Das „jüdische“ Khanat: Geschichte und Religion des Reiches der Chasaren

Aus dem Historie-Magazin „Karfunkel“, Ausgabe Nr. 79 Dezember 2008 – Januar 2009 (einschließlich der Bilder). Der Autor ist dort mit „jpk“ angegeben.

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Als „jüdisches Atlantis“ oder „dreizehnten Stamm“ bezeichnete man das Reich der turkstämmigen Chasaren, die vom 7. bis zum 10. Jahrhundert die Steppen nördlich des Kaspischen und Schwarzen Meeres beherrschten und von denen sich ein Teil zum Judentum bekehrte. Auch die letzte umfangreichere deutschsprachige Publikation zu den Chasaren spricht vom „vergessenen Großreich der Juden“. Tatsächlich stellt die Existenz eines mächtigen Staates mit einem jüdischen Herrscher im Mittelalter ein einzigartiges und faszinierendes Phänomen dar, doch darf die tatsächliche Rolle des Judentums in diesem Steppenreich auch nicht überschätzt werden.

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Im hebräischen Antwortbrief des chasarischen Herrschers Joseph an den am Hof des Kalifen von Cordoba Ab dar-Rahman III. sehr einflußreichen jüdischen Arzt und Gelehrten Hasday ibn Shaprut (ca. 905 – 975) – eine unserer wichtigsten Quellen für die Geschichte der Chasaren – wird erklärt, daß der Urvater der Chasaren von Togarma, einem Sohn des Gosmer und Enkel des Noahsohnes Japhet, abstamme; somit war erfolgreich der Anschluß an die Völkertafel der Genesis hergestellt. Dieser Stammbaum findet sich auch in verschiedenen arabischen Quellen, von denen manche sogar eine Abkunft der Chasaren von Abraham behaupten, der nach dem Tod seiner ersten Gattin Sarah eine Araberin namens Kantura geehelicht habe und mit ihr nach Chorasan im Nordostiran übersiedelt sei, wo sich seine Sippe mit den Chasaren vermischt hätte. Schließlich wurde in manchen Texten auch die Theorie aufgestellt, die Chasaren seien Reste der zehn verlorenen Stämme Israels, also jener Juden, die bei der Eroberung des israelitischen Nordreichs durch die Assyrer 722 v. Chr. verschleppt wurden.

Solche Konstruktionen dienten natürlich dazu, die (in ihrer Oberschicht) nunmehr jüdischen Chasaren mit dem Geschick des Volkes Israel zu verbinden.

Chasaren = Nomaden?

Die moderne Geschichts- und Sprachwissenschaft kommt erwartungsgemäß zu einem anderen Ergebnis: Die Chasaren, deren Namen sich eventuell vom alttürkischen q’azar („Nomade“) ableitet, stellten ein turkstämmiges Volk dar, das sich ab der Mitte des 6. Jh. n. Chr. in den Steppen nördlich des Kaspischen Meeres nachweisen läßt. Dort stand es Anfang des 7. Jh. unter der Oberhoheit des köktürkischen Großreiches, dessen westlicher Khagan um 625 ein Bündnis mit dem byzantinischen Kaiser Herakleios gegen das persische Reich der Sasaniden einging und mit seinen Einfällen nach Transkaukasien zum Sieg der Byzantiner beitrug. Spätere Autoren identifizierten schon diese wertvollen Bundesgenossen mit den Chasaren (während die zeitnaheren Quellen von Türken sprechen), doch stellten sie nur eines – wenn vielleicht auch wichtiges – unter den Völkern im Heer des Khagans dar. Erst als das köktürkische Reich nach 630 zerfiel und das westliche Khaganat 659 von den Chinesen zerstört wurde, konnten die Chasaren, deren Herrscher nun selbst den Titel eines Khagan annahm, eine eigene Machtposition in den Steppen nördlich des Kaspischen und Schwarzen Meeres erringen.

Das Wolgadelta bei Astrachan, in dessen Nähe sich vermutlich auch die chasarische Hauptstadt Itil befand.

Das Wolgadelta bei Astrachan, in dessen Nähe sich vermutlich auch die chasarische Hauptstadt Itil befand.

Die Entstehung des Chasaren-Reiches

Zur Vormacht in diesem Raum wurden die Chasaren um 660, als sie das sogenannte großbulgarische Reich besiegten; Stämme dieses Reiches gelangten nun unter chasarische Oberhoheit, andere wanderten nach Westen, unter anderem an die Donau, wo sie um 680 ein neues Reich begründeten.

Der Sieg über die Bulgaren wird auch im Brief des Joseph als „Gründungsdatum“ chasarischer Herrschaft erwähnt. Das Zentrum der chasarischen Macht lag damals im heutigen Daghestan nördlich des Kaukasus, wo die Städte Balanjar (vermutlich am Mittellauf des Sulak in Daghestan, heute in einem Stausee verschwunden) und Samandar (vermutlich nahe der heutigen Hauptstadt Machatschkala) die wichtigsten Stützpunkte der Chasaren darstellten.

Diese Region befand sich unmittelbar an der Grenze zum arabischen Kalifat, das seit 640 seinen Einflußbereich nach Armenien, Georgien und ins kaukasische Albanien ausdehnte. Am Kaukasus stieß die muslimische Expansion aber an ihre Grenzen, während die Chasaren ab 685 mehrmals in die Gebiete südlich des Gebirgskammes einfielen und den Arabern und ihren Vasallen Niederlagen beibrachten; „[…] sie dehnten ihre Raubzüge aus und griffen unser Land Armenien an, besetzten viele Gebiete und Städte, und brachten Beute und Sklaven zurück in ihr Land“, heißt es dazu beim armenischen Historiker Lewond. Somit wurden die turkstämmigen Machthaber in der Steppe erneut zu einem wertvollen Bündnispartner der Byzantiner, deren Reich von den Arabern hart bedrängt wurde. Andererseits stießen die Interessensphären Konstantinopels und der Chasaren in der Region um die Halbinsel Krim aufeinander, wo die Khagane die Städte Samkarsch-Tmutorakan, Bosporus (Kertsch) und Phanagoreia unter ihre Herrschaft bringen konnten; deshalb lagen Kooperation und Konfrontation zwischen Byzanz und Chasarenreich oft nahe beieinander, wie auch eine beim Historiker Theophanes überlieferte Geschichte zeigt: Als 695 der gestürzte byzantinische Kaiser Justinian II. nach Cherson auf der Krim floh, trat er, da ihm die Bewohner der Stadt kein Asyl gewähren wollten, in Verhandlungen mit dem Khagan der Chasaren. Der nahm ihn in seinem Reich auf und gab ihm seine Schwester zur Frau, die getauft wurde und den Namen Theodora erhielt. 704/705 wandte sich aber der amtierende Kaiser Tiberios II. an den Khagan und versprach reiche Geschenke, würde ihm Justinian lebend ausgeliefert oder doch zumindest dessen Kopf zugesandt werden. Als Justinian erkannte, daß sein Schwager gewillt war, das kaiserliche Angebot anzunehmen, floh er ins noch junge Reich der Donaubulgaren, mit deren Hilfe er den Thron in Konstantinopel zurückerobern konnte. Wieder an der Macht, trachtete er nun nach Rache und ließ eine Flotte gegen Cherson und die Krim vorrücken. Die Stadt aber suchte die Hilfe des Khagans, der einen mit dem alttürkischen Titel Tudun bezeichneten Repräsentanten nach Cherson entsandte. Am Ende schlug der Angriff des Kaisers nicht nur fehl, mit chasarischer Hilfe konnte der Feldherr Philippikos Bardanes sogar einen Putsch versuchen und 711 erfolgreich Justinian II., der diesmal sein Leben lassen mußte, vom Thron stoßen.

Eine chasarische Riemenzunge aus Bronze, 1. Hälfte des 8. Jh.

Eine chasarische Riemenzunge aus Bronze, 1. Hälfte des 8. Jh.

Die Beziehungen zwischen Chasaren und Byzanz blieben eng. Als die Chasaren im Jahr 730 den Arabern bei Ardabil im heutigen Nordwestiran erneut eine Niederlage beibrachten, erbat Kaiser Leon III. kurz darauf für seinen Sohn Konstantin (V.) eine Tochter des Khagans zur Frau, die 732/733 unter dem Taufnamen Eirene den Thronprinzen ehelichte und zur Mutter des Kaisers Leon IV. mit dem Beinamen „der Charase“ (775 – 780) wurde. 737 aber erlitten die Chasaren gegen den arabischen Feldherrn und späteren Kalifen Marwan ibn Muhammad eine schwere Niederlage; die muslimischen Truppen drangen weit über den Kaukasus in die chasarischen Kerngebiete vor und zwangen schließlich den Khagan und sein Gefolge sogar zur Annahme des Islams. Diese Konversion blieb zwar Episode, doch verlagerten die Khagane wohl um diese Zeit ihr Reichszentrum aus Daghestan an die untere Wolga, die die Chasaren als Itil („Großer Fluß“) bezeichneten und wo sich vorher schon die Winterweiden des Khagans befunden hatten. Dort entstand nun eine große Residenzstadt, die ebenfalls den Namen Itil erhielt.

Chasarische Speerspitzen aus Eisen, 7.-9. Jh.

Chasarische Speerspitzen aus Eisen, 7.-9. Jh.

In den folgenden Jahrzehnten unternahmen die Chasaren zwar weitere Plünderungszüge nach Transkaukasien, doch gestalteten sich die Beziehungen zum Kalifat allmählich friedlicher. Währenddessen gewann der Handel zwischen den reichen arabischen Städten und den ost- und nordeuropäischen Gebieten, dessen Routen von den Chasaren kontrolliert wurden, an Bedeutung. Entlang der Wolga expandierten die Chasaren nach Norden, ebenso nach Westen in die Ukraine und Südrußland und machten die dortigen slawischen Stämme tributpflichtig. Auf der Krim brachte man das Reich der Krimgoten in Abhängigkeit, das um 787 – wohl mit byzantinischer Hilfe – einen erfolglosen Aufstand gegen die Chasaren unternahm. So erreichte das Chasarenreich nach dem Jahr 800 einen Höhepunkt seiner Macht, befand sich aber in wechselnden Beziehungen zu den benachbarten Großmächten, dem christlichen Byzanz und dem muslimischen Kalifat.

Das „jüdische“ Khanat“ – die Religionen im Chasarenreich

In mehreren Versionen ist uns die Geschichte von einem Wettstreit der drei großen monotheistischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) am Hof des chasarischen Herrschers überliefert, wobei die Vertreter des Judentums beim Glaubensdisput den Sieg davongetragen und demnach die Chasaren diesen Glauben angenommen hätten – ein Motiv, das wir auch in den Traditionen zum Glaubenswechsel anderer Völker finden. Verschiedene Steppenvölker bekehrten sich im Mittelalter zum Christentum oder Islam, aber einige auch zum Buddhismus oder Manichäismus, wie etwa die Uiguren um das Jahr 762. Tatsächlich ist aber der Prozeß des Übertritts eines Teils der Chasaren zum jüdischen Glauben schwerlich genau zu rekonstruieren, so daß dazu bis heute verschiedene wissenschaftliche Meinungen bestehen.

Sicher ist, daß die Chasaren wie andere Steppenvölker ursprünglich der alttürkischen Religion anhingen, die sich um die Verehrung des Himmelsgottes Tengri zentrierte, unter anderem symbolisiert durch die Sonne; ihm opferte man das wichtigste Tier der Reiternomaden, das Pferd. Nach verschiedenen Quellen verehrten die Chasaren auch heilige Bäume. Ebenso verbreitet waren Elemente des Schamanismus; durch verschiedene Praktiken versuchte man in Ekstase Verbindung mit der Welt der Geister und Vorfahren aufzunehmen. Hierher gehören auch die Schilderungen, wonach ein Khagan bei seiner Thronbesteigung so lange gewürgt wurde, bis er kaum mehr am Leben war, und in diesem Zustand dann als Orakel diente, das die Zahl seiner Regierungsjahre vorhersagen sollte – eine Praxis, die auch in späterer Zeit für türkische Völker in Zentralasien belegt ist.

Nach der Bekehrung der herrschenden Gruppe zum Judentum blieb der alte Glaube bei den Chasaren vor allem in der einfachen Bevölkerung weiter verbreitet. Das wichtige tributpflichtige Volk der Burtasen soll im 10. Jh. sogar in seiner Gesamtheit weiter der „heidnischen“ Religion angehangen haben.

Die Chasaren waren schon früh Ziel christlicher Missionsversuche; im Jahr 681/682 entsandte der Fürst des kaukasischen Albanien Varaz Trdat den Bischof Israel zu den „Hunnen“ nördlich des Kaukasus, also vielleicht jenen nunmehr unter chasarischer Oberhoheit stehenden hunnischen Gruppen, die sich nach dem Verfall des Attilareiches in dieses Gebiet zurückgezogen hatten. Dort brachte Israel laut dem Geschichtswerk des Moses Daschuranci einen Fürsten namens Alp Elteber, Schwiegersohn des chasarischen Khagans, und sein Gefolge von ihrem „schmutzigen heidnischen Kult“ und der Verehrung „des riesigen wilden Untiers […] Tengri“ ab und bekehrte sie zum Christentum. Tatsächlich erhalten wir immer wieder Nachrichten über christliche Gemeinden im Chasarenreich, die Stadt Samandar soll im 10. Jh. großteils christlich gewesen sein. Der Kontakt zu Christen fand sowohl im Kaukasus als auch auf der Krim statt, wo christliche Städte unter chasarische Herrschaft gelangten. Der vormalige Muslim Abo von Tbilisi wurde sogar um 782 als Flüchtling im Chasarenreich getauft; in seiner Vita wird aber auch berichtet, daß der Chasarenherrscher und sein Gefolge um diese Zeit noch „Heiden“ (also auch noch nicht Juden) waren.

Ein besonderes Interesse an einer Christianisierung der Chasaren hatte natürlich das byzantinische Reich, in dessen Bistumsverzeichnissen wir eine Metropolis Gotthia mit Hauptsitz in der krimgotischen Hauptstadt Dory und Bischöfen im gesamten Chasarenreich und seiner Hauptstadt Itil finden. Ob diese Metropolis so jemals existierte oder nur einen ambitionierten Plan darstellte, ist unklar. Im Jahr 860 wurden die nachmaligen „Slawenapostel“ Kyrill-Konstantin und Method an den chasarischen Hof entsandt, wo auch laut ihrer Vita ein Wettstreit der drei Religionen stattgefunden habe – tatsächlich waren zu dieser Zeit die Führer der Chasaren aber wohl schon Juden geworden, wie wir sehen werden.

Das letztliche Scheitern der Bekehrungsversuche und die Konversion zum Judentum mögen zur Entfremdung zwischen Byzanz und dem Chasarenreich beigetragen haben, denn im 10. Jh. standen die beiden Reiche dann des öfteren im Konflikt miteinander (siehe unten). Größere christliche Gemeinden gab es aber weiterhin an vielen Orten des Chasarenreiches, auch in Itil.

 Chasarische Streitaxt aus Eisen, 8.-9. Jh.

Chasarische Streitaxt aus Eisen, 8.-9. Jh.

Wie wir bereits gesehen haben, kamen die Chasaren auch mit dem Islam frühzeitig in Kontakt, doch mögen die über ein Jahrhundert andauernden Kriege im Kaukasus die Entstehung muslimischer Gemeinden im Chasarenreich behindert haben – die Zwangsbekehrung nach der Niederlage von 737 blieb ohne nachhaltige Wirkung. Als sich die Beziehungen aber entspannten und der Handelsverkehr intensiver wurde, brachten zahlreiche muslimische Händler neben ihren Waren auch ihren Glauben mit.

Eine besondere Rolle spielten ab dem Ende des 8. Jh. muslimische Söldner aus dem Gebiet von Choresm in Zentralasien, die der Khagan in großer Zahl (angeblich bis zu 7000 Mann) in sein Heer aufnahm und so seine Stellung gegenüber den Aufgeboten der Mächtigen der Chasaren und anderer Stämme stärkte. Diesen Söldnern soll versprochen worden sein, daß sie nie gegen Muslime kämpfen müßten – und tatsächlich kam es ja nach dieser Zeit zu keinen großen Kriegen mehr zwischen Chasaren und Arabern.

Die Präsenz zahlreicher Muslime führte auch zum Übertritt nicht weniger Christen zum Islam; laut arabischen Berichten soll es in Itil im 10. Jh. über 10.000 Muslime und 30 Moscheen gegeben haben. In großer Zahl traten Anfang des 10. Jh. die den Chasaren tributpflichtigen Wolgabulgaren und ihre Fürsten zum Islam über, wie wir aus einem Bericht des arabischen Diplomaten Ibn Fadlan wissen, der um das Jahr 922 zu den Bulgaren reiste, die sich an den Kalifen um Unterstützung gegen die Chasaren gewandt hatten.

Das Judentum soll laut dem Brief des Joseph erstmals durch den Heerführer Bulan (türk. für „Hirsch“) – der mit dem Sieg über die Araber bei Ardabil im Jahr 730 in Verbindung gebracht wird – im Chasarenreich Verbreitung gefunden haben. Tatsächlich existierten alte jüdische Gemeinden, über die sich der Glauben bei den Chasaren verbreiten konnte, sowohl in Georgien und Armenien als auch auf der Krim, doch von einer Bekehrung größerer Teile der Chasaren oder gar der Führungsschicht kann (obwohl dies einige moderne Autoren behaupten) zu diesem Zeitpunkt noch keine Rede sein; alle Quellen bezeichnen sie im 8. Jh. noch als „Heiden“. Eine Festigung soll laut Joseph das Judentum dann um das Jahr 800 unter dem den Namen eines alttestamentarischen Propheten tragenden Herrscher Obadja erfahren haben, der Rabbiner ins Land gerufen und Synagogen und Talmudschulen errichtet habe. Tatsächlich mag die Bekehrung der chasarischen Führungsschicht zu dieser Zeit erfolgt sein. Der arabische Historiker al-Masudi schreibt: „Der König der Chasaren war schon zu der Zeit des Kalifats von Harun al-Raschid (786-809) Jude geworden, und zu ihm waren Juden aus allen Ländern des Islam und aus dem Land der Griechen (= Byzanz) gezogen.“

Chasarische Silbermünze nach arabischem Vorbild mit der Legende „Moses ist der Bote Gottes“, ca. 837/838 (1999 in Gotland gefunden).

Chasarische Silbermünze nach arabischem Vorbild mit der Legende „Moses ist der Bote Gottes“, ca. 837/838 (1999 in Gotland gefunden).

Einen sicheren terminus ante quem besitzen wir nun durch die 1999 auf Gotland entdeckten chasarischen Nachahmungen arabischer Silbermünzen, die die Aufschrift „Moses (statt Mohammed wie bei den arabischen Münzen) ist der Bote Gottes“ tragen; sie sind in die Zeit um 837/838 zu datieren. Der Übertritt zum Judentum erfolgte also zu Beginn des 9. Jh., wohl auch, um einen übermächtigen Einfluß einer der benachbarten christlichen oder muslimischen Großmächte hintanzuhalten. Neben den erwähnten jüdischen Gemeinden mögen wie beim Islam Kaufleute, vor allem die aus Westeuropa stammenden jüdischen Radaniya, deren Handelsnetz sich vom Atlantik bis in den Orient erstreckte, bei der Verbreitung des Glaubens eine Rolle gespielt haben. Auch der Brief des Hasday ibn Shaprut an Joseph fand aus Spanien über diese Verbindungen seinen Weg an die Wolga.

Das Judentum der Chasaren wird nun vor allem in arabischen Quellen erwähnt, die auch die Befolgung der Gebote wie Beschneidung, Sabbat und Speisevorschriften sowie die Begehung jüdischer Feiertage schildern (entsprechende Hinweise finden sich ebenso im Brief des Joseph). Die Benutzung des Hebräischen am chasarischen Hof belegt die Korrespondenz mit ibn Shaprut, aber auch ein in Cambridge aufbewahrter, im Lagerraum (Genizah) der Kairoer Ben Ezra Synagoge gefundener Brief eines chasarischen Juden, der nach seinem Entdecker Solomon Schechter (1847-1915) benannte „Schechter-Text“.

Doch blieb, folgen wir den Quellen, das Judentum auf die Oberschicht beschränkt, also auf den Herrscher, sein Gefolge, führende Sippen des königlichen Stammes (der sogenannten „weißen Chasaren“) und führende Angehörige weiterer Stämme. Selbst in der Hauptstadt Itil scheinen Islam und Christentum weiter verbreitet gewesen zu sein. Eine Bekehrung größerer Gruppen der Bevölkerung, etwa unter Zwang, zum Judentum wurde von den chasarischen Machthabern gar nicht versucht. Vielmehr trugen sie der religiösen Vielfalt Rechnung und etablierten in Itil je zwei Richter für Juden, Christen und Muslime sowie einen für die „Heiden“, also die Anhänger der alten Religion, wie uns al-Masudi berichtet.

Wirtschaft und Handel im Chasarenreich

Für die chasarischen Reiternomaden stellten ursprünglich ihre Viehherden die ökonomische Grundlage dar, doch umfaßte ihr Reich mit Balanjar und Samandar in Daghestan oder den Orten auf der Krim schon früh Städte mit Handwerksbetrieben und ertragreichen landwirtschaftlichen Anbauregionen. Auf dem Gebiet des Chasarenreiches läßt sich zwischen Don und Wolga archäologisch eine nach den Ausgrabungsstätten von Saltovo und Majaki benannte relativ einheitliche materielle Kultur nachweisen, die sich u. a. durch eine sehr ähnliche Keramik und den Import von Amphoren, die in Städten an der Krim hergestellt wurden, auszeichnet. Inhalt dieser Amphoren war ein weiteres wichtiges Produkt der Krim-Region: Wein.

Auch um die Hauptstadt Itil soll sich eine große landwirtschaftliche Produktionszone befunden haben; dieser durch die Wolga bewässerte grüne Gürtel erstreckte sich laut Thomas S. Noonan über fast 100 km und diente der Versorgung des chasarischen Hofes, Heeres und der Bevölkerung Itils. Im weiteren Umkreis befanden sich dann große Weidegebiete für die Herden, eine wichtige Rolle spielte auch der Fischfang.

Neben der Produktion ihrer Herden. Äcker und Städte hoben die Chasaren von den ihnen unterstehenden Völkerschaften, angeblich mehr als 25 an der Zahl, Tribute in Naturalien ein, wie Felle und Pelze (daneben waren einige dieser Völker auch zur Heerfolge verpflichtet). Diese Rauchwaren konnten einen Preis von bis zu 100 Dinar (arabische Goldmünze zu 4,25 g) für besonders wertvolle Stücke erzielen und stellten eines der wichtigsten Güter des wachsenden Handels mit den reichen Gebieten des Kalifats in Mesopotamien und Persien dar. Daneben wurden von Norden her Metallwaren, Bernstein, Honig, Wachs und vor allem auch Sklaven nach Bagdad und in andere Regionen verkauft, während von dort Kleidung, Schmuck, Waffen, Gewürze und – in großer Zahl – arabische Silbermünzen (Dirhem, ursprünglich zu 2,97 g) nach Ost- und Nordeuropa gelangten. An diesem Handel beteiligten sich muslimische, jüdische, chasarische und in wachsender Zahl skandinavische Händler (die Waräger oder „Rus“). Die Hauptroute verlief im 9. Jh. durch das Kaspische Meer auf der Wolga nach Norden und somit genau durch das chasarische Reichszentrum; über eine kurze Landstrecke, auf der man Schiffe auf Rollen schleppte, gelangte man von der Wolga zum Don und somit zum Schwarzen Meer und nach Konstantinopel. Eine andere Route verlief auch nach Osten Richtung Choresm, Zentralasien und Ostpersien.

Auf alle Waren erhoben die chasarischen Herrscher einen zehnprozentigen Zoll in Itil, das eigentlich aus zwei Städten bestand: In der kleineren Stadt am Westufer der Wolga, in arabischen Quellen als „Charasan“ bezeichnet, befand sich die Residenz des Khagans, in der größeren östlichen Stadt konzentrierten sich die Bevölkerung und die großen Kolonien der Händler samt Synagogen, Kirchen und Moscheen. Alle unsere Informationen zu Itil stammen übrigens aus schriftlichen Quellen, da es nicht lokalisiert und ergraben werden konnte; russische Archäologen behaupteten aber jüngst, in der Nähe von Astrachan auf Spuren der chasarischen Hauptstadt gestoßen zu sein.

Noonan versuchte das Handelsvolumen aufgrund der Hortfunde arabischer Dirhems in Ost- und Nordeuropa zu schätzen und kam auf eine Zahl von 100 Millionen Silbermünzen, die im 9. und 10. Jh. in diese Regionen gelangten – somit dürften die Zolleinnahmen der Chasarenherrscher eine wichtige Rolle bei der Finanzierung vor allem des Söldnerheeres gespielt haben. Jedoch beobachtete Noonan nach dem Jahr 900 eine Verlagerung der Hauptrouten von der chasarisch kontrollierten Handelsstraße durch das Kaspische Meer und die Wolga auf die Route von Zentralasien an die obere Wolga zu den Wolgabulgaren, die sich von den Chasaren unabhängig zu machen suchten. Der Verfall des Kalifats in Bagdad, die Entstehung neuer Machtzentren im Ostiran, aber auch Unruhen im Chasarenreich, das durch diese Veränderung der Handelsströme zusätzlich in Schwierigkeiten geriet, dürften dabei eine Rolle gespielt haben.

Das letzte chasarische Jahrhundert

Im 9. Jh. lassen sich im Chasarenreich nicht nur religiöse Umwälzungen – die Konversion zum Judentum -, sondern auch Veränderungen im inneren Machtgefüge beobachten. Neben dem Khagan erscheint ein Beg genannter Amtsträger, der offenbar die tatsächliche Macht in Händen hielt, während dem Khagan nur mehr repräsentative und vielleicht sakrale Funktionen zukamen.

So berichtet der arabische Reisende Ibn Fadlan im Jahr 922: „Was den König der Chasaren, dessen Name Khagan ist, anbelangt, so erscheint er vor seinen Untertanen nur einmal in vier Monaten. Man nennt ihn den Groß-Khagan. Seinen Stellvertreter nennt man Kaghan Beg, er ist derjenige, welcher die Heere anführt und verwaltet und die Staatsangelegenheiten dirigiert, sie ordnet, bestärkt und Krieg führt“. Dieser Bericht fügt sich in die Theorie vom „nomadischen Doppelkönigtum“ ein, das seinen Ursprung in den religiösen Vorstellungen der Steppenvölker haben soll. Tatsächlich läßt sich eine solche Doppelführung in verschiedener Form bei vielen Nomadenreichen beobachten, doch variieren Entstehungsgeschichte und Funktionsweise stark, weshalb der Historiker Walter Pohl festhält, daß „Herrschaftsteilungen in Steppenreichen ganz verschiedene Wurzeln haben konnten“. Auch bei den Chasaren tritt im 8. Jh. noch der Khagan als alleiniges Oberhaupt auf, erst um das Jahr 840 ist eine Doppelgesandtschaft von Khagan und pech, wie ihn griechische Quellen nennen, nach Konstantinopel belegt. Man hat also mit einer allmählichen Entmachtung des Khaganats zu rechnen, Vergleiche des Begs mit der Rolle der Hausmeier bei den Merowingern wurden gezogen. Inwieweit der Aufstieg der Begs mit dem Übertritt zum Judentum zusammenhängt, ist unklar und in der Forschung strittig; vermutlich handelt es sich auch beim als König (melech) bezeichneten Briefpartner des ibn Shaprut, Joseph, um den tatsächlichen Machthaber, also den Beg der Chasaren.

Gegenstand der um 840 nach Konstantinopel entsandten Mission war die Bitte um Hilfe bei der Errichtung einer Festung am Don, um dort die chasarische Machtposition zu stärken. Diesem Ersuchen kam Kaiser Theophilos, der kurze Zeit später mit der Gründung eines Themas (Militärprovinz) in Cherson auch die byzantinische Herrschaft auf der Krim festigte, nach und entsandte den spatharokandidatos Petronas Kamateros mit Kriegsschiffen zu den Chasaren, wo die Byzantiner den Bau der Festung Sarkel (türkisch „weißes Haus“) am linken Ufer des unteren Don unterstützten. Diese Festung, die sich später zu einer Stadt entwickelte, wurde im Gegensatz zu Itil in den 1930er Jahren ergraben, versank aber später in einem Stausee. Sarkel wurde auf einem 200 m langen und 150 m breiten Rechteck mit bis zu 4 Metern dicken Mauern errichtet; ein Gebäude diente eventuell als Synagoge, doch ist diese Deutung unsicher.

Unsicher und in der Forschung strittig ist auch, gegen wen diese Festung den Don und die nahe Passage zur Wolga schützen sollte. Gegen die warägischen Rus, die ihre Handelsfahrten und Plünderungszüge mehr und mehr ausdehnten, und deren Herrscher laut einer Notiz zum Jahr 839 (in den „Annales Bertiniani“) ebenfalls begann, den Titel eines Khagans und die damit verbundene Oberhoheit über die Völker in dieser Region zu beanspruchen? Gegen die Magyaren, die unter chasarischer Oberhoheit allmählich nach Westen wanderten, im 9. Jh. durch drei aufständische Teilstämme der Chasaren, die man als „Kabaren“ bezeichnete, verstärkt wurden und sich allmählich aus dem chasarischen Reichsverband lösten?

Deutlicher werden die Bedrohungen für die Chasaren mit dem Beginn des letzten Jahrhunderts der Existenz ihres Reiches: Im Jahr 860 unternahmen die Rus ihren ersten Angriff auf Konstantinopel und wurden zu ernsthaften Konkurrenten um die Kontrolle der Flußsysteme und Völkerschaften in Osteuropa. Anfang des 10. Jh. unternahmen sie sogar entlang der Wolga Feldzüge ins Kaspische Meer und plünderten die Länder an dessen Küsten, teils in Absprache mit den Chasaren, teils gegen deren Willen. Die Magyaren lösten sich aus der chasarischen Oberhoheit und zogen nach einer Niederlage gegen die aus dem Osten zugewanderten Petschenegen, die die Region ebenfalls in Unruhe versetzten, 894/895 weiter nach Westen in Richtung der Endstation ihrer Wanderung im heutigen Ungarn. Die Beendigung der Abhängigkeit von den Chasaren planten, wie erwähnt, um 922 ebenso die Wolgabulgaren mit Hilfe des Kalifats. Nun versuchte auch Byzanz, von den inneren Unruhen im Chasarenreich zu profitieren; in der um 950 an seinen Sohn Romanos gerichteten Lehrschrift des Kaisers Konstantin VII. Porphyrogennetos „De administrando imperio“, die auch sonst viele wertvolle Informationen zum Chasarenreich enthält, finden wir sogar eine Anleitung, welche Völker gegen die Chasaren mobilisiert werden könnten: „Die Uzen (die türkstämmigen Ogusen zwischen Kaspischem Meer und Aralsee) sind imstande, den Kampf mit den Chasaren aufzunehmen, weil sie ihre Nachbarn sind, dergleichen auch der Herrscher von Alania. Die neun Gebiete von Chasaria grenzen an Alania, und die Alanen können diese, wenn sie wollen, plündern, großen Schaden anrichten und bei den Chasaren große Not verursachen. Denn aus diesen neun Gebieten stammt der ganze Lebensunterhalt und der Reichtum von Chasaria.“ Um 930 hatten tatsächlich die kurz zuvor von Konstantinopel aus christianisierten, im Westkaukasus lebenden Alanen die Chasaren angegriffen, wurden aber von Aaron, dem Vater des Joseph, besiegt und wandten sich daraufhin wieder vom Christentum ab und dem Chasarenreich zu. Auch die Rus, die ihr Machtzentrum von Nowgorod südlich ins vormals chasarisch kontrollierte Kiew verlagerten, ließen sich von Byzanz gegen die Chasaren in Marsch setzen, wurden aber ebenfalls (vorerst) abgewehrt. Im Gegenzug unterstützten die Chasaren 941 einen Angriff der Rus auf Konstantinopel. Noch konnten die Chasaren also ihre Macht zumindest in den Kerngebieten des Reiches behaupten, doch war die Zahl der äußeren und inneren Gegner auf Dauer zu groß.

Das Ende kam dann aber doch überraschend schnell: Im Jahr 965 unternahm der Fürst der Rus Svjatoslav von Kiew aus einen Feldzug gegen die Chasaren und eroberte und verwüstete Sarkel, Samandar und die Hauptstadt Itil. Zwar konnten die Chasaren mit Unterstützung aus Choresm – um den Preis der Bekehrung zum Islam – nochmals eine Herrschaft in Itil errichten und die Stadt wieder aufbauen, doch ihre Macht war gebrochen. Rus, Petschenegen und Ogusen übernahmen die Kontrolle in den verschiedenen Teilen des Reiches, das Khaganat kam an sein Ende. Für 1030 berichtet der arabische Autor al-Biruni, daß Itil in Trümmern liege.

Der dreizehnte Stamm?

Natürlich verschwanden die Chasaren nicht spurlos. Reste chasarischer Bevölkerung sind bis ins 13. Jh. belegt, für die Krimhalbinsel bürgerte sich im Spätmittelalter sogar der Name „Chasaria“ ein. Auch in der mittelalterlichen jüdischen Literatur, etwa im Werk „Sefer ha-Kusari“ des bedeutenden sephardischen Philosophen und Dichters Jehuda ha-Levi (ca. 1075-1141), dessen Rahmenhandlung Gespräche zwischen dem Chasarenherrscher und Vertretern der aristotelischen Philosophie bzw. des Judentums, Christentums und Oslams bilden, blieb die Erinnerung an das „jüdische“ Reich an der Wolga lebendig. Fraglich sind allerdings die Fortexistenz eines chasarischen Judentums und seine Rolle bei der Entstehung des mittelalterlichen Judentums in Osteuropa. Wie erwähnt, war das Judentum vor allem in der schmalen Führungsschicht der Chasaren verbreitet, während die Masse der Bevölkerung der alten Religion, dem Christentum und, vor allem nach der Niederlage von 965, mehr und mehr dem Islam anhing. Auch läßt die Quellenlage eine Konstruktion einer Kontinuität des Judentums in Osteuropa von den Chasaren zu den Aschkenasim, die im Spätmittelalter vor allem aus Frankreich und Deutschland nach Osteuropa auswanderten, kaum zu.

Dennoch versuchten verschiedene Autoren, etwa der ungarisch-jüdische Autor Arthur Koestler (1905-1983) in seinem 1976 erschienenen Buch „Der dreizehnte Stamm“, die Chasaren als Vorfahren der Aschkenasim und somit als Ahnherren eines großen Teils der heutigen jüdischen Bevölkerung zu postulieren, auch mit Methoden der modernen Genetik (die aber diese These eher widerlegt haben).

Die Existenz eines mittelalterlichen jüdischen Großreiches in Osteuropa wurde auch von den Nationalsozialisten instrumentalisiert, galt ihnen doch die Sowjetunion als Produkt eines „jüdischen Bolschewismus“ und somit auch als Erbe dieses „jüdisch-barbarischen Ostreiches“. In ein ähnliches Horn stößt auch das wegen seiner antisemitischen Aussagen in Deutschland verbotene Buch „Attilas Erben auf Davids Thron“ des Erwin Soratroi aus dem Jahr 1992.

Im Gegenzug bemühte sich die sowjetische Historiographie um ein Herunterspielen der Rolle der Chasaren bei der Gründung Kiews oder der Grundlegung des mittelalterlichen Rußlands. Als Michail Ilarionowitsch Artamow (1898-1972), Ausgräber in Sarkel, die Bedeutung der Chasaren in einem Buch gebührend darstellen wollte, wurde er 1951 vom Parteiorgan Prawda verurteilt. Laut der offiziellen sowjetischen Geschichtsschreibung führte der Widerstand der Ostslawen gegen die „kapitalistischen jüdischen Ausbeuter“ in Itil zur Vereinigung unter dem Thron von Kiew und der Entstehung des russischen Staates. Auch die heutige russische Historiographie tut sich mit den Chasaren und einer fairen Einschätzung ihrer historischen Bedeutung noch schwer.

Es ist wohl die Einzigartigkeit des Chasarenreiches als mittelalterlicher Großstaat mit jüdischer Führungsschicht, das seine Instrumentalisierung für verschiedene Ideologien so verlockend und seine objektive Betrachtung durch die Wissenschaft so schwer macht. Dabei sind noch zahlreiche Fragen offen, deren Beantwortung unser Wissen über das Wesen der mittelalterlichen Welt und der Rolle der Religion in ihr bedeutend erweitern würde.

* * *

Nachbemerkungen von Lichtschwert:

Angeregt wurde ich zur Veröffentlichung dieses Beitrags durch den kürzlich von Osimandia veröffentlichten Zweiteiler Der Mythos von Khasaria – Teil 1 und Teil 2 (unter Verwendung des von ihr übersetzten Artikels Rethinking the Khazar Theory von Dr. David Duke), in dem die Theorie, die heutigen Aschkenasen würden von den Chasaren (oder Khasaren) abstammen, überzeugend widerlegt wird. Da habe ich mich an den obigen Karfunkel-Artikel erinnert und beschlossen, ihn als ergänzende Information hier einzustellen (und auf „As der Schwerter“ zu verlinken).

Die Abstammung der aschkenasischen Juden von den Chasaren ist auch noch aus einem anderen Grund unplausibel: Wenn ihr Reich um das Jahr 1000 herum untergegangen ist, dann hätten sich ihre zum Judentum übergetretenen Eliten schon sehr beeilen müssen, um unter den damaligen Umständen nach Mitteleuropa zu gelangen (ohne unterwegs historische Spuren zu hinterlassen!), sich dort zu etablieren, die mittelhochdeutsche Sprache anzunehmen (die um 1050 entstanden ist und nach 1350 nicht mehr gesprochen wurde) und daraus das Jiddische zu entwickeln.

Es wäre auch müßig, eine von den Anhängern der Chasarentheorie vertretene Wertungsunterscheidung zwischen „guten, semitischen“ Sepharden und „bösen türkischen“ Aschkenasen, die „keine echten Juden“ seien, treffen zu wollen. Wie Andrew Joyce in seinem Zweiteiler Frei zu betrügen: „Jüdische Emanzipation“ und die anglo-jüdische „Cousinhood“ erläutert, waren Sepharden und Aschkenasen in Großbritannien sowieso bis hinauf zu ihren Eliten (die titelgebende „Cousinhood“) miteinander verschwägert und versippt. Beim amerikanischen Judentum, das von Einwanderern aus West- bis Osteuropa abstammt, wird das auch schon ähnlich sein.

Und daß die Nationalsozialisten mit ihrer Einschätzung des Bolschewismus als jüdisch geprägte Bewegung recht hatten, wird unter anderem in Die Feinde zerschmettern wie ein Hammer – Die jüdische Sowjetunion von Juri Lina und im dritten Kapitel von Kevin MacDonalds Buch „Die Kultur der Kritik“, Juden und die Linke, ersichtlich.

*     *     *

(Gefunden: hier)

Siehe auch:

Der Mythos von Khasaria – Teil 1 und Teil 2 von Dr. David Duke, übersetzt und mit eigenen Ergänzungen von Osimandia

Alexiej Shiropajews „Gefängnis der Nation“: Eine ethnonationalistische Geschichte Rußlands von Jaroslaw Ostrogniew

The True Origin of Roma and Sinti von Sándor Avraham, worin der Autor – selber ein Zigeuner – argumentiert, dass die Zigeuner ein verlorener Stamm der Juden sind

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