Der Große Jüdische Exodus

jews_leaving_egypt

Von Roger Cohen, übersetzt von Deep Roots. Das Original The Great Jewish Exodus erschien am 19. Februar 2015 in der „New York Times“. Das Titelbild stammt nicht aus diesem Artikel; das habe ich bei Tanstaafl gefunden, dessen Bemerkungen zu „The Great Jewish Exodus“ ich am Schluß dieses Beitrags angefügt habe.
Für diejenigen, deren Browser bei anonym.to spinnt, habe ich hier den „gesicherten“ URL zum Selbernachschauen:

h**p://www.nytimes.com/2015/02/20/opinion/roger-cohen-the-great-jewish-exodus.html?_r=3#

Roger Cohen

Roger Cohen

LONDON – Sie waren fort, genauso vollständig wie aus Bagdad oder Kairo, Damaskus oder Alexandria. Sie waren aus Budapest und Brüssel verschwunden, aus Frankfurt und Padua, aus Paris und Manchester, aus Antwerpen und Stockholm.

Wie in der arabischen Welt fragte Europa sich, was es verloren hatte. Das Gewebe des Lebens war ausgedünnt, der Reichtum des Austauschs vermindert, das Blühen von Ideen eingeschränkt. Es fehlte etwas.

Sie sagten nicht viel. Sie packten und gingen, rollten ihre Koffer, trugen ihre Taschen und Bündel und Babies, mit einem kleinen Winken hier und da. Reich und arm, religiös und nicht, verkauften sie, was sie hatten, und gingen ihres Weges. Die Leute sahen mißbilligend zu, wie es ihre Vorfahren unter grausameren Umständen getan hatten, und fühlten sich ein wenig unwohl wegen des Exodus, unsicher darüber, was er bedeutete, aber sicher, daß es das Ende einer sehr langen Geschichte war.

War Europa nicht der Kontinent von Disraeli und Heine und Marx (alle getauft, aber trotzdem), von Freud und Einstein, von Rothschild und Bleichröder, von Dreyfus und Herzl, von Joseph Roth und Stefan Zweig? Was es nicht die Heimat des Jiddischen, einst die Erstsprache von Millionen, einer Sprache, die vielleicht einzigartig ist, wie Isaac Bashevis Singer anmerkte, weil sie nie von Männern an der Macht gesprochen wurde?

War es nicht der Schauplatz des großen Kampfes um die Emanzipation im 19. Jahrhundert, angefangen in Frankreich und über den Kontinent hinweg bis zum pogrombefleckten Ansiedlungsrayon, eines Kampfes, der dieses sture Volk mit seinem ewigen Bund der Ethik, das es mit einem gesichtslosen Gott eingegangen war, bis zum Höhepunkt der gehobenen Berufe geführt hatte, nur damit dieser für manche bedrohliche Prozeß im industrialisierten Massenmord der Nazis endete?

War Europa nicht gegen jede Wahrscheinlichkeit der Ort, wo der Liberalismus über die tödlichen Totalitarismen triumphierte? Das Land von Isaiah Berlin, der Kant zitierte: „Aus dem krummen Holz der Menschheit wurde niemals irgend etwas Gerades gemacht?“ Der Kontinent, wo dieses Volk nach der versuchten Auslöschung (an der die Mehrheit der Europäer beteiligt war) überlebte und neue Gemeinschaften bildete, sogar in Deutschland; ein Kontinent des krummen Holzes, jeder Äußerung und jedes Experiments in ihrer Identität, ihres teilweisen Identitätsverlusts, ihrer Annahme verschmolzener und mehrfacher Identitäten?

Ja, es gab oft ein Gefühl des Andersseins, eine selbst auferlegte Diskretion, aber es gab auch Beruhigung darin, Teil einer großen europäischen Annäherung zu sein, die über viele Jahrzehnte die Grenzen auflöste, wegen derer zahllose Kriege geführt worden waren, und die das Recht jedes Europäers jeden Glaubens und jeder Volkszugehörigkeit auf gleiche Rechte, freie Meinungsäußerung und die freie Ausübung seines Glaubens bekräftigte.

Aber jetzt waren sie fort. Ohne die Juden hatte Europa einen Teil seiner selbst verloren. Es hatte jedes Recht auf ein Gewissen verloren. Es war in seiner Grundsubstanz besiegt worden. Es hatte sich nach dem Schrecken des 20. Jahrhunderts wiedergeboren, nur um zu kapitulieren.

Das Judentum hatte einen seiner Bestandteile verloren, den europäischen Juden der Diaspora. Was die Menschheit betraf, so hatte es alle Hoffnung verloren. Die Menschheit war dem Alptraum der Stammesidentität erlegen, der dunkelsten Flut. Stammeskriege drohten.

Das Seltsame war, daß der Premierminister Israels, des 1948 gegründeten jüdischen Heimatlandes, das endlich die sichere Zuflucht war, der Ort, wo das Dazugehören nie eine Frage sein konnte, es so gewünscht hatte.

Es war der israelische Führer, der vorschlug, daß es Zeit sei, das europäisch-jüdische Experiment zu beenden. Er war viele Jahre lang im Amt gewesen. Er sah sich als den visionären Verteidiger und Sammler seines Volkes, als den Mann für jede Bedrohung (und diese schienen sich endlos zu vermehren).

Nach den Erschießungen von Juden in Brüssel und Paris und Kopenhagen, während europäische Soldaten und Polizisten ausschwärmten, um Synagogen zu schützen, und während er vor einer knappen Wahl stand, sagte der israelische Führer dies: „Es ist zu erwarten, daß diese Welle von Terroranschlägen weitergeht, einschließlich dieser mörderischen antisemitischen Anschläge.“

Er fuhr fort: „Wir bereiten uns auf die Absorption einer Masseneinwanderung von Juden aus Europa vor und rufen dazu auf.“ Er fügte hinzu: „Ich möchte allen europäischen Juden und allen Juden, wo immer sie sind, sagen: Israel ist die Heimat jedes Juden.“

Israel ist in der Tat die Heimat jedes Juden, und das ist wichtig, eine Art von Garantie. Es ist jedoch gleichermaßen wichtig, daß nicht jeder Jude diese Heimat wählt. Das ist eine andere Art von Garantie, von Europas liberaler Ordnung, der liberalen Idee selbst. Daher war es niederschmetternd, als Millionen von Juden, tatsächlich jeder einzelne von ihnen, wie unter einem Bann aufbrachen und ihr Zuhause in Mailand und Berlin und Zürich verließen.

Der Führer selbst war überwältigt: Wo sollte er sie unterbringen? Viele der liberalen Juden Europas, lange Fremde in fremden Ländern, die mit der Staatenlosigkeit zutiefst vertraut waren und an Hillels Summation der Thora dachten – „Was dir selbst verhasst ist, das tue deinem Mitmenschen nicht an“ – weigerten sich, Teil der sich ausbreitenden Siedlungen im Westjordanland zu sein, er israelischen Herrschaft über ein anderes Volk.

Der Premierminister erwachte erschüttert. Es war solch ein lebhafter Alptraum gewesen. Zu lebhaft! Er murmelte zu sich: „Sei vorsichtig mit dem, was du dir wünschst.“

* * *

Ende von Roger Cohens Kolunme. Hier ist Tanstaafls Kommentar dazu in „Recap and Reckoning“ vom 24. Februar 2015:

Abgesehen davon, daß er hier das jüdische Narrativ exemplifiziert (und in diesem Fall buchstäblich über dessen Erweiterung fantasiert), gibt es zwei Punkte, die ich in dem Podcast zu erwähnen verabsäumt habe. Erstens untergräbt Cohen seine eigene, die Realität auf den Kopf stellende Behauptung, daß die Juden einen positiven Einfluß auf die Europäer gehabt haben, indem er giftig destruktive Exemplare wie Marx, Freud und Rothschild anführt. Zweitens schreibt Cohen den Juden die Anstiftung zum den Juden dienenden „Liberalismus“ und dessen Aufrechterhaltung unter Europäern zu.

Aufdringliche „kosmopolitische“ Juden bauen ganze Karrieren auf dem Loxismus auf, der durch einen wahrhaft schizophrenen Wechsel zwischen Wehleidigkeit und Schadenfreude gekennzeichnet ist. Oft ist es, wie in dieser Kolumne, beides gleichzeitig. Während jedoch Juden wie Cohen laut jammern und prahlen, daß es ihr giftiger Stamm sei, der die ganze Essenz der europäischen Gesundheit ist, beschäftigen „Weißenpathologen“ sich mit der Suche nach einem Weg, irgendeinem Weg, wie es nicht wegen der Juden sein kann.

* * * * * *

Siehe auch:

Die jüdische Bedrohung von Tanstaafl
Die eiserne Wand von Wladimir Ze’ev Jabotinsky
Danke, aber nein danke („Nehmt eure ‚Segnungen’ und geht“) von Andrew Hamilton
Zu den Anschlägen von Paris: Ein interethnischer Bürgerkrieg mit drei Parteien, von denen nur zwei kämpfen von Sternbald
Es ist Zeit, die Schuldigen zu benennen von Sternbald
Heinrich Heine: Deutscher Dichter und politischer Agitator in causa judaica von Dan Michaels
Die Kultur der Kritik (4): Die jüdische Beteiligung an der psychoanalytischen Bewegung von Kevin MacDonald
Ethnizität und Physik: Wie „jüdisch“ ist die Relativitätstheorie? von Schattenkönig
Der größte wissenschaftliche Betrug des 20. Jahrhunderts: Einstein, der Blender von C. Galicia

Das „Pogrom“ von Limerick: Schaffung einer jüdischen Opferrolle von Andrew Joyce
Neubetrachtung der russischen Pogrome im 19. Jahrhundert, Teil 1: Rußlands Judenfrage von Andrew Joyce
Mythen und die russischen Pogrome, Teil 2: Erfindung von Greueltaten von Andrew Joyce
Mythen und die russischen Pogrome, Teil 3: Die jüdische Rolle von Andrew Joyce

Das Problem mit dem arischen Problem von Dunkler Phönix
Pathologie und Pathogen von Tanstaafl
Furcht und Genozid von Tanstaafl
Gaslighting von Tanstaafl

*     *     *

(Originalübersetzung hier)

Vorheriger Beitrag
Nächster Beitrag
Hinterlasse einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: