Das maurische Spanien: Ein erfolgreiches multikulturelles Paradies? (Teil 2)

Von F. Roger Devlin; Original: Moorish Spain: A Successful Multicultural Paradise? Part 2, erschienen am 28. März 2016 auf The Occidental Observer.

Übersetzung: Lucifex

Fortsetzung von Teil 1

Es ist schwieriger, verallgemeinernde Aussagen über die Situation der Juden im maurischen Spanien zu machen. Das westgotische Gesetz hinsichtlich der jüdischen Gemeinschaft war streng und darauf angelegt, sie mit der Zeit zum Verschwinden zu bringen. Dementsprechend bildeten die Juden, wie oben erwähnt, eine Zweckallianz mit den moslemischen Invasoren. Jedoch war die Position der Juden im frühen maurischen Spanien selbst nach der Herabsetzung auf einen Dhimmi-Status (vor der Invasion der Almoraviden von 1085) günstiger, als sie es unter den christlichen Westgoten gewesen war.

Manche moslemischen Herrscher fanden es praktisch, jüdische Beamte anzustellen, nachdem sie anders als wohlgeborene Moslems gänzlich von der königlichen Gunst abhängig blieben und somit leicht zu kontrollieren waren. Daher wurde z. B. ein jüdischer Gelehrter namens Hasdai (gest. ca. 970) zum de-facto-Außenminister von Kalif Abd-al-Rahman III und war ein aktiver Wohltäter und Beschützer der jüdischen Gemeinschaft. Rabbi Samuel Ibn Naghrela (993 – 1056) wurde als Wesir des Herrschers von Granada zum mächtigsten Juden in der Geschichte des maurischen Spanien und erwarb sich den hebräischen Titel HaNagid („Der Fürst“).

Aber solche begünstigten Juden waren auch dem Groll der moslemischen Bevölkerung ausgesetzt. Es ist dokumentiert, dass Samuel Ibn Naghrela regelmäßig von einem moslemischen Kaufmann beleidigt wurde, wann immer er durch die Tore von Granada ritt. Sein Dienstgeber wurde zum Gegenstand eines satirischen Gedichtes:

Er hat einen Ungläubigen als seinen Sekretär ausgewählt,
als er, hätte er es gewollt, einen Gläubigen hätte wählen können.
Durch ihn sind die Juden groß und stolz geworden
und arrogant – sie, die zu den Elendsten gehörten.
Und wie viele würdige Moslems gehorchen demütig
dem abscheulichsten Affen unter diesen Schurken?

Naghrelas Sohn Joseph, ebenfalls ein hochrangiger Beamter, wurde bei den antijüdischen Unruhen getötet, die 1066 in Granada ausbrachen.

Rabbi Isaac Ibn Albalia entkam selbigen Ausschreitungen und wurde Hofastrologe des moslemischen Herrschers von Sevilla, al-Mutamid. Aber derselbe al-Mutamid kreuzigte einen jüdischen Gesandten, der von Alfons VI. von Kastilien geschickt worden war, weil ihm die Forderungen nicht gefielen, die der Mann überbrachte. Ganz eindeutig hat die gelegentliche aus eigennützigen Gründen erfolgte Anstellung jüdischer Beamter durch moslemische Herrscher nichts mit dem modernen Ideal der „religiösen Toleranz“ zu tun.

Moderne jüdische Historiker heben gerne die Karrieren mächtiger jüdischer Beamter im maurischen Spanien hervor, aber derselbe Zeitraum erlebte auch zahlreiche antijüdische Krawalle, Vertreibungen und Ermordungen. Wie der jüdische Historiker Bernard Lewis geschrieben hat: „Das Goldene Zeitalter der gleichen Rechte ist ein Mythos, und der Glaube daran war eher ein Ergebnis als eine Ursache der jüdischen Sympathie für den Islam.“ (Nota bene: Fernandez-Morera erwähnt in einer Fußnote, dass jüdische Arabisten eine wichtige Rolle bei der „Verbreitung eines enthusiastischen Bildes vom islamischen Spanien“ gespielt haben.)

Anders als Christen und Moslems genossen Juden dieses Zeitraums nie die Macht, andere Religionen zu verfolgen, aber dies sollte uns nicht zur Fehlvorstellung führen, dass sie „toleranter“ als die Moslems oder Christen der Zeit gewesen wären. Es gab jüdische – wenngleich nicht durchsetzbare – Gesetze, die es Nichtjuden verboten, in einem hypothetischen jüdischen Königreich öffentliche Ämter zu besetzen, sowie auch Nichtjuden verboten, jüdische Sklaven zu besitzen. Jüdische Schriften aus dem maurischen Spanien enthalten nicht nur wütende Anprangerungen sowohl des Christentums als auch des Islams, sondern auch von häretischen jüdischen Sekten wie die Karäer (die die Autorität des Talmud nicht anerkannten).

Die Almoraviden, die Andalusien im Jahr 1085 eroberten, setzten dem Zeitalter der jüdischen Wesire ein Ende. In späteren Jahren suchten viele andalusische Juden Zuflucht in den christlichen Königreichen des nördlichen Spanien.

Aber wenn wir einräumen, dass die moslemische Toleranz gegenüber anderen Religionen ein Mythos ist, was ist dann mit dem Leben innerhalb der spanischen Moslemgemeinschaft selbst? Die Realitäten des täglichen Lebens im maurischen Spanien werden am besten von Gesetzestexten der Zeit widerspiegelt, Texten, die von Enthusiasten der romantischen Vision vom andalusischen Paradies weitgehend ignoriert worden sind. Die spanischen Moslems folgten der malikitischen Schule der Rechtsprechung, einer der strengeren der sunnitischen Rechtsschulen. Vertreter anderer Schulen wurden manchmal zwangsweise aus Spanien vertrieben, und Anhängern der malikitischen Schule war es verboten, mit ihnen zu verkehren oder sie auch nur zu grüßen.

Im islamischen Denken gibt es keine Unterscheidung zwischen den Sphären der Religion, der Rechtsprechung und der Moral. Fernandez-Morera beschreibt die vormodernen islamischen Gesellschaften als „Hierokratien“, in denen sowohl die religiöse als auch die zivile Autorität von einer Priesterklasse ausgeübt wird. „An keinem anderen Ort innerhalb des islamischen Imperiums“, schreibt er, war der Einfluss islamischer Kleriker auf das tägliche Leben so stark wie in al-Andalus.“

Zu den Funktionen der islamischen Kleriker gehörte ausdrücklich auch die Sicherstellung, dass Moslems sich in religiös angemessener Weise verhielten… immer in Übereinstimmung mit islamischen Lehren und in Ausübung täglicher ritualistischer Details, wie sie von den Klerikern interpretiert wurden. Zum Beispiel müssen die Gläubigen vor jedem der fünf täglichen Gebete detaillierte Reinigungen der Hände, der Nase (innen und außen durch Einatmen und Ausatmen), des Gesichts, der Arme bis zu den Ellbogen und der beiden Füße bis zu den Knöcheln ausführen.

Ähnlich detaillierte Vorschriften regelten das Essen und den Beischlaf.

Musik war durch das malikitische Gesetz verboten. Moslemische Kleriker waren ermächtigt, jedes Haus zu betreten, wo Musik zu hören war, um die Instrumente zu beschlagnahmen und zu zerstören. Bis zum heutigen Tag, merkt der Autor an, „ist Musik, wann immer man sie in malikitischen Moscheen hört, auf den Klang des Tamburins beschränkt – eines Instruments, das nicht zum Schreiben großartiger Musikpartituren verführt.“ Schach, Backgammon und Würfelspiele waren ebenfalls verboten.

In den öffentlichen Räumen der Städte dieses Goldenen Zeitalters des Islam patrouillierten religiöse Funktionäre, die muhtasib, die die Befugnis hatten, die Scharia im persönlichen, sozialen und kommerziellen Verhalten der Menschen durchzusetzen.

So detailliert und ausführlich waren die Regeln, denen Moslems unterworfen waren, dass es zweifelhaft ist, ob sie in ihrem Alltagsleben größere Freiheit genossen als Christen oder Juden (obwohl sie gewiss einen höheren Status genossen). „In Gesetz und Praxis des mittelalterlichen malikitischen Islam“, schreibt Fernandez-Morera, „verleiht höherer sozioökonomischer Status in Wirklichkeit weniger Autonomie und Macht in der öffentlichen Arena (was westliche Wissenschaftler allgemein als ‚Freiheit’ betrachten).“ Die spanische moslemische Obrigkeit machte sich nicht die Mühe, bestimmte Vorschriften gegen nichtmoslemische Sklaven durchzusetzen: Christliche Sklavenmädchen z. B. durften singen und Musikinstrumente spielen, und ein arabischer Chronist erwähnt, dass Mädchen mit solchen Talenten einen hohen Preis einbrachten.

Vielleicht veranschaulicht nichts besser die Fremdheit des islamischen Denkens gegenüber westlichen Vorstellungen von Freiheit als genau dieser Umstand: dass die einzige Klasse von Menschen, die ein gewisses Maß an Freiheit von der unterdrückerischen und detaillierten Anwendung des islamischen Gesetzes in Spanien genossen, Sklaven waren, und sie genossen solche Freiheit genau deshalb, weil sie die verachtetsten Mitglieder der Gesellschaft waren. Die moslemischen Männer, die den Gesang christlicher Sklavenmädchen genossen, hätten ihren moslemischen Ehefrauen niemals ein solches Verhalten erlaubt. Freiheit ist niemals ein positiver Wert im Islam, der Unterwerfung bedeutet.

Moslemische Frauen in Andalusien waren genauso aus der öffentlichen Sphäre verbannt und der Beschneidung und Verschleierung unterworfen wie Frauen anderswo in der moslemischen Welt. Sie durften nicht für sich sprechen; ein männlicher Agent vertrat sie in allen Rechtstransaktionen. Die Zeugenaussage einer Frau wurde bei Gerichtsverfahren, in denen es um Blutvergießen ging, nicht akzeptiert, und bei anderen Gerichtsverfahren zählte sie halb so viel wie die Zeugenaussage eines Mannes. Wie Dhimmis mussten Frauen in Anwesenheit von Männern stehen. Auspeitschung war die normale Bestrafung für unehelichen Geschelchtsverkehr, während Ehebrecherinnen gesteinigt wurden. Sexuelle Sklaverei war üblich. Und doch hat nichts davon westliche Wissenschaftler daran gehindert, vom „überraschenden Ausmaß der Freiheit“ zu schwärmen, das Frauen in Andalusien genossen.

Andere Enthusiasten der romantischen Vision vom mittelalterlichen islamischen Feminismus haben Erwähnungen in den arabischen Quellen von Frauen, die in diesem oder jenem Fach gelehrt waren, aufgegriffen. Ein gewisser John G. Jackson hat geschrieben:

Im christlichen Europa waren neunundneunzig Prozent der Menschen Analphabeten, und selbst Könige konnten weder lesen noch schreiben, während es im islamischen Spanien maurische Frauen gab, die Ärzte und Anwältinnen und Professorinnen waren.

Solche Frauen waren entweder Sklavinnen, die ihre Studien als Teil der Ausbildung betrieben, der sie unterzogen wurden, statt aus ihrem eigenen freien Willen, oder sie waren die Töchter gelehrter moslemischer Männer, die ihr Wissen zu Hause aufschnappten. Die spanische Arabistin María Luisa Ávila relativiert solche Erwähnungen:

Hinter diesen gebildeten Frauen finden wir immer einen Vater, der intellektuelles Prestige hatte: die fuqaha [Expertinnen für religiöses Recht] waren Töchter von qadis [moslemischen Richtern] oder von berühmten Juristen; die Traditionistinnen [die die Hadithen auswendig lernten, die Mohammed zugeschriebenen Aussprüche] waren Töchter irgendeines Hadith-Experten; die einzige Medizinerin, von der wir wissen, gehörte zur gefeierten Familie der Avenzoar.

Wir müssen es vermeiden, uns von diesen einhundertsechzehn „gelehrten“ Frauen beeindrucken zu lassen… Viele werden nur wegen der familiären Verbindungen erwähnt; andere dafür, dass sie irgendwelche klugen Verse geschrieben haben; es gibt eine Anzahl von Kopistinnen; andere werden erwähnt, weil sie Teil irgendeiner Anekdote über männliche Persönlichkeiten waren.

Es ist deplaziert, so zu tun, als hätten hispano-arabische Frauen Freiheit genossen. Im Gegenteil, es ist logisch, aus den Beweisen zu folgern, dass im sozialen Bereich, in dem sich diese „gelehrten“ Frauen bewegten, abgesehen von Sklavenmädchen, ihr Leben ausschließlich innerhalb des Familienkreises verbracht wurde, und dass ihre Beziehungen auf ihre Eltern und auf andere Frauen begrenzt waren.

Aber hat der Islam nicht wenigstens eine wichtige Rolle bei der Bewahrung des klassischen Wissens und dessen Weitergabe an Westeuropa gespielt? Nein, sagt Fernandez-Morera:

Die antiken griechischen Texte waren nie „verloren“, um irgendwie von islamischen Gelehrten „gerettet“ und „weitergegeben“ zu werden, wie so viele akademische Historiker und Journalisten weiterhin schreiben; diese Texte waren immer da und wurden von den Mönchen und Laienwissenschaftlern des griechisch-römischen [oder „byzantinischen“] Imperiums bewahrt und studiert zu werden.

Manche Werke von Aristoteles wurden in der Spätantike ins Lateinische übersetzt, und um das Ende des zwölften Jahrhunderts waren all seine Schriften zur Logik in Westeuropa wohlbekannt. Der französische Historiker Sylvain Gouguenheim (Aristote au mont Saint-Michel, 2008) hat vor kurzem die Bedeutung von Mont Saint-Michel als Übersetzungszentrum hervorgehoben – und wurde als „Islamophober“ verdammt.

Arabische Wissenschaftler hatten im Gegensatz dazu keine Griechischkenntnisse; die Versionen, die sie von antiken wissenschaftlichen und philosophischen Werken lasen, waren „arabische Übersetzungen, die von christlichen Gelehrten aus syrischen Übersetzungen angefertigt wurden, welche ebenfalls von christlichen Gelehrten aus klassischen griechischen Texten erstellt wurden, die von den griechischen Gelehrten des christlichen griechisch-römischen Imperiums bewahrt wurden.“

Viele arabische Herrscher missbilligten überhaupt das Studium solcher Werke. Motiviert von religiösem Eifer, befahl der berühmte maurische Herrscher al-Mansur (938 – 1002) „die öffentliche Verbrennung aller Philosophie- und Logikbücher in Cordoba.“ Ein Chronist dokumentiert:

Wer immer diese Wissenschaften [Philosophie] studiert hatte, wurde als einer betrachtet, der zu Heterodoxie neigt, und der Häresie verdächtigt. Die meisten jener, die bis dahin Philosophie studiert hatten… bekamen Angst und hielten die Tatsache geheim, dass sie in dem Fach Bescheid wussten.

Die Hauptwirkung der islamischen Expansion auf die Weitergabe griechischer Texte war, dass sie die Kommunikation zwischen dem lateinischen Westen und dem griechisch-römischen Imperium weit schwieriger machte. Wie Fernandez-Morera anmerkt:

Natürlich fand weiterhin kultureller und besonders kommerzieller Austausch zwischen Ost und West statt, und nun weitgehend über das islamische Imperium, aber das geschah nicht wegen der zivilisatorischen Eigenschaften des mittelalterlichen Islam, sondern weil der mittelalterliche Islam die direkte Kommunikation überhaupt erst unterbrochen hatte.

Sogar die großartige maurische Architektur, die von modernen Spanientouristen bewundert wird, verbirgt einen Ursprung, der für ihre Erbauer nicht schmeichelhaft ist. Der Islam hat nur wenig einheimische Architekturtradition: er begann als eine Religion der Nomaden der arabischen Wüste, die wenige dauerhafte Bauwerke irgendwelcher Art hatten. Als sich die Religion jedoch ausbreitete, wandelte sie christliche Gotteshäuser in Moscheen um und begann allmählich die römisch-christliche Architektur in ihren eigenen Bauten zu imitieren. Ibn Khaldun weist darauf hin, dass in Nordafrika die von den Arabern selbst gebauten Konstruktionen wegen der Schlampigkeit der Araber, schlechter Materialien und Mangel an bautechnischen Kenntnissen nicht sehr lang hielten.

In Spanien bauten moslemische Herrscher, indem sie Säulen und andere Baumaterialien von römischen und westgotischen Kirchen kannibalisierten. Arabischen Quellen zufolge war z. B. vieles an der Großen Moschee von Cordoba „mit den Materialien abgerissener Kirchen gebaut, die auf den Köpfen der christlichen Gefangenen nach Cordoba gebracht wurden.“ Sogar die Technik des Abwechselns von rotem Ziegel und weißem Stein, die beim Bau der Bögen dieses gefeierten Juwels maurischer Architektur angewandt wurde, ist von einer römischen Technik namens opus vittatum mixtum übernommen, die immer noch an überlebenden römischen Aquädukten in Spanien zu sehen ist. Die Mosaiken der Moschee sind von Griechen gemacht.

Popularisierer des Mythos vom andalusischen Paradies heben gern all die Dinge hervor, die wir aus der Geschichte des maurischen Spanien „lernen“ können, aber bei näherer Untersuchung stellen diese sich als nichts weiter als die Prinzipien heraus, an die solche Autoren bereits ohne irgendwelche historischen Studien glauben möchten: Toleranz, Feminismus und Multikulturalismus. Warum sollte irgend jemand sich die Mühe machen, Arabisch zu lernen und die Aufzeichnungen des mittelalterlichen Spanien zu studieren, um herauszufinden, dass Frauen unabhängig, Religionen tolerant und unterschiedliche Kulturen in der Lage sein sollten, in Harmonie nebeneinander zu leben, wenn man all diese Dinge leicht durch Lesen der New York Times erfahren kann? Solch eine Geisteshaltung bietet keine „Lektionen aus der Vergangenheit“; sie garantiert, dass wir nie in der Lage sein werden, irgend etwas aus dem Studium der Vergangenheit zu lernen.

Schlimmer noch: manche Wissenschaftler erhöhen diesen gegenwartszentrierten historischen Narzissmus zu einer Sache des Prinzips. Nach Ansicht einer einflussreichen Denkschule sollten Wissenschaftler beim Herangehen an die Vergangenheit heutige Anliegen fest im Kopf haben, statt zu versuchen, die Vergangenheit aus sich selbst heraus zu verstehen. Manche akademische Verfechter des „andalusischen Paradieses“ äußern sich völlig freimütig zu ihrem Wunsch, Geschichtswissenschaft im Dienst des zeitgenössischen multikulturellen Projekts einzusetzen.

Ein fester Bestandteil dieses akademischen Trends ist ein bewusster Versuch, den Westen abzuwerten, was, wie Fernandez-Morera sagt, „oft in einer Verleugnung von dessen bloßer Existenz gipfelt.“ Nach dieser Sichtweise ist der „Westen“ (der immer in Anführungszeichen gesetzt wird), eine bloße essentialistische Konstruktion: die von Moslems im achten Jahrhundert unterworfene christliche spanische Bevölkerung hatte nicht genug mit christlichen Populationen jenseits der Pyrenäen oder anderswo gemeinsam, dass gerechtfertigt wäre, sie alle als Teile einer einzigen zivilisatorischen Einheit zu betrachten, die man „den Westen“ oder „Christenheit“ nennen könnte. Der Islam entgeht unerklärlicherweise sowohl dem Setzen zwischen Anführungszeichen als auch dem Vorwurf, eine essentialistische Konstruktion zu sein.

Die zeitgenössische Geschichtsschreibung betreffend das moslemische Andalusien ist daher nur noch eine Front im großen Kampf unserer Zeit: jenes unserer im Niedergang befindlichen weißen europäischen Zivilisation gegen eine Vielzahl von Feinden, sowohl inneren wie äußeren.

*   *   *

Ergänzende Lektüre:

Das Goldene Zeitalter des Islam: Ein archäologisches Nichts von John J. O’Neill

Der Islam und das Dunkle Zeitalter von Byzanz von John J. O’Neill

Wie die moslemische Piraterie die Welt veränderte von John J. O’Neill

Mein Vetter und ich gegen den europäischen Fremden von Tanstaafl

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