Neue Forschungen über Individualismus und Kollektivismus

Von Kevin MacDonald, übersetzt von Deep Roots.

Das Original Recent Research on Individualism/Collectivism erschien am 25. September 2010 im „Occidental Observer“

 

In kulturübergreifender Perspektive ist das Einzigartige an der europäischen Kultur die Tendenz zum Individualismus. Der Individualismus ist die Basis für die westliche Modernisierung – weshalb der Westen den Rest der Welt dominiert hat. Er ist eng mit einer Reihe von Wesenszügen verbunden, einschließlich demokratischer und republikanischer Regierungsformen, relativ hohem Status für Frauen, relativ niedrigem Ethnozentrismus, moralischem Universalismus und Wissenschaft.

Forschungen über Individualismus/Kollektivismus sind eine ziemlich große akademische Sparte geworden. Kürzliche Forschungen haben genetische Unterschiede zwischen individualistischen und kollektivistischen Gesellschaften herausgefunden und diese Dimension mit Wirtschaftswachstum und Innovation in Verbindung gebracht. Mehrere dieser Stränge kommen in einem Papier von Jurij Gorodnitschenko und Gérard Roland zusammen, „Culture, Institutions, and the Wealth of Nations, herausgebracht vom Center for Economic Policy Research (kurze Online-Version Does Culture Affect Long-run  Growth).

Die Langversion des Artikels hält fest, daß Individualismus/Kollektivismus die „Hauptdimension kultureller Variation“ ist.

Individualismus betont persönliche Freiheit und Leistung. Die individualistische Kultur vergibt daher gesellschaftlichen Status nach persönlichen Leistungen wie wichtige Entdeckungen, Innovationen oder große künstlerische Leistungen. Auf der anderen Seite kann Individualismus kollektives Handeln schwieriger machen, weil Individuen ihre eigenen Interessen verfolgen, ohne kollektive Interessen zu verinnerlichen.

Kollektivismus macht kollektives Handeln leichter in dem Sinne, daß Individuen Gruppeninteressen in größerem Maß verinnerlichen. Jedoch ermutigt er auch zu Konformität und hält Individuen davon ab, sich hervorzutun. Dieser Rahmen impliziert, daß Individualismus zu Innovationen ermutigt, wenn alles andere gleich ist, aber der Kollektivismus sollte einen Vorteil haben bei der Koordinierung von Produktionsprozessen und bei verschiedenen anderen Formen kollektiven Handelns.

Ihr Modell stützt sich auf die Idee, daß kollektivistische Kulturen besser darin sind, Güter zu produzieren, daß aber individualistische Kulturen besser darin sind, Innovationen zu schaffen, die für neue Produkte nötig sind. Individualistische Kulturen sollen daher besser darin sein, Wachstum zu produzieren, aber nicht so gut bei der effizienten Produktion von Gütern, wenn die Technologie einmal vorhanden ist. Zur Unterstützung führen sie mehrere anekdotische Beispiele an, wo technologische Innovationen, die ihren Ursprung in westlichen Gesellschaften hatten, zu Produkten führten, die in Japan effizienter produziert wurden. Als weiteres Beispiel führen sie an, daß General Motors nicht in der Lage war, die auf Konsens und Teamarbeit beruhende Toyota-Kultur in den Vereinigten Staaten einzuführen.

Dieses Bild unten zeigt oben links die weltweite Variation in Individualismus-Kollektivismus, von gelb (individualistisch) bis rot (kollektivistisch).

Individualism-Collectivism-1

Bild oben: Geographisches Zusammentreffen von Serotonintransporter-Gendiversität und kulturellen Wesenszügen von Indivdualismus-Kollektivismus zwischen den Ländern. Graue Bereiche zeigen geographische Regionen, für die keine veröffentlichten Daten verfügbar sind.

(a) Karte der Häufigkeitsverteilung von Individualismus-Kollektivismus.

(b) Karte der Häufigkeitsverteilung der S-Allele von 5-HTTLPR.

(c) Karte der globalen Häufigkeitsverteilung des Vorkommens von Ängstlichkeit

(d) Karte der globalen Häufigkeitsverteilung des Vorkommens von Gemütskrankheiten.

Die Farbskala von gelb nach rot zeigt niedriges bis hohes Vorkommen an.

Aus Chiao und Blizinsky (2009).

Fällt Ihnen etwas auf? Individualismus ist ganz klar ein europäisches Phänomen.

Gorodnitschenko und Roland messen im wesentlichen genetisches Europäertum, indem sie Cavalli-Sforzas (1994) Daten über auf Blutgruppen basierende genetische Distanz verwenden, korrigiert nach dem Prozentsatz einer ethnischen Gruppe in dem Land. Obwohl die Autoren die genetischen Daten als bloße Stellvertreter für die kulturellen Unterschiede sehen, wie man nicht dazuzusagen braucht, sind sie auch Stellvertreter für zugrunde liegende genetische Unterschiede zwischen diesen Kulturregionen, die weit über die Gene für Blutgruppen hinausgehen. Nach ihren Messungen sind die Vereinigten Staaten das individualistischste Land der Welt, sodaß die Länder umso individualistischer sind, je näher sie den Vereinigten Staaten genetisch sind. Dies ist eine starke Korrelation: „Die starke negative Korrelation zwischen genetischer Distanz (berechnet relativ zu den USA, die eine sehr individualistische Kultur hat) und Individualismus legt nahe, daß genetische Distanz ein starkes Instrument sein könnte.

Der Artikel zapft auch kürzliche Forschungsergebnisse an, die auf eine genetische Basis für Individualismus/Kollektivismus hindeuten. Kollektivistische Kulturen werden mit zwei genetischen Markern in Verbindung gebracht, von denen beide die Menschen mehr zu Stress in Abwesenheit der Art von sozialer Unterstützung neigen läßt, wie man sie in kollektivistischen Kulturen findet. Chiao und Blizinsky (2009) fanden in 30 Ländern eine starke Korrelation zwischen Kollektivismus und dem Vorkommen eines kurzen (S-) Allels im Polymorphismus 5-HTTLPR des Serotonintransportergens SLC6A4. Von diesem Allel ist bekannt, daß es das Depressionsrisiko von Individuen erhöht, wenn sie Stressfaktoren im Leben ausgesetzt sind. Die Idee ist, daß kollektivistische Kulturen Individuen vor diesen Risiken schützen, indem sie sie stärker in Gemeinschaften mit starken sozialen Verbindungen einbetten und so starke psychologische Unterstützungsnetzwerke bieten. Daher ist das Gen adaptiver in kollektivistischen Kulturen und wird wahrscheinlich in individualistischen Kulturen ausselektiert.

Hier ist eine weitere Grafik von Chiao and Blizinsky (2009), die wiederum die Reihenfolge von Kulturen hinsichtlich Individualismus-Kollektivismus zeigt, aber auch die Korrelation mit dem Prozentsatz des 5-HTTLPR-Allels.

Individualism-Collectivism-2

Eine weitere (kompatible) Erklärung ist, daß Menschen mit der kurzen Form des Allels sensibler gegenüber gesellschaftlicher Mißbilligung sind, wie in einem neuen Papier von Thomason et al zu finden ist. Menschen mit der kurzen Form des Allels reagierten stärker auf finstere Gesichter – kein guter Wesenszug, wenn man nichtkonformistische Positionen einnimmt. Es ist ein Gen, auf das diejenigen von uns, die öffentlicher Schmähung wegen politisch inkorrekter Ansichten ausgesetzt sind, sehr verzichten können.

Noch ein genetischer Marker für Kollektivismus ist das G-Allel im Polyphormismus A118G im μ-opioid –Rezeptorgen, das zu höherem Streß im Fall sozialer Ablehnung führt. Way und Liebermann (2010) zeigen, daß dieses Gen und andere bisher mit Individualismus/Kollektivismus in Verbindung gebrachte Gene in der Weise wirken, daß sie Menschen sozial sensibler machen. Dies läßt sie wiederum in Abwesenheit der starken sozialen Unterstützung, wie sie in kollektivistischen Kulturen verfügbar ist, mehr zu Depressionen neigen. Zum Beispiel haben Erwachsene, die einen schweren persönlichen Verlust erlitten haben, weniger Aktivierung im μ-opioid –System, was darauf hinweist, daß es für soziale Einbeziehung sensibel ist. Sie weisen auch auf eine genetische Variante im Monoamin-Oxydasesystem hin, die unter Bedingungen sozialer Ausschließung aktiviert wird, obwohl dieses Gen bis dato nicht mit Individualismus/Kollektivismus in Verbindung gebracht worden ist.

Individualism-Collectivism-3

Gestützt auf ein Papier von Fincher et al. schlagen Chiao und Blizinsky vor, daß die weltweiten genetischen Unterschiede hinsichtlich Individualismus/Kollektivismus von der natürlichen Selektion begünstigt wurden, weil Kollektivismus besser ist für die Bekämpfung von Pathogenen wie Infektionskrankheiten und Parasiten. Die Grundidee ist, daß kollektivistische Kulturen weniger offen für neue Menschen sind und daher weniger wahrscheinlich infiziert werden; die Beibehaltung des Status quo ist adaptiv, weil Veränderungen es Seuchen und Parasiten ermöglichen könnten, in die Kultur einzudringen.

Jedoch sollte angemerkt werden, daß Fincher et al. einfach eine Korrelation zwischen Kollektivismus und der Präsenz von Pathogenen finden. Ihre These, warum es eine solche Korrelation geben sollte, beruht auf keinen Daten. Die Autoren halten fest, daß eine Grundkorrelation mit der geographischen Breite besteht. In wärmeren Klimazonen gibt es weniger [?; d. Ü.] Pathogene und mit höherer Wahrscheinlichkeit Kollektivismus. Diese Korrelation ist auch kompatibel mit meinem Argument, daß die europäische Tendenz zum Individualismus das Ergebnis verringerter Bedeutung von gruppenbasierter Konkurrenz für die Vorfahren der Europäer während der Eiszeit ist, weil große auf Verwandtschaft beruhende Gruppen aufgrund der von einem kalten Klima auferlegten ökologischen Einschränkungen nicht zu erhalten waren. Tatsächlich hat die Erklärung des Kollektivismus mit seiner Nützlichkeit bei gruppenbasierter Konkurrenz weit mehr oberflächliche Plausibilität als eine Erklärung, die auf den vermeintlichen Vorteilen des Kollektivismus für die Vermeidung von Pathogenen beruht.

Obwohl nicht in der Studie von Gorodnitschenko und Roland erhalten, ist ein weiteres mit Nichtkonformität verbundenes Gen das 7R-Allel des D4-Dopaminrezeptorgens, das mit dem Streben nach Neuem, Impulsivität und Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung in Verbindung steht. Dieses Allel fehlt in China, obwohl vom 7R-Allel abgeleitete Allele häufig sind. Cochran und Harpending (2009, S. 112) schlagen vor, daß dieses Muster an einem hohen Niveau von Sozialkontrolle liegen könnte, das nichtkonforme Individuen aussortiert. „Die Japaner sagen, daß der hervorstehende Nagel eingeschlagen wird, aber die Chinesen könnten ihn herausgezogen und weggeworfen haben.“

Dieses Szenario der aktiven Unterdrückung von Nonkonformisten paßt nicht gut zur Erklärung mit Pathogenvermeidung, aber es paßt gut zur Wichtigkeit, ein solches Gen im Interesse der Förderung zusammenhaltender Gruppen loszuwerden. In ähnlicher Weise habe ich argumentiert, daß es eine starke Selektion für soziale Konformität innerhalb traditioneller jüdischer Gemeinschaften gab. Menschen, die weniger ethnozentrisch waren, wurden letztendlich aus dem Genpool ausgeschlossen.

Jedenfalls, um zu Gorodnitschenko und Roland zurückzukehren, wurde Innovation an der Zahl der Patente pro Million der Population gemessen. Die Grafik unten zeigt eine starke Korrelation:

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Individualismus versus Patente pro Million Einwohner

Jedoch korrigieren G & R ihre Resultate nicht nach IQ – eine eher erstaunliche Unterlassung, wenn man bedenkt, daß Richard Lynn und Tatu Vanhanens IQ and the Wealth of Nations (2002) starke Beziehungen zwischen ökonomischer Entwicklung und den Messungen nationaler Durschnitts-IQs fanden. Man beachte in der Grafik, daß Japan mit einem hohen Durchschnitts-IQ nach Ermittlung von G & R das höchste Patentniveau hat, aber bei Individualismus/Kollektivismus im Mittelfeld liegt. Israel ist eine weitere Gesellschaft, die im Vergleich zu westlichen Normen relativ kollektivistisch ist (~ 60 auf Hofstedes Index), aber bei den Patenten relativ gut abschneidet. Wir können erwarten, daß China, wenn es seine spektakuläre Entwicklung fortsetzt, ebenfalls steigende Zahlen von Patenten pro Kopf haben wird, angesichts seines riesigen Engagements für Bildung in Grundlagenwissenschaft und Ingenieurswesen.

Andererseits ist oft angemerkt worden, daß wegen der zunehmenden Dominanz des Finanzsektors im Westen kluge Leute zunehmend ins Investmentbanking einsteigen statt ins Ingenieurswesen oder in Grundlagenwissenschaft. Anders als Ingenieurswesen und Grundlagenwissenschaft trägt der Finanzsektor nicht zu Wachstum oder Innovation bei. Tatsächlich zeigt der jüngste Finanzkollaps, der aus Vergehen im Finanzsektor resultierte, daß dieser Sektor durchaus in der Lage ist, einen negativen Effekt auf das Wirtschaftswachstum zu haben.

Außerdem neigen individualistische Kulturen aufgrund von Freihandelspolitik dazu, Arbeitsplätze in kollektivistische Kulturen zu exportieren, die ein starkes Gefühl haben, daß Wirtschaftspolitik im nationalen Interesse entwickelt werden sollte. Als Folge einer unheiligen Allianz zwischen ethnischen Lobbies und Geschäftsinteressen sind individualistische Kulturen auch anfällig für massive Einwanderung sowohl von qualifizierten Arbeitskräften als auch besonders von unqualifizierten mit niedrigem IQ ohne Berücksichtigung der Auswirkungen auf den nationalen Zusammenhalt oder irgendwelche anderen Kosten.

Europäischstämmige Kulturen engagieren sich in Multikulturalismus, und sie werden von Wirtschaftsflüchtlingen aus kollektivistischen Kulturen überschwemmt, die ihre Gründervölker enteignen. Auf lange Sicht ist es ohne eine politische Revolution gegen die nichteuropäische Einwanderung höchst zweifelhaft, ob individualistische Kulturen überleben können. Die hier besprochenen Forschungen zeigen, daß Neigungen zu Individualismus/Kollektivismus auf Genetik beruhen. Die biologische Basis von Individualismus/Kollektivismus, kombiniert mit einer offiziellen Ideologie des Multikulturalismus, bedeutet, daß zu Kollektivismus neigende Menschen ihre kollektivistischen Verhaltensweisen wahrscheinlich sogar als Bürger individualistischer Kulturen fortsetzen werden. Gewiß ist die mangelnde Integration von Moslems in westlichen Gesellschaften ein Paradebeispiel für mangelnde Integration. Und obwohl Juden sich gewiß in vieler Weise assimiliert haben, wahren sie  starke Bindungen zu anderen jüdischen Gemeinschaften, und sie sind hoch organisiert in ihrer Opposition gegen die Interessen von Europäern. Wie anderswo erwähnt, wären Juden ohne Bedeutung, nur daß sie ein starkes Gefühl von Furcht und Abscheu gegen einstige europäische Mehrheiten hegen. Juden sind besonders bedeutend wegen ihres Elitestatus in Sachen Reichtum wie auch wegen ihres Einflusses auf die Medien und den politischen Prozeß.

Wenn Nichteuropäer zur Mehrheit in traditionell europäischen Gesellschaften werden, gibt es keinen Grund anzunehmen, daß sie individualistische politische und kulturelle Institutionen beibehalten werden. Wie man sagt, Demographie ist Schicksal.

 

Kevin MacDonald ist der Herausgeber des „Occidental Observer“ und Professor der Psychologie an der California State University.

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  1. Kletterndes Negerkind – Missing Link | dagtatmax

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