Die singende Revolution / Und wer nicht singt, der küsst

Dieser Beitrag ist ein Doppelpack aus zwei Artikeln; der erste davon ist The Singing Revolution von Matt Parrott, erschienen am 5. Juli 2011 bei Counter-Currents Publishing/North American New Right und übersetzt von Deep Roots:

thesingingrevolution

DIE SINGENDE REVOLUTION

The Singing Revolution ist ein Dokumentarfilm über den Kampf der winzigen Ostseenation Estland um Souveränität, einer Nation, die das halbe zwanzigste Jahrhundert im Griff des Sowjetimperiums verbrachte. Es ist ein besinnlicher und informativer Film, der entweder nicht erkennt oder sich nicht darum kümmert, daß es eine mitreißende Geschichte des Triumphes einer weißen Nation über eine globale Ideologie ist. Das Meer hellhaariger Patrioten, die als eine unerschütterliche erweiterte Familie in Solidarität gegen eine Ideologie versammelt sind, die in ihrer Zukunft keinen Platz für sie sieht, ist atemberaubend.

Die Geschichte zentriert sich um das Estnische Liederfestival (das Laulupidu), eine Veranstaltung, die mehr als ein Jahrhundert lang alle fünf Jahre veranstaltet wurde und bei der Zigtausende Esten zusammenkommen, um traditionelle Volkslieder zu singen. Sie sangen öffentlich Texte wie „Land meiner Väter / Land, das ich liebe / ich kann dich nicht im Stich lassen“ und rezitierten privat Slogans wie „Eines Tages, komme, was da wolle, werden wir gewinnen“, bis sie ein freies Land waren. Der Erzähler behauptet, es sei „die Geschichte davon, wie die Kultur eine Nation rettet“, womit er der „Singenden Revolution“ das Verdienst zuschreibt, die Ketten der Unterdrückung ohne Hass oder Gewalt zu entfernt zu haben.

Es ist verzeihlich, daß sowohl der nationale Mythos als auch die These des Dokumentarfilms besagen, daß sie den Bolschewismus mit all ihrem Singen besiegt hätten. Immerhin, „wenn 20.000 Menschen ein Lied zu singen beginnen, selbst ohne einen Dirigenten, kann man sie nicht zum Schweigen bringen.“ In Wirklichkeit implodierte der Bolschewismus von selber. Bis dahin waren sowohl die militanten „Waldbrüder“ als auch die verweichlichten Dirigenten gleichermaßen machtlos gegen den einschüchternden globalen Moloch. Es war jedoch auf seine eigene Weise subversiv. Es spielte eine entscheidende Rolle bei der Bewahrung der estnischen Stammesidentität gegen die Auflösung, sodaß es zu einem späteren Zeitpunkt noch ein Estland zum Wiederherstellen geben konnte.

Der aufmerksame amerikanische weiße Nationalist wird diese Darbietung mit mehreren Parallelen zu unserem eigenen Kampf übersät finden. An einer Stelle meint ein Mann: „In der Schule unterrichteten sie einen Haufen Scheiße, aber mein Vater sagte mir, wie es wirklich war.“ Es ist ermutigend zu sehen, wie diese Völker nach weitverbreiteten Gehirnwäschebestrebungen der Regierung so schnell wieder zu Sinnen kommen. Sollte der globale Kapitalismus in ähnlicher Weise implodieren wie der globale Kommunismus, wird unser eigenes Volk dann genauso schnell wieder zu Sinnen kommen? Tun wir Fackelträger alles, was wir können, um ein Gefühl der Identität am Leben zu halten?

Weit gefehlt. Wie sollen wir „sie“ besiegen, wenn wir so viel Energie investieren, „sie“ anzugreifen, und so wenig darin, „uns“ wieder zu Kräften zu bringen? Wenn ein Haufen weißer Nationalisten zusammenkäme und ausreichend durch einen Geist der Kameradschaft bewegt wäre, um in Gesang auszubrechen, was für ein Lied wäre das? Ich vermute, diejenigen von eher neo-konföderierter Sorte haben „Dixie“. Es wurde in Wirklichkeit von einem Yankee über einen Schwarzen geschrieben, der sich nach der Sklaverei sehnt, aber ist immer noch besser als nichts. Und es ist nicht so, daß dies schwierig wäre, wenn eine einzige Person sich die Mühe machte. The Wobblies zogen dies an der Wende zum vorigen Jahrhundert durch, indem sie bloß ein paar populäre christliche Hymnen umtexteten. Es ist nicht schwer.

Wir haben über zweihundertmal so viele Menschen in unserer „Nation“ wie Estland, und doch haben wir kein einziges subversives Volkslied. Dies läßt darauf schließen, daß unser Versäumnis in dieser Abteilung an mehr als bloßem Übersehen liegt. Wir liegen in der praktischen Politik nicht deshalb hinter unseren europäischen Gesinnungsgenossen zurück, weil wir zu unpraktisch sind. Praktische Politik ist das, was Menschen tun, sobald sie inspiriert worden sind, sobald ihre Geister von einem transzendenten Ideal hingerissen sind. Weiße Amerikaner existieren weiterhin in einem abstrakten demographischen Sinn, aber wir sind in einer viel schlimmeren Lage als der, in der sich die Esten befanden. Falls das weiße Amerika nicht bereits spirituell tot ist, so liegt es unzweifelhaft auf dem Sterbebett.

Dieser Film rührte mich fast zu Tränen, und ich empfehle sehr, ihn sich anzusehen. Leider erkannte ich, je mehr ich über ihn nachdachte, umso mehr, daß sie anscheinend irgendetwas haben, das wir nicht haben. All die Pyrotechnik am Fourth of July zusammengenommen kann es nicht mit der explosiven Kraft aufnehmen, mit der diese Esten ausbrechen, wenn sie einstimmig singen. Wir haben Traditionen, die es wert sind, geschätzt und bewahrt zu werden, und wir haben eine Volkserinnerung, die bewahrt werden sollte, aber wir haben kein nationales Lied, weil wir keine nationale Stimme haben, mit der wir es singen könnten.

Und sagt mir nicht, daß es „The Star Spangled Banner“ ist…

Während ich praktische Politik und intellektuelle Projekte befürworte, werden diese nicht vom Fleck kommen, solange man sich nicht mit den metaphysischen Dingen beschäftigt hat. Deshalb betrachte ich Counter-Currents Publishing als so wichtig und ermuntere die Leute dazu, es zu unterstützen. Es ist etwas zutiefst nicht in Ordnung mit Amerika, und es ist mehr, als mit jüdischer Verlogenheit, schwarzer Devianz oder der mexikanischen Invasion begründet werden kann. Letzten Endes resultiert unsere Anfälligkeit gegen diese Probleme aus unserem mangelnden Willen, unseren philosophischen Fehltritten und unserer allgemeinen Dekadenz. Ich bin immer noch weiterhin stolz, ein Amerikaner zu sein, aber ich erkenne, daß es zu meiner Pflicht gegenüber meiner Nation gehört, dabei zu helfen, eine radikal neue Vorstellung von ihr zu gewinnen und sie neu zu beleben. Erst dann, im Gefolge dieser Wiedergeburt, werden wir etwas haben, wovon wir singen können.

*  *  *  *  *  *  *

Ende des Essays von Matt Parrott. Als zweiter Teil folgt nun ein Artikel aus dem GEO-Special August/September 2007 „Baltikum“:

UND WER NICHT SINGT, DER KÜSST

Von Susanne Frömel (Text) und Hardy Müller (Fotos)

viljandi-eeva-lindal

In der Volksmusik hat die baltische Kultur ihre tiefste Wurzel. Gerade Jugendliche begeistern sich für die Lieder der Vorväter. Auf dem Viljandi-Festival in Estland suchen sie ihre Identität. Und jemanden, mit dem sie die vier Tage der Rückbesinnung teilen können.

Als die Sonne untergeht und im Wald die Bühnenlichter zu flackern beginnen, erinnert sich Henri Miller, wie er als Kind im Schoß seiner Mutter auf der Schaukel saß und dem Gesang der Frauen lauschte. Ihre Lieder stiegen in die Luft auf und flatterten davon wie Frühlingsvögel, und mit jedem Schwung der Schaukel, die groß war wie ein Scheunentor, schienen die Stimmen kräftiger zu werden. Er erinnert sich, wie der Wind ihm das Haar zauste, während die Lieder um ihn flogen und ihm Geschichten über die Weite des Meeres und die Mühsal der Ehe erzählten, bis es Zeit war, zu Bett zu gehen. „Auf diese Weise“, sagt Henri Miller, „kam die Volksmusik in mein Leben.“

Millers Finger zupfen am Verschluß einer Bierdose. Er hat rote Augen, der Tag ist lang gewesen. Er ist jetzt 18 Jahre alt, ein knotiger Kerl mit langem Haar und Kinnbart, eigenartig altertümlich, als hätte ihn eine Zeitmaschine aus dem Mittelalter gesogen und in das heutige Estland gespien: mitten hinein in das kleine Viljandi, auf dessen Straßen in diesen Tagen viele Millers unterwegs sind.

Jeden Sommer trifft sich die estnische Jugend in der Kleinstadt im waldigen Süden Estlands zum größten Volksmusikfestival der baltischen Staaten. 300 Künstler spielen dann vier Tage lang auf neun Bühnen, darunter Iren, Basken, Bulgaren und Finnen. Wenn das Wetter gut ist, besuchen 20.000 Menschen das Festival. Auch aus Lettland und Litauen kommen sie angereist. Die Volksmusik wird im ganzen Baltikum nicht nur von schunkelnden Senioren geliebt. Sie ist Teil der Jugendkultur.

Es ist wieder Tag geworden in Viljandi. Das Festivalgelände, ein hügeliger, lichter Wald, liegt mitten in der Stadt. Die Wege zwischen den Bühnen sind von Imbißbuden gesäumt. An vielen gibt es mulgipuder, einen Kartoffel- und Graupenbrei mit Speck, aber auch Döner Kebab und chinesische Nudelgerichte. Einige Verkäufer bieten Filzhüte an und bunte Wickeltücher. Eine mittelalterlich gekleidete Frau verkauft verbrannt schmeckende Mandeln. Einige Jugendliche hocken im Schneidersitz hinter den Buden und essen, andere schlafen im Gras. Die meisten aber klimpern auf irgendeinem Instrument. Ein dicker Geräuschnebel hängt in der Luft, Akkordeon, Maultrommel und Mundharmonika sind zu hören, Gitarren, Geigen und Zither.

„Uns fehlen 50 Jahre kulturelle Entwicklung.“ Die Mandelverkäuferin verwendet ein mittelalterliches Rezept.

„Uns fehlen 50 Jahre kulturelle Entwicklung.“ Die Mandelverkäuferin verwendet ein mittelalterliches Rezept.

Henri Miller räuspert sich und beginnt ein paar Töne zu brummen. Seine Stimme ist tief und klar. Einige Männer lassen sich neben ihm ins Gras sacken und summen mit. Zuschauer auf dem Weg zu den Bühnen bleiben stehen und hören zu. Traditionell werden die schlichten Lieder nach Geschlechtern getrennt vorgetragen. Die Männer singen über Schlachtfelder, die Frauen über die Schönheit der Natur und den Ärger mit den Männern. Miller stimmt eine alte Kriegsweise an: „Wen wird es als Erstes erwischen, den Vater oder den Sohn? Laßt uns Streichhölzer ziehen!“ Die anderen wiederholen die Strophe, bis schließlich der nächste Vorsänger eine weitere hinzufügt. Die ganze Gruppe wirft sich nun in die Wogen des Liedes, dazwischen ist das Zischen vom Öffnen der Bierdosen zu hören. Dies ist der inoffizielle Takt des Festivals.

Die jungen Esten singen die Lieder ihrer Ahnen, als wollten sie das Ungesungene aus fünf Jahrzehnten nachholen; alles zurückbekommen, was in der Zeit der sowjetischen Besatzung verloren ging. Früher habe er andere Vorlieben gehabt, sagt Henri Miller. „Heavy Metal und Rock, aber das hat mir auf Dauer nichts gegeben.“ Erst in der Volksmusik sei er zur Ruhe gekommen. „Man muß die Musik in den Wurzeln spüren.“

Volksmusiker werden nicht reich in Estland, aber sie werden verehrt. Über Hunderte Generationen wurden die einfachen Gesänge eines armen Bauernvolks nur mündlich, singend, überliefert, erst Anfang des 19. Jahrhunderts auf Notenblättern festgehalten. Und als die Esten wenig später darum kämpften, sich aus der Leibeigenschaft des deutschen Adels zu befreien, füllte sich das harmlose Liedgut erstmals mit politischer Bedeutung.

Und dann jagten die Balten mit ihrer „singenden Revolution“ das Sowjetregime davon. 300.000 Esten stimmten 1988 bei einer Demonstration in Tallinn die Hymne „Mu isamaa, mu õnn ja rõõm“ an – Mein Vaterland, mein Glück und meine Freude. Auch Letten und Litauer fanden sich zu Riesenchören zusammen und sangen zum ersten Mal wieder öffentlich jene Texte, die von den Sowjets verboten worden waren.

Die Sowjetmacht hatte den kleinen Liedchen genügend politische Sprengkraft zugetraut, um sie in Archiven zu verschließen. „Während der Sowjetzeit existierten unsere Lieder, wenn überhaupt, nur noch als Instrumentalversionen, von russischen Klassikmusikern arrangiert. Verschnitte, die lächerlich klangen“, sagt Ando Kiviberg, mit 38 Jahren einer der Ältesten in dem Gewimmel. Er hat das Volksmusikfestival 1991 gegründet. Viele Lieder waren da schon fast vergessen. Etwa jenes von einem armen Mann, der einschläft und ein wenig träumt. Als er wieder aufwacht, sind alle schönen Frauen verschwunden. Er findet nur noch eine, die ziemlich hässlich und schmutzig ist. In seiner Not fängt er an, sie zu waschen und zu schrubben. Nachdem er sie abgetrocknet hat, sieht er, daß sie unter all dem Schmutz sehr schön ist. Und so lebten sie glücklich bis ans Ende ihrer Tage.

Es waren Kristjan Pilt und Oliver Laanet vom „Diskreetse Mango Trio“, die das verdächtige Liedchen nach der Revolution wieder ausgruben. „Vielleicht ist es so, daß wir auf das ganz Alte zurückgreifen müssen, weil es dazwischen nichts mehr gibt“, sagt der Gitarrist Pilt, früher ein Rockmusiker. „Uns fehlen ja 50 Jahre kultureller Entwicklung.“ Das kleine Lied für die Moderne zu übersetzen, sei nicht leicht gewesen, denn die traditionellen estnischen Melodien bestehen selten aus mehr als vier Tönen. Ausreichend für spontanen Gesang, schön ganz ohne Instrument. Schwieriger schon, so etwas zeitgemäß klingen zu lassen, gefällig genug für die große Bühne eines Festivals, auf der das Diskreetse Mango Trio sein Konzert gibt. In einer alten Burgruine liegt die Bühne, vor ihrer Rampe tanzen Mütter in langen Röcken mit ihren Kleinkindern. Weiter hinten halten sich Menschen an den Händen und wiegen sich in dem archaischen Rhythmus.

viljandi-wiesenszene

Doch jene Musik, die fernab der Bühnen, ganz nebenbei, gespielt wird, ist für das Festival von Viljandi wichtiger, als es die großen Auftritte sind. Während bei den berühmten baltischen Sängerfesten donnernde Chöre aus mehreren tausend Trachtensängern in riesigen Sportstadien ihr Liedgut schmettern, geht es in Viljandi um die Interpretationskunst des Einzelnen, um seine Variante einer Geschichte. Man berauscht sich hier nicht am Kollektiv.

Eeva Lindal, 17, lehnt an einem Baum und zupft ihre Gitarrensaiten. Mit geschlossenen Augen summt sie, ein lächelnder Engel. Eeva singt von jenem Heimweh, das Menschen befällt, wenn sie dort sind, wo sie keiner versteht. Eine Gruppe deutscher Pfadfinder starrt das blonde Mädchen an. Eigentlich hatten die jungen Männer geplant, durch Estland zu wandern, jeden Tag an einen anderen Ort. Dann brachte ein Zufall sie nach Viljandi. „Erst haben wir gedacht: Volksmusik, wie langweilig“, sagt einer von ihnen. Dann aber sahen sie, wer hier sang. „Guck dir die Mädchen an!“ Und schon bauten sie am Fluß, für einen knappen Euro die Nacht, ihr Zelt auf.

Die bewunderte Eeva öffnet ihre Augen und packt die Gitarre ein. „Die Volksmusik ist in unseren Herzen“, sagt sie und lächelt, „durch sie lernen wir, wer wir sind.“ Sie steigt hinunter in einen kleinen Talkessel, wo gerade die Band „Zetod“ aufttritt. Die Musiker auf der Bühne sind fast noch Kinder, brave Jungen mit akkurat geschnittenen Frisuren; und gekleidet wie ihre Vorfahren. Weiße Hemdblusen mit Stickereien tragen sie, Kniebundhosen und dicke Wollstutzen: die Tracht der Setu, eines winzigen Volkes altgläubiger Christen, das in Estlands tiefstem Osten lebt, an der Grenze zu Rußland. Nur noch 15.000 Köpfe zählend, haben es die Setu doch geschafft, ihre Kultur über schwierige Zeiten hinwegzuretten. Berühmt sind sie für ihren Gesang, der zugleich schwermütig und überbordend glücklich klingt. Es heißt, wer die Setu einmal hat singen hören, werde es sein Lebtag nicht vergessen.

„Die ganze Musik muß raus.“ Die Band „Zetod“ überträgt Melodien der Setu-Minderheit ins 21. Jahrhundert.

„Die ganze Musik muß raus.“ Die Band „Zetod“ überträgt Melodien der Setu-Minderheit ins 21. Jahrhundert.

Zetod spielt die alten Stücke allerdings in einer Punk-Rock-Version. Am Ende jedes Songs springen die Musiker gleichzeitig in die Luft, so wie es die berühmten Rockbands machen. In ihren Liedern geht es um Waschweiber und Männer, die an Ostern zu viel getrunken haben. Die deutschen Pfadfinder tanzen dazu einen ungestümen Ringelreihen, an jeder Hand mittlerweile ein estnisches Mädchen. Staub steigt in dicken Wolken auf und legt sich wie Puderzucker auf die bunten Kleider. Eine weitere lange Nacht beginnt.

Am nächsten Morgen ist das Festivalgelände blitzsauber aufgeräumt. Tautropfen sammeln sich im Gras, auf dem Zeltplatz am Fluß herrscht noch Stille. Nur Eeva Lindal sitzt schon wieder vor ihrem Zelt und spielt Gitarre. „Ich kann nicht anders“, sagt sie, „die ganze Musik in mir muß raus.“ Als die Sonne schon hoch am Himmel steht und alle Feuchtigkeit verdunstet ist, sammeln sich die Jugendlichen wieder auf den Wiesen, und wer nicht singt, der küßt. Die Mädchen sind nun kecker gekleidet, die bunten Röcke höher gerutscht, die Tücher auf dem Kopf verwegener geknotet. Vor der offenen Bühne formieren sich die Ersten zur Musik aus Lautsprechern zum Ringelreihen.

viljandi-tanz

Die Sonne hat den Zenit längst überschritten, als Henri Miller auftaucht. Er stapft mit großen Schritten heran. „Ich muß schnell singen gehen“, ruft er und dreht nach rechts ab. Dort, hinter einem Zaun, hat sich im Garten eines Hauses gerade eine neue Männergruppe zusammengefunden. Eeva Lindal kreuzt Henri Millers Weg, sie hält einen jungen Kerl an der Hand. Die Pfadfinder lehnen im Schatten eines Baumes, erschöpft und glücklich starren sie Eeva nach. Von fern trägt der Wind jetzt Fetzen von Henri Millers Gesang über die Wiese. Die Töne klingen nach Abschiedsschmerz. Miller singt von einem Seefahrer, der sich verfahren hat und den Weg zurück in seinen Heimathafen nicht mehr findet.

*  *  *  *  *  *  *

Das Viljandi Folk Music Festival (Viljandi Pärimusmuusika Festival) findet immer im Juli statt; Konzerttickets können nur online auf der Festival-Webseite http://www.folk.ee/en bestellt werden. Übernachtungsmöglichkeiten sind unter http://www.viljandimaa.ee/turismiinfo aufgelistet (es gibt dort auch eine englische Sprachoption).

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Ein Kommentar

  1. Deep Roots

     /  Oktober 14, 2016

    Das Video vom Auftritt von Ühenkoorid mit dem Lied „Isamaa ilu hoieldes“ beim Laulupidu 2007 war zu der Zeit, als ich Matt Parrotts Artikel für „As der Schwerter“ übersetzte, noch gar nicht im Original enthalten. Das hat Richard von „ahnenreihe“ in einem Kommentar im AdS-Originalstrang gepostet. Offenbar hat Greg Johnson danach in unseren Strang hereingeschaut, Gefallen daran gefunden und das Video nachträglich in den Originalartikel auf Counter-Currents eingefügt.

    Der Titel „Isamaa ilu hoieldes“ bedeutet übrigens laut einer englischen Textübersetzung, die ich einmal im Netz gefunden hatte, ungefähr „Bewahrt die Schönheit der Heimat“. Darin wurde unter anderem auch vor „Wölfen“ gewarnt, die kommen könnten, um Schaden anzurichten, gefolgt von der wiederholten Warnung:

    „Gebt acht,
    gebt acht.“

    Meiner Erinnerung nach war auch das Video mit dem provokanten Auftritt der jüdischen Ekelkröte Roseanne Barr, wo sie die amerikanische Hymne „The Star-spangled Banner“ vor einem Baseballspiel bewußt verhunzend laut und falsch gegrölt und danach auf den Boden gespuckt hatte, ursprünglich nicht im Originalartikel enthalten. Barr hatte hinterher behauptet, sie hätte sich über die Lautsprecheranlage nicht hören können und deshalb einfach „so laut wie möglich“ gesungen, und mit dem Spucken hätte sie bloß eine häufig bei Baseballspielern beobachtete Geste nachgeahmt.

    Dabei war aus der ganzen Art ihres Vortrags, aus der Melodieverzerrung und ihrer Mimik deutlich ersichtlich, daß das als Verarsche gemeint war, und die Art, wie sie das mit dem Spucken gemacht hat, war eindeutig als Beleidigung erkennbar.

    Im Abschnitt „Early Life“ des englischen Wiki-Eintrags über Roseanne Barr steht dies über ihren ethnischen Hintergrund (Übersetzung von mir):

    Barr wurde in Salt Lake City in eine jüdische Arbeiterfamilie geboren. Sie ist das älteste von vier Kindern, die Helen (geb. Davis), einer Buchhalterin und Kassierin, und Jerome Hershel „Jerry“ Barr, der als Verkäufer arbeitete, geboren wurden. Die Familie ihres Vaters waren jüdische Einwanderer aus Rußland, und ihre Großeltern mütterlicherseits waren jüdische Einwanderer aus Österreich-Ungarn und Litauen. Ihr Großvater väterlicherseits änderte seinen Nachnamen bei der Einreise in die Vereinigten Staaten von „Borisofsky“ zu „Barr“.

    Ihre jüdische Erziehung wurde von ihrer frommen orthodox-jüdischen Großmutter mütterlicherseits beeinflußt. Barrs Eltern hielten ihre jüdische Abstammung vor ihren Nachbarn geheim und engagierten sich teilweise in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Barr hat erklärt: „Freitags, Samstag und am Sonntagvormittag war ich eine Jüdin; am Sonntagnachmittag, Dienstagnachmittag und Mittwochnachmittag waren wir Mormonen.“

    In der deutschen Wiki-Version steht überhaupt nichts über ihren jüdischen Hintergrund, den man nur aus der Namensangabe „Hershel ‚Jerry‘ Borisofsky“ für ihren Vater vermuten kann.

    Interessant ist auch der Abschnitt Zimmerman tweet (Übersetzung wieder von mir):

    Im Jahr 2014 reichten die Eltern von George Zimmerman, einem Nachbarschaftswachekoordinator, der dafür bekannt ist, daß er Trayvon Martin erschoß, aber später vom Vorwurf des Mordes mit bedingtem Vorsatz und Totschlags freigesprochen wurde, Klage gegen Barr ein, weil sie am 29. März 2012 ihre Wohnadresse und Telefonnummer getwittert hatte. Barr twitterte angeblich: „Zuerst dachte ich, daß es gut wäre, die Leute wissen zu lassen, daß sich niemand mehr verstecken kann… Wenn Zimmerman nicht verhaftet wird, retweete ich seine Adresse nochmal – gehe vielleicht selbst dorthin.“
    Zimmermans Eltern behaupten, daß Barr bewirken wollte, daß „ein Lynchmob über ihr Haus herfällt“. In der Klage vor dem Seminole County Circuit Court wurden mehr als 15.000 Dollar für die seelische Belastung und das Eindringen in die Privatsphäre gefordert. Im August 2015 wurde in einem abgekürzten Verfahren zugunsten von Barr entschieden.

    So sind sie, die Judendrecksäue und die ihnen hörige Systemjustiz und Showbiz-Schickeria. Aber bei einem noch so kleinen Pipifax, der irgendwelche ausgewiesenen Opfergruppen beleidigt, würde die Systemschlampe Madonna einen bestimmt nicht verteidigen und den Beleidigten sagen, sie sollten sich „verdammt nochmal einen Sinn für Humor zulegen.“ Und jede noch so gerechtfertigte Notwehr wird als „Selbstjustiz“ verdammt, während nichtweiße und linke Aktivisten sich jederzeit das Recht zu Aktionen herausnehmen, die nichts anderes als Selbstjustiz und noch dazu das genaue Gegenteil von Gerechtigkeit sind.

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