Jef Costello: Mein Kodex, Fortsetzung

Aristoteles vor der Universität von Thessaloniki, Griechenland.

Aristoteles vor der Universität von Thessaloniki, Griechenland.

Von Jef Costello, übersetzt von Deep Roots. Das Original My Code, Continued erschien am 28. April 2014 auf Counter-Currents Publishing/North American New Right.

 

In einem früheren Essay teilte ich zehn Aphorismen aus „meinem Kodex“ mit. Falls euch dieser Essay entgangen ist, sage ich nur, daß ich vor ein paar Jahren beschloß, einen Kodex zu erstellen, um danach zu leben. Wie die meisten Dinge, die ich tue, verwandelte sich das in ein größeres Projekt, und ich sammelte schließlich Nuggets „praktischer Weisheit“ aus allen möglichen Quellen: Aristoteles, die Stoiker und Epikureer, die Eddas und Sagas, das mittelalterliche Rittertum, japanisches Bushido, Tyler Durden, G. I. Gurdjieff und sogar den indischen Schiwaismus. Zusätzlich nahm ich darin verschiedene von mir selbst erdachte Aphorismen auf, die in den bitteren (und manchmal nicht so bitteren) Erfahrungen des Lebens geschmiedet wurden. Insgesamt besteht mein Kodex aus etwa 50 Punkten.

Eine Anzahl von Lesern ersuchte mich darum, mehr meiner „Aphorismen“ mitzuteilen; also dann los:

  1. Halte deinen Körper rein und in gutem Zustand.

Ethik gilt nicht ausschließlich dafür, wie wir andere behandeln; wie wir uns selbst behandeln, ist ebenfalls eine Sache von ethischer Bedeutung. Die Scholastiker (die zweimal pro Tag recht haben) lehrten uns, daß der Körper das Fahrzeug der Seele ist. Aber die meisten Menschen würden ihr Auto nie so behandeln, wie sie ihren Körper behandeln. Ich kann kein Junk Food zu mir nehmen, ohne Anfälle von Schuldgefühl zu erleiden, die St. Augustinus grüner werden lassen würden als diese Perlen, die er stahl. Wenn ich eine Woche lang nicht ins Fitneßstudio gehe, habe ich das Gefühl, als würde ich mich in das Bildnis des Dorian Gray verwandeln. Wie ich in anderen Essays hervorgehoben habe, ist unsere Weltsicht eine, die mit der Natur in Einklang steht. Und ich kann meinen Körper genausowenig so verkommen lassen oder vernachlässigen, wie es die meisten modernen Menschen tun, als ich meine Seele durch Popmusik, Fernsehen und moderne „Moral“ korrumpieren lassen kann.

Meine Leser wissen, daß ich kein Christ bin, aber Weisheit findet man überall. Nehmt also den Korintherbrief 6:19-20 zur Kenntnis: „Wißt ihr nicht, daß eure Körper Tempel des Heiligen Geistes sind, der in euch ist, den ihr von Gott empfangen habt? Ihr gehört nicht euch selbst; ihr wurdet für einen Preis gekauft. Ehret daher Gott mit euren Körpern.“ Erhebt euch, ihr Sünder! Steht von der Couch auf und geht ins Fitneßstudio. Wir müssen so weit wie möglich danach streben, uns selbst äußerlich und innerlich schön zu machen. Betet zu St. Leni und St. Arno um Anleitung. Und geht zur Paläo-Ernährung über. Ihr werdet mir danken.

  1. Lebe in Freundschaft mit Tieren.

Dies kommt aus dem Schiwaismus, wie er dem Westen von Alain Daniélou übermittelt wurde. Meine Katze ist mein bester Freund. Zumindest mein bester Freund, der am Ort wohnt. (Meine besten menschlichen Freunde wohnen Hunderte, in manchen Fällen Tausende Meilen entfernt.) Für mich sind Tiere recht nah dran, Leute zu sein. Ich habe in meinem Leben tiefe Bindungen zu meinen Hunden und Katzen gebildet, und sie zu mir. (Ich möchte jeden buchgescheiten modernen Materialistentrottel hauen, der mir sagt, daß meine Katze nur wegen der Wärme auf meinem Schoß sitzt – im Juli.) Menschen wurden dafür geschaffen, zu symbiotischen Beziehungen zu anderen Tieren fähig zu sein. Es heißt oft, daß Hunde die besten Freunde des Menschen sind, weil wir sie im Laufe Tausender Jahre gezüchtet und angepaßt haben. Aber wir mußten uns genauso an die Hunde anpassen. Die Wahrheit ist, daß wir uns gemeinsam entwickelt haben. Und während wir Baumfrösche und Kugelfische nicht ganz in derselben Weise lieben (weil sie einfach nicht niedlich sind), sind wir trotzdem von allem Lebenden fasziniert. Anständige Leute empfinden eine Verantwortung, für die natürliche Welt zu sorgen und sie zu bewahren. Dies ist keine „linke“ Position. Sie ist so rechts wie es nur geht. Fragt Göring, oder Savitri Devi.

  1. Ehre deine Vorfahren und ihre Gebräuche.

Eure Vorfahren zu ehren, heißt, euch selbst zu ehren, weil ihr sie seid. Wir wissen aus Studien an identischen Zwillingen (diesmal in Minnesota durchgeführt, nicht in Polen), daß Temperamente, Meinungen, Einstellungen, emotionale Reaktionen, Bewältigungsmechanismen, Hobbies, Talente, Interessen und Reaktionen auf bestimmte Stimuli alle eine genetische Basis haben. So wie ich älter werde, sehe ich meinen Vater immer mehr in mir selbst – in der Art, wie ich denke, und in meinen Emotionen. Und ich sehe meinen Großvater in ihm. Ich frage mich oft, ob wir nicht alle irgendeine urtümliche Szene ausleben, die mit irgendeinem fernen Vorfahren von mir begann, vielleicht dem Burschen, der mit Wilhelm dem Eroberer 1066 an Britanniens Küsten landete. Ich frage mich, ob die Männer in meiner Familie nicht sowohl gesegnet als auch verflucht sind mit Verhaltensmustern und Charakterzügen, die viele Jahrhunderte zurückreichen.

Ich fürchte, daß ich vielleicht mit der Schuld jenes Normannen vor langer Zeit beladen bin, der teilweise für die bedauerliche Tatsache verantwortlich ist, daß ungefähr ein Drittel des modernen Englischen aus dem Französischen abgeleitet ist. Tja. C’est la vie. Ob es mir gefällt oder nicht, ich bin er – zumindest ein Teil von mir ist er. Und das Sprichwort „kenne dich selbst“ voll zu leben heißt, seine Vorfahren zu kennen und sie zu respektieren und zu ehren. Und auch wenn sie einen vielleicht mit einigem Gepäck belastet haben, ist es eure einzigartige Kombination von ererbtem Gepäck, die euch zu einem Individuum macht. Sie versperrt euch bestimmte Möglichkeiten (z. B. werde ich nie ein Jockey sein), aber sie eröffnet euch andere (z. B. bin ich gut darin, Dinge entzwei zu spalten).

  1. Versetze dich in jeder Diskussion an die Stelle des anderen.

Ich begreife, daß dies vielleicht ein bißchen weichlich und liberal klingt, aber es ist tatsächlich ein recht guter Ratschlag. Ich neige dazu, zuviel von anderen Leuten zu erwarten. Als ich jünger war, war ich immer schockiert und zornig, wenn ich andere soziale oder politische Ansichten äußern hörte, mit denen ich nicht einverstanden war. Ich nahm an, daß sie einfach böse sein mußten. Aber ich begriff schließlich, daß viele von ihnen einfach dumm waren. Oder es ist ihnen, wenn sie intelligent waren, einfach nie eingefallen, Dinge in Frage zu stellen, die ich für selbstverständlich falsch befand. Unehrlichkeit, motiviert durch Furcht, ist ein weiterer Faktor: manche Menschen nehmen die Positionen ein, die sie haben, weil sie sich davor fürchten, es nicht zu tun (selbst wenn Zweifel an ihnen nagt). Im Umgang mit Menschen habe ich herausgefunden, daß es oft sehr hilfreich ist, zu sehen zu versuchen, warum der andere die Position einnimmt, die er hat, und dann dieses Verständnis zu nutzen, um mit ihm zu argumentieren.

Ihr werdet überrascht sein, wie wirksam es ist, beim Debattieren heißer Themen jemandem, dessen Blut kocht, zu sagen: „Ja, ich denke, ich verstehe, warum du diese Position einnimmst. Du denkst, daß X der moralisch richtige Weg ist. Wohingegen du mich als Verfechter von Y siehst. Aber was ich glaube, das du nicht verstehst, ist…“ Ich war oft erstaunt über die Unwilligkeit anderer Leute zuzugeben, daß ich eine Diskussion gewonnen hatte. In der Vergangenheit pflegte ich einfach weiter auf sie einzuhämmern, bis ich erkannte, daß manche Leute sich mit ihrem Ego darin verwickeln lassen. Eine Niederlage nicht zuzugeben ist ein Weg zur Wahrung des Gesichts. Ich kapiere das, und ich habe gelernt, an einem bestimmten Punkt gegenüber den Leuten lockerzulassen und sie ihr Gesicht wahren zu lassen. Immerhin wissen sie und jeder anwesende Zeuge, wer wirklich gewonnen hat. Und meine Mutter sagte immer, mit Honig fängt man mehr Fliegen als mit Essig. Wenn wir Menschen für unsere Seite gewinnen wollen, ist dies eine wichtige Lektion.

  1. Trage Unglück und Glück mit gleichem Anstand.

Dies kommt von Aristoteles und ist eine der Eigenschaften des „Mannes mit großer Seele“. Es bedeutet, daß der Mann mit großer Seele seine Würde bewahrt, wenn ihm Unglück widerfährt: er jammert und schreit und weint nicht vor anderen. (Auch wenn er das im stillen Kämmerlein tun mag; jener Prophet der Selbstbeherrschung, G. I. Gurdjieff, sagte einmal einem Schüler: „Wenn du um zwei Uhr morgens an meinem Zimmer vorbeikommst, wirst du mich zähneknirschen und bittere Tränen in mein Kopfkissen weinen hören“.)

Das Seltsame ist jedoch, daß Aristoteles uns sagt, daß der Mann mit großer Seele Glück mit Anstand trägt. Was bedeutet das? Es bedeutet, das es ein genauso großer Würdeverlust ist, vor Freude auf und ab zu hüpfen und zu quietschen, wie zu jammern und zu weinen. Denkt einfach an jene Leute in den Werbesendungen für die Lotterien von Publisher’s Clearinghouse. Oder an die Gewinner von The Price is Right. Oder an Dan Quayles Reaktion auf die Nachricht, daß er als Vizepräsidentschaftskandidat von George H. W. Bush ausgewählt wurde. Der Punkt ist: der Mann mit großer Seele verliert nicht die Kontrolle. Er wird vom Glück nicht bewegt. Er verzichtet nicht nur deshalb darauf, vor Freude zu quietschen, weil es mädchenhaft ist, sondern weil es ihn als zu verwundbar zeigt; als einen, dem vielleicht zuviel an dem liegt, was andere schätzen.

  1. Sprich die Wahrheit, wenn es klug ist, und manchmal, wenn es das nicht ist.

Dies ist eine Abwandlung von etwas anderem, das Aristoteles sagt. Tatsächlich schrieb Aristoteles:

„[Der Mann mit großer Seele] wird auch freimütig bezüglich seiner Hassempfindungen und Freundschaften sein, denn Geheimhaltung ist ein Zeichen der Furcht, und ihm wird an der Wahrheit mehr liegen als an seinem Ruf; und er wird offen sprechen und handeln, weil er Furcht und Geheimhaltung und Falschheit verachtet. Und daher wird er wahrhaftig sein, außer wenn er ironisch ist, und falls er ironisch ist, wird er es nur gegenüber den vielen sein.“

[Nikomachische Ethik, S. 1124b 26-31; kursiv von mir (d. h. Jef Costello).]

Das Problem mit dem, was Aristoteles sagt, ist, daß ihr und ich Geheimagenten sind. Die meisten von uns müssen die meiste Zeit über unsere Ansichten schweigen, oder den Verlust unserer Jobs zu riskieren – und vielleicht die Möglichkeit, nie einen anderen Job zu finden. Deshalb schreibe ich unter Pseudonym. Es gibt sehr wenige Leute wie Greg Johnson, die offen und in Vollzeit für unsere Sache arbeiten. Heimlichtuerei geht mir gegen den Strich. Bei der Arbeit fühle ich, wenn bestimmte Dinge gesagt werden, eine starke Neigung, den Mund aufzumachen – aber üblicherweise hüte ich meine Zunge und erinnere mich daran, daß ich, wenn ich meinen bequemen Job verlöre und echte Arbeit machen müßte, eine Menge weniger Zeit hätte, um Essays wie diesen zu schreiben. Daher besagt mein Aphorismus: „sprich die Wahrheit, wenn es klug ist.“

Man beachte, daß Aristoteles sagt, daß der Mann mit großer Seele manchmal ironisch zu den vielen sprechen wird (d. h. den Massen, dem Mob, dem Pöbel, der booboisie). In anderen Worten, er wird manchmal täuschen. Aristoteles sagt im Grunde dasselbe wie ich.

Man beachte auch, daß ich gesagt habe: „Sprich die Wahrheit, wenn es klug ist, aber manchmal, wenn es das nicht ist.“ Was ich hier meine, ist, daß wir vielleicht an irgendeinem Punkt, wenn wir es am wenigsten erwarten, in einer Situation landen, wo unsere Selbstachtung erfordert, daß wir den Mund aufmachen, selbst wenn das unklug ist. Wenn die Folge des Stummbleibens der Verlust der Selbstachtung ist, dann müssen wir den Mund aufmachen. Denn nichts ist wertvoller als unsere Würde und unsere Selbstachtung. Früher oder später wird das mir passieren. Und es wird euch passieren.

  1. Definiere dich nie über das, was du besitzt.

Dies ist eine der Lektionen (eine der vielen Lektionen) von Fight Club. Tyler hat gesagt: „Die Dinge, die du besitzt, werden schließlich dich besitzen.“ Oh, und: „Du bist nicht deine Sch***khakis.“ Nun, dies mag Lesern dieser Netzseite als offensichtlich erscheinen. Aber wir leben in einer tückischen Welt, in der sogar Dissidenten wie ihr und ich ständig in Versuchung geführt werden, uns über Konsumgüter zu definieren. Ich ging gestern mit einem Freund einkaufen, in einem von New Yorks riesigen Outlet-Einkaufszentren. (Ich suchte nach etwas neuer Sommerkleidung.) Als wir den Food-Court verließen, dachte ich zufrieden über das nach, was ich bereits gekauft hatte, aber auch darüber, was ich dort getragen hatte: eine schicke schwarze Calvin-Klein-Windjacke, ein schickes, eng anliegendes schwarzes Nautica-Polohemd, Levi’s-Jeans, Calvin-Klein-Stiefel, Schweizer Armeeuhr von Victorinox. Und ich fühlte mich von einer Art warmer Mittelklasseseligkeit erfüllt. Ich hatte alles. Ich fühlte mich eins mit meinen Mit-Einkäufern – weißen, schwarzen und braunen. Wir waren vereint in einer Ekstase des Konsums. Ich hatte die Einheit mit dem Geist des Bienenstockes erreicht.

Unnötig zu sagen, daß ich beim Nachdenken darüber spürte, wie mir das Kung-Pao-Huhn im Magen hochkam. Schnell nach Buße für meinen Moment der Schwäche suchend, riß ich mir die Ray-Bans vom Gesicht und stopfte sie in meine Calvin-Klein-Windjacke. Ich würde Buße tun, indem ich den Rest des Tages schielte. Die gesamte moderne Welt ist darauf zugeschnitten, die menschliche Identität auf das Niveau eines Konsumenten zu reduzieren. Diese kleinen Ausflüge in das Outlet-Einkaufszentrum sind die Belohnung für die Lohnsklaverei, für ein Leben, das fast gänzlich von der Arbeit zur Bereicherung anderer in Anspruch genommen wird; für ein Leben ohne Schönheit oder Erbauung; für ein Leben ohne irgendwelche Ideale oder Sehnsüchte, die über das Materielle hinausgehen. Und wir sind alle anfällig für die Verlockung des Konsums – von der so viel darauf gründet, mit der vielleicht verabscheuungswürdigsten der sieben Todsünden zu spielen: dem Neid.

Im Interesse voller Enthüllung muß ich zugeben, daß ein Teil meiner Scham mit der Erkenntnis zu tun hatte, daß jeder von wirklicher Klasse und mit wirklichem Geld sich nicht einmal tot in dem erwischen lassen würde, was ich trug. (Übrigens ist die beste fiktionale Veranschaulichung des Prinzips „die Dinge, die du besitzt, werden schließlich dich besitzen“ nicht Fight Club, sondern vielmehr D. H. Lawrences Kurzgeschichte „Things“. Tut euch selbst einen Gefallen und lest sie noch heute.)

  1. Lerne zu unterscheiden zwischen dem, was in deiner Macht liegt, und dem, was nicht in deiner Macht liegt.

Dies ist eine der Lektionen des stoischen Philosophen Epiktet, und es ist eine der wichtigsten Lektionen des Lebens. Sie wird bekanntlich durch das „Gelassenheitsgebet“ der Anonymen Alkoholiker ausgedrückt, das Reinhold Niebuhr zugeschrieben worden ist:

„Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,   den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,   und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“

Kein Kichern, bitte. Das ist etwas Wertvolles. So viel Leiden im Leben wird dadurch verursacht, daß man versucht, Dinge „in Ordnung zu bringen“, die wir nicht ändern können, und die wir nicht akzeptieren wollen. Aber eine große Menge Leid wird auch verursacht, wenn Menschen zu willensschwach oder zu feige sind, um zu ändern, was sie ändern können, und statt dessen vorgeben: „Es ist hoffnungslos!“ oder „Ich kann nicht anders!“ Ich höre das Leute über die Sache des Weißen Nationalismus sagen. Wir befinden uns sicherlich in scheußlichen Schwierigkeiten, oder? Aber ist unsere Situation wirklich, definitiv, absolut hoffnungslos und jenseits unserer Macht, sie zu ändern? Nur wenn wir alle glauben, daß es so ist.

  1. Vertraue deinen Instinkten und Gefühlen.

Dies ist eine Lektion, die mich das Leben auf die harte Tour gelehrt hat. Wie die meisten Intellektuellen lebe ich in meinem Kopf. Es erübrigt sich jedoch zu sagen, daß ich oft Gefühle, Emotionen und Bauchgefühl-Reaktionen habe. Das Problem ist, daß ich kaum jemals auf sie höre. Und fast jedes einzelne Mal bereue ich es. Vertraut euren Instinkten – besonders, wenn ihr bei etwas ein schlechtes Gefühl habt. (Wir müssen jedoch ein wenig argwöhnischer sein, wenn die Dinge sich gut anfühlen.) Man kann nicht alles durchdenken, und manchmal gibt es Argumente für beide Richtungen. Richtet euch nach eurem Bauchgefühl. Aristoteles sagt das nicht, aber es ist das, was der Mann mit großer Seele tun würde. Es ist Teil dessen, was jemanden zu einem guten Anführer macht – ein empfindsames Bauchgefühl zu haben, und darauf zu hören.

Man beachte, daß ich „Gefühle“ genauso erwähne wie Instinkte. Was ich hier im Sinn habe, ist das, was Adam Smith „moralische Empfindungen“ nannte. Im Leben und im Umgang mit anderen Menschen kann es nicht nur um Regeln gehen. Wir müssen ein Gefühl dafür haben, wann Regeln gebeugt oder gebrochen werden müssen. Hier kommen die moralischen Empfindungen ins Spiel. Eine Gefahr besteht nur, wenn jemand dazu neigt, willensschwach, leichtgläubig oder rührselig zu sein. Manchmal – also bitte hört nicht auf, mich zu lesen, okay? – muß man auf sein Herz hören. Das ist Teil dessen, menschlich zu sein. Es ist die Tugend, die Konfuzius für die vorrangige hielt: ren, „Güte“ oder „ein menschliches Herz zu haben“. Sie ist perfekt mit Liebe zu den eigenen Leuten und ihrer Bevorzugung vereinbar. Tatsächlich sind es hauptsächlich die eigenen Leute, die diese Tugend in uns zum Vorschein bringen. Es ist Teil des Menschseins, und ein großer Teil dessen, weiß zu sein, ein gewisses Mitgefühl mit dem Fremden zu empfinden. Aber wenn dieses Mitgefühl uns veranlaßt, in einer Weise zu handeln, wo wir den Freund und das Familienmitglied opfern, dann wissen wir, daß unsere Gefühle irgendwo auf dem Weg pervertiert worden sind und gegen uns benutzt werden.

  1. Bewahre dir ein Gefühl für das Staunen.

Dies ist eine der Eigenschaften, die Kinder liebenswert machen. Ich habe Erwachsene auf das Staunen von Kindern mit einer Kombination aus Amüsiertheit, Liebe und Melancholie reagieren sehen. Letzteres liegt daran, daß sie ihr Gefühl für das Staunen verloren haben. Es gibt Menschen, die abgebrüht sind und denken, sie hätten „alles getan“. Das haben sie nicht. Sie haben einfach den schmalen Bereich von Interessen und Wünschen erschöpft, den sie unkritisch von der Gesellschaft akzeptiert haben. Ich habe herausgefunden, daß es immer wichtig ist, weiterhin zu forschen. Zu reisen, neue Musik zu hören, ein breites Spektrum zu lesen, neue Filme zu sehen, neue Leute zu treffen. Dies ist eine der Arten, wie ich mich selber wieder aufmuntere, wenn ich an den scheußlichen Zustand denke, in dem wir uns befinden. Trotz allem ist dies immer noch eine Welt, die endlos, grenzenlos faszinierend ist. Es gibt immer irgendeinen neuen Ort, an den man gehen kann, irgendeinen Komponisten, den ich nie gehört habe, irgendein Thema, das ich nie erforscht habe. Aber es ist auch wichtig, daß man so gut wie möglich versucht, sich ein Gefühl des Staunens über das Vertraute  zu bewahren – insbesondere über die Natur. Es ist wichtig, die Fähigkeit nicht zu verlieren, so zu fühlen, denn ihr Verlust bedeutet spirituellen Tod auf grundlegendster Ebene. Ich werde es euch überlassen, liebe Leser, darüber nachzudenken, warum das der Fall ist.

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