Wie entsteht ein Meinungsumschwung?

Von Michael Springer, hier wiedergegeben in der Form, wie der Beitrag vor einigen Jahren auf „As der Schwerter“ samt einer Vorbemerkung und einem Nachwort von Deep Roots veröffentlicht wurde.

 

Vorbemerkung von Deep Roots: In Ausgabe 6/2011 des Magazins „Spektrum der Wissenschaft“ gab es in Michael Springers Kolumne „Springers Einwürfe“ einen Beitrag, den ich bereits als Kommentar zu Tanstaafls „Lasst uns den Judenhassern die Schuld geben“ („Let’s Blame the Jew-Haters“) veröffentlicht habe, weil er einen Bezug zur in diesem Artikel behandelten Minderheit hat, der aber auch für uns relevant ist, eine andere „dissidente Minderheit, die jahrzehntelang vergeblich gegen die etablierte Politik anrennt“. Dieser Redakteur Michael Springer ist zwar ein linkes Sheeple, das unter anderem NPD-Wahlerfolge „erschreckend“ findet, aber seine Kolumne sei hier dennoch nachfolgend zitiert:

 

Wie entsteht ein Meinungsumschwung? Eine unbeugsame Minderheit entscheidet.

Das politische Klima kann überraschend umschlagen. Im Nahen Osten und in Nordafrika gerät von heute auf morgen die arabische Welt in Aufruhr. In Deutschland wird ein Grüner Ministerpräsident eines konservativ geprägten Bundeslands. Die Kanzlerin, nicht als leidenschaftliche Kernkraftgegnerin bekannt, läßt eine Ethikkommission über den möglichst raschen Ausstieg aus der Atomenergie beraten. In jeder Gesellschaft gibt es dissidente Minderheiten, die oft jahrzehntelang vergeblich gegen die etablierte Politik anrennen. Doch hin und wieder setzt sich eine hartnäckige Minorität unerwartet durch und prägt die Mehrheitsmeinung. Gehorcht der Umschwung Regeln? Diese Frage stellte sich ein Team um den Netzwerktheoretiker Sameet Sreenivasan vom Rensselaer Polytechnic Institute in Troy (US-Bundesstaat New York). Wie die Forscher auf der Tagung der American Physical Society in Dallas (Texas) im März berichteten, liefert ihr Computermodell eine überraschend konkrete Antwort (http://arxiv.org/pdf/1102.3931v2).

Sreenivasan und Kollegen simulierten ein Netz, dessen Knoten („Individuen“) jeweils einen von zwei Werten („Meinungen“) A oder B annehmen und in jedem Zeitschritt je ein zufällig gewähltes Netzglied zu ihrer Ansicht bekehren können – allerdings mit einer folgenschweren Anfangsbedingung: Zu Beginn tragen die allermeisten Knoten den Wert B; das heißt, es herrscht eine solide Mehrheitsmeinung. Nur ein kleiner Prozentsatz der Netzteilnehmer vertritt von Anfang an Position A – und läßt sich diese Überzeugung nie mehr nehmen. Anders gesagt, in dem von Meinung B dominierten Netz gibt es eine kleine, aber unerschütterliche A-Minderheit. Sreenivasans Gruppe gab nun einen bestimmten kleinen Prozentsatz von anfänglichen Dissidenten vor und ließ dann die Simulation laufen, bis sich ein stabiler Endzustand einpendelte. Solange zu Beginn nur wenige unbelehrbare Abweichler auftraten, geschah nichts Aufregendes, außer daß sich ein paar B-Knoten – teils nur vorübergehend – zu A bekehrten. Doch sobald der Anteil der von vorneherein entschlossenen A-Vertreter mit rund zehn Prozent angesetzt wurde, kippte das ganze System: Am Ende teilten alle Netzknoten die Meinung der vormaligen Minderheit. Die Autoren sehen in dem Kipp-Punkt bei zehn Prozent ein typisches Merkmal politischer Prozesse. Sie nennen als Beispiel die Suffragetten, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in England und den USA das Frauenwahlrecht erstritten, sowie die amerikanische Bürgerrechtsbewegung, die sich just erhob, als der Anteil der Afroamerikaner an der US-Bevölkerung die Zehnprozentmarke überschritt.

In Deutschland begannen die Grünen als außerparlamentarische Bewegung, mauserten sich zur Fünfprozentpartei und prägen, seit sie zweistellige Ergebnisse erzielen, die gesamte Umwelt- und Energiepolitik. Umgekehrt scheint zu gelten, daß der Abstieg einer Partei unter zehn Prozent sie – zumindest vorläufig – zur politischen Bedeutungslosigkeit verurteilt. Dieses Schicksal droht gerade der FDP und der Linken. Andererseits hat die rechtsradikale NPD zwar immer wieder erschreckende Wahlerfolge erzielt. Zwischen 1966 und 1968 zog sie in sieben Landesparlamente ein – in Baden-Württemberg sogar mit 9,8 % der Stimmen; 2004 gelang ihr mit 9,2 % das Gleiche in Sachsen. Doch bisher hat sie die Zehnprozentschranke noch nicht durchbrochen. Sreenivasans Netwerkstudie wurde von Army und Navy gesponsert. Vielleicht stützt sie die Hoffnung, der Krieg in Afghanistan könnte enden, wenn wenigstens zehn Prozent der Afghanen um jeden Preis Frieden wollen.

*   *   *   Ende der Kolumne von Michael Springer   *   *   *

Nachwort von Deep Roots (mit kleinen Korrekturen meiner damaligen Anmerkungen):

Wegen der Bürgerrechtsbewegung in USA liegt der liebe Herr Springer auch falsch: die dortigen Schwarzen machten mit Stand 2010 erst 12,6 % der Gesamtbevölkerung aus, bei einem gesamten nichtweißen Bevölkerungsanteil von 37,7 %. Laut dem Artikel „African-American Population“ von infoplease (siehe http://www.infoplease.com/ipa/A0922246.html) machte ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung schon im Jahr 1790 19,3 % aus und fiel seither nur im Zeitraum von 1920 bis 1940 jemals unter 10 %. Ihr Anteil an der US-Bevölkerung kann also nichts mit dem Meinungsumschwung im Zuge der Bürgerrechtsbewegung zu tun gehabt haben, wenn dieses Thema erst in den 1960ern erfolgreich in der Öffentlichkeit angekommen ist, wo sie doch die meiste Zeit davor auch schon mehr als 10 % stellten, und im Süden der USA einen noch deutlich höheren Anteil. Aber wir wissen ja, wer die „Netzwerkknoten“ waren, die ihnen den entscheidenden Schub erteilt haben.

Und damit komme ich zu der Gruppe, als deren Fürsprecher der in Tanstaafls oben verlinktem Artikel erwähnte Pat Condell auftritt. Judeophile wie er (und andere, die wir kennen) führen ja immer als Argument an, daß die Juden selbst in Amerika nur ca. 2,5 % der Bevölkerung stellen (und in Deutschland angeblich nur 0,1 %). Und 2,5 %, der höchste jüdische Bevölkerungsanteil außerhalb Israels, wäre doch nur ein Viertel des laut Sreenivasans Studie erforderlichen Wertes, nicht war?

Nun, die Sreenivasan-Studie geht natürlich von einer vereinfachten Grundannahme aus, in der sich die A’s und B’s neben ihrer „Meinung“ nur darin unterscheiden, daß die A’s fest entschlossen sind, während die B’s bekehrt werden können. Hierin gibt es durchaus eine Parallele zur Realität: während die Juden wissen, daß all die gesellschaftszersetzenden Denkmuster und Haltungen, die sie propagieren, ihrem Volk einen Vorteil gegenüber der Mehrheit verschaffen sollen, und außerdem seit zwei Jahrtausenden darauf konditioniert sind, gegen Außenstehende gruppenegoistische Praktiken anzuwenden, sind die Angehörigen der weißen Staatsvölker großteils arglos gewesen und ließen sich von vordergründig „menschenfreundlichen“ Argumenten einwickeln.

Im Gegensatz zu den Netzwerkknoten in Sreenivasans Modell haben in der Realität aber nicht alle Individuen denselben Einfluß. Wieviele Spitzenpolitiker, Industrielle, Bankiers, Filmproduzenten und –regisseure, Zeitungsverleger, Universitätsprofessoren, Buchautoren, Journalisten, „Künstler“, Schauspieler, Popstars etc. gibt es denn in einer westlichen Gesellschaft (sagen wir, der amerikanischen)? Wenn die „A-Vertreter“ in diesem einflußreichen Bevölkerungssegment stark überproportional vertreten sind, können sie leicht die Mehrheit davon für sich gewinnen (auch durch Vorteile für die Kooperationswilligen und Behinderung der Unkooperativen). Dann wird von oben nach unten der Rest Amerikas umgekrempelt, und Amerika ist dann der Hebel, mit dem der Rest der weißen Welt aufgerollt wird. Und es sieht so aus, als wäre es genauso gelaufen.

Auf uns können wir diese Lehre in der Form anwenden, daß wir, als kleine A-Minderheit innerhalb unserer immer noch die überwiegende Mehrheit ausmachenden ethnischen Gruppe genauso unbeugsam sind wie die Juden zu Beginn ihres Aufstiegs in ihre heutige Machtposition, weil wir wissen, daß es um unsere Existenz als Volk, Rasse und Zivilisation geht. Und indem wir möglichst vielen anderen unsere Einsichten vermitteln, auf daß diese ebenfalls erkennen, was auf dem Spiel steht.

Zum Schluß noch etwas „Erschreckendes“ für Herrn Springer: Laut jüngster Umfragen käme Straches FPÖ derzeit bei einer Nationalratswahl auf bis zu 20 %.

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