Twitterer der Welt, vereinigt euch! (Teil 3)

 

Wael Ghonim

Wael Ghonim

Die digitale Neue Linke als kontrollierte Opposition (Teil 3 von 4)

Von Kerry Bolton, übersetzt von Deep Roots.
Das Original Twitterers of the World Unite! The Digital New Left as Controlled Opposition, Part 3 erschien am 4. März 2011 bei Counter-Currents Publishing.

Zuvor erschienen: Teil 1 und Teil 2

Die Rolle von Movements.org im nordafrikanischen Tumult

Damit man nicht denkt, daß Movements.org nicht viel mehr ist als ein Haufen nerdiger Lehnstuhlrevolutionäre und ein Zeitvertreib für Yuppies unter den Generaldirektoren: die Organisation hat eine wichtige Rolle in den Umwälzungen in Nordafrika gespielt. Ariel Schwartz schreibt für die Fast Company:

Legt dies ab unter „Timing ist immer noch alles.“ Gerade rechtzeitig, um beim Organisieren ägyptischer Graswurzelaktivisten mit wiederhergestelltem Internetzugang zu helfen, hat die Alliance for Youth Movements (AYM) sich als Movements.org umfirmiert, ein Online-Knotenpunkt für digitale Aktivisten…

Die AYM hat schon länger Veränderungen bewirkt – 2008 nahmen an einem von AYM organisierten Gipfel auch Führer von Ägyptens Jugendbewegung 6. April teil, einer Protestbewegung, die politische Reformen und eine demokratische Regierung anstrebt.

„Movements.org ist die Quelle für jeden, der beim Einsatz von Technologie zur Erreichung echter gesellschaftlicher Veränderungen auf dem Laufenden bleiben will,“ sagt der Mitbegründer von Movements.org und Howcast, Jason Liebman, in einer Stellungnahme. „Wir haben seit drei Jahren als Unterstützungsnetzwerk für Graswurzelaktivisten existiert, die digitale Mittel einsetzen, und heute starten wir als Alpha-Version, um unsere Plattform und unsere Ressourcen jedermann zur Verfügung zu stellen.“

In anderen Worten, die Revolution ist jetzt zentralisiert. [1]

Man sollte sich in Erinnerung rufen, daß die Jugendbewegung 6. April ein Hauptfaktor bei der Organisation der ägyptischen Revolte gewesen ist. Die Verbindung, die die Fast Company der Jugendbewegung 6. April verschafft hat, geht zur Carnegie Endowment for International Peace, einem Veteranen unter den globalistischen Institutionen, die die entscheidende Rolle beschreibt, die „soziale Medien“ bei der Schaffung der Jugendbewegung 6. April gespielt haben.

Im Frühjahr 2008 schlossen sich über 100.000 Nutzer des sozialen Netzwerks Facebook einer Online-Gruppe an, um Solidarität mit Arbeitern auszudrücken, die in der Industriestadt al-Mahalla al-Kubra im Nildelta protestierten. Als die Proteste zu einem landesweiten Streik eskalierten, gewann die Facebook-Gruppe an Schwung und schloß sich schließlich zu einer politischen Bewegung namens Jugendbewegung 6. April zusammen.

2009 behauptete die Gruppe, immer noch an die 70.000 junge Ägypter als Mitglieder zu haben, von denen die meisten gebildet und ohne politische Bindungen seien. Wie Ägyptens andere Protestbewegungen ist die Jugendbewegung 6. April keine formelle politische Partei, aber sie bietet dennoch ein Ventil für eine neue Generation politisch bewußter Ägypter. [2]

Googles Ghonim

Einer der ersten festgenommenen Anführer der Unruhen in Ägypten war Googles ägyptischer Manager Wael Ghonim, der am 8. Januar verhaftet und zehn Tage später freigelassen wurde. „Wael war auch auf Facebook und Twitter für die Revolution aktiv.“ [3] Newsweek schreibt Ghonim eine bedeutende Rolle in der ägyptischen Revolte zu, mit dem Untertitel „Wael Ghonims Tagesjob war der bei Google. Aber nachts organisierte er eine Revolution.“ [4] Obwohl er als Googles Marketingleiter für Nordafrika in Dubai stationiert war, “erbot sich Ghonim, die Facebook-Fanseite des ägyptischen Nobelpreisträgers Mohamed ElBaradei [5] zu führen, der zu einem entscheidenden Oppositionsführer geworden war.“ [6] Laut Newsweek war es Ghonims Sendung, die tatsächlich die Revolte anstiftete, die Mubarak stürzte:

Am 14. Januar brachten Proteste in Tunesien den langjährigen Diktator des Landes zu Fall, und Ghonim wurde dazu inspiriert, auf Facebook eine eigene Revolution Ägyptens anzukündigen. Jeder der über 350.000 Fans der Seite wurde herzlich zu einem Protest am 25. Januar eingeladen. Sie konnten „ja“, „nein“ oder „vielleicht“ anklicken, um zu signalisieren, ob sie teilnehmen wollten. [7]

Interessanterweise wird behauptet, daß Ghonim Angebote einer „amerikanischen NGO“, ihn zu finanzieren, undiplomatisch zurückwies. Die Behauptung scheint unaufrichtig zu sein, nachdem Google ein US-Konzern mit engen Kontakten zum US-Außenministerium, zu etlichen NGOs und Denkfabriken und ein entscheidender Teil von AYM ist. Es stellt sich die Frage, ob dies bloß Getue von Ghonim ist, angesichts seines Kommentars, daß er gern seinen Job bei Google wiederaufnehmen würde, falls er nicht „gefeuert“ würde wegen seiner Rolle bei der „Auslösung der ägyptischen Revolution.“ [8] Diese Bemerkung ist pure Heuchelei, da es unwahrscheinlich scheint, daß Ghonim nicht über die Rolle Bescheid weiß, die Google und Facebook bei AYM und den „samtenen Revolutionen“ gespielt haben. Der folgende Unsinn soll zwischen Ghonim und der Google-Zentrale stattgefunden haben:

Offiziell redet Google nicht über Ghonim oder die Frage des Aktivismus von Angestellten. Was ihn angehe, sagte Ghonim Katie Couric von CBS am Freitag in einem Interview, daß seine Teilnahme an den Protesten keine Verbindung mit seinem Arbeitgeber hätte.

„Sie wußten nichts davon, und wenn ich mir freinahm und nach Kairo ging, wußten sie nicht, daß ich zu dem Protest hingehen würde“, sagte er. „Aber als alles öffentlich wurde, sprach ich mit der Firma, und sie schlugen vor, daß ich Urlaub nehmen sollte, und ich schlug ihnen das ebenfalls vor, und ich denke, daß es eine gute Entscheidung war. Google hat nichts damit zu tun.“ [9]

Der Kolumnist Charles Cooper schreibt ebenfalls Quatsch, wenn er die Frage stellt, ob Ghonim „einmalig für Silicon Valley“ (sic) sei. Ghonim ist „einer von“ Zehntausenden von Yuppies überall auf der Welt, die von einer Reihe von Denkfabriken, NGOs und Behörden der US-Regierung angestachelt, trainiert und zu revolutionären Zielen hingeleitet werden. Cooper fährt fort:

Vielleicht war das als scherzhafter Kommentar gemeint. Aber es steckt eine größere Wahrheit hinter seiner Bemerkung. Die Schlüsselrolle, die einer von Googles Managern im Nahen Osten spielte, hat ein jahrzehntealtes Dilemma wiederbelebt, dem sich viele andere Technologiefirmen gegenübersehen, wenn es um die Frage des politischen Aktivismus geht. Wo sollten sie die Grenze ziehen?

„Es ist eines jener Dinge, die die Firmen nicht einmal mit einer Dreimeterstange anrühren wollen,“ sagte mir ein leitender Angestellter für Öffentlichkeitsarbeit zum Hintergrund.

Die offenkundige Wahrheit unserer Zeit ist, daß die Technofirmen keine politischen Positionen beziehen wollen – nicht einmal, wenn die Regimes ihre Produkte zur Unterdrückung ihres eigenen Volkes benutzen. [10]

Cooper schreibt reinen Scheiß. Die einzige Frage ist, ob Cooper ein Lügner oder ein Blödmann ist. Falls er noch nie von AYM gehört hat, dann muß er doch sicherlich von der Rolle wissen, die die Digi-Dussel seit langem in den samtenen Revolutionen in Serbien und anderswo gespielt haben? Movements.org identifiziert Ghonim auf seiner Zeitschiene für die ägyptische Revolte als den Google-Manager, der zur Revolte anstiftete und der in Kontakt mit der Jugendbewegung 6. April stand:

…Frühjahr 2010. Eine Gruppe von Aktivisten, einschließlich dem Google-Manager Wael Ghonim und dem Führer des 6. April, Ahmed Maher, beginnen sich einmal wöchentlich zu treffen, um Pläne für einen Protest gegen die Regierung zu diskutieren.

…8. Februar – Massive Proteste gehen weiter, mit vielen Menschen – inspiriert von Wael Ghonim – die zum ersten Mal auf die Straße gehen. Wael spricht zu der Menge am Tahrir-Platz. [11]

11. Februar – Wael sagt CNN: Wenn ihr eine Regierung befreien wollt, gebt ihnen das Internet. http://techcrunch.com/2011/02/11/wael-ghonim-if-you-want-to-liberate-a-government-give-them-the-internet/ [12]

TechCrunch schreibt über Ghonim und die Rolle, die von den „digitalen Aktivisten“ gespielt wird:

Ghonim, der eine Galionsfigur der Bewegung gegen die ägyptische Regierung gewesen ist, sagte [Wolf] Blitzer [von CNN]: „Wenn ihr eine Regierung befreien wollt, gebt ihnen das Internet.“

Ghonim bezieht sich natürlich darauf, daß ein Großteil dieser Revolution auf Twitter und Facebook organisiert wurde (ähnlich den tunesischen Protesten). Man glaubte von Ghonim, daß er die erste Facebook-Seite aufgemacht hat, die die Proteste vom 25. Januar organisierte. Als Blitzer fragte: „Tunesien, dann Ägypten; was kommt als Nächstes?“ antwortete Ghonim lapidar: „Fragen Sie Facebook.“

Er setzte dann fort, indem er Mark Zuckerberg persönlich dankte, und sagte, daß er gern Facebooks Generaldirektor treffen würde. Ghonim sagt, daß er sich darauf freut, wieder zu seiner Arbeit bei Google zurückzukehren, aber er plant, ein Buch mit dem Titel „Revolution 2.0“ über die Rolle der sozialen Medien und das Internet in politischen Demonstrationen zu schreiben. Es gibt keinen Zweifel, daß die sozialen Medien den politischen Aktivismus unwiderruflich verändert haben, und dieser Moment wird sicherlich ein historischer Moment für Facebook und Twitter sein. [13]

Es gibt hier keine bedeutungslose Rhetorik darüber, möglicherweise von Google „gefeuert“ zu werden, sondern Zuversicht, daß Ghonim zu seinem Job – und ich bin sicher, zu einer Beförderung – zurückkehren wird, weil er das ist, was auf den Inbegriff des „digitalen Aktivisten“ hinausläuft, der von Google, Facebook, Howcast und den einstigen Sozialrevolutionären von AT&T, Pepsi, dem US-Außenministerium, MTV, dem International Republican Institute, Freedom House etc. gesponsert wird.

Anmerkungen

1. A. Schwartz, “More Tech Tools for Egypt’s Protesters: Movements.org, an Online Hub for Grassroots Activists,” Fast Company, 3. Februar 2011, http://www.fastcompany.com/1723468/movementsorg-an-online-hub-for-grassroots-activists

2. “ The April 6 Youth Movement,” Carnegie Endowment, http://egyptelections.carnegieendowment.org/2010/09/22/the-april-6-youth-movement

3. “Google Executive Freed in Egypt,” 8. Februar 2011, http://www.politicolnews.com/google-executive-freed-in-egypt/

4. “The Facebook Freedom Fighter,” Newsweek, 13. Februar 2011, http://www.newsweek.com/2011/02/13/the-facebook-freedom-fighter.html

5. Man sollte sich auch daran erinnern, daß El Baradei aus den Eingeweiden der International Crisis Group auftauchte, wo er mit George Soros sitzt, um in Ägypten der Mann der Stunde zu sein. Siehe K. R. Bolton, “What’s Behind the Tumult in Egypt?,” Foreign Policy Journal, 1. Februar 2011, http://www.foreignpolicyjournal.com/2011/02/01/whats-behind-the-tumult-in-egypt/all/1

6. “The Facebook Freedom Fighter.”

7. “The Facebook Freedom Fighter.”

8. Charles Cooper, “Wael Ghonim: A ‘One-Off’ for Silicon Valley?,” CBS News, Tech Talk, 11. Februar 2011, http://www.cbsnews.com/8301-501465_162-20031608-501465.html

9. “Wael Ghonim: A ‘One-Off’ for Silicon Valley?”

10. “Wael Ghonim: A ‘One-Off’ for Silicon Valley?”

11. “Timeline of the January 25 Revolution in Egypt,” AYM, 14. Februar 2011, http://www.movements.org/blog/entry/timeline-of-the-january-25-revolution-in-egypt

12. “Timeline of the January 25 Revolution in Egypt.”

13. Leen Rao, TechCrunch, 11. Februar 2011, http://techcrunch.com/2011/02/11/wael-ghonim-if-you-want-to-liberate-a-government-give-them-the-internet/

Fortsetzung: Teil 4

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