Star Dreck V: Affen und Gewalt

Von Kairos

#Über die Filmserie „Planet der Affen“ und ihre Remakes ließe sich ein eigenes Buch schreiben. Ich will mich daher in diesem Artikel auf drei Aspekte beschränken:

  1. Was wird in den Filmen über Gewalt und Krieg ausgesagt?
  2. Inwiefern ist die Beziehung zwischen Menschen und Affen als Metapher für rassische Konflikte geeignet?
  3. Wie wird der Zuschauer manipuliert?

Ich werde mich auf die Filme „Planet der Affen“ (1968 – hier unter „a“), „Rückkehr zum Planet der Affen“ (1970 – „b“), „Planet der Affen“ (Remake, 2001 – „c“), und „Planet der Affen: Prevolution“ (Prequel, 2011 – „d“) beschränken, womit ich zwei der Originalfilme und die Remakes abgedeckt habe. Die ersten beiden Teile sind einfach Kult. Die anderen Teile der alten Reihe waren finanziell wenig erfolgreich und reichten nicht an den Kult der ersten heran. Zu Recht, wie ich finde.

Dabei werde ich jeweils eine kurze Zusammenfassung der Filme liefern und dann die drei oben genannten Punkte analysieren (unter „Ad 1, 2 und 3“).

a) Planet der Affen

Drei Astronauten landen auf einem fremden Planeten, der von intelligenten, sprechenden Affen bewohnt wird. Es gibt hier auch Menschen, sie können aber nicht sprechen und werden von den Affen gejagt und wie Vieh behandelt. Der Astronaut Taylor überlebt als einziger die Strapazen, weil er aufgrund einer Verletzung zunächst nicht sprechen kann. Die Schimpansen- Wissenschaftlerin Dr. Zira erkennt trotzdem seine Intelligenz. Ein sprechender Mensch ist eine Bedrohung für die Affengesellschaft und so versucht der Orang- Utan Prof. Zaius Taylor zum Schweigen zu bringen. Es gelingt ihm aber zu fliehen und die „verbotene Zone“ aufzusuchen, wo er erkennt, dass er in Wirklichkeit nicht im Raum, sondern in der Zeit gereist ist und die Erde nach einem Atomkrieg von intelligenten Affen bevölkert wurde (da der Film ein paar Jahre auf dem Buckel hat und die finale Szene schon fast zur Allgemeinbildung gehört, denke ich, ich habe jetzt niemandem die Spannung verdorben).

Ad 1:

Einer der Hauptaspekte des Films ist die apokalyptische Vision eines Atomkrieges. Der Protagonist Taylor ist ein derber Zyniker, der schon zu Beginn des Filmes Hasstiraden über die Menschheit loslässt und froh ist, dass eine Rückkehr zur Erde unmöglich geworden ist. Am Ende des Filmes wird sein Zynismus aufs Grausamste bestätigt.

Sehr augenfällig ist auch die Botschaft, dass jemand mit einer Waffe in der Hand erst die volle Souveränität über sein Leben erlangt hat. Ähnlich wie bei Conan, der erst in einer Höhle ein Schwert finden muss, um seine Ketten zu sprengen, ist Taylors Kampf gegen die Affengesellschaft so lange aussichtslos, bis er ein Gewehr ergattern kann. Mithilfe der Waffe kann er Prof. Zaius in seine Gewalt bringen, sich gegen die ihn verfolgenden Waffen zur Wehr setzen und schließlich die Flucht ins Unbekannte antreten.

Ad 2:

Die Affen gehen mit den Menschen um, wie mit Vieh. Dies ist als Metapher für den Umgang der Menschen mit Tieren, aber auch als Kritik der rassischen Apardtheit gedeutet worden. Für Taylor „gelten die Affengesetze nicht.“ Weil er kein Affe ist, stehen ihm in der Affengesellschaft nicht die vollen Persönlichkeitsrechte zu. Prof. Zaius versucht alles, um die Affen in dem Glauben zu lassen, es gäbe keine intelligenten Menschen.

Die Schimpansen Zira und Cornelius füllen hier die Rolle der Universalisten aus. Sie bemerken, dass Taylor intelligent ist und kommunizieren kann und sind daher von Anfang an überzeugt, dass er mit Respekt zu behandeln ist. Die Würde des Menschen Taylor leitet sich aus seiner Intelligenz ab, die der Intelligenz der Affen ebenbürtig ist. Hier lässt sich natürlich eine Debatte über „Speziezismus“, Tierschutz und neurologisch- philosophische Fragen anschließen (wie intelligent muss ein Affe sein, damit er Anspruch auf Persönlichkeitsrechte hat?). Solche Debatten werden ja auch geführt, sogar von „Wissenschaftlern“, die sich tatsächlich nicht zu blöd sind zu fragen, was denn einen Afffen und einen Behinderten unterscheidet – beide seien ja intelligenzmäßig „anders talentiert.“ Ich finde diese Debatten mehr als müßig, weil ich nicht nur dem Speziezismus anhänge, sonden auch von den Unterschieden zwischen den verschiedenen Menschenrassen überzeugt bin.

Für eine Parabel über Rassekonflikte taugt der Film daher eher nicht, die Affen verhalten sich gegenüber den Menschen nicht rassistisch, sondern „speziezistisch.“

Rassistisch im Gegensatz zu speziezistisch ist dagegen das Klassensystem der Affengesellschaft, in welchem Gorillas Krieger, Orang- Utans Theologen und Schimpansen Arbeiter und Wissenschaftler sind. Dieses Kastensystem wird im Film als eine ungerechte Gesellschaftsordnung charakterisiert. Cornelius sagt zu Zira, es sei der Fluch von Gelehrten wie ihnen, dass sie Verantwortung hätten, aber keine Macht. Die Macht geht von den Orang- Utans aus, die Exekutive sind die brutalen, aber tumben, Gorillas.

Interessant ist in diesem Zusammenhang vor allem ein Aspekt:

„Durch die aufwendigen Masken waren die Akteure gezwungen, auch ihre Mittagspausen kostümiert zu verbringen. Dabei kam es zu dem Phänomen, dass die verschiedenen „Affenarten“ unbewusst unter sich blieben, wie in den verschiedenen Dokumentationen der DVD-Version des Films berichtet wird.“ (Wikipedia)

Ad 3:

Die Affengesellschaft wird als durch und durch korrupt dargestellt. Die Theokratie der Orang- Utans beruht auf Täuschung und Betrug, im Prozess gegen Taylor verhalten sich die Affen tatsächlich wie dumme Affen (bzw. wie dumme Menschen), das Affenleben baut auf der Lüge auf, der Mensch habe nie die Erde beherrscht. Der Film stellt die Frage, ob diese Lügen für das Bestehen der Affengesellschaft notwendig sind, nicht, er thematisiert nicht, was die Alternative zu der theokratischen Affengesellschaft wäre. Der Astronaut Taylor „dekonstruiert“ die Affengesellschaft genauso, wie er es vorher mit der Menschengesellschaft getan hat. Es wird, wie auch in anderen Filmen, Büchern und philosophischen Abhandlungen, nicht thematisiert, dass die naheliegende Alternative zu einer ungerechten Gesellschaftsform nicht ein von utopischer Gerechtigkeit überfließendes Paradies ist, sondern der chaotische Naturzustand des homo homini lupus (bzw. hier: hominida hominidae lupus). Die Schwärze von Taylors Pessimismus ist total, es gibt keinen Lichtblick. Selbst seine Flucht mit einem ihm zugetanen Menschenweibchen kann nicht als Neuanfang, sondern nur als Verzweiflungsaktion gedeutet werden, die ja auch in der Erkenntnis, dass er sich auf der zerstörten Erde befindet, kulminiert. Der zweite Teil verschärft diese Sinnlosigkeit noch.

b) Rückkehr zum Planet der Affen (1970)

Der Astronaut Brent sucht nach dem verschwundenen Taylor und landet ebenfalls auf dem „Planet der Affen.“ Er wird in der Affenstadt eingesperrt, Dr. Zira hilft ihm bei der Flucht, die ihn in das U- Bahnsystem von New York führt, wo menschliche Mutanten sich verschanzt haben und eine Atombombe als Gott anbeten.

Im finalen Kampf mit Affen und Mutanten betätigt Taylor den Auslöser der Atombombe. Der Erzähler schließt mit den Worten; „In einem der zahllosen Milliarden Galxien des Universums liegt ein mittelgroßer Stern. Und einer seiner Satelliten, ein grüner und unwichtiger Planet, is nun tot.“ („In one of the countless billions of galaxies in the universe lies a medium-sized star. And one of its satellites, a green and insignificant planet, is now dead.“ – ich glaube die deutsche Synchronfassung übersetzt anders, ich habe aus dem Englischen übersetzt).

Ad 1:

Auch im zweiten Teil wird, hier sogar noch extremer, die Sinnlosigkeit des kalten Krieges und der Bedrohung mit der atomaren Selbstvernichtung, thematisiert. Die Gewalt ist hier teilweise subtiler, als im ersten Teil, die Mutanten kämpfen mit Gedankenkontrolle. Die Affen sind noch roher und gewalttätiger dargestellt als im ersten Teil.

Ad 2:

Die Konflikte innerhalb der Affengesellschaft haben sich anscheinend verschärft, die Schimpansen, deren Aufmüpfigkeit sie im ersten Teil noch selbst überraschte, sind beinahe zu Aufständischen geworden, welche dem System nun klar ablehnend gegenüberstehen. Die Menschen werden weiterhin wie Vieh behandelt. Die Mutanten dagegen haben nicht mehr viel Menschliches an sich.

Ad 3:

Der Film ist für seine „Seitenhiebe auf die moderne Gesellschaft“ und seine „kritische Haltung“ gelobt worden. Wie so oft, wenn „Kritik“ draufsteht, ist hier allerdings Nihilismus drin. Es ist eine Sache vor den Gefahren des Atomzeitalters zu warnen, eine ganz andere ist es, den Protagonisten (jedenfalls den des ersten Teils, Heston spielt im zweiten nur eine Nebenrolle) den roten Knopf drücken zu lassen. Er bittet Prof. Zaius noch, ihm zu helfen. Dieser lehnt ab. Der Mensch sei nur zur Zerstörung fähig. Während er den Knopf drückt schimpft Taylor Zaius einen „Bastard.“ Mit der bewussten Vernichtung der Welt durch Drücken des Knopfes bestätigt Taylor alles, was Prof. Zaius über die Menschen gesagt hat: Ganz offensichtlich können sie nur zerstören, ganz offensichtlich war Zaius im Recht, als er im ersten Film Taylor als Bedrohung ansah und seine Ressentiments bezüglich der Menschen geäußert hat. Taylor spricht mit seiner Handlung das abschließende Urteil über die Menschheit, welches das Urteil von Zaius voll bestätigt. Nicht die Affen sind die Gefahr, sondern die Menschen. Das entwertet – nicht vom individuellen, aber vom philosophischen Standpunkt aus – Taylors Kampf im ersten Film zu etwas Sinnlosem.

Die an Schopenhauer und Nietzsche angelehnte Endbotschaft (zum Vergleich siehe die Zitate unterm Artikel) ist in ihrer Finalität und Brutalität ebenfalls alles andere als dazu geeginet, kritischen Geist zu evozieren. Alles, was bleibt, ist Verzweiflung.

Ich habe in meinen Vorbemerkungen zu „Weißer Zorn“ geschildert, dass ich die grüne Umweltreligion für eine apokalyptische Religion halte, deren theologischer Inhalt nicht das tatsächliche Bewahren der Schöpfung ist, sondern die unabwendbare Zerstörung des Planeten. Deshalb halte ich auch alle „grünen“ Projekte zur Umweltrettung für zum Scheitern verdammt. Es wird bei aller Anstrengung immer nur das herauskommen – herauskommen können – was als metaphysischer Inhalt vorgesehen ist. So verhält es sich auch mit „Warnungen“ wie der dieses Films: Statt ein „kritisches“ Bewusstsein für die Gefahr zu schaffen, gewöhnen sie den menschlichen Geist an die Vorstellung von der Vernichtung und die damit verbundene Verzweiflung. Ich war lange Jahre ein großer Fan von solcher Science- Fiction, halte sie allerdings mittlerweile für Psychoterror.

c) Planet der Affen (2001)

Ähnlich wie im ersten Teil herrschen hier die Affen über die Menschen. Die Menschen sind jedoch alle zur sprachlichen Kommunikation fähig, zudem ist der Planet der Affen nicht die Erde, sondern tatsächlich ein ferner Planet. Der Astronaut Davidson (Mark Wahlberg aka Marky Mark) führt die Menschheit in den Kampf gegen die Affen. Der Film ist von Tim Burton, man erwartet also meisterhafte Masken und Tricktechnik und bekommt diese auch. Das Drehbuch hat allerdings so seine Schwächen.

Ad 1:

Der ganze Film ist ziemlich absurd und mit Abstand der schlechteste aller Tim Burton Filme (und der schlechteste „Planet der Affen“ Film). Am absurdesten ist aber der Dialog von Astronaut Davidson und Affendame und Menschenrechtlerin Ari. Sie sagt, der „böse“ General Thade sei der Beweis, dass Macht immer auf Gewalt fuße. Er antwortet: „Nein, nicht dieses Mal! Nicht, wenn wir uns wehren!“ Mit dem Feuer der Antriebsdüsen seines Raumschiffes findet Davidson auch in der Tat ein sehr gewaltfreies Mittel, um Affen zu rösten. Tatsächlich wird hier verschleiert, dass es eben doch die Bereitschaft zur Anwendung von Gewalt ist, welche letztendlich über Freiheit und Unfreiheit entscheidet. Dabei mag man eine moralische Unterscheidung treffen, zwischen Gewalt, die angewandt wird, um zu unterdrücken und Gewalt, die angewandt wird, um gegen Unterdrückung zu kämpfen. Aber Gewaltlosigkeit kommt in diesem Spiel nicht vor, Gewaltlosigkeit führt in die Versklavung. Dabei will ich gar nicht bestreiten, dass eine Gesellschaft, die im Innern nicht von Gewalt dominiert ist, zivilisierter, angenehmer und fortschrittlicher ist, als eine Gesellschaft, in der Gewalt an der Tagesordnung ist. Nur wird erstere nach Außen hin mit Gewalt oder der glaubhaften Androhung von Gewalt auftreten müssen, um nicht von einer gewalttätigen Gesellschaft überrannt und geschluckt zu werden.

Ad 2:

Da die Menschen sich in diesem Teil wie Menschen verhalten und auch wie Sklaven und nicht wie Vieh gehalten werden, kann man das Remake viel eher als Kritik an rassischer Apardtheit ansehen. Die Affendame Ari faselt dementsprechend den ganzen Film von gleichen Rechten für die Menschen. Bezeichnend finde ich hier, dass die Idee einer räumlichen Trennung (die Affengesellschaft hier und eine neue Menschengesellschaft in einer entferten Region) ihr gar nicht zu kommen scheint, sie stattdessen von der „Integration“ der Menschen als gleichberechtigte Affen träumt. Der Auszug in die verbotene Zone und der Krieg mit den Affen hätte damit enden können, dass die Menschen ihr neues Territorium erfolgreich verteidigen. Stattdessen sorgt ein Schimpanse von der Erde, der in einem Raumschiff landet (Jackson hatte den Affen losgeschickt, bevor er selbst startete), der von den Affen für eine Art Messias gehalten wird, dafür, dass Affen und Menschen „Frieden“ schließen, der in der aufzubauenden Multispezies- Gesellschaft sicherlich lange vorhält

Ad 3:

Ein Aspekt ist die erwähnte Darstellung einer Vision von „Gerechtigkeit“ und „Gleichheit“ zwischen Affen und Menschen, ein anderer ist die Überzeichnung des Affengenerals Thade (gespielt übrigens von Tim Roth), der einfach nur roh, böse und instinktgesteuert ist. In Kombination mit dem erwähnten absurden Dialog lässt sich eine ziemlich platte „Friedens-“ botschaft der Marke „männlich=primitiv“ in den Film hineinlesen. Allerdings ist die Handlung derartig inkonsistent, dass ich solcherlei Deutungen schwierig finde.

d) Prevolution

Der Film spielt auf der Erde in der nahen Zukunft. Ein Wissenschaftler, der Alzheimer kurieren will und sein Medikament an Affen testet, erzeugt dadurch versehentlich einen hyperintelligenten Schimpansen. Da das Projekt gestoppt wird nimmt er den Affen zu sich nach Hause. Caesar (der Affe heißt genauso wie das Junge von Zira in Teil 3-5 der alten Filmreihe) wird aber in ein Affengehege gebracht, weil er beim Versuch seine (menschliche) Familie zu verteidigen Menschen verletzt hat. Dort erfahren die Affen eine grausame Behandlung, weshalb Caesar einen Aufstand anzettelt, indem er den Affen ebenfalls das Intelligenzmittel verabreicht. Den Showdown gegen Polizei und Nationalgarde gewinnen die Affen, sie siedeln sich in den Wäldern an, während ein neuer Stamm des Antialzheimervirus, der tödlich für Menschen ist, sich über die Erde verbreitet. Das nun (nach Ende der Filmhandlung) folgende Massensterben der Menschen dürfte ideale Bedingungen für eine Herrschaft der Affen generieren. Die im All verschwundene Rakete auf Marsmission lässt die Tür für eine Fortsetzung offen, welche eine Handlung analog zum allerersten Affenfilm haben könnte.

Ad 1:

Auch in diesem Film hat Gewalt eine Schlüsselrolle. Caesar wendet Gewalt an, um seine Familie zu schützen. Da er aber ein wildes Tier ist und kein Mensch, wird er dafür ins Affenhaus eingesperrt. Auch unter den Affen herrscht Gewalt, eine unbarmherzige Hackordnung. Die Wärter verhalten sich gegenüber den „dummen Affen“ ebenfalls gewalttätig. Durch Klugheit überwindet Caesar die äffische Gewalt und schafft ein Gemeinschaftsgefühl der (noch) dummen Affen. Der menschlichen Gewalt begegnen er und die anderen Affen allerdings mit handfester Gegengewalt. Diese Darstellung finde ich glaubhaft und sinnvoll: In der eigenen Gemeinschaft wird Einigkeit erzeugt, gegen den äußeren Feind wird losgeschlagen. Dazu passt es auch, dass Caesar seinem menschlichen Ziehvater, der ihn am Ende des Films wieder mit nach Hause nehmen will, sagt: „Caesar ist zu Hause!“ Nämlich bei seinen Mitaffen.

Die niederen Formen brachialer menschlicher Gewalt (Elektroschocker, Wasserschlauch) kann Caesar gegen die Menschen verwenden, der höherentwickelten Technik (Schußwaffen) begegnen die Affen mit cleveren Manövern, Affenfähigkeiten wie übermenschlicher Stärke und Kletterkunst und auch mit Opferbereitschaft (die Affen haben wie gesagt alle einen Intelligenzschub bekommen).

Ad 2:

Dieser Film begibt sich wieder ganz ins Spezies- Paradigma, die Affen sind Tiere, die als Versuchstiere missbraucht und unter tierunwürdigen Bedingungen eingesperrt werden. Die Wärter in der Affenhaftanstalt begegnen den Affen, speziell Caesar, allerdings zum Teil wie einem menschlichen Häftling und versuchen durch Misshandlung Dominanz zu schaffen. Daher ist ihre Verwunderung darüber, dass Caesar zurückschlägt und sogar spricht („Kannst Du nicht Deine Pfoten von mir lassen, Du blöder Affe?!“ – „Nein!“) ein wenig merkwürdig.

Ad 3:

Natürlich ist es völlig richtig, wenn die Wärter schockiert darauf reagieren, wenn ein Affe spricht. Die subtil dargestellte Behandlung der Affen durch die Wärter als „menschliche“ Gefangene erfüllt einen Zweck: Von Anfang an kann man überhaupt nicht anders, als sich mit den Affen zu identifizieren und bis zum Schluß des Filmes bleibt man auf ihrer Seite. Die Menschen in dem Film sind alle nicht sonderlich sympathisch dargestellt (inklusive der Hauptfiguren), bei den Affen jedoch wird das Alphamännchen, das Paschaverhalten zeigt und Caesar brutal attackiert, von diesem gezähmt und zeigt ein sanftes Wesen. Selbst der riesige Gorilla, der Inbegriff der Rohheit, kann in der finalen Schlacht gegen die Menschen entscheidende Sympathiepunkte sammeln, indem er auf Caesars Befehl hört, am Boden liegenden Polizisten nicht den finalen Hieb zu versetzen und sich schließlich sogar für ihn opfert. Der einzige Affe, der von Anfang an unheimlich wirkt und bis zum Ende hin böse bleibt ist derjenige, dem der agressive Virusstamm gespritzt wurde, der später das Ende der Menschheit bedeuten wird. In seiner Verschlagenheit und hinterhältigen Aggression bleibt er doch Opfer der menschlichen Willkür. Das hochaggressive Verhalten und die taktisch versierte Art zu kämpfen der Affen führt nicht dazu, dass man ihre Vorgehensweise ablehnt, wobei ein leichter primordialer Schauer natürlich mit zum „Spiel“ gehört.

Tatsächlich ist das alles eine ziemlich hinterhältige Manipulationsstrategie. Man sollte auf Seite der Menschen sein, egal wie unsymphatisch die rüberkommen. Für die Affen stimmen heißt für den eigenen Untergang stimmen! Ich sehe hier eine starke Parallele von zu „Avatar.“ Anders als bei dem Cameron- Film hat dieser Umstand mir aber bei „Prevolution“ nicht den Spass an der Sache genommen.

Resümee:

„Planet der Affen“ ist solide und skurille Science Fiction, welche das Genre stark beeinflusst hat und ein eigenes „Universum“ geschaffen hat, ähnlich wie Star Wars und Star Trek.

Die zynische und mit dem Holzhammer vorgetragene „Gesellschaftskritik“ ist jedoch zum Teil sehr manipulativ und vor allem destruktiv. Als Allegorie auf das Rassenthema sind die Filme nur bedingt zu verstehen (bzw. wenn man es darauf anlegt) und als Tierschutzfilme sind sie doch zu extravagant.

Intereressant für unseren Zusammenhang scheinen mir vor allem die beiden Aspekte Nihilismus und Manipulation der Zuschauersympathie zu sein.

Den in den Filmen dargestellten Nihilismus und Pessimismus in Bezug auf die menschliche Spezies finden wir auch in vielen anderen „Unterhaltungs“produkten (wer hat zum Bespiel in Matrix 1 nicht unwillkürlich genickt, als Agent Smith die Menschheit mit einem Virus vergleicht – denkt man das durch, dann fällt die Absurdität dieses Vergleiches ins Auge. Zunächst aber ist man geneigt unwillkürlich zuzustimmen, jedenfalls wenn man so mit Hollywoodpropaganda vollgestopft ist wie ich, als ich den Film Matrix zum ersten Mal gesehen habe). Er scheint mir geradezu ein Leitmotiv Hollywoods zu sein. Wobei die Kritik an der menschlichen Spezies hier immer Kritik am westlichen, modernen Menschen ist. Kannibalismus irgendwelcher Indianervölker oder islamischer Fundamentalismus sind keine kranken Auswüchse der „menschlichen Spezies.“ Dieser Selbsthass scheint mir ein besonders ausgeklügelter Arm der „weißen Schuld“ zu sein: Statt sich nur in seiner Identität als Weißer zu hassen, soll man sich auch seiner Identität als zur Spezies Mensch zugehörig schämen, wobei die „edlen Wilden“ den Fall Edens verschlafen haben und gar nicht wirklich zu den bösen „Menschen“ gehören.

Punkt Zwei ist die Tatsache, dass „der guckt böse“ oder „der mit dem Schnurrbart“ ein paar Dekaden her ist. Den Bösen braucht man heute nicht mehr zu erkennen, man wird durch filmische Mittel gezwungen ihn als solchen anzusehen und man kriegt es nicht mal mit, wenn man nicht drauf achtet. Filmwissenschaftler erzählen einem dann, ein Film bestehe nicht aus Szenen, sondern aus Schnitten und klären einen über die zahlreichen Manipulations- und Suggestionsmöglichkeiten auf.

Es ist überhaupt nicht nötig, dass zwischendurch für Sekundenbruchteile „Buy Coca Cola“ eingeblendet wird. Wenn ein Film es schafft, dass der menschliche Zuschauer sich mit den Feinden der Menschheit identifiziert, dann ist das Gehirnwäsche vom Feinsten.

In der Star Dreck Reihe bisher erschienen:

STAR DRECK I – Buffy

STAR DRECK II – Firefly

Star Dreck III – Starship Troopers

Star Dreck IV – Hollywoods Helden

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Frank Sinatra: “The House I Live In” von James Edwards

Star Trek und die multirassische Zukunft von Jonathan Pyle

Fiktive schwarze Helden: Star Trek von Hunter Wallace

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Zum Vergleich mit dem Ende von „Rückkehr zum Planet der Affen“:

Schopenhauer:

„Im unendlichen Raum zahllose leuchtende Kugeln, um jede von welchen etwan ein Dutzend kleinerer, beleuchteter sich wälzt, die, inwendig heiß, mit erstarrter, kalter Rinde überzogen sind, auf der ein Schimmelüberzug lebende und erkennende Wesen erzeugt hat.“

(Welt als Wille und Vorstellung, Band II)

Nietzsche:

„In irgend einem abgelegenen Winkel des in zahllosen Sonnensystemen flimmernd ausgegossenen Weltalls gab es einmal ein Gestirn, auf dem kluge Thiere das Erkennen erfanden. (…) Nach wenigen Athemzügen der Natur erstarrte das Gestirn, und die klugen Thiere mussten sterben.“

(Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinn)

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