Häusliche Ökonomie, Teil 4

Arnold Böcklin, „Vita Somnium Breve," 1888

Arnold Böcklin, „Vita Somnium Breve,“ 1888

Von F. Roger Devlin, übersetzt von Deep Roots. Das Original Home Economics, Part 4 erschien am 2. Juni 2011 auf Counter-Currents Publishing. Dieser fünfteilige Essay ist auch in F. Roger Devlins Buch „Sexual Utopia in Power“ enthalten, das bei Counter-Currents erhältlich ist.

Zuvor erschienen: Teil 1, Teil 2 und Teil 3

Teil 4 von 5

7. Konsequenzen der „unbegrenzten Wahlmöglichkeit“

Zu den meisten linken Utopien gehört der Genuß all der Vorteile enggestrickter Gemeinschaften, während man nichts von den Kosten an individueller Freiheit bezahlt, die solche Gemeinschaften erfordern. Dementsprechend schlagen Feministinnen vor, Frauen von „häuslicher Fronarbeit“ zu befreien und diese durch uneingeschränkte persönliche Wahlfreiheit zu ersetzen. Aber die Fronarbeit der Ehe und deren Pflichten sind ganz offensichtlich die unverzichtbare Grundlage der Familie, des Modells und der Quelle jeder echten Gemeinschaft.

Es ist wahr, daß es selbst bei der Ehe ein gewisses Maß an freier Wahlmöglichkeit gibt: eine Frau kann wählen, ob und in gewissem Ausmaß wen sie heiraten wird. Aber sobald eine Frau ihre Wahl trifft, indem sie das Gelübde ablegt und den Bund eingeht, hat sie eben dadurch keine Wahl mehr (so wie man nicht einen Kuchen essen und zugleich behalten kann). In anderen Worten, die Ehe ist ein nicht rückzahlbares Einwegticket. Ihr Ehemann ist ihre Wahl, selbst falls er sie schließlich auf bestimmte Arten verärgert, so wie es alle sterblichen Ehemänner zwangsläufig tun müssen. Wenn eine Frau sich ihre Partnerwahl für immer offenhält, nennt man das „Altjüngferlichkeit“.

Letztendlich ruhen die Fantasien des Feminismus und der sexuellen Befreiung auf einer metaphysischen Verwirrung, die man die Verabsolutierung der Wahlfreiheit nennen könnte. Die Illusion ist die, daß man der Gesellschaft irgendwie befehlen könnte, Frauen Wahlfreiheit zu ermöglichen, ohne dadurch ihre zukünftigen Optionen zu vermindern. Geburtenkontrolle, Abtreibung, die Entstigmatisierung von unehelichem Geschlechtsverkehr und Lesbentum, das „Recht“ auf eine Karriere, willkürliche und einseitige Scheidung – all diese sind gegenüber Frauen als Wege zur Erweiterung ihrer Wahlmöglichkeiten beworben worden.

Nun, ich bin dafür, Frauen all die Wahlmöglichkeiten zu geben, die sie verkraften können. (Gegenwärtig denke ich, daß sie eher mehr als das haben.) Aber eine sorgfältige Analyse wird offenbaren, daß der Begriff unterschiedliche und teils widersprüchliche Bedeutungen hat, die nicht in jedem Zusammenhang gleichermaßen anwendbar sein mögen. Wahlmöglichkeit ist keine einzelne Sache, die unbegrenzt ohne Preis erweitert werden kann, und es kann gezeigt werden, daß ein trügerisches Mehr davon in einem Bereich die Verringerung der eigenen Möglichkeiten in einem anderen nach sich zieht.

Ein völlig legitimer Sinn des Auswählens ist zu tun, was man möchte. Wenn wir zum Beispiel ersucht werden, eine Geschmacksrichtung von Eiscreme auszuwählen, dann ist alles, was gemeint ist, eine Entscheidung darüber, was uns im Moment am angenehmsten wäre. Dies deshalb, weil die Alternative zwischen Schokolade oder Erdbeere keine tiefen, langfristigen Konsequenzen beinhaltet. Aber nicht alle Entscheidungen können so sein.

Bedenken Sie zum Beispiel die Berufswahl eines jungen Mannes. Einer der Zauber der Jugend ist, daß sie eine Zeit ist, in der die Möglichkeit die Wirklichkeit überschattet. Man könnte ein Gehirnchirurg werden, oder ein Bergsteiger, oder ein Dichter, oder ein Staatsmann, oder ein Mönch. Es ist natürlich und gut, wenn Jungen von all dem Verschiedenen träumen, das sie werden könnten, aber solche Tagträume können eine gefährliche Illusion züchten: daß dort, wo immer noch alles möglich ist, alles möglich sein wird. Das trifft nur im Fall trivialer und belangloser Angelegenheiten zu. Es ist möglich, alle 31 Geschmacksrichtungen von Baskin-Robbins an 31 aufeinanderfolgenden Tagen durchzukosten. Aber es ist nicht möglich, ein Gehirnchirurg und ein Bergsteiger und ein Dichter und ein Staatsmann und ein Mönch zu werden. Ein Mann, der das versucht, wird nur in allen seinen Bestrebungen scheitern. Der Grund dafür ist natürlich, daß wichtige Unternehmungen sehr viel Zeit und Einsatz erfordern, aber die Männer, die sie unternehmen, sterblich sind.

Für jede Möglichkeit, die wir verwirklichen, wird es hundert geben, die wir für immer unverwirklicht lassen müssen; für jeden Weg, für den wir uns entscheiden, wird es hundert geben, die wir für immer aufgeben müssen. Die Notwendigkeit, in diesem Sinne eine Wahl zu treffen, ist das, was dem menschlichen Leben viel von seiner Ernsthaftigkeit und Schmerzlichkeit gibt. Diejenigen, die von einer Sache zur anderen treiben, unfähig, zu einer Entscheidung zu kommen oder irgendetwas von dem zu vollenden, was sie begonnen haben, enthüllen dadurch, daß sie eine wesentliche Wahrheit über das Menschsein nicht begreifen. Sie sind wie Kinder, die nicht erwachsen werden wollen.

Die sexuellen Wahlentscheidungen einer Frau sind analog jenen eines Mannes hinsichtlich seiner Berufung. Sie können grundsätzlich nicht so leicht und umkehrbar gemacht werden wie die Wahl der Geschmacksrichtung von Eiscreme. Aber sie so zu machen, ist das, was der Feminismus und die sexuelle Befreiung zu tun versuchen. Das zugrundeliegende Motiv scheint genaugenommen eine Furcht vor schwierigen Entscheidungen und ein Wunsch zur Beseitigung ihrer Notwendigkeit zu sein. Zum Beispiel braucht eine Frau nicht über die Qualifikationen eines Mannes als Vater ihrer Kinder nachzudenken, wenn eine Pille oder ein routinemäßger medizinischer Eingriff diese Möglichkeit beseitigen kann. Es gibt keinen Grund, sorgfältig die Alternative zwischen Karriere und Ehe abzuwägen, wenn die Mutterschaft sicher bis zum Alter von 40 Jahren aufgeschoben werden kann (wie es eine große Zahl von Frauen jetzt anscheinend glaubt). Was wir hier haben, ist nicht ein klarer Gewinn im Ausmaß der Wahlfreiheit, sondern eine Verlagerung von einem Sinn des Wortes zu einem anderen – von ernsthafter, auf Nachdenken beruhender Bindung dazu, daß man bloß tut, was man zu jedem bestimmten Zeitpunkt möchte. Wie der Dilettant, der sich in fünf verschiedenen Berufen versucht, ohne endlich einen zu ergreifen, möchte sich die befreite Frau all ihre Optionen für immer offen halten: sie möchte die ewige Jugend.

Der Versuch zur Verwirklichung eines Utopia der grenzenlosen Wahlfreiheit in der realen Welt hat bestimmte vorhersehbare negative Folgen: insbesondere macht er die Erfahrung der Liebe für Frauen zu einer des wiederholten Scheiterns. Die befreite Frau, die sowohl die engagierte Ehe als auch die entschiedene Ehelosigkeit ablehnt, treibt hinein und hinaus in eine Reihe von etwas, das „Beziehungen“ gennant wird, wobei sie ihren Mann entweder verläßt oder von ihm verlassen wird (ihrer Meinung nach ist es in beiden Fällen seine Schuld). Ein beliebter deutscher Roman, der dieses Verhaltensmuster satirisch behandelt, trägt den Titel Beim nächsten Mann wird alles anders. [12]

Die Lektion, die solche Erfahrungen unvermeidlich lehren, ist, daß Liebe nicht andauert, daß Menschen nicht verläßlich sind, daß man am Ende nur sich selbst hat, daß die vorausschauende Klugheit diktiert, immer nach der Nummer Eins zu suchen. Und das wiederum zerstört die Großzügigkeit, die Loyalität und das Vertrauen, die unverzichtbar sind, wenn Liebe gelingen und andauern soll.

Die Frauen, die dem neuen Gebot gehorcht haben, all ihren Herzenswünschen zu folgen, scheinen mir nicht in einem Garten der irdischen Freuden zu schwelgen. Stattdessen werde ich an die traurigen Charaktere aus den Seiten von Tschechow erinnert: sie schlafwandeln durchs Leben und hoffen für immer, daß die Dinge sich morgen für sie irgendwie zum Besseren wenden werden, während sie sich blindlings Chancen auf dauerhaftes Glück durch die Finger rinnen lassen. Aber dies ist bloß das natürliche Ergebnis dessen, daß man sich ein Menschenleben als eine Reihe widerrufbarer und belangloser Entscheidungen vorstellt. Wir sind in der Tat vor bestimmten Risiken geschützt, aber wir haben dementsprechend wenig zu gewinnen; wir haben weniger Sorgen, aber keine großen Erwartungen. Der Preis, den wir für die Beseitigung der Gefahren der Intimität bezahlen, ist die Beseitigung ihrer Ernsthaftigkeit. [13]

Anstelle von Familiengründung finden wir eine „Dating-Szene“ ohne irgendein klares Ziel, bei der sowohl Männer als auch Frauen von der Bemühung verzehrt werden, die andere Partei zur Schließung von Optionen zu bewegen („sich zu binden“), während sie sich ihre eigenen offenhalten. Es gibt ein hektisches und niemals endendes Positionsgerangel: auf der einen Seite die Konkurrenz abwehren, auf der anderen Seite ein Auge nach einem besseren Deal anderswo offenhalten. Der neueste Fimmel von „Singles“ ist etwas, das „Speed dating“ genannt wird, wo Männer und Frauen drei Minuten lang interagieren und dann beim Klang einer Glocke zu jemand anders übergehen.

Aber das wahre Nonplusultra gegenwärtiger Tendenzen ist in bestimmten Anti-„Belästigungs“-Politiken an Colleges zu sehen, die davor warnen, daß ein „sexueller Kontakt“ (wie das exquisit genannt wird) keine Annahme erzeugt, daß es weitere „Kontakte“ geben wird. Anscheinend ist man der Belästigung seiner „Sexpartnerin“ schuldig, wenn man etwas anderes annimmt. Komitees werden eingerichtet, um das durchzusetzen. Es scheint auf der Praxis in Badehäusern für Homosexuelle zu beruhen, aber es wird jetzt jungen Männern und Frauen als normatives Ideal zum Ersatz der Ehe aufgezwungen. Wir sehen, wie das egozentrische Streben nach kurzfristigem Vergnügen die moralische Überlegenheit gegenüber Selbstbeherrschung und lebenslanger Hingabe an eine Familie beansprucht. Wie üblich haben diejenigen, die unfähig sind, ihre eigenen Wünsche zu beherrschen, den größten Willen, andere zu tyrannisieren.

8. Gründe dafür, die Ehe als unwiderruflichen Bund zu betrachten

Sex gehört zu einer vorübergehenden Phase des menschlichen Lebens, nämlich zum jungen Erwachsenenalter. Es ist vergeblich zu versuchen, ihn von seinem natürlichen und begrenzten Platz im Lebenszyklus zu abstrahieren und zu einem Selbstzweck zu machen. Eine auf Dauer erhaltbare Zivilisation erfordert, daß wichtigere langfristige Wünsche gegenüber kurzfristigen bevorzugt werden, die mit ihnen in Konflikt stehen, wie der Impuls zu außerehelichem Sex.

Der Zweck der Ehe ist nicht, Menschen Fesseln anzulegen oder ihre Optionen zu verringern, sondern ihnen die Erlangung von etwas zu ermöglichen, das ohne die Hilfe einer solchen Institution zu erreichen die meisten einfach zu schwach sind. Bestimmte wertvolle Dinge brauchen Zeit zum Reifen, und man kann sie nicht entdecken, wenn man nicht geduldig und seiner Aufgabe getreu ist. Die Ehe ist das, was den Leuten sagt, daß sie lang genug dabeibleiben sollen, um herauszufinden, was passiert. Mit solchen Schwierigkeiten zu kämpfen – und sogar mit Perioden ausgesprochener Entmutigung – ist Teil dessen, was den Wünschen von Männern und Frauen ermöglicht zu reifen und in den Fokus zu gelangen. Bei älteren Paaren, die erfolgreich zusammen Kinder großgezogen haben und dadurch belohnt werden, daß sie sehen, wie sie heiraten und ihre eigenen Kinder hervorbringen, ist es unwahrscheinlich, daß sie ihre Flitterwochen als das wichtigste Ereignis ihrer Ehe sehen.

Menschen können nicht wissen, was sie wollen, wenn sie jung sind. Ein junger Mann stellt sich vielleicht vor, daß das Glück darin besteht, auf Calypsos Insel zu leben und sich dem sexuellen Vergnügen hinzugeben, ohne jemals in familiäre Verpflichtungen zu geraten; aber wie Odysseus würde er solch ein Leben schließlich unbefriedigend finden.

Solche Verwirrung über die eigenen Wünsche ist bei der Frau jedoch wahrscheinlich größer. Aus diesem Grund ist es irreführend, davon zu sprechen, wie es altmodische Männer gern tun, daß junge Frauen „die Ehe wollen“. Eine junge Frau, die durch die Seiten von Modern Bride blättert, weiß noch nicht, was die Ehe ist; alles, was sie will, ist, ihren Hochzeitstag zu haben und danach glücklich bis ans Ende ihrer Tage zu leben. Es kann gut sein, daß sie nicht die leiseste Ahnung von den Pflichten hat, die sie übernehmen wird.

Es heißt oft, daß die Ehe zum Schutz der Frauen existiert, und sicherlich tritt der männliche Beschützerinstinkt beim Großteil der männlichen Kritik an der sexuellen Revolution stark in Erscheinung. Hauptsächlich sind es jedoch nicht Männer, die auf One-night-stands aus sind, wovor sie geschützt werden müssen – es ist ihre eigene Irrationalität, Verantwortungslosigkeit, Unreife und Kurzsichtigkeit. Man könnte sogar berechtigterweise von einer Notwendigkeit sprechen, Frauen vor den Täuschungen des Feminismus und der Befreiung zu schützen.

Die Mutterschaft ist das, was junge Frauen wirklich zum Erwachsenwerden zwingt. Ich habe von Frauen selbst solche Bemerkungen gehört. Schusselige Dummköpfchen, deren größte Sorge früher war, welche neue Frisur sie als nächstes ausprobieren sollten, führen auf einmal genaue finanzielle Aufzeichungen und planen ihre Handlungen, sind sich plötzlich bewußt, daß sie eine echt wichtige Aufgabe zu erfüllen haben, und sind überrascht, daß sie ihr gewachsen sind.

Aber ohne das Verständnis, daß die Ehe ein grundsätzlich unwiderruflicher Bund ist, erliegen sowohl Männer als auch Frauen der Illusion, daß eine Scheidung das „Problem“ der Unzufriedenheit in der Ehe lösen wird. Sie verhalten sich wie der Bauer, der ein Feld rodet, pflügt und bepflanzt, nur um am ersten wirklich heißen und schweißtreibenden Arbeitstag die Hände hochzuwerfen und auszurufen: „Die Landwirtschaft ist kein Spaß! Ich werde etwas anderes machen!“ Und wie dieser Bauer werden sie niemandem außer sich selbst die Schuld zu geben haben, wenn es ihnen nicht gelingt, irgendeine Ernte einzufahren.

Die eheliche Bindung als unwiderruflichen Bund zu verstehen, beeinflußt die Art, wie wirtschaftliche Aktivität und Eigentum verstanden werden. Statt eine Reihe kurzfristiger Reaktionen auf die Umstände zu sein, werden Arbeit und Investition zu einem Aspekt des Familienlebens, der über die natürliche Lebensspanne jedes Individuums hinausreicht. Von einem bloßen Mittel für den Konsum wird Vermögen zu einem Familienerbe. In Burkes schönen Worten: „Die Macht, unser Eigentum in unseren Familien fortbestehen zu lassen, ist einer der wertvollsten und interessantesten Umstände, die dazugehören, und das, was am meisten für den Fortbestand der Gesellschaft selbst sorgt. Sie ordnet unsere Schwäche unserer Tugend unter; sie pfropft sogar dem Geiz Wohlwollen auf.“ Im Gegensatz dazu findet die charakteristisch moderne Sicht auf Besitz ihren deutlichsten Ausdruck im Titel eines Bestseller-Finanzplanungsratgebers von 1998: Die Broke („Stirb pleite“).

9. Die natürliche Erosion der männlichen Rolle unter modernen Bedingungen

Offensichtlicherweise ist die Wiederherstellung des Ehebundes eine notwendige Bedingung für die Wiederherstellung der Familie und jeder erhaltbaren Zivilisation. Aber ist sie auch genug? Viele weibliche Kommentatoren nehmen das an. Dies liegt daran, wie ich glaube, daß Frauen von Natur aus dazu programmiert sind, das zu spielen, was Michelle Langley in ihrem Buch Women’s Infidelity („Die Untreue der Frauen“) „das Bindungsspiel“ nennt. Sie sehen von Natur aus das ganze Ziel von Partnersuche und Liebeswerben darin „ihn dazu zu bringen, mich zu heiraten“. Dementsprechend konzentrieren sie sich auf ihre Unzufriedenheit als mit einem Mann zusammenlebende Freundin und bezeichnen die Ehe als „einfache Lösung“ des Problems.

Da bin ich anderer Meinung. Die Rate der von Frauen eingereichten Scheidungen ist ein schlüssiger Beweis dafür, daß es nichts lösen wird, die selbstsüchtigen Bastarde vor den Altar zu schleifen oder zu treiben. Wie Männer ihren Freundinnen vergeblich zu erklären versuchen, ändert eine Hochzeitszeremonie an und für sich nichts und läßt bestimmt niemanden „glücklich bis ans Ende ihrer Tage leben“. Heute ist in Wirklichkeit viel von derselben Verwirrung und Ziellosigkeit, die in der Dating-Szene zu beobachten ist, auch im Familienleben selbst zu finden. Das tiefere Problem, wie ich es sehe, ist eine Funktionsatrophie.

Menschen schließen sich nicht zusammen, einfach um zusammen zu sein, sondern um Dinge zu tun, die sie nicht allein tun können. Traditionellerweise haben sie Familien gegründet, um die wensentlichen Funktionen des Großziehens von Kindern auszuführen – zusammen mit verschiedenen wirtschaftlichen Aufgaben, die diesem Zweck untergeordnet sind, und einigen sekundären Funktionen wie die Pflege der Alten. Umgekehrt muß die Familie, um stark zu bleiben, einige jener Funktionen behalten. Heute wird jedoch die Stärke des Oberkörpers eines Vaters nicht mehr für die Versorgung von Kindern gebraucht; sein persönlicher Mut ist selten gefordert, um sie zu beschützen. Eine Mutter kann Kleidung und sogar Fertignahrung leichter aus Geschäften besorgen, als diese Dinge zu Hause herzustellen. In anderen Worten, die häusliche Wirtschaft ist „ausgelagert“ worden.

So wie ihre wirtschaftlichen Funktionen dahinwelken, verblaßt auch das Gemeinschaftsgefühl der Familie: Heime werden zu Depots für die „menschlichen Ressourcen“ (vielsagende Redewendung!) der Firmen und zu Kindertagesstätten für das Futter des öffentlichen Schulsystems. Die Herdstelle der Vorfahren wird zu einem vorstädtischen Reihenhaus, einer Stätte für das Essen, Schlafen und – in abnehmendem Maß – für die Fortpflanzung. Diese ihrerseits verlieren ihre menschliche (und in der Tat sakramentale) Bedeutung und werden zu bloßen animalischen Funktionen. Freizeitaktivität wird ersetzt durch die Passivität von Zerstreuungen wie Fernsehen oder Musikhören, die keine Interaktion zwischen Familienmitgliedern beinhalten. Kinderpsychologen unterscheiden eine Phase des „Nebeneinanderherspielens“, bevor Kinder entdecken, daß Kooperation ihnen ermöglichen wird, interessantere Dinge zu tun: unsere Familien könnte man als zum Stadium des Nebeneinanderherspielens zurückkehrend sehen.

Diese Entwicklungen sind ökonomisch im eigentlichsten Sinn des Begriffes, denn die Familie ist immer noch eine grundlegendere wirtschaftliche Tatsache als der Markt, wo Waren und Dienstleistungen ausgetauscht werden. Die meisten Berufsökonomen finden jedoch in ihrem Denken keinen Platz für die Fortpflanzung oder auch nur den Geschlechtsdimorphismus. Und ich glaube nicht, daß das vom direkten Einfluß der geburtenfeindlichen oder feministischen Ideologie kommt, wofür die meisten von ihnen sich nicht interessieren. Es ist vielmehr so, daß das Zuhause einfach aus dem Zuständigkeitsbereich des Ökonomen herausgefallen ist.

Zum Beispiel haben Ökonomen schlüssige Widerlegungen der feministischen Ente von den „57 Cents auf den Dollar“ produziert, Kritiken am „vergleichbaren Wert“, an „affirmative action“ und so weiter. Aber sie beschränken sich für gewöhnlich darauf, aufzuzeigen, warum Männer produktiver sind, d. h. warum die Arbeitskraft von Männern auf dem Markt einen höheren Preis erzielt als jene von Frauen. Sie scheinen die Prämisse zu akzeptieren, daß Männer und Frauen austauschbare Akteure der Produktion sind, deren Effizienz rechnerisch bewertet werden kann; sie ignorieren die qualitative Unterscheidung nach sozialen Rollen. Das tendiert nicht nur zur Untergrabung der Würde der traditionellen weiblichen Rolle als Ehefrau und Mutter, wie galante Konservative lange hervorgehoben haben, sondern auch die spezifisch männliche Rolle des Broterwerbers. Denn Männer sind nicht einfach produktiver als Frauen (obwohl sie das auch sind); vielmehr haben sie eine natürliche Rolle als Versorger mit einer sozialen und familiären Bedeutung.

Die Wirtschaft ist nicht die Wall Street; sie ist Paps, der sich um sechs Uhr morgens aus dem Bett schleppt, um zu einem unglamourösen Job zu gehen, weil er seine Kinder liebt. Es ist eine bemerkenswerte psychologische Tatsache, daß die meisten Männer Befriedigung in der Versorgung ihrer Familien finden. Sie ziehen sicher nicht viel Befriedigung aus dem Bezahlen von Einkommenssteuer oder dem Abzahlen des Autos. Kinder sind häufig teurer als Steuern oder Autos, aber die meisten Väter nehmen die Versorgerrolle gut an. Das Familienleben verwandelt etwas, das ansonsten bloße Fronarbeit wäre, in eine Berufung; die Arbeit des Vaters erwirbt eine Bedeutung, die sie für einen Junggesellen nicht haben kann. Fehlt nicht etwas in einer Wirtschaftswissenschaft, die keine Verwendung für diese Tatsache hat?

Es ist daher eine unzureichende Reaktion auf den feministischen Slogan von der gleichen Bezahlung für gleiche Arbeit, zu zeigen, daß Frauen keine gleiche Arbeit leisten. Wir werden schließlich das vergessene Konzept des „Familieneinkommens“ wiederentdecken müssen – nicht nur, weil Männer für gewöhnlich bessere Versorger sind als Frauen, sondern auch, weil die männliche Rolle in der modernen Welt verwundbar ist und abgestützt werden muß, damit die Familie richtig funktioniert.

Der zeitgenössische Arbeitsplatz ist aus einer Anzahl von Gründen, die nichts mit dem direkten Einfluß des Feminismus zu tun haben, grundsätzlich ungünstig für Männer. Während der klassische Kapitalismus von der Sorte, wie sie von den Anhängern von Adam Smith oder Ludwig von Mises gefeiert wird, nicht ganz der Wilde Westen gewesen sein mag, ermöglichte er doch ein bedeutendes Betätigungsfeld für männliche Eigenschaften wie Konkurrenzdenken, Risikobereitschaft, Führungsqualitäten, Unternehmungsgeist und Initiative. In einem postindustriellen bürokratischen Konzern gibt es wenig Platz für irgendwas davon. Dieselben psychologischen Eigenschaften, die einst Frauen besser im Stricken sein ließen als Männer, nämlich eine hohe Toleranz für Routine und Wiederholung, geben ihnen heute einen Vorteil bei häufigen Formen der Beschäftigung wie Textbearbeitung und Dateneingabe.

In ähnlicher Weise geben die überlegenen sozialen Fertigkeiten, die Frauen einst als Gastgeberinnen geeignet machten, ihnen nun einen Vorteil im expandierenden Kundendienstsektor der Wirtschaft.

Moderne Maschinen haben den wirtschaftlichen Wert des starken Oberkörpers gesenkt, während sie jenen von Multitaskingfähigkeiten erhöht haben. Frauen sind natürliche Multitaskerinnen. Das ist eine evolutionäre Anpassung an die Anforderungen der Mutterschaft, die von der Antifeministin Carolyn Graglia gut als „freudige Empfänglichkeit für ständige Unterbrechungen“ charakterisiert wurde. Wenn die männlichen Erfinder unserer arbeitssparenden Bürogeräte gewußt hätten, welche Probleme sie für ihre Enkelsöhne vorbereiteten, wären sie vielleicht zu Technikfeinden geworden.

Regierungsvorschriften sind nun in solch luxuriösem Überfluß gewachsen, daß, wie es eine Führungskraft ausdrückte, „wir nicht mehr im Geschäft sind; wir befinden uns nur in der Regelbefolgung.“ Frauen eignen sich besser als Männer für die penible Befolgung bürokratischer Direktiven und regulatorischer Details. Sie stören sich üblicherweise nicht an der erzwungenen Nettigkeit der Political Correctness, wie Regierungssanktionen gegen jeden, der vergißt, Krüppel als „Andersbegabte“ zu bezeichnen.

Der zeitgenössische Büroangestellte hängt in seinem Lebensunterhalt von einem Boss ab und muß daher ehrerbietig, diplomatisch und oft weniger als aufrichtig bezüglich dessen sein, was er denkt. Es ist nicht schwer zu sehen, welches Geschlecht in dieser Art von Verhalten besser ist. Frauen sind gerissen und lassen sich nicht in die Karten schauen: eine evolutionäre Anpassung, die von der Zeit übriggeblieben ist, als ihr Überleben und ihr Fortpflanzungserfolg von einer Fähigkeit zur Manipulation von Männern abhing, die körperlich stärker waren als sie. Heute macht sie sie zu Naturtalenten in der Büropolitik.

Die meisten Männer finden die Atmosphäre des modernen Arbeitsplatzes erstickend und mühsam, und die Frauen selbst werden selten von der Sorte fügsamer, kastrierter Arbeitsesel angezogen, denen es gelingt, darin erfolgreich zu sein. Aber Männer können zu Hause auch keine Zuflucht finden, weil die Frauen, die ihnen den Haushalt geführt hätten, draußen sind und in den Aktivitäten der breiteren Gesellschaft gegen sie konkurrieren.

Anmerkungen

12. Beim nächsten Mann wird alles anders, Eva Heller, 1987. Der Name der Heldin lautet Wechselburger.

13. Eine hervorragende Porträtierung der modernen Frau, die „sich nicht binden kann“, ist der Charakter Charlotte Pingress, gespielt von Kate Beckinsale in Whit Stillmans Film The Last Days of Disco („Nachts wird Geschichte gemacht“, 1998).

* * *

(Quelle der Übersetzung hier)

Fortsetzung und Schluß: Häusliche Ökonomie, Teil 5

Siehe auch:

Potential von Greg Johnson
Familie von Andrew Hamilton
Über die Sterblichkeit von Dunkler Phönix bzw. Jaroslaw Ostrogniew

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