Tavernenrunde 2: Herbsttaverne 2016

„Rivendell“ (alias Bruchtal) von Dusso (Yanick Dusseault)

„Rivendell“ (alias Bruchtal) von Dusso (Yanick Dusseault)

Als Fortsetzung der Tavernenrunde 1 habe ich hier eine neue Taverne als Treffpunkt für allgemeinen Gedankenaustausch eingerichtet. Passend dazu habe ich als Titelbild eine weitere Darstellung des Künstlers Yanick Dusseault von Elronds Anwesen Rivendell / Bruchtal aus „Herr der Ringe“ verwendet, das in Tolkiens Werk als „Last Homely House“ westlich des Nebelgebirges bezeichnet wurde.

Für diejenigen, die „As der Schwerter“ nicht mehr gekannt haben (und zur Erinnerungsauffrischung für die anderen): Das Vorbild der Tavernenrunden auf „Morgenwacht“ sind die Tavernenrunden in der „Taverne zum Alten Phönix“, die von Deep Roots auf „As der Schwerter“ für denselben Zweck eingerichtet worden sind. Das Vorbild hierfür wiederum waren einerseits die „Kaffeehaus-Stammtische“ auf Kewils altem Blog „Fakten und Fiktionen“ sowie das „Gasthaus zum Alten Phönix“ in Poul Andersons Fantasy-Alternativweltroman „Ein Mitternachtssturm“.

In diesem werden, wie Deep Roots damals erläuterte, einige auch für uns interessante Dinge angesprochen: der Übergang vom heidnischen altenglischen Feenglauben zum Christentum, der „Alte Weg“, das ursprünglichere Christentum und das „Man-selbst-Sein“ im Gegensatz zum freudlosen, nüchternen und selbstgerechten Puritanismus. Die Geschichte spielt zur Zeit Oliver Cromwells, aber in einer anderen Wirklichkeit, in der alles, was Shakespeare geschrieben hat, Realität ist (Shakespeare ist dort der „Große Historiker“). Die „Taverne zum Alten Phönix“ ist ein Gasthaus, das zwischen dieser Welt und anderen (wie unserer) sowie zwischen den Zeiten hin- und herwechselt. Die beiden Helden dieser Geschichte – Prinz Rupert von den königstreuen Cavaliers und der einfache Soldat Will Fairweather –  stoßen darauf, während sie von ihren Feinden verfolgt werden:

   Blitze leuchteten durch das Blattwerk der Bäume und versengten es plötzlich, ließen es weiß auf schwarz hervortreten, während die Kanonade des Donners tobte. Der Wind trug den ersten gewaltigen Regensturz vor sich her; die durch das Gezweig peitschenden Tropfen waren so schnell und so kalt, daß sie auf der Haut brannten.

   Die Bäume wichen einem freien Fleck aus Gras und Blumen. Ein mit Schindeln gedecktes Gebäude erhob sich dort, von ungewöhnlicher Form und Größe, aber mit zwei Stockwerken und – man konnte es gerade eben erkennen – schrägen Enden mit phantasievollen Schnitzereien.

   Rupert blieb stehen. „Wer hat ein solches Haus in der Wildnis errichtet?“ rief er aus.

„Niemand, Myloard, und es wird auch nicht lange hierbleiben.“ Sein Gefolgsmann nötigte ihn, weiterzugehen. Regen stürzte auf sie herab.

   Vor der massiven, bronzebeschlagenen Tür hielten sie an. Über ihr war ein Busch angebracht, und darüber baumelte ein Schild an seinem Träger. „Eine Taverne, in der es Wein gibt“, bemerkte Will inmitten des Lärms. „Nein, warte. Was ist das? Ein blühender Dornenbusch, mitten im Sommer?“

   Rupert besah sich das Zeichen. Das wenige Licht, das es gab, zeigte einen Vogel von seltener Schönheit, mit langem, flammend goldgetöntem Gefieder, der gerade einen Strauß Nelken zu seinem Nest trug, das er gerade baute. „Ein Phönix, kurz vor seinem Tod und seiner Wiederauferstehung“, meinte er. Dieses Namenszeichen ist mir nie zuvor begegnet.“

   „Der Alte Phönix“, hauchte Will. „Das Gasthaus, von dem Puck sprach… war es erst gestern? Sind nicht ganze Lebensspannen seitdem vergangen?“

   „Ho-ah!“ Der Ruf ging unter Wind, Regen und Donner beinahe unter. Unter flammendem Himmel eilte eine Gruppe von Männern mit Hunden herbei.

Rupert und Will treten ein, und kurz danach finden ihre Verfolger nur mehr eine leere Lichtung auf einem gewittergepeitschten Hügel vor.

Drinnen begegnen die Helden dem Wirtspaar und drei Gästen: Clodia Pulcheria aus dem alten Rom, Holger Danske (der in Wirklichkeit aus dem frühen 20. Jahrhundert stammt und auf seinen Zeitreisen ins Mittelalter gelangt ist) und die amerikanische Zeit- und Dimensionsreisende Valeria.

Ein paar weitere Zitate daraus:

Rupert blickte ihn scharf an.

„Seid Ihr der… Besitzer… dieses Alten Phönix?“ fragte er.

Der Mann nickte. „Welches sind Eure Wünsche?“ Lächelnd hob er eine Handfläche. „Nein, laßt mich raten. In Kampf und Verzweiflung habt Ihr den Regen durchquert. Ein Bad, trockene Kleidung, heiße Speisen, ein Schuß Frohsinn, ein Bett, dann ein Frühstück, bevor Ihr wieder geht.“

[…]

„Der einzige Lohn für meine Gastfreundschaft ist es, Leute wie Euch zu treffen, in denen die Sterne vieler Welten und Bestimmungen brennen. Ich liebe es, zuzusehen, wie sie sich begegnen und Geschichten erzählen.“ Und ernster fuhr er fort: „Es ist so, ich kann nicht wirklich Einfluß auf ihr Leben nehmen. Mir scheint zum Beispiel, daß Ihr ziemlicher Gefahr entronnen seid. Nun, Ihr hättet nicht in dieses Haus kommen können, hätte es nicht noch eine andere Zuflucht für Euch gegeben.“

[…]

„Ihr werdet feststellen, daß Eure Mitgäste heute nacht mitteilsam sind. Manchmal haben wir hier mürrische Leute, aber meistens nicht. Hier sind alle gleichermaßen weit jenseits ihrer Welten, und niemand kann durch eine andere Tür wieder gehen, als die, durch die er hineingekommen ist, noch kann er viel mehr mitnehmen als Ruhe, Heiterkeit und Erinnerungen. Daher ist in gewisser Hinsicht alles, was hier passiert, doch nicht so ganz geschehen. Das ist eine Freiheit, der sich nicht wenige bedienen. Bitte hier entlang.“

Dies passt auch sehr gut zu so einem Internet-Treffpunkt für uns Counter-Jewhadis wie damals auf „As der Schwerter“ und jetzt hier auf „Morgenwacht“.

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84 Kommentare

  1. Jouri

     /  Dezember 25, 2016

    Ich wünsche allen Autoren und Mitlesern frohe Festtage und uns allen eine unverhofft freudige Wendung im nächsten Jahr. Nach langer Nacht kommt auch wieder ein neuer Tag. So wie auch nach dem Julfest die Tage wieder länger werden.

    Antworten
  2. Ziemlich aktuell und als kleines Pflänzlein (mit Potential ?), hört euch mal bitte an
    Verlust der Bodenrechte 2017? Auflösung Deutschlands? | Bewusst.TV

    „20.12.2016 – Auflösung Deutschlands? – Holger Ditzel im Gespräch mit Jo Conrad über die Privatisierung hoheitlicher Bereiche und das Bodenrecht in Deutschland. Was bedeutet die Ansage, dass nach den Bundestagswahlen im Herbst 2017 die deutsche Staatsangehörigkeit abgeschafft wird?“

    (und Seite vom 19.12.2016 http://rg-heilsamer-weg.de/ein-wort des Vereins in Gründung)

    Antworten
  3. Fackel

     /  Dezember 29, 2016

    Die Fackel geht von Hand zu Hand,
    Wenn einem sie der Tod entwand,
    nimmt sie der nächste wieder auf;
    der flammende Stafettenlauf
    geht weiter …

    Die Zeit rinnt schnell und niemand frägt,
    wie lang die Fackel jeder trägt.
    Nur daß sie rein und leuchtend brennt
    und daß in ihr ein Herz mitbrennt,
    ist wichtig.

    So tragen wir, auch ich und du
    die Fackel fernen Zielen zu
    ein kleines Stück. Mag hell sie loh’n,
    vor uns im Dunkeln warten schon
    die andern!

    Heinrich Anacker

    Danke, daß es diese Plattform gibt und danke an alle, die hier unermüdlich ihren Beitrag leisten! Als eher stilles Licht freue ich mich dennoch darauf, vielleicht ab und zu einen kleinen sichtbaren Beitrag leisten zu können.

    Antworten
  4. pils

     /  Januar 2, 2017

    @Luftpost
    hier ist ein gutes Video zum Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt

    es behandelt Deine Frage bezüglich der Wendigkeit von LKW’s
    Die Betrachtung der Gedenkstellen und die fehlenden Bilder von den deutschen Opfern ist auch sehr interessant.

    Gefunden habe es bei Lupo-Catico
    https://lupocattivoblog.com/2017/01/02/anatomie-eines-merkwuerdigen-anschlags-auf-einem-weihnachtsmarkt-in-berlin-2016/

    Antworten
  5. @ Pils,

    vielen Dank! Dieses sehr gute Video kannte ich noch nicht. Die Gedenkstättensache war mir auch schon aufgefallen. Ich möchte nicht schlecht über meine lieben Berliner reden, aber Geschmack haben sie nicht.Man könnte glatt meinen, die Arrangements wären von ein und dem selben Blumenladen aufgebaut worden. Jedenfalls entspricht der Stil nicht der Berliner Volksseele.Hätte ich den Auftrag bekommen, ich hätte es typischer hingekriegt..Es ist ja nur ein kleines Detail, aber es zeigt die Arroganz, die in der Nachlässigkeit steckt.

    Es ist seltsam, dass die Berliner nicht den üblichen Krempelkram zum Ort des Schreckens tragen. Sie blieben allerdings auch dem Gedenkkonzert fern, obgleich sonst nichts ausgelassen wird, was umsonst ist. Das ist richtig merkwürdig und kann natürlich schon damit zu tun haben, dass anders als in Frankreich nicht mit Opfergalerien fotogener junger Leute gearbeitet wurde, was für sich genommen auch interessant ist.

    Mir gefällt die stille Zurückhaltung jedenfalls, sie lässt sich ja nicht nur für uns schwer deuten und ich halte sie keinesfalls für einen Ausdruck von „Würdelosigkeit“, wie es ein Autor im „“Freie Welt“ Blog, dessen Name unangenehm ausländisch klingt, schrieb. .

    Ich bin ja immer sehr fürs psychologische.Daher habe ich in mich reingeschaut, an welche Punkt sie mich erwischt haben. Es ist der polnische Fahrer. Ganz tief gibt es da noch eine psychologische Schicht, die mich daran gehindert hat ausgerechnet einem Polen die Heldenrolle zu versagen. Bis mir das jetzt bewusst wurde, schlummerte da offenbar in der Tiefe noch ein Schuldgefühl, das ich auf der Ebene der Vernunft gar nicht mehr habe.Dieses Gefühl dürfte bei vielen Deutschen vorhanden sein und so was wird ja immer gern genutzt.Es ist ja lehrreich, dieses emotionale Einrasten der Programmierung bei sich selbst zu bemerken, aber ich komme mir doch etwas blöd vor.Klick.

    Ich habe mir so gut wie keine Fernsehberichte angeschaut. In den wenigen Schnipseln allerdings hatte ich den Eindruck unentwegt Mützchen in allen möglichen Funktionen zu sehen.Ganz offiziell waren sie auch schon nett im Vordergrund.In der Jüdischen Allgemeinen teilte ein Funktionär mit, der Angriff auf den Weihnachtsmarkt sei der traurige Beleg dafür, dass jüdische Einrichtungen geschützt werden müssen. Klar!

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  6. Nordlaender

     /  Januar 5, 2017

    @ Steinstaffel

    „Heute bin ich auf dieses video gestoßen, in dem in einem Nebensatz auf die flache Erde eingegangen wird und der Grund ist warum ich doch noch etwas dazu schreibe. Ob es so ist weiß ich nicht, aber für möglich halte ich es“

    Da das Format Verschwörungsleugnung mit der Rabbinerlogik arbeitet „Theorie A (Elvis lebt“) falsch – ergo Theorie B (Kennedy, 9/11) falsch, kann ich mir in etwa denken, wer die Flache-Erde-Theorie in die Umlaufbahn gebracht hat.

    Photographien vom äußeren Rand der Scheibe guckte ich mir gerne mal an. Außerdem hoffe ich doch, daß wir hier nicht in der Nähe des Randes leben, sonst bekäme ich Angst vor langen Spaziergängen und einem plötzlichen Absturz.

    Habe dem Wagandt niemals getraut und zugleich trotzdem gute Anregungen von den Tagesenergien bezogen.

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  7. Fackel

     /  Januar 9, 2017

    Antworten

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