Warum Musik? Ein Blick auf Kunst und Propaganda

Anne Vallayer-Coster, „Attributes of Music“, 1770

Anne Vallayer-Coster, „Attributes of Music“, 1770

Von Elizabeth Whitcombe, übersetzt von Deep Roots. Das Original Why Music? A Look at Art & Propaganda erschien im November 2009 in Ab Aeterno bzw. am 14. November 2013 auf Counter-Currents Publishing / North American New Right.

Musik kann unsere Emotionen und die Qualität unserer Urteile beeinflussen.

Unsere Emotionen spielen eine entscheidende Rolle dabei, wie wir Überlegungen anstellen. Wenn wir emotional aus dem Gleichgewicht sind, werden wir nicht so effektiv überlegen können. Musik ist die Kunstform, die am meisten dazu in der Lage ist, uns vom kritischen Denken abzubringen.

Unsere Gehirne haben eine plastische Eigenschaft – die Schaltkreise, die wir mehr benutzen, werden stärker, jene, die wir weniger benutzen, verkümmern. Die Eigenschaften der Musik, die man hört, und die Art, wie man sie hört, beeinflussen die Fähigkeit zum Treffen von Entscheidungen.

Wegen dieser Eigenschaften ist die Musik immer ein attraktives Propagandamittel gewesen. Die Überzeugungskraft der Musik steht im Zentrum von Platos Argument für die Zensierung der Künste.[1]

Was gibt also der Musik ihre Macht? Die Natur hat uns dafür geschaffen, nach Schönheit zu suchen, und die Musik nützt unsere Hilfsmittel, mit denen wir sie finden.

Musik und das sich entwickelnde Gehirn

Musik besteht aus geordneten Tönen. Unsere Ohren fangen Vibrationen in der Umwelt um uns auf. Die Vibrationen werden im Innenohr in elektrische Impulse umgewandelt und in den Informationsverarbeitungskanal unseres Gehirns geschickt.

Millionen elektrischer Pulse werden jede Sekunde ins Zentralnervensystem geleitet. Eine Ballung von Nervenzellen, die retikuläres Aktivierungssystem (RAS) genannt wird, muß auswählen, welche Pulse interessant genug für den Geist sind, um auf sie zu achten.

Das RAS wird insbesondere von geordneten akustischen Takten und Rhythmus angezogen. Ein regelmäßiger Rhythmus kann die Aufmerksamkeit des Gehirns so sehr absorbieren, daß andere automatische Systeme von dem Takt mitgerissen werden – zum Beispiel unbewußtes Fußklopfen, Auf- und Abbewegen des Kopfes und dergleichen.

Musik ist ein Weg, um Gruppenaufmerksamkeit zu fokussieren: von Gottesdiensten über militärische Märsche bis zu Trommelkreisen. Ein starker Takt scheint Menschen zu Anstrengungen zu treiben, die ansonsten extrem schwierig wären. In seinem Buch The Influence of Music on Behaviour von 1927 merkt Charles Diserens an, wie Musikhörer in manchen Fällen dabei so in Anspruch genommen werden, daß sie in einen tranceartigen Zustand eintreten.[2] Ein modernes Beispiel wäre die Energie einer Menschenmenge bei einem Konzert. Musik hat ein riesiges Potential zur Schaffung einer Menschenmasse.

Pawlow’scher Ton

Matthias Grünewald, „Engelskonzert“ (Detail), 1515

Matthias Grünewald, „Engelskonzert“ (Detail), 1515

Musik kann uns mit einem angenehmen Erlebnis „belohnen“ oder mit Streß „bestrafen“. Das tut sie, indem sie das Gehirn zur Freisetzung von Chemikalien anregt und unsere Heuristiken manipuliert.

Heuristiken sind einfache Regeln, die unser Gehirn benutzt, um Informationen effizienter zu verarbeiten. Sie sind „Daumenregeln“, die uns dabei helfen, Entscheidungen zu treffen, Urteile zu fällen und Probleme zu lösen.

Das Gehirn hat sich dazu entwickelt, Dinge anzunehmen, die uns zu überleben helfen. Heuristiken helfen dabei. Wir bekommen ein „Hochgefühl“, wenn wir richtig raten, und empfinden Streß, wenn wir falsch raten – insbesondere wenn wir wiederholt falsch raten. Musik spielt auf einer sehr tiefen Ebene mit diesem Wunsch, „richtig zu raten“. Dies ist die Schönheit von Harmonie und Melodie.

Harmonie entsteht in der Musik, wenn einander ergänzende Schwingungen gemeinsam oder nacheinander gespielt werden. Der Verstand erwartet, daß die Noten einer Melodie über die Tonleiter auf und ab variieren, aber dazu tendieren, mit irgendeiner Kombination komplementärer Schwingungen zu enden. Wenn die Melodie sehr unvorhersehbar ist, wird der Verstand gestreßt: welche Tonart ist das? Welche Note kommt am wahrscheinlichsten als nächstes? Dies ist nicht schön!

Tatsächlich hat es diesen Wunsch nach Harmonie bei Säugetieren und Vögeln seit sehr früher Zeit gegeben. Petr Janata von der University of California/Davis spielte einer Eule den Donauwalzer von Strauss vor, aber mit stellenweise weggelassenen wichtigen Schwingungen.[3] Professor Janata maß die elektrischen Pulse, die aus dem Teil des Eulengehirns kamen, der die Töne verarbeitete, und fand heraus, daß die Eule die fehlenden Schwingungen wieder in den Walzer eingefügt hatte! Das Bedürfnis, unsere Umwelt korrekt vorauszuberechnen – und die heuristischen Mittel, die wir als Abkürzungen verwenden – sind ein sehr alter Teil unseres Wesens.

Es gibt Musik, die bewußt darauf abzielt, diese Erwartungen zu frustrieren – zum Beispiel die Musik von Arnold Schönberg. Schönberg schrieb Musik, die Vorhersehbarkeit vermeidet und eine Menge aktiver Analyse erfordert.

Wir blühen auf mit einer Prise aktiver Analyse und einem Batzen Vorhersehbarkeit. Einige der schönsten Musikstücke sind die, die unsere Erwartungen necken. Professor David Huron von der Ohio State University liefert eine Erklärung, warum Dissonanz, die in Harmonie übergeht, uns ein angenehmes Gefühl verschafft.[4] Wir sind für eine Welt geschaffen, in der unser Verstand ständig getestet wird, wo es aber auch einen Kern der Vorhersehbarkeit gibt.

Schönheit und Evolution

MEMLING, Hans (b. ca. 1440, Seligenstadt, d. 1494, Bruges) Angel Musicians (left panel) 1480s Oil on wood, 165 x 230 cm Koninklijk Museum voor Schone Kunsten, Antwerp The picture shows one of the fragments of a religious polyptych by Memling, Christ Surrounded by Musician Angels. The carefully ordered and simple composition depicts Christ as Sovereign of the World, giving His blessing, with three singing angels on either side. The two other panels contain five angels playing musical instruments: psaltery, tromba marina, lute, trumpet and oboe (left-hand panel), bassoon, trumpet, portative organ, harp and viol (right-hand panel). Heaven is suggested by the glowing clouds which run from the left across to the right-hand panel. These panels are fragments of a polyptych, now largely lost, which once stood on the high altar of the Benedictine church of Santa Maria la Real in Nájera, Spain. --- Keywords: -------------- Author: MEMLING, Hans Title: Angel Musicians (left panel) Time-line: 1451-1500 School: Flemish Form: painting Type: religious

Hans Memling, „Musizierende Engel“ aus den 1480ern

Schönheit beruht auf Ordnung mit gerade einem Hauch des Unerwarteten. Schönheit ist an unsere Fähigkeit geknüpft, evolutionäre Ziele zu erfüllen. Wir wollen überleben, uns fortpflanzen und Gemeinschaft haben. Wenn eine Umgebung, eine Person oder ein Ding schön ist, signalisiert sie uns ihre Nützlichkeit hinsichtlich jener evolutionären Zwecke: es gibt uns dieses gute „Hochgefühl“.

Was ist das beliebteste Gemäldemotiv des gesamten Globus? Antwort: eine üppige Savanne mit Tieren und Unterschlupfmöglichkeiten. In einer 1993 durchgeführten Studie fragten zwei Russen Korrespondenten aus einer breiten Vielzahl von Kulturen und Klimazonen, welche Gemälde ihnen am besten gefielen – die Ergebnisse waren überraschend homogen.[5] Das Motiv, das sie auswählten, ist zufällig die Umwelt, die dem menschlichen Überleben am förderlichsten ist: eine gut bewässerte Savanne, von einem leicht erhöhten (defensiven) Blickpunkt gesehen. Alte Vorurteile sterben schwer – und aus gutem Grund.

Junge Leute, die fruchtbar aussehen, oder Handlungen, die guten Gemeinschaftsbeziehungen förderlich sind, werden „schön“ genannt. Ihre Eigenschaften sprechen unsere Heuristiken an. Natürlich kann unsere Fähigkeit zur Vorausschätzung irregeführt werden – aber Jahrmillionen der Evolution sprechen dafür, daß sie meistens richtig liegen.

Emotion und Entscheidungsfindung

Emotion hat heuristische Eigenschaften. Wir entwickelten Emotionen, weil sie uns ermöglichen, schnelle Urteile zur Unterstützung unserer evolutionären Ziele zu fällen. Dies bedeutet, daß Emotionen, wenn Zeit und Energie knapp sind, uns eine provisorische Entscheidungsfähigkeit geben. Diese Fähigkeit zu beurteilen, was für uns wichtig ist, ist eigentlich das, was es uns ermöglicht, effektiv Überlegungen anzustellen!

In seiner Arbeit Descartes’ Error beschreibt Professor Antonio Damasio, was mit Patienten geschieht, bei denen ein Teil ihres emotionalen Hirnbereichs geschädigt wurde.[6] Sie stellen sehr gut Überlegungen an, aber sie haben Schwierigkeiten, damit aufzuhören. Sie können nicht mehr beurteilen, was für sie praktisch relevant ist und was nicht. Sie könnten den ganzen Tag mit der Entscheidung verbringen, für wann sie ihren nächsten Arzttermin festsetzen möchten.

Musik kann die Art manipulieren, wie unser Gehirn Informationen verarbeitet, indem sie sich unsere Emotionen zunutze macht. Sie beginnt mit dem RAS – dem Informationsfiltersystem unseres Gehirns.

Das RAS gibt Informationen an das emotionale Gehirn weiter – das limbisches System genannt wird. Wenn die Information als möglicherweise bedrohlich beurteilt wird, dann werden Furchtreaktionen aktiviert. Furcht könnte man als die erste Emotion betrachten, weil eine neue Information im Zentralnervensystem zuerst danach beurteilt zu werden scheint, ob sie bedrohlich ist. Dies ist evolutionär sinnvoll, nachdem unsere primäre Motivation dem Überleben gilt.

In extremer Angst werden alle Informationswege zu den höheren Denkzentren abgeschaltet. Die Person befindet sich dann in einem höchst emotionalen Zustand, wo man mit ihr nur über Gefühle kommunizieren, aber nicht argumentieren kann.

Musik hat die Fähigkeit, Furcht auszulösen, die mit Streß verbunden ist. Wenn wir etwas hören, das wir nicht erwarten – wie einen plötzlichen Anstieg der Lautstärke von Musik – wird unser Gehirn über die Möglichkeit einer Gefahr alarmiert.

Musik kann auch angenehme Gefühle hervorrufen (durch Anregung der Opioidfreisetzung). Kürzliche Studien haben gezeigt, daß diese Emotionen mit unterschiedlichen Teilen des limbischen Systems verbunden sind. [7][8] Der Stimmungsumschwung endet nicht mit dem Ton, sondern beeinflußt tatsächlich danach getroffene Urteile.[9]

Musik hat eine chemische Wirkung auf das limbische System. Die Grenzen des Systems werden durch einen Abfall der Konzentration bestimmter Chemikalien und Rezeptoren definiert, nämlich: Dopamin, Serotonin, Opiatrezeptoren, Endorphine und Eisen. Musik kann die Freisetzung einiger dieser Chemikalien in Ihrem Gehirn (insbesondere von Opiaten und streßbezogenen Endorphinen) anregen und hemmen und dadurch Ihre „Stimmung“ ändern; die Art, wie Sie Informationen interpretieren werden, und letztendlich die Entscheidungen, die Sie treffen werden.

Konditionierung des Gehirns

Das Gehirn ist ein plastisches Organ – Teile, die viel benutzt werden, werden stark; Teile, die untätig sind, verkümmern. Manche emotionale Störungen haben damit zu tun, daß Angstschaltkreise zu stark werden. Wenn die daran Leidenden keine Hilfe bekommen, werden ihre höheren Denkfähigkeiten verkümmern. Eine Musiktherapie kann den Denkschaltkreisen eine Gelegenheit zur Übung geben. In ihrem Buch The Music Effect liefern Professor Daniel Schneck und Professor Dorita Berger mehrere Berichte über unterschiedliche Behandlungen mit Musiktherapie.[11] Zum Beispiel kann man einer Person mit Aspergersyndrom (einer Form des Autismus, die mit einer überaktiven Angstreaktion zu tun hat) ein ruhiges, vorhersehbares Lied mit einem starken, stetigen Takt, aber variierenden Rhythmusmustern in Gegenwart dessen vorspielen, was normalerweise Angst auslöst.

Warum solche Musik? Vorhersehbare Melodien rufen positive Gefühle hervor. Der Takt hat eine fokussierende Wirkung, der variierende Rhythmus ist interessant und wird die Aufmerksamkeit von dem ablenken, was die Ängstlichkeit verursacht. Die Angstschaltkreise werden weniger angeregt, was den Denkschaltkreisen Gelegenheit zum Einsatz gibt. Diese Eigenschaften zusammengenommen geben dem Patienten eine bessere Chance, darüber nachdenken zu können, was um ihn herum vorgeht, und angemessen zu reagieren.

Die Musik hilft den Patienten, sich allmählich mit dem wohlzufühlen, was sie ängstigt, damit sie „normal“ leben können, wenn sie dem ausgesetzt sind, was immer es ist.

Mit der Zeit wird die durch die Musik konditionierte Reaktion automatisch; das Gehirn hat die Neuralwege umkonfiguriert. Das „richtige“ Niveau der Furcht kann programmiert werden.

Das „richtige“ Aufmerksamkeitsniveau kann ebenfalls programmiert werden. Die Musik lenkt den Patienten von dem ab, was normalerweise Furcht auslöst – die Musik „redet“ dem Gehirn beruhigend zu. Es ist am besten, wenn der Patient nicht bewußt an die Musik denkt, sondern sich während der Behandlung einfach von der Musik „berieseln“ läßt. Es gibt ein Element des passiven Hörens.

Zuhören und Hören

In den 1940ern schrieb Vernon Lee (Schriftstellername von Violet Paget, der Freundin von William James’ Bruder Henry) ein Buch mit dem Titel Music and Its Lovers, in dem sie die Unterschiede zwischen dem Anhören und dem Hören von Musik behandelte.[12] Zuhörer analysieren das Musikstück aktiv und denken an die Struktur der Musik, Hörer befinden sich ein einem traumähnlicheren Zustand und genießen die Erinnerungen und Gefühle, die die Musik wachruft. Aus Sicht der kognitiven Funktion deuten Miss Pagets Beobachtungen darauf hin, daß Zuhörer dazu tendieren, Überlegungen zu der Musik anzustellen (Neokortex), während Hörer dazu tendieren, Gefühle dazu auszuleben (limbisches System).

Wenn wir passiv hören, lassen wir die Musik auf unser limbisches System einwirken, ohne sie bewußt zu analysieren.

Das emotionale Gehirn

In seinem Buch The Triune Brain in Evolution erläutert Dr. Paul MacLean, wie unser emotionales Gehirn mit dem Wunsch verbunden ist, über Töne, aber nicht über Symbole zu kommunizieren.[10] Das limbische System kann Sprache oder Rede nicht verarbeiten – das ist die Aufgabe des Neokortex. Das limbische System entwickelte sich bei Säugetieren zur selben Zeit wie familienbezogenes Verhalten, Spielen und audiovokale Kommunikation zur Aufrechterhaltung des Kontakts zur Mutter. Sprache und unser Neokortex kamen später.

Dr. MacLeans Beobachtungen beleuchten, warum Musik Menschen auf emotionaler Ebene bewegt, aber nicht notwendigerweise auf intellektueller.

Kant über Musik

Musik kann Emotionen unabhängig vom Inhalt ausdrücken. Dieses Merkmal führte Immanuel Kant dazu, Musik als die niedrigste Kunstform einzuordnen, weil sie am wenigsten mit dem Intellekt zu tun hat.[13] Kant lebte in einem goldenen Zeitalter der deutschen Musik, und sein Urteil mag harsch erscheinen. Wenn man jedoch Kunst als einen Weg sieht, um etwas Spezifisches zwischen Individuen zu kommunizieren, dann hatte er absolut recht.

Tatsächlich macht die starke emotionale Zugkraft, bei Leere an spezifischem Inhalt, Musik zum perfekten Propagandamittel. Ich kann die Melodie von Beethovens Ode an die Freude benutzen, um den Humanismus, Christus oder die Europäische Union zu feiern. Noch anpassungsfähiger kann Kunst nicht sein.

Humanismus

Freude, schöner Götterfunken,
Tochter aus Elysium,
Wir betreten feuertrunken,
Himmlische, dein Heiligtum.
Deine Zauber binden wieder,
Was der Mode Schwert geteilt;
Bettler werden Fürstenbrüder,
Wo dein sanfter Flügel weilt.

(Friedrich Schiller, 1785 – nicht 1875, wie im englischen Original dieses Essays!)

Christentum

Joyful, joyful, we adore Thee,
God of glory, Lord of love;
Hearts unfold like flowers before Thee,
opening to the sun above.
Melt the clouds of sin and sadness;
drive the dark of doubt away;
Giver of immortal gladness,
fill us with the light of day!

(Henry Van Dyke, 1907)

Europäische Union

Est Europa nunc unita
Et unita maneat;
Una in diversitate
Pacem mundi augeat.

Semper regnat in Europa
Fides et iustitia
Et libertas populorum
In maiore patria.

Cives, floreat Europa,
opus magnum vocat vos.
Stellae signa sunt in caelo
Aureae, quae iungant nos.

(Peter Roland)

Deutsche Übersetzung:

Europa ist jetzt vereinigt
Vereinigt möge es bleiben;
Unsere Einheit in Vielfalt
Möge zum Weltfrieden beitragen.

Möge in Europa für immer
Treue und Gerechtigkeit herrschen
Und Freiheit des Volkes
In einem größeren Vaterland.

Bürger, Europa möge blühen
Das große Werk ruft euch.
Sterne stehen als Zeichen am Himmel,
Goldene, die uns vereinen mögen.

(Eigentlich gibt es zur Version der Europäischen Union wegen der Vielzahl der beteiligten Sprachen keinen Text. Ein lateinischer Text wurde für jeden entwickelt, der ihn verwenden möchte.)

Es ist wichtig zu verstehen, daß eine Person, sofern sie nicht in Panik ist, in der Lage ist, einige ihrer höheren Hirnrindenfunktionen zu benutzen (wie Rede zu verstehen), während sie sich Musik anhört – dies ist der Zweck von Texten zu einem Lied! Jedoch kann die Beurteilung der Wörter, die man hört, durch die Eigenschaften der sie begleitenden Musik verzerrt werden.

Musik als Propaganda

Kurz, Musik hat die Fähigkeit, Ihr Wachsamkeitsniveau zu verändern, die Ausrichtung Ihrer Aufmerksamkeit zu beeinflussen, angenehme Gefühle und Streßgefühle herbeizuführen. Musik gewinnt Ihre Aufmerksamkeit und setzt dann Zuckerbrot und Peitsche ein. Man paare dies mit einer politischen, religiösen oder moralischen Botschaft, und man hat eine sehr wirksame Lehrhilfe. Noch besser ist, daß der Zuhörer die Musik nicht einmal bewußt zur Kenntnis zu nehmen braucht, um die Belehrung aufzunehmen. Propaganda ist dann am besten, wenn man die Leute davon überzeugen kann, daß sie ihre eigenen Schlüsse gezogen haben!

Hier sind ein paar berühmte Beispiele, bei denen schöne Klänge des Zuhörers Wahrnehmung der Texte verzerren:

John Lennon, „Imagine“

Imagine there’s no heaven;
It’s easy if you try No hell below us;
Above us only sky
Imagine all the people;
Living for today…

Imagine there’s no countries;
It isn’t hard to do
Nothing to kill or die for;
And no religion too
Imagine all the people;
Living life in peace…

Imagine no possessions;
I wonder if you can
No need for greed or hunger;
A brotherhood of man
Imagine all the people;
Sharing all the world…

You may say I’m a dreamer;
But I’m not the only one
I hope someday you’ll join us
And the world will live as one.

(John Lennon, 1971)

KISS, „Love Gun“

I really love you baby
I love what you’ve got
Lets get together, we can
Get hot
No more tomorrow, baby
Time is today
Girl, I can make you feel
Okay
No place for hiding baby
No place to run
You pull the trigger of my
Love gun, (love gun), love gun
Love gun, (love gun), love gun

(KISS, 1977)

Das erste Beispiel beschreibt eine wahrlich erschreckende Vision – etwas, das George Orwells würdig wäre. Die Reaktion der meisten Leute auf Lennons Lied ist jedoch nicht eine des Schreckens, sondern ein wohliges, warmes Glühen.

Das zweite ist ein Beispiel für Dümmlichkeit, die sich hinter einem Beat und Gitarrenriffs verbirgt. Wenn Ihnen jemand den KISS-Text mit ernstem Gesicht vorsagen würde, würden Sie wahrscheinlich lachen; und doch lachen sehr wenige Leute, wenn das Lied gespielt wird.

Welche Musik?

Es gibt keine Art von Musik, die universal „gesünder“ ist als eine andere. Wichtig ist, für welche Art des Hörens man sich entscheidet, und wieviel man sich anhört. Es gibt eine Zeit für das Schlafen, das Ruhen und das aktive Denken. Zu viel von einem davon, und der Organismus wird leiden. Das Entscheidende ist Ausgewogenheit.

Dennoch bieten manche Arten von Musik mehr Gelegenheit zum aktiven Hören als andere. Die durchschnittliche Beatles-Melodie zu analysieren, wird schnell langweilig werden. Technisch komplexere Musik gibt dem Hirn eine bessere Chance, höhere Funktionen auszuüben, wenn der Zuhörer zu der Mühe bereit ist.

Musik ist auch ein Werbeakquisiteur: Lyrik und geordnete Töne können einen dazu konditionieren, Ideen mit Gefühlen zu verbinden. Als Hörer müssen wir hüten, was in unsere Köpfe geht.

Die Wirkung der Musik auf die Denkfähigkeit der Menschen ist lebenswichtig, weil wir in einer Demokratie leben und Musik fast allgegenwärtig ist. Während mehr Leute als je zuvor Musik hören können, scheint die musikalische Ausbildung damit nicht Schritt zu halten. Der Durchschnittsmensch ist ein Hörer, kein Zuhörer – die Menschen sind unaufgeklärt über ihre eigenen Köpfe und die Musik, die sie da reinstecken. Ein perfektes Ziel für Indoktrination!

Anmerkungen

1. Plato, The Republic (Barnes & Noble, 2004).
2. Charles M. Diserens, A Psychology of Music: The Influence of Music on Behavior (Kessinger Publishing, 2007).
3. P. Janata, Electrophysiological Studies of Auditory Contexts, 1997. Dissertation Abstracts International: Section B: The Sciences and Engineering. University of Oregon.
4. David Huron, Sweet Anticipation: Music and the Psychology of Expectation (The MIT Press, 2006).
5. Komar & Melamid: The Most Wanted Paintings on the Web. Vitaly Komar and Alex Melamid. 1997. http://www.diacenter.org/km/index.html
6. Antonio Damasio, Descartes’ Error: Emotion, Reason, and the Human Brain (2005).
7. M. T. Mitterschiffthaler, C. H. Fu, J. A. Dalton, C. M. Andrew, S. C. Williams, “A functional MRI study of happy and sad affective states induced by classical music,” Human Brain Mapping (November 2007):1150–62.
8. A. Goldstein, “Thrills in Response to Music and Other Stimuli. Physiological Psychology 8, 126-129.
9. N. Logeswaran and J. Bhattacharya, “Crossmodal transfer of emotion by music,” Neuroscience Letters (May 2009):129–33.
10. P. D. MacLean, The Triune Brain in Evolution: Role in Paleocerebral Functions (Springer, 1990).
11. Daniel J. Schneck and Dorita S. Berger, The Music Effect: Music Physiology and Clinical Application (2005).
12. Vernon Lee (Violet Paget), Music and Its Lovers: An Empirical Study of Emotional and Imaginative Responses to Music (Thomas Press, 2007).
13. Kant, Critique of Judgment (Cosimo Classics, 2007).

Quelle: Ab Aeterno, no. 1, November 2009.

* * * * * * *

Siehe auch:

Staatlicher Kindesmissbrauch und Multikultimusik von Dunkler Phönix
Brian Boru’s March: Die tausendjährige Melodie von Lichtschwert
Die singende Revolution / Und wer nicht singt, der küsst, ein Doppelpack aus Artikeln von Matt Parrott und Susanne Frömel
In Praise of the White Singing Voice: Getting to „Beyonce“ Overload von Julian Lee
AMAZING RACE: Hymn of the Awakened White Nationalist, Cernunnos’ Artikelaufbereitung meiner Umtextung von „Amazing Grace“
Hinter jedem Degenerierten… von Kevin Alfred Strom
Schönheit, Kunst und Rasse von Kevin Alfred Strom
Als kleine Zugabe habe ich hier noch den Donauwalzer eingefügt, zu dem sich Professor Jantas Eule die stellenweise fehlenden Schwingungen hinzugedacht hat; hier als ORF-Neujahrsballet in der Version von 2014/15:

*     *     *
(Quelle der Übersetzung:  hier)

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Ein Kommentar

  1. Deep Roots

     /  Juni 10, 2015

    Emotion hat heuristische Eigenschaften. Wir entwickelten Emotionen, weil sie uns ermöglichen, schnelle Urteile zur Unterstützung unserer evolutionären Ziele zu fällen. Dies bedeutet, daß Emotionen, wenn Zeit und Energie knapp sind, uns eine provisorische Entscheidungsfähigkeit geben. Diese Fähigkeit zu beurteilen, was für uns wichtig ist, ist eigentlich das, was es uns ermöglicht, effektiv Überlegungen anzustellen!

    In seiner Arbeit Descartes’ Error beschreibt Professor Antonio Damasio, was mit Patienten geschieht, bei denen ein Teil ihres emotionalen Hirnbereichs geschädigt wurde. Sie stellen sehr gut Überlegungen an, aber sie haben Schwierigkeiten, damit aufzuhören. Sie können nicht mehr beurteilen, was für sie praktisch relevant ist und was nicht. Sie könnten den ganzen Tag mit der Entscheidung verbringen, für wann sie ihren nächsten Arzttermin festsetzen möchten.

    Nimm das, Spock!

    Hier haben wir ein weiteres Beispiel dafür, wie grundfalsch die Ideen und Meme sind, die man uns mit „Star Trek“ schon seit der Originalserie immer anzudrehen bestrebt war.
    Bei Spock bestand die Masche (neben seiner sonstigen „Culture of Critique“) darin, daß er vorzugsweise anhand gesunder Emotionen, die aber der JNWO-Agenda im Weg stehen, die angebliche Überlegenheit der vulkanischen Emotionslosigkeit gepredigt hat, während er in anderen Fällen mit Argumenten, Werturteilen und Vorwürfen in Richtung der (weißen) Erdenmenschen kam, die auf unangemessener Gefühligkeit beruhten und uns von der Wahrung unserer Interessen abbringen sollten.

    Ein Lehrer an einer Schule, die ich besuchte, hat einmal im Physikunterricht auf „Raumschiff Enterprise“ Bezug genommen („…wo er immer schreit: ‚Energie!’“) und gesagt: „Ich weiß, für euch sind das spannende Abenteuer, aber physikalisch betrachtet ist das ein Blödsinn, daß einem schlecht wird.“

    Ob die technisch-physikalischen Dinge in „Star Trek“ Blödsinn sind, wird sich erst in der Zukunft weisen. Aber die in diesen Serien vermittelten Werte und Ideen sind tatsächlich „ein Blödsinn, daß einem schlecht wird.“

    Siehe dazu auch die erste Folge meines Vierteiler über „Star Trek“ (die weiteren sind ab dort von einem Teil zum nächsten verlinkt):

    Star Dreck VIIIa – Star Trek: Die Originalserie

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