Der Weg der Familie

Von F. Roger Devlin, übersetzt von Deep Roots. Das Original The Family Way erschien am 1. Mai 2009 auf The Occidental Quarterly Online und am 28. November 2010 auf Counter-Currents Publishing / North American New Right. Dieser Essay ist auch in F. Roger Devlins Buch „Sexual Utopia in Power“ enthalten, das bei Counter-Currents erhältlich ist.

Carlson

Allan C. Carlson
Third Ways: How Bulgarian Greens, Swedish Housewives, and Beer-Swilling Englishmen Created Family-Centered Economies – And Why They Disappeared
(„Dritte Wege: Wie bulgarische Grüne, schwedische Hausfrauen und biersaufende Engländer familienzentrierte Volkswirtschaften schufen – und warum sie verschwanden“)
Wilmington, Delaware: ISI Books, 2007

Die Wirtschaftswissenschaft ist von außen betrachtet solch ein imposantes Gebäude – mit ihrem technischen Drum und Dran, ihren Bibliotheken voller Bücher und Journale, ihren Stiftungsprofessuren und internationalen Konferenzen, ihren Spezialitäten und Subspezialitäten – daß der Laie vielleicht zögert, die Zeit von Experten mit Fragen über solch eine unbedeutende Sache wie die Familie in Anspruch zu nehmen. Wie Allan Carlson jedoch erzählt (S. 35 – 38), wäre solch eine Ehrerbietung gegenüber der beruflichen Expertise des Ökonomen fehl am Platz: die natürliche Familie ist seit mehr als zweihundert Jahren ein Stolperstein sowohl für die Wirtschaftswissenschaft als auch für die politischen Entscheidungsträger geblieben.

Adam Smith und David Ricardo drückten vorsichtigen Optimismus aus, daß ein unbehinderter Arbeitsmarkt dem gewöhnlichen arbeitenden Mann einen ausreichend großen Lohn bieten würde, um zu heiraten und ein paar Kinder großzuziehen; aber keiner der beiden behauptete, die Notwendigkeit dessen bewiesen zu haben. Radikale wie Marx und Engels fochten die Idee bald an und behaupteten, daß der Kapitalismus die Arbeit in ein gewöhnliches Gut verwandle, das Frauen und Kinder zu einem Bruchteil des Preises erwachsener Männer an Kapitalisten verkaufen könnten. Die traditionelle Autonomie und Solidarität der Familie würde dadurch der industriellen Effizienz und dem faustischen Streben nach Profiten zum Opfer fallen. Später stimmten liberale Ökonomen wie J. S. Mill und Alfred Marshall den Marxisten zu, daß die kapitalistische Marktwirtschaft der Familie kein natürliches Entgegenkommen bietet.

Die Marxisten scheinen auch recht damit zu haben, daß der Verlust der Familienautonomie durch Lohnkonkurrenz eine Entwicklung ist, die für den Kapitalismus spezifisch ist. Alexander Tschajanow, das Thema von einem von Carlsons Kapiteln, studierte die vorindustrielle Wirtschaft von Bauernfamilien und protestierte, daß die Durchsetzung von Konzepten wie Löhne und Kapital in der Agrarproduktion willkürlich und prokrustisch sei. Die Bauernfamilie produzierte für den Gebrauch statt für den Profit; ihr Arbeitsmuster war nicht durch Angebot und Nachfrage bestimmt, sondern durch natürliche biologische Rhythmen: die periodische Wiederkehr der Jahreszeiten, Aussaat und Ernte; der menschliche Lebenszyklus von Geburt, Fortpflanzung und Tod. Das analytische Schema der modernen Ökonomie, das eine fundamentale Unterscheidung zwischen Kapital und Arbeitskraft voraussetzt, ist daher keine Hilfe bei der Aufklärung dessen, was in bäuerlichen Haushalten vorgeht (S. 72 – 73).

Die „Dritten Wege“, die im vorliegenden Buch beschrieben werden, waren Programme, die dazu bestimmt waren, die natürliche Familie – bäuerliche oder andere – vor der Auflösung durch die Marktkonkurrenz zu schützen. Das Buch besteht aus sieben Kapiteln von etwa zwanzig oder dreißig Seiten, wovon jedes einem „dritten Weg“ gewidmet ist. Dazu gehören Programme wie die Wiederherstellung der vollen Familienlandwirtschaft, andere, die nur für Eigenheimbesitz und ein bescheidenes Maß von Produktion im Haushalt werben, und noch andere, die bloß einen Lohn für Väter garantieren sollen, von dem sie Familien erhalten können.

Es mag vielleicht auf den ersten Blick paradox erscheinen, daß Familien überhaupt wirtschaftlich schlechter dran sein könnten, wenn sie ein zweites Einkommen haben anstatt nur eines. Aber dies ist ein klassisches Beispiel für das, was Logiker den Fehlschluß vom Teil aufs Ganze nennen. Der geht so: Wenn in einem Baseballspiel eine aufregende Spielphase stattfindet, springen alle Fans auf die Füße, um besser zu sehen. Sehen sie wirklich besser? Im Durchschnitt nicht. Wenn nur ein Fan aufstehen würde, dann hätte er eine bessere Sicht als zuvor; aber wenn alle aufstehen, ist die allgemeine Sicht nicht besser als zuvor. Analogerweise verbessert eine einzelne Frau, die unter die Erwerbstätigen geht, zweifellos ihre eigene materielle Situation; aber wenn die große Masse der Frauen erwerbstätig wird, dann ist der allgemeine Effekt bloß, daß der Arbeitsmarkt übersättigt wird, was die Löhne für alle hinunterdrückt. Schon 1825 erklärte ein Leitartikel in einer britischen Zeitung:

Die arbeitenden Männer dieses Landes sollten zu dem guten alten Plan zurückkehren, ihre Ehefrauen und Kinder vom Lohn ihrer eigenen Arbeit zu erhalten, und sie sollten Löhne fordern, die für diesen Zweck hoch genug sind. Indem sie das tun, werden die Kapitalisten den Männern allein dieselben Löhne zahlen müssen, die sie jetzt Männern, Frauen und Kindern geben. Die Arbeiter müssen ihre Frauen und Kinder daran hindern, auf dem Markt mit ihnen zu konkurrieren und den Preis für Arbeitskraft zu drücken. (S. 38)

Kein „Gesetz der Ökonomie“ verhindert eine solche Isolation von Frauen und Kindern vom Arbeitsmarkt. Alle Gesellschaften behandeln bestimmte Dinge, die sie besonders schätzen, als extra commerciam – als außerhalb des Bereichs des Marktaustauschs liegend. Es muß zum Beispiel keinen Markt für Rindfleisch in einem Land geben, in dem Kühe als heilig betrachtet werden. Oder: solange es einen Markt für Sklaven gab, unterlagen sie demselben Gesetz von Angebot und Nachfrage wie jedes andere Gut; aber dieser Markt konnte abgeschafft werden, und er wurde es auch. In ähnlicher Weise muß es keinen Markt für weibliche Arbeitskraft in einem Land geben, welches das häusliche Leben und die Familiensolidarität höher schätzt als die maximale industrielle Effizienz. Außer unter seltenen Umständen extremer Armut – z. B. wo die Lohnarbeit von Frauen oder Kindern vielleicht notwendig ist, damit jeder in einer Familie angemessen essen kann – kann jede Gesellschaft so viel Familienautonomie genießen, wie sie mit solcher Effizienz zu bezahlen gewillt ist. Befürworter familienzentrierter „dritter Wege“ glauben, daß solch ein Tausch die Sache wert ist; manche werden vielleicht widersprechen, aber es liegt keine ökonomische Absurdität in der Idee.

Falls Ihnen heute der Begriff „Familienlohn“ überhaupt geläufig ist, dann zeigen Sie damit Ihr Alter. Und doch, schreibt Carlson, „dominierte dieses Ideal die Arbeitsziele in der ganzen nordatlantischen Region von der Mitte des neunzehnten bis durch die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts und hatte meßbare Auswirkungen auf die Löhne und den Arbeitsmarkt.“ Während Industrielle fast ohne Ausnahme das „Recht“ armer Frauen befürworteten, zu arbeiten (und die Löhne der Männer zu drücken), empfanden Ehemänner der Arbeiterklasse anders. Sie kämpften für Löhne und gewannen sie, die es ihren Frauen ermöglichten, bei den Kindern zu Hause zu bleiben. Zum Beispiel wurden in Britannien zwischen 1842 und 1914 „ von der Arbeiterklasse beträchtliche Gewinne an materiellen Standards erreicht, begleitet von der Bewegung von Frauen weg von der Lohnarbeit hin zu häuslicher Betätigung.“ In ähnlicher Weise gab es in Belgien „zwischen 1853 und 1891 eine gründliche Umwandlung des Familienlebens von Arbeitern, die auf einem Rückzug verheirateter Frauen aus dem Arbeitsmarkt und einem dramatischen Anstieg der Realeinkommen von Männern beruhte“ (S. 44). Behalten Sie das im Hinterkopf, wenn Sie das nächste Mal eine Feministin selbstgefällig die „Unmöglichkeit“ behaupten hören, zu den Zeiten zurückzukehren, wo der Platz einer Frau im Haus war.

In Amerika ruhte das Ideal vom Familienlohn auf gesetzlichen Barrieren, direkter Diskriminierung (huch!) gegen Kategorien weiblicher Arbeitskräfte, Eheverboten und Arbeitsgesetzen, die die besondere Behandlung von Frauen forderten, was davon abhielt, sie zu beschäftigen. Das System war stark genug, um den New Deal zu überleben, erhielt aber einen schweren Schlag durch den Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg und die daraus folgende Rekrutierung von Frauen für die Industrie. Das National War Production Board empfahl „eine einzige Beurteilungslinie für alle Arbeiten in einem Werk, ungeachtet dessen, ob sie von Männern oder Frauen ausgeführt werden.“ Nur 13 Prozent der US-Firmen waren 1939 solch einer Politik gefolgt, aber bis 1947 taten es 57 Prozent (S. 45 – 46).

Carlson bringt eine Grafik über die Erosion des Familienlohnsystems in Amerika seit 1951. Definieren wir das Familienlohnverhältnis als das Medianeinkommen von Doppelverdienerpaaren, dividiert durch das Medianeinkommen von Paaren, bei denen die Ehefrau zu Hause bleibt. Unter einem Regime des Familienlohns wird sich diese Zahl 1,0 annähern; unter dem feministischen Geschlechtergleichwertigkeitsregime tendiert die Zahl gegen 2,0. 1960 betrug die Zahl 1,25; sie stieg langsam in den 60ern und 70ern und lag noch 1982 bei 1,42; dann beschleunigte sich der Anstieg und erreichte im Jahr 2003 1,82, das jüngste Datum, für das das Buch Zahlen angibt (S. 47 – 48).

„Gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit“ ist ein meisterliches Stück politischer Rhetorik, das irgendwie nach „2 + 2 = 4“ klingt. Carlson listet uns ein paar der Realitäten auf, zu deren Verbergung dieser trügerische Slogan gedient hat. Erstens haben Familienhaushalte mit nur einem einzigen männlichen Lohnverdiener eine Verminderung des Realeinkommens erfahren: zwischen 1973 und 1993 allein belief sich diese Verminderung auf 13,6 Prozent. Als nächstes haben Familien mit einem einzigen Einkommen einen wachsenden Konkurrenznachteil relativ zu Familien mit zwei Einkommen beim Erwerb von Konsumgütern erfahren. Es hat auch eine erhebliche Zunahme der Männer gegeben, die einen Lohn unterhalb der „Armutsgrenze“ verdienen, und ein ähnliches Wachstum der Zahl von Kindern, die in von einer Frau geführten Haushalten leben. Verheiratete Frauen stehen zunehmend vor einer krassen Entscheidung: ihre kleinen Kinder tagsüber zu verlassen, um zu versuchen, ein Einkommen zu verdienen, oder bei ihnen zu bleiben und in die Armut zu verfallen. So oder so verlieren die Kinder (S. 50 – 51).

Zum ersten Mal in der Geschichte, stellt der Autor fest, wird die Familie völlig industrialisiert. Gartenarbeit, Essenszubereitung, Reparaturen im Haus, Kinderbetreuung und andere verbliebene Formen häuslicher Produktion werden von beschäftigten Paaren zugunsten von Diensten aufgegeben, die der Markt bietet; in anderen Worten, das Zuhause hat keine eigene Ökonomie, sondern ist bestenfalls zu einer Art Konsumentenkooperative geworden (S. 51 – 52). Mit einer solcherart erodierten Rationale für die Ehe nehmen Scheidung, vorübergehendes Zusammenleben, uneheliche Geburten, Abtreibung und Einsamkeit alle zu. Weit haben wir es gebracht, Baby.

Schweden wird oft als das beste Modell eines Landes hochgehalten, das einen „dritten Weg“ zwischen Kapitalismus und Sozialismus verfolgt. Carlson widmet ein Kapitel der Evolution der schwedischen Familienpolitik im vergangenen Jahrhundert und der sie umgebenden ideologischen Debatten; Gerüchten zufolge war dessen ursprünglicher Titel „Desperate Swedish Socialist Housewives.“ Wie auch immer das sein mag, dieses Kapitel macht die Schwierigkeiten besonders deutlich, Vorschriften zur Familienpolitik sauber auf einem konventionellen ideologischen Links-Rechts-Spektrum zu arrangieren. Schon 1866 billigten die Delegierten der Ersten Sozialistischen Internationale „eine Resolution, die Verbote für die Beschäftigung von Frauen forderte. Die Förderer der Maßnahme argumentierten, daß arbeitende Frauen die allgemeinen Lohnniveaus drückten und Männer verdrängten; ihrer Ansicht nach waren arbeitende Frauen das Äquivalent von Streikbrechern“ (S. 113). Schwedens Sozialdemokratische Partei übernahm diese Sichtweise, und sie blieb viele Jahre lang für schwedische „Progressive“ normativ.

Der Autor lenkt unsere Aufmerksamkeit zum Beispiel auf Ellen Karolina Sofia Key: Sozialistin, Feministin, Eugenikbefürworterin, Schülerin von Darwin und Nietzsche. Nichts davon hinderte sie daran, großen Wert auf die mütterliche Rolle und ihre Wichtigkeit für die einzelnen Frauen, ihre Kinder und die Gesellschaft der Zukunft zu legen. Die Frau sei „am freiesten“, schrieb sie, „in der physischen und psychischen Ausübung der Funktion der Mütterlichkeit.“ Die Mutter war eine „Erziehungskünstlerin“, die „die enorme Bedeutung der ersten Jahre“ verstand. Was sie am meisten braucht, um diese Rolle angemessen auszufüllen, ist „Zeit, Zeit und nochmals Zeit.“ Sie glaubte, daß der Staat der richtigen Mutterschaft eine genauso hohe Priorität geben sollte wie dem Militärdienst. Viele Jahre lang propagierte ein beliebtes Frauenmagazin, Morgenbrise, Keys Ideal der sozialistischen Hausfrau und brachte Illustrationen von athletisch aussehenden nietzscheanischen Übermüttern, umgeben von Schwärmen gesunder Kinder (S. 114 – 117).

Der verderbliche Einfluß von Gunnar und Alva Myrdal auf die schwedische Sozialpolitik begann in den 1930ern, aber ihm wurde effektiv länger Widerstand geleistet, als viele begreifen. „Erstaunlicherweise“, schreibt Carlson, „blieb der Anteil schwedischer Frauen an der erwerbstätigen Bevölkerung noch 1964 stetig bei 30 Prozent; bloße 3 Prozent der schwedischen Vorschulkinder befanden sich in öffentlichen Kindertagesstätten“ (S. 128).

Die sozialistischen Hausfrauen begannen die Haushaltsführung als „häusliche Wissenschaft“ zu bezeichnen und stellten sich als effiziente Arbeiterinnen dar, deren Arbeitsplatz eben das Zuhause war. Sie forderten und bekamen mehrere Jahre Pflichtunterricht in Hauswirtschaftslehre und Kinderbetreuung für alle schwedischen Mädchen. Regierungsbehörden förderten quantitative Studien, die unter anderem enthüllten, daß die durchschnittliche Hausfrau der Arbeiterklasse 2,8 Bratpfannen und 1,6 Teekannen zur Verfügung hatte. Der moderne schwedische Haushalt war offensichtlich ein hochwissenschaftlicher Ort (S. 122 – 124).

Um die 1960er waren jedoch Alva Myrdal und ihr scharf familienfeindlicher Feminismus wieder auf dem Marsch. Individual- statt Familienbesteuerung wurde in der schwedischen Politik zu einem zentralen Thema. Als die Verabschiedung der Maßnahme näherrückte, wurde eine „Kampagne für die Familie“ gestartet. Fünfzigtausend Protestbriefe ergossen sich in das Büro des Premierministers; Tausende Frauen marschierten zum Riksdag in (wie eine schwedische Zeitung es ausdrückte) „der ersten Hausfrauendemonstration der Geschichte.“

Es war vergebens. 1970 trat die Individualbesteuerung in Kraft; über Nacht wurde eine Hausfrau zu einem teuren Luxus (S. 129 – 131). Carlson schreibt: „Richtigerweise als die Ära des Roten Schweden bezeichnet, beging die erste Regierung von Olof Palme eine Art feministischen Genozid und eliminierte vorsätzlich eine ganze Klasse von Frauen durch erzwungene ‚Umerziehung’ und Zwangsarbeit“ (S. 179).

Der Familienlohn ist von seiner Natur her ein Kompromiß mit dem industriellen Kapitalismus; er übergibt ein Mitglied der Familie dem Arbeitsmarkt im Austausch dafür, den Rest von letzterem isoliert zu halten. Der Distributismus, die ökonomische Plattform, die von Hilaire Belloc und G. K. Chesterton befürwortet wurde, ging weiter, indem er danach strebte, einigen der inhärenten Tendenzen des Kapitalismus direkt entgegenzuwirken.

Die Distributisten hielten Grundbesitz für „so wichtig, daß jede Familie etwas davon haben sollte.“ Aber der Kapitalismus, behaupteten sie, führte natürlich die Konsolidierung des Grundbesitzes in einigen wenigen Händen herbei. Der Staat sollte daher offen Kleinbauern, Kooperativen und Familienunternehmen gegenüber großen Konzernen und Monopolen begünstigen. Sie befürworteten progressive Besteuerung und rechtliche Einschränkungen für große Unternehmen. In seinem Kapitel über die distributistische Bewegung befindet Carlson sich in der seltsamen Position, insbesondere Chesterton gegen einen seiner größten Bewunderer zu verteidigen, der diesen Aspekt seines Werkes zu schnell als zusammenhanglos, gehaltlos oder vergeblich abtut. Das ist der übliche Preis für politisches Versagen (S. 1 – 34).

Bezüglich eines ähnlichen ökonomischen Programms, das wirklichen Fortschritt machte, lenkt Carlson unsere Aufmerksamkeit auf die Kleinbauernparteien, die nach dem Großen Krieg in den neuen Demokratien Osteuropas an die Macht fegten. Ihr fundamentales Prinzip war, daß Land jenen gehören sollte, die es bestellen. Dies erforderte umfangreiche Landumverteilungen vom alten Adel zu den Kleinbauernfamilien, manchmal ohne Entschädigung. In der Tschechoslowakei wurden bis 1931 4,5 Millionen acres [ca. 1,8 Millionen Hektar] an Bauernfamilien umverteilt; in Polen war die Zahl 6,25 Millionen acres [ca. 2,5 Millionen Hektar] bis 1937.

Die Kleinbauernparteien befürworteten auch progressive Besteuerung, Freihandel, Republikanismus, dezentralisierte Regierungsführung, landwirtschaftliche Kooperativen, Pazifismus, Bildungsreform, verpflichtenden Dienst an der Öffentlichkeit für die Jugend, ländliches Leben und begrenzte Industrialisierung (wobei zum Beispiel die Verarbeitung land- und forstwirtschaftlicher Produkte der Produktion von Maschinengewehren oder Senfgas vorzuziehen sei). Die Kleinbauernparteien waren auch einheitlich gegen den Kommunismus. Eine „Grüne Internationale“, die formell Internationales Agrarbüro genannt wurde, nahm 1923 Gestalt an, um politische Aktionen über internationale Grenzen hinweg zu koordinieren. Ein spezifisches Projekt zielte darauf ab, eine Freihandelszone im Donauraum in Mittel- und Osteuropa zu schaffen (S. 90 – 101).

Ein glücklicher Zufall der Geschichte ermöglichte es, daß agrarische Ideen sogar in der Sowjetunion eine Zeitlang die Politik beeinflußten. 1921 verkündete Lenin die Neue Wirtschaftspolitik, ein taktischer Rückzug an der Wirtschaftsfront, der den Bolschewiken ihren politischen Griff auf Rußland zu festigen ermöglichen sollte. Während des Großteils der 1920er wurde die Kollektivierung des kleinbäuerlichen Landbesitzes zurückgestellt, und Privatindustrie in bescheidenem Ausmaß wurde erlaubt. Der Agrarökonom Alexander Tschajanow leitete von 1919 bis 1930 offen eine agrarische Denkfabrik in Moskau und wurde sogar für eine Zeitlang Vize-Landwirtschaftsminister (S. 69 – 70).

Trotz ihrer verheißungsvollen Anfänge unterlagen all diese Agrarprogramme rücksichtsloseren Feinden verschiedener Arten. Die Herrschaft der Kleinbauern wurde in Bulgarien 1923 gewaltsam gestürzt, dann 1926 in Polen. Die neue jugoslawische Regierung erstickte sie allmählich in Kroatien während der Zwanziger, und in Rumänien verlor sie bis 1930 gegen den royalistischen Militarismus. Stalin ließ Tschajanow im selben Jahr verhaften und in den Gulag schicken. Eine Anzahl von Kleinbauernführern wurde schließlich ermordet. In der Tschechoslowakei jedoch ging die Herrschaft der Kleinbauern weiter bis zur Besetzung durch die Nazis (S. 81, S. 101 – 106).

Jeder, der mit den „christdemokratischen“ Parteien des zeitgenössischen Europa vertraut ist, wird argwöhnisch gegenüber ihrer Aufnahme in einem Band sein, der sich einer Politik des „dritten Weges“ widmet. Carlson gibt dies zu; er erklärt, daß diese Parteien im Laufe der 1950er entweder von der Bühne verschwanden (wie in Frankreich) oder

konsolidierten ihre Macht um den Preis ihrer Vision. Um die frühen 1960er waren sie zunehmend pragmatische und bürokratische, selbstzufriedene Verteidiger des Status quo. Ehrgeizige, die nach einem Amt strebten, begannen anstatt christlicher Idealisten die Parteien zu dominieren. [Sie] wurden einfach zu Massenparteien rechts der Mitte. (S. 169)

Wenn Sie verstehen wollen, was mit dem Alten Kontinent heute nicht stimmt, studieren Sie die Christdemokraten Deutschlands oder Italiens.

Und doch hat die Christdemokratie vornehme Wurzeln, die bis zurück ins neunzehnte Jahrhundert reichen. Ihre Stammväter waren Gläubige, die die antichristlichen Aspekte der Französischen Revolution verabscheuten, denen aber nicht besonders an der Bewahrung von Monarchie, feudalen Titeln oder großen Privatvermögen lag. Sie lehnten den liberalen Individualismus ab und betonten die Familie als eine natürliche Institution, die der Staat schützen und verteidigen mußte.

Viele strebten danach, Christen verschiedener Glaubensbekenntnisse politisch zu vereinen, um der säkularisierenden Tendenz der modernen Welt entgegenzuwirken. Abraham Kuyper zum Beispiel war ein protestantischer Kleriker, der die Antirevolutionäre Partei der Niederlande zu gründen half; er sah die Katholiken als natürliche Verbündete im Kampf gegen die Feinde des Christentums. Kuypers Einfluß auf amerikanische Evangelikale ist umfangreich gewesen, bleibt aber außerhalb evangelikaler Kreise wenig bekannt.

Die deutschen Katholiken gehörten ebenfalls zu den frühen Begründern der Christdemokratie. Bischof Ketteler von Mainz half 1848 den „Katholischen Klub Deutschlands“ zu gründen, der später in Zentrumspartei umbenannt und für Protestanten geöffnet wurde. „Während der 1860er,“ schreibt Carlson, „verurteilte Ketteler den ‚kapitalistischen Absolutismus’, forderte die Schaffung christlicher Gewerkschaften, um Arbeiter zu schützen, und drängte auf politische Reformen, die die Löhne erhöhen, den Arbeitstag verkürzen und die Arbeit von Kindern und Müttern in Fabriken verbieten würden“ (S. 157). Er war auch ein Hauptgegner von Bismarcks sogenanntem Kulturkampf der 1870er. Dieser Kampagne gelang es, kirchliche Hochzeiten abzuschaffen und die Diskussion politischer Angelegenheiten von der Kanzel herab zu verbieten. Bis er auf Widerstand traf, versuchte Bismarck auch, dem Staat ein größeres Maß an Kontrolle über klerikale Angelegenheiten zu geben.

Die Enzyklika Rerum Novarum von Leo XIII hatte großen Einfluß auf katholische christdemokratische Denker (wie auch auf die Distributisten). Obwohl oft als bloße Ablehnung des Sozialismus mißverstanden, erklärte das Dokument „implizit, daß über 80 Prozent von Europas Land – ca. 1891 – zu Unrecht besessen wurde. Faktisch war es ein Aufruf zu einer friedlichen Agrarrevolution“ (S. 6 – 7). Das Dokument wurde zu einem Teil des Programms der katholischen Zentrumspartei (S. 158).

Hitler schaffte die Zentrumspartei 1933 ab; Mussolini hatte ihr italienisches christdemokratisches Gegenstück bereits 1925 verboten. Während der Jahre, in denen sie aus dem öffentlichen Leben verbannt war, wurde die christdemokratische Tradition auf philosophischer Ebene von einer Anzahl französischer Katholiken weitergeführt: Emmanual Mounier, sein Schüler Gilbert Dru (von der Gestapo ermordet), Etienne Gilson, Etienne Borne und Jacques Maritain. Dem liberalen Individualismus, der vom Selbst als dem Ort der Wünsche sprach, stellten sie den „Personalismus“ entgegen, der die moralische Wahlfreiheit und die Entwicklung der Persönlichkeit durch Teilnahme an gesellschaftlichen Körperschaften wie die Familie und die örtliche Gemeinde betonte. Sie fanden, daß Frauen gleiche staatsbürgerliche, gesetzliche und politische Rechte genießen sollten, hielten dies aber für vereinbar mit dem Ideal des Familienlohns und mit traditionellen Geschlechterrollen (S. 162 – 164).

Christdemokratische Parteien hatten einen entscheidenden Einfluß auf die Politik der unmittelbaren Nachkriegszeit und kamen in Westdeutschland und Italien an die Macht, während sie in Frankreich und den Niederlanden an Regierungskoalitionen teilnahmen. Die Deklaration der Menschenrechte der UNO ist als „großteils identisch“ mit der Weltsicht der Christdemokratie bezeichnet worden, und die ursprüngliche Europäische Wirtschaftsgemeinschaft war ebenfalls ihr Werk (S. 166 – 167).

Der wichtigste ökonomische Denker, der mit der ursprünglichen christdemokratischen Bewegung in Verbindung stand, war Wilhelm Röpke. Obwohl er der Kopf hinter dem westdeutschen Wirtschaftswunder der 1950er war (durch seinen Einfluß auf Wirtschaftsminister Ludwig Erhard), war Röpke der erste, der den „Produktivitätskult“ als eine „Störung der spirituellen Wahrnehmung“ kritisierte. Er beharrte darauf, daß „Menschen nicht allein von billigen Staubsaugern leben“ und strebte danach, „die Wirtschaftspolitik dem Menschen anzupassen, nicht den Menschen der Wirtschaftspolitik“ (S. 164 – 166).

Während er Privateigentum und freie Märkte verteidigte, beharrte Röpke darauf, daß eine erfolgreiche Marktwirtschaft einen moralischen Rahmen brauche – einen, der selbst kein Produkt von Marktbeziehungen war, sondern von „Familie, Kirche, echten Gemeinschaften und Tradition.“ Wie die Distributisten bevorzugte er Regulierungsmaßnahmen zur Verhinderung von Monopolen und zur Förderung von Wohneigentum, Kleinbetrieben und Familienlandwirtschaften.

* * *

Keiner der dritten Wege, die Allan Carlson beschreibt, erwies sich als völliger Erfolg; aber keiner war ohne positive Auswirkungen, und oft mehr, als allgemein erkannt wird. Wichtiger ist, daß die Probleme, auf die die Befürworter dritter Wege reagierten, uns immer noch erhalten geblieben sind: der Zusammenbruch des Kommunismus bedeutet nicht, daß es dem Westen gelungen wäre, die Bedürfnisse der Familie mit den Forderungen einer konkurrenzfähigen Industriewirtschaft zu versöhnen.

Ich erteile Dr. Carlson das letzte Wort. In einem kürzlichen Interview sprach er von einer Ökonomie des „Weges der Familie“, die:

…die Familie als auf der Ehe, nicht dem Individuum, als ihrer Grundeinheit begründet behandeln würde. Grundbesitz würde so geschätzt werden, daß jeder Haushalt welchen hätte. Wo außerhäusliche Beschäftigung notwendig wäre, würde sie die Bezahlung eines „Familienlohnes“ an den Haushaltsvorstand begünstigen, sodaß der andere Elternteil – normalerweise die Mutter – sich den Kindern und der heimischen Erzeugung widmen könnte. Sie würde Unternehmen in Familienbesitz starken gesetzlichen und finanziellen Schutz geben. Diese Ökonomie würde kleine Bauernhöfe und unabhängige Geschäfte begünstigen. Sie würde Heimbüros für Ärzte, Anwälte, Buchhalter und andere Fachkräfte begünstigen. Sie würde Familien dazu ermutigen, Heimunternehmen zu gründen, zu gärtnern, bescheidene Tierhaltung zu betreiben und ihre Kinder zu Hause zu unterrichten. Und sie würde Werbung mißbilligen, die sich auf die Laster der Lust, Faulheit, Habgier, Völlerei, Neid und Hochmut stützt.

TOQ Online, 1. Mai 2009

* * * * * * *

Siehe auch:

Freihandel funktioniert nicht von Donald Thoresen
Der freie Markt und Einwanderung: Zwei Gedankenspiele von Ted Sallis
Finden Sie die Korrelation: Reichtum versus Einwanderung von Dennis Mangan
Libertarianismus und weißer rassischer Nationalismus von Kevin MacDonald
Frei zu verlieren: Juden, Weiße und der Libertarianismus von Brenton Sanderson
„5 to 9“-Konservatismus von Greg Johnson
Was machen wir eigentlich, wenn wir gewinnen? von Dunkler Phönix

* * *

(Quelle der Übersetzung hier)

Nächster Essay aus Die sexuelle Utopie an der Macht: Zurück nach Afrika: Sexueller Atavismus im modernen Westen

Hinterlasse einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: