In ihren Herzen wissen sie, dass wir recht haben

Von Jef Costello (Original: In Their Hearts They Know We’re Right, erschienen  am 6. September 2016 auf Counter-Currents Publishing).

Übersetzung: Lichtschwert

Vor ein paar Jahren erkannte ich, daß ich nicht wußte, was ich glaubte. Sehr viel davon hatte mit der Tatsache zu tun, daß ich Philosophie als Hauptfach studiert hatte. Wenn man einen Philosophen fragt, ob er an X glaubt, dann übersetzt er diese Frage im Geiste als „kann ich beweisen, daß X wahr ist?“ Und dann beantwortet er diese Frage statt derjenigen, die man ihm wirklich gestellt hat.

Wenn man ihn zum Beispiel fragt: „Glaubst du an Gott?“, dann macht sein Verstand daraus: „Kannst du beweisen, daß Gott existiert?“, und er antwortet: „Nein.“ Dann – die klassische Situation – erfährt er zwei Stunden später, daß seine Frau in einem Autounfall kritisch verletzt wurde, und er ertappt sich dabei, wie er auf dem Weg ins Krankenhaus betet. Damit meine ich, daß er nicht bewußt zu beten begonnen hat. Er entscheidet sich nicht dazu, es zu tun. Es ist nicht das Ergebnis einer rationalen Kalkulation. Er tut es einfach und bemerkt dann, daß er es tut, und ist überrascht – oder Schlimmeres.

Wie man sagt, sprechen Taten lauter als Worte. Und die Handlungen des Philosophen strafen seine Worte Lügen. In Wirklichkeit glaubt er schon an Gott. Es war irgendein seichterer Teil von ihm, der mit „nein“ antwortete, als man ihm die Frage stellte. Es war ein viel tieferer und authentischerer Teil, der auf dem Weg zum Krankenhaus die Kontrolle übernahm und mit einer Stimme echter Aufrichtigkeit sprach.

In Wirklichkeit sucht man sich seine Überzeugungen nicht aus. Der Philosoph in meiner Geschichte entscheidet sich nicht bewußt für das Beten, und er entschied sich nicht bewußt dafür, an Gott zu glauben. Es sind nur seine Pseudo-Überzeugungen, die von ihm gewählt sind, einschließlich seines Pseudo-Atheismus. Wir glauben an das, was wir für wahr halten, und wir haben dabei keine Wahl. Oder vielleicht sollte ich das in stärkeren Begriffen ausdrücken: wahrhaftig glauben wir an das, was wir sehr, sehr für wahr halten.

Ich bin geneigt, das so auszudrücken, aufgrund unserer anscheinend unbegrenzten Fähigkeit zur Selbsttäuschung. Mein imaginärer Philosoph denkt, daß er nicht an Gott glaubt, weil er denkt, daß er „Gott existiert“ nicht für eine wahre Behauptung hält. Und es erfordert eine persönliche Katastrophe, um seinen Dickschädel zu knacken und ihn zu lehren, was er wirklich glaubt. Obwohl ich darauf wette, daß er vergessen wird, daß er im Auto gebetet hat, besonders, wenn er das Krankenhaus erreicht und herausfindet, daß seine Frau durchkommen wird. Eine Form, die unsere Selbsttäuschung annimmt, ist die befremdliche Neigung, Beweise zu verleugnen, die nicht mit dem übereinstimmen, wovon wir glauben, daß wir es bereits wissen, besonders, wenn es uns selbst betrifft. („Ich war betrunken. Außerdem experimentiert jeder im College. Jeder.“)

Wenn ich also vom Glauben spreche, meine ich jene Dinge, die wir wirklich, wahrhaftig und tief drin für wahr halten, ungeachtet (manchmal) dessen, was unsere bewußten Überzeugungen sein mögen. Nun, warum ist es so, daß wir uns jene Überzeugungen nicht ausgesucht haben? Glauben ist unsere Reaktion auf das, was wir als Wahrheit erkennen. Sobald der Verstand etwas als wahr akzeptiert hat, hat er keine andere Wahl als zu glauben. Tatsächlich könnten wir „Glauben“ einfach als die Akzeptanz der Wahrheit (was wir als solche betrachten) definieren. Aber hier müssen wir wieder achtgeben. Denn „der Verstand“ webt alle Arten von Fantasien. Der „Verstand“ meines imaginären Philosophen sagt ihm ja, daß es keinen Gott gibt. Daher könnte es vorzuziehen sein, vom Herzen zu sprechen. Sobald das Herz etwas als wahr akzeptiert hat, hat es keine andere Wahl, als zu glauben.

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Zugegeben, dies ist arg vage. Aber es ist auch in vertretbarer Weise vage. „Das Herz“ ist das Organ des Wissens, auf das wir uns beziehen, wenn wir unsere Zuhörer warnen, daß wir nicht von jenem fantasienwebenden, oberflächlichen, vordergründigen „Verstand“ sprechen, der uns Dinge sagt, die wir nicht wirklich glauben. Es gibt in unserer vagen Sprache eine tiefgreifende epistemologische Unterscheidung zwischen „Verstand“ und „Herz“. Bekanntlich war Barry Goldwaters Wahlkampfslogan „In your heart you know he’s right“ („In euren Herzen wißt ihr, daß er recht hat“). (Trump könnte dies effektvoll einsetzen). Stellt euch vor, es hätte geheißen: „In eurem Verstand wißt ihr, daß er recht hat.“ Dies wäre unermeßlich schwächer gewesen, denn wir alle wissen, daß es „das Herz“ ist, mit dem wir wahrhaft glauben, was immer unser Verstand sagen mag. Ja, das ist alles sehr vage. Aber in euren Herzen wißt ihr genau, was ich meine, und daß ich recht habe.

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Nun, ich habe gesagt, daß wir, sobald wir einmal die Wahrheit erkennen, keine andere Wahl haben, als zu glauben. Man wird sich gegen diese Behauptung wehren, weil uns allen viele Fälle einfallen, wo wir die Wahrheit erkannten, sie aber verleugneten. Aber was in den Fällen der „Verleugnung“ vor sich geht, ist, daß der Verstand gegen ein auf tieferer Ebene stattfindendes Erkennen der Wahrheit reagiert. Nehmen wir an, unser Philosoph kommt ins Krankenhaus und findet heraus, daß seine Frau nicht allein im Auto war. Ein Mann war bei ihr, einer, mit dem sie eine Affäre hatte. Sowie ihr Tagesablauf zusammengestückelt wird, deuten alle Anzeichen darauf hin. „Es ist nicht wahr“, sagt unser Philosoph, „es darf nicht wahr sein.“ Aber er weiß, daß es wahr ist; deshalb protestiert er so sehr. Und sechs Monate später wird er mit völliger Aufrichtigkeit zu einem Barkeeper sagen: „Die Wahrheit ist, daß ich es die ganze Zeit wußte. Ich wollte es bloß mir selbst nicht eingestehen.“

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Das Wort „belief“ („Glauben“, „Überzeugung“) ist angelsächsisch. Das altenglische geliefan bedeutete „jemandem teuer sein“ und „vertrauen.“ Dies ist höchst bedeutsam. Ich habe oft jemandem sofort vertraut oder mißtraut. Selbst wenn ich einem Menschen „zu vertrauen begann“, war dieses Vertrauen, sobald es einmal bestand, näher an einer Emotion als an einer Schlußfolgerung aus einer Argumentationskette. Und dasselbe trifft offenkundig zu, wenn man einander liebt. Ich beginne nicht als Ergebnis eines Denkprozesses zu lieben. Manchmal liebe ich, wenn es rational betrachtet töricht erscheinen mag. Manchmal liebe ich aus Gründen, die sich gänzlich der rationalen Erklärung entziehen. Ich liebe Familienmitglieder, obwohl ich zugeben muß, daß ich sie nicht wirklich mag. Dies war wiederum nichts, was ich mir so ausgesucht hatte.

Zu glauben – wirklich und wahrhaftig – ist wie zu vertrauen und zu lieben. Der Teil „des Herzens“, der „weiß“, zieht mich in bestimmte Richtungen, und ich habe keine Wahl, als zu folgen. In meinem „innersten Herzen“ gibt es bestimmte Dinge, die ich glaube, und andere Dinge, die zu glauben man mich nie bringen kann. Genauso wie es bestimmte Menschen gibt, die ich liebe oder denen ich vertraue, und andere, die zu lieben oder denen zu vertrauen ich nicht überredet werden kann. Unsere Herzen lieben die Wahrheit und vertrauen ihr: und wenn wir die Wahrheit erkennen, sind wir ergriffen. Es gibt keine Wahl in der Sache. Die einzige Wahlmöglichkeit gibt es im „Verstand“ und in seiner Fähigkeit zu bestätigen, was wir glauben, oder es zu verleugnen.

Sokrates spielt im Theaitetos mit der Definition des Wissens als „wahrer Glaube mit einer Beschreibung.“ Dies hat eine wahre Heimindustrie in der angloamerikanischen Philosophie geschaffen, bei der Flüsse von Tinte über der Frage vergossen wurden, was „gerechtfertigter, wahrer Glaube“ wirklich bedeutet. Viel von dem, was zu diesem Thema geschrieben wurde, ist in Wirklichkeit urkomisch, aber unabsichtlicherweise. Diese Literatur hat die Vorstellung genährt, daß wir nichts wissen, wenn wir keine Rechtfertigung für unsere Überzeugungen liefern können. Aber wir alle haben die Erfahrung gemacht, daß wir etwas wahrhaftig und zutiefst glaubten, ohne eine „Beschreibung“ dafür geben zu können, warum wir glauben – und uns dann bestätigt fanden. Wir hatten es die ganze Zeit gewußt. Daher muß Wissen nicht gerechtfertigter wahrer Glaube sein.

Sicherlich muß Wissen wahr sein. Wir können nicht sagen: „Ich weiß, daß Rudolf Hess sich auf dem Mars befindet“ – etwas von der Art, das Miguel Serrano behauptete. Nun, wir können das sagen, aber es hat keinen legitimen Anspruch darauf, Wissen zu sein, nachdem es falsch ist. Wir haben Sonden zum Mars geschickt, und es gab kein Anzeichen von Hess. Was wir also in diesem Fall schlußfolgern müssen, ist, daß Serrano glaubte, daß Hess (der echte Hess, nicht das im Spandauer Gefängnis eingesperrte Double) sich auf dem Mars befand, daß er aber etwas glaubte, das falsch war. Jedoch: glaubte Serrano wirklich und wahrhaftig? Ich vermute, daß die Antwort Nein lautet. Dennoch müssen wir der Tatsache ins Auge sehen, daß es möglich ist, Dinge zu glauben – tief in unserem innersten Herzen – die nicht wahr sind. Wie ich sagte: sobald das Herz einmal etwas als wahr akzeptiert hat, hat es keine andere Wahl als zu glauben. Aber das Herz kann sich bezüglich der Wahrheit irren.

Ich behaupte jedoch folgendes: wenn das Herz glaubt, dann hat es meistens recht. Meistens ist es ein verläßlicher Führer. Es hat zahllose Fälle in meinem Leben gegeben, wo ich meinem Kopf gefolgt bin statt meinem Herzen. Und in fast jedem Fall habe ich meine Handlungen bereut. Um den zentralen Punkt hier nicht aus den Augen zu verlieren: was ich meine, ist, daß ich in meinem Leben oft nicht auf das gehört habe, was ich wahrlich glaube. Stattdessen habe ich meine Überzeugungen aktiv verleugnet oder unterdrückt. Ich habe selten auf der Grundlage von Wunschdenken gehandelt – aber ich habe oft auf der Basis zweifelhafter „Überlegungen“ gehandelt.

Ich würde sagen, daß das Entdecken dessen, was ich wahrlich glaube, eine der größten Anstrengungen in meinem Leben gewesen ist, eine, die ein ständiger Kampf ist. Und als weißer Nationalist ist eine meiner Hauptaufgaben, wie ich sie sehe, anderen zu entdecken helfen, was sie wahrlich glauben.

Wie ich viele Male hervorgehoben habe, sind es unsere Ansichten, die mit den Tatsachen der Wirklichkeit und mit der Natur übereinstimmen. (Siehe zum Beispiel meinen Essay Die unsichtbare Ideologie.) Wie ich sagte, ist es möglich, tief drinnen Dinge zu glauben, die völlig falsch sind. Und doch denke ich, daß viele weiße Liberale tief drinnen nicht glauben, daß sie recht haben. Erinnert euch an mein vorheriges Beispiel von dem gehörnten Ehemann, unserem Philosophieprofessor, der seinem Barkeeper gesteht: „Ich wußte es die ganze Zeit.“ Welche Art von Hinweisen hatte ihm monatelang, oder möglicherweise jahrelang, ins Gesicht gestarrt?

Ich hatte eine Kusine in einer ähnlichen Situation. Ihr Ehemann betrog sie. Er mußte „Überstunden machen.“ Das Telefon klingelte oft zu seltsamen Zeiten, und nur einmal (ein Signal). Das archetypische blonde Haar wurde auf dem Schoß seines Anzugs von Brooks Brothers gefunden, etc. Und doch war meine Kusine fassungslos, als die Affäre schließlich aufflog. Mehrere Jahre später bekannte sie jedoch, daß sie „es die ganze Zeit gewußt hatte.“ Was sie zu der Zeit entsetzt und erzürnt hatte, war nicht die Tatsache der Affäre, sondern daß sie damit in solch einer Weise konfrontiert wurde, daß eine Verleugnung nicht länger möglich war. Und das ist, wie ich denke, ein Schlüssel zum Verständnis des Zorns, den manche weißen Liberalen gegen unseresgleichen richten.

Wenn weiße Liberale mit den Tatsachen über Rasse, Einwanderung und die Geschlechter konfrontiert werden, liegt ihr Zorn nicht bloß daran, daß ihre geschätzten Überzeugungen angefochten werden. Er liegt daran, daß ihre Zweifel bestätigt werden. Mehr noch: er ist das Ergebnis dessen, daß ihnen ihre schlimmsten Befürchtungen bestätigt werden. Denn wenn wir recht haben, lieber Leser, dann liegt alles sehr, sehr im Argen. Man würde meinen, daß Menschen es schätzen würden, wenn man ihnen sagt, daß sie am Rand des Abgrunds dahintaumeln. Leider nicht.

Mein Vater und ich hatten seit vielen Jahren ein gespanntes Verhältnis. Ich habe ihm immer Intelligenz und Nonkonformismus zugute gehalten, daher teilte ich ihm vor mehr als einem Jahrzehnt naiverweise meine Ansichten mit. Zu meinem Erschrecken explodierte er vor Zorn und schrie: „Du bist krank!“ Es fällt schwer, sich von so etwas zu erholen. Daher versuchen wir nun, Politik zu vermeiden. Und doch schleicht sie sich gelegentlich ein, und ich habe zuweilen den Eindruck, daß er meiner Meinung ist, es aber nicht zugeben will.

Ich hatte Mitgefühl mit ihm, als ich endlich begriff, daß der Mann entsetzt ist. Wie viele alte Leute (er ist in seinen 80ern) würde er gern glauben, daß die Dinge weitergehen werden, wenn er nicht mehr da ist, und daß sie in Ordnung sein werden. Aber alles, was ich ihm zu bieten habe, schreit, daß die Dinge nicht in Ordnung sein werden, daß sie auseinanderfallen. Und daß das Land, dem er jahrelang im Militär gedient hat, sich auf dem Weg in den Mülleimer der Geschichte befindet.

Mein Vater weiß, was die Wahrheit ist. Er sieht sie rund um sich. Zumindest auf einer gewissen Ebene. Was ihn wahnsinnig wütend macht, ist, wenn ihn jemand dazu zwingt, es zuzugeben. Ich sehe nicht viel Sinn darin, weiter mit meinem Vater zu streiten. Aber wenn das verbotene Thema zur Sprache kommt, scheint er jetzt ruhiger zu sein. Und ich sage oft sanft: „Ich weiß, daß du das weißt.“ Oder: „Ich weiß, daß du das erkennst.“ Er bekommt einen komischen Gesichtsausdruck. Er fühlt sich unwohl, aber er lächelt beinahe. Es ist ein Ausdruck, den ich oft auf den Gesichtern von anderen gesehen habe, nachdem ich es jetzt zunehmend mit dieser Taktik versuche.

In Wirklichkeit sagen wir ihnen nichts, das sie nicht bereits wissen. Wir helfen ihnen zu entdecken, was sie bereits glauben. In ihren Herzen wissen sie, daß wir recht haben.

*     *     *

Siehe auch:

Wie kann man nur so blöd sein? – Gesprächstaktiken von Dunkler Phönix

Patriotismus und das Militär von Dennis Mangan

Hoffnung für gutmenschliche Soziale Gerechtigkeitskrieger von Tim Murray

Weihnachtsgrüße aus der Matrix von Osimandia

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(Quelle der Übersetzung:  hier)

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