Willkommen im Dschungel: Unamusement Park erforscht den Kongo, Teil 4

Congo - On the Rumba River

Von Unamused, übersetzt von Deep Roots (Titelbild von mir eingefügt). Das Original Welcome to the jungle: Unamusement Park explores the Congo (part 4) dieses vierten Teils von Unamuseds Kongo-Serie, von der ein fünfter Teil angekündigt, aber bisher noch nicht veröffentlicht ist, erschien am 12. November 2011 auf Unamusement Park. Zuvor erschienen: Willkommen im Dschungel: Unamusement Park erforscht den Kongo (1), Teil 2 und Teil 3.

Willkommen zurück im Dschungel. Wiederholen wir nochmal:

In Teil 1 hielten wir uns die Nase zu, versuchten, unser Essen bei uns zu behalten, und warfen mit mulmigem Gefühl einen Blick auf das Leben (kurz und elend) und Lieben (nicht einvernehmlich) in der Demokratischen Republik Kongo: auf dem Luftweg beförderte Krokodile, die Flugzeuge zum Absturz bringen, Penisdiebstahl durch goldberingte Zauberer, die schützende Kraft des Sodomierens von Pygmäen, kongolesische Militärtaktiken (mit einem Schwerpunkt darauf, fünfjährigen Mädchen in die Vagina zu schießen), Epidemien von AIDS, Malaria, Masern und Diarrhöe, und eine typisch afrikanische Geburtenrate, die sicherstellt, daß der Kreislauf der Schlächterei nie aufzuhören braucht.

Gute Zeiten.

In Teil 2 setzten wir uns zu einer zweiten übelkeiterregenden Portion „unvorstellbarer Brutalität“ (in den Worten eines UNO-Menschenrechtsexperten) seitens jener unverbesserlichen Kongolesen. Ob es nun Fisteln sind oder erzwungener Inzest, Kannibalen oder Kinderhexen, Sex-Sklavinnen oder Fußballzauberer, oder auch nur eine Herde unschuldiger Ziegen, die unter Scheinanschuldigungen im Gefängnis schmachten – der Spaß hört in der DRK niemals auf.

Sagte ich Spaß? Ich meinte Folter.

Bis zur dritten Fortsetzung der Serie hatten wir genug von der Auflistung der völligen Schrecklichkeit der DRK und gingen zu wildem Theoretisieren über.

Spezifisch: Angesichts dessen, daß der Kongo so ist, wie er ist (in jeder vorstellbaren Weise schrecklich, und noch auf ein paar weitere Arten), warum ist der Kongo so, wie er ist?

Es gibt zwei Theorien.

Gebt Belgien die Schuld

Betrachten Sie als erstes die Theorie von der rein umweltbedingten Schrecklichkeit des Kongo: „Heute ist der Kongo beschissen, weil er vor vielen Jahren von Belgiern kolonisiert wurde, die alles für alle versauten.“ (Sie ist leicht zu einer Theorie der afrikanischen Schrecklichkeit zu verallgemeinern.)

Dieser zugegebenermaßen über-simplifizierten Erklärung können wir großzügig jeden anderen Umweltfaktor außer dem belgischen Kolonialismus hinzufügen: „Außerdem ist der Kongo beschissen, weil es dort heiß und schwül und voller Krankheiten und Hirnparasiten und fliegender Krokodile und giftiger Vipern und fleischfressender Blumen und was nicht alles ist. Im Grunde ist es dort wie in Jumanji. Aber das wirklich wichtige, woran man dabei denken muß, ist, daß überhaupt keine genetischen Faktoren daran beteiligt sind. Scheiß auf die Gene! Die haben nichts zu bedeuten.“

Laut dieser Theorie kann man die Natur einfach vergessen, weil alles von der Erziehung abhängt (wenn man es als „Erziehung“ bezeichnen will, 50 Dollar zu bezahlen, um sein Kind von einem Exorzisten foltern zu lassen). Die Kongolesen sind Edle Wilde mit einem unbeschriebenen Blatt zwischen ihren Ohren, gänzlich von ihrer Umwelt definiert. Sie sind in jeder Weise genau wie wir, nur 1) dunkler und 2) so vom Vermächtnis des Kolonialismus behindert, von den giftigen Vipern, der Luftfeuchtigkeit und so weiter, daß sie dazu gezwungen sind,unschuldige Ziegen ins Gefängnis zu sperren, Fußballspieler mit Zaubersprüchen zu belegen, kindliche „Hexen“ zu foltern und einander die Herzen aufzuessen.

Wann ist die Umwelt nicht „umweltbedingt“?

An dieser Stelle müssen wir unterscheiden zwischen

1) Umwelt als direkte Ursache, wie ein Parasit, der einem ins Ohr kriecht, während man schläft, sich einem ins Gehirn bohrt und dort Tausende Eier legt, was die kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigt und schließlich den Kopf explodieren läßt, um ein naheliegendes Beispiel zu wählen, versus

2) Umwelt als eigentliche Ursache, denn als allgemeines evolutionäres Prinzip wirken unterschiedliche Umwelten durch Anpassung (oder natürliche Auslese, gemeinhin bekannt als „Überleben der Fittesten“) auf die genetische Vielfalt ein (die es bei allen Spezies gibt) und bringen zwischen fortpflanzungsmäßig isolierten Populationen beobachtbare Unterschiede hervor, die genetischen Unterschieden entsprechen.

„Beobachtbare Unterschiede von Genen verursacht?“ Der Vertreter der reinen Umweltthese prallt entsetzt zurück. „Das, Sir, geht nicht.“ Umwelt-als-eigentliche-Ursache gehört eindeutig nicht in die reine Theorie von den „Umwelteinflüssen“.

Trotzdem muß sie berücksichtigt werden. Der Kongo ist eine Umwelt, die sich sehr von, sagen wir, Nordeuropa oder Südostasien unterscheidet, sowohl jetzt als auch Tausende Jahre in der Vergangenheit. Wir sollten daher (wiederum als allgemeines evolutionäres Prinzip) erwarten, daß die menschlichen Populationen des Kongo, Nordeuropas und Südostasiens (etc.), die sich Tausende Jahre in nahezu totaler fortpflanzungsmäßiger Isolation entwickelten, sich sowohl im Phänotyp (beobachtbaren Merkmalen) und Genotyp auseinanderentwickeln. Mit der Zeit würden diese Populationen die Kriterien für eigene Subspezies erfüllen.

Tatsachlich ist dies bereits geschehen. Wir nennen sie bloß Rassen.

Rasse

Wie der berühmte Populationsgenetiker Luigi Luca Cavalli-Sforza 1977 schrieb (dem Anthropologieblog Evo and Proud entnommen),

könnte man [Menschen-] Rassen Subspezies nennen, wenn wir für den Menschen ein Kriterium übernähmen, das von Mayr (1963) für die systematische Zoologie vorgeschlagen wurde. Mayrs Kriterium ist, daß zwei oder mehr Gruppen zu Subspezies werden, wenn 75 % oder mehr aller Individuen, aus denen die Gruppen bestehen, eindeutig als zu einer bestimmten Gruppe gehörend klassifiziert werden können. Tatsächlich könnten wir, wenn Menschenrassen ziemlich breit definiert sind, eine viel niedrigere Fehlerquote als 25 % erreichen, was laut Mayr die Existenz menschlicher Subspezies bedeutet.

Eine 25prozentige Fehlerquote? Das hört sich machbar an. Bedenken Sie diese Passage aus Neven Sesardics “Race: A Social Destruction of a Biological Concept” (S. 156):

…einer Studie, die 17 Populationen auf der ganzen Welt abdeckte und die sich auf 34 unterschiedliche Messungen stützte, gelang es, 98 % der Exemplare ihrer korrekten rassischen Großgruppe zuzuordnen.

(Diese Studie ist: A. M. Brues (1990), „The once and future diagnosis of race“, in Skeletal attributions of race, Maxwell Museum of Anthropology, Albuquerqe.)

Eine weitere, jüngere Studie hatte eine Erfolgsquote von 80 % bei der Unterscheidung zwischen amerikanischen Weißen und Schwarzen, obwohl sie nur zwei Variablen verwendete. Mit sieben Variablen erreichte sie jedoch die Zuverlässigkeit von 95 %, und mit 19 Variablen stieg die Quote der korrekten Zuordnung auf 97 %.

(Diese Studie ist: S. Ousley et al. (2009), „Understanding race and human variation: why forensic anthropologists are good at identifying race“, American Journal of Physical Anthropology 139, S. 68 – 76.)

Außerdem kalkulierte ein weiteres Expertenteam bei der allgemeinen Abschätzung der Verläßlichkeit der Zuordnung eines gegebenen Datenpunkts zu einer von fünf Rassenkategorien, daß es unter manchen realistischen Bedingungen ausreicht, nur 13 Merkmale zu verwenden, damit die spätere Wahrscheinlichkeit der korrekten Zuordnung den Wert von 99 % erreicht.

(Diese Studie ist: L. W. Konigsberg et al. (2009), „Estimation and evidence in forensic anthropology: sex and race“, American Journal of Physical Anthropology 139, S. 77 – 90.)

Ja, die Menschenrassen sind Subspezies des Homo sapiens. Sie entwickelten sich über Zigtausende Jahre auseinander, während sich die Menschenpopulationen an ihre Umwelten (unsere angestammte Geographie) anpaßten.

Deshalb unterscheiden sich Schwarze, die sich im sub-saharischen Afrika entwickelten, genetisch von Weißen, die sich in Europa entwickelten (sehen Sie selbst). Noch einmal, dies ist bloß das, was wir nach allgemeinen evolutionären Prinzipien erwarten sollten.

Unter Schwarzen unterscheiden sich jene von westafrikanischer Abstammung, zu denen buchstäblich alle Spitzensprinter der Welt gehören, genetisch von jenen ostafrikanischer Abstammung, die stattdessen im Marathonlauf hervorragend sind (sehen Sie selbst).

Unter den Eingeborenen des Kongo, die natürlich schwarz sind, unterscheiden sich Mitglieder des Kongo-Stammes (oder „Volksgruppe“, falls Sie das vorziehen) genetisch von, sagen wir, Mitgliedern des Volkes der Baluba, die auch Luba genannt werden (sehen Sie selbst – sie sind ganz unten).

Rassenunterschiede im Genotyp, von denen wir wissen, daß sie existieren, erklären Unterschiede im Phänotyp (beobachtbare Merkmale), Unterschiede, die ziemlich mysteriös wären, wenn Rasse nur „gerade bis unter die Haut reichen“ würde oder ein „Sozialkonstrukt“ wäre. Abgesehen von der Hautfarbe gehören zu den erblichen Merkmalen, die zwischen Rassen unterscheiden, Haarfarbe und –struktur, Gesichtszüge (wie Nase, Lippen und Augen), Körpergröße, Körperbau, Knochenstruktur, Geschwindigkeit der physischen Reifung, Lungenkapazität, Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten, Häufigkeit von zweieiigen Zwillingen, Blutgruppe, Laktoseintoleranz, Körpergeruch und Gehirngröße. Siehe Michael H. Harts „Understanding Human History“, das hier gratis erhältlich ist.

Intelligenz

Die vorerwähnten Merkmale sind natürlich alle körperlicher Natur, aber verhaltensmäßige Eigenschaften sind ebenfalls erblich. Die Evolution hört nicht beim Hals auf. Die funktionelle Entwicklung des Zentralnervensystems beruht wie jedes andere System auf einem genetischen Plan. Es mag durch die Umwelt verändert werden, aber es gibt Grenzen. Falls Sie es nicht bemerkt haben: Kinder sind im Allgemeinen in der Lage, Sprache zu erlernen, aber Kätzchen sind das nicht – egal, wie erzieherisch ihre Umgebung ist.

Insbesondere ist Intelligenz in hohem Maß erblich. Dies erklärt vieles von den beobachteten Unterschieden in der Verteilung der Intelligenz (insbesondere der durchschnittlichen Intelligenz), von denen wir ebenfalls wissen, daß sie existieren.

Der durchschnittliche IQ eines Schwarzafrikaners liegt anähernd bei 70, was mehr als zwei Standardabweichungen unter dem weißen Durchschnitt von 100 liegt. Das ist ein riesiger Unterschied in den kognitiven Fähigkeiten. Er ist sicherlich teilweise umweltbedingt. Er ist fast sicher genauso auch teilweise genetisch bedingt.

Nicht nur gibt es direkte experimentelle Beweise für eine genetische Komponente bei den rassischen Intelligenzunterschieden, sondern es gibt auch noch die Tatsache, daß schwarze Amerikaner, die ungefähr die beste verfügbare Umwelt bewohnen (und laut Molekular-Anthropologen durchschnittlich zu 17 – 18 % weißer Abstammung sind) einen durchschnittlichen IQ von nicht mehr als 85 haben, immer noch eine Standardabweichung unter dem weißen Durchschnitt (die sogenannte IQ-Lücke)

Er könnte sogar nur 78 betragen, nachdem die schwarzen Amerikaner mit den niedrigsten IQs wahrscheinlich in vielen Stichproben unterrepräsentiert sind. (Würden Sie sich im Ghetto freiwillig zu Tests der kognitiven Fähigkeiten melden?) Siehe zum Beispiel Rushton und Jensens Artikel “Race and IQ,” von 2010, der die Erblichkeit von Gruppenunterschieden in der Intelligenz „zwischen 50 und 80 %“ ansetzt.

Der durchschnittliche IQ im Kongo ist annähernd 65. (Diese Schätzung ist der Mittelwert aus fünf beobachteten Durchschnitts-IQs, alle zwischen 62 und 68. Siehe Teil 3 und Lynn und Vanhanens Buch „IQ and Global Inequality“ von 2006.) Noch einmal, etwas von der Kluft zwischen den Kongolesen und Weißen (oder eigentlich zwischen den Kongolesen und anderen Afrikanern) liegt sicherlich an Unterschieden in der Umwelt (z. B. der vorerwähnte hypothetische ins Ohr kriechende Hirnparasit). Und noch einmal, etwas davon liegt sicher nicht daran.

Gebt nicht Belgien die Schuld

Anders als Rassen sind Grenzen nicht genetisch bedingt. Es gibt keine kongolesische Rasse. Aber die genetische Zusammensetzung des Kongo, die Verteilung von Allelen in jener Population, ist nicht dieselbe wie jene des benachbarten Uganda, und noch weniger dieselbe wie die Verteilungen in Frankreich und in der Mongolei.

Dies führt zu der Theorie „teilweise umweltbedingt, teilweise genetisch“ für die Schrecklichkeit des Kongo: „Heute ist der Kongo teilweise aus demselben Grund beschissen, aus dem er immer beschissen war und für immer beschissen sein wird (oder zumindest für mehrere tausend Jahre in der Zukunft): weil er voller Kongolesen ist, die genetisch gesprochen nicht dasselbe sind wie Franzosen oder Mongolen (etc.). Verschont also endlich die Belgier! Ohje.“

Diese konkurrierenden Theorien – eine rein umweltbedingt, eine teilweise genetisch – waren im Grunde das, was der britische Parlamentsabgeordnete Greg Mulholland im Sinn hatte, als er erklärte, daß die Anerkennung von Rassenunterschieden in der Intelligenz „engstirnig, intellektuell bankrott und moralisch verwerflicher Unsinn“ sei (was, wie ich hervorheben muß, eine völlige Umkehrung der Realität ist), und daß „es einfach die Realität der Geschichte ignorieren heißt, wenn man nicht eingesteht, daß vieles von den Problemen der afrikanischen Nationen an der Ausbeutung durch westliche Nationen über die Jahre und Jahrhunderte liegt“ (The Guardian, 2006).

In Teil 5 werden wir sehen, wie „die Realität der Geschichte“ Mulhollands Ansicht zermalmt statt unterstützt, daß irgendein Teil des zeitgenössischen kongolesischen Versagens an westlicher „Ausbeutung“ liegt.

* * * * * * *

(Diesen angekündigten fünften Teil hat Unamused bis jetzt noch nicht geliefert. Sobald er erschienen ist und ich ihn übersetzt habe, verlinke ich ihn hier als Fortsetzung.)

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