Umgestaltung der Rechten

Liberal Jews - Jewish Conservatives

Von Kevin MacDonald, übersetzt von Deep Roots.

Das Original „Remaking the Right“ erschien in zwei Teilen am 30. März bzw. 1. April 2010 bei “Alternative Right”

Teil 1 ”Liberal Jews, Jewish Conservatives” ,  Teil 2 ”The Outsider as Insider” am 1. April 2010

 

Teil 1: Liberale Juden, jüdische Konservative

Unter Diskussion: Why Are Jews Liberals? von Norman Podhoretz, Doubleday (2009), 337 Seiten

Norman Podhoretz ist eine Art Anomalie. Sein ganzes Leben war um sein Judentum zentriert, aber er sieht sich als Außenseiter in der allgemeinen jüdischen Gemeinschaft. Er teilt recht viele der Einstellungen, die für diese Gemeinschaft typisch sind, aber er zieht andere Schlüsse hinsichtlich dessen, wie man in einer Weise durch die zeitgenössische amerikanische Landschaft navigieren soll, die „gut für die Juden“ ist.

Ein Gebiet, wo Podhoretz absolut der jüdischen Allgemeinheit entspricht, ist sein Gefühl für Geschichte. Die erste Hälfte seines neuen Buches „Why Are Jews Liberal?“ legt seine Version der „tränenreichen“ Theorie der jüdischen Geschichte in Europa und Amerika dar, in der die Diaspora seit den Anfängen des Christentums ein langes Tal der Tränen gewesen ist. Ob diese Sicht der Geschichte nun richtig ist oder nicht, der wichtige Punkt ist der, daß die große Mehrheit der Diaspora-Juden sich und ihre Geschichte so sehen. (Meine Sicht ist die, daß viele Ausbrüche antijüdischer Gefühle aus unserer evolutionär geprägten Eigengruppe/Fremdgruppe-Psychologie resultieren).

Diese larmoyante Sicht hat große Implikationen für das Verständnis des zeitgenössischen politischen Verhaltens der Juden in der Diaspora. Sie meint, daß die Juden, angefangen mit einem unglücklichen theologischen Glauben (daß die Juden Gott getötet hätten), passive, unschuldige Opfer räuberischer Nichtjuden gewesen sind.

Die Lektion, die die Juden im Mittelalter gelernt haben, wirkt bis heute:

„[Die Juden] gingen aus dem Mittelalter im sicheren Wissen hervor, daß – individuelle Ausnahmen gebührend vermerkt – der schlimmste Feind, den sie auf der Welt hatten, das Christentum war: die Kirchen, in denen es sich verkörperte – ob römisch-katholisch oder russisch-orthodox oder protestantisch – und die Menschen, die darin beteten und von ihnen geformt wurden. Es war ein Wissen, bei dem jüdische Erfahrungen in kommenden Zeitaltern wenig, wenn überhaupt etwas dazu beitrugen, daß zukünftige Generationen es vergaßen.“

Juden waren daher vorsichtig und mißtrauisch (allermindestens) gegenüber allen Manifestationen des Christentums. Aber der Niedergang des Christentums als das zentrale intellektuelle Paradigma Europas verbesserte die Dinge für die Juden nicht. Während der Aufklärung verwandelten sich anti-jüdische Ideologien reibungslos in nicht-theologische Ansichten, denen zufolge der Judaismus ein abergläubisches Relikt war, das die Juden daran hinderte, ihre Bindung an ihr Volk abzuschütteln – in Podhoretz’ Worten „ihr Gefühl von sich selbst als Volk aufzugeben, dessen Mitglieder über nationale Grenzen hinweg aneinander gebunden waren, wo immer sie leben mochten.“

Die Aufklärung unterstellte, daß die Juden den atomisierten Individualismus akzeptieren sollten, den der moderne Nationalstaat mit sich brachte. Wie Graf Clermont de Tonnere es 1789 vor der französischen Nationalversammlung ausdrückte: „Den Juden sollte als Nation alles verweigert werden, aber als Individuen alles gewährt werden. … Die Existenz einer Nation innerhalb einer Nation ist für unser Land inakzeptabel.“

Im 19. Jahrhundert begannen die Juden von ihren Feinden als wirtschaftlich erfolgreiche Fremdrasse gesehen zu werden, die dazu entschlossen war, nationale Kulturen zu untergraben, wo immer sie lebten. Podhoretz liegt voll im jüdischen intellektuellen Mainstream mit seinem Angriff auf die Idee, daß Juden und Nichtjuden biologisch verschieden und in Konkurrenz zu einander sind – „die neue rassistische Rationale, die sich in der Darstellung eines Krieges zwischen Ariern und Semiten als das zentrale Drama der Geschichte zeigt.“ Zum Beispiel sah Ivan Akasov, ein Slawophilenführer in Rußland, die Juden als konkurrierende Bedrohung, die beabsichtigte, das Christentum zu zerstören:

„Die westeuropäische christliche Welt wird sich früher oder später einem Kampf auf Leben und Tod mit dem Judentum gegenüber sehen, die danach strebt, das universale christliche Ideal durch ein anderes, semitisches Ideal zu ersetzen, das ebenfalls universal ist, aber negativ und antichristlich.“

Sogar in den Vereinigten Staaten – dem „goldenen Land“, wie es von jüdischen Einwanderern gesehen wurde – gab es Ausschließung und Antipathie seitens „der oberen Ränge des WASP-Patriziertums.“ In Amerika wurden die Juden von den WASP-Eliten ausgeschlossen, und christliche Formen von Antisemitismus (z. B. Father Coughlin) blieben bis durch die 1930er stark. Isolationisten wie Charles Lindbergh neigten ebenfalls dazu, die Juden als Interessengruppe zu sehen, die darauf abzielte, Amerika in den Krieg gegen Deutschland zu ziehen. (Podhoretz bezeichnet Lindberghs berühmte Rede als „notorisch“.)

Die Juden schlossen, wie sie es schon immer getan hatten, seit die politische Linke und Rechte definiert worden waren, daß ihre Feinde auf der Rechten standen. Aber die Hauptlektion, die Podhoretz zieht, ist, daß westliche Intellektuelle über die Jahrhunderte eine Vielzahl christlicher und nichtchristlicher antijüdischer Ideologien hervorgebracht haben, jede mit demselben Ergebnis: Irrationaler Hass gegen Juden. Daher ist es nicht bloß das Christentum, sondern die europäische Zivilisation selbst, die das Problem für die Juden ist.

Und obwohl Podhoretz diesen Zug nicht ausdrücklich macht, ist es ein sehr kurzer Sprung von der Beschuldigung der von Europäern geschaffenen und aufrecht erhaltenen Kultur zu der Idee, daß die Europäer als Volk oder Gruppe von Völkern das Problem sind. Letztendlich ist dieses unausgesprochene Gefühl, daß die Europäer selbst das Problem sind, die Crux der Sache.

Podhoretz spielt allgemein die Realität herunter, daß die Juden dazu neigten, Allianzen mit den Eliten zu schließen, wo immer sie lebten. Die Hauptausnahme hiervon ist eine wichtige: Die Situation der Juden in Rußland von ca. 1880 bis zur bolschewistischen Revolution. Aber selbst hier erwähnt Podhoretz nicht, daß die meisten Juden besser dran waren als die meisten Russen, und er erkennt auch nicht das legitime, oft geäußerte Interesse der Behörden an, die russischen Bauern vor jüdischer Dominanz der ländlichen Wirtschaft und die in Entstehung begriffene russische Mittelklasse vor jüdischer Konkurrenz zu schützen. Am bedeutendsten ist, daß er die sehr große natürliche Zuwachsrate unter fundamentalistischen Juden in Osteuropa in einer Situation nicht diskutiert, in der sie über ihre traditionellen ökonomischen Nischen hinausgewachsen waren. Die Folge war weit verbreitete Armut unter Juden und eine Anziehungskraft für messianische Ideologien des Zionismus und, was für die Geschichte des Westens am bedeutendsten ist, des Marxismus.

Wie Podhoretz anmerkt, wurden die Juden, selbst wenn sie reich und mächtig waren, immer viel stärker zur Linken hingezogen als ihre nichtjüdischen Gegenstücke. Aber die Folge dieser jüdischen Bevölkerungsexplosion und der weitverbreiteten jüdischen Armut in Osteuropa war, daß die Tradition der jüdischen Opposition gegen nationale Kulturen – seit mindestens dem späten 19. Jahrhundert wohlbekannt und kommentiert – nun in eine Ideologie der marxistischen Revolution eingebettet war – oft in Kombination mit dem Zionismus. Podhoretz’ Hintergrund plaziert ihn fest in diese beiden wichtigsten Stränge des jüdisch-intellektuellen Lebens im 20. Jahrhundert.

Diese marxistischen Radikalen wanderten in Scharen in die Vereinigten Staaten und andere westliche Länder aus. In nur wenigen Jahrzehnten wurde diese politisch radikale jüdische Subkultur nicht nur zur dominanten politischen Kultur unter amerikanischen Juden, sondern zu einer Hauptkraft in der intellektuellen und politischen Linken allgemein. In dieser jüdischen Subkultur wurde es als „rechts“ betrachtet, wenn man bloß ein Sozialist war. Die sehr starke jüdische Identität dieser jüdischen Linken – unter ihnen Podhoretz – erinnert uns erneut daran, daß eine starke jüdische Identität völlig kompatibel mit einer Ideologie des marxistischen Universalismus war und ist.

Podhoretz wuchs in dieser Geisteshaltung auf, und nach seiner Schilderung blieb er bis in die späten 1960er ein Radikaler. Seine zentrale intellektuelle Frage ist, warum die Juden trotz dessen, was er als Veränderungen in dem sieht, was gut für die Juden ist, links blieben.

Podhoretz sieht das Linkssein als gut für die Juden während des Großteils ihrer Geschichte in Amerika. Im frühen 20. Jahrhundert waren die Feinde der Juden die „konservativen Bewahrer der alten Ordnung“ – WASPS, die in der Ära der ethnischen Abwehr der WASPS, die ihren Höhepunkt im Einwanderungsgesetz von 1924 fand, über die Wichtigkeit der Bewahrung ethnischer Homogenität laberten.

  1. Prescott Hall, der Gründer der Immigration Restriction League, schrieb: „Es muß daran erinnert werden, … daß … unsere Institutionen von einer homogenen Gemeinschaft begründet wurden, die aus den besten Bevölkerungselementen bestand, welche unter den Umständen ausgewählt wurden, unter denen sie in die Neue Welt kamen.“ Und einige der Feinde der Juden sorgten sich um jüdische Konkurrenz – „die hebräische Eroberung von New York,“ wie Henry James es ausdrückte.

Ist die Linke gut für die Juden?

In Darlegung seiner These, daß die Umstände sich so geändert haben, daß es für Juden jetzt irrational ist, Liberale zu sein, bringt Podhoretz einen oder zwei Absätze über die Idee, daß Affirmative Action schlecht für Juden ist (nicht wahrscheinlich), über die Rolle der Linken bei der Unterdrückung der Debatte in College-Campussen über IQ und andere Fragen, die mit „Diversity“ zu tun haben, und über angeblichen Antisemitismus unter radikalen Schwarzen während der 1960er. Dann widmet er 160 Seiten dem relativen Versagen der Demokratischen Partei und der Linken allgemein beim Schutz der Interessen Israels. Es ist nicht schwer zu ergründen, was seine wahren Anliegen sind.

Aber trotz seiner Mühen überzeugt die Sache nicht.

Podhoretz hat gewiß keine Schwierigkeiten, antiisraelische Einstellungen auf der Linken zu finden. Zum Beispiel widmet er ein ganzes Kapitel Gore Vidals Artikel The Empire Lovers Strike Back, der 1986 in „The Nation“ erschien: „Der unverfrorenste antisemitische Ausbruch, der seit dem Zweiten Weltkrieg in einer respektablen amerikanischen Zeitschrift erschienen ist.“ Vidals Artikel enthielt dieses Zitat über Podhoretz und seine Frau Midge Decter: „Obwohl nichts falsch daran ist, ein Lobbyist für eine ausländische Macht zu sein, sollte man sich beim Justizministerium registrieren lassen.“

Aber während es „völliges Schweigen seitens der Linken“ hinsichtlich Vidals Indiskretion gab, wird William F. Buckley dafür gelobt, daß er Vidal nicht nur verurteilt, sondern auch Joe Sobran beim „National Review“ rausgeschmissen hat.

Das Problem für Podhoretz ist, daß es auch antiisraelische Ansichten auf der Rechten gibt. In der Tat gibt Podhoretz sich große Mühe zu zeigen, daß Buckley und „National Review“ nicht genug taten, um Pat Buchanan für seine Kolumne „Amen Corner” und seine Kulturkriegsrede beim republikanischen Parteikonvent 1992 zu verurteilen. Und wegen der Nichtverurteilung von Buchanan gab es „großen Schaden für die Aussicht auf eine bedeutende Bewegung jüdischer Wähler in eine konservativere Richtung.“

Wie sollen Juden sich also zwischen den antiisraelischen Stimmen auf Seiten der Linken und jenen auf Seiten der Rechten entscheiden? Ein Gedanke ist, daß Podhoretz, obwohl es antiisraelische Stimmen unter den Linken gibt (Podhoretz würde sie als “antisemitisch” etikettieren), mit Ausnahme von Jimmy Carters Aktivitäten nach seiner Präsidentschaft keine Bespiele innerhalb der Demokratischen Partei bringt (die immerhin die bei weitem wichtigste institutionelle Verkörperung der Linken in den Vereinigten Staaten ist). Stellen die Tatsachen, daß Carter gewisse antiisraelische Resolutionen ohne Veto bei der UNO durchgehen ließ, und daß Podhoretz ihn seit seiner Präsidentschaft als „offen und virulent feindselig gegen Israel“ sieht, Gründe dafür dar, daß Juden die Demokraten heute nicht unterstützen sollten? In der Tat wurde Carter bei der Konvention der Demokraten 2008 von jüdischen Aktivisten, insbesondere Alan Dershowitz, am Reden gehindert.

Was ist mit Bill Clinton? Podhoretz erwähnt, daß Clinton sich half, indem er sich den „stark proisraelischen“ Al Gore (ebenfalls ein Demokrat!) als Vizepräsidenten griff, dann aber sein wahres Gesicht zeigte, indem er Warren Christopher zum Außenminister ernannte und Anthony Lake als nationalen Sicherheitsberater. (Beide begingen die Sünde, den Rückzug aus dem Westjordanland und aus Gaza zu befürworten). Podhoretz scheint es nicht für relevant zu halten, daß Israel während der Clinton-Jahre in Wirklichkeit nie unter ernsthaftem Druck stand, sich aus dem Westjordanland und Gaza zurückzuziehen.

Obwohl harte Gespräche über die Siedlungserweiterung die frühe Obama-Administration kennzeichneten, hat Außenministerin Hilary Clinton ihre Tonart dramatisch geändert und ein Angebot israelischer „Zurückhaltung“ beim Siedlungsbau gelobt, was immer das bedeutet. Jetzt erfahren wir, daß Mahmoud Abbas seine Kandidatur um die Präsidentschaft der palästinensischen Autonomiebehörde zurückgezogen hat, weil er sich von der Obama-Regierung verraten fühlt.

Kürzlich hat der Kongreß mit überwältigender Mehrheit eine Resolution angenommen, die die Obama-Regierung dazu aufruft, „einstimmig jeder Unterstützung oder weiteren Berücksichtigung des ‚Berichts der Fact Finding Mission der Vereinten Nationen zum Gaza-Konflikt’ [d. h. des Goldstone Report, einer vernichtenden Anklage der israelischen Aktionen während der Gaza-Invasion von 2008-2009] in multilateralen Foren entgegenzuwirken.“ Die Demokraten stimmten im Verhältnis von 179 „ja“ zu 33 „nein“, während die Republikaner im Verhältnis von 165 „ja“ zu 3 „nein“ stimmten.

Podhoretz hat recht damit, daß die Republikaner im Kongreß wahrscheinlicher Sklaven der Israel-Lobby sein werden – aus Gründen, die weiter unten diskutiert werden sollen. Aber jedenfalls gibt es gewiß keine Anzeichen einer Grundströmung antiisraelischer Stimmungen unter den Demokraten.

Andererseits stehen die Beispiele für antijüdische oder antiisraelische Einstellungen auf der Rechten der Republikanischen Partei recht nahe. Beweisstück A ist Buchanan selbst. Und dann gibt es noch George H. W. Bush und sein „Ich bin nur ein einsamer kleiner Kerl“ der es mit „etwa tausend Lobbyisten auf dem Hügel [Capitol Hill] zu tun hat“ – gesagt im Zusammenhang mit dem Versuch, Israel durch Verzögerung einer Wohnbaukreditgarantie zum Einfrieren der Siedlungstätigkeit zu bewegen. Und dann gibt es noch Bushs Außenminister George Schultz, der verbreiteten Berichten nach gesagt haben soll: „Scheiß auf die Juden, die wählen uns sowieso nicht.“

Podhoretz reißt sich ein Bein aus im Versuch, die Juden hinsichtlich antijüdischer und antiisraelischer Einstellungen auf der Rechten zu beruhigen. Zum Beispiel wechselt er in seinen Anwaltsschreiben-Modus, wenn er versucht, Pat Robertson vom Vorwurf des Antisemitismus „wegen gewisser spinnerter Ideen aus dem achtzehnten Jahrhundert über eine Verschwörung zwischen jüdischen Bankiers und Freimaurern zur Übernahme der Welt“ zu befreien. Man würde denken, daß solche Ideen Robertson zum völligen Gräuel für Juden machen würden. Aber für Podhoretz ist Robertson wegen seiner „unerschütterlichen Unterstützung für Israel“ okay.

In der Tat ist Podhoretz bereit, ziemlich viel zu vergeben, wenn es von proisraelischen Einstellungen begleitet ist. In derselben Passage verzeiht er Alexander Solschenizyn aus demselben Grund seine Ansichten über die Rolle jüdischer Revolutionäre bei der Einführung des Kommunismus in Rußland. (Zu Podhoretz’ Ehre: er räumt sogar ein, daß „Solschenizyns Ideen über jüdische Revolutionäre auf einer unbequemen historischen Realität beruhten.“)

Seltsamerweise erwähnt Podhoretz nicht Robertsons Behauptung:

„Die Rolle, die jüdische Intellektuelle und Medienaktivisten beim Angriff gegen das Christentum gespielt haben, könnte sich gut möglich als schwerer Fehler erweisen. … Jahrhundertelang haben Christen die Juden in ihrem Traum von einem nationalen Heimatland unterstützt. Aber amerikanische Juden haben große Energie in Angriffe gegen genau diese Verbündeten investiert. Diese Investition könnte eine schreckliche Dividende abwerfen.“

In einem Artikel in „Commentary“ von 1995 verteidigte Podhoretz Robertson selbst diesbezüglich und merkte an, daß jüdische Intellektuelle, jüdische Organisationen wie der American Jewish Congress und von Juden dominierte Organisationen wie die American Civil Liberties Union [ACLU, d. Ü.] wirklich den christlichen Glauben verspottet, die öffentliche Stärke des Christentums zu untergraben versucht oder den Kampf für uneingeschränkte Pornographie angeführt haben. Ich bin ganz seiner Meinung.

Seltsamerweise erwähnt Podhoretz in keiner Weise seine Verteidigung Robertsons in diesen Fragen im gegenständlichen Buch – vielleicht, weil er erkennt, daß dies für die große Mehrheit der Juden zu weit geht. Jedoch merkt er an: „Wenn man an der Oberfläche einer liberalen Organisation wie der American Civil Liberties Union [ACLU] oder der United Nations Association kratzt, wird man jüdische Mitglieder finden und jüdisches Geld, das sie erhält, und wenn man an einer jüdischen Organisation kratzt, wird man eine liberale Agenda finden.“

Juden tragen auch 50 – 60 % zur Finanzierung der Demokratischen Partei bei.

Ohne Frage finanzieren Juden das linke Amerika.

Man fragt sich, ob Podhoretz solch eine prinzipienfeste Haltung in anderen konservativen Fragen wie Affirmative Action, Einwanderung oder Big Government einnehmen würde – ungeachtet irgendwelcher Ideen, die von einigen für antijüdisch erachtet werden (z. B. „die Juden kontrollieren Hollywood“), solange man gegen Affirmative Action oder massive nichtweiße Einwanderung ist.

Die Antwort wäre nein.

Die gute Nachricht ist, daß selbst jemand wie ich innerhalb der jüdischen Gemeinschaft rehabilitiert werden könnte, obwohl ich in der Tat an die unbequeme historische Realität glaube, daß die Juden Hollywood kontrollieren und daß dies den Inhalt von Filmen beeinflußt, unter anderem indem sie unter anderem das Christentum verunglimpfen. Alles, was ich tun müßte, wäre als fanatisch proisraelisch zu erscheinen.

Ähmmm, tut mir leid, da kann ich nicht mit. Unterschiedliche Länder haben unterschiedliche Interessen – eine simple Tatsache, die einem nicht registrierten Lobbyisten einer ausländischen Regierung wie Podhoretz entgeht.

Grand New Party

Ich schlußfolgere, daß Juden, die Podhoretz lesen, nicht wahrscheinlich davon überzeugt werden, daß sie bei den Republikanern besser dran sind oder indem sie zu Konservativen werden. Podhoretz hat recht, daß die Republikaner einen Tick wahrscheinlicher sklavisch für Israel sein werden. Aber er ignoriert völlig eine andere unbequeme historische Realität – daß neokonservative Juden sehr aktiv darin waren, wahre Konservative wie Buchanan aus der republikanischen Mainstream-Politik zu säubern, und daß die Neocons die Republikanische Partei nach ihrem Ebenbild umgestaltet haben. In der Tat, wie er es formuliert (ohne die Beweise in der einen oder anderen Richtung zu beurteilen), glauben Paläocons, daß Neocons wie Podhoretz „verkleidete Liberale sind, die … erfolgreich darin waren, die konservative Bewegung zu kidnappen und zu korrumpieren.“

Dies bringt uns zum Kern der Sache. Podhoretz’ Unterfangen ist im Grunde ein Betrug.

Ihm geht es nicht darum, ob die amerikanischen Juden jemals aufhören sollten, liberal zu sein. Ihm geht es darum, ob sie sich dazu durchringen könnten, für die Republikanische Partei zu stimmen, falls die Republikanische Partei besser für Israel wäre. Es hat nichts zu tun mit Liberalismus oder Konservatismus, Big Government oder Konstitutionalismus.

Und der beste Beweis dafür ist, daß jüdische Neokonservative – die bei weitem wichtigste Gruppe von Juden, die (zeitweise) empfehlen, für die Republikaner zu stimmen – gar nicht wirklich konservativ sind. Ihr eines und einziges Anliegen ist es immer gewesen, die US-Außenpolitik in die Richtung Israels zu lenken. Sie haben innerhalb der Republikanischen Partei beständig liberale Positionen befürwortet und konservative Positionen nur als Zweckpositionen eingenommen, um ihre größere Israel-Agenda nicht zu gefährden. Die Tatsache, daß der überwiegende Großteil von Podhoretz’ Buch sich mit der Unterstützung Israels befaßt statt mit irgendeiner spezifisch liberalen oder konservativen Frage, bestätigt dies.

Beweisstück A für dies ist die Einwanderung. Jüdische Neokonservative sind entschiedene Unterstützer der destruktivsten Kraft seit dem Zweiten Weltkrieg gewesen, die mit der Linken assoziiert wird – der massiven nichteuropäischen Einwanderung nach Amerika und in andere westliche Länder. Wie der Neokonservative Ben Wattenberg berühmterweise geschrieben hat: „Die Enteuropäisierung Amerikas ist eine ermutigende Nachricht von fast transzendentaler Qualität.“ Solche Einstellungen sind kennzeichnend für das gesamte jüdische politische Spektrum, von ganz links bis zur neokonservativen Rechten.

Und was die Gegnerschaft zur illegalen Einwanderung angeht, so sprangen die Neocons erst auf diesen Zug auf, nachdem es politisch zweckmäßig geworden war. Bill Kristol, dessen Kommentare im Symposion von Commentary über Podhoretz’ Buch darauf hindeuten, daß er nicht zu tief darüber nachdenken will, warum Juden links sind (meine Umschreibung: „Bleibt nur weiter jüdisch, und die Dinge werden für sich selbst sorgen“) ist ein gutes Beispiel eines Neocons, der die Politik der Republikaner steuert, um sein grundsätzlicheres Ziel der Unterstützung Israels zu erreichen. Wie John Sullivan hinsichtlich Kristols Aktivismus zum Gesetzesentwurf für eine Amnestie [illegaler Einwanderer] anmerkte:

„Kristol, der viele Neokonservative repräsentiert, die zur Unterstützung des Entwurfs neigten, sprach sich dagegen aus. Er tat dies teilweise deshalb, weil er schwere Ausgestaltungsmängel hatte, aber, was wichtiger war, weil er eine bittere Kluft zwischen den gewöhnlichen Republikanern und der Parteiführung schuf. Dies wiederum gefährdete republikanische Ziele auf anderen Gebieten, insbesondere im Irak.“

Peter Brimelow drückt es am besten aus:

„Kristol wird zum Einwanderungsenthusiasmus zurückkehren, sobald er dabei geholfen hat, Bush zum Angriff gegen den Iran zu überreden.“

In einer Passage, die man alle Republikaner lesen lassen sollte, erzählte Sam Francis:

„…der Katalog der neokonservativen Anstrengungen, die Vorstellungen von traditionellem Konservatismus nicht bloß zu debattieren, zu kritisieren und zu widerlegen, sondern jene Gestalten und Institutionen der Alten Rechten, die sie ins Visier genommen haben, zu verurteilen, zu verunglimpfen und ihren Karrieren zu schaden.“

„Es gibt unzählige Geschichten davon, wie Neokonservative erfolgreich in konservative Organisationen eingetreten sind, traditionelle Konservative hinausgedrängt oder degradiert haben und die Positionen und die Philosophien solcher Institutionen in neokonservative Richtungen geändert haben… Autoren wie M. E. Bradford, Joseph Sobran, Pat Buchanan und Russell Kirk und Institutionen wie „Chronicles“, das Rockford Institute, die Philadelphia Society  und das Intercollegiate Studies Institute haben zu den respektiertesten und angesehensten Namen des amerikanischen Konservatismus gehört. Das Engagement ihrer neokonservativen Feinde, sie aus der Bewegung zu vertreiben, die sie übernommen haben, und sie als randständige und gefährliche Figuren zu dämonisieren, hat keine legitime Basis in der Realität. Es ist ein klarer Beweis für die anderweitigen Bestrebungen derjenigen hinter dem Neokonservatismus, den amerikanischen Konservatismus zu dominieren und von seinen ursprüngliche Zielen und Agenden abzubringen und ihn anderen Zwecken zuzuwenden…“

„Was Neokonservativen an ihren „Verbündeten“ unter den traditionellen Konservativen wirklich mißfällt, ist einfach die Tatsache, daß die Konservativen überhaupt Konservative sind – daß sie „diese Idee einer christlichen Zivilisation“ unterstützen, wie Midge Decter es ausdrückte, daß sie gegen Masseneinwanderung sind, daß sie Martin Luther King kritisieren und die rassische Enteignung der weißen westlichen Kultur ablehnen, daß sie Joe McCarthy unterstützen oder ihm zustimmen, daß sie Zweifel oder starke Ablehnung zur amerikanischen Außenpolitik im Nahen Osten hegen, daß sie gegen unbesonnene Beteiligung an ausländischen Kriegen und ausländischen Verstrickungen ablehnen und daß sie, zusammen mit den Gründervätern der Vereinigten Staaten, das Konzept einer puren Demokratie ablehnen und den Glauben, daß die Vereinigten Staaten eine sind oder sich dorthin entwickeln sollten.“

Podhoretz ermahnt also die Juden, sich vom Liberalismus abzusetzen, während seine Frau „diese Idee einer christlichen Zivilisation“ beklagt. Bei solchen Konservativen: wer braucht da Liberale?1

Anmerkung:

1) In der Tat wäre es ein gutes Projekt, herauszufinden, was genau jüdische Intellektuelle glauben, was Konservative sind. Im Symposion von Commentary etikettiert der Historiker Jonathan D. Sarna Louis Marshall als „standhaften Konservativen“. Tatsächlich war Marshall (1856 – 1929) ein Republikaner, aber wie die Neokonservativen kann man ihn beim besten Willen keinen Konservativen nennen. Marshall war Direktor des NAACP und ein Vorkämpfer für Minderheitenrechte. Er war auch der Vorkämpfer des jüdischen Vorstoßes für unbeschränkte Einwanderung in diesem Zeitraum. Zu einer Zeit, als die Bevölkerung der Vereinigten Staaten bei über 100 Millionen lag, behauptete er bei einer Anhörung im Kongreß zum ethnisch defensiven Einwanderungsgesetz von 1924: „Wir haben in diesem Land Platz für die zehnfache Bevölkerung, wie wir sie jetzt haben“; er befürwortete die Aufnahme aller Völker der Welt ohne Quotenlimit, unter Ausschluß nur derjenigen, die „geistig, moralisch und physisch ungeeignet waren, die Feinde einer organisierten Regierung sind, und von denen zu erwarten ist, daß sie der Öffentlichkeit zur Last fallen.“ Offensichtlicherweise glaubte Marshall, ein Zionist, nicht, daß die amerikanische Mehrheit ein Recht zur Verteidigung ihrer ethnischen Interessen mittels Kontrolle der Einwanderungspolitik hätte. Die Neocons wären stolz auf ihn.

 

Teil 2: Der Außenseiter als Insider

The Outsider as Insider

Im Symposion von “Commentary” über Norman Podhoretz’ „Why Are Jews Liberal?“ lenkt der Historiker Jonathan D. Sarna die Aufmerksamkeit auf die Tatsache, daß „der Liberalismus außerhalb der Vereinigten Staaten nicht annähernd solch ein starker Glaube unter Juden ist. In Israel, um ein nahe liegendes Beispiel zu nehmen, gibt es einen ziemlichen Gleichstand zwischen jüdischen Liberalen und jüdischen Konservativen.“

In Wirklichkeit sind Israelis, die man entfernt als liberal beschreiben könnte, eine deutliche Minderheit – die alte Arbeiterpartei, die von zionistischen Sozialisten gegründet wurde, pfeift aus dem letzten Loch, stellt nur etwa 10 % der Knesset und funktioniert hauptsächlich als Feigenblatt der Respektabilität für die dominante ethnonationalistische Rechte.

Identifikation mit der Linken ist kein allgemeines Merkmal von Juden; sie ist jedoch ein deutliches Phänomen in Ländern der jüdischen Diaspora, was darauf hinweist, daß man auf der Suche nach einer Erklärung für die Anziehungskraft der Linken auf Juden auch diese Erfahrung der Diaspora in Europa und anderen europäischstämmigen Ländern betrachten muß.

Dankenswerterweise versucht Podhoretz nicht, das jüdische Hingezogensein zur Linken als Ergebnis eines moralischen Imperativs zu erklären, der allein schon aus der Natur des Judaismus selbst stammt.

Solch ein Selbstverständnis bleibt stark unter jüdischen Liberalen, einschließlich Deborah Lipstadt, die meint: „Die Torah lehrt uns wiederholt, für die ‚Witwe, die Waise, die Armen und die Fremden’ zu sorgen.“ Jüdische Befürworter der nicht-weißen Einwanderung verwenden manchmal diese Begründung – zum Beispiel Gideon Aronoffs Hebrew Immigrant Aid Society:

„Unter starkem Bezug auf die jüdische Tradition bieten wir Dienste für jüdische Einwanderer, Flüchtlinge und andere in Not – ohne Rücksicht auf ihre Religion, Nationalität oder ethnischen Hintergrund. Wir werden von unseren jüdischen Werten und Texten geleitet. Die Torah (die hebräische Bibel) sagt uns 36mal auf 36 verschiedene Arten, daß wir dem Fremden unter uns helfen sollen. Dies, und unser innerster Glaube, daß wir ‚die Welt reparieren’ müssen (hebräisch tikkun olam), sind die treibenden Prinzipien hinter unserer Arbeit.“

Aber die Idee, daß die jüdische Religion die Juden zu altruistischen Heilern der Welt macht, ist ein offensichtlicher Blindgänger, und nicht nur, weil – wie Podhoretz anmerkt – die hochreligiösen Orthodoxen weniger zu liberalen Einstellungen neigen als der Rest der jüdischen Gemeinde. Entscheidender ist, daß selbst den Realitätsfremdesten unter uns jetzt klar wird, daß Israel ein Apartheidsstaat wird, der von den extremsten religiösen und ethnischen Fraktionen der jüdischen Gemeinschaft dominiert wird. Die Palästinenser werden brutal behandelt und hängen von der Freigebigkeit der restlichen Welt ab.

Die moralisch erhebende Hebrew Immigrant Aid Society und so ziemlich die ganze organisierte jüdische Gemeinde in den Vereinigten Staaten hilft und begünstigt Israel als aggressivem, rassebewußtem Ethnostaat oder schaut zumindest weg. Was immer man darüber sagen mag, die jüdische Religion macht Juden nicht zu moralischen Vorbildern oder Vorkämpfern für die Unterdrückten. Und sie macht die Juden gewiß nicht zu Vorkämpfern für religiöse und ethnische Vielfalt.

Podhoretz’ Erklärung ist die, daß der Liberalismus zur Religion der amerikanischen Juden geworden ist – eine Anzahl irrationaler Glaubensvorstellungen, die dem Widerruf trotzen. Wie er anmerkt, galt das Gleiche für die lange jüdische Liebesaffäre mit dem Marxismus, und es traf gewiß auf Juden in traditionellen Gesellschaften zu:

„Der Liberalismus ist kein ‚Religionsersatz’. er ist eine Religion für sich, zusammen mit seinem eigenen Katechismus und seinen eigenen Dogmen … der sich verstockt gegen Fakten sträubt, die seine Behauptungen und Verheißungen untergraben.“

Die Idee, daß jüdische politische Ideologien und Verhaltensweisen religiöse Obertöne haben, ist attraktiv. Mein Buch Separation and Its Discontents enthält zwei Kapitel über Rationalisierungen, Apologetik und Selbsttäuschung unter Juden, beginnend mit einem Zitat eines berühmten Talmudgelehrten, das die Ideologie hinter einem Beispiel für klassische jüdische religiöse Schriften beschreibt:

„Die Dinge sind nie, was sie zu sein scheinen, weil sie es nicht sein können.“ In traditionellen Gesellschaften interpretieren jüdische Gelehrte jedes und alle historischen Ereignisse als übereinstimmend mit der messianischen Hoffnung auf eine Rückkehr zu politischer Macht und weltlichen Reichtümern in einem wiedererrichteten Israel.

Alles religiöse Denken neigt dazu, unmöglich widerlegbar zu sein, während es gleichzeitig verspricht, alles zu erklären. Das Interessante an den Juden ist jedoch, daß sie mehrere intellektuelle Bewegungen beherrscht haben, die sich als „Wissenschaft“ maskierten, während sie dennoch starke religiöse Obertöne hatten.

Podhoretz hat ganz recht damit, daß der starke jüdische Hang zum Marxismus in diesem Sinne fundamental religiös war. Ich habe ähnliche Kommentare abgegeben, nicht nur zur jüdischen Mitwirkung beim Marxismus, sondern auch in der Psychoanalyse und anderen Bewegungen der intellektuellen Linken. Diese Bewegungen zentrierten sich um charismatische, rabbi-artige Führer, und sie waren in einer Weise konstruiert, daß sie ihnen ermöglichten, alles zu erklären und unmöglich widerlegbar zu sein. Wie bei allen Religionen wurden Abweichler (Ketzer) einfach ausgeschlossen.

Daher habe ich kein Problem damit, Podhoretz zuzustimmen, daß es einen starken Zug religiösen Denkens unter Juden gibt – selbst unter den „säkularen“. Meiner Ansicht nach ist religiöses Denken in der ganzen jüdischen Geschichte höchst adaptiv gewesen, weil es in einer starken Eigengruppenideologie resultierte. Egal was geschah, die fundamentale Begründung für den Gruppenzusammenhalt würde nicht bedroht werden. Ob in Synagogen während des Mittelalters, in marxistischen Zellen im 20. Jahrhundert oder bei Tagungen psychoanalytischer Gesellschaften, wahre Gläubige ergeben gute Gruppenmitglieder. Nichts kann sie dazu bringen, in ihrer Treue zur Gruppe zu schwanken.

Aber die Tatsache, daß jüdische Identifikation immer religiöse Obertöne gehabt hat – selbst unter säkularen Juden im 20. Jahrhundert – erklärt nicht, warum Juden in der westlichen Diaspora liberal sind – nur daß ihre Glaubenssysteme immun gegen den Konflikt mit empirischer Realität sind.

Weiters scheint der Liberalismus, entgegen Podhoretz, enorm kompatibel mit jüdischem Eigeninteresse zu sein. In Amerika sind sowohl die Demokratische als auch die Republikanische Partei israelisch besetztes Territorium. Daher ist es schwer zu sehen, daß Juden „irrational“ sind, wie Podhoretz behauptet, wenn sie nicht für die Republikaner stimmen. Für rationale Juden, denen nur an Israel liegt, ist es ziemlich gehupft wie gesprungen.

Das entscheidende Argument ist, daß – wie Podhoretz selbst in Zitierung einer akademischen Studie erwähnt – Juden „die Republikaner nur so lange unterstützen, wie sie die liberale Position zu solchen Leitfragen … wie Einwanderung, Abtreibung, Schwulenrechte und die Trennung von Kirche und Staat einnehmen.“

In anderen Worten, die Juden sind der traditionellen Kultur Amerikas und des Westens feindlich gesinnt gewesen und sind starke Befürworter der Verdrängung der Weißen mittels Einwanderung.

Beim Versuch, dies zu verstehen, ist John Murray Cuddihys Klassiker The Ordeal of Civility: Freud, Marx, Levi-Strauss and the Jewish Struggle With Modernity ein guter Ausgangspunkt:

„Mit der jüdischen Emanzipation, als die Ghettomauern bröckeln und die shtetlach sich aufzulösen beginnen, betritt das Judentum – wie ein staunender Anthropologe – eine seltsame Welt, um ein seltsames Volk zu erforschen, das eine seltsame halakah befolgt. Sie untersuchen diese Welt mit Bestürzung, Staunen, Zorn und strafender Objektivität. Dieses Staunen, dieser Zorn und die nachtragende Objektivität des am Rande stehenden Nichtmitglieds sind rückfällig, sie setzen sich unvermindert in unsere eigene Zeit fort, weil die jüdische Emanzipation sich in unsere eigene Zeit fortsetzt.“

In psychologischen Begriffen beruht die jüdische Identität in der Diaspora auf psychologischen Mechanismen der Konkurrenz zwischen Gruppen. Ein starkes Gefühl jüdischer Identität ist immer von negativen Einstellungen zu Nichtjuden begleitet gewesen – von den Reinheitsgesetzen im traditionellen Judaismus (denen zufolge alles, was mit Nichtjuden zu tun hat, unrein war) über den revolutionären Hass auf die nichtjüdische Machtstruktur seitens jüdischer Marxisten bis zur Annahme von Werten, die der traditionellen Kultur Amerikas und des Westens entgegengesetzt waren. Diese negativen Wahrnehmungen werden verschärft durch die larmoyante Theorie von der jüdischen Geschichte, die von Podhoretz und der allgemeinen jüdischen Gemeinde akzeptiert wird: es ist nicht einfach so, daß das Christentum böse ist, sondern daß die westliche Kultur selbst giftig für Juden ist.

Die Folgerung daraus ist daher, daß Juden viel wahrscheinlicher als Nichtjuden negative Einstellungen zur traditionellen Kultur Amerikas und des Westens haben werden. Es ist wichtig, daß jüdische Wähler in allen Fragen liberal sind, von der Regierungsmacht bis zur Wohlfahrt. Aber wie Podhoretz anmerkt, sind es besonders soziale Fragen, wo der jüdische Liberalismus „unmißverständlich und unleugbar“ wird. Eine Umfrage von 1996 über jüdische Einstellungen zeigte, daß

„Juden fest freizügigen Sozialcodes verpflichtet sind, insbesondere sexuellen Codes. Die Kluft zwischen Juden und andern bei Umfragen zu außerehelichem Sexualverhalten, Marihuana und Scheidungsrecht ist recht beträchtlich: 58 % der Juden antworteten in diesen Punkten liberal, im Gegensatz zu nur 31 % bei Nichtjuden. In gleicher Weise trennen riesige Klüfte die Juden von anderen bei Abtreibung (86 % zu 44 %) und Kontrolle von Pornographie (71 % zu 45 %).“

Es gibt ähnliche Unterschiede, selbst wenn man die sozio-ökonomische Klasse berücksichtigt. Es überrascht nicht, daß Unterstützung für Schwulenehe und für Roman Polanski in Hollywood karrierefördernde Züge sind.

Außerdem sind Juden das Schlußlicht unter allen amerikanischen Gruppen beim „Vertrauen zum Militär“, aber sie befürworten Waffenkontrolle mehr als jede andere amerikanische Gruppe. Und die jüdische Abneigung gegen die Kultur Amerikas und anderer westlicher Diaspora-Gesellschaften erweitert sich zur Feindseligkeit gegen die ehemals dominante weiße protestantische Elite. Podhoretz zitiert die Soziologen Mark Lipsett und Earl Raab und merkt an, daß Juden „sich mit der Art von Leuten wohler fühlen, die sie in der Demokratischen Partei finden – die anderen ethnischen Minderheiten, mit denen sie in Amerika aufwuchsen – als mit den weißen angelsächsischen Protestanten, die in der Republikanischen Partei immer noch überwiegen.“

Es ist also nicht nur das Christentum, das Juden vom gesellschaftlichen Konservatismus fernhält. Katholische Latinos, schwarze Southern Baptists und asiatische Christen werden gegenüber den vormals dominanten WASPs sehr bevorzugt, die die traditionelle amerikanische Kultur und einstmalige herrschende Klasse repräsentieren. Es geht nicht wirklich um Religion, sondern um Volkstum und Rasse.

Trotzdem ist es in der Tat so, daß weiße Christen ein Objekt besonderer jüdischer Feindseligkeit sind. Im Symposium von Commentary beschreibt Michael Medved die atavistische jüdische Phobie gegenüber dem Christentum als die Religion der Fremdgruppe: „Juden fürchten die GOP als die ‚christliche Partei’“. Und die jüdische Feindseligkeit gegenüber dem Christentum vereint die orthodoxesten und konservativsten Juden mit den säkularsten und liberalsten.

Es ist die Feindseligkeit des Außenseiters gegen die Kultur der weißen Mehrheit. Als Folge davon haben Äußerungen der Feindseligkeit einen besonderen Ehrenplatz in der zeitgenössischen Kultur des Westens. Ein gutes jüngeres Beispiel ist Larry David, der in HBOs „Curb Your Enthusiasm“ auf ein Bild von Jesus pinkelte – eine Aktion, die dem Rest der Medienwelt ein Gähnen entlockte.

Der moralische Status des Außenseiters

Dieser Status, ein Außenseiter mit tiefem historischem Groll zu sein, hat schwere moralische Auswirkungen. Wie Benjamin Ginsberg anmerkt, machte die gesellschaftliche Randstellung der osteuropäischen Juden sie zu nützlichen Instrumenten für die Durchsetzung der Sowjetherrschaft über eine unwillige Bevölkerung, nicht nur in den ersten völkermörderischen Jahrzehnten nach der bolschewistischen Revolution, als sie als Stalins „willige Vollstrecker“ agierten, sondern auch in den Satellitenstaaten der UdSSR nach dem Zweiten Weltkrieg (Tschechoslowakei, Polen, Ostdeutschland, Ungarn und Rumänien). In ganz Osteuropa nach dem Zweiten Weltkrieg konnte man darauf vertrauen, daß die Juden, weil sie Außenseiter und hinsichtlich ihrer Positionen und sogar persönlichen Sicherheit von der Sowjetmacht abhängig waren, der Sowjetunion loyal bleiben würden.

Dies ist auch in der gesamten jüdischen Geschichte ein Muster gewesen. Juden als Außenseiter in traditionellen Gesellschaften verbündeten sich mit Eliten – oft unterdrückerischen fremden Herrschaftseliten, die das Volk unter ihrer Kontrolle ausbeuteten. Im Symposium von Commentary liefert Sarna eine ziemlich lauwarme Version davon, indem er en Historiker Ben Halpern zitiert: „Ihr Leben hing von den Autoritäten ab, von den Personen und Gruppen, die legitime Macht ausübten.“ Sehr richtig. Die Juden wurden von der Regierung geschützt, aber ihr Außenseiterstatus machte sie auch bereitwilliger, sich an unpopulären Aktivitäten zu beteiligen, wie der Steuereintreibung für räuberische Eliten ohne Treue gegenüber dem Volk, das sie regierten.

Das Selbstverständnis der Juden als Außenseiter sollte die europäischstämmige Bevölkerung Amerikas gewiß nicht zuversichtlich machen hinsichtlich der jüdischen Rolle in zukünftigen Regierungen, wenn sie eine Minderheit sind.

Jedoch kommt die Theorie von den Juden als Außenseiter nicht hinreichend an die Rolle der Juden als in Entstehung begriffene Elite heran, die die zuvor dominanten nichtjüdischen Eliten verdrängt. Die jüdische Identifikation mit der Linken sollte auch als Strategie gesehen werden, die die jüdische Macht als eine der weißen europäischen Mehrheit Amerikas feindliche Elite steigern soll. Wie ich argumentiert habe, sind jüdische intellektuelle und politische Bewegungen eine entscheidend notwendige Voraussetzung für den Niedergang des weißen Amerika während einer Zeit gewesen, in der die Juden Elitestatus erlangt haben.

All diese Bewegungen sind mit der politischen Linken verbündet gewesen. Als Demokraten sind die Juden ein integraler Teil der entstehenden nichtweißen Koalition, während sie in der Lage sind, ihre zentrale ethnische Verpflichtung gegenüber Israel beizubehalten. Tatsächlich ist die organisierte jüdische Gemeinde nicht nur die wichtigste Kraft bei der Beendigung der europäischen Ausrichtung der amerikanischen Einwanderungsgesetze gewesen, sondern sie hat auch beharrlich um Allianzen mit nicht-weißen Volksgruppen geworben, einschließlich Schwarzen, Latinos und Asiaten, und diese Gruppen waren überwiegend mit der Demokratischen Partei verbunden.

Während die Demokratische Partei zunehmend nicht-weiß wird (der letzte demokratische Präsident, der eine Mehrheit der weißen Stimmen gewann, war Lyndon Johnson 1964), kommen 90 % der republikanischen Wählerstimmen von Weißen. In den kürzlichen Zwischenwahlen erhielten die demokratischen Gouverneurskandidaten nur ein Drittel der weißen Wählerstimmen.

Amerika wird bald erkennen, daß es am Rand eines rassischen Abgrundes steht.

Weil die Republikanische Partei eine wichtige Kraft in der amerikanischen Politik bleibt, sind die Juden gut beraten, dort auch einen Einfluß zu behalten. Republikanische Juden behalten ihre liberalen Kerngrundsätze zu allen Schlüsselfragen wie Einwanderung und Kultur bei, indem sie sich mit dem „gemäßigten“ Flügel der Partei verbünden. Wie Podhoretz sind republikanische Juden hauptsächlich davon motiviert, die Republikanische Partei ihrer Einschätzung nach für Juden sicher zu halten und proisraelische Kräfte innerhalb der Partei zu fördern. Im allgemeinen haben republikanische Juden daran gearbeitet, die GOP so weit wie möglich wie die Partei zu machen, die sie hinter sich ließen, und sie so zu beeinflussen, daß sie nationalistische Einstellungen scheut, besonders selbstbewußte weiße oder christliche Identitäten.

Am Ende des Tages ist Podhoretz’ Unterfangen eine Übung in Täuschung. Er errichtet ein Bild irrationaler jüdischer Liberaler, die sich an den Liberalismus als einen Satz religiöser Glaubensvorstellungen klammern, die völlig außer Reichweite von Logik oder empirischer Daten sind. In Wirklichkeit ist der jüdische Liberalismus ganz klar eine Diaspora-Strategie, die politische Macht für Juden zumindest teilweise durch Errichtung von Koalitionen mit nicht-weißen Volksgruppen erlangen soll.

Weiters errichtet er ein Bild prinzipienfester, rationaler jüdischer Konservativer als wahre Konservative, während sie in Wirklichkeit Linke sind, die eine prominente Kraft dabei waren, echte Konservative in der Republikanischen Partei hinauszurempeln, um ihre proisraelische Agenda zu verfolgen und die Republikanische Partei zu etwas zu machen, das sie für sicher für Juden halten.

Willkommen in der “Alice im Wunderland”-Welt des jüdischen politischen Denkens.

 

Kevin MacDonald small  Kevin MacDonald:

Kevin MacDonald ist Professor der Psychologie an der California State University in Long Beach. Er ist der Autor von mehr als 100 gelehrten Papieren und Rezensionen wie auch von „A People That Shall Dwell Alone: Judaism as a Group Evolutionary Strategy“ (1994), „Separation and Its Discontents: Toward an Evolutionary Theory of Anti-Semitism“ (1998) und „The Culture of Critique: An Evolutionary Analysis of Jewish Involvement in Twentieth-Century Intellectual and Political Movements“ (1998). “Cultural Insurrections”, eine Sammlung von Essays, erschien 2008.

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