Wessen Gesetz?

Von Baron Bodissey, übersetzt von Deep Roots. Das Original Whose Law? erschien am 31. August 2012 auf Gates of Vienna.

Als ich noch ein Junge war, damals in den 1950ern und 1960ern, waren in Virginia immer noch „blue laws“ in Kraft, sowohl auf der Ebene des Bundesstaates als auch auf lokaler Ebene. Diese Gesetze waren in jenen Tagen im Süden ziemlich üblich, als Baptisten und Methodisten im öffentlichen Leben tonangebend waren – wie es großteils immer noch der Fall ist.

„Blue laws“ in Virginia bedeuteten, daß man gewisse Dinge an Sonntagen nicht kaufen konnte. Alkohol war das Hauptziel, aber es gab andere Artikel, deren Verkauf am Sabbat eingeschränkt war. Manche Counties waren völlig „trocken“ – sie verbaten den Verkauf alkoholischer Getränke an jedem Tag der Woche. Wenn man in einem dieser Counties lebte und Geschmack an dem Saft fand, mußte man in ein anderes County fahren, um sich einzudecken, oder Kontakt mit einem Verkäufer von Schwarzgebranntem herstellen. „White lightning“ ist heute immer noch alltäglich, besonders in den bergigeren Regionen des Commonwealth.

Weitverbreitete Opposition gegen die „blue laws“ entstand in den 1970ern, und die meisten davon wurden aufgehoben. Aber manche Counties – Pittsylvania ist eines davon – verbieten immer noch den Verkauf von Schnaps am Sonntag.

Der Impuls hinter diesen Gesetzen war religiös, aber sie wurden nicht in religiösen Begriffen formuliert. Sie widerspiegelten einfach örtliche Einstellungen, wie sie sich in Gesetzen auf Ebene des Bundesstaates oder der Counties ausdrückten. Somit waren sie völlig verfassungskonform.

* * * * * * *

Ich bringe all dies wegen einer Kontroverse zur Sprache, die kürzlich in den Niederlanden ausgebrochen ist. Geert Wilders, der Führer der Partei für Freiheit, ist wegen seiner Unterstützung eines Verbots ritueller Schlachtungen (sowohl koscher als auch halal) in seinem Land als „Antisemit“ angegriffen worden.

Regelmäßige Leser wissen, wie lachhaft es ist, Geert Wilders – der von ernsthaften Judenhassern als „Werkzeug der Zionisten“ betrachtet wird – des Antisemitismus zu beschuldigen. Aber es wird schlimmer: Manfred Gerstenfeld beschrieb Herrn Wilders als „einen Kerl, der an vorderster Front der antisemitischen Bewegung in Europa steht“.

Mir graut davor, das Thema in diesem Bereich anzuschneiden, weil ich nur zu gut weiß, wozu sich Diskussionen wie diese entwickeln können. Rationales Denken wird fallengelassen, höflicher Diskurs wird aus dem Fenster geworfen, und wir geraten zwischen die Skylla zorniger Juden und die Charybdis zorniger Judenhasser.

Angesichts des Formats von Geert Wilders in der europäischen Counterjihad-Bewegung kann man diese Konversation jedoch nicht ausweichen.

Der Hintergrund dieser Geschichte ist dieser: eine Tierschutzpartei in den Niederlanden brachte eine Gesetzesvorlage ein, die verlangte, daß alles Vieh vor der Schlachtung betäubt werden muß. Das Unterhaus des niederländischen Parlaments beschloß dieses Gesetz letztes Jahr, aber es ging im Senat nicht durch. Herr Wilders und die PVV unterstützen solch ein Verbot.

Gesetze betreffend halal und koscher schreiben vor, daß Tiere bei Bewußtsein sind, wenn sie getötet werden. Jedes Jahr werden in den Niederlanden Tausende Rinder nach beiden Formen religiöser Gesetze geschlachtet.

Ein prominenter niederländischer Rabbi griff Herrn Wilders kürzlich wegen seiner Haltung dazu an. Laut Yahoo News:

Rabbi warnt niederländischen Populisten Wilders wegen Verbot ritueller Schlachtung

AMSTERDAM (Reuters) – Israels führender Rabbi hat den niederländischen populistischen Politiker Geert Wilders gewarnt, daß die Unterstützung seiner Partei für ein Verbot der rituellen Schlachtung von Tieren in den Niederlanden „antisemitisch“ ist und die jüdische Gemeinde des Landes vertreiben könnte.

Wilders erlangte in den Niederlanden Prominenz, indem er den wachsenden Einfluß des Islam im Westen verurteilte und nach einem Verbot moslemischer Einwanderung, einen Stop des Moscheebaus und ein Verbot moslemischer Gesichtsschleier forderte.

Manche seiner offensten Unterstützer finden sich in der konservativen, proisraelischen Bewegung in den Vereinigten Staaten. Wilders nennt sich Israels „größten Freund“ und hat auch vorgeschlagen, einen niederländischen Nationalfeiertag zum Gedenken der Opfer des Konzentrationslagers von Auschwitz zu schaffen.

In einen Brief vom Dienstag an Wilders, von dem Reuters am Mittwoch eine Kopie erhielt, rief Oberrabbiner Yona Metzger Wilders’ Freiheitspartei dazu auf, ihre Unterstützung für ein Verbot ritueller Schlachtungen einzustellen.

Es ist die bisher stärkste öffentliche Verurteilung von Wilders’ Position zu dieser Bestimmung und kommt zwei Wochen, bevor die Niederlande am 12. September allgemeine Wahlen abhalten, bei denen erwartet wird, daß er einen beträchtlichen Anteil der Wählerstimmen gewinnen wird.

An dieser Stelle wird’s klebrig:

„Es ist offensichtlich, daß man nicht gleichzeitig ein Freund Israels und des jüdischen Volkes sein und andererseits ein antijüdisches Gesetz unterstützen kann“, schrieb Metzger.

„Indem ihr Juden verweigert, gemäß der Torah zu leben, werdet ihr sie schließlich dazu zwingen, die Niederlande zu verlassen, wo sie jahrhundertelang religiöse Freiheit genossen.“

Erstens geht es hier nicht darum, ob man ein „Freund Israels“ ist. Man kann ein Freund Israels sein, ohne darauf zu bestehen, daß das eigene Land jüdischen Gesetzen folgt.

Hier geht es um das Gesetz des Landes. Die Niederlande sind kein jüdischer Staat. Sie sind ein säkulares demokratisches Land mit einer langen christlichen Tradition. Die Gesetze der Niederlande müssen sich nicht nach jüdischen Gesetzen richten; sie müssen einfach die Ansichten und Vorlieben niederländischer Bürger widerspiegeln.

Wenn Juden sich nicht guten Gewissens an das Gesetz des Landes halten können, ja, dann werden sie vielleicht nach Israel übersiedeln wollen – und Gott sei Dank haben sie diese Wahlmöglichkeit! Aber das Gesetz braucht sich nicht ihren Wünschen zu beugen; sie sind verpflichtet, das Gesetz zu übernehmen, wie es von der Mehrheit ihrer niederländischen Mitbürger bestimmt wird.

Dies erscheint mir ziemlich einfach und unkompliziert, aber manche Juden finden es „antisemitisch“.

„Dies ist die klassische antisemitische Art, wie unsere Riten die ganze Geschichte hindurch aufs Korn genommen und dämonisiert worden sind“, schrieb er.

Ich bin sicher, daß viele Judenhasser in der Vergangenheit die koschere Schlachtung ins Visier genommen haben mögen, aber daraus folgt nicht, daß jeder, der gegen Ritualschlachtungen ist, auf den ersten Blick antisemitisch ist. Dies ist eine unlogische Folgerung.

Der Artikel beschreibt weiters das politische Minenfeld, in das Herr Wilders gewandert ist:

Der Verlust an Unterstützung prominenter jüdischer Führer könnte für Wilders schädlich sein, der Unterstützung von proisraelischen und antiislamischen Organisationen in den Vereinigten Staaten genossen hat.

Er hat wegen seiner antiislamischen Ansichten Todesdrohungen erhalten und wird rund um die Uhr bewacht.

Manfred Gerstenfeld, ein prominenter israelischer Autor, sagte in einem telefonischen Interview aus Jerusalem, daß das Verbot ritueller Schlachtungen in Europa benutzt worden ist, um Juden abzuschrecken.

„Werden Sie jemanden unterstützen, der sich an vorderster Front der antisemitischen Bewegung in Europa befindet?“, sagte er.

Dies ist unglaublich. Sich wegen dieser Frage gegen Wilders zu wenden, nach all seinen Jahren der Unterstützung der Juden und Israels, zeigt einen besorgniserregenden Mangel an Perspektive.

Ist volle Befolgung der Torah die einzige Option für einen nichtjüdischen „Freund Israels“?

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Der Leser, der den Link zum obigen Artikel in unserem Kommentarbereich hinterließ, hatte dies dazu zu sagen:

Die Juden haben sich gegen Wilders gewandt wegen der Unterstützung seiner Partei für das Verbot der rituellen Schlachtung von Tieren.

Deswegen sagen die heimischen Juden, daß er antisemitisch sei und an vorderster Front der antisemitischen Bewegung in Europa stünde.

Es ist amüsant, die Juden sind recht glücklich damit, von Musels gehauen und schikaniert zu werden, aber jemand unterstützt ein Tierschutzgesetz, und die Juden sehen ihn als das Böse in Person. Wer braucht Feinde, wenn er solche Freunde hat?

Wenn es das ist, wie es die Juden wollen. Vielleicht ist es Zeit, daß die Anti-Dschihad-Bewegung sich von der jüdischen Gemeinschaft trennt. Eine Gemeinschaft, wie ich hinzufügen könnte, die wegen ihrer linken Neigung sehr islamische Einwanderung und Rechte unterstützt.

Ein Arzt in Israel schickte uns eine Email, die seine völlige Unterstützung für die Position unseres Kommentators ausdrückte:

Ich stimme von ganzem Herzen zu. Es gibt zahlreiche Beispiele von Juden, die ihren Freunden die Freundschaft aufkündigen und ihre Feinde umarmen.

Die Anti-Dschihad-Bewegung ist dazu da, Europa zu retten, nicht die Juden der Diaspora.

Ich weihe euch in ein Geheimnis ein: Israelische Juden untergraben die antidschihadische Haltung Israels mit den Euros niederländischer Steuerzahler.

Indem wir es mit den nützlichen Idioten zu tun haben, sitzen wir im selben Boot.

Das tun wir in der Tat, und die nützlichen Idioten sind leider Legion.

Der Titel dieses Artikels ist eine Wiederverwendung von einem, den ich vor Jahren in Verurteilung der Scharia verwendete, aber er ist gleichermaßen auf jede andere Form religiöser Gesetze anwendbar. Alle Bürger müssen die Gesetze befolgen, die in einem demokratischen Staat beschlossen werden. Dies ist keine „Diskriminierung“ – in Wirklichkeit ist es genau das Gegenteil. Volle Gleichheit unter Gesetzen, die in gleicher Weise auf jeden angewandt werden, ist eine Garantie gegen Diskriminierung.

Es ist nicht „anti-islamisch“, auf volle rechtliche Gleichheit zwischen Männern und Frauen zu bestehen.

Es ist nicht „antichristlich“, Gesetze zu erlassen, die Abtreibung legalisieren.

Und es ist nicht „antisemitisch“, wenn ein demokratisch gewählter Gesetzgeber ein Gesetz gegen bestimmte Formen ritueller Schlachtung erläßt.

Dem Gesetz des Landes müssen alle Bürger gehorchen – Punkt.

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Links:

Die schlimmste Todsünde der Political Correctness von Tanstaafl
Weißer Nationalismus und der Counterjihad von Tanstaafl
Mit Freunden wie diesen… von Miriam Shaviv, worin die Autorin Geert Wilders und die EDL trotz ihrer demonstrativen Israelfreundlichkeit angreift
Stimmen unserer „Freunde“ , eine Zusammenstellung von mir
Deutschenfeindlichkeit: Erfahrungen mit Bat Ye´Or , ein Auszug aus Manfreds gleichnamigem Originalartikel samt Anmerkungen von mir
Israel, das Diaspora-Judentum und wir von mir
Zivilcourage ist, wenn einer aufsteht und laut sagt, … von Eisvogel
Broders neuer Schreibdurchfall, worin Killerbee zu ähnlichen, wenn auch wesentlich schärfer formulierten Schlußfolgerungen kommt wie Baron Bodissey
sowie die unter unserer Kategorie Vorhautkrieg zu findenden Artikel

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Quelle der Übersetzung: hier

Siehe auch diesen Artikel von Enza Ferreri auf „The Occidental Observer“:

White Britons Oppose Jews and Muslims over Animal Slaughter

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