Tanzt mit!

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Von Andrew Hamilton, übersetzt von Deep Roots. Das Original Join the Dance! erschien am 24. September 2010 auf Counter-Currents Publishing und am 16. März 2010 auf The Occidental Quarterly.

Russische Übersetzung hier.

Ein Kommentar auf „The Occidental Quarterly“ lenkte meine Aufmerksamkeit auf ein dreiminütiges Video von Derek Sivers mit dem Titel „First Follower: Leadership Lessons from Dancing Guy“:

In seiner Kürze sind einige brillante Lektionen verpackt, die in diesem kontraintuitiven Ratschlag kulminieren:

Die beste Art, eine Bewegung zu schaffen, wenn einem wirklich daran liegt, besteht darin, mutig jemandem zu folgen und anderen zu zeigen, wie man folgt. Wenn ihr einen einsamen Spinner findet, der etwas Großartiges tut, dann habt den Mut, die erste Person zu sein, die aufsteht und sich ihm anschließt.

Sivers ist nicht pro-weiß und vermutlich nicht einmal konservativ (nach statistischer Wahrscheinlichkeit). Er ist ein Musiker und Musikunternehmer mit mehr als nur einem Schuß Idealismus – obwohl es in seinem Video nicht darum geht.

1997 gründete er einen Online-Musikladen namens CD Baby, um seine eigene CD zu verkaufen. Aber er lud andere unabhängige Musiker dazu ein, ebenfalls über seine Webseite zu verkaufen. Sein Utopismus, oder Idealismus, ist in den Grundregeln zu erkennen, die er für seine neue Firma festlegte, die er von seinem Schlafzimmer in Woodstock, New York aus betrieb: „Der Musiker wird jede Woche bezahlt werden. Dem Musiker wird der volle Name und die Adresse von jedem angegeben, der seine Musik kauft. Der Musiker wird nie aus dem System entfernt werden, weil er nicht genug verkauft. Die Seite wird nie Werbung oder bezahlte Produktplazierungen annehmen.“

Sivers’ Idealismus manifestierte sich wiederum, als er seine Firma im Jahr 2008 um 22 Millionen Dollar verkaufte. Er übertrug zuerst das Eigentum an der Firma an einen Wohltätigkeitsfonds für Musikerziehung. Der Fonds, und nicht Sivers, verkaufte dann tatsächlich die Firma. Er tat dies, weil „ich bereits genug habe.“ („Why I gave away my company to charity“, 4. Dezember 2009)

Der tanzende Mann und die ersten, die ihm folgen

„Leadership Lessons“ ist ein schlecht gefilmtes, unscharfes Amateurvideo, das keinen anderen Ton außer Sivers’ Begleittext enthält. Es zeigt einen jungen weißen Mann ohne Hemd, der am Rand einer Menge von etwas über Zwanzigjährigen auf einem Hang bei etwas tanzt, das ein Musikfest zu sein scheint. Zuerst schließt sich ihm ein junger Mann an, dann noch einer, und sehr schnell eilt die ganze Menschenmenge vorwärts.

Aber der Augenöffner ist Sivers’ Text. Er destilliert brillant die wesentliche Dynamik der Szene heraus, so wie er sie wahrnimmt. Unter seinen Beobachtungen befinden sich die folgenden:

Ein Anführer braucht den Mut, allein dazustehen und lächerlich auszusehen.

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Nun kommt der erste Unterstützer mit einer entscheidenden Rolle: er zeigt öffentlich, wie man folgt. Man beachte, daß der Anführer ihn als Gleichen annimmt, sodaß es nicht mehr um den Anführer geht – es geht um sie, im Plural.

Der erste Mitmacher ist auf dem Video zu sehen, wie er anderen signalisiert und sie dazu ermutigt, sich anzuschließen: „Es erfordert Mut, ein erster Gefolgsmann zu sein! Man sticht selbst hervor und trotzt der Lächerlichkeit. Ein erster Gefolgsmann zu sein, ist eine unterschätzte Form von Führerschaft. Der erste Gefolgsmann verwandelt einen einsamen Spinner in einen Anführer.“

Der zweite, der folgt, ist ein Wendepunkt: es ist ein Beweis dafür, daß der erste es gut gemacht hat. Nun ist es nicht ein einsamer Spinner, und es sind nicht zwei Spinner. Drei sind eine Schar.

Eine Bewegung muß öffentlich sein. Stellt sicher, daß Außenseiter mehr als nur den Anführer sehen können. Jeder muß die Gefolgsleute sehen können, weil neue Anhänger Gefolgsleute nachahmen – nicht den Anführer. Jetzt kommen hier zwei weitere, dann noch drei. Nun haben wir Schwung. Dies ist der Wendepunkt! Nun haben wir eine Bewegung!

Schließlich bringt Sivers eine extrem wichtige Aussage: „So wie mehr Leute hinzuspringen, ist es nicht länger riskant. Sie werden nicht verspottet werden, sie werden nicht hervorstechen, und sie werden Teil der Schickeria sein, wenn sie sich beeilen. Im Laufe der nächsten Minute werden Sie die restlichen sehen, die es vorziehen, Teil der Menge zu sein, weil sie schließlich dafür verspottet werden, nicht mitzumachen.“

Hören Sie Sivers’ exzellentem Text zu, und beobachten Sie genau das Verhalten der Tänzer und der Menge in dem Video, die sie begleitet.

Die Menge

Denken wir kurz mal darüber nach. Die Gültigkeit von Sivers’ Beobachtungen ist leicht ersichtlich. Aber Einschränkungen sind ebenfalls notwendig.

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Mit welcher Art von Gruppe haben wir es zu tun? Um Kevin MacDonalds Begriff zu entlehnen: es ist eine „Gruppe von Angesicht zu Angesicht“. Es ist zum Beispiel kein unpersönliches, atomisiertes Fernseh- oder Zeitungs- oder Internetpublikum. Daher gibt es Dynamiken, die für diese Tatsache spezifisch sind.

Die Gruppe ist größer als eine „Kleingruppe“ (sagen wir, eine Jury oder die 6 – 8 Teilnehmer an einem der Konformitätsexperimente des jüdischen Psychologen Solomon Asch), aber kleiner als ein Massenpublikum, wie Zuschauer bei der Super Bowl. Sie qualifiziert sich als „Masse“ in der Terminologie des französischen Psychologen Gustave Le Bon (1841 – 1931), der das Gruppenverhalten untersuchte. Unterschiedliche psychologische und Verhaltensdynamiken gelten für jede dieser unterschiedlichen Kategorien von Gruppen von Angesicht zu Angesicht.

Was ist mit Rasse und Geschlecht? Der Teil der Menge, den wir sehen, scheint mit deutlichem Überhang weiß zu sein. Der Tänzer (in Sivers’ Terminologie „der Anführer“) ist ebenfalls weiß – und männlich. Aber interessanterweise scheinen die hochwichtigen ersten und zweiten Mitmacher – ebenfalls männlich – nichtweiß zu sein (wenn auch nicht schwarz), soweit wir erkennen können. Warum zwei Mitglieder von Minderheiten in einer überwiegend weißen Menschenmenge die ersten sein sollten, die vortreten, ist unklar. Andererseits scheint es auch nicht völlig irrelevant zu sein. Die sehr wichtigen dritten und vierten Mitmacher sind weiße Männer. Bei den „drei weiteren“, die sofort hinzuspringen, sind die ersten Frauen dabei, ebenfalls weiß.

Der Schläger

Es gibt keinen „Schläger“ in dem Video, wie es ihn für unsere Bewegung in der realen Welt gibt. Ein „Schläger“ ist jeder, alles oder jeder Satz von Regeln, die effektiv eine Barriere zwischen dem „einsamen Spinner“/Anführer (der auch kleine marginalisierte Gruppen oder „Kreise von Individuen“ sein könnte) und potentiellen Gefolgsleuten errichten.

Der Schläger besitzt die hochwichtige Fähigkeit, den Anführer vor der Sicht und dem Bewußtsein der Masse abzuschirmen, seine Botschaft in den Köpfen der Masse zu verzerren oder fehlzuinterpretieren, den Anführer und frühe Anhänger lächerlich zu machen, den Anführer und seine Anhänger einzusperren, zu töten, zu zensieren oder sonstwie zu beseitigen, und Mitglieder der Masse zu bedrohen oder zu bestrafen.

In anderen Worten, der Schläger garantiert, daß es ein enormes Risiko – ein nahezu gewisses Risiko – gibt, daß andernfalls motivierte Individuen lächerlich gemacht werden, hervorstechen und nie Teil der Schickeria sein werden, wenn sie irgendeinen Schritt unternehmen, um sich dem Anführer anzuschließen oder zu seiner Legitimität beizutragen.

Der Schläger hat unzählige Mechanismen zu seiner Verfügung, um seine Ziele zu erreichen. Dazu gehören die Massenkommunikationsmedien. Um akademische Autoren zum Thema Kulturübermittlung zu zitieren: „Die Medien wirken als mächtiger Typ der Kulturübermittlung von einem zu vielen [wobei eine einzelne Quelle eine einzelne Botschaft an ein Massenpublikum sendet], der schnelle kulturelle Veränderung bewirken kann.“ Obendrein besteht eine Übermittlung „von vielen zu einem“ [eine andere Art von Übertragung] darin, daß viele Personen oder Institutionen „dieselbe Idee oder Praxis an ein Individuum übermitteln“, was sozialen oder Gruppendruck zur Folge hat. „Weil diese Übermittlung von vielen an einen konzertiert ist, wobei jeder Sender dasselbe Signal übermittelt, ruft dieser Gruppeneffekt starken Konformismus hervor.“ (Stone und Lurquin, A Genetic and Cultural Odyssey [2005], 101.)

Der Schläger ist supersensibel gegenüber Massendynamik. Kürzlich haben die ADL und das SPLC, mächtige Rassistenorganisationen mit tiefen und umfangreichen Verbindungen zur Regierung, sich mit der Errichtung einer Barriere zwischen weißen Rasseorientierten und der konservativen „Tea Party“-Bewegung beschäftigt. Sie werden vor nichts zurückschrecken, um einen Umkipp-Punkt wie jenen zu verhindern, der in dem Video dargestellt wird.

Zum Beispiel belehrt das SPLC Regierungsbeamte und andere Eliten, daß der „Zorn“ und die „Wut“ von Konservativen (überwiegend weiße Tea-Party-Leute), die es als „Revolutionäre“ darstellt, einen Bezug zum Bombenanschlag auf das Bundesgebäude von Oklahoma City haben, bei dem es „168 tote Männer, Frauen und Kinder gab“. „Der Anschlag von Oklahoma war der Kulminationspunkt von politischem Zorn gegen die Regierung. Heute baut sich die Wut wieder auf“, unterstellt das SPLC verschlagen. Teilweise liegt dies an „der sich ändernden Demographie des Landes.“ Tea-Party-Leute „haben einen Schuß rechtsextremer Ideen, von Verschwörungstheorien und Rassismus in sich.“

Das SPLC beschreibt die Tea-Party-Gruppen als „im Entstehen begriffen“. Der ganze Zweck der lautstarken Diffamierung der Tea-Party-Leute durch die Organisation, ihres massiven Angriffs gegen die Rede- und Versammlungsfreiheit der zerbrechlichen, ums Aufkommen kämpfenden Bewegung ist die Verhinderung des Ergebnisses, das Sivers’ Video so stark darstellt.

Die Lektion

Collin Wynter, tanzender Narr

Collin Wynter, tanzender Narr

„Gefolgsleute“ sind auch Anführer! Sie geben anderen ein starkes Beispiel, wenn sie für die Werte aufstehen, an die sie glauben, egal wie unpopulär sie sind. Wo so viel auf dem Spiel steht, hat jede Person eine moralische Pflicht, vorzutreten und sich dem Tanz anzuschließen.

Seit mehr als fünfzig Jahren hat der bedrohliche Schläger eifersüchtig die alleinige Macht zur Realitätsvermittlung für sich behalten. Mehr als jeder andere Faktor hat „der Schläger“ jeden Versuch von Amerikanern und anderen Europäern vereitelt, die Abwärtsspirale unseres historischen Volkes in die geplante Vergessenheit zu stoppen.

Falls sich genügend Menschen dem Tanz anschließen, werden die Bösen eine Kostprobe ihrer eigenen Medizin erhalten. Gesellschaftliche Veränderungen können schnell und unerwartet stattfinden, wenn einmal der Umkipp-Punkt erreicht ist.

TOQ Online, 16. März 2010

* * * * * * *

Nachbemerkung des Übersetzers:

Auf diesen Artikel aus einer Zeit, als ich „Counter-Currents“ noch gar nicht kannte, bin ich durch Greg Johnsons Verweis darauf in seinem Rede-Transkript Hin zum Umkipp-Punkt: Wie wir unseren Ideen virale Verbreitung verschaffen gestoßen.

Siehe auch:

Ihr seid dran! von Dunkler Phönix
Wie kann man nur so blöd sein? – Gesprächstaktiken von Dunkler Phönix
Straßenaktivismus und Anonymität von Dunkler Phönix
Was machen wir heute? Meme verbreiten! von Dunkler Phönix
Pegida positiv nutzen von Dunkler Phönix und Osimandia
Wie entsteht ein Meinungsumschwung? von Michael Springer

Die drei Meter hohe Mauer von Kevin Alfred Strom
Meisterschaft im Stil sticht Überlegenheit des Arguments von Alex Kurtagić
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Mund aufmachen von Dennis Mangan
Der „Eine Wahre Weg“ von Matt Parrott
Sechs Regeln fürs Vertreten weißer Interessen von Matt Parrott

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Ein Kommentar

  1. Deep Roots

     /  Dezember 5, 2015

    Jetzt komme ich endlich einmal dazu, euch den Anfang des oben im Artikel verlinkten Textes „Why I gave away my company to charity“ von Derek Sivers zu übersetzen (fette Hervorhebung wie im Original):

    Zwei Freunde waren bei einer Party, die in der Villa eines Milliardärs abgehalten wurde. Einer sagte: „Wow! Schau dir das hier an! Dieser Kerl hat alles!“ Der andere sagte: „Ja, aber ich habe etwas, das er nie haben wird: genug.“

    Antworten

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