Bomben für eine bessere Welt: Syrien, Überwachung und die Neo-Crocs

Von Tobias Langdon, übersetzt von Deep Roots. Das Original Bombs for a Better World: Syria, Surveillance and the Neo-Crocs erschien am 8. September 2013 im Occidental Observer.

In einer geistig gesunden Welt wäre der ehemalige „Chef-Redenschreiber von Tony Blair“ jetzt ein Flüchtling vor der Justiz oder würde eine lebenslange Gefängnisstrafe absitzen. Aber es ist keine geistig gesunde Welt, daher erhält Philip Collins seine dreißig Silberlinge von der feindlichen Elite. Er hat einen gut bezahlten Posten an der London School of Economics und schreibt für Rupert Murdochs Londoner Times, wo er all die intellektuelle Kraft und anthropologische Expertise zur Schau stellt, die man von einem Blairiten erwarten würde:

Das mißverstandenste Buch der letzten Zeit verirrte sich in einem Wortspiel. Als Francis Fukuyama sein Buch „Das Ende der Geschichte“ nannte, stellte er nicht die törichte Behauptung auf, daß die Geschichte, wie „1066 And All That“ ungefähr sagte, zu einem Schlußpunkt gekommen sei. Er sagte, daß keine bessere Gesellschaft als die liberale Demokratie jemals entstehen würde.

Bei der sich rund um uns entfaltenden Geschichte ist es ein guter Moment, um darauf hinzuweisen, daß Fukuyama recht hatte. Das Volk von Syrien will wie die Menschen Tunesiens, Libyens und Ägyptens nicht Sicherheit um den Preis der Freiheit erkaufen. Der Nahe Osten wird sich mit der Zeit der Liga der demokratischen Nationen anschließen, wie Lateinamerika es seit 1970 getan hat. Die zerbrechliche Regierung Algeriens kann keinen Bestand haben. Die von den Königen von Marokko und Jordanien geförderten begrenzten Reformen werden ein wenig Zeit erkaufen. Aber schließlich werden die Menschen dort und die Menschen im Iran etwas von dem wollen, was wir haben, nachdem sie Menschen wie wir sind. (Saving the people of Syria, wiedergegeben in The Australian, 25. Februar 2012)

Es wäre falsch, diese Behauptungen „halbgescheit” zu nennen. Nein, „achtelgescheit“ trifft es eher. Die Entwicklung der liberalen Demokratie in Britannien dauerte Jahrhunderte. Tony Blair trug viel dazu bei, sie in einem Jahrzehnt zu zerstören. Aber Philip Collins glaubt, daß der Nahe Osten sie unvermeidlicherweise annehmen wird. Die Moslems dort haben ja keine Verbindung zu ihren illiberalen und undemokratischen Regierungen, die vermutlich vom Neptun oder aus der Andromedagalaxie hereingeschneit sind. Collins glaubt, daß Syrer, Tunesier, Libyer, Marokkaner et al. „Menschen wie wir“ sind. Nun, das heißt, abgesehen von einem bedeutend niedrigeren Durchschnitts-IQ und einer langen Geschichte der Inzucht, Clanorientiertheit und Korruption. Und einer totalitären Religion, die keinen Unsinn von wegen Frauenrechten erträgt und die Todesstrafe für Vergehen wie Apostasie und Blasphemie verhängt. Moslems im Nahen Osten hätten Salman Rushdie nicht zum Ritter gemacht, wie es Tony Blair tat. Nein, sie hätten ihm schnell den Kopf abgeschnitten. Wenn er Glück gehabt hätte.

Aber abgesehen von diesen Details denkt Collins, daß der Nahe Osten bereit sei, „sich der Liga der demokratischen Nationen anzuschließen“, wie es „Lateinamerika“ 1970 tat. Er scheint die Diktaturen zu vergessen, die in Brasilien, Argentinien, Bolivien, Chile und so weiter gediehen. Man würde erwarten, daß er sich an Chile erinnert, weil Spanien versuchte, General Pinochet auszuliefern, als Pinochet während Blairs Amtszeit als Premier wegen einer medizinischen Behandlung hierherkam. Aber Blairiten mögen Geschichte nicht: wie jemand einmal hervorgehoben hat, war die einzige Gewißheit im Blairismus die goldene Zukunft. Die Vergangenheit änderte sich ständig.

Darin widerspiegelten die Blairiten getreulich ihre neokonservativen Bundesgenossen. Die Neocons kennen keine Geschichte, so wie sie keine Scham kennen. In einer geistig gesunden Welt hätte das, was im Irak passiert ist, sie für immer diskreditiert, wenn es sie nicht hinter Gitter gebracht hätte. Aber es ist keine geistig gesunde Welt, und sie sind immer noch unter uns, lügen immer noch, schwafeln immer noch, trommeln immer noch für Schlächterei. Einer der britischen Neocons, Norman Geras, nannte das achtelgescheite Gefasel von Philip Collins eine „gedankenvolle Kolumne“. Die Qualität von Geras’ eigenem Denken wird hier ersichtlich:

Natürlich ist nicht die ganze Welt ein Todeslager, und was in Syrien geschieht, liegt weit unter dem Genozid der Nazis. Dennoch hat die brutale Ermordung unschuldiger Menschen durch einen Staat eine gewisse Verwandtschaft mit allen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, von denen sie selbst eines ist. (“Adolescent” revulsion and moral shame (over Syria), NormBlog, 27. Februar 2012)

Die Nazis sind natürlich der Goldstandard des Bösen. Die syrische Regierung mit den Nazis zu vergleichen, soll natürlich eine reflexhafte Ermächtigung für einen Militäreinsatz herauslocken.

Aber es wäre falsch, Geras als achtelklugen Schwafler abzutun. In Wirklichkeit ist er ein blutdürstiger achtelkluger Schwafler:

Nachdem es dringend ist, daß wir irgendwie reagieren, aus Solidarität, aus unserer „gemeinsamen menschlichen Abstammung“ mit den Opfern, muß etwas unternommen werden, selbst wenn es bedeutet, dem Chaos mit Chaos zu begegnen, und (daraus folgend) daß das Chaos, das wir verursachen, sich als schlimmer erweist als das Chaos, das wir zu beenden versuchen. (NormBlog)

Norman „Schwafler“ Geras

Norman „Schwafler“ Geras

Das sind vier Portionen Chaos und eine hilfreiche Schlußfolgerung: Bomben für eine bessere Welt! Selbst wenn die Bomben die Welt nicht besser machen. Nein, sie könnten ein schlimmeres Chaos herbeiführen. Aber wir werden aus „Solidarität“ und unserer „gemeinsamen menschlichen Abstammung“ reagiert haben.

Behauptet Geras jedenfalls. Aber ich bin einer der Zyniker, über die er schimpft. Ich bezweifle, daß ein ethnozentrischer Jude wie Norman Geras so sehr um die Menschlichkeit besorgt ist wie um die Interessen seines eigenen Volkes. Wenn man einem Neocon sagen würde, daß morgen ein Asteroid die Erde träfe, dann wäre sein erster Gedanke: „Aber ist es gut für Israel?” So reagieren die Neocons auf den Bürgerkrieg in Syrien. Welche Seite auch gewinnt, wird eine Tyrannei einführen, aber Assads sunnitische Feinde werden blutige Rache an Aleviten und anderen Minderheiten wollen.

Vielfalt ist nicht Syriens Stärke. Sie ist auch nicht die Stärke des Westens, trotz der Lügen der Neocons und anderer Liberaler. Aber Assad scheint den Krieg zu gewinnen, daher könnte ein Eingreifen gegen ihn seinen Sieg leicht aufschieben oder verhindern. Was mehr Tod bedeuten würde, mehr Leiden und mehr Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Aber ist es gut für Israel? Ja, ein von Konflikten geplagtes Syrien ist gut für Israel. Glauben die Neocons jedenfalls. Und wenn ein Neocon etwas will, dann sollte die Welt gehorchen:

Das syrische Regime darf keine chemischen Waffen einsetzen, ohne bestraft zu werden

Falls, was sicher zu sein scheint, das syrische Regime chemische Waffen eingesetzt hat, dann gibt es keine andere Wahl, als mit oder ohne UN-Mandat militärisch aktiv zu werden.

…Die syrische Regierung wird genau schauen, ob die internationale Gemeinschaft zum Handeln entschlossen oder machtlos ist. Vor Monaten warnte Präsident Obama, daß eine rote Linie übertreten würde, wenn chemische Waffen verwendet würden. Falls diese Warnungen nun als hohl gesehen werden, wird das Assad-Regime den Schluß ziehen, daß es jede Greueltat gegen sein eigenes Volk begehen kann, ohne irgendeinen Preis zu bezahlen. Chemiewaffenangriffe könnten wieder und wieder eingesetzt werden. Zehntausende würden umkommen. Wir alle würden Grund haben, uns zu schämen.

Solch ein Ergebnis wäre nicht nur für das syrische Volk katastrophal. Es würde auch die Vereinten Nationen zum selben Schicksal verurteilen wie den Völkerbund, als er in den 1930ern als machtlos gesehen wurde. Es steht viel auf dem Spiel. Gar nicht zu reagieren, wäre weit gefährlicher als der begrenzte und angemessene Militäreinsatz, der erwogen wird. Unsere Hände zu ringen und unsere Betroffenheit auszudrücken, ist einfach nicht genug. (The Syrian regime cannot use chemical weapons without being punished, The Guardian, 28. August 2013)

Wieder der Vergleich mit den bösen Nazis.

Das war Sir Malcolm Rifkind, der ehemalige konservative Außenminister. Wenn er sagt, „Zehntausende würden umkommen“, falls wieder chemische Waffen verwendet würden, erwähnt er nicht, daß „Zehntausende“ bereits als Folge von humanen Waffen wie hochexplosiven und gliederabtrennenden Geschossen umgekommen sind. Der Massentod wird weitergehen, was immer die Syrer gegeneinander einsetzen. Genausowenig erwähnt er weißen Phosphor, die israelische Waffe der Wahl in Gaza.

Aber seien wir fair: Rifkind ist kein voller Neocon. Er hat nicht die verräterische intellektuelle Leere, und er hat den Krieg im Irak nicht unterstützt. Aber genauso wie Diane Feinstein in den Vereinigten Staaten ist er sehr zufrieden mit dem von den Neocons geschaffenen Überwachungsstaat. Sowohl Rifkind als auch Feinstein haben hohe Positionen, in denen sie die Arbeit der Geheimdienste „beaufsichtigen”. Beide sind auch Juden. Dies ist kein Zufall. Sie besetzen „entscheidende Verbindungsstellen” in der Regierung, in denen sie nicht die Interessen des Vereinigten Königreichs oder der Vereinigten Staaten sichern, sondern der winzigen Nation, die hier genannt wird:

Die Filter sind an entscheidenden Verbindungsstellen plaziert, die Schaltstellen genannt werden. Zum Beispiel läuft ein Großteil der Kommunikation – über Telefon und Internet – von und nach den nordwestlichen Vereinigten Staaten über ein nahezu fensterloses neunstöckiges Gebäude in 611 Folsom Street in San Francisco. Dies ist die regionale Schaltzentrale von AT&T. Im Jahr 2003 baute die NSA [National Security Agency] einen geheimen Raum in der Anlage und füllte ihn mit Computern und Software von einer Firma namens Narus. Gegründet von Israelis in Israel und jetzt im Besitz von Boeing, spezialisiert sich Narus auf Spyware, Ausrüstung, die sowohl die Metadaten untersucht – die Namen und Adressen der Menschen, die im Internet kommunizieren – als auch den Inhalt des digitalen Verkehrs wie Emails, während er mit Lichtgeschwindigkeit vorbeizischt. (James Bamford, They Know Much More Than You Think, The New York Review of Books, 15. August 2013)

Made in Israel: Das NSA-Hauptquartier in Maryland

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Alle Wege führen nach Tel Aviv. Wir haben einen Überwachungsstaat, weil im Westen lebende Moslems gegen das sind, was der Westen in den Kernländern des Islam tut. Wenn Moslems nicht en masse in den Westen einwandern würden, dann würden wir keinen Überwachungsstaat brauchen (oder von Vergewaltigerbanden und anderem Pulsieren bereichert werden). Wenn der Westen sich nicht dort drüben einmischen würde, dann würden sich hier bei uns keine Moslems aufregen. Neocons wie Philip Collins und Norman Geras unterstützen sowohl die Einwanderung als auch die Einmischung. Und sie sind sehr zufrieden mit dem Überwachungsstaat. Er ermöglicht es Israel, alle seine vergangenen, gegenwärtigen und potentiellen Feinde auszuspionieren. Was bedeutet: jeden. Die Neocons vergießen Krokodilstränen wegen Syrien, weil sie denken, daß es in Israels Interesse ist, den Konflikt zu verlängern oder Assad zu stürzen.

Das mag so sein, aber ich hätte lieber, daß die westliche Politik von den Interessen des Westens bestimmt wird, nicht von den Interessen Israels. Ich will den Überwachungsstaat nicht, den Krieg gegen den Terror oder Masseneinwanderung von Moslems. Und ich will blutdürstige Schwafler wie Philip Collins und Norman Geras im Exil oder im Gefängnis haben, nicht in Macht- und Einflußpositionen. Daher ist die Ablehnung der Intervention in Syrien durch das britische Parlament ein gesundes Zeichen. Hier drückt ein weiteres Neokrokodil seinen ethischen und intellektuellen Tiefsinn aus, diesmal auf Twitter:

Ich scheiße auf das, was [die britische Ablehnung der Militärintervention] für Miliband und Cameron bedeutet. Was zählt, ist die Botschaft, die sie an Assad aussendet. Ich schäme mich. – David Aaronovitch, Twitter, 29. August 2013

David Aaronovitch

David Aaronovitch

Aaronovitch hat das Blut nicht bekommen, das er wollte. Gut. Neocrocs zu ärgern, ist der Schlüssel zum westlichen Überleben. Wir müssen den Sumpf der Neocrocs trockenlegen und sie irgendwohin tun, wo sie keinen Schaden mehr anrichten können.

Wie wäre es mit dem New Yorker Zoo?

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