisten des Westens und Südens als irrationale Antisemiten zu erzeugen (siehe Kapitel 5), verurteilte die Populisten auch wegen ihres Wunsches, „eine homogene Yankee-Zivilisation aufrechtzuerhalten“ (Hofstadter 1955, S. 34). Er brachte den Populismus auch mit der Einwanderungsfrage in Verbindung: Nach Hofstadters Ansicht war der Populismus „zu einem beträchtlichen Teil von der Reaktion unter den einheimischen Elementen der Bevölkerung auf diesen Einwandererstrom eingefärbt“ (1955, S. 11).

In seinem sehr gefeierten Buch America as a Civilization liefert Max Lerner eine ausdrückliche Verbindung zwischen einem Großteil der in vorherigen Kapiteln behandelten intellektuellen Tradition und der Einwanderungsfrage. Lerner findet, daß die Vereinigten Staaten eine tribalistische Nation mit einer „leidenschaftlichen Ablehnung des ‚Außenseiters’“ sind (1957, S. 502), und er behauptet: „Mit der Verabschiedung der Quotengesetze [von 1924 zur Einwanderung] wurde der Rassismus in Amerika erwachsen“ (S. 504). Lerner beklagt, daß diese „rassistischen“ Gesetze wegen der Stimmung im Volk immer noch in Kraft sind, „was immer die Intellektuellen denken mögen.“ Dies ist eindeutig eine Klage darüber, daß die Amerikaner, wenn es um die Einwanderungspolitik ging, nicht der Führung der vorwiegend jüdischen urbanisierten intellektuellen Elite folgten, die von Lerner verkörpert wurde. Der Kommentar widerspiegelt das antidemokratische, antipopulistische Element der jüdischen intellektuellen Aktivität, das in den Kapiteln 5 und 6 behandelt wird.

Lerner zitiert die Arbeit von Horace Kallen als Modell für ein multikulturelles, pluralistisches Amerika (S. 93), indem er zum Beispiel sagt, daß er (Lerner) „die Existenz ethnischer Gemeinschaften innerhalb der größeren amerikanischen Gemeinschaft bejaht, von denen jede versucht, an Elementen der Gruppenidentität festzuhalten, und dabei das kulturelle Gesamtmuster bereichert“ (S. 506). Dementsprechend sieht Lerner, während er zugibt, daß die Juden sich aktiv der Exogamie widersetzt haben (S. 510), nichts als gutartige Auswirkungen von Einwanderung und gemischter Fortpflanzung: „Obwohl manche Kulturhistoriker behaupten, daß die Verdünnung eines einheimischen Volksstammes von kultureller Dekadenz gefolgt wird, deuten die Beispiele der italienischen Stadtstaaten, Spaniens, Hollands, Britanniens und nun Rußlands und Indiens darauf hin, daß die kraftvollste Phase am Höhepunkt der Vermischung vieler Volksstämme kommen kann. Die größte Gefahr liegt darin, die Tore zu schließen“ (S. 82).

Lerner zitiert Franz Boas’ Arbeit über die Plastizität der Schädelgröße zustimmend als ein Paradigma, das die Allgegenwart von Umwelteinflüssen zeigt (S. 83), und auf dieser Grundlage behauptet er, daß intellektuelle und biologische Unterschiede zwischen Volksgruppen völlig das Ergebnis von Umweltunterschieden sind. Deshalb: „Man kann die Furcht vor der produktiveren Geburtenrate der Minderheiten verstehen, aber nachdem sie weitgehend das Produkt niedrigerer Lebensstandards sind, wäre die Strategie, die Lebensstandards niedrig zu halten, indem man die Minderheiten mit Kastenmauern umschließt, selbstschädigend“ (S. 506). Und schlußendlich benutzt Lerner Die autoritäre Persönlichkeit als analytisches Mittel zum Verständnis von ethnischem Konflikt und Antisemitismus (S. 509).

Handlin schrieb, daß das McCarran-Walter-Gesetz nur ein vorübergehender Rückschlag sei, und er hatte recht. Dreißig Jahre nach dem Triumph des Restriktionismus verblieben nur jüdische Gruppen als beharrliche und hartnäckige Befürworter eines multikulturellen Amerikas. Einundvierzig Jahre nach dem Triumph des Restriktionismus von 1924 und den Bestimmungen über nationale Herkunft und nur 13 Jahre nach deren Bestätigung durch das McCarran-Walter-Gesetz unterstützten jüdische Organisationen in einem nun radikal veränderten intellektuellen und politischen Klima erfolgreich die Beendigung der an Geographie und nationaler Herkunft beruhende Basis der Einwanderung, die einen ethnischen Status quo bewirken hätte sollen.

Besonders bedeutsam ist die Bestimmung im Einwanderungsgesetz von 1965, die die Zahl quotenfreier Einwanderer erweiterte. Angefangen mit ihrer Aussage zum Gesetz von 1924, waren jüdische Sprecher an vorderster Front der Versuche zur Aufnahme von Familienmitgliedern außerhalb der Quote gewesen (Neuringer, 1971, S. 191). Während der Kongreßdebatten zur Einwanderung, die das McCarran-Walter-Gesetz umgaben, erwähnte der Abgeordnete Walter (Cong. Rec., 13. März 1952, S. 2284) das besondere Augenmerk, das jüdische Organisationen der Familienzusammenführung statt besonderer Fachkenntnisse gewidmet hatten. In seiner Antwort an den Abgeordneten Javits, der sich darüber beschwert hatte daß laut Gesetzesentwurf 50 % der Quote für Schwarze von den britischen Westindienkolonien für Leute mit besonderen Fachkenntnissen reserviert wären, bemerkte Walter: „Ich möchte die Aufmerksamkeit des Gentlemans auf die Tatsache lenken, daß dies das Prinzip ist, 50 % der Quote für Leute zu verwenden, die in den Vereinigten Staaten gebraucht werden. Aber falls nicht die gesamten 50 % in dieser Kategorie gebraucht werden, dann werden die ungenutzten Zahlen an die nächste Kategorie weitergegeben, was den Einwänden entgegnet, um die diese jüdischen Organisationen viel Aufhebens machen, daß Familien getrennt würden.“

Vor dem Gesetz von 1965 merkte Bennett (1963, S. 244), in einem Kommentar zu den Familienzusammenführungsaspekten des Einwanderungsgesetzes von 1961 an, daß die „Verwandtschaft durch Blut oder Heirat und das Prinzip der Familienzusammenführung zum ‚Sesam, öffne dich’ für die Tore der Einwanderung geworden sind.“ Weiters bemerkte Bennett (1963, S. 256) trotz der wiederholten Bestreitung der Antirestriktionisten, daß ihre Vorschläge das ethnische Gleichgewicht des Landes beeinträchtigen würden, daß die „wiederholte, beharrliche Ausweitung des quotenfreien Status für Einwanderer aus Ländern mit überzogenen Quoten, die [vom McCarran-Walter-Gesetz] offen diskriminert werden, zusammen mit administrativer Aufhebung von Ablehnungsbescheiden, mit Statusanpassungen und Initiativanträgen, dabei hilft, einen Wandel des ethnischen Antlitzes der Nation zu beschleunigen und anscheinend unvermeidlich zu machen“ (S. 257) – ein Verweis auf die in Handlins Artikel als Strategie empfohlene „Salamitaktik“ gegen das Gesetz von 1952. In der Tat lautete ein Hauptargument, das in der Debatte um das Gesetz von 1965 aufkam, daß das Gesetz von 1952 so geschwächt worden sei, daß es weitgehend irrelevant geworden sei und es eine Notwendigkeit gäbe, die Einwanderungsgesetzgebung zu überholen, um eine de facto-Situation zu legitimieren.

Bennett erwähnte auch, daß „die Betonung des Einwanderungsthemas aus dem Beharren jener entsteht, die Quoten als Obergrenzen betrachten statt als Untergrenzen [Einschränkungsgegner bezeichneten ungenutzte Quoten oft als ‚verschwendet’, weil sie an Nichteuropäer vergeben werden könnten], die Amerika nach dem Ebenbild von Ländern mit geringer Einwanderungsquote umgestalten wollen und die unsere grundsätzliche Ideologie, unsere kulturellen Einstellungen und unser Erbe nicht mögen. Sie bestehen darauf, daß es die Pflicht der Vereinigten Staaten sei, Einwanderer ungeachtet ihrer Assimilierbarkeit oder unserer eigenen Bevölkerungsprobleme aufzunehmen. Sie beharren darauf, daß es die Pflicht der Vereinigten Staaten sei, Einwanderer ungeachtet ihrer Assimilierbarkeit oder unserer eigenen Bevölkerungsprobleme zu akzeptieren. Sie beharren darauf, Bindestrich-Amerikaner zu bleiben“ (1963, S. 295).

Die familienbasierte Betonung der Quotenregelungen des Gesetzes von 1965 (z. B. die Bestimmung, daß mindestens 24 % der Quote für jedes Gebiet den Brüdern und Schwestern von Staatsbürgern vorbehalten sein sollen) hat einen Multiplikatoreffekt zur Folge gehabt, der letztendlich das Quotensystem gänzlich untergrub, indem es ein „Verkettungsphänomen” zuließ, bei dem endlose Ketten naher Verwandter von nahen Verwandten außerhalb des Quotensystems aufgenommen werden:

Stellen Sie sich einen Einwanderer vor, sagen wir einen Studenten des Ingenieurswesen, der in den 1960ern in den Vereinigten Staaten studiert hat. Falls er nach seinem Abschluß einen Job gefunden hatte, konnte er seine Frau herüberholen [als die Gattin eines aufenthaltsberechtigten Ausländers], und sechs Jahre später, nach der Einbürgerung, seine Brüder und Schwestern [als Geschwister eines Staatsbürgers]. Diese könnten dann ihrerseits ihre Ehefrauen, Ehemänner und Kinder mitbringen. Innerhalb von einem Dutzend Jahren könnte ein als Fachkraft hereingekommener Einwanderer mit Leichtigkeit 25 Visa für Verschwägerte, Nichten und Neffen bewirken“ (McConnell 1988b, S. 98).

Das Gesetz von 1965 schwächte auch das Kriterium ab, daß Einwanderer gefragte Qualifikationen haben sollten. (1986 wurden weniger als 4 % der Einwanderer auf der Basis benötigter Qualifikationen aufgenommen, während 74 % auf Verwandtschaftsbasis aufgenommen wurden [siehe Brimelow, 1995].) Wie oben angegeben, war die Ablehnung von Forderungen nach Fachkenntnissen oder anderen Kompetenztests zugunsten von „humanitären Zielen” und Familienzusammenführung zumindest seit der Debatte um das McCarran-Walter-Gesetz der frühen 1950er und eigentlich schon seit der langen Opposition gegen Alphabetisierungstests ab dem Ende des neunzehnten Jahrhunderts ein Element der jüdischen Einwanderungspolitik gewesen.

Senator Jacob Javits spielte eine prominente Rolle in den Senatsanhörungen zum Gesetzesentwurf von 1965, und Emanuel Celler, der mehr als 40 Jahre lang im Repräsentantenhaus für die uneingeschränkte Zuwanderung kämpfte, legte diesem Gremium ähnliche Gesetzesentwürfe vor. Jüdische Organisationen (American Council for Judaism Philanthropic Fund; Council of Jewish Federations & Welfare Funds; B’nai B’rith Women) reichten beim Senatsunterkomitee Schriftstücke zur Unterstützung dieser Maßnahmen ein, wie auch Organisationen wie die ACLU (American Civil Liberties Union) und die Americans for Democratic Action, mit einem großen Anteil jüdischer Mitglieder (Goldberg 1996, S. 46).

In der Tat ist es bemerkenswert, daß Javits (1951) lange vor dem letztendlichen Triumph der jüdischen Politik bezüglich der Einwanderung einen Artikel mit dem Titel „Let’s open the gates” („Öffnen wir die Tore”) verfaßte, der eine Einwanderung von 500.000 pro Jahr ohne Einschränkungen nach nationaler Herkunft über einen Zeitraum von 20 Jahren vorschlug. 1961 schlug Javits einen Gesetzesentwurf vor, der „das System [der Quoten nach nationaler Herkunft] durch einen Flankenangriff zu zerstören und die Einwanderung innerhalb und außerhalb der Quoten zu steigern suchte” (Bennett, 1963, S. 250). Zusätzlich zu Bestimmungen, die auf die Beseitigung von Barrieren aufgrund von Rasse, Volkstum und nationaler Herkunft abzielten, war in dem Entwurf eine Bestimmung enthalten, wonach Brüder, Schwestern und verheiratete Söhne oder Töchter von U.S.-Staatsbürgern und deren Ehegatten und Kinder, die nach dem Quotensystem von 1957 anspruchsberechtigt geworden waren, als Einwanderer außerhalb der Quote gelten sollten; eine noch radikalere Version der Bestimmung, deren Aufnahme ins Gesetz von 1965 die Einwanderung von Nichteuropäern in die Vereinigten Staaten erleichterte. Obwohl diese Bestimmung in Javits‘ Gesetzesentwurf zu der Zeit nicht genehmigt wurde, wurden dessen Vorschläge zur Aufweichung früherer Einschränkungen der Einwanderung von Asiaten und Schwarzen wie auch zur Entfernung der rassischen Zuordnung aus Visadokumenten (wodurch die unbegrenzte quotenfreie Einwanderung von Asiaten ermöglicht wurde, die in der westlichen Hemisphäre geboren waren) angenommen.

Es ist auch interessant, daß der Hauptsieg der Restriktionisten im Jahr 1965 darin betand, daß die Nationen der westlichen Hemisphäre im neuen Quotensystem enthalten waren, wodurch die Möglichkeit unbegrenzter Einwanderung aus diesen Regionen beendet wurde. In Reden vor dem Senat äußerte sich Senator Javits (Cong. Rec. 111, 1965, S. 24469) bitter gegen diese Ausweitung des Quotensystems und argumentierte, daß die Auferlegung jeglicher Limits auf die Einwanderung aller Menschen aus der westlichen Hemisphäre schwere negative Auswirkungen auf die US-Außenpolitik haben würde. In einer höchst aufschlußreichen Diskussion des Gesetzesentwurfs vor dem Senat bemerkte Senator Sam Ervin (Cong. Rec. 89th Congress, 1st session, 1965, S. 24446-51), daß „jene, die anderer Meinung sind als ich, keine Betroffenheit darüber äußern, daß Großbritannien uns in der Zukunft 10.000 Einwanderer weniger schicken kann als im Jahresdurchschnitt der Vergangenheit. Sie sind nur schockiert, daß British Guyana uns nicht jeden einzelnen Bürger dieses Landes schicken kann, der kommen möchte.“ Die Kräfte der liberalen Einwanderung wollten in Wirklichkeit ganz klar die unbegrenzte Einwanderung in die Vereinigten Staaten.

Die Einwanderungsbefürworter konnten auch die Auflage nicht verhindern, daß der Arbeitsminister bestimmt, ob es ungenügend Amerikaner gibt, die willens und in der Lage sind, die Arbeit zu tun, die Ausländer zu leisten beabsichtigen, und ob die Beschäftigung solcher Ausländer die Löhne und Arbeitsbedingungen amerikanischer Arbeiter nicht negativ beeinflußt. Im American Jewish Year Book (1966, S. 174) schreibt Liskofsky, daß einwanderungsbefürwortende Gruppen gegen diese Bestimmungen waren, ihnen aber zustimmten, um ein Gesetz zu bekommen, das die Bestimmungen zur nationalen Herkunft abschaffte. Nach dem Beschluß „wurden sie intensiv besorgt. Sie äußerten öffentlich die Furcht, daß die neue, administrativ umständliche Prozedur leicht die Lähmung des Großteils der Einwanderung qualifizierter und ungelernter Arbeiter wie auch nicht bevorzugter Einwanderer zur Folge haben könnte.“ In Widerspiegelung der langen jüdischen Gegnerschaft zur Idee, daß die Einwanderungspolitik dem nationalen Interesse entsprechen sollte, wurde das wirtschaftliche Wohlergehen der amerikanischen Bürger als irrelevant betrachtet; die Sicherstellung eines hohen Einwanderungsniveaus war zu einem Selbstzweck geworden.

Das Gesetz von 1965 hat den Effekt, von dem man mit einiger Begründung annehmen kann, daß er von seinen jüdischen Befürwortern die ganze Zeit beabsichtigt war: Das Census Bureau sagt voraus, daß die europäischstämmigen Völker bis zum Jahr 2050 nicht mehr eine Mehrheit der Bevölkerung der Vereinigten Staaten sein werden. Darüber hinaus ist der Multikulturalismus bereits zu einer mächtigen ideologischen und politischen Realität geworden. Obwohl die Befürworter des Gesetzes von 1965 weiterhin darauf beharrten, daß das Gesetz das ethnische Gleichgewicht der Vereinigten Staaten nicht beeinträchtigen oder sich auch nur auf ihre Kultur auswirken würde, ist es schwer glauben, daß zumindest einige der Befürworter sich nicht über die Auswirkungen im Klaren waren. Die Gegner glaubten bestimmt ganz klar, daß das Gesetz in der Tat das ethnische Gleichgewicht der Vereinigten Staaten beeinträchtigen würde. Angesichts ihres intensiven Engagements in den Feinheiten der Einwanderungsgesetzgebung, ihrer sehr negativen Einstellung gegenüber der pro-nordwesteuropäischen Tendenz der US-Einwanderungspolitik vor 1965 und gegenüber der z. B. im PCIN-Dokument Whom We Shall Welcome verkörperten Idee eines ethnischen Status quo erscheint es unwahrscheinlich anzunehmen, daß Organisationen wie das AJCommittee und der AJConggress sich der Ungenauigkeit der von den Befürwortern des Gesetzes vorgelegten Projektionen über dessen Auswirkungen nicht bewußt waren. Bei dem klar artikulierten Interesse an einer Beendigung des ethnischen Status quo, das in den Argumenten der Antirestriktionisten im ganzen Zeitraum von 1924 bis 1965 offenkundig ist, wäre das Gesetz von 1965 von seinen Befürwortern nicht als Sieg empfunden worden, wenn sie es nicht als letztendlich den ethnischen Status quo verändernd gesehen hätten. Wie angemerkt, gab es unmittelbar nach der Verabschiedung des Gesetzes Bestrebungen von Einwanderungsbefürwortern zur Abstumpfung der restriktiven Auswirkungen administrativer Prozeduren auf die Zahl der Einwanderer. In aufschlußreicher Weise wurde das Gesetz von 1965 von den Antirestriktionisten als Sieg betrachtet. Nachdem er regelmäßig die US-Einwanderungsgesetze verurteilt und sich für die Beseitigung der Formel über die nationale Herkunft eingesetzt hatte, gerade weil sie einen ethnischen Status quo bewirkt hatte, hörte der Congress bi-Weekly gänzlich auf, Artikel zu diesem Thema zu veröffentlichen.

Des weiteren zeigt Lawrence Auster (1990, S. 31ff), daß die Unterstützer des Gesetzes wiederholt die Unterscheidung zwischen Einwanderung im Rahmen der Quoten und außerhalb davon bemäntelten und die Auswirkungen nicht erwähnten, die das Gesetz auf die Einwanderung außerhalb der Quoten haben würde. Prognosen der Zahl neuer Einwanderer berücksichtigten die wohlbekannte und oft kommentierte Tatsache nicht, daß die alten Quoten, die die westeuropäischen Länder begünstigten, nicht ausgeschöpft wurden. In Fortsetzung einer über 40jährigen Tradition präsentierte die einwanderungsfreundliche Rhetorik die Gesetze von 1924 und 1952 als auf Theorien über rassische Überlegenheit beruhend und mit Rassendiskriminierung verbunden, statt als Versuch zur Schaffung eines ethnischen Status quo.

Selbst 1952 war Senator McCarran sehr wohl bewußt, wieviel bei der Einwanderung auf dem Spiel stand. In einer Erklärung, die an die oben zitierte des Abgeordneten William N. Vaile während der Debatten der 1920er erinnert, erklärte McCarran:

Ich glaube, daß diese Nation die letzte Hoffnung der westlichen Zivilisation ist, und falls diese Oase der Welt überrannt, pervertiert, kontaminiert oder zerstört wird, dann wird das letzte flackernde Licht der Menschlichkeit ausgelöscht werden. Ich habe keinen Streit mit jenen, die die Beiträge loben, die Menschen vieler Rassen, verschiedener Glaubensbekenntnisse und Hautfarben zu unserer Gesellschaft geleistet haben. Amerika ist in der Tat eine Vereinigung vieler Gewässer, die einen mächtigen Fluß bilden, den wir den ‚American way’ nennen. Jedoch haben wir heute in den Vereinigten Staaten harte, unverdauliche Blöcke, die sich nicht in den American way of life integriert haben, sondern die im Gegenteil seine Todfeinde sind. Wie nie zuvor stürmen heute unzählige Millionen unsere Tore um Einlaß, und diese Tore knacken unter der Belastung. Die Lösung der Probleme Europas und Asiens wird nicht durch eine massenweise Verpflanzung dieser Probleme in die Vereinigten Staaten erfolgen…. Ich habe nicht die Absicht, prophetisch zu werden, aber falls es den Feinden dieses Gesetzes gelingt, es in Stücke zu zerreißen oder es durch Ergänzungen bis zur Unkenntlichkeit zu verändern, dann werden sie mehr zum Fall dieser Nation beigetragen haben als jede andere Gruppe, seit wir unsere Unabhängigkeit als Nation erlangt haben. (Senator Pat McCarran, Cong. Rec., 2. März, 1953, S. 1518.)

ANHANG: JÜDISCHE EINWANDERUNGSFREUNDLICHE BESTREBUNGEN IN ANDEREN WESTLICHEN LÄNDERN

Der Zweck dieses Anhangs ist es zu zeigen, daß jüdische Organisationen in anderen westlichen Ländern eine ähnliche Politik bezüglich Einwanderung verfolgt haben. In Frankreich ist die offizielle jüdische Gemeinschaft beständig für die Einwanderung von Nichteuropäern gewesen. Kürzlich reagierte die französische jüdische Gemeinschaft heftig auf Erklärungen der Schauspielerin Brigitte Bardot, daß „es in meinem Land Frankreich wieder eine Invasion einer fremden Bevölkerung gegeben hat, insbesondere von Moslems“ (Forward, 3. Mai 1996, S. 4). Chaim Musiquant, der Geschäftsführer von CRIF, der Dachorganisation des französischen Judentums, erklärte, daß Bardots Aussage „am Rande des Rassismus knapp am Rand zum Rassismus vorbei [ging].“

Jüdische Einstellungen zu einwandererfeindlichen Stimmungen in Deutschland sind im folgenden Fall ersichtlich. Ein gängiger (vermutlich selbstbetrügerischer) Aspekt der zeitgenössischen jüdischen Selbstwahrnehmung ist, daß Israel infolge von Einwanderung in großem Maßstab aus verschiedenen Teilen der Welt eine ethnisch und kulturell vielfältige Gesellschaft sei (z. B. Peretz 1997, S. 8; Australia/Israel Review [Ausgabe 22.5, 11. – 24. April 1997]), so sehr, daß es dem Rest der Welt als Beispiel für ethnische Beziehungen und einwandererfreundliche Einstellungen vorgehalten werden sollte. Kürzlich erhielt B’nai B’rith, das auf etwas reagierte, das es als Anzeichen für ein Wiederaufleben von Neonazismus und einwanderungsfeindlicher Stimmung in Deutschland betrachtete, eine Beihilfe von der United Nations Educational, Scientific, and Cultural Organization [UNESCO], um deutsche Vertreter nach Israel zu bringen, weil Israel „eine vielfältige, sich bildende Nation ist, die unter den Belastungen von Krieg, Terrorismus und einer massiven Einwanderung sozial Benachteiligter danach gestrebt hat, eine gerechte, demokratische und tolerante Gesellschaft zu entwickeln“ („Toleration and Pluralism: A Comparative Study; UNESCO Evaluation Report Request no. 9926). „Unsere Ansicht war, daß die multikulturelle, multi-ethnische, multireligiöse und vielfach gespaltene demokratische Gesellschaft Israels… einen glaubwürdigen und würdigen Vergleich für andere bieten konnte, die aus einer ähnlich stark belasteten Gesellschaft kommen.“

In England gab es wie in den Vereinigten Staaten einen ethnischen Kampf, der um 1900 als Reaktion auf den Zustrom von osteuropäischen Juden begann, die vor dem zaristischen Antisemitismus flohen. Die jüdische politische Aktivität war entscheidend dabei, einen Gesetzesentwurf zur Einwanderungsbeschränkung zu Fall zu bringen, der 1904 von der konservativen Regierung eingebracht wurde. In diesem Fall nahm das anglo-jüdische Establishment, das vom Board of Deputies repräsentiert wurde, eine gemäßigte Haltung ein, vermutlich aus Furcht, daß eine weitere Einwanderung osteuropäischer Juden die Flammen des Antisemitismus anfachen könnte. Jedoch bestand die Mehrheit der britisch-jüdischen Gemeinschaft zu dieser Zeit aus kurz zuvor Eingewanderten, und der Jewish Chronicle, die hauptsächliche Zeitung der britisch-jüdischen Gemeinschaft, zog heftig gegen den Gesetzesentwurf zu Felde (Cesarani 1994, S. 98). Die restriktionsfeindlichen Kräfte gewannen, als Nathan Laski, der Präsident der Manchester Old Hebrew Congregation, Winston Churchill dazu brachte, sich gegen den Gesetzesentwurf einzusetzen. „Später gab Churchill freimütig zu, daß er im Grand Committee of the House of Commons ‚den Gesetzesentwurf demoliert“ hatte. Angeführt von Churchill, behauptete Evans-Gordon [ein restriktionistischer konservativer Parlamentarier], ‚erstickten die Liberalen ihn [den Gesetzesentwurf] mit Worten, bis das Zeitlimit erreicht war.’… Ein jubelnder Laski schrieb an Churchill: ‚Ich habe über 20 Jahre Erfahrung bei Wahlen in Manchester gehabt – & ohne Schmeichelei kann ich Ihnen freimütig sagen – daß es keinen einzigen Mann gegeben hat, der in der Lage war, das Interesse so zu erwecken, wie Sie es bereits getan haben – daher bin ich mir Ihres zukünftigen Erfolges sicher’“ (Alderman 1983, S. 71). Im folgenden Monat gewann Churchill die Wahl von West Manchester, einem Bezirk mit einer großen jüdischen Wählerschaft.

Alderman (S. 72) zeigt, daß restriktionistische Gesetze populär waren, außer unter den kürzlich Eingewanderten, die schnell zu einer Mehrheit der jüdischen Gemeinschaft geworden waren und, wie oben angegeben, bereits in der Lage waren, einen entscheidenden Einfluß auf die Einwanderungsgesetze zu haben. Jedoch ging 1905 ein gemäßigterer Gesetzesentwurf trotz jüdischer Opposition durch. In diesem Fall gelang es jüdischem Druck, Ausnahmen für Opfer von „Strafverfolgung“ aus religiösen oder politischen Grunden zu sichern, aber nicht wegen „Verfolgung“ (S. 74). Wiederum gelang es dem Board of Deputies nicht, eine bedeutende Anstrengung gegen das Gesetz zu unternehmen, und jüdische Parlamentarier standen nicht dagegen auf. Für die kürzlich Eingewanderten jedoch, von denen viele illegalerweise in den Wählerverzeichnissen standen, war dies eine bedeutende Sache, und „bei den allgemeinen Wahlen im Januar 1906 nahmen diese Wähler schreckliche Rache an jenen Politikern, die die Verabschiedung des Aliens’ Immigration Act [Gesetz über die Einwanderung von Fremden] unterstützt hatten“ (S. 74). Juden unterstützten überwiegend Kandidaten, die gegen das Gesetz waren, und in mindestens zwei Bezirken waren ihre Stimmen entscheidend, einschließlich des Bezirks West Manchester, der Winston Churchill wieder zurückbrachte. Die neue liberale Regierung widerrief das Gesetz nicht, sondern setzte es nachsichtiger durch. Nachdem das Gesetz gegen „Unerwünschte“ gerichtet war, gibt es beträchtliche Zweifel daran, daß es eine bedeutende Zahl von Juden an der Einreise hinderte, obwohl es wahrscheinlich schon viele Juden dazu ermutigte, in die Vereinigten Staaten zu gehen statt nach England. Es ist bemerkenswert, daß Churchill 1908 eine Wahl in seinem Bezirk Manchester verlor, als es Abtrünnige unter seinen jüdischen Unterstützern gab, die über seine Gegnerschaft zur Aufhebung des Gesetzes als zukünftiges Kabinettsmitglied verärgert waren und von der konservativen Position zur Unterstützung religiöser Schulen angezogen wurden. Churchill blieb trotzdem ein strammer Unterstützer jüdischer Interessen bis „Churchill im Juli 1910, nicht länger von jüdischen Wählerstimmen abhängig, glühend für das Gesetz von 1905 sprach.“

Wie im Fall Amerikas gibt es auch Anzeichen dafür, daß die jüdische Unterstützung der Einwanderung über die Befürwortung jüdischer Einwanderer nach England hinausging. Die Jewish Chronicle, die hauptsächliche jüdische Zeitung in England, lehnte Einschränkungen von Einwanderung aus dem Commonwealth in einem Leitartikel in der Ausgabe vom 20. Oktober 1961 (S. 20) ab. Der Leitartikel bemerkte, daß Juden das Gesetz von 1905 als gegen sie gerichtet auffaßten und erklärte: „Alle Einschränkungen von Einwanderung sind im Prinzip rückschrittliche Schritte, insbesondere für dieses Land, und eine Enttäuschung für jene überall auf der Welt, welche die Einschränkungen der Bewegungsfreiheit reduziert statt erhöht sehen möchten. Die Frage ist eine des moralischen Prinzips.“

In den 1970ern war die Konservative Partei gegen Einwanderung nach Britannien, weil Britannien, in den Worten von Premierministerin Margaret Thatcher, in Gefahr war, von Völkern „überflutet“ zu werden, denen „grundsätzliche britische Eigenschaften fehlten“ (Alderman 1983, S. 148). Konservative Politiker versuchten, die jüdische Unterstützung in dieser Frage zu erhalten, aber die einwanderungsfeindliche Politik wurde von offiziellen jüdischen Organisationen einschließlich des Board of Deputies auf der Grundlage verurteilt, daß es, „nachdem alle britischen Juden Einwanderer sind oder von solchen abstammen, für einen Juden unethisch – sogar unmoralisch war, Einwanderungskontrolle oder zumindest eine Verschärfung der Einwanderungskontrolle zu unterstützen“ (Alderman 1983, S. 148 – 149). (In ihrem Leitartikel vom 24. Februar 1978 [S. 22] unterstützte die Jewish Chronicle eine nicht-restriktionistische Einwanderungspolitik, achtete aber sorgfältig darauf, eine Darstellung des Thema als jüdische Angelegenheit zu vermeiden, vermutlich weil ein konservativer jüdischer Parlamentarier, Keith Joseph, an die Juden als Juden appelliert hatte, eine Einschränkung zu unterstützen. Die Chronicle war sehr darauf bedacht, die Existenz eines jüdischen Stimmenpotentials zu verleugnen.) Juden, die die Regierungspolitik unterstützten, taten das aus Angst, daß eine verstärkte Einwanderung zu einer faschistischen Gegenreaktion und daher zu verstärktem Antisemitismus führen würde.

Im Fall Kanadas stellt Abella (1990, S. 234 – 235) den wichtigen Beitrag von Juden bei der Herbeiführung eines multikulturellen Kanadas und insbesondere beim Lobbying für liberalere Einwanderungspolitik fest. In Widerspiegelung dieser Einstellung wurde Arthur Roebuck, der Generalstaatsanwalt von Ontario, bei einer 1935 stattfindenden Versammlung der Zionist Organization of Canada „mit donnerndem Applaus“ begrüßt, als er erklärte, daß er „sich auf die Zeit freute, wenn unsere wirtschaftlichen Bedingungen weniger schwer sind, als sie es heute sind, und in der wir die Tore weit öffnen, die Einschränkungen fallenlassen und aus Kanada ein Mekka für all die unterdrückten Völker der Welt machen können“ (in M. Brown 1987, S. 256). Früher in diesem Jahrhundert gab es zwischen Juden und Nichtjuden Konflikte um die Einwanderung, die völlig analog zur Situation in England und in den Vereinigten Staaten waren, einschließlich der antisemitischen Motivation vieler, die die Einwanderung zu beschränken versuchten (Abella & Troper 1981, S. 52 – 55; M. Brown 1987, S. 239). Wie in den Vereinigten Staaten haben Juden ethnozentrische und nationalistische Bewegungen der Mehrheit wie die Parti Quebécois heftig bekämpft, während sie starke Unterstützer des Zionismus blieben (M. Brown 1987, S. 260ff). Tatsächlich gab der Separatistenführer Jacques Parizeau bei der sehr knappen Abstimmung von 1995 über den Separatismus von Quebec der überwältigenden Unterstützung von Juden und anderer Minderheiten für die Bewahrung der Verbindungen zu Kanada die Schuld an ihrer Niederlage.

Es ist bemerkenswert, daß der grundlegende Wandel der Einwanderungspolitik in der westlichen Welt annähernd zur selben Zeit stattfand (1962 – 1973), und in allen Ländern widerspiegelten die Veränderungen die Einstellungen von Eliten statt der großen Masse der Bürger. In den Vereinigten Staaten, Britannien, Kanada und Australien haben öffentliche Meinungsumfragen unter europäischstämmigen Völkern beständig eine überwältigende Ablehnung der Einwanderung nichteuropäischer Völker gezeigt (Betts 1988; Brimelow 1995; Hawkins 1989; Layton-Henry 1992). Es ist ein ständiges Thema gewesen, daß die Einwanderungspolitik von Eliten mit der Kontrolle der Medien formuliert worden ist und daß von Politikern aller Großparteien Anstrengungen unternommen worden sind, die Furcht vor Einwanderung von der politischen Agenda fernzuhalten (z. B. Betts 1988; Layton-Henry 1992, S. 82).

In Kanada kam die Entscheidung zur Aufgabe einer Politik des „weißen Kanadas“ von Regierungsbeamten, nicht von gewählten Politikern. Die Politik des weißen Kanadas wurde effektiv von Bestimmungen umgebracht, die 1962 verkündet wurden, und Hawkins (1989, S. 39) kommentiert: „Dieser wichtige Politikwechsel wurde nicht als Folge einer Forderung des Parlaments oder des Volkes vorgenommen, sondern weil einige höhere Beamte in Kanada, einschließlich Dr. [George] Davidson [stellvertretender Minister für Staatsbürgerschaft und Einwanderung und später ein höherer Administrator bei den Vereinten Nationen] richtigerweise sahen, daß Kanada nicht mit dem Mühlstein einer rassendiskriminierenden Einwanderungspolitik um den Hals effektiv in den Vereinten Nationen oder im multirassischen Commonwealth operieren konnte.“ Weder in Australien noch in Kanada gab es jemals eine populäre Stimmung zur Beendigung der älteren europäischen Ausrichtung der Einwanderungspolitik.

Die vorrangige und identische Motivation kanadischer und australischer Politiker beim Versuch, zuerst die Chinesen auszuschließen, dann andere asiatische Migranten und schließlich alle potentiellen nichtweißen Einwanderer, war der Wunsch, in ihren hart gewonnenen, fernen Ländern Gesellschaften und politische Systeme aufzubauen und zu bewahren, die sehr ähnlich waren wie jene des Vereinigten Königreichs. Sie wünschten dort auch unangefochten die vorrangige Rolle ihrer Gründervölker europäischer Herkunft zu etablieren… Man hatte auch das Gefühl, daß der unbestrittene Besitz dieser Territorien von kontinentaler Größe für immer bestätigt werden sollte, nicht nur durch die Tatsache des Besitzes, sondern auch durch die Härten und Gefahren, die die frühen Forscher und Siedler ertragen hatten; durch die Jahre knochenbrechender Arbeit zur Errichtung der Grundlagen des städtischen und ländlichen Lebens… Die Vorstellung, daß andere Völker, die nicht an diesen Pionieranstrengungen teilgenommen hatten, einfach in großen Zahlen kommen könnten, um wichtige örtliche Ressourcen auszubeuten oder von jenen früheren Besiedlungsanstrengungen zu profitieren, war ein Greuel. (Hawkins 1989, S. 23)

Angesichts der elitären Ursprünge der Politik der nichteuropäischen Einwanderung, die in diesem Zeitraum trotz der Gegnerschaft des Volkes im gesamten Westen aufkam, ist es von beträchtlichem Interesse, daß gewisse entscheidende Ereignisse sehr wenig Publizität erhielten. In Kanada war der Report of the Special Joint Committee von 1975 ein entscheidendes Ereignis bei der Gestaltung der Politik der nichteuropäischen Einwanderung im Einwanderungsgesetz von 1978, aber „leider hörte die kanadische Öffentlichkeit wenig davon, nachdem die Presse nicht darüber berichtete und die elektronischen Medien davon unbetroffen geblieben waren“ (Hawkins 1989, S. 59 – 60).

Im Rückblick auf diese nationale Debatte über Einwanderung und Bevölkerung, die höchstens sechs Monate dauerte, kann man jetzt sagen, daß sie eine sehr effektive einmalige Beratung mit der Welt der Einwanderung und mit jenen kanadischen Institutionen und Organisationen war, für welche die Einwanderung eine wichtige Sache ist. Sie erreichte den „durchschnittlichen Kanadier“ aus einem einfachen Grund nicht: Der Minister und das Kabinett trauten dem durchschnittlichen Kanadier nicht, daß er positiv auf dieses Thema reagieren würde, und dachten, daß dies mehr Ärger verursachen würde, als es wert war. Als Ergebnis dieser Ansicht wollten sie nicht die Mittel für die Organisation einer umfangreichen Beteiligung der Öffentlichkeit zuweisen und unternahmen nur minimale Anstrengungen zur Mobilisierung der Medien im Interesse einer wahrhaft nationalen Debatte. Der Hauptvorteil dieser Vorgangsweise war, daß das dringend benötigte neue Einwanderungsgesetz nur wenig später im Gesetzbuch stand, als Mr. [Robert] Andras [Minister für Arbeitskräfte und Einwanderung] und seine Kollegen [Hawkins hebt Andras’ Vizeminister Alan Gottlieb als die zweite treibende Kraft hinter diesem Gesetz hervor] es sich ursprünglich vorgestellt hatten. Der hauptsächliche Verlust war, was manche als goldene Chance betrachten würden, sehr viele einzelne Kanadier zusammenzubringen, um die Zukunft ihres stark unterbevölkerten Landes zu diskutieren. (Hawkins 1989, S. 63)

Erst nachdem das Gesetz von 1978 in Kraft war, machte sich die Regierung an eine öffentliche Informationskampagne, um die Kanadier über ihre neue Einwanderungspolitik zu informieren (Hawkins 1989, S. 79). Hawkins (1989) und Betts (1988) machen ähnliche Aussagen zu den Veränderungen in der australischen Einwanderungspolitik. In Australien kam der Anstoß zur Änderung der Einwanderungspolitik von kleinen Gruppen von Reformern, die in den frühen 1960ern in manchen australischen Universitäten zu erscheinen begannen (Hawkins 1989, S. 22). Insbesondere Betts (1988, S. 99ff) hebt die Idee hervor, daß die intellektuelle, akademische und mediale Elite, „geschult in den Geisteswissenschaften und Sozialwissenschaften“ (S. 100) ein Gefühl entwickelten, Mitglied einer moralisch und intellektuell überlegenen Eigengruppe zu sein, die gegen provinzielle australische Nichtintellektuelle als Fremdgruppe kämpfte. Wie in den Vereinigten Staaten gibt es unter Juden eine Auffassung, daß eine multikulturelle Gesellschaft ein Bollwerk gegen den Antisemitismus sein werde: Miriam Faine, ein Mitglied des Redaktionsausschusses des Australian Jewish Democrat, erklärte: „Die Stärkung des multikulturellen oder vielfältigen Australien ist auch unsere wirksamste Versicherungspolizze gegen Antisemitismus. An dem Tag, an dem Australien einen chinesisch-australischen Generalgouverneur hat, würde ich zuversichtlicher sein bezüglich meiner Freiheit, als jüdische Australierin zu leben“ (in McCormack 1994, S. 11).

Wie in den Vereinigten Staaten wurde die Familienzusammenführung in Kanada und Australien zu einem Kernstück der Einwanderungspolitik und führte zum oben erwähnten „Verkettungsphänomen“. Hawkins zeigt, daß die Familienzusammenführung in Kanada die Politik liberaler Parlamentarier war, die ein höheres Niveau der Einwanderung aus der Dritten Welt wünschten (S. 87). In Australien wurde die Familienzusammenführung während der 1980er zunehmend wichtiger, die auch eine sinkende Bedeutung der australischen Entwicklung als Kriterium für die Einwanderungspolitik erlebten (S. 150). In Widerspiegelung dieser Trends verabschiedete das Exekutivkomitee des australischen Judentums bei seiner Konferenz am 1. Dezember 1996 eine Resolution zum Ausdruck „ihrer Unterstützung der These, daß Australiens langfristigen Interessen am besten durch eine nicht-diskriminierende Einwanderungspolitik gedient ist, die eine wohlwollende Haltung zu Flüchtlingen und Familienzusammenführung einnimmt und humanitären Erwägungen Vorrang einräumt.“ Die wichtigste jüdische Publikation, die Australian/Israel Review, hat sich in Leitartikeln ständig zugunsten hoher Einwanderungsraten aller Rassen- und Volksgruppen ausgesprochen. Sie hat unvorteilhafte Porträts von Einwanderungsgegnern* veröffentlicht (z. B. Kapel 1997) und als Versuch der Bestrafung und Einschüchterung eine Liste von 2000 Menschen veröffentlicht, die mit Pauline Hansons einwanderungsfeindlicher Partei One Nation in Verbindung standen („Gotcha! One Nation’s Secret Membership List“; 8. Juli 1998). [* Anm. d. Ü.: im Original heißt es hier „anti-restrictionists“, also Restriktionsgegnern, aber aus dem Zusammenhang geht hervor, daß Einwanderungsgegner gemeint sein müssen.]

Er erscheint fair, daraus zu schlußfolgern, daß jüdische Organisationen sich einheitlich für ein hohes Einwanderungsniveau aller Rassen- und Volksgruppen in westliche Gesellschaften eingesetzt und auch ein multikulturelles Modell für diese Gesellschaften befürwortet haben.

ANMERKUNGEN

[Anm. d. Ü.: Im Unterschied zum Buch, wo die Anmerkungen gesammelt am Schluß stehen, füge ich hier die den jeweiligen Abschnitt betreffenden gleich im Anschluß an diesen an.]

  1. Raab steht der ADL nahe und ist der geschäftsführende Direktor Emeritus des Perlmutter Institute for Jewish Advocacy an der Brandeis University. Er ist auch ein Kolumnist des Jewish Bulletin aus San Francisco. Neben anderen Arbeiten hat er zusammen mit Seymour Martin Lipset The Politics of Unreason: Right Wing-Extremism in America, 1790-1970 verfaßt (Lipset & Raab 1970), einen Band in einer Reihe von Büchern über Antisemitismus in den Vereinigten Staaten, die von der ADL gesponsert und in Kapitel 5 behandelt wird. Lipset wird als Mitglied der New Yorker Intellektuellen betrachtet, die in Kapitel 6 behandelt werden.
  2. Weiters kann man aus Silbermans (1985, S. 357 – 358) folgenden Kommentaren eine tiefe Besorgnis ersehen, daß ein ethnisch und kulturell homogenes Amerika jüdische Interessen kompromittieren würde: „Juden fühlen sich zur Demokratischen Partei … mit ihrer traditionellen Gastfreundlichkeit gegenüber Nicht-WASP-Gruppen hingezogen … ein vornehmer Geschäftsmann, der mit Mondales Wirtschaftspolitik nicht einverstanden war, hat trotzdem für ihn gestimmt. ‚Ich habe die Parteikonvente im Fernsehen angesehen,‘ erklärte er, ‚und die Republikaner haben nicht wie meine Leute ausgesehen.‘ Dieselbe Reaktion hat viele Juden dazu gebracht, 1980 trotz ihrer Abneigung gegen Carter für ihn zu stimmen: ‚Ich würde lieber in einem Land leben, das von den Gesichtern regiert wird, die ich beim demokratischen Konvent gesehen habe, als von denen, die ich beim republikanischen gesehen habe‘ hat mir ein bekannter Autor gesagt.“
  3. Der amerikanische Zionist Maurice Samuel hatte, obwohl er das Einwanderungsgesetz von 1924 als rassistisch verdammte, sehr wohl eigene rasseorientierte Ideen entwickelt. Samuel schrieb ein bekanntes Werk, You Gentiles („Ihr Nichtjuden“, 1924), das eine sehr deutliche Aussage darüber enthält, daß biologische Unterschiede eine unüberbrückbare Kluft zwischen Juden und Nichtjuden erzeugen:

Auch wenn ihr und wir zu allen grundsätzlichen Prinzipien einer Meinung sein sollten… so blieben wir doch grundverschieden. Die Sprache unseres äußeren Ausdrucks ist gleich, aber die Sprache unserer inneren Bedeutung ist verschieden… Instinkt überdauert glaziale Zeiten; Religionen entwickeln sich mit Zivilisationen (S. 28)

Der Unterschied zwischen uns ist abgrundtief. (S. 30)

Dieser Unterschied in Verhalten und Reaktion entspringt etwas Ernsterem und Bedeutsamerem als einem Unterschied in unserer biologischen Ausstattung. (S. 34)

Dies sind zwei Arten von Leben, jedes dem anderen völlig fremd. Jedes hat seinen Platz in der Welt – aber sie können nicht auf demselben Boden gedeihen, sie können nicht ohne Feindseligkeit miteinander in Kontakt bleiben. Auch wenn für das Leben selbst jede Art eine perfekte Äußerung ist, so sind sie füreinander Feinde. (S. 37)

Der prominente und einflußreiche jüdisch-amerikanische Einwanderungsaktivist Louis Marshall hatte ebenfalls eine starke Bindung an das Judentum, das er als Rasse betrachtete. Er erklärte: „Wie Sie wissen, bin ich kein Zionist, bestimmt kein Nationalist. Ich bin… jemand, der stolz auf die Literatur, die Geschichte, die Traditionen und die spirituellen und intellektuelle Beiträge ist, die das Judentum der Welt gebracht hat, und so wie ich älter werde, nehmen die Gefühle der Liebe und Verehrung für die Wiege unserer Rasse an Intensität zu“ (in Cohen 1972, S. 107). (Der Kommentar ist ein weiteres Beispiel für das Wachsen der jüdischen Identifikation und Gruppenbindung mit dem Alter [siehe A People That Shall Dwell Alone, Kapitel 7 Anmerkung 27]).

  1. Restriction of Immigration; Hearings Before the Committee on Immigration and Naturalization House of Representatives, 68th Congress, 1st Sess., 5. Jan. 1924; S. 571.
  2. Siehe Reconquista!: The Takeover of America (Los Angeles, California Coalition for Immigration Reform, 1997).
  3. Erklärung des AJCongress, Joint Hearings Before the Subcommittees of the Committees on the Judiciary, 82nd Congress, 1st Sess., auf S. 716, H. R. 2379, und H. R. 2816. 6. März – 9. April 1951, S. 391.
  4. Erklärung des AJCongress, Joint Hearings Before the Subcommittees of the Committees on the Judiciary, 82nd Congress, 1st Sess., auf S. 716, H. R. 2379, und H. R. 2816. 6. März – 9. April 1951, S. 402 – 403.
  5. Die ADL ist durch ihr Institut A WORLD OF DIFFERENCE weiterhin ein bedeutender Förderer von Diversity-Bildung (www.adl.org, Juni 1998). Seit 1985 hat dieses Institut mehr als 230.000 Grundschul- und Sekundarschullehrer in Diversity-Bildung geschult und Diversity-Trainingsprogramme am Arbeitsplatz für Arbeiter und College-Studenten in den Vereinigten Staaten durchgeführt. Lehrerausbildungsprogramme sind auch in Deutschland und Rußland eingerichtet worden.
  6. Obwohl Schwarze in dem Stück in den Schmelztiegel aufgenommen wurden, scheint Zangwill (1914) zwiespältige Einstellungen zu Mischehen zwischen Schwarz und Weiß gehabt zu haben. In einem Nachwort schrieb er, daß Schwarze im Durchschnitt einen niedrigeren Intellekt und geringere Ethik hätten, aber er freute sich auch auf die Zeit, in der überlegene Schwarze Weiße heiraten würden.
  7. Restriction of Immigration; Hearings Before the Committee on Immigration and Naturalization House of Representatives, 68th Congress, 1st Sess., 3. Jan. 1924; S. 309, S. 303.
  8. Restriction of Immigration; Hearings Before the Committee on Immigration and Naturalization House of Representatives, 68th Congress, 1st Sess., 3. Jan. 1924; S. 341.
  9. Zum Beispiel wurde in den Senatsdebatten vom 15. – 19. April 1924 die nordische Überlegenheit von keinem der Befürworter des Gesetzes erwähnt, sehr wohl aber von den folgenden Gegnern des Gesetzes: den Senatoren Colt (S. 6542), Reed (S. 6468), Walsh (S. 6355). In den Kongreßdebatten vom 5., 8. und 15. April brachten buchstäblich alle Gegner des Gesetzes das Thema der rassischen Minderwertigkeit zur Sprache, einschließlich der Abgeordneten Celler (S. 5914 – 5915), Clancy (S. 5930), Connery (S. 5683), Dickstein (S. 5655-5656, S. 5686), Gallivan (S. 5849), Jacobstein (S. 5864), James (S. 5670), Kunz (S. 5896), LaGuardia (S. 5657), Mooney (S. 5909-5910), O’Connell (S. 5836), O’Connor (S. 5648), Oliver (S. 5870), O’Sullivan (S. 5899), Perlman (S. 5651); Sabath (S. 5651, S. 5662), und Tague (S. 5873). Mehrere Abgeordnete (z. B. Dickinson [S. 6267], Garber [S. 5689 – 5693] und Smith [S. 5705]) stellten den positiven Eigenschaften der nordischen Einwanderer die negativen Eigenschaften kürzlicherer Einwanderer gegenüber, ohne zwischen genetischen und Umweltgründen als mögliche Einflüsse zu unterscheiden. Zusammen mit anderen erwähnten sie besonders die mangelnde Assimilation von Einwanderern der jüngsten Zeit und ihre Tendenz, sich in Stadtgebieten zusammenzuballen. Der Abgeordnete Allen argumentierte, daß es eine „Notwendigkeit, das Blut Amerikas zu reinigen und rein zu halten” gebe (S. 5693). Der Abgeordnete McSwain, der für die Notwendigkeit der Bewahrung der nordischen Hegemonie argumentierte, tat das nicht auf Basis nordischer Überlegenheit, sondern auf Basis des legitimen ethnischen Eigeninteresses (S. 5683 – 5685; siehe auch die Kommentare der Abgeordneten Lea und Miller). Der Abgeordnete Gasque stellte einen Zeitungsartikel vor, der die Überflutung der Rasse diskutierte, die Amerika erbaut hatte (S. 6270).
  10. Restriction of Immigration. Hearings Before the Committee on Immigration and Naturalization House of Representatives, 68th Congress, 1st Sess., 3. Jan. 1924; S. 351.
  11. In ähnlicher Weise hatte die Einwanderung osteuropäischer Juden nach England nach 1889 eine umgestaltende Wirkung auf die politischen Einstellungen des britischen Judentums in Richtung Sozialismus, Gewerkschafterei und Zionismus, oft kombiniert mit religiöser Orthodoxie und Anhänglichkeit an einen stark separatistischen, traditionellen Lebensstil (Alderman 1983, S. 47ff). Die etablierteren jüdischen Organisationen kämpften hart gegen das wohlbegründete Bild von jüdischen Einwanderern als zionistische, religiös orthodoxe politische Radikale, die sich während des Ersten Weltkriegs weigerten, zu den Streitkräften eingezogen zu werden, um die Feinde der offiziell antisemitischen Zarenregierung zu bekämpfen (Alderman 1992, S. 237ff).
  12. Hearings before the Committee on Immigration and Naturalization, House of Representatives, 24. Mai – 1. Juni 1939: Joint Resolutions to Authorize the Admission to the United States of a Limited Number of German Refugee Children, S. 1.
  13. Hearings before the Committee on Immigration and Naturalization, House of Representatives, 24. Mai – 1. Juni 1939: Joint Resolutions to Authorize the Admission to the United States of a Limited Number of German Refugee Children, S. 78.
  14. Hearings before the Committee on Immigration and Naturalization, House of Representatives, 24. Mai – 1. Juni 1939: Joint Resolutions to Authorize the Admission to the United States of a Limited Number of German Refugee Children, S. 140.
  15. Erklärung des AJCongress, Joint Hearings Before the Subcommittees of the Committees on the Judiciary, 82nd Congress, 1st Session, auf S. 716, H. R. 2379, and H. R. 2816. 6. März – 9. April 1951, S. 565.
  16. Erklärung des AJCongress; Joint Hearings Before the Subcommittees of the Committees on the Judiciary, 82nd Congress, 1st Session, auf S. 716, H. R. 2379, und H. R. 2816. 6. März – 9. April 1951, S. 566. Siehe auch die Erklärung von Rabbi Bernard J. Bamberger, Präsident des Synagogue Council of America; siehe auch die Erklärung des AJCongress, S. 560 – 561.
  17. Erklärung von Will Maslow, der den AJCongress vertrat, Joint Hearings Before the Subcommittees of the Committees on the Judiciary, 82nd Congress, 1st Session, auf S. 716, H. R. 2379, und H. R. 2816. 6. März – 9. April 1951, S. 394.
  18. Joint Hearings Before the Subcommittees of the Committees on the Judiciary, 82nd Congress, 1st session, auf S. 716, H. R. 2379, und H. R. 2816. 6. März – 9. April 1951, S. 562 – 595.
  19. Joint Hearings Before the Subcommittees of the Committees on the Judiciary, 82nd Congress, 1st Session, auf S. 716, H. R. 2379, und H. R. 2816. 6. März – 9. April 1951, S. 410.
  20. Joint Hearings Before the Subcommittees of the Committees on the Judiciary, 82nd Congress, 1st Session, auf S. 716, H. R. 2379, und H. R. 2816. 6. März – 9. April 1951, S. 404.
  21. In ähnlicher Weise wurde 1887 in England die Federation of Minor Synagogues von britischen Juden gegründet, um den Radikalismus der kurz zuvor aus Osteuropa Angekommenen zu mäßigen. Diese Organisation betrieb ebenfalls Täuschung, indem sie bewußt das Ausmaß verzerrte, in dem die Einwanderer radikale politische Einstellungen hatten (Alderman 1983, S. 60).
  22. Joint Hearings Before the Subcommittees of the Committees on the Judiciary, 82nd Congress, 1st Sess., auf S. 716, H. R. 2379, und H. R. 2816. 6. März – 9. April 1951, S. 563.
  23. Handlin schrieb auch mehrere Artikel und Rezensionen für die Partisan Review, das Flaggschiff unter den Journalen der New Yorker Intellektuellen. In Widerspiegelung seines tiefsitzenden Glaubens an den Kulturpluralismus erklärte er in einer Buchrezension: “Ich kann einfach eine Vorstellung vom ‘Amerikanismus’ nicht begreifen, die auf der Haltung beruht, daß ‘eine gesellschaftliche Gruppe insofern eine Nation darstellt, als ihre Mitglieder eines Sinnes sind’” (Handlin 1945, S. 269).

*   *   *   *   *   *   *

Siehe auch:

The House I Live In von James Edwards

Churchill: More Myth Than Legend von Patrick Foy

Rassismus – Die kuriosen Ursprünge eines nutzlosen Wortes von Samuel Francis

Amerikanischer Rabbi: Europa muß Überflutung durch Einwanderung akzeptieren von John Graham

Juden und Weißentum von Andrew Hamilton

„Schafft die weiße Rasse ab – mit allen notwendigen Mitteln“ von Noel Ignatiev

Mit Freunden wie diesen… von Miriam Shaviv (als Beispiel für einen Artikel der Jewish Chronicle aus der Gegenwart)

Mein Vetter und ich gegen den europäischen Fremden von Tanstaafl

Israel, das Diaspora-Judentum und wir von Osimandia und Deep Roots

*   *   *

Fortsetzung: Die Kultur der Kritik (8): Schluss – Wohin geht es mit dem Judaismus und dem Westen?

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