BREXIT und die Juden

„Britanniens EU-feindliche ‚Leave‘-Kampagne hat dabei geholfen, einen in einem provinziellen Nationalismus formulierten öffentlichen Diskurs des Vorurteils und der Angst zu schaffen, gegen den die Juden in Britannien angehen müssen.“ (Dr. Ilan Zvi Baron, Durham University, England)

„Britanniens EU-feindliche ‚Leave‘-Kampagne hat dabei geholfen, einen in einem provinziellen Nationalismus formulierten öffentlichen Diskurs des Vorurteils und der Angst zu schaffen, gegen den die Juden in Britannien angehen müssen.“ (Dr. Ilan Zvi Baron, Durham University, England)

Von Andrew Joyce (Original: Brexit and the Jews, erschienen am 1. Juli 2016 auf The Occidental Observer). Übersetzung: Lichtschwert.

Obwohl ich erfreut darüber bin, daß der Brexit kommt, habe ich die Teilnahme an den Feiern und sehnsüchtigen Spekulationen aufgegeben, denen sich viele in unserer Bewegung hingeben. Ich bestreite nicht, daß wir einen hilfreichen Erfolg im Krieg zur Rettung unseres Volkes erzielt haben. Genausowenig bestreite ich, daß viele unserer Feinde eine lang überfällige Dosis von nationalistischem „shock and awe“ erhalten haben. Von dringenderem Interesse ist für mich jedoch die Beobachtung und Vorausahnung feindlicher Gegenmaßnahmen sowie die Beurteilung dessen, wie weit wir tatsächlich einen Sieg errungen haben. Die folgende Analyse jüdischer Reaktionen auf den Brexit wird weiters nicht nur die Prioritäten des organisierten Judentums illustrieren, sondern auch die Grenzen unseres Erfolges. Es ist zu hoffen, daß dies ein tieferes Verständnis der wahren Bedeutung der jüngsten Ereignisse im Zusammenhang mit dem größeren Kampf um die Verringerung des jüdischen Einflusses in unseren Nationen zur Folge haben und beim Voranmarschieren zur rassisch-nationalen Erneuerung helfen wird.

Es ist auf den ersten Blick verführerisch, sich vorzustellen, daß alle Juden gegen den Brexit sind. Diese instinktive Vorhersage entsteht im nationalistischen Denken aufgrund der Verbindung der jüdischen Identität mit dem Liberalismus und dessen modernen globalistischen und auf „soziale Gerechtigkeit“ bezogenen Begleiterscheinungen. In vieler Hinsicht ist dies natürlich eine hilfreiche Verbindung, die zutreffende Vorhersagen unterstützt. Was der Instinkt jedoch vernachlässigt, ist ein großer historischer Rahmen, in dem die Beziehung der Juden zum Liberalismus tatsächlich sehr komplex ist und in dem solche leichten Vorhersagen zu einem oberflächlichen und naiven Verständnis jüdischer Strategien führen. Kurz gesagt deutet die Geschichte darauf hin, daß Juden in ihrer Bindung an liberale und sogar globalistische Angelegenheiten geschwankt haben.

Der Grund für diese Fluktuationen ist, daß – obwohl die Juden um Anliegen wie Schußwaffenkontrolle, Schwulenehe, Einwanderungsgesetze und supranationale Regierung herumschwärmen mögen – diese Anliegen keine „Zwecke“ in derselben Weise sind, wie sie es für verblendete Weiße sind. Für fehlgeleitete Weiße sind diese Anliegen die „Zwecke“, die kumulativ „eine bessere Welt“ formen werden. Für Juden sind sie immer nur Mittel, wobei der „Zweck“ immer das bestmögliche Ergebnis für Juden und der Endsieg des Judaismus ist. Daher findet man in jeder bedeutenden öffentlichen Debatte oft eine lebhafte Diskussion innerhalb des organisierten Judentums darüber, ob es „gut für die Juden“ ist. Dies bedeutet, daß das Judentum oft taktisch sehr flexibel ist und seine ideologischen Segel als Reaktion auf sich ändernde gesellschaftliche, politische und ökonomische Winde anpaßt. Während die Priorität der Gruppe immer unbestritten ist (die Förderung ethnischer Interessen), kann es Meinungsverschiedenheiten darüber geben, wie dies am besten erreicht werden kann. Während politische, ökonomische und soziale Rahmenbedingungen dynamisch sind, sind jüdische Diskussionen immer um die Beurteilung und fortlaufende Bewertung aller potentiellen Ergebnisse und ihrer potentiellen Auswirkungen auf jüdische Interessen aufgebaut. Solche Debatten und Bewertungen finden im organisierten Judentum unaufhörlich statt.

Diese manchmal lebhaften Debatten und Streitereien werden oft von jüdischen Apologeten hervorgehoben, die auf die Präsentierung eines Bildes bedacht sind, das der „Ente von der Klüngelhaftigkeit“ widerspricht. Wieviel Einigkeit kann es denn in einer Gruppe geben, die sich anscheinend immer untereinander zankt? Diese Frage könnte den weniger tief Denkenden dazu verleiten, die Judenfrage fallenzulassen, aber die Antwort lautet natürlich, daß es in solch einer Gruppe eine extreme Einigkeit geben kann. Taktische Diskussionen, Streitereien und sogar Faustkämpfe können innerhalb eines Footballteams vorkommen – aber das Team ist immer geeint in seinen Wünschen und Zielen. Sie wollen gewinnen, und keine Animosität innerhalb des Teams wird jemals auch nur entfernt dem Gefühl der Rivalität entsprechen, das sie gegenüber ihren Gegnern empfinden. Die kollektivistischen Juden haben nie zugelassen, daß ihre internen Debatten in derselben Weise zu Bürgerkrieg und brudermörderischer Manie eskalieren, wie es die individualistischen Europäer seit der Morgendämmerung der Geschichte getan haben.

In derselben Weise sind die politischen Spektren, die Europäer stark beschäftigen, kein Merkmal der jüdischen geistigen Landschaft. Für Juden gibt es letztendlich keine Linke oder Rechte, keinen Kapitalismus oder Kommunismus, keinen Nationalismus oder Globalismus. Es gibt nur ein Spektrum: was ist schlecht für die Juden, und was ist gut für die Juden. Dieses Spektrum stellt den Gipfelpunkt des Ethnozentrismus dar, und jeder einzelne Aspekt des Lebens der Wirtsnation wird entsprechend diesem Spektrum und nur diesem Spektrum bewertet.

Mit diesem Verständnis können wir zu einer zutreffenderen Vorhersage jüdischer Reaktionen auf den Brexit übergehen. Statt überwiegende Negativität anzunehmen, können wir vorhersagen, daß diese Reaktionen variieren werden, daß es ein gewisses Maß an Meinungsverschiedenheiten über jüdische Prioritäten geben könnte, und vor allem, daß sie sich am meisten darum sorgen werden, was gut für die Gruppe ist statt für Britannien.

Eine der ersten bedeutenden jüdischen Erwartungen des Brexit wurde vor drei Monaten vom Jewish Chronicle veröffentlicht. Der Artikel, geschrieben vom jüdischen Politikhistoriker Geoffrey Alderman, stellte ausdrücklich die Frage: „Wird der Brexit gut für uns Juden sein?“ Alderman ist eines jener wichtigtuerischen Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft, die sich oft freimütig und eindeutig zum Thema der jüdischen Interessen äußern, oft zum Ärger ihrer diskreteren Volksgenossen. In der Vergangenheit hat er sich selbst als „Quälgeist der Gemeinschaft“ bezeichnet, und ich persönlich habe seine 1983 veröffentlichte Monographie The Jewish Community in British Politics [„Die jüdische Gemeinschaft in der britischen Politik“] so erschreckend direkt in ihrer Erforschung jüdischer Machinationen in Westminster gefunden, daß ich sie für eine Pflichtlektüre für jeden halte, der sich für die Judenfrage interessiert.

In seiner Behandlung der Debatte um den Brexit ist Alderman um nichts weniger direkt und eindeutig. Alderman bekannte, daß er beim Referendum von 1975, bei dem es darum ging, ob das Vereinigte Königreich ein Mitglied dessen bleiben sollte, was damals Europäische Wirtschaftsgemeinschaft genannt wurde, für ein Drinbleiben gestimmt hatte. Obwohl er erklärt, er hätte dies „aus Gründen getan, die im Grunde wirtschaftlicher Art waren“, gibt er zu (wie oben erläutert), daß diese Gründe nichts weiter als ein Mittel für jüdische Zwecke waren. Alderman hatte tatsächlich das Gefühl, „daß die zerbrechliche Wirtschaft des Vereinigten Königreichs einen Zugang zu europäischen Märkten brauchte“, aber der Grund, warum er sich so um die Wirtschaft sorgte, war, daß „diese zerbrechliche Wirtschaft andernfalls einen fruchtbaren Boden bieten könnte, auf dem Rassismus wachsen und gedeihen könnte, was sicherlich nicht gut für die Juden wäre.“ Nun, wo die National Front besiegt ist, erläuterte Alderman seine zwiespältigere gegenwärtige Haltung gegenüber der EU. Daß die EU die leichte Bewegung von Juden durch Europa und nach Britannien erleichterte, war unzweifelhaft gut für die Juden, aber in ihrer gegenwärtigen Form hält er sie für zu groß und unhandlich für die Juden, um endlich ihr lang ersehntes Ziel zu erreichen, den Antisemitismus überall auf dem Kontinent illegal zu machen. Taktisch gesprochen befürwortet Alderman eine Konzentration auf die Erreichung jüdischer Ziele auf nationaler statt auf supranationaler Ebene. Er glaubt, daß Europa ein Kuchen ist, den man am besten Stück für Stück verzehrt statt alles auf einmal.

Alderman befaßt sich auch mit der Rolle Britanniens in der EU als taktischer Fürsprecher für Israel. Viele Juden glauben, daß der Brexit etwas Negatives sein wird, weil „die britische Stimme in Europa insgesamt eine mit Israel sympathisierende Stimme ist; daß das Vereinigte Königreich als Mitgliedsstaat der EU automatisch eine Partei für verschiedene Abkommen zwischen der EU und Israel ist, und daß der Brexit ein Ende dieser sympathisierenden Stimme und dieser Abkommen bringen wird.“ Alderman weist diese Argumente zurück, indem er auf das große Zeitalter der jüdischen politischen Macht hinweist, und meint, daß jüdische Interessen genauso leicht mit einem Britannien außerhalb der EU geschützt werden können. Er schreibt: „Andere bilaterale Abkommen zwischen Israel und dem Vereinigten Königreich könnten leicht an ihrer Stelle verhandelt werden. … Das britische Judentum kennt sich in Westminster und Whitehall aus. Mehr als 350 Jahre lang haben wir shechita und brit milah in diesem regierungsmäßigen Rahmen verteidigt [Anm. des Autors: dies sind häufig verwendete Euphemismen für breitere jüdische gesetzgeberische Interessen]. Warum sollten wir das nicht weiterhin tun? Wenn wir uns einig sind, daß die britische Stimme in Europa insgesamt mit Israel und anderen jüdischen Anliegen sympathisiert, wird der Brexit natürlich diese Stimme zum Verstummen bringen. Aber es gibt andere Stimmen – nicht zuletzt jene von Deutschland – die weiterhin gehört werden.“

Aldermans Ansicht zum Brexit ist daher, daß er keinen großen Rückschlag für die Juden darstellen wird. Als älterer Jude und Historiker ist Alderman sich der Potenz der jüdischen Macht in nationalem Kontext mehr bewußt als seine jüngeren Gegenstücke. Warum sich wegen eines modernen unabhängigen Britannien Sorgen machen, wenn jüdische Interessen „mehr als 350 Jahre lang“ erfolgreich in einem unabhängigen Britannien verwirklicht wurden, das ethnisch noch homogener war und somit besser dafür gerüstet, solchen Interessen Hindernisse in den Weg zu stellen? Warum sich Sorgen um den Verlust der britischen Stimme in der EU machen, wenn andere große Nationen wie Deutschland ebenfalls unter jüdischem Einfluß stehen und weiterhin den besten Deal für Israel sicherstellen werden? Stephen Pollard, ein weiterer älterer Journalist beim Jewish Chronicle echote denselben Punkt in ‚Brexit: It’s a wonderful day for Britain — and its Jews‘, als er bemerkte: „Die ‚Friends of Israel‘-Gruppen werden in Britannien nach dem Brexit genau dieselbe Aufgabe zu erledigen haben wie jetzt. Nicht mehr und nicht weniger.“ Die Haltung hier ist eine der Zuversicht und taktischen Flexibilität. Das Projekt EU war bloß ein Mittel zu einem Zweck, und obwohl der Rahmen sich geändert haben wird, werden Juden „genau dieselbe Aufgabe zu erledigen haben.“

Zusätzlich zur blasierten Einstellung von Alderman und Pollard haben manche Juden den Brexit und die Schwächung der EU voll begrüßt. In der Jerusalem Post (Brexit — So is it good for the Jews?) berichten Abraham Cooper und Harold Brackman über eine kürzliche Rede des palästinensischen Präsidenten Abbas im Europäischen Parlament, in dem Abbas behauptete, Israel würde die palästinensische Wasserversorgung vergiften. Die Journalisten fügen hinzu, daß Abbas bei seinem Schluß „donnernde 30sekündige stehende Ovationen“ erhielt. Cooper und Brackman argumentieren, daß der Brexit und die plötzliche Schwächung der EU „die intensive Druckausübung der EU auf Israel zur Akzeptierung – sogar ohne direkte Verhandlungen mit den Palästinensern – einer einseitigen französischen Friedensinitiative zum Entgleisen bringen wird.“ Diese Einstellung widerspiegelt ein Element innerhalb des Judentums – das auch von Alderman und Pollard repräsentiert wird -, das pessimistisch wird bezüglich des Wertes der EU als Instrument zur Erreichung jüdischer Ziele. Wie Cooper und Brackman feststellen: „Es sind 25 Jahre seit dem Fall der Berliner Mauer. Dies bedeutet, daß die EU eine ganze Generation zur Erfüllung der Versprechungen zur Schaffung eines neuen Europa hatte, das die seit dem Zweiten Weltkrieg gemachten Fortschritte fortsetzen und erweitern würde, indem es eine gemeinsame Währung einführt und zu wirtschaftlicher Integration und Bewegungsfreiheit zwischen Mitgliedsländern ermutigt, während es gegenseitigen Respekt zwischen den freien Bürgern der neuen Vereinigten Staaten von Europa fördert.“

Während in ganz Europa große Veränderungen herbeigeführt worden sind, fühlen Juden sich immer noch nicht sicher, und das Fehlen von EU-Gesetzen, die den Antisemitismus ausdrücklich verbieten, frustriert sie weiterhin. Juden wünschen sehr eine Masseneinwanderung nach Europa – aber sie wollen auch, daß die Europäer sie während des volatilen Zeitraums des demographischen Todes des Kontinents schützen. Die gemischtrassige Bevölkerung der Zukunft wird sich vielleicht als anpassungsfähig an jüdische Interessen erweisen, aber dies ist immer noch ein gefährliches Frühstadium in diesem Prozeß, und separate Volksgruppen bleiben stark und potentiell gefährlich für Juden. Die EU ist in manchen Bereichen effektiv gewesen, aber nicht so effektiv im Bereich der jüdischen Sicherheit, wie gehofft worden war. Cooper und Brackman stellen fest: „Die Hauptnutznießer dieses politischen Versagens sind die extremen Nationalistenparteien gewesen – darunter Le Pens Front National in Frankreich, Geert Wilders‘ niederländische Partei für die Freiheit, Österreichs Freiheitliche Partei und Fidesz und Jobbik in Ungarn -, die nun etablierte politische und gesellschaftliche Akteure in den Machtnetzwerken ihrer Nationen sind. Viele sind die stolzen Träger xenophober, populistischer Plattformen, zu denen die Reinwaschung oder Bagatellisierung der Verbrechen der Nazizeit gehört. Juden fürchten sich zu Recht vor dem Antisemitismus unter alten und neuen moslemischen Nachbarn in Europa und finden wenig Trost im Gespenst eines fragmentierten Kontinents, der von Bewegungen geführt wird, die gegen Moslems lästern, aber auch Juden verachten.“

Die Haltung hier ist, daß die EU „zu der Zeit eine gute Idee war“, aber für Juden zunehmen schwierig zu handhaben wird. Tatsächlich werden die Fehler der EU als eine direkte Ursache des Aufstiegs fremdenfeindlicher europäischer Nationalismen gesehen. Wie die Haltung von Alderman und Pollard scheinen Cooper und Brackman vorzuschlagen, daß eine Rückkehr zu jüdischem Einfluß auf nationaler statt auf supranationaler Ebene auf längere Sicht effektiver bei der Erreichung jüdischer Ziele und jüdischer Sicherheit sein könnte.

Widersprechende Stimmen – und diese sind bei weitem in der Mehrheit – argumentieren, daß Europa dazu gezwungen werden muß, seinen demographischen Tod als Kontinent und eher früher als später durchzumachen. Eine supranationale Regierung in Form der EU wird als das wirksamste Mittel zu diesem Zweck gesehen. Dieser weniger geduldige Ansatz ist typischer für jüngere Juden, die in einer multikulturellen Umwelt aufgewachsen sind, die sie vielleicht für selbstverständlich halten. Für diese jüngeren Juden sind die Fähigkeiten der EU als Motor der Masseneinwanderung einfach unersetzlich, und ein Abrutschen in ein Europa der Nationalstaaten stellt eine unbekannte Aussicht dar, mit der sie sich nicht wohlfühlen. Ari Paul stellt in The Forward fest, daß ein Rückfall in dieses Szenario „eine Rückkehr zu dem Stand der Dinge wäre, die uns zwei Weltkriege und den Holocaust bescherte.“ Für diese Juden stellt der Brexit eine klare und unmittelbare Gefahr für den Multikulturalismus dar, und somit für eine der hauptsächlichen Ambitionen des Judaismus in Europa. Paul fügt in einem neueren Artikel hinzu: „Europas Juden sind ein stolzer Teil des Gewebes des westlichen Pluralismus und Liberalismus. … Sie sollten gegen jede Agenda sein, die die Uhr des Multikulturalismus zurückzudrehen strebt.“ In ähnlicher Weise sorgt sich Danny Rich im Jewish Chronicle, daß die Briten weniger altruistisch gegenüber Einwanderern werden, während das Land einen Anstieg des „engstirnigen Nationalismus und eine Stimmung der Selbstsucht“ erlebt. Der Himmel verhüte, daß die Briten ein Gefühl des Eigeninteresses entwickeln.

Diese Position wird von einem Widerspruch gegen die zuversichtlichere Perspektive von Alderman darüber untermauert, von wo die größte Bedrohung für Juden und jüdische Interessen und allgemeiner eine erhöhte Unsicherheit ausgeht. Juden wie Ari Paul sind davon überzeugt, daß die ernsthafteste Bedrohung in Europa der latente Nationalismus der weißen Massen ist. Wie Paul es ausdrückt: „Falls zwischen der Beibehaltung des provinziellen Nationalismus und der Etablierung einer transnationalen Regierungsführung zu wählen ist, so ist Letzteres, egals wie mängelbehaftet, immer die bessere Option.“ Paul schimpft über europäische Nationalismen: „Ungarns Jobbik-Partei ist zutiefst antisemitisch, und in Griechenland modelliert sich die Goldene Morgenröte offen nach den Nazis. Diese Parteien sind keine Parias und sind so ziemlich Vettern ersten Grades von Gruppen wie Front National und alle anderen, die das nachzumachen streben, was gerade im Vereinigten Königreich geschehen ist.“ Angesichts der Kritik von Alderman, Cooper und Brackman, daß die EU darin versagt hätte, die Sicherheit der Juden in der gefährlichen frühen multikulturellen Zeit zu garantieren, beharrt Paul darauf, daß der Schwerpunkt allein auf der Bedrohung des weißen Nationalismus bleiben müsse (statt auch auf jener des islamischen Antisemitismus), und befürwortet ein weiteres Zusammenziehen der Schlinge um die europäischen Freiheiten statt eines panischen Rückzugs in traditionelle jüdische „Warteschleifen“ von der Art, wie sie von Alderman erwähnt werden. Im Rennen zum Sieg fordert dieser Ansatz eine Beschleunigung anstatt eines vorsichtigen Bremsens. Paul beharrt darauf, daß die Lösung darin bestehe, „die Politik der EU günstiger für Multikulturalismus und Migration zu machen“, und daß „dies ein Argument für die Stärkung des Apparats der liberalen Regierungsführung ist, nicht für die Auflösung der Bindungen.“ Nie ist das Erscheinen des Wortes „liberal“ in einem Satz oxymoronischer erschienen.

Ari Paul: „Die Lösung besteht darin, die Politik der EU günstiger für Multikulturalismus und Migration zu machen.“

Ari Paul: „Die Lösung besteht darin, die Politik der EU günstiger für Multikulturalismus und Migration zu machen.“

Obwohl Paul in New York ansässig ist, findet seine Haltung zum Brexit bedeutenden Widerhall in Britannien. Die Unterstützung der britischen Juden fürs Drinbleiben war fast einhellig, wobei Richard Verber, der Vizepräsident des Board of Deputies of British Jews im Gefolge des Brexit kommentierte: „Es wird offenkundig werden, daß die große Mehrheit der jüdischen Gemeinschaft fürs Drinbleiben gestimmt hat.“ Mit dem Rücktritt von David Cameron haben die Juden einen verläßlichen Verbündeten für ihre Interessen verloren, und die kürzliche Abwertung der britischen Währung ist ebenfalls ein ungemilderter Verlust für Juden gewesen: Newmark behauptet: „Der potentielle oder tatsächliche Schaden für die Wirtschaft wird vielleicht überproportional jüdische Wohltätigkeitsgruppen treffen.“ Ein Bericht mit dem Titel „Faith Matters“ enthüllte, daß die gruppeninterne Philanthropie britischer Juden über eine Milliarde Pfund pro Jahr wert ist. Nachdem viele der Wohltätigkeitsorganisationen von Britanniens Juden ihre Hilfe in Israel oder für andere internationale jüdische Anliegen verteilen, wird der fallende Wert ihrer Währung eine Delle in der weltweiten jüdischen Finanzmacht verursachen.

Wichtiger ist jedoch die Tatsache, daß die jüdische Angst vor einem vom Brexit inspirierten Ansteigen des weißen Nationalismus akut wird. Laut Jeremy Newmark, dem Vorsitzenden der Jewish Labour Movement [Jüdische Arbeiterbewegung] und festen Befürworter von „Remain“ gibt der Brexit „dem britischen Judentum und dem europäischen Judentum riesigen Anlaß zur Besorgnis.“ Newmark behauptet, das Ergebnis werde in ganz Britannien und der EU „wahrscheinlich als massiver Schub und als Rekrutierungssergeant für rassistische und nationalistische Parteien wirken.“ Er fügte hinzu, daß es auch als Katalysator dafür wirken könnte, daß andere Mitgliedsstaaten ihre Grenzen befestigen und die Einreise von Einwanderern verweigern. „Der Zusammenbruch der EU selbst liegt als reale Möglichkeit auf dem Tisch“, sagte Newmark. So ziemlich wie Pauls Besorgnis hinsichtlich einer Rückkehr zu einem Europa souveräner Nationalstaaten sagte er, daß die Abstimmung „uns tief in unkartiertes Territorium bringt.“ Abgesehen von der blasierten Haltung von Alderman und Pollard ist die Reaktion britischer Juden überwiegend eine der Panik. Nick Cohen, ein Journalist von The Guardian und The Spectator, hat behauptet, der Brexit hätte „die Bedingungen für eine rechtsextreme Massenbewegung in England“ geschaffen, eine Aussicht, die er als „erschreckend“ bezeichnet. Anders als Alderman und Pollard nehmen diese Juden das Ergebnis des Referendums weniger als eine Abstimmung gegen eine supranationale Regierung und mehr als Abstimmung gegen Masseneinwanderung wahr.

Dies ist der Punkt, wo die jüdische Angst ihren Höhepunkt erreicht. Cohen erklärt, daß Mainstreampolitiker keine Einwanderungsreform herbeiführen werden, bei der es wahrscheinlich ist, daß sie den erneuerten Hunger des britischen Volkes nach Hegemonie über sein eigenes Territorium befriedigt. Das unvermeidliche Scheitern der Konservativen in dieser Hinsicht wird die Tür weit dafür offen lassen, daß Millionen von Wählern das politische Establishment als eine Kabale von Verrätern sehen. Wie Cohen es ausdrückt: „Ich befürchte, daß Millionen von Wählern und ihre Führer in der Presse und auf der Straße sagen werden, die ‚Schuldigen‘ hätten ‚gelogen‘, ‚uns verraten‘ und ‚uns in den Rücken gestochen‘. Die Chancen für die rohen Führer und Finanziers von UKIP und die noch größeren Rohlinge von Britain First und der BNP erscheinen schwindelerregend.“ [Anm. d. Ü.: siehe hierzu jedoch Francis Carr Begbies Essay Brexit — the shockwaves continue: UKIP rising as Labour heads toward oblivion, Israel Lobby emerges triumphant, in dem er aufzeigt, daß UKIP ebenfalls stark von Juden finanziert, unterstützt und beeinflußt wird.]

Juden sind absolut international, und es sollte nicht überraschen, daß die Schockwellen des Brexit weitere Auswirkungen auf jüdische Wahrnehmungen des Aufstiegs von Donald Trump und, was noch wichtiger ist, des Trumpismus gehabt haben. Der hasserfüllte Jonathan Freeland von The Guardian bemerkt: „Es gibt hier reichlich Lektionen für Amerikaner, die über ihre eigene Verabredung mit dem nationalistischen, nativistischen Populismus im November nachdenken. Sie denken vielleicht, daß es nicht genug von den Weißen, Armen, Zornigen und Zurückgelassenen gibt, um eine Wahl zu gewinnen. Aber der Brexit deutet darauf hin, daß, wenn diese Wählergruppe mit einer konservativen Sache verbündet werden kann, die Millionen anderer, ideologisch motivierterer Anhänger hat, ein Sieg möglich ist. Er deutet darauf hin, daß Feindseligkeit gegenüber Migranten, ein zynisches Herumtrampeln auf der Wahrheit und eine hochmütige Verachtung von Expertise Wunder wirken kann, solcherart ist der Hass auf alles, das mit der ‚Elite‘ in Verbindung gebracht werden kann.“

Wenn ich mir die demographische Aufschlüsselung der Brexit-Abstimmung ansehe, besonders nach Alter, so fürchte ich, daß dies für Europäer das letzte Würfeln für die Behauptung ihrer Interessen und die volle Wiedergewinnung ihrer Territorien ist. Aber es ist in der Tat ein tröstliches Zeichen, daß so viele der „Expertise“ die Freeland erwähnt, den Rücken kehren – der Expertise der „Denkfabriken“ zu Rassenbeziehungen, der antirassistischen Zaren und der verräterischen Akademiker und Politiker, deren Tage in der Sonne sich langsam, aber sicher einem Ende nähern. Bei der Durchsicht jüdischer Reaktionen auf den Brexit können wir ihre Prioritäten, ihre Interpretationen, ihre Suche nach einem Silberstreif und ihre Ängste sehen.

Dieser Erfolg, den unser Volk erzielt hat, hat Grenzen, aber wir können uns ein Atemholen gönnen und den Moment genießen, bevor wir weitermachen. Es gibt immer noch viel zu tun. Der November rückt näher, und danach eine viel größere Aufgabe – die Umwandlung des Brexit, des Trumpismus und aller Formen europäischer Selbstbehauptung in eine Bewegung für das rassische Überleben. Was Freedland mit Schrecken sagte, sagen wir nun mit Konzentration, Entschlossenheit und Freude: Der Sieg ist möglich.

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Weitere Artikel zum Thema:

Hit by a Hate-Quake: Brexit, Saint Jo and the Liberal Elite von Tobias Langdon

Liberal Media Bias and How to Counteract it: Examples from Brexit and Benghazi von Peter Baggins

Brexit — the shockwaves continue: UKIP rising as Labour heads toward oblivion, Israel Lobby emerges triumphant von Francis Carr Begbie

The Future of British Nationalism After Brexit von Colin Liddell

After Brexit: A Battle of Two Europes von Colin Liddell

Brexit Means Turks Stay Out, a White EU is Possible von Patrick Le Brun

Brexit, Whexit, and Magna Europa von Kevin Alfred Strom

Siehe weiters:

Gedanken zum jüdischen Einheiraten in einheimische Eliten von Andrew Joyce

Frei zu betrügen: „Jüdische Emanzipation“ und die anglo-jüdische „Cousinhood“, Teil 1 und Teil 2 von Andrew Joyce

Die SS Empire Windrush: Die jüdischen Ursprünge des multikulturellen Britannien von Andrew Joyce

Die eine Million Helfer des Mossad auf der ganzen Welt von Martin Webster („jüdische Philanthropie“!)

Frans Timmermans: „Europa muss Vielfalt akzeptieren“ von Lucifex

Barbara Lerner-Spectre: „Ohne Multikulturalismus wird Europa nicht überleben“ von Lucifex

Europäische Integration und die Globalisierung von Andrew Hamilton

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(Quelle der Übersetzung:  hier)

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