Haman: Erbe Amaleks

Haman Heir to Amalek

Von Rabbi Shraga Simmons, übersetzt von Deep Roots. Das Original Haman: Heir to Amalek erschien am 2. Februar 2003 auf der jüdischen Netzseite aish.com.

HAMAN: ERBE AMALEKS

Amalek, die Nation, die das Böse personifizierte, beharrte darauf, daß es Gott in der Welt nicht gab und daß alles durch Zufall geschah.

„Denke daran, was Dir die Amalekiter taten auf dem Weg, als ihr aus Ägypten zogt: wie sie dich unterwegs angriffen und deine Nachzügler erschlugen, all die Schwachen, … als du müde und matt warst, und Gott nicht fürchteten.“

(Deut. 25:17-18)

„Gott sagte zu Moses: Schreib diese Erinnerung in das Buch… daß ich sicherlich die Erinnerung an Amalek unter dem Himmel auslöschen werde.“

(Exodus 17:14)

Jakob und Esau

Zu keiner Zeit des jüdischen Jahres ist die Synagoge so „wild“ wie während der Lesung der Megillah: Jedesmal, wenn Hamans Name verlesen wird, bricht die versammelte Gemeinde in einen ohrenbetäubenden Chor von Purimratschen, klappernden Töpfen, Zündplättchenpistolen und Sirenen aus. Manche schreiben Hamans Namen auf die Sohle ihrer Schuhe und stampfen ihn aus. Andere schreiben ihn in Wachs und schmelzen ihn!

Wer war Haman, und warum die Obsession, seinen Namen auszulöschen?

Um zu verstehen, müssen wir in die Zeit von Jakob, unserem Vorvater, zurückgehen. Jakob hatte einen Zwillingsbruder, Esau, der ein lebenslanger Rivale war – so sehr, daß Esau danach strebte, Jakob zu töten (siehe Genesis 27:41).

Der Midrasch sagt, daß Esau, als er alt wurde, seinen Enkel Amalek herbeirief und sagte: „Ich versuchte Jakob zu töten, war dazu aber nicht in der Lage. Nun vertraue ich dir und deinen Nachkommen die wichtige Mission an, Jakobs Nachkommen zu vernichten – das jüdische Volk. Führe diese Tat für mich aus. Sei unerbittlich und zeige keine Gnade.“

Getreu seiner Mission hat Amalek historisch versucht, die Juden zu vernichten. Zum Beispiel in Exodus 17:8 griff Amalek die Juden aus purem Hass an – Amalek lebte in einem fernen Land und stand unter keiner unmittelbaren Bedrohung.

Was hat Amalek also mit Purim zu tun? Das Buch Esther (3:1) identifiziert Haman als den Nachkommen Agags, des Königs von Amalek. Hamans Wunsch, das jüdische Volk auszulöschen, war ein Ausdruck seiner seit langem bestehenden nationalen Tradition.

Zufall versus Plan

Dieser Konflikt ist viel tiefer als eine bloße „Rivalität unter Geschwistern“. Philosophisch stehen Amalek und das jüdische Volk an zwei entgegengesetzten Enden des Spektrums.

Der Talmud erläutert: Was ist die Bedeutung der Redewendung „[Amalek] stieß („karcha“) auf euch…“ (Deut. 25:18)? Das hebräische Wort „karcha“ bedeutet wörtlich Zufall oder zufälliges Zusammentreffen. Amaleks gesamte Philosophie besagt, daß es keinen Plan oder keine Vorsehung in der Welt gibt. Alles ist willkürlich, von Zufall, Glück und Schicksal diktiert. Deshalb fährt der Vers fort: „Und [Amalek] fürchtete Gott nicht.“

Auf der anderen Seite repräsentierten Jakob und seine Nachkommen Gewissen und Moral. Die Welt hat einen Zweck und eine Bedeutung, und jedes Individuum ist nach Gottes Ebenbild geschaffen. Von dieser Grundlage aus führten die Juden Konzepte wie Monotheismus, Gleichheit für alle Menschen und universale Bildung in der Welt ein. Das ist die Essenz dessen, was der Prophet als „Licht für die Völker“ sein beschreibt. (Isaiah 42:6).

Während Jakob glaubt, daß Gott die Welt leitet und daß es einen absoluten Maßstab der Moral gibt, glaubt Esau, daß das Leben Zufall ist – und Moral daher subjektiv. Esaus Hass auf die Botschaft der Moral bildet in Wirklichkeit die Grundlage für allen Antisemitismus. Genauso wie die Juden für das Prinzip stehen, daß man für die Verletzlichen und Schwachen sorgt, ist Amalek das Gegenteil – „griffen die Schwächsten an, die hinterhertrotteten“ (Deut. 25:18).

Wirkung des Feindes

Der Talmud geht anders an den Vers „[Amalek] stieß („karcha“) auf euch…“ (Deut. 25:18) heran. Das hebräische Wort „karcha“ ist auch verwandt mit dem Wort „kar“, das „kalt“ bedeutet. Das heißt: Amalek kühlte die Juden ab. Als die Juden aus Ägypten kamen, nach den zehn mächtigen Plagen und der Teilung des Roten Meeres, fürchteten sich alle Nationen, den Gott der Juden herauszufordern. Aber Amalek kam, kämpfte, und obwohl sie militärisch besiegt wurden, bereiteten sie dennoch den Weg für andere.

In einer Analogie ausgedrückt ist es so, als ob das jüdische Volk ein heißes Bad wäre, in das niemand sich begeben konnte. Dann kam ein Fremder daher und sprang hinein. Obwohl er schwere Verbrennungen erlitt, kühlte er es ab („kar“), damit andere folgen konnten.

Warum müssen wir also Haman zerstampfen? Weil wir unsere Feinde erkennen und sie bekämpfen müssen. Nicht weil wir den Krieg genießen, sondern weil es ein Teil dessen ist, ein „guter Mensch“ zu sein, daß man aktiv die Vernichtung des Bösen anstrebt.

Es gibt böse Menschen, die aktiv darauf hinarbeiten, das Gottesbewußtsein aus der Welt zu eliminieren. Kennet eure Feinde und kämpft gegen sie. „Löscht die Erinnerung an Amalek unter dem Himmel aus.“ (Exodus 17:14).

Rabbi Simon Apisdorf schreibt:

Die Purimratsche in der Hand eines Kindes zu Purim soll uns daran erinnern, in welcher Beziehung wir zum Bösen stehen sollen. Wie Amalek muß es zermalmt werden. Nicht indem man es als krank etikettiert und bis zur Besinnungslosigkeit psychoanalysiert, sondern indem man es als das bezeichnet, was es ist – böse – und sich mit ihm so direkt befaßt, wie es das mit uns tun würde.

Amalek heute

In unserem eigenen Leben können wir das Ausmaß von Amaleks Vordringen ermessen, indem wir unseren eigenen Grad des Glaubens an Gott messen. In dem Ausmaß, wie ein Individuum die Existenz Gottes bezweifelt, ist Amaleks Philosophie der Zufälligkeit ein Teil von uns geworden. Eine der Kampftaktiken von Amalek ist die Schaffung von Zweifel an Gottes Gegenwart, in einem Versuch, das jüdische Volk zu verwirren und letztendlich zu vernichten. Passenderweise ist der Zahlenwert von „Amalek“ – 240 – derselbe wie beim hebräischen Wort safek, das „Zweifel“ bedeutet.

Aber was ist denn so heimtückisch an einer Welt ohne Gott?

Es ist einfach, sagt der Talmud: Wenn die Thora, die Quelle universeller Wahrheiten, eliminiert würde, dann würde die Welt zur Leere zurückkehren. Das liegt daran, daß die Menschheit einfach nicht ohne klare moralische Richtung überleben kann. Moral hält Zivilisationen zusammen; ihr Fehlen führt zu Chaos.

Der Judaismus bestreitet nicht die Existenz von Individuen mit den extremsten psychologischen Störungen, aber er bekräftigt doch, daß man nicht „krank“ sein muß, um die brutalsten und häßlichsten Verbrechen auszuführen. Adolf Hitler, Adolf Eichmann und die Tausenden von Ärzten, Professoren, Bauern, Lehrern, Friseuren, Rezeptionisten, Einzelhändlern, Anwälten, Mechanikern, Unternehmern und Sekretärinnen, die Seife, Lampenschirme, Mantelfüllungen und Asche aus Juden machten, waren nicht krank! Sie waren schlicht und einfach böse. Indem sie sich von der Moral abwandten, waren sie in der Lage, Genozid als „nobel und gut“ zu rationalisieren. Es überrascht daher nicht, daß der Talmud (Megillah 6b) eine Nation namens „Germamia“ als die Nachkommen von Amalek identifiziert.

Wurzeln des Antisemitismus

Die Thora sagt: „Amalek kämpfte gegen Israel in (an einem Ort namens) Refidim.“ (Exodus 17:8). Der Midrasch erläutert, daß der Name „Refidim“ eine Zusammenziehung hebräischer Wörter ist, die „sie lockerten ihren Griff an der Thora“ bedeutet. Solange die Juden fleißig die Thora studierten, hatte Amalek keine Herrschaft über sie. Aber sobald das jüdische Studium lax wurde, waren sie in Gefahr.

In der Beschreibung des tatsächlichen Kampfes gegen Amalek sagt die Thora: „Als Moses seine Hand erhob, war Israel stärker. Und als Moses seine Hand senkte, war Amalek stärker“ (Exodus 17:11). Moses’ erhobene Hände symbolisieren die Juden, die ihre Augen in Hingabe an Gott und die Thora zum Himmel erheben. „Wenn Moses’ Hände gesenkt sind“ – d. h. das jüdische Volk eine säkulare Haltung zum Leben einnimmt – dann verlieren wir. Es ist ein direktes umgekehrtes Verhältnis: Abwendung von Gott läßt Amalek automatisch aufsteigen, und umgekehrt.

Amaleks Einfluß entgegenzuwirken ist einfach: die Thora stärken. Wir dürfen nicht lax werden. Denn wie der Vers besagt, findet der Kampf gegen Amalek „in jeder Generation“ statt (Exodus 17:16). Gottes Gegenwart in dieser Welt wird nicht vollständig sein, solange nicht der Name Amalek gänzlich ausgelöscht ist.

Wenn ihr also an diesem Purim Hamans Namen hört,  laßt eure Ratschen kreisen, heult wie ein Wolf – und macht die Hingabe an das Thorastudium zu einem Weg zur Bekämpfung der Heimtücke der amalekitischen Ideologie.

*   *   *   *   *   *   *

Nachwort von Deep Roots:

Bei dieser Übersetzung ging es mir darum, weitere der Punkte im Verhältnis zwischen Juden und Europäern zu beleuchten, die ich in meinem Beitrag zu Die Verschafung der Europäer angesprochen habe. Amalek: Der ewige Feind des jüdischen Volkes hob schon das Thema der „wölfischen“ Verhaltensweise der Amalekiter beim Angriff auf die Juden hervor, das auch hier wieder zur Sprache kommt: den Vorwurf, die Schwächsten der Juden überfallen zu haben, die beim Exodus hinter der Hauptmasse herhinkten, was an das Jagdverhalten von Wölfen beim Verfolgen von Huftierherden erinnert. Ein anderer Punkt war die sklavische Unterwürfigkeit unter den Willen Jahwes, wie unverständlich dieser auch sein möge, die im Judentum gepflegt wird, und die einen deutlichen Gegensatz zur Haltung der heidnischen Europäer gegenüber ihren Göttern bildet.

Diese beiden Punkte begegnen uns auch hier wieder, wo noch deutlicher wird, was die Juden den Amalekitern religiös und philosophisch vorwerfen und worauf sie so allergisch reagieren: eine Weltsicht, die wie eine jüdisch verzerrte Wahrnehmung des europäischen Heidentums anmutet. Amalek „fürchtete Gott nicht“, nähre Zweifel an der Existenz Gottes in der Welt, würde „darauf hinarbeiten, das Gottesbewußtsein aus der Welt zu eliminieren“.

Natürlich kannten die heidnischen Europäer Götter und Naturgeister und verehrten sie auch, aber nicht so unterwürfig und sklavisch wie die Juden ihren Jahwe. Ich kann mich irren, aber ich glaube nicht, daß die alten Griechen, Römer oder Germanen auf Knien zu ihren Göttern beteten. Und vor allem waren diese Götter für sie zwar höhere, sehr mächtige und (abgesehen von Gewalteinwirkung) unsterbliche Wesen, die man um Beistand bat und nicht gegen sich aufbringen wollte, aber sie sahen sie nicht als unfehlbar an. Und die Vorstellung eines Gottes im jüdischen Sinn, als Schöpfer und alleiniger Herr der Welt, war ihnen fremd.

Aus jüdischer Sicht werden sie daher als „gottlos“ wahrgenommen worden sein, ebenso wie die Amalekiter, von denen wir heute nicht wissen, was genau das für ein Volk war, die aber wohl ähnliche religiöse Vorstellungen gehabt haben werden und vielleicht sogar Europäer waren. Und Völker, die sich aufgrund einer solchen Weltsicht „nicht fürchteten, den Gott der Juden herauszufordern“, indem sie Sein Volk angriffen, konnten die Juden nicht dulden.

Daher diese hasserfüllten jüdischen Ausrottungsfantasien gegenüber Amalek, einer kollektiven Buhmannfigur des Judentums, die immer wieder auf mißliebige Völker späterer Jahrhunderte übertragen wurde, zuletzt auf die Deutschen („Germamia“) und die Palästinenser.

Bei Rabbi Shraga Simmons’ Schilderungen der Untaten dieser „Tausenden von Ärzten, Professoren etc.“ muß man ja vorsichtig sein, aber ich glaube, das mit der Seife und den Lampenschirmen ist nicht mehr Teil der offiziellen Geschichtsschreibung. Die Juden sind halt traumatisiert von den Verfolgungen im Laufe ihrer Geschichte. So ist zum Beispiel in den Midrash Rabbah Lamentations von einem gar abscheulichen frühen Holocaust zu lesen, der vom römischen Kaiser Hadrian und seinen Truppen in der jüdischen Stadt Bethar verübt wurde, die von Simon Bar Kochba und seinen Aufständischen gehalten wurde.

Als die Stadt im Jahr 132 n. Chr. nach dreijähriger Belagerung von den Römern eingenommen wurde, töteten diese dort achtzigtausend Myriaden (also 800 Millionen!) Menschen, bis ihre Pferde bis zu den Nüstern im Blut wateten, das als Flutwelle, die Felsbrocken mit sich wälzte, bis zum 60 Kilometer entfernten Meer floß und dieses sechs Kilometer weit hinaus rot färbte. Die Köpfe von dreihundert jüdischen Kindern wurden an einem Stein zerschmettert (schon wieder dieses Motiv!), und 64 Millionen jüdischer Schulkinder wurden von den Römern in ihre Schriftrollen eingewickelt und verbrannt.

Das ist schon Stoff zum Nachdenken, aber ich muß darum ersuchen, daß jeder das pietätvoll still für sich tut.

Im nächsten Beitrag, der sich mit diesem Themenkreis befaßt, werde ich auf die ebenfalls schon angesprochene „wölfische“ Natur der Europäer eingehen, die im Laufe ihrer Koevolution mit den zu Hunden werdenden Wolfsnachfahren entstanden ist.

*     *     *

Siehe auch:

Die Verschafung der Europäer, ein Gemeinschaftsbeitrag des AdS-Teams mit mehreren Kommentatoren

Die monotheistische Geisteshaltung und ihre weltlichen Spielarten von Tomislav Sunić

Amalek: Der ewige Feind des jüdischen Volkes von Rabbi Menachem M. Schneerson

Die Essenz des Hasses: Theodore Kaufmans „Germany Must Perish“ von Osimandia

The Making of a Monster: How Jews created the Mengele Legend von Hadding Scott

Hinterlasse einen Kommentar

3 Kommentare

  1. „das mit der Seife und den Lampenschirmen ist nicht mehr Teil der offiziellen Geschichtsschreibung.“

    Anscheinend so. Die Lampenschirme und Schrumpfköpfe, die ich in den 70-er Jahren in Buchenwald als DDR-Kind zwangsvorgeführt bekam, sind jetzt weg, wie meine Tochter mir – nach der eindrucksvollen Zwangskrematorienvorführung für die bayrische Schulklasse im selben thüringischen Buchenwald kürzlich – berichtete.

    Antworten
  2. Interessant ist auch, dass in neueren Filmwerken, die die Praxis um die Gaskammern darstellen, das Zyklon-B nun als Granulat eingeworfen wird, im Gegensatz zum früher vermittelten Bild mit den als Brauseköpfe getarnten Gasauslässen, an das ich mich aus meinen jüngeren Jahren noch erinnere.

    Antworten
  3. zippelmütz

     /  Juli 27, 2016

    Danke für diesen Zwischenstand („im Gegensatz zum früher“ und so).

    Im nächsten Beitrag, der sich mit diesem Themenkreis befaßt, werde ich auf die ebenfalls schon angesprochene „wölfische“ Natur der Europäer eingehen
    Wir müssen tief in uns gehen, um die Erfahrungen von Jahrtausenden mit der jetzigen Situation in eine Synthese zu bringen. – Klingt geschraubt, sorry for that, aber wir dürfen uns nicht zu sehr selbst verletzen dabei. Es kommen jede Menge „koschere Ablenkungen“ auf uns zu, und der Staat bzw. der Machtapparat wird versuchen, eine Notbremse zu ziehen (indem Übertreibungen und Kurzschlüsse in diese oder jene Richtung forciert werden), und das wird nicht funktionieren. Gefährlich ist Selbstverletzung, unabsichtlich, indem man die falschen Leute zur falschen Zeit (aus Verzweiflung) angeht.
    Aber der Kessel kocht bereits.
    So wie heißwerdendes Wasser sich erstmal entspannt und ganz ruhig ist.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: