Star Dreck I – Buffy

von Kairos

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Seit einer halben Ewigkeit reden Deep Roots und ich schon darüber, ein Projekt mit dem Namen „Star Dreck“ zu verwirklichen, in welchem wir verschiedene Science-Fiction-Produktionen auf versteckte politische Botschaften abklopfen wollen. Aber wie es nunmal so ist waren immer andere Dinge wichtiger.

Da mich nun die Muse geküsst hat, will ich mal vorlegen und damit vielleicht den Kampfgeist in Deep Roots wecken, den nächsten Teil zu dieser Serie zu schreiben. Natürlich sind auch alle Leser eingeladen, mitzumachen und Artikel beizusteuern.

Als ich die (unvollständige) Liste der „jewish actors“ im englischsprachigen Wikipedia (im deutschen Wiki gibt es keine ethnische Herkunft) durchging, fiel mir nicht nur auf, wie viele bekannte Schauspieler tatsächlich jüdisch sind, sondern auch, dass ein großer Teil der weiblichen Besetzung der Fernsehsehserie „Buffy the Vampire Slayer“ (dt. „Buffy – im Bann der Dämonen“) jüdisch ist.

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Sarah Michelle Gellar

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Michelle Trachtenberg

Alyson Hannigan

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Amber Benson

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Juliet Landau

Bei den Männern zumindest:

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Seth Green

Das sind die Schauspieler, deren jüdische Herkunft bei Wikipedia angegeben ist.

Autor und Produzent der Serie Joss Whedon wird als „american humanist and atheist“ geführt, zudem als feministischer Autor.

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Ich möchte nun zwei Fragen sauber auseinanderhalten, nämlich erstens, was es mit dem hohen jüdischen Schauspieleranteil auf sich hat und zweitens, wovon die Serie handelt und wie das zu bewerten ist.

Ich habe zur ersten Frage keine plausiblere Antwort als die, dass ich hier einfach Vetternwirtschaft in großem Stile wittere, so wie man es auch tun würde, wenn eine ägyptische Serie zu guten Teilen mit Kopten besetzt wäre.

Paradoxerweise spielt Alyson Hannigan, die einen katholischen Vater hat, als einzige auch in der Serie eine Jüdin, alle anderen spielen „Christen“ (ich komme noch darauf, warum ich das in Anführungszeichen setze).

Ich will gar keinen Zusammenhang zu den Inhalten der Serie konstruieren, für die man den Verantwortlichen, also Whedon, haftbar machen muss, nicht die Schauspieler.

Ich glaube ohnehin nicht recht daran, dass sich alle Hollywood-Produzenten hinsetzen und austüfteln, wie sie am besten versteckte politische Propaganda in ihre Filme packen können. Natürlich gibt es die, Spielberg ist zum Beispiel so einer, aber in den meisten Fällen ist die bewusste Planung von versteckter Propaganda gar nicht nötig, weil die Autoren, Produzenten, Schauspieler und sonstigen Mitwirkenden das politisch korrekte Paradigma vollständig verinnerlicht haben. Genau wie Politiker, die ihren Müll erzählen oder Menschen, die nach Afrika spenden, tun sie einfach das, was sie für richtig halten – was die sie umgebende Gesellschaft als richtig codiert hat. Wenn wir bei Buffy also zum Beispiel ein Gespräch sehen, in dem sich darüber unterhalten wird, dass „alles zusammenhängt“ und „Gaia“ groß und mächtig ist, dann ist das aller Wahrscheinlichkeit nach keine bewusst installierte grüne Propaganda, sondern einfach ein Nachplappern dessen, was der Mainstream eben von „Gaia“ halten zu müssen meint.

Also zur zweiten Frage:

„Buffy“ ist eine Teenager-Fantasy-Vampirsaga, die deutlich mehr in die Tiefe geht als vergleichbare Serien wie z.B. „Charmed“ (dt: „Zauberhafte Hexen“). Die Charaktere sind glaubhaft und geeignet, dass sich Jugendliche mit ihnen identifizieren, die Geschichten sind witzig und spannend, auch die Romantik kommt nicht zu kurz. Vor allem der Humor und die immer sehr zielgenau passenden Schnitte machen die Serie unverwechselbar.

Das alles sei hier nur am Rande erwähnt. Ich will hier auch gar nicht weiter auf das Vampirthema eingehen, das ich mir für einen späteren Artikel aufheben will. Worum es mir bei der inhaltlichen Analyse vor allem geht ist das mit dem „feministisch.“

Joss Whedon hat in einem Interview gesagt, dass er den Archetypen der „damsel in distress“ („Jungfrau in Not“) mit der Serie dekonstruieren wollte. Er hat einen weiblichen Superhelden kreiert, die „Jägerin“ (engl. „Slayer“).

Schon in der ersten Szene der Serie wird das Thema klar. Wie im Horrorfilm sind ein Junge und ein Mädchen nachts in der Schule. Sie schaut sich immer wieder um und will wissen, ob auch niemand da ist.

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Er beruhigt sie: „Hier ist niemand!“ Daraufhin verwandelt sich das ängstliche Schulmädchen in einen Vampir und stürzt sich auf den Ahnungslosen.

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Diese Vampirbraut, Darla, ist die erste von vielen weiblichen Antagonistinnen der Jägerin. Es folgen eine Gottesanbeterin, die Vampirbraut Drusilla, die Göttin Glory und viele weitere Schurkinnen.

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Aber Buffy kämpft – um Gleichstellung bemüht – natürlich auch gegen männliche Vampire, Dämonen und Bösewichte.

Als Jägerin ist Buffy auserwählt, Vampire zu jagen, sie hat Superkräfte, die ihr die Erfüllung dieser Aufgabe ermöglichen – das ist alles klassisches Comic- Superhelden- Zubehör.

Ihr zur Seite stehen die zunächst schüchterne Willow (Alyson Hannigan), die sich im Laufe der Serie zu einer mächtigen Hexe mausert und Xander (Nicolas Brendon).

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Der männliche Sidekick verkörpert geradezu perfekt das Problem der männlichen Jugend der Neunziger Jahre. Er ist ein Volltrottel, der außer ein paar mäßig witzigen Sprüchen keine Waffen im Spiel des Lebens und der Liebe hat.

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Der Gegenpart zu Xander ist der Vampir Angel (David Boreanaz), der eine Seele hat und deshalb für die Guten kämpft. Es ist schon erstaunlich, wie die Serie die Unmöglichkeiten der Drehbücher (man vergleiche Angel am Anfang der ersten Buffystaffel und am Ende seiner Spin-off Serie acht Jahre später – der „ewig junge“ Vampir mit dem Gesicht eines Engels ist leicht gealtert – aber für die Zuschauer funktioniert es!) kompensiert.

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Angel scheint mehr das zu sein, wovon Frauen träumen: Ein schönes Gesicht, aber eine düstere Aura und den Kick nicht zu wissen, ob man es mit einem Guten oder einem Bösen zu tun hat.

Im Laufe der Serie wird Buffy erwachsen, übernimmt Verantwortung, flieht vor Verantwortung, trägt Streitigkeiten aus, schließt Bündnisse, trifft ununterbrochen wichtige Entscheidungen und rettet unzähligen Menschen das Leben. Kurz – sie nimmt es wie ein Mann.

Ich will damit keineswegs sagen, Frauen könnten diese Dinge generell nicht tun, sondern nur, dass der aktive Part des Helden traditionell männlich besetzt ist – und genau das veranlasste Whedon ja nach eigener Aussage zu dieser „Dekonstruktion.“

Es gibt eine Folge, in welcher der Unterschied besonders deutlich wird. Buffy wird durch einen Zauber zeitweilig in eine Prinzessin aus dem 17. Jahrhundert verwandelt und verhält sich auch so. Im Vergleich zur selbstständigen und starken Vampirjägerin wirkt diese Prinzessin einfach nur wie eine hohle, feige Nuss.

Auch Buffys Mutter kann man als moderne Frau ansehen. Sie wird zwar sehr warm und mütterlich dargestellt, aber sie lebt in Scheidung und erledigt alles, was so anfällt, selbst.

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Das Ende der Serie hält noch einmal eine bezeichnende Wendung bereit: Durch einen Zauber ändern die Protagonisten die Festlegung, dass es in jeder Generation nur eine Jägerin geben kann. Alle „Anwärterinnen“ auf diesen Posten werden ebenfalls zu Jägerinnen.

Nicht nur, dass die Anwärterinnen aus aller Herren Länder stammen und sich so eine multikulturelle Vampirjägerarmee bei Buffy einfindet.

In der abschließenden Szene vor dem Endkampf gegen die Vampirarmeen sieht man, wie sich auf der ganzen Welt Frauen erheben, weil sie zu Jägerinnen wurden. Ein kleines Mädchen umfasst den Baseballschläger plötzlich selbstbewusster, eine junge Frau lässt sich die Schläge des Mannes nicht mehr gefallen, usf.

Whedon vollzieht hier innerhalb der Serie das, was er auch beim Publikum erreichen wollte: Die weiblichen Zuschauer sollen ein positives, aktives Vorbild erhalten und selbstbewusster werden.

Nun, man könnte nun sagen, dass man sich als Mann dann eben die Serie nicht ansehen sollte, so wie sich auch kein Mann freiwillig Titanic angesehen hat. Das greift meiner Meinung nach aber zu kurz.

Die 90er Teenie-Girls sind nicht alleinWhedons Zielgruppe, in Wirklichkeit ist die Serie viel subversiver. Auf dem geschilderten offenkundigen Wege des Aufbaus positiver weiblicher Helden bei gleichzeitigem Fehlen männlicher Identifikationsfiguren (alle vorkommenden Männer sind entweder böse, Idioten oder Vaterfiguren) wird dem männlichen Publikum ebenfalls eine Botschaft vermittelt.

They´re in – you´re out!

Wikipedia bezeichnet Whedon zu Recht als „feministischen Autor.”

Abschließend möchte ich noch darauf kommen, warum ich „Christen“ oben in Anführungszeichen gesetzt habe:

Im Buffyversum verbrennen sich Vampire an Kreuzen. Nicht an Davidsternen oder Halbmonden, an Kreuzen. Das Wort „Gott“ kommt aber (außer in der Phrase „o my god!“) nicht einmal in der Serie vor.

Buffy, die am Ende der 5. Staffel stirbt und am Anfang der 6. wiederbelebt wird, war – so glaubt sie jedenfalls – in der Zwischenzeit „im Himmel“, während ihre Freunde dachten, sie sei in einer von vielen Höllendimensionen, in welche Charaktere abzuschieben ein Luxus der Buffy-Macher ist. Verwaltet werden diese Dimensionen von Dämonen und höheren Mächten.

So etwas wie Engel gibt es aber nicht in der Serie, was im Spin- Off „Angel“ dazu führt, dass sich die Helden einer wahrlich erdrückenden Übermacht von Dämonen und menschlichen Verbündeten von Dämonen, welche auch noch große weltliche Macht besitzen, gegenübersehen. Sie entscheiden sich, obwohl es keine Aussicht auf Sieg gibt, trotzdem in den Kampf zu ziehen.

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Dieser Kampf einiger weniger gegen ein globales dämonisches Imperium, welcher trotz aller Hoffnungslosigkeit aufgenommen wird, ist inspirierend.

Und eine gute Überleitung zum nächsten Teil, wo ich mich mit Whedons zweiter Serie „Firefly“ beschäftige.

STAR DRECK II – Firefly

Star Dreck III – Starship Troopers

Star Dreck IV – Hollywoods Helden

Star Dreck V – Affen und Gewalt

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