Colin Woodard, American Nations und die Wahl von 2012

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Von Hunter Wallace, übersetzt von Deep Roots. Das Original Colin Woodard, American Nations, The 2012 Election erschien am 20. November 2012 (nach Barack Obamas Wiederwahl) auf Occidental Dissent.

Das Yankeetum

Hier ist die wahre Geschichte der Präsidentenwahl von 2012 … die Yankee-Frage. Sobald man diese Frage versteht, wird man die Vergeblichkeit des Weißen Nationalismus und des „metapolitischen Kampfes“ bei der Beseitigung des angesammelten Gewichts von vier Jahrhunderten kultureller Sedimente und historischer Erfahrung in den Köpfen der Menschen verstehen.

Dieselben Bruchlinien sind in jeder jüngeren nationalen Wahl erkennbar. Werbung im Wert von Hunderten Millionen Dollar ändert daran nichts:

Das Yankee-Problem der G.O.P

„Etwas Bemerkenswertes ist am letzten Dienstag geschehen. Die Republikanische Partei wurde in ihrem Geburtsland buchstäblich ausgelöscht.

Ich spreche vom Yankeetum, einem großen Streifen des Landes von Maine bis Minnesota, der im Grunde von Puritanern aus Neuengland und ihren Nachkommen kolonisiert wurde. Dieser Kulturraum – einer von elf, aus denen unser Kontinent besteht – umfaßt das Hinterland von New York, die Western Reserve von Ohio, den oberen Bereich der Staaten an den Großen Seen, den nördlichen Teil von Illinois und einen Teil von Iowa. Einst der Geburtsort der G.O.P. und während des ersten Jahrhunderts ihrer Existenz das Zentrum ihrer Unterstützerschaft, ist es heute die Heimat von 54 Millionen Menschen, von denen wenige genetisch mit den frühen Siedlern der Bay Colony verwandt sind, die aber alle von der kulturellen DNS beeinflußt sind, die sie hinterließen. …

Es war eine verheerende regionale Niederlage von nationaler Bedeutung. In Neuengland errang Mitt Romney keine einzige Wahlmännerstimme, während die Republikaner jede Auseinandersetzung auf Bundes- und Staatsebene verloren. Scott Brown verlor seinen Sitz im U.S.-Senat in Massachusetts an die Demokratin Elizabeth Warren. In Maine brachte der seit zwei Amtsperioden dienende unabhängige Gouverneur Angus King seinen Rivalen eine schwere Niederlage bei und errang den Sitz im U.S.-Senat, der von der gemäßigten Republikanerin Olympia Snowe geräumt wurde, während die Republikaner die Kontrolle über beide Häuser der Legislative in dem Bundesstaat verloren. In „Live Free or Die“-New Hampshire verloren die Republikaner beide Auseinandersetzungen um die Häuser auf U.S.-Ebene und – in einer massiven Wende – die untere Kammer des State House. Die Demokratin Maggie Hassan wurde zur Gouverneurin gewählt.

Neuengland hat jetzt keinen einzigen Kongressabgeordneten von der G.O.P. Nur einer von sechs Gouverneuren und zwei von zwölf U.S.-Senatoren sind Republikaner.

Und es ist nicht nur im Kerngebiet Neuengland so. Romney hat jeden vom Yankeetum dominierten Staat verloren – Michigan, Wisconsin, Illinois und Minnesota – und alle mit bedeutenden Yankee-Bereichen, einschließlich New York und Ohio. Republikanische Kandidaten für den U.S.-Senat verloren auch in jedem von Yankees dominierten Staat, während der Demokrat Sherrod Brown seinen Senatssieg in Ohio der überwiegenden Unterstützung in der von Yankees gegründeten Western Reserve verdankte. Die Republikaner verloren 10 von 12 Yankee-kontrollierte Repräsentantenhaussitze in Illinois, 5 von 8 in Minnesota, 4 von 9 im New Yorker Hinterland und beide im östlichen Iowa. Sie verloren auch die Western Reserve deutlich, auch wenn intensive Wahlkreisschiebungen in dieser Bastion der Demokraten eine verbindliche Zählung von Distrikten unmöglich macht. Nur in Michigan und Wisconsin wird die Repräsentantenhausfraktion der G.O.P. eine Mehrheit ausmachen…“

Konflikte zwischen U.S.-Regionen hinter Obama versus Romney

„Die Wahl der letzten Woche demonstrierte wieder einmal, daß Amerikas grundlegendste und beständigste Teilungen nicht die zwischen „red states“ und „blue states“, Konservativen und Liberalen oder auch Gläubigen und Säkularen sind. Sie sind kultureller Art, das Ergebnis von Unterschieden, die bis zu den rivalisierenden Kolonialprojekten zurückverfolgt werden können, die vor drei und vier Jahrhunderten auf unserem Kontinent begründet wurden.

Unsere politischen Teilungen wurzeln in 11 grundverschiedenen regionalen Kulturen, wie ich in einem Buch erläuterte, aus dem Bloomberg View letztes Jahr einen Auszug brachte. Diese Regionen – in Wirklichkeit Nationen, einschließlich Yankeedom, Tidewater, New Netherland, New France, Deep South, Greater Appalachia, der Midlands, der First Nation, des Fernen Westens, der Linken Küste, El Norte – haben sich während unserer gesamten Geschichte direkt vor unserer Nase versteckt. Man sieht ihre Umrisse auf den Dialektkarten der Linguisten, den Karten der Kulturanthropologen über materielle Regionalkulturen und auf Karten religiöser Regionen, der politischen Geographie und historischer Besiedelungsmuster…

Mit diesem Hintergrund im Sinn bieten die nach Counties aufgeschlüsselten Resultate der Wahl vom Dienstag wenige Überraschungen. Obama dominierte das Yankeetum, räumte 58 von 63 Counties in Neuengland ab und dominierte den von Yankees begründeten Teil des Nordostens, vom New Yorker Hinterland und der Western Reserve von Ohio bis zum nördlichen Illinois und den oberen Staaten an den Großen Seen. Er brachte Romney in New Netherland eine schwere Niederlage bei und gewann 39 von 53 Counties an der Linken Küste. Fügen Sie noch die überwiegende Unterstützung der zuerst von Spanien kolonisierten Regionen hinzu (wo die Wähler von Romneys Einwanderungspolitik unbeeindruckt blieben), und Sie haben die „blaue“ Koalition, die seit sechs Präsidentenwahlen hintereinander den demokratischen Kandidaten unterstützt hat…“

Regionale Teilungen reichen Jahrhunderte zurück

„Letzten Dienstagabend beförderten die Fernsehschirme ein vertrautes Bild: Amerika, sein Nordostquadrant und seine Westküste ein blaues Meer, der Großteil des Rests eine rote Masse.

Es ist im Wesentlichen dieselbe Karte – plus/minus zwei oder drei Bundesstaaten – die die Zuschauer in der Wahlwoche von 2000, 2004 und 2008 begrüßte, eine, die Teilungen widerspiegelt, die Jahrhunderte zurückreichen. Der demokratische Präsidentschaftskandidat – ob ein Afroamerikaner aus Hawaii und Chicago oder ein weißer Southern Baptist aus Tennessee – dominierte den Großteil der alten Union, der republikanische Kandidat den Großteil der Staaten der alten Konföderation, oft mit großem Vorsprung.

Während diese Karten auf Ebene der Bundesstaaten suggerieren, daß unsere politischen Unterschiede eine regionale Basis haben könnten, verbergen sie in Wirklichkeit die Tiefe der sektionalen Kluft, weil sie nicht die wahren kulturellen Bruchlinien darstellen, welche die amerikanische Politik seit einer Zeit lange vor der Entstehung der Vereinigten Staaten geformt und definiert haben. …

Man sehe sich nach Counties unterteilte Karten von fast jedem knappen Rennen um die Präsidentschaft in unserer Geschichte an, und die Präsenz dieser Regionalkulturen wird viel klarer. Wieder und wieder tendieren die von den frühen Puritanern und ihren Nachkommen kolonisierten Landstriche dazu, mit einer Stimme zu wählen, und gegen die Partei, die in den Teilen favorisiert wird, die zuerst von den Sklavenlords aus Barbados kolonisiert wurden, die Charleston gründeten, oder von den schottisch-irischen Frontiersmen, die über das Hochland der Appalachen hinunterstreiften und weiter in das Hügelland von Texas, Oklahoma und die südlichen Ebenen von Ohio, Indiana, Illinois und Missouri.

Die Menschen der schmalen pazifischen Küsteneben von San Francisco bis Juneau, Alaska – eine Region, die man die Linke Küste nennen könnte – haben in buchstäblich jeder Wahl seit dem Beitritt ihrer Staaten zur Union auf dasselbe Pferd gesetzt wie die Yankees, und gegen den Kandidaten, der von der Mehrheit der Menschen im Inneren ihrer Staaten favorisiert wurde. Die Yankees haben auch Verbündete in den Teilen des Südwestens gefunden, die effektiv von Spanien im 16. bis 19. Jahrhundert kolonisiert wurden…“

*   *   *   *   *   *   *

Siehe auch:

Einvernehmliche Sezession der „Red States” und „Blue States”: Einigen wir uns darauf, daß wir verschiedener Meinung sind von Kevin MacDonald

Zum Lob des Calexit von Greg Johnson

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