Bauernmaler Sepp Hilz: Alliierter Kunstraub?

„Bäuerliche Trilogie: Das Füllhorn“, 1941

„Bäuerliche Trilogie: Das Füllhorn“, 1941

Von Deep Roots, ursprünglich veröffentlicht auf „As der Schwerter“. (Hier nachveröffentlicht anlässlich des 49. Jahrestags des Todes von Sepp Hilz am 30. September 1967.)

 

Von unserer langjährigen Leserin „Serbian Girl“, die ich schon seit Eisvogels „Acht der Schwerter“ kenne, wurde ich auf den deutschen Maler Sepp Hilz (22. Oktober 1906 – 30. September 1967) und seine Bilder aufmerksam gemacht.

„Spätherbst“

„Spätherbst“

Sepp Hilz, der ab 1930 eigene Werke zu schaffen begann, hatte sich auf ländliche Themen spezialisiert und galt daher als „Bauernmaler“.

Sepp Hilz (ganz rechts) mit Annerl Meierhanser, seinem Modell für die „Bäuerliche Venus“.

Sepp Hilz (ganz rechts) mit Annerl Meierhanser, seinem Modell für die „Bäuerliche Venus“.

Im nationalsozialistischen Deutschland war er sehr erfolgreich und wurde, obwohl unpolitisch, von Adolf Hitler und der Reichsführung gefördert und protegiert.

„Bäuerliche Venus“, 1939

„Bäuerliche Venus“, 1939

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Hilz von Hitler in die Liste der „Gottbegnadeten“ aufgenommen, was ihn vor einem Kriegseinsatz bewahrte.

„Nach Feierabend“

„Nach Feierabend“

Nach dem Krieg arbeitete Sepp Hilz als Restaurator beschädigter Kirchengemälde; seine eigenen Bilder zeigten zunehmend religiöse Motive. Obwohl er in der Zeit des Nationalsozialismus unpolitisch gewesen war und auch keine politischen Bilder oder Porträts von Mitgliedern der Reichsführung gemalt hatte, genügte die bloße Tatsache, daß er vom offiziellen nationalsozialistischen Deutschland wohlgelitten war und daß seine Bilder aufgrund ihrer Thematik und auch wegen ihrer Schönheit in jener Zeit populär gewesen waren, daß er in der Nachkriegszeit als Maler keinen Erfolg mehr hatte und seine Werke von der „öffentlichen“ Kunstszene gering geachtet wurden. 1951 beteiligte er sich an einer Münchner Ausstellung, die am öffentlichen Protest beinahe scheiterte und nur durch eine Initiative des bayerischen Bildungsministers durchgeführt werden konnte (siehe hier). Sepp Hilz gab deshalb 1956 das Malen auf.

„Bauernbraut“, 1940

„Bauernbraut“, 1940

„Eitelkeit“, 1940 (Modell: Annerl Meierhanser)

„Eitelkeit“, 1940 (Modell: Annerl Meierhanser)

Trotz der politisch korrekten Geringschätzung von Sepp Hilz’ Bildern im Deutschland der Nachkriegszeit fanden seine Werke jenseits des Atlantiks, wohin sie 1949 – von wem, weiß man nicht – zu einer Sonderschau verbracht wurden, sehr wohl Gefallen, wie der SPIEGEL in seiner Ausgabe 38/1949 berichtet (Auszug):

Drei Zentner Wetterhexe: Frauen und Bauern für Übersee

Zwei Millionen Besucher standen in New York vor Bildern, die im Münchener Haus der Kunst gehangen hatten, als es noch braun war. Den Beamten des US-Collecting-Point ist es ein Rätsel, wer sie übers große Wasser brachte. Die „Wetterhexe“ von Sepp Hilz war auch dabei, drei Zentner schwer.

Die meisten der Bilder, die Sepp Hilz, durch seine haargenau gemalte bäuerliche Venus bis zur Postkartenreproduktion bekannt geworden, im 3. Reich gemalt hat, wurden in New York in einer Sonderausstellung gezeigt. Und fanden Anklang. Die Presse ging mehrspaltig darauf ein.

In Deutschland ist Sepp Hilz inzwischen durch die Spruchkammer gegangen. Der Professorentitel stellte keine Belastung dar. Das Staatsatelier, das Hitler ihm angeblich geschenkt hat, existierte nicht. Und politische Bilder hatte er nicht gemacht.

Sepp Hilz hat sich, nachdem ihm sein Atelier in Bad Aibling genommen war, in seinem ererbten Bauernhaus, wenige Kilometer weiter, niedergelassen. Die Tenne dort hat er zu einem Atelier von beträchtlicher Höhe ausgebaut, mit einer schön geschwungenen Freitreppe, die in die weißgoldene Schnörkelpracht eines Barock-Speisezimmer führt, mit rosigen Putten an der Wand.

[….]

„Das Volk“, meint Hilz, „will vor einem Bild nicht rätselraten, sondern will es verstehen können und sich daran erfreuen. Meine Aufträge aus Südamerika sind ein sicheres Anzeichen dafür.“

„Bäuerliche Trilogie: Die Mägde“, 1941

„Bäuerliche Trilogie: Die Mägde“, 1941

Seit dieser Ausstellung sind viele der dort gezeigten Gemälde verschwunden, und es war zeitweise schwer, an Bilder von Sepp Hilz zu gelangen. Siehe dazu diesen Ausschnitt aus „Sepp Hilz, der Bauernmaler“ von Harm Wulf:

Hilz war nach dem Krieg verbannt – wie alle Künstler, die während der nationalsozialistischen Periode arbeiteten. Viele seiner Werke wurden gestohlen, zerstört, und einige fanden ihren Weg nach Amerika. Leider ist es heute unmöglich, die Qualiät seiner Kunstwerke richtig zu studieren, da sich das Publikum in Stillschweigen hüllte, mit der Ausrede von politischen Gründen. Die wenigen Male, als man seine Werke in Erinnerung bringen wollte, sind an sinnlosen Protesten, bzgl. angebliche Tätigkeit im Regime, von seinen sogenannten Landsmännern gescheitert. Die Tatsache war einfach die, dass er sehr erfolgreich während der nationalsozialistischen Ära war, und dies alleine schon Grund genug, ihn zu bestrafen. Private Sammler sind sehr zurückhaltend wenn sie Malereien von Hilz besitzen; viele dieser Bilder haben heute grossen Sammler-Wert. Ausser Mortimer G. Davidson’s sehr gutem Buch ‚Kunst in Deutschland 1933-1945‘, Pittura, Teil I und II, Grabert Verlag,1989-1994. Grabert Verlag, Postfach 1629, D-72006 Tübingen www.grabert-verlag.de E-mail: grabert-verlag@t-online.de gibt es nichts weiter erwähnenswertes über Hilz. Es existieren weder  Listen, Verzeichnisse, noch Studien oder Ausstellungen seit dem Ende des 2. Weltkrieges. Antiquariate verkaufen oft Kunstzeitschriften dieser Nachkriegszeit, die hier und da Reproduktionen seiner Arbeit zeigen, aber für einen Kunstkenner, der sein Wissen erweitern will, gibt es nur eine Galerie Markt Bruckmühl. (Sonnenwiechser Strasse 12, D 83052 Bruckmühl, Tel: .08062-5307 www galerie-bruckmuehl.de E-mail: webmaster@galerie-bruckmehl.de ) welche Hilz’s Arbeit in der Sammlung „Georg Dorrer“ zeigt: http://www.galerie-bruckmuehl.de/sammlung/sammlung.html.

„Die rote Halskette“, 1942

„Die rote Halskette“, 1942

In der Zwischenzeit sind schon wieder einige seiner Porträts auf dem Kunstmarkt erhältlich (Serbian Girl ist es gelungen, auch ein paar davon zu erwerben), aber die großen Bilder bleiben verschollen. Niemand weiß, wer sie hat.

Da liegt doch der Verdacht sehr nahe, daß hier ein Kunstraub seitens der alliierten Sieger (oder ihrer Hintermänner) stattgefunden hat, der bis heute ungeklärt ist, während der deutschen Seite bis heute Kunstraubvorwürfe um die Ohren gehauen werden, zuletzt im Film „Monuments Men“.

„Der Kuß“

„Der Kuß“

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Den Link zu diesem Video, in dem eine Auswahl der Bilder von Sepp Hilz gezeigt werden, begleitet vom Lied „Es dunkelt schon in der Heide“, habe ich ebenfalls von Serbian Girl:

Es dunkelt schon in der Heide

Es dunkelt schon in der Heide,

Nach Hause laßt uns gehn.

Wir haben das Korn geschnitten

Mit unserm blanken Schwert.

Wir haben das Korn geschnitten

Mit unserem blanken Schwert.

 

Ich hört’ die Sichel rauschen,

Sie rauschte durch das Korn;

Ich hört’ mein Feinslieb klagen,

Sie hätt’ ihr Lieb’ verlor’n.

Ich hört’ mein Feinslieb klagen,

Sie hätt’ ihr Lieb’ verlor’n.

 

Hast du dein’ Lieb’ verloren,

So hab’ ich noch das mein’,

So wollen wir beide mit’nander

Uns winden ein Kränzelein.

So wollen wir beide mit’nander

Uns winden ein Kränzelein.

 

Ein Kränzelein von Rosen,

Ein Sträußelein von Klee,

Zu Frankfurt an der Brücke,

Da liegt ein tiefer Schnee.

Zu Frankfurt an der Brücke,

Da liegt ein tiefer Schnee.

 

Der Schnee, der ist zerschmolzen.

Das Wasser läuft dahin;

Kommst du mir aus den Augen,

Kommst mir nicht aus dem Sinn.

Kommst du mir aus den Augen,

Kommst mir nicht aus dem Sinn.

 

In meines Vaters Garten,

Da stehn zwei Bäumelein;

Das eine, das trägt Muskaten,

Das andere Braunnägelein.

Das eine, das trägt Muskaten,

Das andere Braunnägelein.

 

Muskaten, die sind süße,

Braunnägelein sind schön;

Wir beide müssen uns scheiden,

Ja, scheiden, das tut weh.

Wir beide müssen uns scheiden,

Ja, scheiden, das tut weh.

Diesen Text findet ihr mit geringen Abwandlungen auch hier im Volksliederarchiv – und seht euch bloß an, wozu sich die Betreiber dieses Archivs offenbar moralisch genötigt fühlen, bloß weil sie deutsche Volkslieder präsentieren! (Hinweis: ich meine das Logo links unten in der Randspalte.)

*   *   *   *   *   *   *

Siehe auch:

Sepp Hilz – Part 1 – Fine German (Bavarian) Artist von Brigitte Gastel Lloyd (viele Bilder!)

Monuments Men von Trevor Lynch (Greg Johnson).

Art in the Third Reich: 1933-1945 (Part 2) von Tomislav Sunić (TOO)

Maxfield Parrish und seine Bilder von Lichtschwert

Der Triumph der Schönheit von Kevin Alfred Strom

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