„Warum ich kein Linker mehr bin“ – Fragen an Manfred Kleine-Hartlage

Ein Interview von Felix Menzel mit Manfred Kleine-Hartlage (Original hier), erschienen am 21. September 2012 auf „Sezession im Netz“.

 

Nach Friedrich Romig ist es nun Zeit, Manfred Kleine-Hartlage drei Fragen zu seinem neuen kaplaken Warum ich keiner Linker mehr bin zu stellen. Kleine-Hartlage beschreibt in dem Büchlein seinen eigenen Weg von links nach rechts und erklärt, woran die Linke glaubt und warum sie unbelehrbar ist.

SEZESSION: Gleich am Anfang Ihres neuen Buches Warum ich kein Linker mehr bin schreiben Sie: „Wer nie links war, kann es nur als eine Art unheilbarer Geisteskrankheit betrachten. Nun, eine Geisteskrankheit mag es sein; aber unheilbar ist sie nicht.“ Es geht Ihnen mit dieser Zuspitzung darum, wie sich „Linkssein von innen“ anfühlt. Was wissen also nur Linke über Linke? Und was bleibt den anderen verborgen?

MANFRED KLEINE-HARTLAGE: Linke wissen über sich selbst eigentlich überhaupt nichts. Linkssein heißt, sich in einem geschlossenen Gedankenuniversum zu befinden, das sich stets ausweglos in sich selbst zurückkrümmt. Im Zentrum dieses Universums steht die Utopie, deren Wahrheit und absolute Geltung axiomatisch angenommen wird, und die damit das Äquivalent einer Gottheit ist. Dies gilt entgegen dem Anschein nicht nur für Extremisten, sondern auch für sogenannte gemäßigte Linke, für die sogar noch mehr: Während Extremisten von der konkreten Utopie ausgehen, d.h. ihre Gottheit in einem Bild – etwa dem Sozialismus – konkretisieren und dieses anbeten, gilt für die sogenannten Gemäßigten das Bilderverbot: Die Gottheit wird transzendent und unsichtbar (und damit, anders als eine Götzenstatue, auch unzerstörbar), aber sie bleibt das Absolutum, auf das sich die gesamte linke Weltauffassung ausrichtet, einschließlich ihres Politikverständnisses, ihrer Moral, ihres Menschenbildes, ihrer politischen Projekte usw., die allesamt dem Dienst an der Gottheit verpflichtet sind. Die ganze Wirklichkeit wird von der Utopie her und zum Zwecke ihrer Bestätigung interpretiert.

Es handelt sich mithin um ein autistisches Wahnsystem, und es liegt in der Natur der Sache, daß man dieses autistische System als solches nicht durchschauen kann, solange man in ihm lebt (weswegen ich gesagt habe, daß die Linken über sich selbst nichts wissen); aber genausowenig, wenn man nie in ihm gelebt hat. Konservative neigen dazu, schon aufgrund ihres ausgeprägten Sinns für Ritterlichkeit und Fairneß, die moralischen Motive anzuerkennen, die die Linke für sich in Anspruch nimmt, und ihr nur ein zu optimistisches Menschenbild zu bescheinigen; sie tendieren dazu, den instrumentellen Charakter dieser Moral und dieses Menschenbildes zu verkennen. Sie sehen, daß die meisten Linken persönlich keineswegs bösartig sind und sind deshalb immer wieder erschüttert über das Ausmaß an Skrupellosigkeit und Bösartigkeit der Linken als Bewegung. Sie wären weniger überrascht, wenn sie sich klarmachten, daß sie es mit gläubigen Anhängern einer theologisch in sich geschlossenen heidnischen Religion zu tun haben, einer Großsekte von gehirngewaschenen Jüngern.

SEZESSION: Warum gelingt es der deutschen Linken, ihre kulturelle Hegemonie über Jahrzehnte hinweg zu behaupten? Sie sprechen in diesem Zusammenhang von einer „Korruption des Geistes“ …

MANFRED KLEINE-HARTLAGE: Die Linken haben nach 1968 die Zentren der gesellschaftlichen Ideologieproduktion besetzt (Schulen, Universitäten, Medien, Kirchen, Parteien), und dies nicht durch Leistung, sondern durch Personalpolitik, und definieren von dort aus, wer Elite ist (natürlich sie selbst) und wer Plebs (natürlich wir), welche Themen und Perspektiven „seriös“ sind und welche „Stammtisch“, wer zu Wort kommen soll und wem man „kein Forum bieten darf“.

Und da der Mensch Konformist ist, will er – wenigstens durch ideologische Teilhabe – zu den seriösen Eliten gehören und schaltet zu diesem Zweck auch gerne den gesunden Menschenverstand ab. Die Angehörigen der meinungsmachenden Eliten selbst wiederum wissen, daß sie dies nur so lange bleiben, wie sie als zuverlässige Ideologieproduzenten agieren. Was dem geschieht, der sich dieser Rolle verweigert, hat zum Beispiel Eva Herman erfahren müssen. Am Zuverlässigsten ist der, der an das, was er verkünden soll, auch selber glaubt, also wird er sich das Zweifeln ganz von alleine verbieten.

Hinzu kommt die psychologische Bestechung durch das Gutmenschentum, d.h. das befriedigende Gefühl, bereits deshalb ein guter Mensch zu sein, weil man bestimmte politische Ansichten hat. Das alles zusammen ergibt das, was ich mit „geistiger Korruption“ meine. Sie steht am Ende einer Kette von wesentlich handfesteren Formen der Korruption, die von der Spitze der Pyramide abwärts eine abnehmende Rolle spielen.

Weiterlesen auf Seite 2 des Originalartikels…

 

Manfred Kleine-Hartlage

Warum ich kein Linker mehr bin

Reihe kaplaken, Band 33

96 Seiten, gebunden, 8,50 €

Schnellroda 2012

Hier bestellen!

 

Noch ein hervorragender Satz von Manfred Kleine-Hartlage:

„Für einen Intellektuellen gibt es nichts Geileres als rechts zu sein.“

Hinterlasse einen Kommentar

3 Kommentare

  1. Einen Einspruch habe ich zu dieser Aussage:

    „…daß sie es mit gläubigen Anhängern einer theologisch in sich geschlossenen heidnischen Religion zu tun haben, einer Großsekte von gehirngewaschenen Jüngern.“

    Wie uns klar ist, handelt es sich hierbei vielmehr um eine jüdisch inspirierte Religion, wozu auch das mit „gehirngewaschen“ passt, im Gegensatz zu heidnischen europäischen Religionen, die nicht auf Gehirnwäsche beruhten, sondern auf ihrer Übereinstimmung mit unserer wahren inneren Natur (im Rahmen der Erkenntnismöglichkeiten unserer damaligen Vorfahren) – mit unserer unsichtbaren Ideologie.

    Antworten
  2. Dieser Absatz von Manfred aus der zweiten Seite verdient besonders hervorgehoben zu werden:

    Das Internet schafft die Möglichkeit von Gegenöffentlichkeit, die immer noch viel zu wenig und vor allem falsch genutzt wird. Die meisten Leser rechtsalternativer Seiten haben offenbar keine Ahnung, daß sie mit ein paar Mausklicks, einem „Gefällt mir“ bei Facebook, einem „Tweet“ bei Twitter, einem Lesezeichen bei einer Linksammlung zur Verbreitung der Botschaften dieser Seiten beitragen und ihnen zu einem höheren Rang bei den Suchmaschinen verhelfen können. Wenn ich sehe, daß unter manchem PI-Artikel zweihundert Kommentare stehen, aber kaum einer „Gefällt mir“ angeklickt hat, dann sagt das alles über die Internetkompetenz der islamkritischen Szene, und bei den Blogs der Neuen Rechten sieht es eher noch düsterer aus.

    Antworten
  3. Dazu auch das videoi – gesprochen kommt es sehr überzeugend.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: