Mythen und die russischen Pogrome, Teil 3 – Die jüdische Rolle

Von Andrew Joyce, übersetzt von Deep Roots. Das Original Myth and the Russian Pogroms, Part 3 – The Jewish Role erschien am 13. Mai 2012 im Occidental Observer. Zuvor erschienen: Neubetrachtung der russischen Pogrome im 19. Jahrhundert, Teil 1: Rußlands Judenfrage und Mythen und die russischen Pogrome, Teil 2: Erfindung von Greueltaten.

 

Wir setzen unsere Serie von Essays zur Untersuchung der russischen Pogrome mit diesem Essay über die Rolle fort, die von Juden bei der Provokation zu den Unruhen gespielt wurde. Wie in Teil 2 festgestellt, ist eines der Schlüsselprobleme mit der existierenden Geschichtsschreibung zu den Pogromen (und zu „Antisemitismus“ im Allgemeinen), daß diese Narrative ständig behaupten, daß die Misere der Juden das Ergebnis von nichts weiter als irrationalem Hass war. Juden nehmen in diesem Narrativ eine sanftmütige und passive Rolle ein und haben nichts Schlimmes getan außer Juden zu sein. Es gibt kein Gefühl jüdischer Einwirkung, und man erhält den Eindruck, daß Juden historisch die Fähigkeit gefehlt hat, in der Welt zu agieren. In fast jeder einzelnen akademischen und populären Geschichte der Pogrome akzeptiert der Autor blindlings die Grundannahme (oder hält sie vorsätzlich aufrecht), daß die Juden im Russischen Reich jahrhundertelang gehasst wurden, daß dieser Hass irrational und unbegründet war und daß der Ausbruch antijüdischer Unruhen im späten 19. Jahrhundert eine reflexhafte emotionale Reaktion auf die Ermordung des Zaren und einige Ritualmordvorwürfe war.

Dies ist natürlich weit von der Wahrheit entfernt, aber die Vorherrschaft dieses „Opferparadigmas“ spielt zwei bedeutende Rollen. Erstens ist die jüdische Geschichtsschreibung gesättigt mit Anspielungen auf den „einzigartigen“ Status der Juden, die unter „einzigartigem“ Hass seitens aufeinanderfolgender Generationen von Europäern gelitten haben. Im Wesentlichen ist es die Vorstellung, daß Juden als exemplarisches „schuldloses Opfer“ in der Welt allein dastehen. Auch nur irgendein Gefühl jüdischer Einwirkung zuzulassen – irgendeine Behauptung, daß Juden vielleicht in mancher Weise zu antijüdischen Einstellungen beigetragen haben – heißt, dem Fortbestand dieses Paradigmas zu schaden. In diesem Sinne trägt das „Opferparadigma“ auch stark zum Anspruch auf jüdische Einzigartigkeit bei, und, wie Norman Finkelstein hervorgehoben hat, kann man in vielen Beispielen jüdischer Geschichtsschreibung die Tendenz erkennen, sich nicht so sehr auf die „Leiden von Juden“ zu fokussieren, sondern vielmehr auf die einfache Tatsache: „Juden haben gelitten.“ [1] Als Ergebnis davon bietet das Paradigma keinen Platz für nichtjüdisches Leiden. Einfach ausgedrückt ist das „Opferparadigma“ eine Form von säkularer „Auserwähltheit“. Dieser Aspekt wird völlig zu Recht als nützliches Hilfsmittel im Hier und Jetzt betrachtet. Es gibt vielleicht keine Rasse auf Erden, die ihre Geschichte so sehr zur Rechtfertigung ihrer Handlungen in der Gegenwart benutzt, wie das jüdische Volk. Vom Streben nach Reparationen bis zur Gründung von Nationalstaaten ist jüdische Geschichte eine der Grundsteine, die jüdische internationale Politik in der Gegenwart stützen. Als solche wird jüdische Geschichte sorgfältig konstruiert und erbittert verteidigt. Das Zusammenspiel zwischen jüdischer Geschichte und zeitgenössischer jüdischer Politik ist klar zu erkennen – ich brauche nur die Begriffe „Revisionist“ und „Leugner“ zu erwähnen, um Bilder von Marionettenprozessen und Gefängniszellen heraufzubeschwören.

Zweitens läßt das Weglassen des jüdischen Beitrags zur Entwicklung von Antisemitismus (sei es im dörflichen oder nationalen Rahmen) den Scheinwerfer umso heftiger auf den „Aggressor“ herniederbrennen. Innerhalb dieses Kontexts hat das schuldlose Opfer die Freiheit, die scheußlichsten Vorwürfe zu machen und sich in der Versicherung zu sonnen, daß seine eigene Rolle, und in Erweiterung sein eigener Charakter, unantastbar ist. Das Wort dieses makellosen, einzigartigen, schuldlosen Opfers wird als Fakt genommen – seine Darstellung soll zweifellos mit dem „Aggressor“ verbündet sein. In Teil Zwei untersuchten wir die Art, wie das RJC dieses Konstrukt voll ausnützte, um entsetzliche und unbegründete Greuelgeschichten zu liefern. Allgemeiner gesprochen, sind übertriebene Geschichten von Brutalität seitens Nichtjuden in der jüdischen Literatur und Geschichtsschreibung gang und gäbe und gehen Hand in Hand mit Bildern von taubenhaften Juden. Zum Beispiel hat Finkelstein auf Jerzy Kosinskis The Painted Bird, ein Werk, das jetzt weithin als „der erste größere Holocaust-Schwindel“ anerkannt ist, als Beispiel für diese „Pornographie der Gewalt“ hingewiesen. [2] Die Zwillingskonzepte von jüdischer Schuldlosigkeit und extremer nichtjüdischer Brutalität sind untrennbar aneinander gebunden, und Unterstützer des einen Strangs des „Opferparadigmas“ sind stets Unterstützer des anderen. Nehmen Sie zum Beispiel diesen Hohepriester der jüdischen Auserwähltheit, Elie Wiesel, der Kosinskis Potpourri sadomasochistischer Fantasien als „mit tiefer Aufrichtigkeit und Empfindsamkeit geschrieben“ lobte. [3]

Nachdem wir diesen theoretischen Rahmen geklärt haben, wenden wir unsere Aufmerksamkeit nun der Dekonstruktion des zweiten Strangs des Pogrom-„Opferparadigmas“ zu. Um uns am effektivsten mit der Frage nach der jüdischen Schuldhaftigkeit bei der Verschlechterung der Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden zu befassen, werden wir tiefer stochern müssen, und mit mehr Konzentration, als wir es in Teil Eins unternommen haben. Dieser Essay wird sich auf spezifische Beispiele antijüdischer Unruhen im Russischen Reich vor 1880 befassen, mit einem besonderen Augenmerk auf jüdische Wirtschaftspraktiken, die diesen Ereignissen vorausgingen.

Antijüdische Unruhen im Russischen Reich vor 1880

Aus den oben diskutierten Gründen hat die Mehrheit der jüdischen Historiker lange eine Abneigung gegen die Vorstellung gezeigt, daß jüdische Wirtschaftspraktiken historisch eine bedeutende Rolle bei der Provokation von Antisemitismus gespielt haben. Zum Beispiel behauptet Leon Poljakow in The History of anti-Semitism: From Voltaire to Wagner, daß die Vorstellung von wirtschaftlichem Antisemitismus „ohne echten Erklärungswert“ ist. [4] In ähnlicher Weise hat Jonathan Freedman erklärt, daß wirtschaftlicher Antisemitismus bei der Erklärung antijüdischer Einstellungen nur eine sehr „kleine erklärende Rolle“ spielen sollte. [5] Beide Historiker postulieren, daß Theologie, und in Erweiterung das Christentum (und daher die westliche Kultur) die Quelle und der Ursprung des Antisemitismus ist. Robert Weinberg erklärt in seinem Artikel Visualizing Pogroms in Russian History von 1998 antisemitische Gewaltausbrüche in Osteuropa, indem er behauptet, daß sie das Produkt „der Frustrationen russischer und ukrainischer Landbewohner, Arbeiter und Kleinstadtbewohner waren, die zum Großteil ihre Frustrationen spontan an einem bewährten Sündenbock ausließen, den Juden.“ [6] Weinberg verzichtet auf die Angabe, woraus genau diese „Frustrationen“ entstanden, aber man beachte wiederum die extrem passive jüdische Rolle in seiner Analyse.

Umgekehrt verabsäumen es jene Historiker, die akzeptiert haben, daß wirtschaftliche Fragen eine Rolle bei der Provokation von Antisemitismus gespielt haben, tatsächliche Fallstudien von wirtschaftlich provoziertem Antisemitismus zu betreiben, und ziehen es statt dessen vor, „Images“ oder Stereotypen zu sondieren, die angeblich das Bewußtsein von Nichtjuden durchtränken. Zum Beispiel hat der Professor für Israelstudien an der Universität Oxford, Derek J. Penslar, erklärt, daß wirtschaftlicher Antisemitismus nichts weiter sei als „eine Doppelhelix einander überkreuzender Paradigmen, von denen das erste den Juden mit Almosenempfängern und Wilden assoziiert und das zweite sich Juden als Verschwörer vorstellt, als Führer einer Finanzkabale, die die Weltherrschaft anstrebt.“ [7] Mit der Entscheidung, „Images“ und Konzepte zu studieren statt, sagen wir, einen tatsächlichen Vorfall die die antijüdischen Unruhen von Limerick, betreibt Penslar eine Praxis, die genauso doppelzüngig ist wie jene, die von Poljakow und Freedman betrieben wird. Penslars These erkennt nur oberflächlich die wirtschaftliche Rolle an, während sie in Wirklichkeit mehr Gewicht der Meinung beimißt, daß die europäische Gesellschaft im Verhältnis zu ihren Juden eine Art Neurose erlitten hat. Penslar bietet uns geschickt eine Meinung an, in der Juden und Wirtschaft eine Rolle bei der Entwicklung eines antisemitischen „Images“ spielen, ohne den Juden in etwas anderes als einer passiven Rolle einzusetzen. Penslars „Images“ sind auch ohne Abstufungen – Europäer sehen Juden, wenn sie wirtschaftlich motiviertem Antisemitismus anhängen, entweder als arme Wilde oder als globale Finanziers. Dies trotz der Tatsache, daß die meisten europäischen Landbewohner diese extremen Vorstellungen von Juden einfach nicht brauchten und wahrscheinlich nicht hatten. Ausbeuterische Wirtschaftspraktiken örtlicher jüdischer Kapitalisten, die Existenz örtlicher jüdischer Monopole auf Güter wie Alkohol und die jüdische Praxis der zwischen Eigengruppe und Fremdgruppe unterscheidenden Ethik wären mehr als ausreichend, um antijüdische Ressentiments zu provozieren.

Aber Verweise auf diese Motivation für antijüdisches Handeln fehlen völlig in der jüdischen Geschichtsschreibung über die Ursachen des Antisemitismus, höchstwahrscheinlich, weil sie der Demolierung des „Opferparadigmas“ extrem nahe kommen. Dieser Essay, der sich auf tatsächliche Fallstudien konzentriert (insbesondere die Stadt Odesse), wird argumentieren, daß die antijüdischen Unruhen der 1880er, wie viele Unruhen vor ihnen, von wirtschaftlichem Antisemitismus motiviert waren, und daß dieser wirtschaftliche Antisemitismus seine Ursprünge nicht in der europäischen Psyche hatte, sondern in den täglichen wirtschaftlichen Interaktionen von Juden mit den Nichtjuden von Odessa. Er versucht, die jüdische Rolle wiederzuentdecken und sie in den Vordergrund und in die Mitte zu stellen.

Die erste Unruhe im Russischen Reich, in die Juden verwickelt waren und von der ausreichend Dokumentation erhalten ist, war das Pogrom von 1821 in Odessa. Weinberg hat vom Odessa dieser Zeit ein Bild von einer Art multikulturellem Himmelreich gemalt. Er gibt an, daß die Stadt „von der Anwesenheit deutscher, italienischer, französischer, griechischer und englischer Einwohner profitierte, deren kulturelle und intellektuelle Geschmäcker das einheimische Leben beeinflußten.“ [8] Um die 1820er waren Straßenschilder in Russisch und Italienisch geschrieben, die erste Zeitung der Stadt erschien auf Französisch. Odessa hatte laut Weinberg eine blühende Kunstszene, insbesondere in Bezug auf Theater, Musik und Oper.

Jedoch malt Klier ein radikal anderes Bild von der Stadt und betont insbesondere die ethnische Spannung, die von der zunehmenden jüdischen Ansiedlung in der Stadt geschaffen wurde. Klier erklärt, daß Odessa um 1821 „eine Brutstätte ethnischer, religiöser und wirtschaftlicher Rivalitäten“ war, und, sehr bezeichnenderweise, „eine eindeutig nichtrussische Stadt.“ [9] Weinberg erklärt, daß „die Zahl der Juden, die aus anderen Teilen des Russischen Reiches und aus Galizien im österreichischen Kaiserreich eintrafen, in die Höhe schoß.“ In Odessa waren Juden völlig frei von „gesetzlichen Belastungen und Wohnsitzbeschränkungen.“ [10]

Gewalt brach 1821 aus, als während des griechischen Unabhängigkeitskrieges eine Gruppe von Moslems und Juden Gregor V., den griechisch-orthodoxen Patriarchen in Istanbul, ermordete und danach verstümmelte. Danach flohen viele Griechen mit Gregors Überresten aus Istanbul nach Odessa, wo seine Begräbnisprozession abgehalten wurde. Überlebende Dokumente deuten darauf hin, daß Gewalt ausbrach, als ein großes Kontingent von Odessas jüdischer Population offene Respektlosigkeit gegenüber der Prozession zeigte. [11]

Bei der Beschreibung dieses und nachfolgender Gewaltausbrüche in Odessa muß ich die Leser dazu drängen, sich von der vorgefaßten Meinung zu trennen, daß das jüdische Kontingent der Stadt eine winzige Minderheit war. Jüdische Historiker spielen oft schnell auf einen Minderheitenstatus an, ohne definitive Zahlen zu liefern. John Doyle Klier jedoch informiert uns darüber, daß Juden um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts „fast ein Drittel der Gesamtbevölkerung“ in Odessa ausmachten. [12] Bei der riesigen Population von Griechen und anderen Nationalitäten waren es die Russen, die die „winzige Minderheit“ stellten. Die wirtschaftliche Vorherrschaft in der Stadt war bis zur Mitte des neunzehnten Jahrhunderts die Domäne der griechischen Bevölkerung, die die Versuche zahlreicher anderer Volksgruppen abgewehrt hatten, sich „eine bevorzugte wirtschaftliche Stellung zu sichern oder aufrechtzuerhalten.“ [13]

Als es in den 1850ern einen riesigen Zustrom von Juden gab, trug das Ringen um wirtschaftliche Vorherrschaft zwischen Jude und Grieche, zusätzlich zu historischem religiös-politischem Unmut, zu erhöhter interethnischer Spannung in der Stadt bei. Die griechische Historikerin Evridiki Sifneos informiert uns, daß die frühere Koexistenz „nicht auf gegenseitiger Toleranz beruht hatte. Im Gegenteil, die wirtschaftliche Rezession in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts beschleunigte ethnische Unterscheidungen, und Ressentiment wurde durch den Aufstieg sozialer oder ethnischer Gruppen [hauptsächlich Juden] provoziert, der zur Umverteilung von Ressourcen führte.“ [14] Bis zur Mitte der 1850er hatten Griechen die Kontrolle über den Getreideexport, aber mit der Unterbrechung der Handelsrouten als Folge des Krimkrieges wurden einige örtliche griechische Geschäftsinhaber in den Bankrott getrieben. Die Juden der Stadt, die zuvor hauptsächlich Zwischenhändlerrollen eingenommen hatten, bündelten ihre Ressourcen und kauften diese Unternehmen bereitwillig zu extrem niedrigen Preisen auf. In einem Brief eines griechischen Zeitgenossen heißt es: „Als ich 1864 erstmals nach Odessa kam, wurde ich Getreideaufkäufer für unser Haus, 14 in Moldovanka. Die Mehrheit waren Griechen, mit ein paar russischen Zwischenhändlern. Nun gibt es keine Russen, und was die Griechen betrifft, so kann man sie an den Fingern einer Hand abzählen. Juden sind diejenigen, die den Markt übernommen haben.“ [15] Laut Sifneos nützten Juden die Lage ihrer Gasthäuser in den Dörfern, um sich als Zwischenhändler beim Sammeln des Getreides aus dem umliegenden ländlichen Raum zu etablieren, und zusätzlich „arbeiteten sie enger innerhalb ihres ethnischen Netzwerks.“ [16]

Weinberg erklärt weiters: „Als jüdische Arbeitgeber der Praxis folgten, nur ihre eigenen Leute anzustellen, fanden sich viele griechische Dockarbeiter nun in den Reihen der Arbeitslosen wieder.“ [17] Als 1858 offensichtlich wurde, daß die Juden den Griechen die wirtschaftliche Vorherrschaft entrissen hatten, begannen Fälle von interethnischer Gewalt an Häufigkeit zuzunehmen. 1858 gab es in der Stadt Angriffe gegen griechisches und jüdisches Eigentum und zahlreiche „griechisch-jüdische Schlägereien“, und 1859 eskalierte ein Streit zwischen griechischen und jüdischen Kindern erneut zu einem ausgewachsenen interethnischen Konflikt. Die Gewalt wurde nur dank des Eingreifens der russischen Polizei und der Kosaken beendet. [18] Eine größere Runde griechisch-jüdischer Gewalt fand erneut im Jahr 1869 statt.

Wie beschreiben wir solche Ereignisse? Hält der Ausdruck „Pogrom“ oder „antijüdischer Aufruhr“ im Lichte des Kontexts dieser Unruhen näherer Untersuchung stand? Sicherlich nicht. Man beachte meine Verwendung der Begriffe „interethnische Gewalt“ und „Unruhe, in die Juden verwickelt waren.“ Diese Ausdrücke kommen in der jüdischen Geschichtsschreibung dieser Ereignisse nicht vor. „Antijüdischer Aufruhr“ oder „Pogrom“ sind bloß Bestandteile im Wortschatz des „Opferparadigmas“, das selbst durch den Gebrauch der Worte einen passiven Status erteilt. Flapsig ausgedrückt: wenn Tom und Bill auf der Straße raufen, beschreibt man das nicht als „Gewalt gegen Tom“. Dies verleiht Tom automatisch einen passiven Opferstatus, trotz der Tatsache, daß er den Kampf vielleicht angefangen hat und bestimmt genauso viele Schläge austeilte. Weinberg beschreibt zum Beispiel die Unruhen von 1859 als „antijüdische Aktivitäten“, gibt aber an, daß sowohl „jüdische als auch nichtjüdische Jugendliche sich blutige Schlägereien lieferten.“ [19] Dies ist ein offenkundiger begrifflicher Widerspruch.

Erst 1871 sehen wir während eines besonders schweren Ausbruchs von Unruhen die erste russische Beteiligung an Odessas interethnischer Gewalt. Der verstorbene John Doyle Klier, ehemals Professor für hebräische und jüdische Studien an der Universität Oxford, informiert uns kategorisch, daß die russische Beteiligung am ethnischen Konflikt von 1871 in Odessa ihre Wurzeln in realen, greifbaren wirtschaftlichen Mißständen hatte. Klier erklärt, daß die russische Teilnahme das Ergebnis von „Bitterkeit war, geboren aus der Ausbeutung ihrer Arbeit durch Juden und der Fähigkeit Letzterer, sich zu bereichern und alle Arten von Handel und kommerzieller Tätigkeit zu manipulieren.“ [20] In ähnlicher Weise räumt Weinberg ein, daß es um 1871 „neben den Griechen viele andere gab, die die Juden als wirtschaftliche Bedrohung wahrnahmen.“ [21]

Die Wurzeln der Unruhen von 1871 sind recht greifbar, und es gibt eine beachtliche Menge von Beweismaterial, das darauf hindeutet, daß sie das Ergebnis realer sozioökonomischer Mißstände waren, statt „Images“, „Stereotypen“ oder irgendeiner der anderen üblichen Verdächtigen, die in der jüdischen Geschichtsschreibung vorgebracht werden. Brian Horowitz, Vorsitzender der Jüdischen Studien an der Tulane University, behauptet, daß um 1870 der jüdische wirtschaftliche und soziale Zusammenhalt in Odessa durch die Gründung einer Zweigstelle der Gesellschaft zur Förderung der Aufklärung weiter verstärkt worden war, einer Organisation, die sich der Philanthropie innerhalb der Eigengruppe wie auch „alternativer Politik“ widmete, bei der die Mitglieder „die Regierung nicht als Fürsprecher kontaktierten.“ [22] In dieser Hinsicht war sie der „Kahal light“, und sie hatte eine bedeutende positive Wirkung auf den Reichtum des Judentums in Odessa. Klier stellt fest, daß der jüdische Griff auf das Wirtschaftsleben der Stadt unter diesen Umständen stärker wurde, und daß russische Regierungsberichte von 1871 die Unruhen vor allem der Tatsache zuschreiben, daß „die wirtschaftliche Dominanz der Juden in dem Gebiet abnormale Beziehungen zwischen Christen und Juden hervorbrachten.“ [23] Um 1871 hatte sich die jüdische Dominanz über den Getreideexport hinausbewegt. Ein US-Konsulatsbericht aus diesem Jahr enthüllt das Ausmaß der jüdischen Kontrolle über Odessas Wirtschaftsleben. Er berichtet, daß Juden in der Stadt „sich mit dem Handel beschäftigen und ihre eigene Klasse oder Sekte bevorzugen, das heißt, daß ihre Unternehmenszusammenschlüsse in sehr vielen Fällen fast auf Monopole hinauslaufen. Die häufige Bemerkung lautet daher, ‚alles ist in den Händen der Juden.Ein Haus, ein Pferd, eine Kutsche zu verkaufen oder zu kaufen, eine Unterkunft zu mieten oder einen Kreditvertrag abzuschließen, eine Gouvernante anzustellen und manchmal sogar eine Ehefrau zu heiraten, bedeutet, daß der Jude seinen Prozentanteil als ‚Vermittler’ bekommt. Der arme Arbeiter, der hungrige Soldat, der Landbesitzer, der Geldkapitalist und eigentlich jeder Produzent und jeder Konsument ist in der einen oder anderen Weise verpflichtet, dem Juden Tribut zu zahlen.“ [24]

Verarmte Griechen, Russen und Ukrainer betrachteten zunehmend protzigere Zurschaustellungen jüdischen Reichtums. Tatsächlich erklärt Sifneos, daß zeitgenössische Briefwechsel enthüllen, daß während der Unruhen viele von Odessas Juden den Ärger „dem weitverbreiteten Ressentiment gegen den wachsenden Wohlstand ihrer Gemeinschaft“ zuschrieben. [25] Sifneos informiert uns auch darüber, daß demographische Verschiebungen in der Stadt von extremer Bedeutung bei der Erzeugung von Unbehagen unter nichtjüdischen Bevölkerungselementen waren. Im Einklang mit dem zunehmenden Wohlstand enthüllte die Volkszählung von 1897, daß das Judentum von Odessa in den beiden vorhergehenden Jahrzehnten eine extrem schnelle demographische Explosion durchgemacht hatte, und daß Odessa „schnell zu einer vorwiegend jüdischen Stadt wurde.“ [26] Um dies in irgendeine Art von Perspektive zu bringen: die Volkszählung von 1897 in Odessa enthüllt, daß es zu diesem Datum 5.086 Griechischsprachige, 10.248 Deutschsprachige, 1.137 Französischsprachige und 124.520 Jiddischsprachige gab. Die Volkszählung enthüllte weiters, daß, während fast alle Griechisch- und Französischsprachigen vorwiegend in den Slumgebieten der Innenstadt wohnten, gigantische 54 % von Odessas Juden in den Mittelklassevororten Petropawlowski, Michailowski und Peresipski lebte. [27]

Abschließend gesagt, als 1871 die interethnische Gewalt ausbrach, wurzelte sie nicht in Irrationalität, sondern war ganz offensichtlich, wie Sifneos argumentiert, ein verzweifelter Versuch, „die wirtschaftliche Macht der Juden zu schwächen.“ [28] In diesem Kontext sehen wir die Juden von Odessa aus ihrer passiven Rolle im Schatten der jüdischen Geschichtsschreibung hervortreten, und wie sie im kalten Tageslicht wirklich erscheinen.

Anmerkungen [und danach gibt’s wieder Links!]:

[1] Norman Finkelstein, ‘The Holocaust Industry,’ Index on Censorship, 29:2, S. 120 – 130, S. 124

[2] ebd.

[3] ebd., S. 125.

[4] Leon Poljakow, The History of anti-Semitism: From Voltaire to Wagner (Pennsylvania: University of Pennsylvania Press, 2003) S. viii

[5]  Jonathan Freedman, The Temple of Culture: Assimilation and Anti-Semitism in Literary Anglo-America (Oxford: Oxford University Press, 2002) S. 60.

[6] Robert Weinberg, ‘Visualizing Pogroms in Russian History,’ Jewish History, Vol.12 (1998), 71-92, S. 72

[7] Derek J. Penslar, Shylock’s Children: Economics and Jewish Identity in Modern Europe, (Los Angeles: University of California Press, 2001) S. 13.

[8] Robert Weinberg, ‘Visualizing Pogroms in Russian History,’ Jewish History, Vol.12 (1998), 71-92, S. 73

[9] John Klier, Pogroms: Anti-Jewish Violence in Modern Russian History, (Cambridge: Cambridge University Press, 2004) S. 15

[10] Robert Weinberg, ‘Visualizing Pogroms in Russian History,’ Jewish History, Vol.12 (1998), 71-92, S. 73

[11] John Klier, Pogroms: Anti-Jewish Violence in Modern Russian History, (Cambridge: Cambridge University Press, 2004), S. 16.

[12] ebd.

[13] ebd., S. 15

[14] Evridiki Sifneos, ‘The Dark Side of the Moon: Rivalry and Riots for Shelter and Occupation Between the Greek and Jewish Populations in multi-ethnic Nineteenth Century Odessa,’ The Historical Review, Vol.3 (2006), S. 191

[15] ebd., S.195

[16] ebd., S.196

[17] Robert Weinberg, ‘Visualizing Pogroms in Russian History,’ Jewish History, Vol.12 (1998), 71-92, S. 75.

[18] ebd., S.18

[19] Robert Weinberg, ‘Visualizing Pogroms in Russian History,’ Jewish History, Vol.12 (1998), 71-92, S. 74

[20] John Klier, Pogroms: Anti-Jewish Violence in Modern Russian History, (Cambridge: Cambridge University Press, 2004) S. 21

[21] Robert Weinberg, ‘Visualizing Pogroms in Russian History,’ Jewish History, Vol.12 (1998), 71-92, S. 75.

[22] Brian Horowitz, How Jewish was Odessa? : http://www.wilsoncenter.net/sites/default/files/OP301.pdf#page=17

[23] John Klier, Pogroms: Anti-Jewish Violence in Modern Russian History, (Cambridge: Cambridge University Press, 2004) S. 22

[24] Evridiki Sifneos, ‘The Dark Side of the Moon: Rivalry and Riots for Shelter and Occupation Between the Greek and Jewish Populations in multi-ethnic Nineteenth Century Odessa,’ The Historical Review, Vol.3 (2006), S. 198

[25] Evridiki Sifneos, ‘The Dark Side of the Moon: Rivalry and Riots for Shelter and Occupation Between the Greek and Jewish Populations in multi-ethnic Nineteenth Century Odessa,’ The Historical Review, Vol.3 (2006), S. 193

[26] ebd.

[27] ebd.

[28] ebd.

*   *   *   *   *   *   *

Links:

Holocaust-Gedenken von Irmin Vinson, der sich darin näher mit Jerzy Kosinskis The Painted Bird befaßt

Traditionelle jüdische Ethik von Kevin MacDonald, hinsichtlich der oben erwähnten, zwischen Eigengruppe und Fremdgruppe unterscheidenden Ethik

Dönmeh: Die judeo-islamischen Wendehälse der Türkei hinsichtlich dieser Stelle: „als eine Gruppe von Moslems und Juden Gregor V., den griechisch-orthodoxen Patriarchen in Istanbul, ermordete und danach verstümmelte.“

Sechs Millionen Holocausts von Tanstaafl

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Ein Kommentar

  1. Deep Roots

     /  August 12, 2016

    „Evridiki Sifneos“ – ich liebe es, wenn Griechinnen die klassischen Namen aus der Antike weitertragen! Evridiki ist natürlich die neuzeitliche Form von Eurydike, was übrigens „die weithin Gerechte“ bedeutet.

    Zur Formulierung „Dieser Essay, der sich auf tatsächliche Fallstudien konzentriert“ ist mir diese Stelle aus dem „Buch der fünf Ringe“ des legendären Samurai und Schwertmeisters Miyamoto Musashi, in das ich vor kurzem wieder reingeschaut habe, eingefallen (aus dem Kapitel „Das Buch der Erde“):

    „Der Anführer schließt vom Kleinen auf das Allgemeine. Das ist, wie wenn man aus einem nur einen Fuß hohen Modell eine Monumentalstatue Buddhas anfertigt. Es läßt sich kaum in einzelnen erklären, wie das vor sich geht. Das Prinzip der Schwertkunst ist es, in einem Ding zehntausend Dinge zu erkennen.“

    In vielen Kulturen und Anwendungbereichen gab es also zu allen Zeiten dieses Prinzip, aus dem Kleinen, oder den „Einzelfällen“ auf Allgemeineres, auf breitere Zusammenhänge zu schließen. Aber die jüdische Political Correctness will uns einreden, daß „man nicht verallgemeinern darf“!

    Zum Thema der jüdischen Obsession mit den Kosaken und ihrer Darstellung von deren Rolle in den „Pogromen“ siehe diese beiden Kommentare der Leserin Rosalie aus dem Originalstrang von Tanstaafls Weißer Nationalismus und der Counterjihad (fette Hervorhebungen von mir):

    Für mich ist es unverständlich, warum ein Bully und intellektueller Terrorist wie Takuan Seiyo in der Counterjihad-Gemeinde – und in jeder Gruppe anständiger Menschen – als respektabel betrachtet, akzeptiert und gelobt wird. Verglichen mit Seiyo sieht Larry Auster beinahe wie der gute Samariter aus.

    Jedesmal, wenn ich online einen seiner Kommentare lese, habe ich das Bedürfnis, mich einzumischen, weil mein Kopf beim Anblick von so viel Unehrlichkeit, Gerissenheit und Vernebelung fast vor Zorn explodiert. Im Grunde könnte man alles, was er je geschrieben hat, so zusammenfassen: „Weiße überall haben das Bedürfnis, für die Pogrome, die Kosaken und Auschwitz mit ihrem Selbstmord zu bezahlen – und denkt gar nicht erst daran, zu überleben, solange ihr dieses Böse nicht aus euren Herzen und Köpfen ausgerissen habt.“ Jeder einzelne seiner Essays oder Kommentare beginnt mit ein paar schöntuerischen Absätzen über die Notwendigkeit, die westliche Zivilisation zu retten, und dann kommt er zum Hauptthema zurück: vergeßt nicht die Pogrome, die Kosaken, Auschwitz.

    Es ist nicht nur die durchsichtige Gerissenheit, die meinen Kopf explodieren läßt – sondern auch der unerreichte jüdische Rachedurst. So zu tun, als wollte man die westliche Zivilisation retten, während man die Europäer unaufhörlich an ihre Tradition des „psychotischen Antisemitismus“ erinnert (die schmerzlichste Frage für Weiße – die Holocaustschuld), ist so, als würde man vorgeben, einem Drogensüchtigen zu helfen, während man ihn die ganze Zeit erinnert „und vergiß nie, was für ein Junkie du warst – und du bist für den Rest deines Lebens ein potentieller Junkie.“ Ich ziehe einen ehrlichen Feind jederzeit solch einem destruktiven falschen Freund vor.
    Seiyo läßt mich die Mentalität der jüdischen Sowjetkommissare verstehen, und warum die Juden imstande sind, jede Bewegung zu kapern, in der sie akzeptiert werden, vom Politbüro bis zur Republikanischen Partei, auf Kosten naiver Nichtjuden, die ansonsten mindestens genauso zur Führung befähigt sind wie sie. Die Virulenz, die hypnotische Geschwätzigkeit (so viel wie möglich reden, niemals zum Thema kommen), der Eifer dabei, Gegner durch Verdrehen ihrer Argumente zum Schweigen zu bringen, Rufmord als Hauptmittel zum Stoppen der Debatte, sentimentale Erpressung und Gejammer („meine Eltern, die den Holocaust überlebten“), etc. – all diese Aspekte lassen mich die Mentalität vieler verstehen, von Trotzki bis Alinski, von Horkheimer bis Bernard-Henri Levy.

    Und:

    „Kann man immer noch als Linker betrachtet werden, wenn man anfängt, das Judenproblem zu verstehen?“

    Genau. Wenn Liberale der antizionistischen Sorte voll verstünden, was die jüdische Frage und Fremdgruppen im Allgemeinen implizieren, dann würden sie sich um ethnonationalistische Seiten scharen. Wenn völlige Unabhängigkeit von der Lobby das wäre, was sie wollen, dann würden sie in Scharen für Ron und Paul stimmen. Stattdessen kritisieren sie Israel und die Lobby aus den falschen Gründen: nicht wegen der privilegierten Stellung, die die Juden im Post-WK2-Narrativ einnehmen, sondern weil sie „nazi-artig“ und der „Apartheid-Schurkenstaat“ sind. Sicher, sie wollen den Doppelstandard abschaffen, aber in dem Sinne, daß sie den Westen und Israel auf demselben liberalen Standard halten, während sie das Minderheitenprivileg bewahren und verstärken. Das Ergebnis wird sein, daß die Israelis in den Westen kommen, wahrscheinlich in die USA, als ob wir damit nicht schon genug Probleme hätten.

    Ihr werdet nie erleben, daß ein liberaler Antizionist hierherkommt, weil wir für sie ein ultimatives Übel sind – „Nazis“. Die jüdische Frage kann nur im Rahmen der Ethnopolitik voll verstanden und erklärt werden.

    Re: David Mamet: Mamet kling genau wie Takuan Seiyo: „Ich liebe euer Volk so sehr, ich möchte euch retten… aber Pogrome, Kosaken, Auschwitz“.

    Wenn ich es mir recht überlege, dann wäre das Komischste, was auf GoV passieren könnte, der Standard „erwähnt in euren Kommentaren niemals die Juden UND die Nazis“. Der erste, der ersticken und implodieren würde, ist – ratet mal?

    Eine weitere Sache ist, daß sie sagen, Erwachsene sollten verstehen, wie delikat die Angelegenheit ist, und die Juden nicht erwähnen. Das wäre von mir aus in Ordnung, ich kann solch eine Regel oder eine andere befolgen. Aber dann wäre es eine faire Regel, daß man es vermeidet, die Juden bei nicht mit der jüdischen Frage in Beziehung stehenden Themen sowohl in negativer ALS AUCH positiver Weise zu erwähnen. Wiederum wäre Seiyo der erste, der implodieren würde. Er erwähnt die Juden die ganze Zeit, bei völlig unverwandten Themen, nur um ihre Qualitäten oder ihre schreckliche Geschichte hervorzuheben. Eigentlich ist es irgendwie erstaunlich, wie er es schafft, sie zu solch unterschiedlichen Angelegenheiten zu erwähnen. Wie: die frühe Kirche verfolgte die Heiden… wie sie es mit den Juden machte; der hohe IQ der Ostasiaten… gleich wie die Juden; die Römer… kauften Juden als Sklaven; der positive Einfluß der Deutschen in Mitteleuropa… gleich wie die Juden, und ich kann endlos weitermachen. Im Grunde kann er über die französische Küche, Rotkäppchen oder Greta Garbo reden und würde immer noch ein Mittel finden, um die-welche-nicht-genannt-werden-dürfen zu preisen. Ah, und vergeßt nicht die Pogrome, Kosaken, Auschwitz.

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