Rhetorik, Teil 4: Mimik und Körpersprache

Von Dunkler Phönix, ursprünglich veröffentlicht am 24. April 2013 auf „As der Schwerter“.

Zuvor erschienen:

Rhetorik, Teil 1: Typenlehre

Rhetorik, Teil 2: Emotionen

Rhetorik, Teil 3: Gestik

In dieser Reihe geht es darum, diejenigen Kameraden, die sich in der schweren Kunst des Redens üben wollen, zu beraten. Sie ist durchgängig aus nationalistischer Perspektive geschrieben.

Der vierte Teil beschäftigt sich mit nonverbalen Signalen, die wir unbewusst aussenden.

Körpersprache ist nicht dasselbe wie Gestik! Gesten sind Figuren, die meist mit den Händen ausgeführt werden, Körpersprache ist eine Gesamthaltung des Körpers, die noch unbewusster ist als das Gestikulieren.

Darauf angesprochen können die allermeisten Menschen Gesten unterscheiden und benennen. Körpersprache ist nicht ganz so einfach zu beschreiben, wenn sie auch von jedem problemlos „gelesen“, also interpretiert werden kann.

Im Sitzen

Der Klassiker sind die übereinandergeschlagenen Beine. Je nachdem in welche Richtung sie zeigen, signalisieren sie Zu- oder Abwendung. Was macht man aber, wenn links und rechts jeweils Menschen sitzen, denen man zugewandt (oder beiden abgewandt) ist? Die Beine nicht übereinandergeschlagen, sondern beide Füße nebeneinander auf dem Boden wirkt schnell steif, der Schneidersitz wird als exotisch wahrgenommen werden. Wichtiger als der richtige Beinüberschlag ist aber die Körperhaltung. Viele unserer „Bekannten“ aus den Labersendungen sitzen mit gebeugtem Rücken, lässig bis nachlässig. Ein gerader Rücken und ein aufrechter Blick signalisieren Entschlossenheit und Stärke.

Im Stehen

Die meisten Reden hält man nicht im Sitzen. Im Stehen sind die gerade Körperhaltung und der aufrechte Blick noch wichtiger, weil sie deutlicher wahrgenommen werden können als im Sitzen. Wenn man den Eindruck hat, der Redner kauere sich zusammen, wende sich vom Publikum ab oder habe allgemein eine linkische Haltung, dann gibt das dicke Minuspunkte, noch bevor man ein Wort gesagt hat. Und Dinge wie Zuversicht und Vertrauen sind auch nur schwer zu schauspielern. Selbst wenn die Worte schön klingen, die Körpersprache ist verräterisch:

Im Gegensatz zu Gestik ist Körpersprache schwer erlernbar und kaum bewusst einsetzbar. Wer einen „krummen Charakter“ hat, der steht normalerweise auch linkisch und gebeugt. Daher ist die beste Übung für eine überzeugende Körpersprache das Entwickeln einer aufrechten Haltung. Man achte darauf, dass die Schultern nicht nach vorne absinken, sondern nach hinten durchgedrückt sind und senke den Blick nicht. Wenn man so durch eine beliebige Fußgängerzone der BRD geht, dauert es drei bis fünf Minuten, bis der erste Ali ankommt und „was guckstu?“ schreit. Man sollte dann nicht den Blick senken und weggehen, sondern Ali freundlich anstrahlen und so etwas antworten wie „ich bewundere deine schiefen Zähne“ oder „ich habe mich gerade gefragt, ob ich in meinem Leben schon mal jemand gesehen habe, der hässlicher war als du.“

Wichtig ist auch die Mimik. Wenn ein Redner die ganze Zeit „verkniffen“ (vgl. die Politikerdarsteller oben) schaut, dann weckt das genauso Misstrauen, wie Schwitzen oder nervöses „Äh“ und „Ähm.“ Dauergrinser werden aber auch eher misstrauisch beäugt. Die Mimik muss der Sache angemessen sein, das heisst, man sollte schon ernst bis traurig schauen. Vorsichtig sollte man mit Wut, Ärger und Hass sein, die man auch leicht im Gesicht ablesen kann, was nicht immer vorteilhaft ist. Im Grunde gilt für das Einüben von Mimik das gleiche wie für das Einüben von Gestik: Vor dem Spiegel oder vor Kameraden üben und lernen, das meist unbewusst Gemachte bewusst einzusetzen.

Eine Anmerkung noch: Die Serie „Lie to me“ mit Tim Roth arbeitet mit der Theorie, dass so genannte „Mikroausdrücke“ in der Mimik universell lesbar seien.

Zwar behauptet Wikipedia, dies sei „längst widerlegt“, bleibt Beweise für diese Behauptung jedoch schuldig. Ich finde es ziemlich überzeugend, dass Menschen mit ihrer Mimik ihre Gefühle verraten und Leute, die sich professionell damit beschäftigen zu lebenden Lügendetektoren werden.

Sicherlich wird es Menschen geben, die diese Mikroausdrücke unterdrücken können, vielleicht gibt es Soziopathen, bei denen sie gar nicht auftreten, und sicherlich gibt es auch kulturelle Unterschiede. Aber Gefühle wie Angst und Wut sind evolutionär in uns eingebrannt und daher können wir diese Gefühle auch in der Mimik anderer erkennen. Für den ein oder anderen mag das Erkennen von Mimik sogar überlebensnotwendig gewesen sein (der Typ, der schreiend und mit geweiteten Augen auf mich zu rennt, möchte mir wahrscheinlich nicht zum Geburtstag gratulieren).

Ich fand es (zumindest über die erste Staffel, die Handlung der Serie büßt später stark an Glaubwürdigkeit ein, und irgendwann sind ja auch die verschiedenen „Mikroausdrücke“ alle mal vorgekommen) spannend, wie die Ermittler Lügen aufdeckten, indem sie die wahren Gefühle, die von den Verdächtigen nur schwer verborgen werden konnten, ans Licht brachten, zumal immer wieder Fotos von echten Menschen, meist Prominenten oder Politikern, eingeblendet werden, deren Mienenspiel man studieren und mit dem in der Serie Gezeigten vergleichen kann.

Es ist nicht nur interessant, die Kontrolle über die eigene Mimik zu erlangen, soweit das geht (man kann in vielen Situationen die Gesichtsmuskeln beherrschen, aber wenn ein wilder Löwe auf einen zuläuft, dann wird auch das Gesicht des Mutigsten von Furcht gezeichnet sein), sondern auch, in der Mimik anderer zu lesen. Wie oben dargestellt, lässt sich die Unehrlichkeit unserer Volkszertreter auf diese Weise leicht und schon vor jeder inhaltlichen Analyse jenseits allen begründeten Zweifels erweisen. Man studiere nur das Mienenspiel von Merkel und co, und man weiß: Das sind keine „großen Macher”, das sind Getriebene, die Anweisungen „von oben” ausführen und nicht sehr glücklich mit ihrer Situation sind – was ihren Verrat selbstredend nicht entschuldigt.

Auch im Alltag hilft es, wenn man sich ein bißchen aufs Gesichter lesen versteht. Die meisten Menschen haben keine Ahnung davon, dass andere in ihnen lesen können, wie in einem Buch, noch bevor sie den Mund aufmachen.

Geplant sind noch weitere Teile über rhetorische Stilmittel, Anlässe und mit Beispielreden. Ich bitte die Leser um ein wenig Geduld, die Reihe wird bald fortgesetzt.

Siehe auch:

Wie kann man nur so blöd sein? – Gesprächstaktiken von Dunkler Phönix

Rhetorik ohne Argumente von Dunkler Phönix

Tipps und Tricks von Dunkler Phönix

Gedanken zu Überzeugungsarbeit im Internet von Harald

Meisterschaft im Stil sticht Überlegenheit des Arguments von Alex Kurtagić

Es sind nicht die Argumente von Alex Kurtagić

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