War der Prophet Mohammed ein Jude?

Von Razib Khan; Original: Was the Prophet Muhammad a Jew?, erschienen am 15. Mai 2016 auf The Unz Review: An Alternative Media Selection.

Übersetzung: Lucifex (mit Dank an Leser reinigungskraft für den Link zu diesem Artikel)

 

Die Ursprünge des Islam sind faszinierend, weil die Religion in der modernen Welt von entscheidender Bedeutung ist, aber ihre Entstehungsgeschichte innerhalb der Geschichte ist für ihre ersten Jahrzehnte überraschend vage. Die Moslems haben ihre eigene Geschichtsschreibung, und manche Westler, wie Hugh Kennedy, übertragen dieses Narrativ mit hoher Treue, wenngleich bereinigt von sektiererischen Vorannahmen und stark mit westlichen positivistischen Methodiken verbessert. Seine Bücher The Great Arab Conquests [„Die großen arabischen Eroberungen“] und When Baghdad Ruled the Muslim World: The Rise and Fall of Islam’s Greatest Dynasty [„Als Bagdad die Welt regierte: Der Aufstieg und Fall der größten Dynastie des Islams“] sind meiner Meinung nach recht gut.

Eine alternative Sichtweise wird von revisionistischen Wissenschaftlern präsentiert, die im Zuge der Revidierung der islamischen Geschichte ihre grundlegenden Fundamente, zumindest aus moslemischer Perspektive, auseinanderreißen. Ihre Ansichten sind in Werken wie The Hidden Origins of Islam [„Die verborgenen Ursprünge des Islams“] zu finden.

The Hidden Origins of Islam

Diese Schule von Wissenschaftlern behauptet, dass der Großteil der Frühgeschichte des Islams, im Grunde vor 700 n. Chr., Mythenbildung ist, die auf die Abbasidenzeit (>750 n. Chr.) zurückgeht. Man könnte hier eine Analogie zum republikanischen Rom herstellen. Die Stadt erscheint erst im dritten vorchristlichen Jahrhundert prominent in der Geschichte, daher ist vieles aus den Jahrhunderten der römischen Geschichte, auf die spätere Autoren sich beziehen, schwierig zu untermauern. Vermutlich dürften viele der Gestalten jener früheren Perioden, wie Cincinnatus, historisch gewesen sein, aber meistens ist es wahrscheinlich, dass Details aus ihrem Leben als moralische Beispiele für republikanische politische Führer dienten.

In ähnlicher Weise ist es ein Grundtenor der Revisionisten in Bezug auf den Islam, dass die Idee von Mohammed weit wichtiger ist als die Details dessen, wer er wirklich gewesen sein könnte. Sogar das Milieu von Mohammed, jenes eines Wüstenkaufmanns, könnte erfunden worden sein, um ihm eine bestimmte Aura zu geben. Um eine Linie der Wissenschaft auf ihre Essenz zu reduzieren: Der Islam entstand als eine nationale Religion christlicher Araber, die sich Jahrzehnte nach der Zeit Mohammeds seit langem an den Rändern der römischen und der persischen Welt befunden hatten. Die Konstruktion des Mythos von Mohammed und die Verlagerung heiliger Stätten auf ein Gebiet weit außerhalb der römischen Kontrolle und des römischen Einflusses (Mekka und Medina) könnten von Überlegungen motiviert gewesen sein, sich von den griechisch-römischen und persischen Kulturtraditionen zu distanzieren, die sie zu absorbieren und zu verdrängen versuchten.

Ein Aspekt des Mythos von Mohammed ist, dass er als Ur-Monotheist in einem heidnischen Land aufwuchs. Die Revisionisten lehnen dies ab und behaupten, dass Mohammed ein Christ war, in einem Arabien, wo das Christentum und der Judaismus die dominanten Elitereligionen waren. Zweifellos gab es andere religiöse Sekten, und der Einfluss des Zoroastrismus war ebenfalls wahrscheinlich, aber das organisierte Heidentum, wie es in Mekka dargestellt wird, könnte eine Propagandaerfindung gewesen sein. Es gibt Präzedenzfälle für diese Denkrichtung; manche Wissenschaftler haben dasselbe für das späte Überleben des Heidentums in Schweden behauptet (im Vergleich zu Dänemark und Norwegen) und meinen, dass es in Wirklichkeit ein niederträchtiger Versuch westlicher Christen war, Gläubige der östlichen Orthodoxie zu besudeln, die in dieser Region Skandinaviens viel zahlreicher waren.

Ich persönlich beziehe hier keine starke Stellung. Es erscheint als wahrscheinlich, dass die Revisionisten zu weit gehen, aber ich denke schon, dass ein quasi-staatliches Heidentum in Arabien im Jahr 600 n. Chr. unplausibel ist im Lichte dessen, was wir über andere Regionen der Welt an der römischen Grenze wissen. Die dominanten Religionsformen in Mohammeds Welt waren wahrscheinlich das Christentum, mit Rollen für den Judaismus, den Zoroastrismus und verschiedene gnostische Kulte. Heiden waren immer noch übrig, aber sie waren wahrscheinlich ein randständiger Überrest, keine bedrohliche Elitekraft wie in der islamischen Tradition dargestellt.

Die Haplogruppe J-M267

Die Haplogruppe J-M267

Wo nun all dieser historische Kontext vorhanden ist, bin ich darauf aufmerksam geworden, dass es einige Eigentümlichkeiten in der männlichen Abstammungslinie der Klade L859+, dem dominanten Haplotyp unter den Koraisch gibt, Mohammeds Stamm. Diese Abstammungslinie L859+, ist eine Klade innerhalb der Haplogruppe J1, zu der die berühmte modale Haplogruppe der Kohanim gehört. Am soeben verlinkten Stammbaum L859+ [siehe auch die englische Version; d. Ü.] sehen Sie, dass die Koraischiten eine Bruderklade von ZS22012 sind. Dies ist traditionell eine jüdische Abstammungslinie. Nichts davon „beweist“ irgendetwas, aber es ist interessant und suggestiv. Falls die Revisionisten recht haben und Mohammed in einer Welt aufwuchs, die von Juden und Christen dominiert wurde, dann wäre es nicht unplausibel, wenn er selbst in irgendeiner Weise einen jüdischen Hintergrund gehabt hätte. Oder dass arabische Juden und arabische Christen eine fließende und durchlässige kulturelle Beziehung hatten und beide mit der großen jüdischen Gemeinschaft des Nahen Ostens zu dieser Zeit interagierten, wo manche arabische Christen von Juden abstammten.

*   *   *

Siehe hierzu auch Sure 5: Der Tisch (Al-Maida), die chronologisch allerletzte Sure des Korans, die also im Widerspruchsfall alle anderen aufhebt und in der eindeutig festgelegt wird, dass Allah Palästina auf ewig für die Juden bestimmt hat; weiters Die Herabkunft des Islam von Revilo P. Oliver sowie Paulus: der Erfinder des Christentums von Michael Zick.

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